, ,

Moschee-Gebetszeit auf Verkehrsschild: Penzberg setzt bundesweit ein Zeichen

kurzmeldungen penzberg moschee verkehrsschild

In Penzberg zeigt ein neues Schild die Moschee und die Zeit des muslimischen Freitagsgebets – ein bundesweit einmaliges Signal im Straßenbild.

Penzberg (KNA) Man kennt sie vom Vorbeifahren: An vielen Ortseingängen sind Tafeln mit Gottesdienstzeiten angebracht. Meist zeigen diese Schilder gelbe und violette Kirchen, die auf katholische und evangelische Gemeinden hinweisen.

Seltener gibt es andersfarbige Tafeln mit Bezug zu weiteren christlichen Angeboten. Im oberbayerischen Penzberg hängt neuerdings auch ein Schild mit einer Moschee in Blau und Informationen zum muslimischen Freitagsgebet – womöglich eine bundesweite Premiere.

„Uns ist nicht bekannt, dass es in einer anderen Stadt in Deutschland ein vergleichbares offizielles Hinweisschild gibt“, teilte der Penzberger Imam Benjamin Idriz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch mit.

Foto: Benjamin Idriz

Zum Hintergrund erklärte Idriz, die Idee sei beim Austausch zwischen Bürgermeister und Vertretern der katholischen, evangelischen und islamischen Gemeinde entstanden. Die Pfarrer hätten angeregt, die bestehenden Hinweisschilder zu erneuern.

„Im Verlauf des Gesprächs brachte ich den Vorschlag ein, auf den neuen Schildern auch die Zeit des muslimischen Freitagsgebets aufzunehmen. Dieser Vorschlag wurde vom Bürgermeister sowie von beiden Pfarrern ausdrücklich begrüßt und anschließend gemeinsam umgesetzt.“

Am Dienstag nun habe man die erste Tafel an einem der Penzberger Ortseingänge angebracht. Drei weitere Schilder würden demnächst an den übrigen Ortseingängen installiert.

Zu den Kosten machte Idriz keine Angaben. Sie würden von den Religionsgemeinschaften mitgetragen; auch die islamische Gemeinde beteilige sich.

Foto: islam-penzberg.de

Reaktionen auf die neue Tafel seien in Penzberg bisher durchweg positiv, so der Imam. Das neue Hinweisschild werde als sichtbares Zeichen gegenseitiger Wertschätzung und des respektvollen Zusammenlebens verstanden.

„Zugleich unterstreicht es die Offenheit unserer Gemeinde: Das Freitagsgebet und die Predigt finden in deutscher Sprache statt und stehen allen Interessierten offen – Muslimen ebenso wie Nichtmuslimen.“

Anders sei das Echo teilweise in Sozialen Medien. „Dort gibt es neben zahlreichen positiven Rückmeldungen und viel Zuspruch leider auch viele hasserfüllte und muslimfeindliche Kommentare“, sagte Idriz. „Das zeigt, dass Soziale Medien häufig nicht die Stimmung vor Ort widerspiegeln.“

Die Gottesdienst-Schilder gehen auf eine Verordnung des Bundesinnenministeriums von 1960 zurück. Sie erlaubte katholischen und evangelischen Gemeinden das Aufstellen der Hinweistafeln an Ortseingängen. 2008 gab das Bundesverkehrsministerium ein Schreiben heraus, das diese Erlaubnis auf alle Religionsgemeinschaften ausweitete.

Die Satiregemeinschaft „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ scheiterte im vergangenen Jahrzehnt mehrfach vor Gericht mit dem Anliegen, Gottesdiensttafeln im brandenburgischen Templin aufzustellen.

Zur Begründung hieß es, der Verein sei keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft. Später erlaubte die Stadt das Aufhängen gleichwohl.

,

Muslime in Bayern: „Historischer“ Fachtag in Penzberg stärkt Teilhabe

bayern muslime

Bayern: Erstmals versammelte sich eine breite Koalition muslimischer und zivilgesellschaftlicher Akteure in Penzberg – für mehr Sichtbarkeit, gegen Rassismus und für eine aktive Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens.

Muslime in Bayern: „Historischer Meilenstein“

(iz). Dieser Tag ist „ein historischer Meilenstein“ in Bayern, betonte Imam Benjamin Idriz beim Fachtag „Innermuslimischer Dialog: Muslimische Teilhabe in Bayern – Herausforderungen, Perspektiven, Verantwortung“ im Islamischen Forum Penzberg.

Nach seinen Worten zeigt das Treffen, dass diese Akteure in Bayern nicht nur über Teilhabe reden, sondern Verantwortung für das gemeinsame Zusammenleben übernehmen wollen. Gastgeberin war die Islamische Gemeinde Penzberg, eine seit rund drei Jahrzehnten bestehende, multinationale Gemeinschaft, die früh auf Transparenz, Dialog und deutsche Sprache in Predigten und Bildungsangeboten gesetzt hat.

Über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus München, Regensburg, Augsburg, Nürnberg, Erlangen, Rosenheim und Ingolstadt kamen zusammen – so breit war die innermuslimische und zivilgesellschaftliche Runde in Bayern nach Angaben der Veranstalter bislang nie.

Vielfalt prägt den Dialog

Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter muslimischer Vereine, Dachverbände und Moscheegemeinden ebenso wie Akteure aus Kirchen, Bildungseinrichtungen, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Umweltorganisationen und Medien. Imame, Lehrkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Juristen, Unternehmerinnen, Journalistinnen, Aktivisten und Multiplikatorinnen brachten ihre Perspektiven ein.

Auffällig war die gleichberechtigte Präsenz von Frauen und Männern sowie die große Herkunftsvielfalt: Deutsche, türkische, bosnische, arabische, albanische, afrikanische und afghanische Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägten eine offene Atmosphäre, die die Veranstalter mit dem Leitmotiv „Vielfalt in Einheit“ beschrieben.

Fotos: Benjamin Idriz/Facebook

Zentrale Themen: Teilhabe aktiv gestalten

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ihre Partizipation in Bayern sichtbarer, verantwortungsbewusster und wirksamer gestaltet werden kann. Diskutiert wurden gesellschaftliche Erwartungen, aktuelle politische Entwicklungen, mediale Wahrnehmungsmuster, die innere Vielfalt der Community, der interreligiöse Dialog sowie der Umgang mit antimuslimischem Rassismus.

Immer wieder wurde dabei betont, dass Muslime in Moscheegemeinden, Verbänden und zahlreichen ehrenamtlichen Projekten längst einen wichtigen Anteil zum sozialen Zusammenhalt und zur Stärkung demokratischer Werte leisten, dieser Beitrag aber noch nicht ausreichend wahrgenommen werde.

Idriz zufolge geht es darum, dass sie im Freistaat „sichtbar als Teil der Lösung auftreten“, statt nur als Gegenstand von Debatten vorzukommen – eine Botschaft, die sich in den Berichten über muslimisches Leben in Bayern immer häufiger wiederfindet. Mehr Selbstbewusstsein, eine klarere Kommunikation nach außen und verlässliche Partnerschaften mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren seien dafür entscheidend.

Fünf Workshops vertiefen die Themen

Nach einführenden Impulsen und einem offenen Plenargespräch arbeiteten die Teilnehmenden in fünf parallelen Workshops.

  • Im Workshop „Repräsentanz der Muslime“ ging es um die Frage, wie sie ihre Präsenz in Politik, Medien und gesellschaftlichen Räumen stärken können, ohne sich vereinnahmen oder auf Klischees reduzieren zu lassen. Diskutiert wurden Professionalisierung, Rollenmodelle, Vernetzung und der Aufbau tragfähiger demokratischer Strukturen.​
  • Der Workshop „Antimuslimischer Rassismus“ widmete sich Diskriminierungserfahrungen in Alltag, Behörden, Arbeitswelt und Medien. Die Teilnehmenden forderten ein besseres Monitoring, mehr Sensibilisierung in Schulen und Verwaltungen sowie niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote.​​
  • Unter der Überschrift „Religion und Bildung“ wurden Qualitätsfragen des Moscheeunterrichts, Herausforderungen des schulischen Islamunterrichts und die zunehmende Rolle digitaler Lernwelten diskutiert. Herausgestellt wurde die Notwendigkeit enger Kooperationen zwischen Moscheen, Schulen, Hochschulen, zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und staatlichen Stellen.​​
  • Im Workshop „Medien und Öffentlichkeit“ stand die häufig problemzentrierte Darstellung von Islam und Muslimen im Fokus. Erarbeitet wurden Ansätze, wie diese Akteure eigene Themen setzen, professionell mit der vierten Gewalt arbeiten, Social Media nutzen und selbstbestimmte Narrative entwickeln können.​
  • Im Workshop „Wirtschaft und Finanzen“ ging es um nachhaltige Strukturen: Finanzierungsmodelle, Professionalisierung, ökonomische Selbstständigkeit, Spendenkultur und transparente Verwaltung als Grundlage dafür, dass Gemeinden langfristig handlungsfähig bleiben.​​

Die Präsentationen machten deutlich, dass die Herausforderungen vielfältig sind, gleichzeitig aber ein großer Wille besteht, zusammen tragfähige Lösungen zu entwickeln. Häufig genannt wurden bessere Vernetzung, intensiverer innermuslimischer Austausch, ein stärkerer Einsatz für friedliches Zusammenleben und eine deutlichere gemeinsame Stimme der Muslime in Bayern.​​

Die Islamische Gemeinde Penzberg

Die Moscheegemeinschaft wurde Mitte der 1990er-Jahre von Muslimen vor Ort gegründet und hat sich seitdem zu einer multinationalen Gemeinschaft mit Strahlkraft über Bayern hinaus entwickelt. Das 2005 eröffnete Islamische Forum Penzberg gilt architektonisch wie inhaltlich als Modellprojekt: Gebete und Predigten finden überwiegend auf Deutsch statt, ergänzt durch weitere Sprachen wie Bosnisch oder Türkisch.

Die Gemeinde versteht sich als offen, dialogorientiert und klar auf die hiesige Gesellschaft bezogen; Bildung, Integration, Prävention von Extremismus und der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen vor Ort gehören zu ihren Kernanliegen.​

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete sie als als Beispiel dafür, wie ein europäisch geprägter Islam lokal gelebt werden kann. Vertreter der bayerischen Staatsregierung, der Kirchen und der Kommunalpolitik heben immer wieder hervor, dass die Gemeinde durch Führungen, Seminare, Bildungsarbeit und offene Türen zum Abbau von Vorurteilen beiträgt.

Fotos: Benjamin Idriz/Facebook

Vor diesem Hintergrund ist der Penzberger Fachtag für Idriz ein Signal: Was in einer Kleinstadt erfolgreich gewachsen ist, könne – in angepasster Form – in anderen Regionen gelingen.​

In seinen Augen unterstreicht der Fachtag, dass Muslime in Bayern ihre Rolle als aktive Bürgerinnen und Bürger betonen und Mitverantwortung für die demokratische Gesellschaft übernehmen wollen.

Er macht deutlich, dass Moscheegemeinschaften nicht nur auf Vorurteile reagieren, sondern eigene Ideen und konstruktive Lösungen einbringen. Er verweist darauf, dass echte Integration sich im Alltag und in verlässlichen Beziehungen entscheidet – in Schulen, Vereinen, Nachbarschaften und Kommunalpolitik – und dass muslimische Akteure in all diesen Bereichen präsent sein sollten.

Für 2026 ist eine Fortsetzung geplant

Der Fachtag klang mit einem geselligen Abendprogramm, kulinarischen Spezialitäten und offenen Wortbeiträgen aus, bei denen viele Teilnehmende die persönliche Atmosphäre und den konstruktiven Austausch hervorhoben.

Am Ende stand ein breiter Konsens: Die begonnene Arbeit soll Anfang 2026 fortgesetzt werden, um die angestoßenen Ansätze zu vertiefen, konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren und dauerhafte Netzwerkstrukturen aufzubauen.

Die Veranstalter sehen darin einen wichtigen Schritt, muslimische Teilhabe in Bayern langfristig zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen muslimischen Gemeinden, Politik und Zivilgesellschaft weiter auszubauen.

, ,

Imam Idriz: Islam kann Beiträge leisten

kurzmeldungen benjamin idriz dialog brief

Der Imam Benjamin Idriz spricht in einer evangelischen Kirche. Er wirbt für Zusammenstehen von Religionsvertretern gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Und für eine gemeinsame Erklärung zum Nahostkonflikt.

München (KNA). Der Penzberger Imam Benjamin Idriz hat die Politik in Deutschland aufgefordert, „konstruktive muslimische Kräfte“ stärker zu unterstützen. Der Islam habe mit seinen spirituellen Wurzeln und sozialen Werten das Potenzial, „das Gemeinwohl in Deutschland zu bereichern und die Demokratie zu stärken“, sagte Idriz am 24. November in der evangelischen Erlöserkirche in München.

Es liege an der Politik, diese Chance zu erkennen. Muslimische Bürgerinnen und Bürger seien zudem auch ein Wählerpotenzial.

Der Imam rief die Gesellschaft dazu auf, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gemeinsam zu bekämpfen. Dies seien alles „verbrecherische Haltungen“, die nicht toleriert werden dürften. Idriz warb in diesem Zusammenhang für eine gemeinsame Erklärung führender deutscher Religionsvertreter zum Nahostkonflikt.

Sie sollten einmütig für die Freilassung aller Geiseln, den Stopp des Krieges, die sofortige Bereitstellung humanitärer Hilfe und eine Zweistaatenlösung plädieren. Frieden, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit seien „die Grundwerte unserer Religionen“.

idriz

Foto: B. Idriz

Der Imam kündigte dazu in Kürze einen Brief an den katholischen Münchner Kardinal Reinhard Marx, den bayerischen evangelischen Landesbischof Christian Kopp, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sowie den Präsidenten der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, an.

„Eine vereinte Stimme aller Religionen gegen jede Form von Hass ist in der heutigen Zeit von entscheidender Bedeutung.“ Und: “Genau diese Stimme ist es, die die Mehrheit der Menschen in unserem Land hören möchte.“ Der islamische Geistliche fügte hinzu, Gewalt, Terror, Krieg oder Vergeltung dürften nicht im Stillen gutgeheißen werden.

Wenn Religionsvertreter Leid und Unrecht nicht offen verurteilten, „verlieren ihre Worte über Frieden und Menschenrechte an Gewicht.“ – Idriz äußerte sich bei einer sogenannten Kanzelrede auf Einladung der Evangelischen Akademie Tutzing.

,

Imam Benjamin Idriz: „Ein Brückenbauer zu allen“

kurzmeldungen benjamin idriz dialog brief

(iz). Imam Benjamin Idriz wurde 1972 als Nachkomme einer Gelehrtenfamilie im mazedonischen Skopje (damals Jugoslawien) geboren. In den 1980ern und 1990ern widmete er sich seiner Aus- und Fortbildung als Imam […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Interview: Imam Benjamin Idriz über die Zukunft der Community und seiner Pläne in München

(iz). In den letzten Monaten häuften sich Meldungen und Stellungnahmen über Meinungsverschiedenheiten zwischen Mitgliedern des Koordinationsrates der Muslime. Dabei ging es nicht nur um Personalien oder Einzelinteressen, sondern auch um Grundfragen der zukünftigen Ausrichtung.
Wir sprachen mit Imam Benjamin Idriz über Fragen der muslimischen Selbstorganisation, zukünftige Möglichkeiten der deutschen Community sowie sein Großprojekt in München. Idriz ist seit Längerem Imam der erfolgreichen, multikulturellen Gemeinde im bayrischen Penzberg und plant derzeit den Bau eines großen Zentrums in der Landeshauptstadt München.
Islamische Zeitung: Lieber Benjamin Idriz, heute, mehrere Jahre nach Einweihung der beeindruckenden Moschee im bayrischen Penzberg, streben Sie und Ihr Team den Bau eines wesentlich größeren Zentrums in der Landeshauptstadt München an. Wo steht das Projekt derzeit und was sind die größten Hindernisse, die Sie überwinden möchten?
Benjamin Idriz: Zunächst einmal sind es nicht die Hindernisse, sondern die Unterstützung, die das Projekt erfährt, die ich für ausgesprochen bemerkenswert halte. Diese Unterstützung kommt nämlich nicht nur von Muslimen (wo sie selbstverständlich sein sollte), sondern aus der ganzen demokratischen Gesellschaft, aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, aus Verbänden, von den Medien und aus allen Fraktionen des Münchner Stadtrats.
Nachdem eine extremistisch-islamfeindliche Minipartei über mehrere Jahre hin versucht hat, Unterschriften gegen das Projekt zu sammeln um damit einen Volksentscheid dagegen herbeizuführen, hat der Stadtrat dies als unzulässig abgelehnt, weil die islamfeindlichen Hetzer nachweislich mit falschen Behauptungen gearbeitet hatten. In derselben Sitzung hat der Stadtrat stattdessen eine Resolution „Solidarität mit den Muslimen in unserer Stadt“ beschlossen!
Das derzeit einzige Hindernis liegt in der Finanzierung. Es wäre natürlich schön, ein solches Projekt mit Spenden von Muslimen (und Nichtmuslimen) aus Deutschland zu realisieren. Für die Grundstücks- und Baukosten wird es aber, wie es scheint, nicht ohne einen oder mehrere Großspender aus der Golfregion gehen. Unsere Anfragen laufen in mehreren Ländern (Oman, Katar, VAE) – hier brauchen wir jetzt dringend baldige Antworten – sonst wird die Chance auf ein repräsentatives und zentral gelegenes Grundstück vergeben.
Islamische Zeitung: In der Vergangenheit haben Sie den Gedanken entwickelt, mit einem eventuellen Zentrum in München auch die Möglichkeit einer, mit anderen europäischen Einrichtungen vernetzt, Ausbildung einheimischer Imame anzubieten. Steht dieser Punkt noch im Blickpunkt Ihrer Bemühungen?
Benjamin Idriz: Das war von Anfang an einer der Hauptgedanken bei diesem Projekt. Dass inzwischen in Deutschland universitäre Zentren für islamische Theologie eingerichtet worden sind, ist eine ausgesprochen positive Entwicklung und entspricht dem, was wir die ganze Zeit befürwortet haben, auch wenn bisher dort ja noch keine Ausbildung für Imame stattfindet. Mit solchen Zentren, und falls möglich auch mit anderen europäischen Einrichtungen, wird unser „Münchner Forum für Islam“ gerne kooperieren – zum gegenseitigen Nutzen. Denn Imam wird man nicht allein durch Bücher und in Hörsälen. Hier braucht es die Einbindung in das „richtige Leben“ einer Gemeinde, die Erdung durch die tagtägliche Praxis. Das MFI könnte hier zum Beispiel die Möglichkeit von Praktika anbieten, die die universitäre Ausbildung (wenn es sie einmal für Imame geben wird) ergänzen.
Islamische Zeitung: Im Rahmen der aktuellen Debatte zur muslimischen Gemeinschaft wurde auch gefordert, Finanzierungen aus dem Ausland, analog zum österreichischen Gesetz, abzuschaffen. Ganz unabhängig davon, dass das sicherlich nicht beim Kampf gegen Radikalisierung helfen dürfte, lässt sich ein Riesenprojekt wie Ihres überhaupt ohne ausländische Hilfe realisieren?
Benjamin Idriz: Hier muss man unterscheiden, für den Erwerb des Grundstücks und für die Baukosten wird es, wie gesagt, ohne ausländische Großspender nicht gehen. Was aber dann den Betrieb des Zentrums angeht, werden Einflussnahmen von außen ausgeschlossen. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses dieses Projekts, dass Islam am Hier und Jetzt orientiert sein soll, also da, wo Menschen sich entschlossen haben, ihr Leben zu verbringen und die Zukunft ihrer Kinder und Enkel liegt. Die Bindung an Herkunftsländer war eine notwendige Phase in den ersten Jahrzehnten muslimischer Einwanderer in Deutschland. Aber jetzt muss etwas Neues entstehen, sonst blockieren wir die Zukunft des Islam in Deutschland.
Islamische Zeitung: Gibt es einen Druck auf öffentlich auftretende Gelehrte wie Sie, Rhetorik und Inhalte eines politisch-korrekten Diskurses zu übernehmen?
Benjamin Idriz: Meine Rhetorik und die Inhalte dessen, wofür ich stehe, was ich denke, sage und lebe, entstammen dem Qu’ran und der Sunna. Es geht darum, unsere Quellen in unsere heutige Wirklichkeit zu übertragen und uns ununterbrochen zu fragen: was bedeutet diese oder jene Aussage für uns hier und heute? Daraus resultiert eine sehr weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Islam und den Werten einer demokratischen Gesellschaft. Mit Druck von woher auch immer hat das nichts zu tun.
Was wir allerdings schon spüren, ist der ständige Druck, sich gegenüber den nicht enden wollenden Verbrechen zu distanzieren, die im Namen unserer Religion begangen werden. Hier ist es schmerzlich, dass Politik und Gesellschaft nicht wahrhaben, dass uns als Muslime diese Verbrechen genauso selbstverständlich entsetzen, wie andere auch; oder sogar noch mehr, denn es ist schließlich unsere Religion, die von den Verbrechern missbraucht wird. Das eigentliche Problem ist dabei aber nicht der Druck sich zu distanzieren – sondern die Tatsache, dass solche Verbrechen immer wieder verübt werden.
Islamische Zeitung: Sind Sie mit der Rolle zufrieden, die Gelehrte heute in der innermuslimischen Debatte spielen? Es ließe sich ja kaum behaupten, dass diese – und ihr Wissen – einen nennenswerten Einfluss auf die Entscheidungsbildung hätten…
Benjamin Idriz: In den letzten drei Jahren können wir Muslime durchaus ein starkes religiöses Autoritätsdefizit wahrnehmen. Die traditionellen Azhar-Gelehrten sind entweder entmachtet oder stehen unter politischem Druck, wie die Persönlichkeiten Al-Qaradawi oder Al-Tayyib. Hier in Europa war der ehemalige Großmufti von Bosnien Mustafa Ceric eine Stimme, auch er ist nicht mehr in der Position, in der er war. In Syrien ist Said Ramadan Al-Bouti grausam ermordet worden, und so sind in den letzten Jahren die bekanntesten Gelehrten von der Weltszene verschwunden. Leider gehen positive Stimmen, wie die von Mehmet Görmez, dem Religionsoberhaupt der Türkei, in dem großen Trubel unter.
Wo keine Autorität – dort herrscht Chaos. Und dieses Vakuum füllen heute selbsternannte Pseudo-Gelehrte. In Deutschland stehen wir nicht anders da. In dem Maß, in dem neu ausgerichtete Zentren wie eben unser MFI in Deutschland entstehen werden, kann auch das, was an den Universitäten stattfindet, viel mehr an die Basis und in die Gemeinden dringen. Diese Entwicklung kommt gerade erst in Gang, aber sie ist, glaube ich, auf die Dauer sicher nicht aufzuhalten.
Islamische Zeitung: In der Vergangenheit haben Sie sich skeptisch in Sachen des „organisierten Islam“ geäußert. Was hat Ihren Sinneswandel, den Beitritt zum Zentralrat der Muslime, hervorgerufen?
Benjamin Idriz: Meine Gemeinde in Penzberg ist multiethnisch und hat aus dem Zusammenwirken von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln ungeheuer profitiert. Genau das möchte der Islam ja von uns! Deshalb kann sich die Gemeinde als Ganzes keinem ethnisch oder national orientierten Verband anschließen. Der Zentralrat vertritt meines Erachtens eine Ausrichtung, die dem entspricht.
Organisierte Strukturen für die Muslime in Deutschland habe ich schon immer befürwortet; in dem von mir mit herausgegebenen Buch „Islam mit europäischem Gesicht“ wird ein entsprechendes Modell entworfen. Es sollte aber nicht aus mehreren parallelen und womöglich konkurrierenden Verbänden bestehen, sondern aus einer umfassenden, anerkannten Institution.
Islamische Zeitung: Nachdem der KRM an die Wand gefahren scheint, sehen Sie Alternativen für die Zukunft? Wenn ja, welche?
Benjamin Idriz: Wir haben in den letzten Monaten erlebt, dass endlich eine muslimische Stimme in Deutschland sehr viel mehr wahrgenommen wurde, als das früher der Fall war. Das haben wir Muslime doch seit langem ersehnt und auch gefordert. Sollten wir nicht dankbar sein, dass das jetzt zu gelingen scheint und alle gemeinsam den- oder diejenigen nach Kräften unterstützen, die sich mit Erfolg darum bemühen?
Wenn manche diese Entwicklung gerade jetzt torpedieren, ist das ein verheerendes Signal an die Politik und an die Öffentlichkeit: Ihr könnt die Muslime weiterhin ignorieren, ihr braucht sie weiterhin nicht ernst zu nehmen und nicht einzubinden, sie werden sich auf absehbare Zeit selbst blockieren. Hier müssten wirklich alle muslimischen Entscheidungsträger ihre Verantwortung ernster nehmen, als ihre jeweiligen Einzelinteressen.
Islamische Zeitung: Es gibt eine Vielzahl von Aspekten, die im Denkschemata des politisch organisierten Islam nicht vorhanden sind – was sich auch als „muslimische Zivilgesellschaft“ bezeichnen ließe. Wie könnte diese Zivilgesellschaft zukünftig angemessen Beachtung finden?
Benjamin Idriz: Viele Muslime halten sich von Moscheen fern, weil deren Ausrichtung oder Orientierung an andere Ländern sie nicht anspricht. Hier brauchen wir neue Angebote. Diese Angebote können und sollten aber über die Gebete hinausgehen. Seit wir in München einen provisorischen Sitz für das MFI eröffnet haben, ist aus dem Stand eine sehr vitale Gemeinde entstanden, die Muslime anspricht, die teilweise seit vielen Jahren auf so etwas gewartet haben. Dazu gehören nicht nur die Freitagsgebete, sondern soziale Angebote, Vorträge und Diskussionen, die kritisch und offen gehalten werden, sodass sich auch solche angezogen fühlen, die der Religion bisher vielleicht eher noch distanziert gegenüber stehen.
Islamische Zeitung: Ihre Penzberger Gemeinde ist seit Jahrzehnten multikulturell geprägt und bietet umfassende Aktivitäten an. Handelt es sich dabei um das Modell der Zukunft?
Benjamin Idriz: Es wird wohl auch in Zukunft solche Muslime geben, die emotional an der Bindung an frühere Herkunftsländer festhalten wollen, und das kann ja auch sehr wertvolle Aspekte beinhalten. Aber die Zukunft des Islam in Deutschland wird nicht dominant türkisch, bosnisch oder arabisch sein – sonst wäre er tatsächlich kein Teil Deutschlands. Der Prophet Muhammad hat nicht Mekka nach Medina verpflanzt, sondern nach der Hidschra in Medina etwas Neues geschaffen.
Islamische Zeitung: Lieber Imam Benjamin, wir bedanken uns für das Gespräch.
Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde
und:
https://twitter.com/izmedien
Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!
http://www.islamische-zeitung.de/?cat=abo

„IZ-Begegnung“ mit dem Penzberger Imam Benjamin Idriz

„Das Studium der islamischen Theologie in Deutschland hat, meiner Meinung nach, vertikal angefangen, aber in die falsche Richtung, nämlich von oben her. Wie jede Ausbildung muss auch die islamische Theologie von unten nach oben studiert werden, analog zum Bau eines Hauses.“

(iz). Der Penzberger Imam Benjamin Idriz arbeitet seit Jahren an den Plänen für eine repräsentative Moschee in München. Er könne nicht noch zehn Jahre investieren, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „In einer absehbaren Frist“ müsse es Fortschritte geben. Dem scheidenden Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hält der Imam vor, das Projekt zwar unterstützt, aber nie zur Chefsache gemacht zu haben. Der Name des Projektes lautet „Münchener Forum für Islam“ (MFI).

Seit 2007 setzt sich Benjamin Idriz für eine Moschee in München ein. Dazu sollen ein Gemeindezentrum, eine Islam-Akademie mit Imam-Ausbildung, ein Museum und eine Bibliothek kommen. Doch bisher gibt es noch nicht einmal einen Standort. Ein zunächst ins Auge gefasstes städtisches Grundstück kommt inzwischen nicht mehr in Frage. Mit ihm sprach die Islamische Zeitung über das Projekt sowie über die Rolle, die es für den Islam in Deutschland insgesamt spielen könnte.

Islamische Zeitung: Was ist die Absicht Ihres Vorhabens?

Benjamin Idriz: Unsere Initiative will nicht einfach noch eine große Moschee bauen, sondern entscheidend dazu beitragen, dass für Muslime wie Nicht-Muslime sichtbar wird: Islam ist nichts Fremdes in Deutschland und nichts Anachronistisches im 21. Jahrhundert. Die Muslime, die in unserem Fall in München zuhause sind und bleiben, die sich sprachlich und kulturell nicht oder nicht mehr in erster Linie an anderen Ländern orientieren wollen und die sich vom Islam zur Kooperation mit der Gesellschaft, zu Pluralismus und Demokratie, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit inspirieren und verpflichten lassen, sollen eine repräsentative Adresse in der Stadt bekommen.

Wir haben das ursprünglich „Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M)“ genannt, weil es um Islam im Hier und Jetzt geht. Die Bezeichnung ist aber von islamfeindlichen Extremisten propagandistisch instrumentalisiert wollen, die den Menschen einreden wollten, es ginge um ein „europäisches Islamzentrum“ in München. Nachdem Unterstützer, die das Projekt gern in München verwirklicht sehen wollen, dazu geraten haben, haben wir nach langen internen Entscheidungsprozessen kürzlich beschlossen, die Initiative umzubenennen. Sie heißt jetzt: „Münchner Forum für Islam“ (MFI).

Islamische Zeitung: Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ mahnten sie Fortschritte auf Seiten der politischen Entscheidungsträger an. Was muss Ihrer Ansicht nach Geschehen, damit es zu erkennbaren Fortschritten kommt?

Benjamin Idriz: Wir erfahren schon lange ein eindrucksvolles Maß an Unterstützung quer durch die demokratische Parteienlandschaft und von allen wichtigen Institutionen des öffentlichen Lebens, die großen Kirchen eingeschlossen. Dort ist bekannt, dass wir das, was wir in München verwirklichen wollen, seit vielen Jahren in Penzberg Tag für Tag umsetzen.

Vor mittlerweile vier Jahren haben alle Stadtratsfraktionen gemeinsam eine Beschlussvorlage für die Unterstützung des Projektes formuliert. Für alles Weitere ist aber eine tragfähige Finanzierung Voraussetzung – und darum bemühen wir uns weiterhin. Wir hoffen insbesondere, dass der neue Oberbürgermeister (OB Ude kann bei den bevorstehenden Kommunalwahlen nicht mehr antreten) das Projekt entschlossen unterstützt und wir in enger und guter Kooperation dann zügig vorankommen.

Islamische Zeitung: Welche Elemente sind in Ihrem Projekt vorgesehen? Wie soll es finanziert werden?

Benjamin Idriz: Natürlich ist eine zentral gelegene Gebetsstätte, eine schöne Moschee, Bestandteil des Projekts, die architektonisch in unsere Zeit passt und mit der Umgebung in Einklang steht; aber auch ein Gemeindezentrum, das den Austausch mit allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt pflegt, eine Akademie für die Aus- und Weiterbildung von Religionspädagogen/innen, ein Museum, das die Verflechtungen der islamischen Kultur und Geschichte mit Europa, und auch ganz speziell mit München, thematisiert, eine öffentliche Bibliothek über den Islam und interreligiösen Dialog. Das alles macht natürlich nur dann Sinn, wenn es nicht am Stadtrand oder in Industriezonen stattfindet, sondern dort, wo städtisches Leben pulsiert.

Die Finanzierung soll möglichst breit aufgestellt sein, damit auch dadurch zum Ausdruck kommt, wie weit die Unterstützer der Idee reichen. Jeder ist eingeladen, auch nur symbolische Bausteinchen mit beizutragen! Wir freuen uns über Spender jedweder Herkunft, auch über die Unterstützung durch andere Religionen – wir erwarten nur, dass die Sponsoren das Konzept und die Idee des „Münchner Forum für Islam“ befürworten. Was auf jeden Fall ausgeschlossen sein wird, ist eine inhaltliche Einflussnahme durch Geldgeber auf unsere Arbeit, auf die Ausrichtung des MFI.

Das gilt natürlich auch für größere Sponsoren – denn realistischerweise wird es so sein, dass für ganz große Anteile – wir reden hier ja von zweistelligen Millionenbeträgen – nur wenige Spender in Frage kommen können. Das Emirat Qatar hat sich hier seit längerem sehr interessiert gezeigt, und eben erst hat der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude am Rande der so genannten Sicherheitskonferenz in München mit dem qatarischen Außenminister ein Gespräch dazu geführt. Die Signale sind jetzt recht ermutigend.

Islamische Zeitung: In der Vergangenheit mussten Sie Erfahrungen mit Attacken durch so genannte „Islamkritiker“ in München machen. Wie ist die Politik und die Öffentlichkeit mit diesen umgegangen?

Benjamin Idriz: Tatsächlich findet derzeit in München die größte Hetzkampagne gegen Angehörige einer bestimmten Religion statt, die es seit 1945 in Deutschland gegeben hat! Natürlich ist es einerseits so, dass etwas derartiges, wenn es sich gegen eine andere Religion richten würde, nicht im Ansatz geduldet werden würde. Viele Muslime – aber nicht nur Muslime! – sind entsetzt und verstehen nicht, wieso es erlaubt sein kann, dass sie und ihre Religion praktisch täglich per Megaphon in der Fußgängerzone und auf den Straßen und Plätzen der Stadt derart beschimpft werden.

Andererseits erleben wir aber auch, dass die Stadt das ihr Mögliche tut und im Rahmen der Gesetze das Treiben der Rechtspopulisten einschränkt. Es hat sich ein breites politisches und gesellschaftliches Bündnis gegen diese neuen Formen des Extremismus, des Rassismus und der Menschenverachtung gebildet – worin die vielleicht wichtigste Errungenschaft liegen dürfte, die vor dem Hintergrund unseres Projektes jetzt schon verwirklicht wurde. Der Bayerische Verfassungsschutz hat (nachdem dort jahrelang in eine ganz andere Richtung gesteuert worden war) jetzt erstmals die Kategorie „islamfeindlicher Extremismus“ eingeführt und bezeichnet den Landesverband der Mini-Partei „Die Freiheit“ und deren hyperaktive Führungsgestalt, einen gescheiterten Sportjournalisten, der von einer eigenen politischen Karriere träumt, damit ausdrücklich als verfassungsfeindlich. Zu befürchten ist, dass diese Figur bei den bevorstehenden Kommunalwahlen in den Münchner Stadtrat einziehen wird – so wie das bisher vorher schon einem NPD-Mann gelungen war.

Islamische Zeitung: Seit Monaten diskutiert die muslimische Gemeinschaft in Deutschland auch das Thema „Islamische Theologie“. Kann Ihr Projekt auch einen Beitrag zu dieser sich entwickelnden Wissenschaft leisten?

Benjamin Idriz: Die Islam-Akademie des MFI versteht sich als Plattform für den wissenschaftlichen Diskurs. Hier kann an der Entwicklung einer Islamischen Theologie in Deutschland mitgearbeitet werden. Eine theologische Aus- und Fortbildung bringt nicht nur eine Dynamik in die Entwicklung einer Theologie ein, sondern reagiert auch auf das religiöse Leben der Muslime, insbesondere auf das Verlangen der neuen Generationen, ihre Religion in den deutschen Kontext einzubinden, und auf das Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung durch kundige Muslime.

Mit den universitären Zentren für islamische Studien strebt MFI eine Kooperation an und will Studierenden die Möglichkeit bieten, in Form von Praktika Gemeindeerfahrung zu erwerben. Hier begegnen die Studierenden den Menschen mit ihren Fragen und Problemen, die eben im Mittelpunkt ihrer Ausbildung stehen müssen, denn nur an der Basis, an den Graswurzeln, wird der akademische Prozess seine Bodenhaftung finden. In Deutschland haben wir mittlerweile in 6 verschiedenen Universitäten theologische Zentren, was wir ausdrücklich begrüßen. Diese Zentren bilden keine Imame aus, auch wenn die Medien das gern so darstellen.

Das Studium der islamischen Theologie in Deutschland hat, meiner Meinung nach, vertikal angefangen, aber in die falsche Richtung, nämlich von oben her. Wie jede Ausbildung muss auch die islamische Theologie von unten nach oben studiert werden, analog zum Bau eines Hauses. Erst steht das Fundament, dann die Wände und dann kommt das Dach. Eine theologische Ausbildung, welche nur an der Uni stattfindet, ist genauso, als wenn jemand ein Haus bauen will und dabei nur an das Dach denkt! Einige, die dort studieren, die kein Fundament haben, lernen erst die arabischen Buchstaben, und das ist dann so, als wenn ein Student der Mathematik erst an der Uni die Zahlen und Nummern lernt.

In islamischen Ländern gibt es zuerst voruniversitäre, anerkannte Schulen mit Schwerpunkt Islamische Theologie, wie „Imam-Hatip Lisesi“ in der Türkei, „Ma’had al-ulum al-schar’iyyah“ in arabischen Länder oder hier in Europa „Medresa“ wie es in Bosnien, Kroatien, Kosovo oder Mazedonien der Fall ist. Nach deren Abschluss erweitern die Schüler ihre Kenntnis an den islamischen Fakultäten.

In Deutschland ist dies leider nicht so, und deswegen ist es fraglich, inwieweit die Universitätsabsolventen entsprechend produktiv für die Gemeinden sein können, und ob überhaupt die Moscheegemeinden bereit sein werden, die Absolventen als Imame einzustellen. Diese Lücke zu schließen kann eine wichtige Funktion der Initiative MFI werden.

Islamische Zeitung: Lieber Benjamin Idriz, vielen Dank für das Gespräch.

Münchner Moschee-Projekt: Benjamin Idriz drängt

München (KNA). Der Penzberger Imam Benjamin Idriz drängt auf Entscheidungen beim Plan für eine repräsentative Moschee in der Münchner Innenstadt. Er könne nicht noch zehn Jahre investieren, sagte Idriz der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). „In einer absehbaren Frist“ müsse es Fortschritte geben. Dem scheidenden Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hielt der Imam vor, das Projekt zwar unterstützt, aber nie zur Chefsache gemacht zu haben. Nach seinen Worten sind Sponsoren bereits gefunden, die wissen wollten, wie das Projekt aussehe. „Aber ohne Grundstück kann kein Architekt einen Entwurf machen.“

Seit 2007 setzt sich Idriz für eine Moschee in München ein. Dazu sollen ein Gemeindezentrum, eine Islam-Akademie mit Imam-Ausbildung, ein Museum und Bibliothek kommen. Doch bisher gibt es noch nicht einmal einen Standort. Ein zunächst ins Auge gefasstes städtisches Grundstück kommt inzwischen nicht mehr in Frage.

Der Imam bedauerte, dass viel Zeit verloren gegangen und viel Energie investiert worden sei. Herausgekommen sei nichts außer „hyperventilierende Rechtspopulisten“. Idriz spielte damit auf regelmäßige Demonstrationen und Unterschriftensammlungen in der Münchner Innenstadt durch die Partei „Die Freiheit“ an, die das Projekt mit einem Bürgerentscheid zu Fall bringen will.

Idriz setzt nun alle Hoffnung auf den neuen Münchner Oberbürgermeister, der im März gewählt wird. Auch auf die Europawahl im Mai werde man wohl noch Rücksicht nehmen müssen, bis eine Entscheidung falle.

„Wir Muslime leiden unter dem, was in der islamischen Welt schief läuft“, sagte der Imam. Islamophobie habe viel Gründe, die Muslime leider mitverursachten. Das Münchner Projekt könnte aber dazu beitragen, das Image der Muslime zu verbessern, so seine Vision. „Wir müssen unser Islamverständnis hinterfragen. Das geht nur in einer Einrichtung, in der frei diskutiert wird und jeder erlebt, dass Islam und die Werte unserer freien und modernen Gesellschaft sehr wohl zueinander passen.“

Einen neuen Namen hat das Projekt bereits: Es heißt nicht mehr „Zentrum für Islam in Europa“ (ZIEM), sondern „Münchner Forum für Islam“ (MFI).

Penzberg: Beobachtung eingestellt – Islamische Gemeinde außer "Verdacht"

(iz). Die Islamische Gemeinde Penzberg hat sich lange gegen die Beobachtung durch den bayerischen Verfassungsschutz und den Entzug der Gemeinnützigkeit durch die Finanzbehörden gewehrt. Nun hat die umtriebige Gemeinde einen […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Musa Sahin über den Umgang des bayrischen Verfassungsschutzes mit der Islamischen Gemeinschaft Penzberg

(iz). Bereits im September 2010 stellte der Abgeordnete des Bayerischen Landtages Prof. Dr. Georg Barfuß (FDP) eine schriftliche Anfrage an das bayerische Staatsministerium des ­In­neren, wie die bayerische Staatsregierung die […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Dokumentation: Presseerklärung der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. zur neuerlichen Erwähnung im Verfassungsschutzbericht

(PM IGP). Wir bedauern, dass alle Versuche, das Innenministerium von einer erneuten Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2010 abzubringen, nur eingeschränkten Erfolg hatten. Hohe und höchste Repräsentanten der Religionsgemeinschaften, Diplomaten sowie führende […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.