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(iz). Der folgende Text möchte sich einem anderen Aspekt des Themas Heirat und Ehe widmen, nämlich dem Weg dorthin: Partnersuche und Eheanbahnung. Für viele junge, praktizierende Muslime ist es heute […]
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„Weil es im Integrationsgeschäft auch um Ressourcen und Deutungsmacht geht, hat Modell ‘Staat lädt Muslime an den Tisch der Republik’ Spaltungen innerhalb der islamischen Akteure verstärkt. Die DIK wurde eine Art Dompteurin beim Wettstreit der vertretenen Muslime und Musliminnen um die Gunst des Staates.“ Prof. Dr. Schirin Amir-Moazzami
Berlin (KNA/dpa/iz). Wohin bewegt sich der Islam in Deutschland, und wohin sollte er sich bewegen, um ein harmonischer Teil der Gesellschaft zu sein? Zum Auftakt der vierten Deutschen Islamkonferenz (DIK) in Berlin entfachte die Frage scharfe Kontroversen. Der vielbemühte Satz, dass es den einen Islam gar nicht gibt, wurde dabei sehr greifbar. Immer wieder gerieten Muslime unterschiedlicher Orientierung bei den Podien am Mittwoch und Donnerstag teils heftig aneinander. Die innermuslimische Debatte um die Zukunft dieser Religion in Deutschland tobt heißer denn je.
Genau das sollte wohl ein Ziel der Veranstaltung gewesen sein, wie Bundesinnenminister und Gastgeber Horst Seehofer (CSU) zu Beginn deutlich machte. In früheren Plenen ging es um einen Austausch zwischen Staat und muslimischen Verbänden. Am Mittwoch und Donnerstag nun ließ man Muslime auch untereinander diskutieren. Sie alle gehörten zu Deutschland, so der Minister. Entfalten könne sich der Islam hierzulande nur auf dem Boden der deutschen Werteordnung. Extremismus und Antisemitismus dürften die Muslime in ihren Reihen nicht dulden. „Die Grenze ist das Grundgesetz.“
Seit Gründung der DIK vor zwölf Jahren hat es Fortschritte gegeben, etwa den Aufbau islamisch-theologischer Seminare an deutschen Universitäten. Doch es bleiben viele Probleme. Noch immer gibt es in Deutschland keine nennenswerte Ausbildung der Imame durch die Verbände. Ein Podium zu diesem Thema ließ vermuten, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Und noch immer fehlt dem Staat eine Institution, die von sich behaupten kann, für alle gläubigen Muslime im Land zu sprechen. „Ich bin ratlos, warum das so ist“, meinte Seehofer.
Es bestehen Unterschiede
Wer die zweitägigen Diskussionen verfolgte, begriff allerdings recht bald: Es existiert eine tiefe Kluft zwischen angeblich „konservativen“ und säkular ausgerichteten Muslimen, die sich gegenseitig Diffamierung vorwerfen. Andererseits kommt der Staat um das Gespräch mit den großen Organisationen nicht herum, repräsentieren sie doch rund 70 Prozent aller Moscheegemeinden.
Auch die Muslime unter den seit 2015 ins Land gekommenen Geflohenen – inzwischen machen sie ein Viertel der knapp fünf Millionen Muslime aus – erreicht er am ehesten dort. Im Übrigen seien konservative Positionen keine Straftat und gehörten zur Meinungsvielfalt, bemerkten Funktionäre wie Erol Pürlü vom Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ).
Angesichts der festgefahrenen Debatte stellt sich die Frage, was eine solche Veranstaltung überhaupt leisten kann. Doch hier erscheint Minister Seehofer optimistisch. Er hofft in den kommenden vier Jahren auf einen regen Gesprächsprozess, der den „dynamischen Wandel“ in der innerislamischen Debatte abbildet und zur Beheimatung der Muslime beiträgt. Im Mittelpunkt sollen dabei „alltagspraktische Fragen“ des Zusammenlebens stehen. Noch ist nicht ganz klar, was er damit meint.
Gründe sind skeptisch und fordern Religionsgemeinschaft
Die Grünen erwarten nicht, dass die Deutsche Islam-Konferenz (DIK) unter dem Vorsitz von Bundesinnenminister Horst Seehofer schnelle Ergebnisse liefern wird. „Es ist zu befürchten, dass eine Menge der Debattenzeit erstmal darauf verwendet werden muss, die entstandenen atmosphärischen Störungen zu glätten“, sagte Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der Deutschen Presse-Agentur.
Göring-Eckardt forderte einen Neuanfang des Dialogforums. Sie sagte, dazu gehöre auch, dass in Deutschland mehr Imame ausgebildet würden. Die Grünen-Politikerin sagte: „Es braucht endlich konkrete Vorschläge zur Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften.“
Unterschiedliche Bewertungen unter Muslimen
Von Seiten muslimischer Stimmen in Deutschland waren sehr unterschiedliche Einschätzungen zu hören. Von Zustimmung, über Freude an der eigenen Teilnahme bis zur Kritik der Veranstaltung und ihrer Ausrichtung waren sehr unterschiedliche Einschätzungen zu hören. Ungeachtet dessen, wie man diese bewertet, verweisen sie auf inhaltliche Differenzen in der innermuslimischen Debatte, die bisher weder angemessen ausgetragen noch ausgeglichen worden.
Direkt im Vorfeld des jetzigen DIK-Plenums war vom Grünen-Politiker Cem Özdemir die wohlfeile Ansicht zu hören, das Grundgesetz stehe über den Offenbarungen religiöser Menschen. IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger fand auf Facebook eine inhaltliche Entgegnung auf diese oft geäußerte Forderung. „Bevor ich den Satz weiter kommentiere, muss ich zunächst den heute typischen ‘Disclaimer’ vorausschicken: Ich bin selbst Jurist und schätze durchaus die Errungenschaften des Rechtsstaates und lebe weiß Gott lieber in unserer Demokratie als in einer Diktatur“, schrieb der Publizist und Jurist in dem sozialen Medium. „Ich verteidige natürlich meine Identität als deutscher Bürger, denn die Aussicht auf den Verlust dieser Eigenschaft, die Reduktion auf das nackte Leben, gehört, ausweislich des globalen Flüchtlingselendes, zweifellos zu den großen Bedrohungsszenarien dieses Jahrhunderts.“
Jeder Gläubige, der in der Bibel, der Thora oder dem Qur’an lese, werde mit dieser gedanklichen Konstruktion aus dem Hause Özdemir dennoch wenig anfangen können. Das könne auch daran liegen, dass man das Grundgesetz wohl kaum mit feuchten Augen rezitieren könne und es weder Schöpfer noch Schöpfung zu erklären vermag. „Diese zentralen Fragen der Existenz kann kein politisches Werk erklären. Der populistische Satz lenkt aber auch subtil von der eigentlichen Sorge ab: Ist der Politik das Grundgesetz – wie es Özdemir suggerieren will, wirklich heilig?“
Dr. Aydin Süer, Vorstandsmitglied der Alhambra Gesellschaft e.V., war eine der muslimischen RednerInnen, die auf dem Event einen Impulsvortrag hielt. Mit dem Referat wollte sich Dr. Süer unter anderem mit den muslimischen Identitäten in Deutschland auseinandersetzen. In ihrem veröffentlichten Redetext heißt es unter anderem: „(…) obwohl die innermuslimischen Differenzen, von denen ich eben sprach, zunächst eher gesellschaftspolitischer und nicht theologischer Natur waren, haben sie doch eine theologische Relevanz. Es stellt sich jetzt nämlich die Frage, was denn eigentlich – wenn nicht eine ethnische oder kulturelle Identität – muslimische Religiosität im Kern ausmacht. Also: Was genau ist es, das ich bewahren muss? Was kann ich beibehalten? Und wovon sollte, kann oder muss ich mich sogar lösen?
(…) Vor genau diesem Hintergrund sind nun auch die unterschiedlichen Positionen zu beurteilen, die zur Sprache gebracht werden. Hier hat die Forderung nach einem deutschsprachigen Islam genauso ihre Berechtigung wie die Bedenken hinsichtlich einer möglichen Entstellung des Islams. Die Berührungsängste Vieler mit einem wie auch immer gearteten deutschen Islam dürfen wir daher nicht einfach als kruden Konservatismus, als Nationalismus oder Chauvinismus abtun.“
Zu den ausdrücklichen Kritikern des nun zu Ende gegangenen Plenums der Deutschen Islamkonferenz gehört der Generalsekretär des Islamrats, Murat Gümüs. Auf Twitter schrieb er: „1,5 Jahre Vorbereitungsgespräche und Veranstaltungen für die inhaltliche Planung der Deutschen #Islamkonferenz #DIK. Ergebnis: Weder in der Grundsatzrede noch auf der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die grassierende #Islamfeindlichkeit auch nur mit einem Wort angesprochen.“
Gümüs legte noch einmal auf Facebook nach und wiederholte die Kritik seines Verbandes am Konzept eines sogenannten deutschen Islam: „Wir werden auch darüber reden müssen, ob und inwieweit es sinnvoll ist, einen Islam etablieren zu wollen, der sich an einer nationalen Identität orientiert. Wenn es in Zukunft ‘deutsche Muslime’ geben soll, wird es zwangsläufig Muslime geben, die nicht ‘deutsch’ oder ’deutsch genug’ sind, also ‘ausländische Muslime’? Wir werden darüber reden müssen, ob das die Integration fördert oder neue Ausschlussmechanismen installiert.“
Der junge muslimische Theologe Samet Er nahm ebenfalls an der DIK teil. Ihm fehlten relevante Themen, die alle Muslime betreffen, sowie auch Teilnehmer aus einem jüngeren Alterssegment. „Was mir gefehlt hat war vor allem, dass relevante Themen, die ausnahmslos jeden Muslim betreffen, wie etwa die Seelsorge oder die Soziale Arbeit nicht konkret diskutiert wurden. Also auch mögliche Präventionsansätze, welche sowohl für die Muslime als auch für die Mehrheitsgesellschaft hilfreich sind. Außerdem haben mir junge Gesichter gefehlt. Soweit beobachtet, gehörte ich zu den jüngsten Teilnehmern der Islamkonferenz, was sehr schade ist. Mindestens ein jugendlicher Podiumsteilnehmer und mehrere junge Stimmen aus dem Publikum würden ganz klar und deutlich zeigen, dass wir eigentlich sehr weit vorangekommen sind.“
Akif Sahin, muslimischer Blogger und Publizist, veröffentlichte noch am Abschlusstag der DIK einen mehrschichtigen und kritischen Text zum Ausgang des diesmaligen Plenums unter ministerieller Ägide. „Die Neuauflage der Deutschen Islam Konferenz (Islamkonferenz) wird meiner Meinung nach keinen wirklichen Fortschritt für die Muslime in Deutschland bringen“, schrieb Sahin. „Dafür sind wir einfach in den vergangenen 12 Jahren mit zu viel Erwartungen und vor allem leeren Versprechungen bei jedem neuen Anlauf abgespeist worden.“ Es sei nicht sinnvoll, sich dieses Mal Hoffnungen zu machen.
Einer, der von dem Blogger beschriebenen Unterschiede ist die geänderte Rolle noch unbekannter Organisationen und Einzelpersonen. Das liege nicht nur an der medialen Berichterstattung über sie und – so möchte man hinzufügen – an ihrem symbolischen Kapital. Es liege auch an einer neuen Welt, in der es nicht mehr auf die Größe ankomme, sondern auf Inhalte und Positionen. „Hier haben die kleinen Akteure ihre Hausaufgaben gemacht, während größere Akteure schon bei den Vorbereitungen zur Islamkonferenz eher mit gedanklichen und personellen Absurditäten auf sich aufmerksam gemacht haben.“
Prof. Dr. Bülent Ucar, Leiter des Instituts für Islamische Theologie und aktueller Teilnehmer an der Deutschen Islam Konferenz, wandte sich gegen den, auch im Vorfeld medial angeheizten Gegensatz zwischen „konservativ“ und „liberal“. Diese Dichotomie sei nicht so einfach, wie manche es gerne hätten. Beide hätten ihre Berechtigung, obgleich das eher politische Begriffe seien. „Konservativ zu sein ist weder verboten, noch eine Sünde in diesem Land. Schließlich sitze ich hier mit dem CSU-Vorsitzenden auf dem Podium. Wir leben in keinem Gesinnungsstaat.“
Berlin (iz/KNA/dpa). Ab heute, den 28. November 2018 trifft sich die Deutsche Islamkonferenz zu einem zweitägigen Plenum in Berlin. Eröffnet werden soll das Event durch eine programmatische Rede des amtierenden Bundesinnenministers Seehofer (CSU). Wie in der Anfangszeit wurden dieses Mal erneut Einzelpersonen eingeladen, die vorgeblich für einen sogenannten liberalen Islam stehen sollen. Hinzu kommen, worüber es im Vorfeld Streit gab, auch einige „IslamkritikerInnen“.
Zur Einladungspraxis heißt es dazu wie folgt zur Ankündigung auf der Webseite des Ministeriums: „Neben den islamischen Dachverbänden, diversen weiteren Verbänden und Vereinen sind bewusst und gezielt auch Initiativen der muslimischen Zivilgesellschaft sowie verbandskritische oder -oppositionelle Organisationen und Einzelpersonen integraler Teil der Islam Konferenz.“ Daneben seien Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, aus den Bundesländern, den Kommunen, der Kirchen, des Zentralrats der Juden und aus der Wissenschaft beteiligt.
Insbesondere diese Einladungspraxis sowie die Frage, wer wen eigentlich wie vertrete, stand bereits im Vorfeld des jetzigen Plenums in der Debatte. Hierzu warnte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, davor, die überwiegend von den Moschee- und Dachverbänden getragenen Moscheegemeinden als Problem zu sehen. Sie seien Teil der Lösung, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die muslimischen Gemeinschaften hätten zwar auch Fehler gemacht, „aber es geht nur gemeinsam und nicht gegeneinander“, so Mazyek an die Adresse der verbandskritischen muslimischen Vertreter.
Seehofer fordert bessere Organisationsformen
So forderte Bundesinnenminister Seehofer die muslimischen Religionsgemeinschaften auf, sich so zu organisieren, dass sie den Anforderungen des Religionsverfassungsrechts für eine Kooperation mit dem Staat genügten. Dabei gehe es auch darum, „ausländische Einflussnahme dadurch zu ersetzen, dass Deutschlands Muslime nicht nur Organisation und Finanzierung ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen, sondern auch die Imam-Ausbildung an ihre Bedürfnisse anpassen“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, begrüßte diese Äußerungen: „Auch wir haben ein Interesse daran, dass Imame in Deutschland ausgebildet werden“, erklärte er am Dienstagabend. Der Islamrat habe dafür bereits Strukturen aufgebaut. „Dem Handlungsspielraum des Staates sind in diesem Bereich von Verfassungswegen enge Grenzen gesetzt, was bei der Diskussion nicht unberücksichtigt bleiben darf“, so Kesici. Die Imamausbildung bleibe Sache der Religionsgemeinschaften.
Das tägliche Murmeltier: Die Politik kritisiert
Der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte vor dem Auftakt der Islamkonferenz die bisherige Politik der deutschen Parteien gegenüber den islamischen Dachverbänden als „zu nachgiebig“. Im Interview der „Welt“ sagte der Politiker: „Alle Parteien im Bund und in den Ländern haben die Reformbereitschaft der Islamverbände, vor allem von DITIB, völlig überschätzt.“
Doch wer eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft wolle, müsse akzeptieren, dass das Grundgesetz der Leitfaden für das Zusammenleben ist: „Ich möchte, dass sich auch muslimische Schüler in deutschen Schulen das Wissen über ihre Religion in einem freien Diskurs aneignen und es kritisch hinterfragen können.“
Aus Sicht des Politikers erfüllen die islamischen Dachverbände derzeit die Bedingungen für eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft nicht und vertreten auch nur einen kleinen Teil der Muslime in Deutschland. Allerdings sollten die Dachverbände nicht „für alle Ewigkeit ausgeschlossen werden“. Er mache „die Tür nicht zu, sondern halte sie offen“, ergänzte der 52-Jährige.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, fordert die Teilnehmer auf, mit einer Stimme zu sprechen. „Der Staat braucht einen Ansprechpartner auf muslimischer Seite, wie wir ihn bei anderen Religionsgemeinschaften „ etwa mit dem Zentralrat der Juden – haben“, sagte die Staatsministerin gegenüber der „BILD“. Ein Moscheeregister könne eine Übersicht darüber geben, wo muslimisches Leben in Deutschland stattfindet.
Deshalb sei nicht nur eine Emanzipation vom Ausland nötig, sondern auch eine Neustrukturierung der Vertretung von Muslimen in Deutschland, so Widmann-Mauz. Für sie sei es wichtig, dass verschiedene Strömungen in Deutschland zu Hause sein können: „Menschen, die aus demselben Buch ihre Religion erfahren, müssen hier gemeinsam friedlich leben können.“
Hannover (KNA/iz). Der langjährige Vorsitzende der niedersächsischen Ditib-Gemeinden, Yilmaz Kilic, ist am Sonntag, den 25. November, von seinem Amt zurückgetreten. „Wegen der wachsenden Einmischung habe ich jetzt die Reißleine ziehen müssen“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bedauerte den Rücktritt und bezeichnete ihn als „echten Rückschlag für die bisherigen Bemühungen“.
In Folge des Rücktrittes wurde ein neuer Vorstand gewählt. Er steht unter Leitung von von Ali Ihsan Ünlü, welcher der DITIB Niedersachsen bereits von 2008 bis 2011 vorstand. Der NDR berichtete, dass nach Angaben von Landesgeschäftsführerin Emine Oguz die Aufgabenverteilung der neuen Mitglieder festgelegt werden solle.
Er habe sich immer wieder gegen die Einmischung sowohl der DITIB-Zentrale in Köln als auch vom türkischen Religionsattachée wehren müssen, betonte Kilic: „Wir haben als niedersächsischer Landesverband immer einen eigenständigen Weg gehen wollen, doch hier leider keine Unterstützung aus Köln bekommen.“ Kilic ist nach eigenen Worten mit seinem gesamten Vorstand zurückgetreten.
Auch seine Bemühungen, so Kilic gegenüber der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“ für mehr Offenheit und eine Veränderung der Bundesstrukturen seien gescheitert. „In den letzten Jahren ist da nicht viel passiert, man schottet sich ab ab“, zitierte ihn die NDR-Webseite. „Ich sehe hier keinen Weg, weiter zu kämpfen. Wenn Sie dann noch zu hören bekommen: ‘Sie können ja zurücktreten’, dann tun wir das auch.“
Prof. Dr. Bülent Ucar, Leiter des Osnabrücker Instituts für Islamische Theologie, bedauerte den Schritt von Kilic und kommentierte ihn wie folgt: „Ich bedaure zutiefst, dass der gesamte DITIB-Vorstand in Niedersachsen aufgrund externen Drucks zurücktreten musste. Mit Herrn Yilmaz Kilic verliert die DITIB einen erfolgreichen Vorsitzenden, der höchste Integrität besitzt und sehr vertrauensvoll -auch mit uns am IIT-Osnabrück – in den letzten Jahren in unserem Bundesland zusammen gearbeitet hat. Er konnte es aber wohl niemandem Recht machen, sodass er zwischen die Räder der Bürokratie kam. Weder die halbherzigen Unternehmungen der Landesregierung etwa zum Staatsvertrag oder zur Imamausbildung und -finanzierung, noch der zentralistisch organisierte und ferngesteuerte Islam in Deutschland jenseits wirklich demokratischer Repräsentanz konnten zufrieden gestellt werden. (…) Mein Dank gilt Herrn Kilic für die menschlich, wie fachlich hervorragende Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Es war mir eine Freude und Ehre zugleich! Ich wünsche ihm und seiner Familie viel Glück und Gottes Segen für sein weiteres Leben.“
Taner Beklen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der DITIB-Jugend, der vor einiger Zeit ebenfalls zurückgetreten ist, sieht in der Entscheidung einen „schwarzen Tag für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland“. Der blinde und egoistische Kurs der Kölner Bürokraten fahre eine ganze Gemeinschaft „noch ein weiteres Mal gegen die Wand“. Das Machtmonopol solle bei den Attachés bleiben.
Die DITIB ist auch in Niedersachsen und Bremen der größte Moscheenverband und vertritt dort mit 85 Gemeinden etwa 160.000 Muslime. Man unterstehe der Aufsicht der türkischen Religionsbehörde, habe sich jedoch seit Jahren als Landesverband um eine größere Eigenständigkeit bemüht, so Kilic.
Kritiker werfen der Führung des Bundesverbandes schon lange vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration des von ihm betreuten Segments der türkischstämmigen Muslime in Deutschland zu behindern.
Die niedersächsische Landesregierung erklärte, eine weitere Zusammenarbeit mit dem DITIB-Landesverband sei nun erneut zu überprüfen. Bisher ist es in Niedersachsen noch nicht zur Unterzeichnung eines geplanten Staatsvertrages gekommen, bei dem die DITIB neben zwei weiteren Verbänden muslimischer Partner gewesen wäre.
Berlin (KNA/iz). Der Bundesinnenminister steht in dieser Woche vor einer diplomatischen Bewährungsprobe. Erstmals empfängt Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch (28.11.) und Donnerstag (29.11.) die Teilnehmer der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Eröffnen […]
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(iz). Sie ist Muslimen fast schon so geläufig, dass sie ihr nicht immer die nötige Aufmerksamkeit schenken: So oft wird die Sura Al-Fatiha in ihrem Alltag rezitiert – ob leise […]
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(iz). Körperlichkeit und Wellness stehen nicht im Mittelpunkt des islamischen Ethos. Die inneren Werte und die Beziehung zu Allah sind wichtiger; gerade auch im Hinblick darauf, dass das diesseitige Leben nur eine Vorbereitung auf das Jenseits ist. Das heißt aber keinesfalls, dass die islamische Lebensweise den Körper negiert oder gar die Bewahrung oder Wiederherstellung seiner Gesundheit ignoriert.
Im Gegenteil: Muslime legen im Jenseits Rechenschaft darüber ab, wie sie mit ihrem Körper umgingen. Die Erhaltung der physischen Verfassung dient auch dem Ziel, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen. So kann man seinen Verpflichtungen gegenüber Allah nachgehen – sei es im familiären oder sozialen Bereich, oder in der Anbetung.
Was ist Gesundheit? Wenn wir die Antwort nicht kennen, können wir sie auch nicht anstreben. In der Moderne dominiert die Vorstellung, es handle sich dabei um die Abwesenheit von Krankheit. Genauso könnte man sagen, ein Mann sei eine Nicht-Frau. Als Ergebnis dieser Denklogik entstand eine Medizin, die ihre Energie mehrheitlich auf die Identifizierung und Auslöschung von Krankheit verwendet. Eine korrekte Definition von Gesundheit muss diese beschreiben können. Mehr noch, sie ist abhängig von vorgelagerten Bestimmungen des Menschen, des Lebens, des Universums und der Existenz als solcher. Wir müssten sie im größtmöglichen Rahmen verstehen, und fragen, ob körperliches, mentales, wirtschaftliches, soziales und emotionales Wohlergehen voneinander getrennt bestehen können.
Ein muslimisches Verständnis von Gesundheit und Krankheit besagt, dass die Krankheit und die Heilung letztlich von Allah kommen, da Seine Allmacht alles umfasst und nichts von Ihm unabhängig ist. Einer der Namen von Allah ist Asch-Schafi, der Heilende. Ein anderer Aspekt ist, dass Krankheit einen Zeichencharakter hat, der an das jeweilige Individuum gerichtet ist, um sein Leben zu hinterfragen. Gesunder Geist, eine heile Seele und ein intakter Körper stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Das bedeutet allerdings nicht, dass man zwecks Heilung der Krankheit nicht einen Arzt hinzuziehen oder Medikamente einnehmen soll; dies ist sogar ausdrücklich erwünscht.
Die griechische Tradition wurde von dem gelehrten Mahdi As-Subairi Al-Jamani überliefert und modifiziert. In seinem Werk „Ar-Rahma fi’t-Tibb wa’l-Hikma“ meditiert er über die Begriffe „Tibb“ und „Hikma“. „Tibb“ leitet sich aus der arabischen Wurzel „umsichtige Behandlung“ und „vorsichtig“ ab und ist das übliche Wort für Medizin. „Hikma“ ist ein anderer Begriff dafür, wird aber ebenso häufig mit Weisheit übersetzt. Ärzte wurden auch „Hakim“ genannt, denn sie zeigten den Menschen, wie sie gut zu leben haben, um gesund zu bleiben; nicht ausschließlich, weil sie Patienten behandelten, wenn sie krank wurden. In diesem Kontext entwickelte sich im alten China die Gewohnheit, Ärzte zu bezahlen, solange sie die Menschen gesund hielten. Hikma ist im begrenzenden Rahmen von Medizin das Wissen darüber, wie wir am besten essen, schlafen, uns bewegen sollen etc., damit wir im bestmöglichen Gesundheitszustand verbleiben können.
Der Punkt, den wir beim griechisch-arabischen Denken verstehen müssen, ist, dass der Anfang Bewegung ist und dass sich alles in der Welt in Bewegung findet; sie ist dynamisch. Die Vorstellung, dass Gesundheit ein statischer Zustand sei, führt uns also nicht weiter. Alle erschaffenen Dinge, insbesondere die belebten, sind dynamisch und in Bewegung. Sie sind aber gleichermaßen ausgeglichen und bestrebt, ein Gleichgewicht zu finden.
Das beste Beispiel für diese ausgeglichene Dynamik, die in unserem Zusammenhang Gesundheit bedeutet, ist der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. In einer Überlieferung (Bukhari und An-Nawawi) des Gesandten Allahs heißt es: „Es gibt im Körper ein Stück Fleisch. Ist dieses gesund, ist der gesamte Körper gesund. Wenn es nicht gesund ist, dann ist der gesamte Körper nicht gesund. Wahrlich, es ist das Herz.“
In einem Vortrag sprach der dänische Arzt Sören Ballegaard über das Herz. Er wies die Idee zurück, dass es nicht mehr sei als eine bloße Pumpe. Ballegaard verwies auf die gesündesten Menschen in Europa, die sich auf Kreta finden lassen. Ihre Diät ist weder fettarm, noch fänden Anhänger gesunder Ernährung ihre helle Freude daran. Die Kreter rauchen, trinken Kaffee und essen reichlich Fleisch. Sie essen jedoch niemals allein. Ihre Tische sind immer gefüllt mit Frauen, Männern, Kindern, Nachbarn, Tanten und Onkeln. Es sind diese Dinge, welche die Herzen am Leben erhalten. Wir reden hier also nicht über Pumpen, auch wenn der medizinische Betrieb in der Lage ist, die Gesundheit dieser Pumpe zu bewerten.
Auch wenn nicht explizit erwähnt, verringert die Lebensweise, wie sie vom Qur’an empfohlen wird, drastisch das Risiko der Möglichkeit, dass das Herz-Kreislauf-System erkranken könnte. Zu den ratsamen Gewohnheiten zählen unter anderem: Beteiligung an spirituellen Aktivitäten, mäßiges Essen, körperliche Bewegung, Verringerung von Ärger, Eifersucht und Neid, sowie die Vermeidung schädlicher Lebensmittel und Getränke. Auch die Erinnerung an Allah (arab. Dhikrullah) trägt zur Gesundheit des Herzens bei, wie es im Qur’an heißt: „Wahrlich, in der Erinnerung Allahs finden die Herzen Ruhe.“ (Ar-Ra’d, 28)
In der qur’anischen Offenbarung und den prophetischen Aussagen finden sich zwei Formen der Heilung – spirituelle und physische. Es gibt mindestens sechs Verse, in denen direkt auf Heilung Bezug genommen wird. Das Mittel, durch welches sich diese Heilung manifestiert, sind die Offenbarung des Qur’an, dem Göttlichen Wort, das als eine „Barmherzigkeit und Heilung für jene, die nachdenken“ bezeichnet wird. Im Qur’an erwähnt Allah verborgene Leiden wie Zweifel, Unreinheit, Heuchelei, Leugnung der Wahrheit und Lüge, die alle Krankheiten des Herzens sind. Obwohl die spirituelle Heilung in dieser Hinsicht den Schwerpunkt im Qur’an einnimmt, so wäre es ein Fehlschluss, anzunehmen, dass die Körperlichkeit ignoriert würde. Jenseits der direkten Aussagen finden viele muslimische Ärzte im Qur’an und in den Ahadith Hinweise zur Heilbehandlung körperlicher Leiden. Dazu zählen beispielsweise Magenschmerzen, Fieber, Lepra oder Geisteskrankheiten.
Die prophetischen Empfehlungen wurden im Kontext einer Lebensweise angewandt, die in viel stärkerem Maße als heute von einer Ganzheitlichkeit geprägt war. In der Verbindung von Heilmethoden und einer präventiven, ganzheitlichen Lebensweise, wie sie in der Medizin des Propheten zum Ausdruck kommt, ist diese Einstellung zu erkennen. Der Prophet behandelte Krankheiten auf drei verschiedene Weisen: mit natürlichen Arzneien, mit spirituellen Heilmitteln und mit einer Kombination der beiden. Eine Heilung des Körpers muss stets in Zusammenhang mit der Heilung des Geistes und des Herzens gesehen werden.
Viele Krankheiten dieser Zeit, aufgrund einer spezifischen Lebensweise, sind auf eine falsche und ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, soziale Isolation und andere Gründe zurückzuführen. Körperliche Leiden sind dann Übergewicht, Herz- und Kreislauf-Störungen, zu hohe Cholesterinwerte, ein schwaches Immunsystem, Störungen des Verdauungssystems, Unbeweglichkeit, Kurzatmigkeit oder Depressionen. Allah sagt im Qur’an über ein maßvolles Essverhalten: „(…) und esst und trinkt, doch seid dabei nicht maßlos, denn Er liebt wahrlich nicht die Maßlosen.“ (Al-A’raf, 31)
Mehr spazieren gehen oder Fahrrad fahren, mehr Wege zu Fuß zurücklegen und natürlich auch Sport treiben, ist zu empfehlen. Gerade bei Kindern, die heute oft übergewichtig sind, sollte darauf geachtet werden, dass das Essen nicht zu süß und nicht zu fettig ist, dass sie ausreichend Bewegung haben und nicht so viel vor dem Fernseher oder Computer sitzen. Man könne auch die Kinder beim Zubereiten des Essens helfen lassen, meinte eine Pädagogin vor einiger Zeit im Gespräch mit der IZ.
Das generelle Problem, meint Dr. Ilhan Ilkilic, ist der Schritt von der Theorie zur Praxis. Ilkilic ist Medizinethiker und befasst sich seit Jahren mit dem Thema Islam, Gesundheit und muslimische Patienten. „In unserem heutigen Gesundheitswesen ist der Übergang vom Wissen zum Handeln ein zentrales Problem, und in diesem Zusammenhang auch das Fehlen von gesundheitsförderndem Handeln. Dafür ist Motivation sehr entscheidend. Ich denke, dass man in den vorhandenen Grundsätzen des Islam die erforderliche Motivation finden kann. Wenn man als Muslim die Gesundheit als eine Gottesgabe versteht, wofür man Gott gegenüber im Jenseits wird Rechenschaft ablegen müssen, sollte man mit dieser Gottesgabe verantwortlich umgehen.“
„Meiner Meinung nach impliziert es, dass man diesen wertvollen Zustand mit entsprechenden Maßnahmen bewahren sollte, zum Beispiel durch regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit und Verzicht auf gesundheitsschädigende Handlungen, wie Alkoholverzicht, Rauchverzicht und so weiter.“ Die Hadithe, welche die Grundlage der prophetischen Medizin bildeten, seien mehrheitlich präventionsorientiert und betonten eine gesundheitsförderliche Lebensweise. „Ich sehe bestimmte Möglichkeiten, gerade der muslimischen Migranten, dieses Wissen zu vermitteln, zum Beispiel in den Moscheegemeinden, in den Freitagspredigten, durch einfache, gut verständliche Broschüren, oder auch in bestimmten Vereinen dies verstärkt zu thematisieren. Man darf nicht warten, dass die Menschen zu uns kommen, man sollte zu ihnen gehen.“
(iz). Regierung ist im islamischen Kontext eine recht diffizile Frage. Teil dieser Schwierigkeit liegt darin begründet, dass es lange her ist, dass der Islam die Grundlage für Herrschaft war. Außerdem haben Muslime sich auf zeitgenössische politische Theorien berufen. Dabei haben sie geflissentlich – oft naive und weit hergeholte – Argumente entwickelt, um diese Konzepte zu „islamisieren“. Daher lohnt gerade heute der Blick auf den Ansatz des Islam in Sachen Regierung.
Schon die Frage, was eine Umma ist, verursacht derzeit Schwierigkeiten. Obwohl der Begriff heute oft genutzt wird, bleibt das Konzept, welches den Leuten vorschwebt, einigermaßen nebulös und trügerisch. Wird das Wort mit „Nation“ übersetzt, ist es unausweichlich, dass Bedeutungen des modernen Nationalstaates überschwappen. Ist aber „Gemeinschaft“ gemeint, wird es zu einem rein sozialen Konzept – so etwas wie eine Kommune. Als das grundlegende Gemeinwesen des Islam lohnt sich die Beschäftigung mit der Umma und welche Rolle sie spielt.
Umma ist im Qur’an und in dem zu finden, was der Prophet Muhammad sagte, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Es war seinerzeit eine komplett neue Vorstellung, die vorherige Stammes- und Familienloyalitäten ablöste. Die Umma löscht die Dominanz von Abstammung und Klandenken aus. Im Qur’an heißt es hierzu: „Du findest keine Leute, die an Allah und den Jüngsten Tag glauben und denjenigen Zuneigung zeigen, die Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandeln, auch wenn diese ihre Väter wären oder ihre Söhne oder ihre Brüder oder ihre Sippenmitglieder.“ (Al-Mujadila, Sure 58, 22)
Akzeptanz und Loyalität zu ihr – beruhend auf dem Gehorsam zu Allah und Seinem Propheten – wurde die vorrangige Charakteristik des Individuums. Die Umma wird im Qur’an weiter bestimmt, wenn Allah sagt: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah.“ (Al-i-‘Imran, Sure 3, 110) und „Die gläubigen Männer und Frauen sind einander Beschützer. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche.“ (At-Tauba, Sure 9, 71)
Der Vertrag von Medina legte fest, dass die Muslime eine Umma darstellen. Alle Gläubigen sollten als ein Körper gegen jeden aufstehen, der Ungerechtigkeiten, Aggressionen oder falsche Handlungen begeht. Sie sind miteinander verbunden. Andere Gruppen werden als weitere Gemeinschaften beschrieben. Menschheit besteht in dieser Sicht aus verschiedenen Ummas. „Gemeinwesen“ kann hier demnach ein nützlicher Begriff sein.
Geborgen innerhalb der muslimischen Vorstellung von Umma ist die Idee, dass die Verkörperung des prophetischen Modells den Charakter vervollständigt – oder die Tugend (gr. arete), wie die Griechen gesagt hätten. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Ich wurde nur gesandt, um edlen Charakter zu vervollständigen.“ Die Umma ist wie die frühe Polis. Ein gemeinsames Projekt mit geteilten Werten. Mit dem ganzen Leben des Menschen befasst und ein Mittel für die Verwirklichung moralischer Werte und spiritueller Ziele. Sie berührt verschiedene Gebiete – soziale, religiöse, politische, wirtschaftliche, spirituelle und intellektuelle.
Die Umma repräsentiert auch den mittleren Weg. „Wir haben euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht.“ (Al-Baqara, Sure 2, 143) Sie ist auch „die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah“. (Al-i-‘Imran, Sure 3, 110) Wesentlich ist die Beibehaltung des Gleichgewichts. Die Wurzel des arabischen Wortes für Gerechtigkeit (arab. ‘adl) beinhaltet auch die Bedeutung von Balance, von der Mitte zwischen Übermaß und Mangel.
Es gibt verschiedene Gemeinsamkeiten zwischen der muslimischen Umma/dem muslimischen Gemeinwesen und der griechischen Polis. 1. Beide waren moralische Entitäten von Menschen, die eine gemeinsame teleologische Position hatten. 2. Beide wollten Selbst-Veränderung durch ethisches Verhalten. In der Umma bedeutet das auf sozialer Ebene „das Korrekte zu gebieten und das Inkorrekte zu verbieten“ . Für die Griechen handelte es sich um die Fähigkeit, die den Menschen vom Tier unterscheidet. 3. Die Befolgung der Gesetze ist wesentlich für ihre Bewahrung. Zu dieser Gemeinschaft wird im Qur’an gesagt: „Oh, die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabern unter euch!“ (An-Nisa, Sure 5, 59) Zivile Unrast gilt als das schlimmste Übel. 4. Die Menschen haben ein Recht auf den Ausdruck ihrer Meinung, bevor Entscheidungen gefällt werden (isegoria für die Polis und schura bzw. muschawara für die Umma). 5. Der mittlere Weg ist der bevorzugte Weg. 6. In beiden ist Freundschaft eine politische Frage. Das qur’anische Wort für Freunde in diesem Zusammenhang, Aulija, bedeutet auch Beschützer oder Verantwortungsträger. Es hat auch eine politische Bedeutung.
Die Umma bezieht alle und jeden mit ein, welche die grundlegenden Säulen der Gesellschaft (Glaube an die Einheit Gottes und die prophetische Botschaft) akzeptieren und ihr gegenüber loyal sind. Kulturelle Verschiedenheit, solange sie nicht im Widerspruch zu den Pfeilern der Umma steht, ist möglich. Mit anderen Worten, die politische Gemeinschaft ist gleichbedeutend mit der Gemeinschaft der Gläubigen.
Ein großes Dilemma ist in der modernen Situation gegeben. Der Status muslimischer Regierung wurde beendet, das Kalifat sowie traditionelle muslimische Machtstrukturen abgeschafft und die Muslime in Nationalstaaten aufgeteilt. Deren Formen waren von westlichen Traditionen abgeleitet, die einem rationalistischen Ansatz von Herrschaft folgten und unter demokratischer, sozialistischer oder monarchistischer (alle im westlichen Stil) Definition standen. Was ist die Antwort darauf? Befinden wir uns in einem mekkanischen oder einem medinensischen Modus?
Ein schwerwiegendes Problem ist die Tatsache, dass es einen Blickwechsel auf den Zweck des Staates gab. Hervorgerufen wurde dieser durch erzwungenes Eintauchen in westliche politische Prinzipien. Im Fiqh (dem Recht) ist die Hauptfunktion von Regierung die Ermöglichung des individuellen Muslims, seinen Din zu praktizieren und seine Verpflichtungen gegenüber Allah zu erfüllen – zu denen selbstverständlich auch bestimmte soziale Obligationen gehören. Das ist unter dem Strich der einzige Zweck des Staates, für den Allah allein ihn festlegt. Und zu welchem Zweck allein diejenigen, die Autorität besitzen, irgendeine Autorität über andere innehaben. Sein Wert kann daran bemessen werden, in welchem Maß das erreicht wird. Daher ist der Staat als Institution für sich genommen eine widerrechtliche Anmaßung. Als solcher besitzt er keine eigene Autorität. Der muslimische „Staat“ kann per Definition keine Gesetze erlassen. Also ist die Idee moderner Nationen, welche die „Scharia“ übernehmen, ein Widerspruch an sich. Der „Staat“ ist nicht für die „Scharia“ zuständig.
Heute wird Islam häufig als Mittel zur politischen Macht angesehen. Und zwar auf eine Weise, die oft eine fast reflexartige Reaktion der Verzweiflung auf die Lage darstellt, in der sich die Muslime befinden. Die Mehrheit der zeitgenössischen Reformisten findet sich in dieser Lage wieder. Das ist nicht wirklich überraschend: Ihre Mehrheit kommt aus dem Bürgertum oder dem westlich gebildeten Establishment. Politisch streben sie die „Islamisierung“ politischer Institutionen an – sowie kurzfristig eine starre Interpretation islamischer Rechtsordnungen. Sie wollen eine Methodologie entfernen und mit einer anderen ersetzen. Aber auch diese leitet sich letztendlich von der gleichen Denkweise ab.
In dem, was als modernistisch-quietistischer Ansatz bezeichnet werden könnte, gibt es Versuche, Islam mit verschiedenen Nationalismen, Demokratie sowie Sozialismen – und heute wohl den Marktkräften – zu versöhnen. Das ist eine Sackgasse, denn das sind säkulare Konzepte, für die es keine wirklich muslimische Entsprechung gibt. Traditionell gibt es kein Wort für „Bürger“. Der Mensch, als Sachwalter Allahs (Al-Baqara, Sure 2, 30) auf Erden, hat bereits eine herausragende Stellung. Das ist tatsächlich die höchstmögliche Position. Währenddessen ist der Mensch, homo in Latein, im Wesentlichen eine rechtlose Entität. Der traditionelle Begriff für Untertanen (oder „Herde“) ist üblicherweise das arabische Ra’ija. Das Grundproblem, die Gleichsetzung verschiedener Konzepte, besteht darin, dass das Gemeinwesen im Islam keines von Untertanen oder Bürgern ist, sondern von Gläubigen.
Das Hauptproblem, vor dem nicht nur Muslime stehen, sondern die gesamte Menschheit, ist, dass der Mensch seinen Rang im Kosmos vergessen hat. Insbesondere seit der Aufklärung verwandte er seine ganzen Energien auf die Suche nach Macht und Herrschaft. Er wollte Herr werden und vergaß dabei, wer der Herr ist. Indem er alles durch rationale Definition oder einen hemmungslosen Willen kontrollieren wollte, verwandelte er alles und jeden in Objekte. Indem der Mensch jegliche Beschränkung seiner „gottähnlichen“ Herrschaft über alles Bestehende ablehnte, wurde er tatsächlich verroht. Das ist unausweichlich. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gebe, sagte: „Zwei hungrige Wölfe, die auf die Schafe losgelassen werden, könnten nicht so viel Schaden anrichten wie dasjenige, was der Religion eines Menschen durch seine Gier nach Geld und Ansehen angetan wird.“
Der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, der das höchste Modell menschlicher Vollkommenheit ist, sagte, dass er ein „dankbarer Sklave“ ist. Der heutige Mensch ist es gewiss nicht. Und wenn er nicht der Sklave Allahs ist, wird er Sklave anderer sein. Und heute, wie wir an der politischen und ökonomischen Lage klar sehen – ist beinahe jeder Sklave anderer.
(iz). Es ist wieder soweit. Die alljährlichen Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten Muhammad, Frieden und Segen auf ihm, werden rund um den Globus mit aller Vielfalt abgehalten, nicht zuletzt hierzulande. […]
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