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CARE-Krisenreport 2025: Humanitäre Brennpunkte, zu denen die Welt schwieg

CARE Krisenreport

Seit Jahren beleuchtet der CARE-Krisenreport jährlich die globale Online-Berichterstattung humanitärer Krisen. Am 28. Januar erschien die zehnte Ausgabe des Berichts.

(iz). Als der CARE-Krisenreport im Herbst 2025 erscheint, stehen andere Karten auf dem globalen Nachrichtentisch. Gaza, Ukraine, Palästina dominieren die Schlagzeilen, fast zwei Mio. Online-Artikel drehen sich allein um den Konflikt im Nahen Osten – für alle anderen humanitären Notlagen bleiben im großen Medienspiegel nur schmale Ränder.

Krisenreport: Menschen, die zu wenige sehen

Währenddessen leben rund 43 Mio. Menschen in Krisen, die kaum jemand wahrnimmt. Es ist diese Diskrepanz zwischen Aufmerksamkeit und Bedürftigkeit, die der Report im zehnten Jahr seines Erscheinens zum eigentlichen Thema macht.

Die Methode ist nüchtern, der Befund ernüchternd. Der Medienbeobachtungsdienst Meltwater wertet für CARE fünf Millionen Online-Artikel in 5 Sprachen aus und ordnet sie 43 humanitären Krisen zu. Auf der einen Seite: die „Top-Krisen“ mit Hunderttausenden Meldungen.

Auf der anderen: zehn Länder, über die zwischen Januar und Ende September jeweils nur einige tausend Texte erschienen sind – manchmal kaum mehr als über die Hochzeit eines US-Milliardärs oder eine Social-Media-Sperre.

Vergessene Krisen, so die EU-Definition, sind lang andauernde humanitäre Notlagen mit kaum Hilfe, wenig politischem Willen und minimaler medialer Präsenz. Genau hier setzt die Hilfsorganisation an.

Afrika steht erneut im Zentrum

Im Zentrum des Reports stehen die Länder, die in dieser statistischen Dunkelzone liegen: die Zentralafrikanische Republik, Namibia, Sambia, Malawi, Honduras, Nordkorea, Angola, Burundi, Simbabwe und Madagaskar.

Sie bilden ein geografisches Mosaik, das sich von Zentralafrika über das südliche Afrika bis nach Zentralamerika und Ostasien spannt – verbunden durch die gleichen Schlagworte: Konflikt, Hunger, Klimakrise, strukturelle Gewalt.

Die Zentralafrikanische Republik, in allen zehn Ausgaben vertreten, steht exemplarisch dafür. Dort leben mehr als 80 % der Bevölkerung in Armut, fast die Hälfte ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, Hunderttausende sind im Land oder in den Nachbarstaaten auf der Flucht. Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen, sexualisierte Gewalt, unterfinanzierte Hilfsprogramme – all das bleibt meist Randnotiz.

Gegen die Unsichtbarkeit

Der Krisenreport arbeitet gegen diese Unsichtbarkeit mit einem Doppelblick: analytisch auf der Ebene von Zahlen und Medienlogik, narrativ in Form einzelner Biografien. Da ist Mable aus Sambia, die den Eimer vorsichtig in einen Brunnen hinablässt und schon beim Blick ins Wasser weiß, wie knapp die Zeit ist, bis die Quelle versiegt. In ihrer Region wechseln sich Dürre und Fluten ab, Dämme brechen, Felder werden weggespült, säurehaltige Abwässer aus Minen vergiften Flüsse. 

Mable hat in CARE-Trainings gelernt, Bäume zu pflanzen, Böden zu verbessern, Setzlinge aufzuziehen – „ohne Bäume gibt es weder Schatten noch Wasser“, sagt sie. Die Geschichte einer Kleinbäuerin steht hier stellvertretend für eine größere Diagnose: Klimawandel trifft jene am härtesten, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen haben.

Ähnlich ist es in Malawi, das seit Jahren zu den „Stammgästen“ in der CARE-Liste gehört. Zyklone, Überschwemmungen, Dürreperioden – was früher Ausnahme war, ist Routine geworden. Im Dorf Kuntumanji verändert ein Forschungsprojekt die Art, wie Maisbrei gekocht wird und wie Felder bestellt werden.

Mercy, eine Bäuerin, experimentiert auf Testflächen mit Saatgut, Pflanzabständen und selbst hergestelltem Kompost, kombiniert Erdnüsse mit Mais, um den Boden zu schützen, und stellt organischen Dünger aus Kuhdung und Maisstroh her. 

„Früher waren meine Kinder oft hungrig, jetzt gehen sie satt zur Schule“, sagt sie, und plötzlich verbindet sich die abstrakte Kurve klimabedingter Ernährungsunsicherheit mit einem sehr konkreten Mittagessen.

Krisenland Honduras

Im mittelamerikanischen Honduras verschränken sich Klimakrise, Gewalt und patriarchale Strukturen zur „dreifachen Krise“. Teresa, Kleinbäuerin und Frauenrechtlerin, steht mit ihrer Gruppe „Caminando juntos y juntas“ auf Feldern, auf denen Mais und Bohnen wachsen sollten – bis Starkregen, Wirbelstürme und Überschwemmungen alles zerstörten.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, Dürren im „Trockenkorridor“ treiben Menschen in die Migration. Eine Schnellstudie zeigt: 61 % der befragten Frauen gaben an, im Vormonat Hunger gelitten zu haben, während es bei den Männern nur zehn % waren.

Parallel steigt in wirtschaftlich angespannten Zeiten die häusliche und sexualisierte Gewalt. Der Krisenreport lässt hier nicht nur Zahlen sprechen, sondern auch die Angst, die Frauen äußern, ihre Töchter allein zu lassen.

Der unbekannte Hunger von Nordkorea

Nordkorea wiederum erscheint der Weltöffentlichkeit meist als Nuklearmacht, als Sicherheitsrisiko – nicht als Land, in dem fast elf Millionen Menschen in unterschiedlichem Ausmaß unterernährt sind und beinahe jedes fünfte Kind Wachstumsverzögerungen durch Mangelernährung aufweist.

Klimabedingte Ernteausfälle, strikte Importbeschränkungen, unzureichende medizinische Versorgung und politische Isolation machen humanitäre Hilfe schwer. Angola kämpft gleichzeitig mit der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten, Cholera-Ausbrüchen und Protesten gegen steigende Lebenshaltungskosten.

In den südlichen Provinzen verenden Tiere, Felder liegen brach, Mio. sind auf Nothilfe angewiesen, Frauen und Mädchen laufen täglich Kilometer weit, um Wasser zu holen und verpassen Schulbildung.

Foto: CARE/David Mutua

Opfer des Klimawandels

In Simbabwe schließlich verdichtet sich der Klimawandel zu einer Abfolge von „mageren Zeiten“. El Niño hat 2023/2024 weite Teile des Landes austrocknen lassen, Dürren treten statt einmal pro Jahrzehnt nun alle zwei bis drei Jahre auf. 2,7 Millionen Menschen in ländlichen Regionen sind immer wieder von Ernährungsunsicherheit betroffen, fast ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt.

Alice, Landwirtin und Mutter von drei Kindern, berichtet von Tagen mit zwei knappen Mahlzeiten, verlorenen Hühnern, Schulgebühren, die sie nicht mehr zahlen kann. Vier Monate lang erhält ihre Familie Lebensmittelgutscheine, später Schulungen zu klimaresistenten Nutzpflanzen.

„Die Lebensmittelhilfe hat unser Leben gerettet“, sagt sie – ein Satz, der in seiner Schlichtheit die Funktion humanitärer Unterstützung auf den Punkt bringt.

Keine Zufälle, sondern Symptome

Dass dieselben Länder – Zentralafrikanische Republik, Burundi, Sambia, Madagaskar, Malawi – in nahezu jeder Ausgabe wieder auftauchen, ist für CARE kein Zufall, sondern Symptom.

Chronische Krisen, strukturelle Ungleichheit, fehlende politische Lösungen und eine humanitäre Finanzierung, die regelmäßig hinter den Bedarfen zurückbleibt. Expert:innen wie Michelle Nunn von CARE USA und Ramesh Rajasingham von UN OCHA weisen im Report darauf hin, dass langwierige Notlagen politisch verursacht sind und fortbestehen, weil es keine politischen Lösungen gibt – und weil, zugespitzt formuliert, Kameras und Budgets dorthin folgen, wo Machtzentren ihre Interessen verorten.

Wenn die USA ihre humanitären Mittel drastisch kürzen und Hilfe stärker an nationale Interessen koppeln, verschärft das die Lage in jenen Regionen, die ohnehin kaum mediale Präsenz haben.

Nach zehn Jahren zieht die Publikation eine Art Zwischenbilanz der eigenen Rolle. Der Titel hat sich verändert – von „Suffering in Silence“ über „Breaking the Silence“ hin zum nüchterneren „CARE-Krisenreport“ –, die Grundfrage ist geblieben: Was geschieht mit Menschen, über die wir nichts hören?

Der Bericht antwortet, ohne Pathos, aber mit klarer Haltung: Sie hungern, sie verlieren ihre Lebensgrundlagen, sie werden vertrieben – und oft bleibt ihr Leid unsichtbar, solange es nicht erzählt wird.

Der Versuch, diese Geschichten in Daten, Karten und Porträts zu fassen, ist damit mehr als eine Bestandsaufnahme. Es ist ein stiller Appell, die Hierarchie der globalen Aufmerksamkeit zu hinterfragen – bevor aus vergessenen Krisen endgültig abgeschriebene Zonen werden.

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CARE: Israel droht mit Verbot großer Hilfsorganisationen

hunger care gaza

CARE: Israel droht mit Verbot großer Hilfsorganisationen, während sich die Hungersnot in Gaza weiter verschärft. 100 Organisationen fordern ein Ende der Instrumentalisierung der Hilfe durch Israel.

Berlin (iz). Internationale Hilfsorganisationen beklagen weiterhin gravierende Hindernisse bei der Lieferung von Hilfsgütern in den Gazastreifen. Trotz gegenteiliger Aussagen israelischer Behörden konnten laut CARE Deutschland seit dem 2. März die meisten großen internationalen Nichtregierungsorganisationen (INGOs) keinen einzigen Lkw mit lebensrettender Hilfe nach Gaza bringen.

Dutzende Anträge auf Einfuhr von Hilfsgütern seien abgelehnt worden – allein im Juli waren es über 60. Als Grund geben die israelischen Behörden an, die Organisationen seien nicht zur Lieferung berechtigt.

CARE-Landesdirektorin Jolien Veldwijk betont, dass seit Beginn der vollständigen Abriegelung Hilfsgüter im Wert von 1,5Mio.US-Dollar Gaza nicht erreichen konnten. Darunter sind Lebensmittel, medizinisches Material, Hygieneartikel sowie spezielle Versorgungsartikel für Mütter und Kinder.

„Unser Ziel ist es, Leben zu retten, doch durch die Registrierungsbeschränkungen bleibt die Zivilbevölkerung ohne dringend benötigte Hilfe“, so Veldwijk.

Von den Einschränkungen betroffen sind auch Organisationen, die seit Jahrzehnten vertrauensvolle Arbeit in Gaza leisten. Die neuen Registrierungsauflagen, die seit März gelten, ermöglichen eine Ablehnung anhand vager politischer Kriterien wie einer vermeintlichen „Delegitimierung“ Israels. Neben Angaben zu Mitarbeitenden fordern die Behörden auch sensible Informationen über Spender.

CARE Deutschland und andere Hilfsorganisationen warnen: Diese bürokratischen Hürden widersprechen dem Völkerrecht, gefährden Datenschutz und behindern die humanitäre Arbeit massiv. Sie kritisieren, dass unabhängige Organisationen so in ihrer Arbeit eingeschränkt und humanitäre Berichterstattung erschwert wird.

CARE Deutschland e.V. ist eine der größten gemeinnützigen Hilfsorganisationen in Deutschland und Teil des internationalen CARE-Netzwerks, das heute in über 120 Ländern aktiv ist. Die Organisation wurde am 29. August 1980 in Bonn gegründet und ist politisch, religiös sowie ethnisch unabhängig.

Die Organisation engagiert sich in den Bereichen Nothilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz. Seit seiner Gründung leistet sie kontinuierlich Hilfe für Menschen in Not und setzt sich weltweit für nachhaltige Verbesserungen und das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe ein. Das deutsche CARE-Büro arbeitet eng mit anderen Mitgliederorganisationen von CARE International zusammen, um schnelle und wirkungsvolle Hilfe in Krisensituationen zu ermöglichen.

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Nord-Gaza: Hunderttausende leiden unter katastrophalen Bedingungen

jabaliya gaza

Lage im Norden Gazas: Hunderttausende leiden unter katastrophalen Bedingungen – Medizinische Mitarbeiter von CARE-Partnerorganisation bei Angriffen getötet.

Bonn. (CARE International). Die CARE-Partnerorganisation Juzoor for Health and Social Development hat in der vergangenen Woche zwei Mitarbeiter:innen bei Bombenangriffen im Norden Gazas verloren. Dr. Ahmad Al-Najar wurde am 15. Oktober getötet, als er in Jabalia medizinische Hilfe leistete, während die Hebamme Laila Jneid am 12. Oktober zusammen mit ihren Eltern getötet wurde. Trotz der Aufforderung an die Zivilbevölkerung, den Norden Gazas zu verlassen, hatte sich das medizinische Team von Juzoor entschieden, zu bleiben und seine lebensrettende Arbeit fortzusetzen.

Gaza: Unermüdlicher Einsatz unter unmenschlichen Bedingungen

„Wir sprechen den Familien der medizinischen Mitarbeiter:innen von Juzoor unser tiefstes Beileid aus“, sagt Jolien Veldwijk, CARE-Länderdirektorin für Westbank und Gaza. „Diese Verluste zeigen die enormen persönlichen Opfer, die medizinisches Personal und humanitäre Helfer:innen täglich bringen, um zu helfen. Ihr Andenken wird uns auch weiterhin in unseren Bemühungen leiten, unschuldige Leben zu retten und dieser Gewalt ein Ende zu setzen.“

Das Team von Juzoor ist eine der letzten Organisationen, die trotz der anhaltenden Bombardierungen im Norden von Gaza weiterhin vor Ort tätig sind. CARE unterstützt Juzoor seit der Eskalation des Konflikts vor einem Jahr mit medizinischer Hilfe in Notunterkünften und provisorischen Gesundheitszentren.

Katastrophale Zustände und massive angeordnete Umsiedlungen

Inzwischen sind durch die Gewalt und die Belagerung rund 400.000 Menschen im Norden Gazas von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung abgeschnitten. Krankenhäuser wie das Kamal Adwan Hospital wurden wiederholt bombardiert. „Wir sehen täglich Schwerverletzte, darunter seit letzter Woche mehr als 23 schwangere Frauen“, berichtet Dr. Taghreed Al-Imawi, Gynäkologin am Kamal Adwan Hospital und Juzoor-Mitarbeiterin im Norden Gazas. 

Die Bedingungen sind unbeschreiblich. Viele unserer Patient:innen können nicht evakuiert werden und die Rettungswagen erreichen die Verletzten nicht.“

Für die 400.000 Menschen wurde ein Umsiedlungsbefehl erlassen und die Nahrungsmittelzufuhr im Norden Gazas blockiert. Laut UN wurden 9.000 schwangere Frauen vertrieben. Seit der Eskalation sind mindestens 350 Menschen im Norden getötet worden. Hunger, Wassermangel und Krankheiten bedrohen besonders Frauen und Kinder. Ein Drittel der Kinder leidet an Unterernährung, und 40 Prozent der Schwangerschaften gelten als riskant.

CARE fordert dringenden Waffenstillstand und ungehinderten Zugang für Hilfsgüter

Die Eskalation der Gewalt macht es den Hilfsorganisationen unmöglich, die dringend benötigte Hilfe zu leisten. Nur noch drei Krankenhäuser im Norden Gazas arbeiten mit minimaler Kapazität, und die Ressourcen gehen rasch zur Neige.

CARE fordert die Freilassung aller Geiseln, einen sofortigen Waffenstillstand und uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe. „Die Situation wird immer schlimmer“, warnt Veldwijk. „Das physische und psychische Leid ist immens. Ein paar Lastwagen mit Treibstoff und Wasser reichen nicht aus, um die Not der belagerten und bombardierten Bevölkerung zu lindern. Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza.“

CARE Deutschland verurteilt den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober sowie jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung durch die Konfliktparteien zutiefst. CARE fordert daher die Freilassung aller Geiseln, die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch alle Konfliktparteien, einen dauerhaften Waffenstillstand, den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe nach und innerhalb von Gaza sowie die Evakuierung von Kranken und Verletzten.

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Sudan: Heftige Kämpfe in Al-Faschir verschärfen humanitäre Krise

sudan faschir

Zehntausende Tote und Verletzte nach über einem Jahr Konflikt im Sudan. Hilfsorganisation CARE fordert die sofortige Einstellung der Kämpfe und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe

Bonn, 16. Mai 2024. 14.000 Tote und fast 30.000 Verletzte: Die Bilanz nach über einem Jahr Konflikt im Sudan ist verheerend. Mehr als sechs Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, fast zwei Millionen sind aus dem Sudan geflohen.

Sudan: CARE befürchtet weitere Verschärfung

Mit der Zunahme der Kämpfe in der Stadt Al-Faschir droht eine weitere Verschärfung der humanitären Situation, warnt die Hilfsorganisation CARE.

„Die jüngste Gewalt in Al-Faschir verschlimmert nicht nur das Leid der Menschen in der Stadt, sondern trifft auch die Gemeinden im benachbarten Ost- und Süd-Darfur schwer“, sagt Abdirahman Ali, CARE-Länderdirektor im Sudan.

„Durch die Stadt läuft eine wichtige Transitroute. Die Menschen in der Region sind bereits mit extremer Nahrungsmittelknappheit konfrontiert und es droht eine Hungersnot. Eine Eskalation der Kämpfe wird den Bedarf an humanitärer Hilfe weiter erhöhen.“

Foto: Henry Wilkins/VOA | Lizenz: Public Domain

Hilfsgüter sind unerreichbar

Lebensnotwendige Güter wie Wasser, Treibstoff und Medikamente sind aufgrund von Zugangsbeschränkungen und steigenden Kosten unerreichbar. Nahrungsmittel werden immer knapper. Die humanitären Hilfsteams vor Ort befinden sich angesichts des Ausmaßes der Situation und der fehlenden Ressourcen am Rande ihrer Kapazitäten.

Die medizinische Versorgung bleibt eine Herausforderung. „Wir arbeiten seit Monaten unter katastrophalen Bedingungen, ohne Wasser und Strom. Wir können keine Impfstoffe kühlen und keine medizinischen Vorräte aufbewahren. Das gefährdet das Leben von Müttern, schwangeren Frauen und Kindern“, berichtet eine Gynäkologin und Geburtshelferin in einer von CARE unterstützten Gesundheitseinrichtung.

Foto: Abd_Almohimen_Sayed, Shutterstock

CARE: Sofortige Einstellung der Kämpfe!

CARE fordert eine sofortige Einstellung der Kämpfe zum Schutz der Zivilbevölkerung sowie den sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe. Alle Parteien müssen ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen und die Sicherheit der humanitären Helfer:innen und der kritischen Infrastruktur, einschließlich der Krankenhäuser, gewährleisten.

„Jeder weitere Tag Konflikt führt zu mehr Leid für die Menschen im Sudan.“

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CARE-Bericht über Afrikas vergessene Krisen 2023

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Von der Hilfsorganisation CARE ist der Bericht „Breaking the Silence“ über Armut und Gewalt von Kamerun bis Angola erschienen. (KNA). Afrika, der Krisenkontinent? Dieses Bild wird oft als Klischee kritisiert. […]

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Übersehene Krisen 2023: „Leid passt in keine Rangliste“

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Übersehene Krisen: Regelmäßig werden humanitäre Katastrophen und Konflikte im globalen Bewusstsein übersehen. Ein Gespräch mit Corinna Henrich von CARE. (iz). Viele Menschen sind derzeit der Meinung, dass „die Medien“ über […]

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Gaza: CARE warnt vor Bedingungen

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Gaza: CARE warnt vor inhumanen Zuständen. In Rafah sind eine Millionen Menschen auf der Hälfte der Fläche von Bonn zusammengepfercht.

Bonn (CARE). Die Hilfsorganisation CARE warnt, dass über zwei Millionen Menschen in Gaza von einer akuten Hungersnot bedroht sind oder an vermeidbaren Krankheiten sterben könnten.

Im Moment haben die Menschen in Gaza im Durchschnitt nur zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung. Das ist ein Fünftel dessen, was in Ausnahmesituationen zum Trinken, Kochen und für die persönliche Hygiene nötig wären.

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Foto: UNRWA/Ashraf Amra

Gaza – über 80 Prozent sind auf der Flucht

Über 80 Prozent der Bevölkerung mussten ihr Zuhause aufgeben und alles zurücklassen. Sie leben jetzt größtenteils in provisorischen Unterkünften. Diese schützen jedoch nicht vor den aktuellen Temperaturen von nur fünf Grad in der Nacht und der derzeitigen Wetterlage mit Regen und Wind.  

„Die Menschen in Gaza, die die aktuelle Situation bisher überlebt haben, fürchten nun zusätzlich einen langsamen Tod. Oft teilen sie sich kleine Räume oder Zelte mit dutzenden anderen Geflüchteten.

Schwangere oder stillende Mütter liegen ohne Matratze auf dem kalten Boden neben Menschen, die sie noch nie zuvor getroffen haben“, sagt Hiba Tibi, stellvertretende Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika. 

„Die Menschen trinken Brackwasser und essen alles, was sie auf dem schmutzigen Boden finden. Alle husten, Kinder haben blutigen Durchfall und Mütter verzichten fast komplett auf Nahrung, um sicherzustellen, dass ihre Kinder satt werden.“ 

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Foto: Anas-Mohamed, Shutterstock

Eine Katastrophe in Rafah

Besonders katastrophal ist die Situation in Rafah, wo rund eine Million Palästinenser:innen auf einer Fläche von 65 km2, halb so groß wie das Stadtgebiet von Bonn, zusammengepfercht sind. Da die Anzahl der Notunterkünfte immer weiterwächst und sich mittlerweile bis zu 480 Menschen nur eine Toilette teilen müssen, stellen Krankheiten eine ernsthafte Bedrohung dar.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation haben Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren seit der Eskalation des Konflikts um 2.000 Prozent zugenommen, während über 225.600 Menschen an akuten Atemwegsinfektionen leiden. 
 
„Es ist ein Albtraum. Die Menschen haben keine Winterkleidung, keine Decken, nichts, was ihre Kinder wärmen könnte. Die Böden, auf denen die Menschen schlafen, sind schlammig, da der Regen ständig die Zelte überschwemmt.

In den Camps, in denen CARE arbeitet, gibt es kaum Wasser, die Menschen müssen ihre Notdurft im Freien verrichten und viele leiden an Durchfallerkrankungen“, sagt Tibi. „Familien bezeichnen ihre Lage in Gesprächen mit uns als ‚Todesfalle‘ oder ‚Hölle auf Erden‘, in der es weder grundlegende Hygiene noch sonst irgendwie sichere Bedingungen gibt.“ 

Über 60 Prozent der Unterkünfte in Gaza wurden zerstört oder sind schwer beschädigt. 1,7 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene und suchen Schutz vor den ständigen Angriffen in Schuppen, Ruinen, Schulen oder Krankenhäusern.

Foto: A-One Rawan, Shutterstock

Frauen und Kinder sind besonders gefährdet

„CARE ist besonders besorgt über die Situation von Frauen und Kindern. 90 Prozent der Kinder unter zwei Jahren in Gaza können nicht altersgemäß und abwechslungsreich ernährt werden“, sagt Tibi.

„Ihr Immunsystem ist geschwächt, was das Risiko erhöht, an eigentlich vermeidbaren Krankheiten zu sterben. Wir hören immer häufiger von jungen Müttern, die nicht in der Lage sind, zu stillen, weil sie zu unterernährt und durch die Auswirkungen des Krieges und der Blockade psychisch gestresst sind. Wir können nur ansatzweise abschätzen, welche katastrophalen Auswirkungen dieser Krieg in den kommenden Jahren haben wird.“ 

CARE bekräftigt seine Forderungen nach einer sofortigen Feuerpause, damit im gesamten Gazastreifen vollständige, sichere und ungehinderte Bereitstellung humanitärer Hilfe gewährleistet werden kann und die sofortige Freilassung aller Geiseln.

Die internationale Gemeinschaft muss schnell handeln, um eine Verschärfung der humanitären Katastrophe abzuwenden.

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Erdbebenopfer: Hilfen für Marokko

erdbeben marokko

Erdbeben: Nach dem schweren Beben in Marokko wollten Organisationen aus Deutschland helfen. Das geht trotz Schwierigkeiten über Umwege.

BONN (KNA/CARE Deutschland/iz). Auch ohne offizielles Rettungsgesuch haben Hilfsorganisationen aus Deutschland Unterstützung für Erdbebenopfer in Marokko angekündigt. Erste Maßnahmen vor Ort sind angelaufen, wie der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe, Dominique Mann, auf Anfrage am 11. September mitteilte.

Hilfen für Erdbebenopfer sind angelaufen

Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe kann seine Unterstützung laut Mann über Partner vor Ort wie Caritas Marokko und Roter Halbmond organisieren. Bei ihnen handelt es sich um marokkanische Organisationen. „Wenn eine Organisation keine Partner vor Ort hat und Mitarbeiter aus Deutschland schicken müsste, ist das schwierig und derzeit nicht möglich“, so Mann.

Wesentlich sei derzeit die Versorgung von Menschen mit überlebenswichtigen Dingen wie Trinkwasser, Medizin und Notunterkünften. An der Bergung von Verschütteten seien die Organisationen aber nicht beteiligt.

Foto: Islamic Relief Canada

Andere sind über Ableger vor Ort

Die Hilfsorganisation Care ist nach eigenen Angaben über ihre marokkanischen Ableger mit Nothilfeteams aktiv. „Die letzten Nächte in Marokko waren schrecklich. Hunderte Menschen schlafen auf der Straße oder liegen mit Decken in Parks, weil sie Angst haben, nach Hause zu gehen“ sagte die Generalsekretärin von Care Marokko, Hlima Razkaoui.

„Neben den enormen physischen Verwüstungen wiegt vor allem auch der emotionale Schaden, der von dem erlebten Grauen und der ausgestandenen Angst verursacht wurde, sehr schwer.“

Das Erdbeben mit einer Stärke von 6,8 hatte das Land am späten Freitagabend getroffen und schwere Schäden angerichtet. Nach derzeitigen Angaben starben mehr als 2.100 Menschen, Hunderte weitere werden vermisst. Das Epizentrum des Bebens lag etwa 72 Kilometer südwestlich von Marrakesch im dünn besiedelten Atlas-Gebirge. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass mehr als 300.000 Menschen in Marrakesch und umliegenden Gebieten betroffen seien.

Foto: CARE Deutschland

Überlebende brauchen Kälteschutz

Tausende Familien, die aufgrund des schweren Erdbebens in Marokko alles verloren haben, harren seit Tagen im Freien aus. Die internationale Hilfsorganisation CARE ist über diese menschenunwürdige Situation äußerst besorgt und fordert, dass schnellstmöglich Unterstützung für winterfeste sichere Unterkünfte zur Verfügung gestellt wird.

„Die erste Phase der Nothilfe konzentrierte sich auf die Rettung von Menschenleben und die Versorgung der Überlebenden mit Nahrungsmitteln. Jetzt treten wir in die zweite Phase ein und in dieser ist es unerlässlich, die Überlebenden mit sicheren Unterkünften zu versorgen“, erklärt Hlima Razkaoui, Länderdirektorin von CARE Marokko.

„Die Häuser der Überlebenden sind entweder zusammengebrochen oder haben gefährliche Risse. Familien mit kleinen Kindern schlafen im Freien und haben teilweise noch nicht einmal Decken, um sich zuzudecken. Die Nächte sind bereits kalt. Angesichts des einsetzenden Regens und des nahenden Winters benötigen diese Menschen jetzt Unterstützung.“

Die Auswirkungen des Bebens waren insbesondere auf Gebäude verheerend. In der Region Tamgounssi, 52 km von Marrakesch entfernt, sind viele der aus Lehm und Holz gebauten Häuser eingestürzt. „Selbst als unser Haus noch stand, hatten wir Mühe, uns im langen Winter warm zu halten“, sagt Fatiha el Bahi, eine 36-jährige Mutter von drei Kindern.

„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie wir den Winter jetzt überstehen sollen. Der Wetterbericht sagt schwere Regenfälle voraus und ich weiß nicht, wie wir das überstehen sollen.“

Foto: Neuköllner Begegnungsstätte e.V. – Dar Assalam

Muslime sollen am Freitag für Libyen und Marokko spenden

Muslime in Deutschland sollen sich am Freitagsgebet beteiligen und dabei für die Menschen in Libyen und Marokko spenden. Dazu hat der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am Donnerstagabend in Köln aufgerufen.

In vielen deutschen Moscheen würden Spenden gesammelt für die Opfer von Erdbeben und Überflutungen und deren Angehörige.

Zum KRM gehören neben dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und dem Islamrat die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Verband der Islamischen Kulturzentren, die Union der Islamisch Albanischen Zentren in Deutschland und der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland.

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Lage in Afghanistan: Familien bieten Kinder aus Verzweiflung zur Heirat an

Bonn (CARE). Ein neuer Bericht der Hilfsorganisation CARE zeigt, dass sich die Situation für Frauen und Mädchen in Afghanistan zunehmend verschlechtert. Durch die aktuelle Wirtschaftskrise und Nahrungsmittelknappheit ist die Zahl der Früh- und Zwangsehen in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Zwölf Prozent der für den Bericht befragten Haushalte gaben an, eine ihrer minderjährigen Töchter verheiraten zu müssen, um die Familie ernähren zu können. Rund 90 Prozent aller Befragten berichteten, dass ihr Haushaltseinkommen seit August 2021 stark zurückgegangen sei.

„Stellen Sie sich vor, Sie müssten ihre junge Tochter verheiraten, um das Überleben der restlichen Familienmitglieder sichern zu können. Das ist herzzerreißend und sowohl für die Mädchen als auch die Familien eine Katastrophe“, erklärt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland. „Ohne Einkommen können Frauen keine nahrhaften Lebensmittel kaufen, notwendige medizinische Hilfe in Anspruch nehmen oder in einer angemessenen Unterkunft leben. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln, um eine weitere Verschlechterung der humanitären Lage und Ernährungsunsicherheit zu verhindern.“

Etwa 80 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass sie in den zwei Wochen vor den Interviews mindestens eine Mahlzeit ausfallen lassen mussten. Viele gaben ihre Essensportionen an ihre Kinder ab, weil sie sich nicht genügend Lebensmittel für alle Familienmitglieder leisten konnten.

Für den Bericht befragte CARE 345 Frauen in städtischen und ländlichen Gemeinden in neun Provinzen Afghanistans und führte ausführliche Interviews mit Frauen, Fokusgruppendiskussionen mit Männern, Interviews mit Fachleuten für Ernährungssicherheit und humanitären Akteur:innen durch. Gleichzeitig wurden vorhandenen Daten aus unterschiedlichen Quellen seit August 2021 überprüft.