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Sie sind hier: Home >> Wirtschaft und Recht >> "Muslime & Globalisierung" - Contra: Die Zuckerkrankheit ist wegen globalisierten Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel weltweit auf dem Vormarsch. Von Malik Özkan

28.10.2011 "Muslime & Globalisierung" - Contra: Die Zuckerkrankheit ist wegen globalisierten Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel weltweit auf dem Vormarsch. Von Malik Özkan

Diabetes - die globale Epidemie

(iz). Von Saudi-Arabien bis Shanghai - wie keine andere Krankheit breitet sich der Diabetes aus. Die globale Angleichung von Gewohnheiten und Übernahme westlicher Ernährungsweisen sind fatal. Experten befürchten eine drastische Zunahme. Für manche ist Diabetes genauso gefährlich wie AIDS. Der Arzt Frank B. Hu benannte für diese Epidemie zwei Hauptur­sachen: ungesunde Ernährung und Bewe­gungsmangel. Übergewicht ist laut Expertenmeinung eine der Hauptursachen für den Diabetes Typ 2. Die „Interaktion zwischen westlicher Ernährung und Lebensweise in Zusammenhang mit genetischem Hintergrund beschleunigen die Ausbreitung der Diabetes-Epidemie.“
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Fährt man an der Küstenstraße von Kuwait City, springt einem - neben diver­sen Hochhäusern - das hochmoderne Dasman Diabetes Institute ins Auge. Dabei handelt es sich nicht um das Hätschel­kind reicher Investoren, sondern dient der Behebung realer Probleme. In der Region (wie im Rest Asiens) treffen gene­tische Disposition und eine globale Lebensweise aufeinander. Selbst extremes Übergewicht unter Einheimischen ist ­keine Seltenheit mehr.

Einstmals galt der Diabetes als „Krankheit der Reichen“. Nun belastet er in zunehmendem Maße Entwicklungsländer. Im globalen Vergleich betrifft sie 5,9 Prozent aller Erwachsenen, aber in vielen asiatischen und pazifischen Staaten leiden bis zu einem Drittel daran. „Heute finden sich 80 Prozent aller Fälle in Entwicklungsländern und aufstrebenden Volkswirtschaften, da Fehlernährung und Unterwicklung in der Kindheit ­später oft zum Diabetesausbruch ­führen“, schrieben Karen Siegel und Venkat Narayan 2008.

China und Indien, aber auch Schwellenländer sind Brennpunkte in der Ausbreitung der Diabetes-Epidemie bei. „China und Indien dürften bis 2025 weiterhin die höchsten Krankenzahlen aufweisen“, meint der südkoreanische Diabetologe Zoon. „Im Gegensatz zu westlichen Industrieländern, wo hauptsächlich Ältere erkranken, wird Jugend-Diabetes für die meisten Länder Asiens zur Bedrohung“, warnte das renommierte Magazin „Lancet“. „Deshalb müssen besonders in armen Ländern viele an Diabetes erkrankte Kinder sterben.“

Die International Diabetes ­Federation (IDF) sprach von Diabetes als „der Epidemie des 21. Jahrhunderts“. Weltweit steigen die Zahlen. Schätzungen werden immer weiter nach oben korrigiert. Nach Angaben des IDF Diabetes Atlas sollen im Jahre 2010 rund 285 Millionen (6,4 Prozent der Weltbevölkerung) von der Krankheit betroffen gewesen sein. Für den Eingangs erwähnten Dr. Frank B. Hu ist der Diabetes Typ 2 „eine ­globale Gesundheitskrise, die die Volkswirtschaften ­schädigt.“

Der Diabetes-Anstieg werde laut Siegel und Narayan durch Faktoren verursacht, die außerhalb des Gesundheitswe­sens liegen. Hier sei Globalisierung „der treibende Faktor“. In den letzten Jahrzehnten kam es vielerorten zu einer teils radikalen Umstellung der Ernährung. Bestimmte Getreidesorten, tierische Fette, sowie industrielle Nahrungsmittel wie Fastfood und Süßigkeiten stehen vielen nun aufgrund des steigenden Wohlstands zur Verfügung. Ein anderer sind Verkaufsförderungen der größten Agrarexporteure. Die USA, Australien oder Frankreich tragen durch unfaire Subven­tionen dazu bei, dass Exporte ihrer Landwirtschaften und Lebensmittelindustrien alle Märkte penetrieren. Nach Angaben von JP Morgan fielen die globalen ­Preise [Angaben vor dem globalen Run auf die Lebensmittelmärkte] für eine Kalorie Energie in den letzten Jahren dramatisch. Darüber hinaus seien in den letzten 50 Jahren Preise für Fette und Öle um beinahe die Hälfte gesunken. Die Kosten für Gemüse hätten hingegen um ein Drit­tel zugelegt.

Traditionelles asiatisches Essen wurde gegen die Gewohnheiten urbanisierter Zonen eingetauscht. Diese Veränderun­gen führen zu Überernährung, sowie zu einer positiven Energiebilanz. Früher war dies kein Problem, da ein hoher Blutzu­ckerspiegel gewohnheitsmäßig physische Arbeit ausgeglichen wurde. „Diabetes ist gravierend, weil er den betroffenen Gesellschaften soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Kosten auferlegt. Zu den direkten Lasten zählen Behandlungslasten. Zu den indirekten zählen der ­Verlust an Produktivität“, schätzen Siegel und Narayan die ökonomischen Auswirkungen von Diabetes ein.

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