„Ich will, dass die Leute lächeln"

Krieg, Bombenattentate und Leid – erschütternde Bilder bestimmen die Nachrichten aus dem „Nahen Osten“. Doch die aller meisten Menschen dort haben trotzdem einen Alltag und Träume, wie mehrere Filme auf dem Filmfest München zeigen.
München (dpa) – Was in Europa aus den Ländern im Nahen und Mittleren Osten zu hören ist, ist selten positiv. Krieg, Selbstmordanschläge und das Leid der Flüchtlinge bestimmen die Nachrichten. Der Filmemacher Halkawt Mustafa bedauert das. „Alle denken, jeder weint die ganze Zeit“, sagt der kurdische Regisseur aus dem Irak, der mittlerweile in Norwegen lebt. Er will den Zuschauern seiner Filme das normale Leben seiner Heimat zeigen, den Irak „aus menschlicher und nicht aus politischer Sicht. Ich will, dass die Leute lächeln.“ Mit seinem Roadmovie „El Clásico“ ist ihm das gelungen. Auf dem Filmfest München hat er die wunderbare Geschichte über zwei kleinwüchsige Brüder vorgestellt, die unbedingt nach Madrid wollen, um dort Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo zu treffen.
So wie Mustafa denken auch andere Filmemacher. Der Iraner Morteza Farshbaf zum Beispiel. Sein nachdenklicher Film „Avalanche“ erzählt von einer Frau aus Teheran, die eine schwerkranke alte Dame pflegen soll. Doch die Aufgabe bringt sie an ihre Grenzen, erst recht, weil es plötzlich heftig und ausdauernd anfängt zu schneien. Es sind Szenen eines Lebens, wie es überall sein könnte: Ein Ehepaar beim Abendessen. Möbelpacker beim Umzug. Dazwischen ein Auf und Ab der Gefühle und kleine Momente menschlicher Nähe. „Kino ist eine der wenigen Möglichkeiten, wo man die wirkliche Sicht auf unser Leben zeigen kann, abseits der Politik“, sagt Farshbaf.
Ganz außen vor bleibt das politische Geschehen dennoch nicht. Mohamed Diab etwa lässt seinen emotional aufgeladenen Film „Clash“ über die Revolution in Ägypten in einem Gefängniswagen der Polizei spielen, der sich seinen Weg durch die aufgebrachten Massen der Demonstranten und ihrer Gegner bahnt. An Bord sind ein Haufen Menschen mit kontroversen politischen Ansichten und mehrere Polizisten.
Stellung für oder gegen eine Seite wollte Diab bewusst nicht beziehen. Stattdessen kam es ihm auf das an, was im Wagen passiert. „Es geht um Menschlichkeit und das, was die Leute vereint.“ Das ist auch das Thema von Mai Masri in ihrem Drama „3000 Nights“ über eine palästinensische Lehrerin, die unschuldig im Gefängnis sitzt und dort einen Sohn zur Welt bringt. „Menschliche Geschichten sind mir sehr wichtig“, erklärt sie. „Wir sind Leute mit einem Gesicht.“
Allgegenwärtig sind die politischen Spannungen auch in „Go Home“ von Jihane Chouaib. Die Christin Nada kehrt nach vielen Jahren im Exil in den Libanon zurück. Sie will herausfinden, was mit ihrem Großvater geschehen ist, der während des Bürgerkrieges spurlos verschwunden ist. Die Szenen aus ihrer Kindheit, erzählt in Rückblenden, sind begleitet von einer ständigen Geräuschkulisse: Hubschrauber, Gewehrknattern und Explosionen. „Go Home“ zeigt die Zerrissenheit des Landes, die Verletzungen, die die Menschen davongetragen haben.
Am meisten fehlt es den Filmemachern an Geld. Fördertöpfe gibt es kaum, und so gelingt das Werk meist nur mit Hilfe aus dem Ausland. „Europa ist sehr wichtig für uns“, erklärt der türkische Regisseur Emin Alper, der in „Frenzy“ die Angst vor dem Terror in Istanbul schildert. Der kurdisch-iranische Filmemacher Bahman Ghobadi, der mit „Zeit der trunkenen Pferde“ bekannt wurde, will deshalb demnächst in den USA drehen. „Wir haben tausend Geschichten, wir sind nicht arm, wir sind reich. Aber wir haben nicht das Geld, das zu verwirklichen, es auf die Leinwand zu bringen“, sagt er bedauernd.
Dass das Geld aus westlichen Ländern nicht nur gute Folgen hat, diese Erfahrung musste der Ägypter Diab machen, nachdem er seinen politisch motivierten Film bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt hatte. Auf einmal habe es geheißen, sein Film sei vom Westen finanziert und er ein Spion – alles wegen des Geldes aus Frankreich. „Es ist ein Segen und ein Fluch, aber trotzdem wäre ich lieber verflucht, als gar keinen Film zu machen.“

Suche nach den Terror-Drahtziehern

Ein Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen erschüttert die Türkei. Drei Selbstmordattentäter greifen den Atatürk-Airport an und reißen viele Menschen mit in den Tod. Die Terroristen treffen damit auch den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes.
Istanbul (dpa). Bei einem verheerenden Terroranschlag auf dem Atatürk-Flughafen in der türkischen Metropole Istanbul haben drei Selbstmordattentäter am Dienstagabend mindestens 36 Menschen mit in den Tod gerissen. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden außerdem mindestens 147 Menschen verletzt. Die türkische Polizei fahndet nach dem Hintermännern des Anschlags. Bis zum frühen Mittwochmorgen bekannte sich keine Gruppierung zu der Tat.
Istanbul-Terror3Ministerpräsident Binali Yildirim, der den Flughafen noch in der Nacht besuchte, sagte am Mittwochmorgen, erste Hinweise deuteten auf den „Islamischer Staat“ (IS/Daesh) als Urheber hin. Unter den Opfern seien Türken und Ausländer. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten die Angreifer zunächst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am späten Dienstagabend, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen seien.
Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuteten dagegen darauf hin, dass einer oder mehrere Angreifer auch in den Innenbereich des Terminals gelangten.
Der Luftverkehr auf dem Flughafen wurde inzwischen wieder aufgenommen. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Yildirim hatte den Flughafen zuvor für landende und startende Flüge wieder für geöffnet erklärt. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen wieder ins Terminal.
Der Angriff sorgt allerdings für massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen vom oder zum Atatürk-Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche Reisende vor dem Airport gestrandet, die vor der Attacke aus dem Terminal geflohen waren.

Foto: Sergey Kustov | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Foto: Sergey Kustov | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum waren im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden. Neben dem IS verübt auch die TAK – eine Splittergruppe der verbotenen Terrororganisation PKK – immer wieder Anschläge in türkischen Metropolen. Vor drei Wochen erst waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls.
Die TAK hat auch ausländische Urlauber vor Türkeibesuchen gewarnt. Im vergangenen Dezember hatte die Gruppierung einen Mörserangriff auf den Flughafen Sabiha Gökcen verübt.

Die Zahlen sind zu groß

Statistisch sucht jeder 113. Mensch auf der Erde Asyl, ist Flüchtling oder binnenvertrieben. Das entspricht der gesamten Bevölkerung Frankreichs oder Großbritanniens. Auch 2015 sind es wieder mehr statt weniger geworden.
Genf (KNA). Es ist wie so oft bei Katastrophen: Die Zahlen sind zu groß, um sie zu begreifen, die Statistik zu dick, um sie wirklich durchzulesen. Wenn das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR an diesem Montag seinen Jahresbericht 2015 veröffentlicht, dann ist – klar – „ein trauriges Rekordniveau“ zu verzeichnen. Weltweit befinden sich nach UN-Angaben 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als je zuvor. Zwölf Monate zuvor waren es noch 59,5 Millionen. Doch was bedeutet das?
Statistisch gesehen sucht derzeit jeder 113. Mensch auf der Erde Asyl, ist Flüchtling oder binnenvertrieben. Das entspricht etwa der gesamten Einwohnerzahl Frankreichs oder Italiens oder Großbritanniens. Man stelle sich vor: ganz Großbritannien leer, verlassen. Alle Briten weg, auf der Flucht. Brexit.
Bei seinen Besuchen in Flüchtlingslagern wie Lesbos oder Lampedusa mahnt Papst Franziskus immer wieder, den Flüchtling, den Menschen in Not, nicht als eine Zahl oder Nummer wahrzunehmen, sondern das Gesicht, die Person, die Not des Einzelnen anzuschauen. 65,3 Millionen Gesichter also. 65,3 Millionen Geschichten. 65,3 Millionen mal Not, ganz individuell, ganz persönlich, ganz nah. Am nächsten. Rund die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Die zentrale Aufgabe des UN-Flüchtlingswerks ist es, diesen Menschen vor Ort so gut wie möglich zu helfen. Der undankbarere Teil dieser Aufgabe ist aber auch, die Schicksale zu erfassen, zu listen, zu kategorisieren und zu katalogisieren, kurz: in ein Zahlenwerk zu gießen.
Laut dem UN-Bericht waren 40,8 Millionen Menschen Binnenflüchtlinge im eigenen Land. 3,2 Millionen warten in anderen Ländern auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag. Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit unter UNHCR-Mandat kommen aus nur drei Ländern: 4,9 Millionen aus Syrien, 2,7 Millionen aus Afghanistan sowie 1,1 Millionen aus Somalia. Kolumbien hat demnach mit 6,9 Millionen die höchste Zahl von Binnenvertriebenen, direkt gefolgt von Syrien mit 6,6 Millionen und dem Irak mit 4,4 Millionen. Die meisten neuen Fluchtbewegungen innerhalb eines Landes gab es mit 2,5 Millionen Menschen im Jemen.
Mit diesem Überblick ist auch klar ausgesagt: Grund für den steilen Anstieg der Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahren sind lang anhaltende Konflikte wie die in Somalia oder Afghanistan sowie neue oder wieder aufflammende Konflikte. Der größte davon ist der Krieg in Syrien. Zudem lassen seit dem Ende des Kalten Krieges dauerhafte Lösungen immer länger auf sich warten.
UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi fordert von den Staaten der Weltgemeinschaft mehr Bereitschaft, „nicht nur für Flüchtlinge, sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten“. Und er listet die Alternativen der Flüchtlinge auf, die in einem Dilemma stecken: Auf dem Meer verlören viele Bootsflüchtlinge ihr Leben, so Grandi; die Landwege seien mehr und mehr blockiert. In manchen Ländern machten Politiker Stimmung gegen Asylsuchende.
Was bei letzteren – und allgemein im reichen Westen – nicht gut ankommen dürfte: Die UN-Statistik zeigt deutlich, dass 90 Prozent aller Flüchtlinge Schutz in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen finden – außerhalb Europas. Mit 183 Flüchtlingen auf 1.000 Einwohner hat der Libanon (Muslime zu Christen 60:40) im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Menschen aufgenommen als jedes andere Land. In absoluten Zahlen ist die Türkei mit 2,5 Millionen Ankömmlingen der größte Aufnahmestaat. Im Verhältnis zur eigenen Wirtschaftskraft stemmt die Demokratische Republik Kongo am meisten, in deren Osten seit vielen Jahren ein verheerender Vielvölkerkrieg um Rohstoffe herrscht.
In Deutschland wurden 2015 rund 442.000 Anträge auf Asyl gestellt, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Mit deutlichem Abstand folgen die USA mit knapp 173.000 – wobei der Asylgrund dort häufig Flucht vor Bandenkriminalität in Mittelamerika lautet. Auch in Schweden (156.000) und Russland (153.000) gingen viele Asylbegehren ein. Nach Hause zurückkehren konnten im vergangenen Jahr nur ganz wenige Flüchtlinge: 201.400. So viele, wie Rostock Einwohner hat – nur eben weltweit.

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Gegen die wachsende Gewalt

Sarajevo. Nur wenige Tage bevor die Slowakei, deren Regierung angekündigt hat, muslimischen Flüchtlingen die Einreise zu verweigern, die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, werden auf dem ersten Europäischen-Islamophobie-Gipfel europäische und US-amerikanische Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen für die Herausforderung der islamophoben Intoleranz und antimuslimischen Gewalt in Europa zu finden.
Bestätigte Teilnehmer der Veranstaltung, die vom 24. bis 26. Juni in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo stattfinden wird, sind unter anderem der ehemalige britische Außenminister Jack Straw, der muslimische Repräsentant des Staatspräsidiums Bosnien Bakir Izetbegovic, der Mitbegründer von Médicins Sans Frontiéres (MSF), Bernhard Kouchner, der internationale Journalist Mehdi Hassan, der Großmufti von Sarajevo Husein Kavazovic sowie Repräsentanten aus 17 europäischen Ländern und Anhänger verschiedener Religionen.
Die zu erwartenden Erkenntnisse des Gipfels beinhalten:
•    Methoden, mit denen sich Islamophobie in europäischen Ländern bekämpfen lässt – mit der Hilfe von führenden internationalen Wissenschaftlern. Diese werden in einem Bericht zusammengefasst, der europäischen Politikern nach dem Gipfel zur Verfügung gestellt wird.
•    Präsentation von länderspezifischen Fallbeispielen zu dem Ausmaß von Islamfeindlichkeit und empfohlene Strategien zur Bekämpfung von Islamophobie in 17 europäischen Ländern.
•    Interreligiöses Ramadan Iftar-Fastenbrechen, bei dem über 400 Gäste auf dem Bašcaršija-Platz in Sarajevos Altstadt zusammenkommen werden.
•    Podiumsdiskussion zu dem Thema, wie Gemeinden gemeinsam gegen verschiedene Formen von Vorurteilen und religiöser Intoleranz vorgehen können.
• Unterzeichnung einer gemeinsamen Istanbul-Sarajevo-Erklärung gegen Islamophobie, die den erneuerten Einsatz beider Städte im Kampf gegen anti-muslimische Gewalt und religiöse Intoleranz widerspiegelt.
Weitere bestätigte Gipfelteilnehmer sind unter anderem:
• Zivile Organisationen, wie die britische Anti-Rassismus-Bewegung Hope not Hate, das Europäische Forum Muslimischer Frauen und das türkische Think-Tank SETA
• Politiker, wie der Abgeordnete des Europaparlaments Afzhal Khan und Naz Shah, Mitglied des britischen Parlaments
• Mitglieder der Zivilgesellschaft, wie die US-Basketballspielerin Indira Kaljo und der Schöpfer des islamischen Superhelden Comics The 99, Naif Al Mutawa
• Wissenschaftler, einschließlich des Forschungsleiters der Georgetown University Nathan Lean und Hatem Bazian, Dozent an der Berkley University
Der Europäische-Islamophobie-Gipfel wurde ins Leben gerufen, um das Problem der mannigfaltigen Zunahme von islamophober Hetze und Hassverbrechen gegenüber Muslimen in Europa, einschließlich Frankreich, Spanien und Großbritannien anzugehen insbesondere im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise und Terrorangriffen, wie dem, der sich vor kurzem in Orlando ereignete. Der Gipfel wird sich auch mit Maßnahmen gegen die zunehmende antimuslimische Stimmung in der Politik auseinandersetzen.
Der wissenschaftliche Berater des Gipfels, Dr. Farid Hafez von der Universität Salzburg sagte: „Islamophobie stellt eine große Herausforderung für die europäische Demokratie und Freiheit dar, sowie für ihre Werte Toleranz und Pluralismus.“
Vor dem Hintergrund der Aufforderung des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump Muslimen die Einreise zu verweigern und den Aussagen des ungarischen Premierministers und des nächsten EU-Ratspräsidenten und slowakischen Premierministers, die bekräftigten der Islam habe keinen Platz in ihrem Land, ist ein Gipfel, der führende Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Medien und der Zivilgesellschaft im Kampf gegen Islamophobie vereint, nötiger als je zuvor.“
Als Antwort auf die jüngsten Terroranschläge in Orlando sagte Muddassar Ahmed, Mitglied des Beratungsgremiums des Europäischen-Islamophobie-Gipfels und Schirmherr des Faiths Forum for London:“ „Der Europäische-Islamophobie-Gipfel verurteilt den entsetzlichen Angriff auf einen Schwulenklub in Orlando und möchte den Angehörigen der Opfer sein aufrichtiges Beileid und tiefstes Mitgefühl ausdrücken.“ „Alle Formen der religiösen Intoleranz und Vorverurteilung sind abscheulich und weisen die gleichen verderblichen Einflüsse auf. Deshalb werden wir auf dem Europäischen-Islamophobie-Gipfel nach Gemeinschaftsübergreifenden Ansätzen suchen, die sich nicht nur gegen Islamfeindlichkeit, sondern gegen alle Formen von Vorurteilen und Intoleranz richten.““
Des Weiteren stellte er fest:“ „Der Umstand, dass Bosnien als Veranstaltungsort des ersten Europäischen-Islamophobie-Gipfels auserwählt wurde, ist beachtenswert. Die Geschichte Bosniens zeigt beispielhaft, was passieren kann, wenn rassistischer und antimuslimischer Hetze stattgegeben wird. Nicht weit entfernt von Sarajevo, in Srebrenica, wird nur wenige Tage nach dem Europäischen-Islamophobie-Gipfel dem Massaker an 8.000 Muslimen vor 21 Jahren gedacht.“
Der Moderator des Gipfels und Entwicklungsleiter des Center for Global Policy, Haroon Moghul, sagte: „“Anstrengungen gegen Islamophobie sind entscheidend im Vorgehen gegen den Extremismus. Die Angriffe des IS haben das Ziel die westliche Gesellschaft mithilfe der „Grauzone“ zu spalten; indem sie die friedliche Koexistenz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zerstören. Eine islamfeindliche Reaktion ist genau das, worauf IS-Terroristen und  islamophobe Aktivisten aus dem rechten politischen Spektrum hoffen, um ihre These vom Kampf der Kulturen in die Tat umzusetzen.“
„Dies ist der Grund, warum der Westen gegenüber islamfeindlichen Bestrebungen wachsam bleiben muss und warum die Bemühungen des Europäischen-Islamophobie-Gipfels so wichtig und zeitgemäß sind.““
Veranstaltungsorte des Europäischen-Islamophobie-Gipfels sind verschiedene Sehenswürdigkeiten in Sarajevo. Darunter befindet sich die Nationalbibliothek (innerhalb des Rathauses), das Sarajevo Staatstheater und der alte Basar der Stadt. Der Gipfel wird in Partnerschaft mit der Stadtverwaltung abgehalten.
Statistiken zu antimuslimischen Verbrechen und Islamophobie in Europa:
– Basierend auf eine Studie der britischen Exeter University haben seit den Anschlägen vom 11. September zwischen 40 und 60 Prozent der britischen Moscheen, Islamzentren und islamischen Organisationen einen Angriff verzeichnet.
– Antimuslimische Hassverbrechen verdreifachten sich in London nach den Terroranschlägen in Paris im Dezember 2015.
– Der Studie einer islamischen Menschenrechtskommission zufolge stieg  zwischen 2010 und 2014 die Zahl der Befragten von 50 auf 82 Prozent, die Fälle von Islamophobie gegen Mitmenschen im Alltag wahrnahmen. Für diese Studie wurden 1800 Menschen befragt. Im selben Zeitraum stieg die Zahl derer, die angaben sie hätten negative Stereotype von Muslimen und dem Islam wahrgenommen von 69 auf 93.3 Prozent.
– Die französische Behörde Dilcra, die Fälle von Rassismus registriert, zählte im Jahr 2015 400 Hassverbrechen gegen Muslime, eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr mit 133 registrierten Fällen.
Nach Angaben der größten islamischen Organisation in Spanien, der Islamischen Kommission Spanien, wurden im Jahr 2015 534 antimuslimisch Hassverbrechen gemeldet. Das sind elf Mal so viele wie 2014 mit 48 gezählten Fällen.
– Einer Studie des Pew-Forschungszentrums zufolge aus dem Jahr 2014 haben mindestens die Hälfte aller Befragten in Italien, Griechenland und Polen eine negative Haltung zu Muslimen, die in ihrem Land leben.

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Die Zahl der „Islamkritiker“ wächst

Wachsender Hass auf Muslime und Sprüche gegenüber Asylbewerbern: Nach dem Ergebnis einer Studie wächst aus der Mitte inzwischen ein großes antidemokratisches Potenzial, das auch zunehmend zu Gewalt bereit ist.
Berlin (KNA). Die Botschaft klingt bedrohlich: Feindschaft und Vorurteile gegenüber Minderheiten wachsen. Auch Teile aus der Mitte der Gesellschaft bekennen sich zu rechtsextremen Einstellungen. Und viele von ihnen werden radikaler und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. So überschrieben die Leipziger Wissenschaftler ihre am Mittwoch vorgestellte Langzeitstudie denn auch mit dem Titel „Die enthemmte Mitte“.
Seit 2002 untersuchen die Autoren Oliver Decker, Johannes Kiess und Elmar Brähler die politischen Einstellungen eines repräsentativen Teils der Bevölkerung. Dabei schauen sie vor allem auf autoritäre und rechtsextreme Positionen. Für die aktuelle, im Frühjahr durchgeführte Studie wurden 2.420 Menschen im Alter von 14 bis 93 Jahren befragt.
Und die Umfrage belegt, dass viele Rechtsextreme „in der AfD eine neue politische Heimat gefunden haben“, so Brähler. Dieser Partei sei es gelungen, die entsprechende Wählerschaft für sich zu mobilisieren. Rund 34 Prozent der Befragten, die rechtsextreme Einstellungen hätten, wählten danach die AfD. Zum Vergleich: 11,5 Prozent dieser Befragten gaben der CDU ihre Stimme, 15,1 Prozent die SPD und 3,8 Prozent die Grünen.
Dabei lässt ein weiteres Ergebnis der Studie zunächst anderes vermuten: Denn die Ausländerfeindlichkeit insgesamt habe nicht zugenommen, so die Autoren. Es ergebe sich aber ein anderes Bild, wenn nach einzelnen Gruppen wie etwa nach Muslimen gefragt werde. Danach ist die Zahl der Islamkritiker in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. So gab jeder zweite Befragte an, sich durch die Muslime manchmal „wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen“. Vor zwei Jahren waren es nach Langzeitstudie noch 43 Prozent und 2009 etwa 32,3 Prozent.
Rund 41,4 Prozent sprechen sich danach dafür aus, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte. Vor sieben Jahren stimmte dieser Aussage lediglich jeder Fünfte zu. Bei den AfD-Wählern ist die Zustimmung mit 85,9 Prozent am größten, bei den Grünen mit 24,7 Prozent am geringsten.
Auch gegenüber anderen Minderheiten zeigten sich die Befragten deutlich kritischer als in früheren Studien. So stieg die Prozentzahl derjenigen, die Homosexualität für unmoralisch halten, von 15,7 auf 24,8 Prozent. 36,2 Prozent sind laut Studie dafür, dass Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern nicht erlaubt sein sollten (2009: 29,4 Prozent).
Zugleich belege die Studie, dass es in Teilen der Gesellschaft eine zunehmende Bereitschaft zur Gewalt gebe. Auch gibt es danach mehr Menschen, die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma haben und glauben, dass diese zur Kriminalität neigen (2014: 44,2 Prozent; 2016: 58,5 Prozent).
Über 80 Prozent der Befragten wollten zudem, dass „der Staat bei der Prüfung von Asylanträgen nicht großzügig“ sein solle. (2009: 25,8 Prozent). Knapp 60 Prozent glauben, dass die meisten Asylbewerber nicht wirklich befürchteten, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden. Zugleich belege die Studie, dass die islamkritische Pegida-Bewegung vor allem von denjenigen unterstützt werde, die solche Minderheiten ablehnten und eine rechtsextreme Einstellung hätten. Auch sei zu beobachten, dass Teile der Gesellschaft zunehmend radikaler agiere und auch vor Gewalt nicht zurückschrecke.
Zudem befürworten danach mehr Deutsche als in den Vorjahren eine rechtsautoritäre Diktatur. Die prozentuale Zustimmung bewegt sich aber im einstelligen Bereich. So konnten sich diese Staatsform danach 7,6 Prozent der befragten Ostdeutschen und 4,3 der Westdeutschen vorstellen. Vor zwei Jahren waren es 5,6 Prozent bei den Ost- und 3,1 Prozent bei den Westdeutschen. Nach Angaben der Autoren gab es einen Tiefstwert bei der Zustimmung im Jahr 2012 mit 3,5 Prozent. Bei den AfD-Wählern ist die Präferenz für ein rechtsautoritäres System am größten (8,1 Prozent), dann folgen die Nichtwähler (6,9 Prozent), am geringsten ist sie bei den Grünen (4,5 Prozent).
Und noch etwas zeigt die Studie: So sind es bei den Ostdeutschen eher die Jüngeren, die rechtsextreme Einstellungen haben und auch bereit zu Gewalt seien, während es bei den Westdeutschen eher die Älteren sind.

Obama reagiert zornig

So zornig wird Barack Obama selten: Die Tiraden von Donald Trump im Nachgang des Massakers von Orlando bezeichnet der Präsident am Dienstag als leeres Geschwätz. Die Frage nach dem künftigen Umgang mit Muslimen wird in Wahlkampfzeiten mit seltener Härte geführt.
Orlando (dpa). Das möglicherweise ideologisch motivierte Massaker von Orlando hat in den USA eine in seltener Schärfe geführte Debatte über den Umgang mit Muslimen ausgelöst. „Der Killer von Orlando war ein US-Bürger. Wollen wir jetzt deswegen alle Muslime wegen ihres Glaubens diskriminieren?“, fragte Präsident Barack Obama am Dienstag bei einer Rede in Washington. Tags zuvor hatte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump Obamas Kurs scharf kritisiert und seine Forderung nach einem Einreisebann unter anderem für Flüchtlinge aus Syrien erneuert.
Obama sprach in Bezug auf Trumps Worte von „Gerede“ und „leerem Geschwätz“. „Wenn wir alle Muslime über einen Kamm scheren, gehen wir denen auf den Leim, die einen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen oder den USA wollen, dann erledigen wir die Arbeit der Terroristen“, sagte Obama. In den USA ist nur etwa ein Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens.
Der Todesschütze von Orlando hatte sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen. Er schoss in der Nacht zum Sonntag in einem Nachtclub um sich. Bei seinem Angriff starben 49 Menschen, mehr als 50 wurden verletzt. Er selbst wurde von der Polizei getötet.
Im US-Kongress kam eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze auf. Demokratische Abgeordnete forderten vehement strengere Richtlinien für den Erwerb und das Tragen von Schusswaffen. „Wir haben genug von Schweigeminuten“, sagte die demokratische Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi. Die Republikaner im Kongress sind jedoch mit ihrer parlamentarischen Mehrheit gegen Verschärfungen.
Auch die Vereinten Nationen schalteten sich in die Debatte ein und drängten die USA zum Handeln. „Es ist schwer, eine rationale Begründung zu finden, die erklärt, wieso Menschen dort so einfach Schusswaffen kaufen können“, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad Al-Hussein, in Genf.
Unterdessen schilderte ein Überlebender der Terrornacht von Orlando in dramatischen Worten das Geschehen in dem Nachtclub „Pulse“. Der Attentäter habe systematisch einen Besucher nach dem anderen erschossen. Später habe er nochmals auf Liegende geschossen, offenbar um sicher zu gehen, dass sie tot sind. „Ich dachte ich bin der nächste, ich dachte ich bin tot“, sagte Angel Colon, der mehrere Schusswunden davontrug.
Im Krankenhaus werden derzeit nach Ärzte-Angaben noch 27 Menschen behandelt, meist an Schusswunden. Sechs Menschen seien in kritischem Zustand und damit in Lebensgefahr. Die Ärzte schlossen nicht aus, dass sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen könnte.
Das FBI konzentriert sich auf die Motivlage des Attentäters Omar Mateen. Am Montagabend hatten US-Medien berichtet, der 29-Jährige solle vor der Tat häufiger in dem Club zu Gast gewesen sein, in dem vor allem Schwule und Lesben verkehren. Er soll demnach auch eine Dating-App für Schwule genutzt haben.
Seine zweite Ehefrau Noor Mateem hat einem Bericht des US-Senders NBC zufolge von den Anschlagsplänen Kenntnis gehabt und versucht, ihn davon abzubringen. Das habe sie dem FBI gesagt, berichtete NBC ohne genauere Quellenangabe. Sie habe ihren Mann mindestens einmal ins „Pulse“ gefahren, das er habe auskundschaften wollen. Noor Mateen, die einen drei Jahre alten Sohn mit dem Attentäter hat, müsse nun mit einer Anklage rechnen, berichte NBC unter Berufung auf Justizkreise.
Die Suche nach dem Motiv des Todesschützen wird dagegen immer komplizierter. Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf frühere Mitschüler Mateens, dieser habe bereits im Jahr 2001 die Anschläge vom 11. September bejubelt und Reaktionen auf die Taten veralbert. Auch soll er Berichten zufolge das berühmte Disneyland in Orlando ausspioniert haben.
Die US-Bundespolizei FBI hat nach den Worten ihres Direktors James Comey ein Dickicht von Äußerungen des Attentäters zu entwirren, die dem ersten Anschein nach nicht zusammenpassen. Das FBI schließt weiterhin nicht aus, dass es Mittäter oder Helfershelfer gibt – auch wenn Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bereits von einem „einsamen Wolf“ sprach. Hinsichtlich des Vaters des Attentäters, Siddique Mateen, werden vom Bundeskriminalamt mögliche Verbindungen nach Deutschland geprüft.
Comey hatte am Montag nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen, dass der Attentäter von einem internationalen Terrornetzwerk Instruktionen erhielt. Comey und Obama erklärten, Mateen sei von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden.

Vor der EM: Kein Platz fürs Kopftuch

Seit über 110 Jahren sind Kirche und Staat in Frankreich strikt getrennt. Religion ist Privatsache. Deshalb wird die Kirche auch bei der Fußball-EM keine Rolle spielen. Fragen und Antworten der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Paris (KNA). Bald beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. In Deutschland würden Spielern und Fans spezielle Seelsorger zur Verfügung stehen. Nicht so in Frankreich. Das Land ist tief vom Laizismus geprägt. Fünf Fragen und Antworten zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Gastgeberland der diesjährigen Fußball-EM.
Was bedeutet Laizismus?
Das Konzept des Laizismus beschreibt die Trennung zwischen Staat und Kirche. Religion soll im öffentlichen Leben keine Rolle spielen. Das bedeutet, dass es keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt und Mitarbeiter von Behörden keine sichtbaren religiösen Zeichen wie Kopftuch, Kippa oder Kreuz tragen dürfen. Religion ist in Frankreich Privatangelegenheit.
Seit wann gibt es Laizismus in Frankreich?
In Frankreich wurde 1905 das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat erlassen. Kinder sollten frei von religiösen Einflüssen in der laizistischen Volksschule zu „eigenständigen Individuen“ erzogen werden. Damals waren nach Angaben des Direktors des „Europäischen Instituts für Religionswissenschaften“ in Paris, Philippe Gaudin, 80 Prozent der Franzosen Katholiken. Im Gegensatz zu 1905 ist Frankreich mittlerweile das europäische Land mit dem größten Bevölkerungsanteil von Muslimen (8 Prozent), wie das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (ENAR) berichtet.
Das Land, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung katholisch sind, habe zugleich mit die engagiertesten jüdischen und muslimischen Gemeinden Europas. Einer Umfrage von WIN/Gallup International aus dem Jahr 2012 zufolge ist Frankreich aber auch eines der säkularisiertesten Länder der Welt. Nur 37 Prozent der Franzosen bezeichnen sich unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit als religiös. Auch andere Länder wie zum Beispiel Japan, Uruguay, Indien und Kuba haben das Prinzip des Laizismus in ihre Verfassung aufgenommen.
Wurde das Konzept nach den Terroranschlägen infrage gestellt?
„Der Laizismus ist keine Antwort auf den Terrorismus“, sagte Islam-Experte Olivier Roy in einem Interview im April 2015 mit der französischen Zeitung „Les Echos“ nach den Terroranschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Roy sagte, dass es einen „autoritären Laizismus“ in Frankreich gebe. Es müsse wieder eine „Kultur“ der Diskussion in den Schulen eingeführt werden. Damit ein Dialog zwischen den Religionen und der Gesellschaft entstehen könne. Oft werde vergessen, dass das Gesetz von 1905 über die Trennung von Kirche und Staat die Freiheit der Religionsausübung im öffentlichen Raum gewährleiste. „Es erfordert Neutralität vom Staat, nicht von der Gesellschaft“, sagte Roy.
Der Islam-Experte spricht sich auch gegen das Kopftuchverbot an Universitäten aus. Im Gegensatz zu Schülerinnen seien Studentinnen Erwachsene und könnten bereits frei und eigenständig über Religion entscheiden. Das Prinzip der Religionsfreiheit bedeute auch individuelle Freiheit. Wenn jemand ein Kopftuch trage, störe das nicht die Funktion der Institution und sei auch kein „Bekehrungseifer“. Verschiedene Organisationen kritisieren immer wieder, dass Muslime durch das Kopftuchverbot von der Arbeit in einer öffentlichen Behörde ausgeschlossen würden.
Was hat sich in Frankreich in den vergangenen Jahren verändert?
2002 wurde in Paris das „Europäische Institut für Religionswissenschaften“ gegründet. Dort werden Unterrichtsmaterialien zum Thema Laizismus und Religion entwickelt. Darüber hinaus haben alle Schüler an staatlichen Schulen nun seit Herbst 2015 das Fach „Moral und Laizismus“. Dort sollen „Werte der Republik“ und Fakten über Religionen vermittelt werden.

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Der Schmetterling

Triumph und Tragik zeichneten sein Leben. Muhammad Ali, der größte Boxer der Sportgeschichte, ist tot. Selbst Washington bot er die Stirn – nur die Parkinsonkrankheit kriegte ihn klein.
Bonn (KNA). „Der Größte“ nannte er sich selbst. Und für viele war Muhammad Ali, der Boxer, Exzentriker, „Jahrhundertsportler“ und Kämpfer für die Menschenrechte, genau das. Am Freitag (Ortszeit) ist er nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren in den USA gestorben. Ali soll am 10. Juni in seiner Heimatstadt Louisville beigesetzt werden. Geplant ist ein großer Trauerzug durch die Stadt, die Trauerrede hält Bill Clinton. Geistlichen unterschiedlicher Religionen sollen die Feier leiten.
Es war ein extremes und auch tragisches Leben. Kein Sportler seiner Generation polarisierte so wie der Schwergewichts-Champion. Er war Held und Hassfigur, Wutmensch und Philanthrop. In Erinnerung bleiben großartige Sprüche, großartige Taten – und natürlich großartiges Boxen.
Die Wut über den Diebstahl seines Fahrrads war es angeblich, die den Zwölfjährigen ins Boxstudio trieb. Damals hieß er noch Cassius Clay und stammte aus ärmlichen Verhältnissen in Kentucky. Zehn Jahre später, 1964, war er Weltmeister nach einem aufsehenerregenden Kampf gegen Sonny Liston, in den er als krasser Außenseiter, aber voll provokanter Siegesgewissheit gegangen war.
„Ich bin der Größte“, brüllte er in die Mikrofone, und die Bilder des rasenden Kämpfers mit weit aufgerissenem Mund wirkten wie ein Fanal für die schwarze Bürgerrechtsbewegung. „Ich bin schön! Ich bin ein böser Mann! Ich rüttele die Welt wach!“ Boxen war für ihn mehr, als eine Masse Geld zu verdienen. Es war auch eine Kampfansage an die weiße Gesellschaft, deren Polizei protestierende Afroamerikaner mit Hunden jagte.
Seine Abkehr von diesem weißen Amerika demonstrierte er mit dem Übertritt zum Islam und nannte sich fortan Muhammad Ali. Es war auch eine spirituelle Entscheidung, ein religiöser Eiferer war Ali nie. Dafür blieb er Großmaul aus Prinzip. Nicht einmal Uncle Sam kriegte ihn klein, auch wenn ihm 1967 für seine Verweigerung des Kriegsdienstes in Vietnam der Weltmeistertitel aberkannt wurde und sogar Gefängnis drohte. Alis Kommentar: „Nein, ich werde nicht 10.000 Meilen von zu Hause entfernt helfen, eine andere arme Nation zu ermorden und niederzubrennen, nur um die Vorherrschaft weißer Sklavenherren über die dunkleren Völker der Welt sichern zu helfen.“
Wegen der Sperre dauerte es drei Jahre, bis die Sportwelt wieder den leichtfüßigen Kampfstil erleben konnte, den keiner besser beschrieb als Ali selbst: „Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene“. Seine tänzelnden Beinbewegungen, der „Ali Shuffle“, und die provozierend herabhängenden Fäuste irritierten die Gegner, bevor blitzschnelle Rechts-Links-Kombinationen sie auf die Bretter schickte. Rund um den Globus stellten sich Boxfans den Wecker, um Alis Kämpfe im TV zu verfolgen.
Allen voran den wohl berühmtesten Fight der Boxgeschichte: Am 30. Oktober 1974 wollte sich Ali seinen aberkannten WM-Titel gegen den deutlich jüngeren und körperlich überlegenen George Foreman zurückholen. 100.000 Zuschauer waren in Kinshasa im Kongo – damals Zaire – zu einer Boxnacht der Superlative zusammengekommen, die als „Rumble in the Jungle“ Ewigkeitswert errang. Dass Diktator Mobutu das Ganze auch als Propagandashow nutzte, ging unter. „George, wir essen hier kein Popcorn“ oder „Ist das alles?“, nervte Ali seinen wild punchenden Gegner. Immer wieder wich er in die Seile zurück. Erst in der achten Runde drehte Ali richtig auf, traf Foreman hart an der rechten Schläfe und schlug ihn k.o.
Als Ali 1978 zum dritten Mal ein Titelgewinn gelang, hatte er sein sportliches Hoch längst überschritten. In den folgenden Jahren baute der „König der Welt“ (Ali) auf geradezu tragische Weise ab. Aus der Bewunderung für den besten Boxer aller Zeiten wurde Mitgefühl, vor allem nach seinem letzten Kampf 1981, den er in schlimmer Verfassung verlor. Und erst recht nach der Diagnose Parkinson, die sein weiteres Leben prägen sollte.
Trotzdem blieb er im Boxsport das Maß aller Dinge: Das Internationale Olympische Komitee kürte ihn schließlich zum „Sportler des Jahrhunderts“. Ali selbst bilanzierte 1984: „Was ich körperlich erlitten habe, war es wert für das, was ich im Leben erreicht habe.“

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Eine Zeit, Brücken zu bauen

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Die dritte Schlacht von Falludscha

Bagdad (dpa). Der von irakischen Streitkräften angegriffenen IS-Hochburg Falludscha droht nach Angaben von Helfern eine humanitäre Katastrophe. Rund 50.000 Menschen seien in der westirakischen Stadt, die seit Januar 2014 von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert wird, eingeschlossen. Zivilisten stünden im Kreuzfeuer der Konfliktparteien, und es gebe für sie keine sicheren Fluchtrouten aus der Stadt heraus, sagte der Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Jan Egeland, am Dienstag. Im Süden Falludschas geriet die Armeeoffensive wegen des heftigen Widerstandes der Dschihadisten ins Stocken.
Nur 554 Familien aus der Umgebung der Stadt hätten seit Beginn der Militäroffensive Falludscha verlassen können, heißt es. Zivilisten berichteten von extremer Hungersnot, sagte der NRC-Leiter im Irak, Nasr Muflahi. „Ein Mangel an Essen, Medizin, sicherem Trinkwasser und Strom drängt Familien an den Rand der Verzweiflung.“
Die irakische Armee und Milizen hatten Anfang vergangener Woche mit Unterstützung von US-Luftangriffen eine Offensive begonnen, um die sunnitischen Extremisten aus der Stadt rund 70 Kilometer westlich von Bagdad zu vertreiben. Falludscha ist nach der nordirakischen Stadt Mossul die wichtigste IS-Hochburg im Krisenland Irak.
In südlichen Teil Falludschas mussten Regierungseinheiten ihren Vormarsch am Dienstag wegen der Gegenwehr von IS-Kämpfern stoppen. „Dschihadisten“ hätten die Armee aus selbst gegrabenen Tunneln in dem Gebiet Nuaimija angegriffen, berichtete ein Befehlshaber der Deutschen Presse-Agentur. Die Extremisten hätten dabei auch Scharfschützen eingesetzt.