(KNA). Eine exotische Suppe mit Joghurt und Minze? Jayla Corbasi. Oder doch eine einfache HühnersupÂpe mit Nudeln? Sehriyeli Tavuk. Deutsche Lebensmittelhändler bieten immer mehr Halal-Produkte an – Waren, die praktizierende Muslime konsumieren, weil sie zum Beispiel kein Schweinefleisch enthalten. Die Marktführer haben vertraute Namen: Maggi, Nestle und Haribo – sie bleiben aber nicht die einzigen auf dem umkämpften Markt.
Der arabische Begriff „halal“ Âbedeutet „erlaubt“ und bezeichnet – neben „haram“ als „verboten“ – islamkonformes VerhalÂten. Insbesondere geht es um Nahrungs- und Genussmittel. Vor allem untersagt ist der Verzehr von Schweinefleisch, Blut und Aas. Zu essen erlaubt sind nur Âreine Pflanzenfresser wie Schafe, Kühe und Geflügel. Zudem müssen die Tiere rituÂell geschlachtet worden sein. Bei der Âbetäubungslosen Schlachtung wird den lebendigen Tieren die Halsschlagader durchschnitten, damit der Körper möglichst vollständig ausblutet. Diese umstrittene Art des Schlachtens ist für Muslime in Deutschland nicht ohne Betäubung Âerlaubt.
Beim Einkauf nur auf das richtige Fleisch zu achten, ist für einen Muslim in Europa jedoch das kleinste Problem. Er muss jedes Lebensmittel auf seine Konformität mit den islamischen SpeiseÂregeln kontrollieren. Im Supermarkt heißt das: Immer die Inhaltsstoffe auf der Produktverpackung lesen – das allein wirkt schon umständlich genug. ZusätzÂlich ist bei den „E-Stoffen“ in Lebensmitteln aber oft nicht klar, ob sie tierisch oder pflanzlich sind. Auch bleiben Prozesse in der Produktherstellung undurchÂsichtig: Apfelsaft etwa werde oft mit Schweinegelatine geklärt, „und das wird nirgendwo deklariert“, kritisiert das Europäische Halal Zertifizierungsinstitut (EHZ) aus Hamburg.
Unter solch erschwerten Bedingungen auf dem herkömmlichen Lebensmittelmarkt ist es kein Wunder, dass die Nachfrage nach Halal-Produkten steigt. ÂAllein in Deutschland sollen Muslime 4 bis 5 Milliarden Euro pro Jahr dafür ausgeben; der Handel mit den Produkten soll jährlich um fast ein Fünftel steigen. In Europa liegt der Absatzmarkt für halal-produzierte Lebensmittel nach Angaben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft sogar bei 67 Milliarden Euro.
Mit Maggi, Nestle und Haribo Âhaben sich große Player in der Nische etabliert. Aber auch mittelständische Unternehmen ziehen nach. Darunter sind nur zu 25 Prozent Fleischhändler. 75 Prozent der Betriebe sind „Non-Meat“-Unternehmen wie Aromenhersteller, Anbieter von Vollkorn-Produkten und ReinigungsmitÂtel-Produzenten. Selbst eine eigene Branche für Qualitätskontrolle hat sich entwickelt: Halal-Prüfeinrichtungen wie das Hamburger EHZ vergeben Zertifikate an Unternehmen auf dem Halal-Markt, wenn diese konform mit den SpeisegeboÂten produzieren.
„Momentan drängen so viele ÂAnbieter auf den Markt, dass wir ÂSchwierigkeiten haben, mit den Siegeln hinterherzukomÂmen“, erklärt das EHZ. Die neuen Betriebe seien überwiegend im Besitz von deutschstämmigen Unternehmern, muslimisch geprägte Betriebe gebe es eher selten. Die Mittelständischen stellten vor allem für den Binnenmarkt her. „Die Großen produzieren stärker für den Export“, erklärt der Zertifizierungs-Verein. Aus Sicht des Instituts ist das „eher schade“. Dort hätte man gerne gesehen, dass sich die Traditionsunternehmen auch Europas Muslime als Kundengruppe Âerschließen.
Dennoch sei das Ziel für Europa, in jedem Supermarkt mit Siegel ausgestattete Halal-Produkte anzubieten – und Âgenauso gut vertreten zu sein wie Bio-Waren. Das habe auch für Nicht-Muslime den Vorteil, zusätzlich geprüfte und ausgezeichnete Produkte kaufen zu können – getreu dem Motto: Je mehr Kontrolle, desto besser. „Denn der nächste Fleischskandal kommt bestimmt.“