Drei Muslime aus Deutschland, die lieber anonym bleiben wollen, berichteten über ihre Wallfahrt nach Mekka. Sie sprachen über spirituelle Sehnsucht, hohe Kosten und eine Reise fürs Leben.
(KNA/IZ). Für Sajid D. stand die Entscheidung schon lange fest. „Ich wusste immer, dass ich die Pilgerfahrt irgendwann antreten werde – sobald ich sie mir leisten kann“, erzählte der Medienunternehmer aus Norddeutschland am Telefon der Katholischen Nachrichten-Agentur.
Einige Tage vor dem Beginn der Hajj-Rituale war der Mittvierziger mit dem Flugzeug aus dem verregneten Hamburg im saudischen Medina gelandet. Dort bereitete er sich an der Grabmoschee Muhammeds, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, auf den Hadsch vor.
Die große islamische Wallfahrt im 350 Kilometer entfernten Mekka, dem Geburtsort des Propheten, begann mit dem siebenmaligen Umschreiten der Kaaba in der Heiligen Moschee. Die verschiedenen Riten im Dhu’l-Hijja, dem letzten Monat des islamischen Kalenders, dauerten fünf bis sechs Tage.
Trotz der Wüstenhitze von über 40 Grad Celsius genoss der Deutsche mit türkischen Wurzeln die Vorfreude auf das spirituelle Erlebnis in Mekka und die besondere Atmosphäre in Medina. „Ich schaue hier gerne in die Gesichter der Menschen.
Alle sind auf der Suche nach innerem Frieden und das sieht man ihnen an“, berichtete Sajid über seine Glaubensgeschwister, die in jenen Tagen aus der ganzen Welt an die Wiege des Islam strömten.
Zu den Glücklichen gehörte auch der 44-Jährige Mustapha M. „Man fühlt sich ein bisschen wie ein Auserwählter“, gestand der Versicherungsberater aus Hannover, der inzwischen das Handy von Sajid übernommen hatte.
Exklusiv sind allerdings auch die Preise für die Wallfahrt, die viele Pilger als Komplettpaket buchen – in Deutschland meist über große Moscheeverbände wie DITIB oder die IGMG. Rund 17.700 Euro habe er für sich und seine Frau für den zweiwöchigen Aufenthalt in Saudi-Arabien bezahlt, berichtete Mustapha: für Flüge, Hotel und Verpflegung und die Transportwege mit Bus bzw. Zug.
Die derzeit hohen Preise liegen nicht an den Reiseunternehmern in bspw. europäischen Ländern, sondern an den Vorgaben der saudischen Organisationen. Seit wenigen Jahren müssen sämtliche Buchungen (von Hotels bis Transport) bei Anbietern im Land bezahlt werden.

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Saudi-Arabien verdient an der Wallfahrt jährlich Milliarden. Zugleich hat das Königreich in den vergangenen Jahren enorme Summen in die Hadsch-Infrastruktur und die Versorgung der Pilgermassen investiert – gerade auch in den Schutz vor der extremen Hitze. Zwei Jahre zuvor hatte der Tod von mehr als 1.300 Pilgern bei Temperaturen von über 50 Grad Celsius für Entsetzen gesorgt.
Seither wurden in und um Mekka zusätzliche Schattenflächen geschaffen, die Zahl klimatisierter Räume und Zelte erhöht, Wasser- und Gesundheitsversorgung verbessert. Neue Technologie soll helfen, die Besucherströme besser zu lenken. Für das Königshaus, den sogenannten „Hüter der beiden heiligen Stätten“ Mekka und Medina, bedeutet der reibungslose Ablauf des religiösen Mega-Events Prestige und Legitimation.
Die drei Pilger aus Deutschland, die ihre Frömmigkeit nicht in den Vordergrund stellen und deshalb lieber anonym bleiben wollen, zeigten sich jedenfalls zufrieden: Seit ihrer Ankunft in Medina funktionierte alles reibungslos.
Mustapha, ein Vater von drei Kindern, sah die Kosten jedoch mit gelassener Frömmigkeit: „Die Hajj ist die fünfte Säule des Islam und von Gott vorgeschrieben. Wenn man gesund ist und die finanziellen Mittel hat, ist man als Muslim nun mal dazu verpflichtet.“

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Auch sein Mitpilger, Erhan I., Gartenbauunternehmer aus Hagen, sah es so: „Wir fahren nach Mekka aus Liebe zu unserem Schöpfer“, erklärte er. „Letztlich verdanken wir ihm das Geld, um hierherzukommen. Und alles, was wir dafür ausgeben, werden wir von Allah zurückbekommen.“
Als Sajid, Mustapha und Erhan dann in Mekka in den Weihezustand, arabisch Ihram, eintraten, lagen entbehrungsreiche Tage vor ihnen. Wer auf den Bustransfer verzichtete, lief zwischen den einzelnen Ritualorten mit dem Sonnenschirm täglich bis zu 15 Kilometer. „Im Vorbereitungsseminar der Moscheegemeinde riet man uns, dass wir uns körperlich fit machen und viel spazieren gehen sollen“, erzählte Mustapha.
Für Muslime ist die Hajj ein religiöser Höhepunkt ihres Lebens und ein Ereignis, an dem die Angehörigen zu Hause großen Anteil nehmen. „Bei der Abreise hat sich meine Familie fast mehr gefreut als ich“, erinnerte sich Erhan.
* Da der Text in unserer Ausgabe nach Abschluss der diesjährigen Hajj erscheint, haben wir die Zeitform in die Vergangenheit verschoben.