Stefan Petke bewertet das Verhältnis zwischen Muslimen und NS-Deutschland neu
(iz). Der Islam, so lautet eine gängige Meinung, sei die fünfte Kolonne des nationalsozialistischen Deutschlands gewesen. Nicht nur gab es muslimische Hilfstruppen aus dem Kaukasus, dem Balkan und in der arabischen Welt; auch habe der Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husaini tatkräftig für Hitler und dessen Plan gearbeitet, in einem Zangenangriff von Norden und Süden […]
6.08.2021 Konstantin Sakkas 7 Min. Lesezeit
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1974-059-40 / Gösling | Lizenz: <a href=https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>CC-BY-SA 3.0</a>Der Grossmufti ¸berzeugt sich von der Schiessausbildung der jungen Rekruten.
13.1.1944 [Herausgabedatum]
PK-Aufnahme des SS-Kriegsberichter Gˆsling (Wb)
(iz). Der Islam, so lautet eine gängige Meinung, sei die fünfte Kolonne des nationalsozialistischen Deutschlands gewesen. Nicht nur gab es muslimische Hilfstruppen aus dem Kaukasus, dem Balkan und in der arabischen Welt; auch habe der Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husaini tatkräftig für Hitler und dessen Plan gearbeitet, in einem Zangenangriff von Norden und Süden Palästina den Briten abzujagen und die dort lebenden Juden in sein Mordprogramm einzubeziehen. Prominent vertreten wurde diese These zuletzt vom deutschen Historiker David Motadel in seinem vielbesprochenen Werk „Für Prophet und Führer“ (dt. 2017).
Ihm widerspricht nun der Berliner Historiker Stefan Petke. Seine Dissertation „Muslime in der Wehrmacht und Waffen-SS“, die unter anderem von Wolfgang Benz betreut wurde, erschien dieses Frühjahr in überarbeiteter Verfassung im auf die NS-Zeit spezialisierten Metropol Verlag. Sie hat zweifellos das Potential zum Standardwerk. Für Petke standen die muslimischen Soldaten in deutschen Diensten in kolonialer Tradition: sie galten weniger als gleichberechtigte Waffenbrüder (auch wenn dies von den höheren Kommandoebenen gern beschworen wurde) denn als „Askaris“, als „primitive Naturmenschen“, die man für die eigenen Ziele instrumentalisierte.
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