(IZ). Es war schon eine besondere Provokation: Unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft – gegen Überfremdung und Multikulti-Wahnsinn“ wollte die gesamte Neonazi-Szene am 2. Juni in Hamburg einen bundesweiten Aufmarsch veranstalten. Darunter gerade auch das Spektrum aus NPD und Autonomen NatioÂnalisten, aus dem die ÂNSU-Terrorzelle stammt. Doch diese Provokation Âwollte man in der Hansestadt nicht hinnehmen: Schnell entwickelte sich ein Âbreiter Widerstand gegen Rechts, der unterschiedlichste politische und gesellschaftliche Spektren umfasste.
Der Hamburger Senat rief Âzusammen mit den in der Bürgerschaft Âvertretenen Parteien (SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP), Religionsgemeinschaften (Kirchen, SCHURA, Jüdische Gemeinde), Gewerkschaften, Sportbund sowie zahlreiche weitere Verbände und Einzelpersonen unter dem Motto „Hamburg bekennt Farbe“ zu einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt mit einer Rede des Ersten Bürgermeisters Scholz (SPD) und großem Kulturprogramm. Hier kamen rund 10.000 Menschen vor das Hamburger Rathaus. Vorher hatten sich bereits über 6.000 an einer DemonstraÂtion des „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ durch die Innenstadt beteiligt.
Der Aufmarsch der Nazis blieb dageÂgen kläglich: Von Vornherein aus der Innenstadt in den östlichen Stadtteil Wandsbek verbannt, kamen statt der angekündigten mehreren Tausend nur knapp 700. Aber auch die kamen nicht weit: Deren Demo-Route wurde von zahlreichen Nazi-Gegnern, so dass die Polizei sie nur bis zur nächsten Bahnstation führen konnte.
Wie die anderen Aufrufer zu den Anti-Nazi-Protesten bewertet auch die SCHURA Hamburg den 2.6. als ÂErfolg eines breiten gesellschaftlichen Widerstandes gegen Rechts. Als islamische Religionsgemeinschaft war SCHURA an beiden Bündnissen aktiv beteiligt und hatte sich tatkräftig bemüht, in den islamischen Gemeinden der Hansestadt zu mobilisieren. So wurde, koordiniert durch das Imame-Treffen innerhalb der SCHURA, die Bedrohung durch RechtsÂradikalismus und Islamophobie zum Thema der Ansprachen während der Freitagsgebete gemacht und zur Teilnahme an der Demonstration und der KundÂgebung aufgerufen.
Dies auch mit Erfolg: Aus nahezu allen SCHURA -Mitgliedsgemeinden beteiligten sich Muslime schon vormittags an der Demonstration und waren dort mit Transparenten und Plakaten auch optisch gut präsent, Auf der Abschlusskundgebung sprach unter andeÂrem Daniel Abdin vom SCHURA-Vorstand. Er ging in seiner Rede auf die Bedeutung gerade der Islamfeindlichkeit für die rechte Ideologiebildung ein und wies auf die Bedrohung von MusliÂmen und – angesichts von 219 Angriffen auf Moscheen in den letzten 10 Jahren – auch von islamischen EinrichtunÂgen durch rechte Gewalt hin.
Für die SCHURA war es am 2.6. wichtig gewesen zu zeigen, dass sich Muslime angesichts eines auch für sie extrem wichtigen Themas zusammen vielen anderen Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Spektren für gemeinsame Werte einsetzen. Solch positives Einbringen in gesellschaftliche Auseinandersetzungen gebe es seitens muslimischer Verbände und ÂGemeinden in Deutschland noch viel zu wenig.