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Schaikh Hamza Yusuf über die Nacht der Macht

Die Nacht der Macht – oder Laitulqadr – ist ein besonderer Augenblick, in dem sich unsere Existenz an einem Punkt verdichtet.

(Zaytuna). Die Gemeinschaft der Muslime ist derzeit zersplittert und es gibt in ihr viel Leid. Möge Allah uns zusammenbringen und die Herzen vereinen. Denn er ist der Einzige, der dazu in der Lage ist. Wir haben uns als unfähig erwiesen.

Ich wurde gebeten, über die Nacht des Schicksals (Lailat Al-Qadr) zu reden, und wollte darin allgemein zum Ramadan sprechen und insbesondere darüber, was dieser Augenblick für diesen Monat meint. Der Vers im Qur’an, aus dem der Begriff stammt, lautet „wir haben ihn ja in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt“ (Al-Qadr, Sure 97, 1), was die Herabkunft der Offenbarung bedeutet.

Nacht der Macht – etwas kommt herab

Das in diesem Qur’anvers verwendete arabische Wort leitet sich davon ab, dass etwas – bspw. der Regen – herabkommt. Ebenso kommt die qur’anische Offenbarung herab, wie es in der Sura Al-Qadr aus dem letzten Sechzigstel des Qur’an erwähnt wird.

Laut den Qur’ankommentatoren kann das Wort, nachdem dieses Kapitel benannt wurde, viele Bedeutungen enthalten. An anderer Stelle wird dieser Moment als ein „gesegneter“ beschrieben.

Einer der Inhalte ist, dass es sich um eine Nacht handelt, in der die Dinge für das kommende Jahr vorgesehen werden. Aus dieser Perspektive ist es eine wichtige Nacht. Denn wir glauben, dass Allah alles vorherbestimmt hat. Dies ist einer der Aspekte, die in unserer Glaubenslehre wurzeln.

Sie enthält sechs essenzielle Punkte, die der Prophet in einem Hadith beschrieb, als Jibril, Friede sei mit ihm, ihn vor seinen Gefährten fragte, was Iman sei. Einer davon war, dass man an das Qadr glaubt bzw. an das, was vermessen ist. Manche verwenden das Wort Schicksal.

Schicksal ohne Falle des Determinismus

Die Herausforderung dabei ist, dass man in das Problem des Determinismus geraten kann. Das ist etwas, woran Muslime nicht glauben, dass die Dinge in dieser Weise so bestimmt sind, ohne an dieser Bestimmung teilzunehmen. 

Mit anderen Worten: Der Mensch hat einen freien Willen. Das ist eines der göttlichen Geheimnisse. Man kann es so betrachten: Es gibt die newtonsche Physik und die Quantenphysik.

Man darf beide nicht auf derselben Bedeutungsebene anwenden. Die von Newton gilt nicht auf der Quantenebene und die Quantenphysik gilt nicht auf der newtonschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieselbe Realität aus unterschiedlichen Dimensionen zu betrachten.

Wir wissen, dass dies eines der Geheimnisse dieser Zivilisation und ihrer Macht ist. Es ist interessant, dass Qadr mit Qudra verwandt ist, was Macht bedeutet. Manchmal wird sie daher als „Nacht der Macht“ übersetzt, weil Messung eines der Mittel ist, durch die Leute gestärkt werden.

Der Mensch und seine Vermessenheit

Die Fähigkeit, Dinge zu vermessen, verleiht den Menschen eine unglaubliche Macht. Und das ist einer der Gründe, warum die westliche Zivilisation davon besessen ist, alles zu messen.

Allah hat Macht über eine jegliche Sache. Und Er misst sämtliche Dinge. Er weiß, wie viele Sandkörner es gibt. Er weiß um alle Atome im Universum. Ein jedes dieser Dinge ist im Wissen Gottes enthalten. Und so kann diese menschliche Fähigkeit des (Ver)Messens, die uns Macht verleiht, niemals in der Gegenwart der göttlichen Fähigkeit bestehen. Sie wird einfach aufgehoben. Sie glauben, sie hätten Kontrolle über die Erde. Und an diesem Punkt sagt Allah: „Unser Befehl kommt.“

Er demonstriert seine Qudra in der tatsächlichen Nacht der Macht. Er zeigt euch, dass Er eine solche erschaffen kann, die in ihrer Belohnung für das, was ihr in ihr tut, tausend Monaten entspricht. Das ist eines der außergewöhnlichen Geschenke, die dieser Umma gegeben wurden. Allah kann die Zeit dehnen. Und Er kann sie verkürzen. In diesem Moment gibt Er uns die Belohnung von eintausend Nächten. Man kann im Laufe eines Lebens umgerechnet tatsächlich bis zu tausend Monate fasten.

prophet sunna

Foto: Archiv

Herabsendung als Ereignis und als Prozess

In dieser Sure sagt Allah, dass er den Qur’an herabgesandt hat. Der Tradition zufolge kam er in einem singulären Event von der gut erhaltenen Tafel herab. Und Jibril brachte ihn von dort. Ab diesem Zeitpunkt wurde er dem Propheten über einen Zeitraum von 23 Jahren stückweise offenbart. Er wurde nicht nur in einem einzigen Ereignis gegeben, sondern das war der Beginn der Offenbarung, so die Überlieferung.

Ich möchte schnell zu einem der wichtigsten Aspekte des Monats zurückkehren: dem Qur’an. Allah sagt, wenn er den Ramadan in ihm erwähnt, dass er „eine Rechtleitung für die Menschen“ ist. Er ist eine Klarstellung dieser Rechtleitung.

Und ist eine Richtschnur für das Unterscheidungsvermögen. Allah gibt etwas, das dazu befähigt, zwischen richtig und falsch, gut und böse, zwischen dem, was fromm und tugendhaft ist, und dem, was es nicht ist, zu unterscheiden. Der Qur’an ist dieses große Geschenk, das der Umma gegeben wurde.

Diese Suren weisen eindeutig klare Strukturen auf, die man nach gründlichem Lesen erkennen kann. Fahreddin Ar-Razi sagt, dass nur wenige Menschen jemals in diese eindringen. Denn der Qur’an verlangt eine Art von tadabbur: „Denken sie nicht tief über diesen Qur’an nach?“

Das meint, etwas bis zum Ende zu durchdringen. Bis zum Abschluss zu gehen. Und das Buch Allahs kann nie durchdrungen werden. Aber hier bedeutet es, profund darin einzutauchen, um aufrichtig zu versuchen, es zu verstehen. Dies ist eines der Dinge, die für die Umma wichtig sind, um ihre Beziehung zum Qur’an wiederherzustellen.

Einer der Punkte, die man immer haben sollte, ist jemanden, der in einer Situation mehr weiß als andere. Deshalb braucht man Gelehrte. Aber gleichzeitig müssen wir aus dieser völligen Abhängigkeit von ihnen herauskommen. Wir selbst sollen uns aktiv mit dem Lernen beschäftigen.

Wenn wir das nicht tun, wird es zu einer passiven Erfahrung, sodass die Menschen nie daran arbeiten, die göttliche Offenbarung zu verstehen. In ihr wird verlangt, dass die Leute darüber nachdenken. Allahs Buch fordert uns auf, sich mit ihm zu beschäftigen.

Bewusst

Foto: as-artmedia, Adobe Stock

Ibn Juzay Al-Kalbi über den Qur’an

Einer der großen Mufassirun unserer Tradition, Ibn Juzay Al-Kalbi, hat eine schöne Zusammenfassung des Qur’ans gegeben. Er sagte, wenn man jemanden fragt, was sein Zweck sei, die Leute mit verschiedenen Dingen aufwarten werden. Er bot eine schöne Definition des Qur’an. Er sagte, dass er die Schöpfung dazu aufruft, den Schöpfer, d.h. Menschen und Dschinn, anzubeten und in seinen Din einzutreten.

Er führt dann aus, dass das zwei zusätzliche Dinge verlangt. Das meint, zu welcher Anbetung wir aufgerufen sind und was die Anreize sind, dies zu tun? Allah sagt: Solltest du das machen, bekommst du eine Belohnung. Oder wer das tut, bekommt das. Und das andere ist der Stock, der sagt: Wenn du das tust, wird das geschehen. Wenn du das nicht machst, wird das passieren. Es ist eine Warnung. So werden die meisten Menschen motiviert.

Imam Al-Ghazali und andere haben gesagt, dass sich die Muslime auf höchster Ebene darüber erheben. Das ist die allerhöchste Stufe von Leuten, die Allah verehren, weil er dieser Anbetung würdig ist.

Dann sagt Ibn Juzay: Wer ins Detail geht, wird feststellen, dass alle Bedeutungen des Qur’an auf sieben zurückgehen. Die erste ist ‘Ilm Al-Rububiyya, das Wissen über unseren Herrn. Die zweite ist Nubuwa, das Wissen über die Propheten und Gesandten. Die dritte ist Ma’ad, was nach dem Tod geschieht. Dann kommen Wa’ad und Wa’id – die Warnungen und Versprechen. Dann die Ankam, die Regeln, die Allah uns gegeben hat. Und die Qasas, die Geschichten, die Allah erzählt hat.

Ein Großteil des Qur’ans besteht aus Berichten über frühere Völker. Die am häufigsten wiederholte Geschichte im Qur’an ist die von Pharao und Moses, weil dies das am meistverbreitete wiederkehrende menschliche Phänomen ist: die Beziehung zwischen dem Unterdrücker und dem Unterdrückten.

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Ramadan 2026: Wie besiegeln wir das Fasten?

fasten

Aus dem Alltag der Muslime: Damit unser Fasten angenommen wird, müssen wir einige Bedingungen erfüllen. (iz). So schnell sich der Fastenmonat nähert, so rasant ist er für manchen schon wieder […]

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Ramadan 2025 – Nahrung für die menschliche Seele

ramadan seele

Ramadan – der heilige Fastenmonat und die fröhlichste Zeit für Muslime gehen in ihren 14. Tag.

(iz). Dreißig Tage lang verzichten Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Hier sind ein paar weitere Grundlagen, für alle die ein wenig ihre Basiskenntnisse erweitern möchten.

Die gesundheitlichen Vorteile des Fastens sind längst etabliert. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, wie der Ramadan den menschlichen Geist nährt und stärkt. Einige Aspekte stechen besonders hervor.

Charakterbildung

Ramadan ist eine Zeit der heiligen Selbstfindung. Eine Zeit, die beste Version des menschlichen Selbst zum Ausdruck zu bringen und sie in den Rest des Jahres und darüber hinaus zu tragen. Der Prophet Muhammad ermutigte seine Anhänger, den höchsten und ganzheitlichsten Grad des spirituellen Fastens anzustreben.

Wie der muslimische Gelehrte Bediüzzaman Said Nursi erklärt, besteht das Ziel darin, alle inneren und äußeren Fähigkeiten in ein spirituelles Fasten einzubeziehen und in einen fast engelhaften Zustand zu gelangen. Das Vermeiden ungesunder und negativer Gefühle, Gedanken und Handlungen ist eines der Ziele des Fastens.

In diesem Prozess völliger Hingabe und tiefer Kontemplation unternimmt die Person Anstrengungen, um mehr Achtsamkeit und viele wichtige Tugenden wie Barmherzigkeit, Güte, Demut, Geduld, Beharrlichkeit und Belastbarkeit zu kultivieren. Hier ist der Koran – erstmals im Monat Ramadan offenbart – der ultimative Leitfaden für diese Zeit der spirituellen Selbstverwirklichung.

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Foto: Kim Cruickshanks, Unsplash

Essentialismus

Weniger ist mehr. In einer Welt, die von einer konsumorientierten Einstellung geprägt ist, erinnert der Ramadan den menschlichen Geist durch sanfte und maßvolle Abstinenz daran, dass eine Rückkehr zum Wesentlichen für den menschlichen Geist gesund ist. Ein Leben in Einfachheit und Zufriedenheit lässt die Seele wieder aufatmen.

Ramadan kultiviert mehr Respekt gegenüber den natürlichen Ressourcen dieser Erde. Verschwendung und Übermaß sollten vermieden werden. Zu verstehen, dass man nicht viel braucht, um zufrieden zu sein, ist ein besonderer Moment der inneren Befreiung. Gleichzeitig erhöht der Ramadan die Dankbarkeit und Wertschätzung für existentielle Dinge wie Wasser und Nahrung, indem er ihren wahren Wert hervorhebt.

Zum Essentialismus gehört auch, Ablenkungen zu minimieren, das Herz von allen schweren Belastungen zu befreien und sich von toxischen Beziehungen zu lösen.

Eine digitale Entgiftung von sozialen Medien erscheint ebenfalls sinnvoll, wenn diese übermäßig konsumiert werden und das geistige Wohlbefinden belasten. Ramadan ist eine Zeit der Selbstbeobachtung und der Neubewertung des eigenen Lebens und menschlicher Beziehungen.

Foto: Archiv

Soziale Verbindung

Das Essen, das man am Ende des Tages genießt, wurde von vielen Menschenhänden zubereitet. Der Ramadan erinnert den Menschen mehr denn je an die gegenseitige Abhängigkeit der Menschen und das existentielle Bedürfnis nacheinander. Es herrscht ein gesteigertes Gemeinschaftsgefühl, Solidarität und Nächstenliebe.

In der Tat ruft der Ramadan die Menschen dazu auf, sich gegenseitig zu nähren und zu stärken, indem sie ihren Reichtum und ihre Güter großzügig teilen. Darüber hinaus ist die Förderung gesunder und sinnvoller sozialer Verbindungen der Schlüssel zur Reife und zur Vitalität des Menschen.

Der heilige Monat lädt Menschen daher dazu ein, soziale Bindungen stärker zu pflegen und auf die emotionalen und mentalen Bedürfnisse des anderen einzugehen. Einsamkeit ist schädlich für die menschliche Gesundheit. Starke soziale Bindungen sind für das allgemeine Wohlbefinden unerlässlich.

In diesem Sinne stellt der Ramadan den Auftrag dar, ganzheitlich auf die Bedürfnisse der Mitmenschen einzugehen. Die Fürsorge für Familien, Verwandte, Freunde, Nachbarn und Mitmenschen ist ein entscheidender Aspekt des ganzheitlichen Fastens. Sich zu bemühen einander zu vergeben und sich zu versöhnen sind alles Mittel, um das Herz von allen unnötigen Lasten zu reinigen.

Aus all diesen und vielen weiteren Gründen wurde der Ramadan treffend als der Monat der Barmherzigkeit beschrieben und wird von Muslimen stets als Anlass der spirituellen Wiedergeburt und Erneuerung begrüßt.

Dr. Zeyneb Sayılgan ist Islamwissenschaftlerin. Ihre Forschung beschäftigt sich mit dem theologischen Gedankengut des muslimischen Gelehrten Bediüzzaman Said Nursi (1876-1960). Hierzu moderiert sie den Podcast Begegnung mit dem Islam. Ihre Arbeit wird in verschiedenen Medien wie The Guardian, Religion News Service, U.S. Catholic und anderen veröffentlicht.

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Ramadan 2026: Was Fasten mit dem Gehirn macht

gehirn fasten

Unter richtigen Rahmenbedingungen kann Fasten einiges zu unserer Neuroplastizität beitragen.

(Amaliah.com). Der Ramadan ist ein Monat, in dem ich meine Energie dem Glauben widmen kann. Es ist mein spiritueller Urlaub. Wegen der Ungewissheit des Lebens könnte es mein letzter sein, deshalb möchte ich – wie viele andere – jetzt so viel wie möglich tun. Von Aaisha Mukhtar

Auf meiner ständigen Reise der Selbstentwicklung habe ich die Vorteile der Neuroplastizität für die Verbesserung des täglichen Lebens entdeckt. Je mehr ich über die Verbindung zwischen Gehirn und Körper lerne, desto mehr fasziniert mich die Art und Weise, wie Allah, Al-Khaliq, den Menschen erschaffen hat. Von Aashia Mukhtar

Eines der unglaublichsten Organe des menschlichen Körpers ist das Gehirn. Es verändert sich im Laufe des Lebens und ist nicht altersabhängig. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass es in der Lage ist, neue Zellen zu bilden und sich durch einen Prozess, der Neuroplastizität genannt wird, zu stärken und neu zu vernetzen.

Sie bezieht sich auf die Veränderungen, die als Ergebnis von Interaktionen mit unserer Umwelt geschehen. Durch das bewusste Einüben anderer Gewohnheiten können Sie die Nervenbahnen in Ihrem Gehirn verändern, neue Bahnen schaffen und sich an neue Denk- und Lebensweisen anpassen, um ein vitales Leben zu führen.

Schlaf ist eine Möglichkeit, wie der Körper sich repariert, Stress abbaut, die Immunität stärkt und Gelerntes behält. Daher ist es wichtig, eine gute Nachtruhe in Ihre Routine einzubauen. Eine angemessene Schlafqualität jede Nacht zu erreichen, kann anstrengend sein. Während des Ramadans kann er aufgrund der verlängerten Stunden der Nachtanbetung, die am nächsten Tag zu Müdigkeit führen, schwierig werden.

Helles Licht von 22 oder 23 Uhr bis 4 Uhr morgens unterdrückt den Dopaminspiegel und hemmt das Lernen sowie die Konzentration. Das kann zu Ermattung, depressiven Gefühlen und Emotionen, Angstzuständen und Schlafstörungen führen. Schalten Sie Telefone und elektronische Geräte zwischen 22 oder 23 Uhr bis 4 Uhr morgens aus, um gut zu schlafen.

Die nicht-schlafbezogene Tiefenentspannung ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument, um den Körper bei Bedarf wieder in einen ruhigeren Geisteszustand zu versetzen und sich neu zu fokussieren. Dabei geht es darum, sich für einen Zeitraum von 20-90 Minuten von der anstehenden Aufgabe zu lösen, um das Lernen oder die Aufnahme von Informationen zu ermöglichen.

atemzüge

Foto: Ahmed Hamed Ahmed, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Eine der von Wissenschaftlern empfohlenen Techniken ist die Siesta, die die Informationsspeicherung verbessert. Qaylula, ein Nickerchen, wurde von unserem geliebten Propheten praktiziert, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Allah der Allmächtige hat den Körper so konzipiert, dass er tagsüber und nicht nachts Licht absorbiert. Dies ist einer der stärksten Reize für Ihre Biologie. Es hilft bei der Freisetzung von Chemikalien und Hormonen, die wiederum dazu beitragen, dass Sie Ihren Tag besser und effizienter überstehen.

Nach der ersten Woche des Ramadans spüren viele von uns Müdigkeit und haben Schwierigkeiten, den anfänglichen Schwung beizubehalten. Wenn Sie morgens draußen Tageslicht tanken, bleibt Ihr Energielevel auf einem guten Niveau.

Hatten Sie nach dem Iftar das Gefühl, so entspannt zu sein, dass Sie am liebsten einschlafen würden? Das liegt an der Art der Speisen, die Sie dabei zu sich genommen haben. Einfache Kohlenhydrate und verarbeitete Nahrungsmittel erhöhen den Serotoninspiegel schnell.

Serotonin ist zwar gut für uns, aber es ist wichtig, die richtige Menge zu sich zu nehmen. Leider enthalten beide keine nachhaltige Quelle für diesen natürlichen Botenstoff. Er sorgt dafür, dass wir uns wohl und entspannt fühlen. Wenn Sie im Ramadan beim Tarawwih einschlafen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass durch diese Art von Lebensmitteln größere Mengen freigesetzt wurden.

Vergesst den Leistungsdruck! Über eine sinnvolle Organisation im Ramadan 2025

ramadan Leistungsdruck

Vergesst den Leistungsdruck! Über Wege und Möglichkeiten, sich Arbeit und Belastung des Haushalts im Ramadan 2025 zu ersparen.

Ca. vier Wochen bis Ramadan: Diese gesegnete Zeit bringt den Fastenden Segen. Sie bedeutet aber für einige – allen voran Frauen und Müttern – reichlich Arbeit davor und währenddessen.

Ramadan 2025: Wider den Zwang zur Selbstoptimierung

Mittlerweile gibt es reihenweise Ratgeber, Webseiten und Blogs, die sich dem einen Ziel widmen: Ersparnis an Kraft und Zeit, um die eh schon geringeren Ressourcen dem eigentlichen Zweck dieses Zeitraums zuzueignen.

Dabei geht es hier mitnichten um die seit einigen Jahren virulente Fetischisierung von „Produktivität“ und „Leistung“ im Ramadan. Nach US-amerikanischem Vorbild wird von manchen Muslimen die im Arbeitsleben gegenwärtige Selbstoptimierung auf die Anbetungsform des Fastens übertragen. In dieser Perspektive haben die fastenden MuslimInnen auch ihre Enthaltsamkeit und Abkehr von der diesseitigen Welt noch nach deren ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zu organisieren; idealerweise in einem Ramadan-Planer. Hauptsache, man bleibt produktiv.

Dabei bedeutet der zeitweise Verzicht von den Dingen dieser Welt mitnichten nur aus dem Weglassen von Nahrung, Flüssigkeit, Nikotin bzw. gelebter Sexualität. Und er heißt auch, nicht ausschließlich negative Verhaltensweisen, Umgangsformen oder Zeitverschwendung ins Auge zu nehmen.

Das Ramadanfasten ist – wie Rumi betonte – das temporäre Fernbleiben von der materiellen Welt als einer „Brust“, an der das niedere Selbst gesäugt wird. Es geht um die Dunya als solche. Die Vorstellung, den Ramadan nach den Gesetzmäßigkeiten ihres „Erfolgs“ organisieren zu wollen, ist ein Widerspruch.

Tipps können das Fasten erleichtern

Muslime üben in diesem Monat, damit sie umfassendes Bewusstsein und Respekt vor Allah (arab. taqwa) erlangen mögen. Das ist ein großes Ziel. Um es möglichst einfach (im Qur’an heißt es bzgl. des Ramadans ausdrücklich, dass der Herr der Welten es uns leicht machen will) zu erreichen, können Ratschläge und Hinweise zur sinnvollen Vorbereitung in Haushalt und Familie währenddessen hilfreich sein. Das betrifft insbesondere jene Familien mit Kindern, in die Haushaltsführung vorrangig bei einem Partner liegt oder nur ein Elternteil vorhanden ist.

Die US-Amerikanerin Yvonne Maffei betreibt bspw. seit 2008 ihre Webseite myhalalkitchen.com. Ihr geht es, wie sie im IZ-Interview vor einigen Jahren betonte, neben dem eigentlichen Kochen um all die Dinge drumherum: Backen, Zutaten und ihr Anbau, Halal-Lebensmittel sowie Tipps für den Haushalt im Allgemeinen. Maffei gehört zu den Autorinnen, die in den letzten Jahren regelmäßig Ratschläge für Organisation und Vorbereitung der Haushaltsführung im Ramadan geben.

Mit ihren Tipps rund um den Fastenmonat wollen sie und andere keinen irrational idyllischen Haushalt schaffen. Sondern ihr Ziel sei es, den Menschen Zeit für die Dinge frei zu machen, die dann bedeutsam sind: die Anbetung Allahs.

Für sie liegt der Schlüssel dabei in einer erfolgreichen Planung, bevor das Fasten beginnt. „Es ist überaus wichtig für den Ramadan, die Mahlzeiten, Einkäufe, die Treffen, Dekoration und Reinigung zu planen und uns dementsprechend zu organisieren, sodass wir das alles tun können. Wird es vor dem Ramadan gemacht: großartig.“

Organisation Fasten Ramadan herz

Foto: State Dpt., D.A. Peterson Photography

Bevor der Monat beginnt

Auch wenn sich in einigen Gesellschaften sowie bei muslimischen Gemeinschaften Vorstellungen von dem, wie eine Familie auszusehen hat, ändern und Männer einen größeren Anteil an den Lasten tragen, liegt bei vielen die meiste Arbeit weiterhin bei Ehefrauen und Müttern.

Dazu zusätzlich Verhältnisse, in denen Haushalt und Kinderbetreuung ausschließlich von Frauen geleistet bzw. einem einzigen Elternteil werden. In solchen Lagen kann es passieren, dass sie im Monat der Enthaltsamkeit und innerer Einkehr bspw. mehr Zeit in der Küche verbringen müssen als in anderen Phasen.

Von daher kann die richtige Vorbereitung vorab einen Teil der Belastung verringern bzw. auf einen größeren Zeitraum verteilen. Effizienz kann überall gesteigert werden. Im Ramadan ist es entscheidender denn je, rationaler vorzugehen, um weniger Zeit in der Küche zu verbringen und mehr für spirituelle Augenblicke zu haben.

Abgesehen von regelmäßig verwendeten Lebensmitteln, die sich in dieser Phase besser in großen Mengen kaufen lassen, empfiehlt es sich, Spülmittel, Schwämme, Papierhandtücher, Reinigungsmittel vorab zu besorgen. Das spart Zeit, da man ansonsten für kleine Dinge in den Laden müsste.

In Frankreich gibt es das Konzept Mise en place. Es bedeutet so viel wie „alles an seinen Platz bringen“. Das bezieht sich auf eine methodische Art der Vorbereitung in der professionellen Küche und ist ein wesentlicher Bestandteil der Küchenorganisation. Das spart Zeit beim Kochen, da die Dinge bereit und organisiert sind und verringert so Stress und Ärger, da Sie sich keine Sorgen machen müssen, etwas zu vergessen oder in letzter Minute vorzubereiten.

Ein Beispiel: Für die Basis von Suppen oder Eintöpfen muss man Gemüse wie Zwiebeln, Karotten sowie Sellerie schneiden. Es gibt eine Reihe von Zutaten, die lassen sich in größeren Mengen vor dem Ramadan vorbereiten und dann einfrosten.

Es gibt viele Gemüsesorten – grünes, Wurzelgemüse und Knollen, Fruchtgemüse wie Paprika sowie Kohlsorten –, die sich präparieren und einfrieren lassen. Ein Teil kann zuvor kurz (2-5 Minuten) blanchiert werden, um Textur und Farbe zu gewährleisten.

Ebenso kann es in der Haushaltsvorbereitung hilfreich sein, Wochen vor Ramadanbeginn einen gründlichen Hausputz durchzuführen, um sich diese Aufgabe beim Fasten zu ersparen. Auch lassen sich Haushaltstextilien wie Tisch- und Handtücher, Servietten etc. vorbereiten. Das Aufräumen von Speise- und Abstellkammern sowie die Aussortierung abgelaufener Zutaten wie Gewürzen erleichtert die Haushaltsarbeit im Ramadan.

Foto: Freepik.com

Erleichterung mittendrin

Im Fastenmonat selbst lassen sich einige Dinge und Verrichtungen so organisieren, dass man sich unnötige Arbeit und Zeitverluste erspart. 

Es gibt einen guten Grund, warum die besten Chefköche darin geübt sind, diszipliniert und reinlich zu kochen. Im Ramadan ist das wesentlich und man kann Zeitverschwendung nicht ausgleichen. Zwischen Iftar, dem Beten am Abend und Tarawwih in der Nacht bleibt wenig „Luft“.

Es erleichtert diese Momente, während des Kochens aufzuräumen. Das ist eine gute Übung für sämtliche Haushaltsmitglieder, ihren Anteil zu tun. Kinder und Partner können benutztes Geschirr reinigen, den Tisch decken und den Müll entfernen.

Gelegentlich kocht man mehr, als gegessen wird. Wenn Sie genug für den nächsten Tag haben, lässt es sich entweder beim Suhur benutzen bzw. einfrieren, um später im Monat ein komplettes Iftar damit zu bestreiten. Übriges Gemüse können in ein Omelett getan werden bzw. verbleibendes Fleisch oder Reis in eine Suppe.

Zu einer rationalen Planung für und in dieser Zeit gehört die grundsätzliche Frage, was man braucht und will. Statistiken und Umsatzsteigerungen des Lebensmitteleinzelhandels in muslimischen Ländern zeigen seit Jahren, dass im Ramadan mehr Geld als üblich für Lebensmittel ausgegeben wird und deren Preise zu allem Überfluss steigen.

Was eine Zeit der inneren Einkehr und des Verzichts sein sollte, endet in vielen Haushalten mit mehrgängigen Menüs sowie einem erhöhten Fleischkonsum. Dabei haben Ernährungswissenschaftler und Ärzte seit Jahren dokumentiert, wie eine gesunde Ernährung (siehe S. 4 dieser Ausgabe) aussehen sollte.

Will man den Ramadan nachhaltig begehen, wozu Initiativen wie NourEnergy schön länger aufrufen, bedeutet das einen kritischen Blick auf die eigenen Konsumgewohnheiten im Haushalt. Keine Frage, viele wollen im Falle von Gästen „das Beste“ auftischen. Das kann im Abwägungsfall genauso ein nahrhafter Eintopf mit Gemüse- oder Salatbeilage und vollwertigem Brot sein, ohne dass man dadurch seine Pflichten als Gastgeber vernachlässigen würde.

Ein Magen voller reichhaltiger Speisen macht müde und erschwert das Tarawwih, das auf das Fastenbrechen folgt. Gerichte wie Suppen, Pastasaucen etc. lassen sich auf Vorrat kochen und einfrieren. So kann man mit einem Arbeitsgang gleich 1-2 weitere Iftare versorgen.

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Erschöpfung vermeiden – alle mit einbinden

Die Organisation des Ramadans im Haushalt sollte idealerweise zum Ziel haben, diejenigen zu entlasten, die dort am meisten zu tun haben. Sie haben wie alle anderen ein Anrecht auf ausreichend Zeit und Energie für die Hinwendung zu Allah. Und dabei geht es beileibe nicht nur um das Kochen und die Küche.

Ebenso wichtig ist für eine Erleichterung des Fastenmonats, alle Haushaltsmitglieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die Organisation miteinzubinden und in die Pflicht zu nehmen. Nutzen sie zur Verfügung stehenden Hände in Ihrer Familie, indem Sie sämtlichen Familienmitgliedern eine Aufgabe für das Essen geben – ob groß oder klein. Gleich, ob es Tischdecken ist, die Verpackung von Resten bzw. das Gemüseschneiden, jeder kann seine Rolle spielen, um die Effektivität der Abläufe zu steigern.

Ein praktischer Ratschlag zur Energiesteigerung am Tag sind erholsame Schlafpausen. Sie sollten 20-30 Minuten dauern und reichen aus, um neue Energie für die restlichen Stunden des Fastens zu tanken. Versuchen Sie ein kurzes Nickerchen, wenn Sie nach Hause kommen, bevor Sie ihre spirituellen Aktivitäten fortsetzen.

Gerade für Kinder im entsprechenden Alter kann die Einbindung in konkrete Arbeitsabläufe helfen, ihnen die Besonderheit des Ramadan nahezubringen. Und Erfolgserlebnisse vermitteln, wenn sie selbst zu einem harmonischen Fastenbrechen beigetragen haben.

* Dieser Text wurde mithilfe von Material aus unserem Archiv erstellt.