Teil 2: Erfahre, welche große Rolle Engel im Islam spielen, warum sie das ethische Handeln der Muslime prägen und wie ihre unsichtbare Gegenwart unser Denken und Handeln beeinflussen kann. (iz). […]
Nachrichten & Lebensart
Teil 2: Erfahre, welche große Rolle Engel im Islam spielen, warum sie das ethische Handeln der Muslime prägen und wie ihre unsichtbare Gegenwart unser Denken und Handeln beeinflussen kann. (iz). […]
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(iz). Es gibt Dinge, die man nicht sieht. Und doch wirken sie. Gedanken zum Beispiel. Zärtlichkeit. Hoffnung. Oder Licht, das man nicht direkt sieht, sondern nur an dem, was es berührt. Die alten Griechen sahen nicht bloß eine Sonne. In ihrer Vorstellung lenkte jemand namens Helios einen Feuerball.
Die Sehnsucht nach solch einer Vorstellung bringt Schiller in seinem Gedicht „Götter Griechenlands“ zum Ausdruck: „Wo jetzt nur, wie unsre Weisen sagen, / Seelenlos ein Feuerball sich dreht, / Lenkte damals seinen goldnen Wagen / Helios in stiller Majestät.“
Und heute ist alles wissenschaftlich vermessen und berechnet. Was sich nicht berechnen lässt, wird verworfen, als abstrus erklärt und ins Land der Feen und Märchen abgetan. Muslime stehen seit der Aufklärung vor der Herausforderung, zu prüfen, ob ihr Glaube der Vermessung der Natur standhält.
Manche Muslime sagen, dass sie das nicht müssen. Wieder andere Sagen, dass die Büchse der Pandora geöffnet wurde. Das heißt: Es glaube, wer noch glauben kann.
Und damit könnten wir wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Eigentlich. Wenn da nicht die Quantenphysik wäre. Wenn da nicht ein Elektron wäre, das sich wie eine Welle verhält und durch zwei Spalte zugleich geht. Doch dasselbe Elektron verhält sich anders, wenn es beobachtet wird. Beobachtet verhält es sich nun wie ein Teilchen: es geht nur durch einen Spalt, als hätte es sich „entschieden“.
Wenn ein Blick auf ihm ruht, verhält es sich anders. Als hätte es ein Bewusstsein, das die Beobachtung wahrnimmt. Ein Blick verändert die Wirkung. Also auch ein Blick gehört zu den Dingen, die wirken.
Zu wissen, dass Helios die Sonne lenkt, verzauberte das Leben. Zu wissen, dass Neptun auf den Meeren wacht, verzauberte das Leben. Zu wissen, dass ein Halbgott namens Herkules sich abmüht, um in den Olymp aufzusteigen, war der Glaube, der die Spartaner zu Höchstleistungen anspornte.
Auf ihn führten sie ihre Abstammung zurück. Seine Tugenden galten ihnen als vorbildlich. Was spornt uns heute zu Höchstleistungen an?
Der Glaube vieler in unserer Zeit ist der Kapitalismus. Er ist eine Folge der Vermessung und Berechnung der Welt. Er ist eine Folge der Entzauberung der Welt. Auf der Erde ist kein Gott mehr geblieben. Gott greife nur dort, wo wir uns Dinge nicht erklären können.
Aber da uns nichts verboten ist, zu vermessen, und wir die Fähigkeit haben, alles zu vermessen, ist auch kein Gott mehr. Gott ist uns in den Himmel geflohen. Ja, nicht einmal mehr dorthin, denn auch der Himmel und das Universum werden vermessen.
Ohne Glaube an Herkules, keine Spartaner. Was also bleibt uns im Kapitalismus? Der Glaube an die eigenen Träume hat den Glauben an Götter ersetzt. Der Traum, mein Ziel im Leben, ist das, was mich antreibt. Es zu erreichen und mir und allen zu beweisen, dass ich es kann, das ist die Glaubensmode unserer Zeit. Als Leser Shakespeares bliebt mir eine Frage: Gibt es noch mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als der Kapitalismus sich träumt?
Nachdem Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nach eigener Aussage erst nach Jerusalem und dann in den Himmel gereist ist, machten sich die Mekkaner über ihn lustig. Sie suchten Abu Bakr auf. Er war einer der ersten Muslime und ein angesehener Geschäftsmann.
Jetzt nach so einer Absurdität müsse doch auch Abu Bakr einsehen, dass Muhammed, der Sohn von Abdullah, den Verstand verloren habe. Schließlich wisse Abu Bakr, wie man Geld verdient, und wer das weiß, könne doch kein Idiot sein. Die Antwort Abu Bakrs war sehr ernüchternd: „Ich vertraue ihm darin, dass ihm ein Engel erscheint und ihm Botschaften von Gott überbringt. Was ist das schon im Vergleich?“
Wenn Muhammed, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden, sagt, er sei in einer Nacht nach Jerusalem und zurück, dann ist es wirklich geschehen. Das war Abu Bakrs Überzeugung.
Dieser Mann lüge nicht. Er war in der Gesellschaft immer als der Vertrauenswürdige bekannt. Er war sein bester Freund und als bester Freund und Kenner seiner Geheimnisse, wusste er, dieser Mann schauspielert nicht. Der Botenengel Jibril besucht ihn. Und wenn er will bringt er ihn innerhalb einer Nacht bis nach Jerusalem und wieder zurück.
Das glaubt nicht nur Abu Bakr. Das glauben auch alle Muslime. Wenn es ein Mensch nicht tut, ist er kein Muslim. Ohne die Kenntnis des Lebens von Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, wäre das, was Islam genannt wird, jedoch nicht nachvollziehbar.
Einige Vorschriften herauszupicken und dann den gesamten Glauben schlecht zu reden und für absurd zu erklären, das ist die Sitte der heutigen Öffentlichkeit in Deutschland.
Goethe, Herder, Wieland und Schiller waren mal weiter. Aber mit diesen weisen Menschen hat die heutige deutsche Gesellschaft ebenfalls nichts mehr gemein. Wir haben es, wie Wieland in seiner Geschichte der Abderiten bereits satirisch darstellte, mit Korinthenkackern zu tun. Menschen, die sich über Vereinsamung beklagen, sich aber gleichzeitig über Muslime lustig machen, wenn sie im Ramadan regelmäßig zusammenkommen und ebenfalls die Gesellschaft der Engel bezeugen.
Der moderne Mensch ist ein Geschöpf des Sichtbaren geworden. Er vertraut dem, was sich zählen, messen, abbilden lässt. Und doch beginnt gerade die moderne Naturwissenschaft, dieses Vertrauen zu erschüttern.
Die Quantenphysik zeigt: Die Welt ist nicht fest, nicht klar, nicht logisch im alten Sinn. Ein Teilchen kann sich gleichzeitig an zwei Orten befinden. Licht ist mal Welle, mal Teilchen. Und manchmal entscheidet erst die Beobachtung, was es eigentlich „ist“.
Als Muslim kann ich die Welt vermessen und erklären, warum der Himmel blau aussieht, und gleichzeitig kann ich Gott lobpreisen für das schöne Blau des Himmels, die Sterne und jede Nacht erneut über die Schönheit des Mondes staunen und denken: „Allah, mein Herr, du hast all das nicht ohne Grund erschaffen.“
Wir Muslime Leben in der nachklasssichen Form der Philosophie, wie sie Frank Griffel in seinem Buch „The Formation of Post-Classical Philosophy in Islam“ dargelegt hat. Das ist eine Philosophie der Weisheit, eine Philosophie der Synthesen, des Sowohl-als-auch“. Es ist keine Philosophie des „Entweder-oder“.
Frank Griffel legt dar, dass die nachklasssiche Philosophie der Muslime, nicht mit einem Entweder-oder arbeitet, sondern mit einem Sowohl-als-auch. Gott ist jenseits der Welt – und in ihr gegenwärtig. Der Mensch handelt – und doch ist jedes Handeln durch Allah erschaffen. Die Wahrheit ist nicht immer logisch. Sie ist tiefer.
Engel gehören zu diesen unsichtbaren Wirklichkeiten. Nicht als Symbol, sondern als real erschaffene Wesen: aus Licht, ohne Ego, ohne Eigenwille, ganz im Dienst, als Teil einer göttlichen Ordnung.
Während wir Menschen durch den Alltag gehen, begleiten uns zwei Engel: Sie heißen Kirâman Kâtibîn – edle Schreiber –, und sie zeichnen jede Tat auf. Nicht symbolisch, sondern wirklich. Es ist eine stille Gegenwart. Eine Art göttlicher Erinnerung, die immer bei uns ist.
Es gibt Engel, die bewachen. Engel, die stützen. Engel, die uns Gläubige im Gebet umgeben. Wenn sich Menschen versammeln, um Allahs zu gedenken, sitzen Engel bei uns, sagen „Friede sei mit euch“, und sie steigen empor mit dem Duft dieser Erinnerung. Und dann sind da Engel, die uns erschrecken.
Jibril ist einer von ihnen. Engel, deren Licht gespenstig stark ist, weil sie mit Wahrem und Schönem kommen. Ihre Nähe ist kein Mythos, sondern Geschichte. Rilke hat sein stärkeres Dasein im Gedicht „Mohammeds Berufung“ versucht, erfahrbar zu machen.
Elektronen verändern sich, wenn sie von einem Messgerät beobachtet werden, das Bewusstsein von Engeln angesehen zu werden, verändert uns Menschen. Wie? Darum wird es im zweiten Teil über die Engel gehen.
(iz). Allah sagt in Seinem Majestätischen Buch: „Etabliert das Gebet am Ende des Tages und im ersten Teil der Nacht. Gute Handlungen löschen schlechte Handlungen aus. Dies ist eine Erinnerung […]
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(iz). Auch wenn der Islam im Internet und in den herkömmlichen Medien präsent ist, scheint es mehr als sinnvoll zu sein, dessen spirituellen Aspekte über die polemisch debattierten Aspekte zu betonen. Ohne Frage haben die so genannten „Fünf Säulen“ Vorrang vor sekundären Fragen.
Wir sprachen daher mit dem muslimischen Lehrer, Imam und Übersetzer Dr. Asadullah Yate über verschiedene, wichtige Aspekte des Fastenmonats Ramadan.
Islamische Zeitung: Wir Muslime sagen immer, dass der Ramadan die besten Zeit des Jahres sei. Wir freuen uns auf sie und sind traurig, wenn sie vorüber ist. Für einen nicht-muslimischen Außenseiter mag es seltsam erscheinen, eine gute Zeit zu haben, wenn man weder essen oder trinken kann beziehungsweise sich der anderen erlaubten Dinge des Lebens erfreuen darf. Wie kann dies eine wunderbare Zeit sein?
Dr. Asadullah Yate: Es handelt sich um eine Zeit des Wandels und der Ausnahme. Vor allem und zuerst handelt es sich beim Ramadan um eine erschütternde Phase. Der Fastenmonat verändert das normale Verhaltensmuster des Lebens, was wiederum eine Veränderung im reglementierten Alltag von Essen und Schlafen nach sich zieht.
Die Unterbrechung unserer Routine erweckt die spirituelle Seite des Herzens. Das Herz erwacht, weil wir weniger essen und schlafen. Dies führt natürlicherweise zur Belebung der anderen Wirklichkeit des menschlichen Selbst [der Nafs] und des Herzens. Aus diesem Grund wird man spiritueller. Das Wort „Tarawih“ [der Name des besonderen Gebets, dass in der Nacht verrichtet wird] bedeutet wörtlich „spirituell werden“. Die Bedeutung des Tarawih leitet sich von „Ruh“ [Geist] ab.
Aus diesem Grund ist der Ramadan die Zeit der besonderen Zustände und der Freude.
Islamische Zeitung: Sicherlich kennen die meisten Muslime die relevanten Verse des Qur’an im Zusammenhang mit dem Ramadan. Könnten sie uns kurz einen Überblick verschaffen?
Dr. Asadullah Yate: In der Sure Al-Baqara [Vers 183 ff.] sagt Allah, dass das Fasten uns in dem gleichen Maße vorgeschrieben wurde, wie für jene Völker, die vor uns kamen. In anderen Worten: Das Fasten ist seit den Tagen Adams immer ein Teil der menschlichen Realität gewesen. Es ist keine Praxis, die nur auf die Muslime beschränkt ist.
Und Allah sagt in einem Vers, dass es uns vorgeschrieben sei, dass wir im Monat Ramadan fasten müssen. Es gibt natürlich Ausnahme für jene, die reisen oder krank sind. Jene Gruppen müssen in diesen Zuständen nicht reisen und die ausgelassenen Tage später nachholen.
An zwei Stellen dieser qur’anischen Verse erwähnt Er auch Regeln, die aufgehoben wurden. Diese betreffen jene historische Phase, in der die Muslime entscheiden konnten, ob sie fasten oder nicht. Wenn sie dies nicht taten, mussten sie eine Fidja bezahlen. Aber Allah hat mit jenen Versen in der Sure Al-Baqara nun diese Möglichkeit aufgehoben und uns gesagt, dass wir fasten müssen, wenn wir ansässig sind. Mit anderen Worten, wenn wir weder reisen oder krank sind.
An einer anderen Stelle dieser Gruppe qur’anischer Verse erlaubt Allah, dass die Muslime nun Geschlechtsverkehr während der gesamten Nacht haben können. Denn zu Beginn des Islam war es ihnen nur erlaubt, sich ihren Eheleuten bis zur Zeit des Nachtgebets zu nähern. Und so finden wir in Zusammenhang mit dem Ramadan zwei Gelegenheiten, bei denen eine frühere Praxis des Islam durch eine spätere aufgehoben wurde.
Islamische Zeitung: Ich habe von verschiedenen Phasen des Ramadans gehört und jede einzelne soll für ein bestimmtes Element des Fastenmonats stehen. Könnten sie uns diese kurz beschreiben?
Dr. Asadullah Yate: Der Gesandte Allahs sagte, dass der erste Teil des Ramadans, die ersten zehn Tage, Gnade oder Rahma ist. Der zweite Teil, seine Mitte – die Maghfira – ist die Vergebung, in der dem Diener Allahs alle falschen Handlungen verziehen werden. Und der dritte Teil ist die Freiheit, der Schutz vor dem [Höllen]Feuer.
Wir wissen von einer anderen prophetischen Überlieferung, dass jemandem, der den Ramadan „Imaman“ (mit vollem Vertrauen auf Allah) und „Ihtisaban“ (voll bewusst) fastet, seine Zunge hütet und sich offensichtlich von allen Dingen fern hält, die es zu vermeiden gilt, die falschen Handlungen vergeben werden. Man ist dann am Feiertag zum Ende des Ramadans wie ein neugeborener Säugling.
Islamische Zeitung: Für die Muslime ist die „Nacht der Macht“ (Lailatul Qadr) der Höhepunkt des Fastenmonats. Warum ist dies eine besondere Zeit und was bedeutet sie für die Muslime?
Dr. Asadullah Yate: Diese Nacht ist der enorme Augenblick, in dem Allah der Qur’an auf einmal herab sandte. Wir wissen natürlich, dass der Qur’an in einer langjährigen Periode offenbart wurden, wenn der Prophet Rechtleitung benötigte, um zu wissen, was er in einer bestimmten Lage zu tun hatte. Aber er wurde auch in einem Durchgang herab gesandt – in dieser Nacht der Macht (Qadr). Die Nacht ist eine Offenbarung der Macht Allahs.
Qadr bedeutet aber Maß oder Bestimmung. Es ist die Nacht, in der Allah die Ereignisse des kommenden Jahres bestimmt. Der Prophet hat uns angewiesen, nach ihr in den letzten zehn Tagen des Ramadans Ausschau zu halten. Dann hatte er diese Anweisung weiter eingegrenzt und gesagt, wir sollten nach ihr in den ungeraden Nächten suchen. Und schließlich gab der Gesandte Allahs eine noch genauerer Bestimmung, als er sagte, dass es sich dabei um die 27. Nacht handelt.
Wir haben unterschiedliche Überlieferungen, von denen keine absolut bestimmend ist. Der Gesandte Allahs wies uns an, wir sollten nach dieser Nacht „suchen“. Manche sind der Ansicht, dass sich die Nacht der Macht während des gesamten Ramadans finden lasse. Aber die wahrscheinlichsten Hinweise finden sich bezüglich der letzten zehn Tage des Ramadans und bezüglich des 27. Ramadan.
Die Lailatul Qadr ist die Nacht, in der wir daran erinnert werden, dass der Qur’an offenbart wurde. Wir wissen von einer anderen Überlieferung, dass es die Nacht der Stille ist. Dabei handelt es sich um einen Augenblick, in welcher die Belohnung von Allah endlos vergrößert wird. Für jedes Gebet während dieser Nacht, im Tarawih oder danach, gibt es eine besondere Belohnung.
Der Prophet hatte es uns ebenfalls empfohlen, in den letzten zehn Tagen des Ramadans I’tikaaf zu machen. Das heißt, sich in die Moschee zurückzuziehen und von der auswärtigen Welt abschneiden.
Islamische Zeitung: Nur wenige Tag nach der Lailatul Qadr kommt das Fest des ‚Id, welches das Ende des Ramadans markiert. Was ist die soziale Bedeutung des ‚Ids für die Muslime?
Dr. Asadullah Yate: Natürlich ist der ‚Id eine Zeit der enormen Freude, in der die Enthaltsamkeit plötzlich in eine Feier verwandelt wird, zu der alle zusammenkommen. Der Gesandte Allahs sagte, dass es zwei Freuden für den Fastenden gibt. Zum einen, wenn er am Ende des Tages sein Fasten bricht und zum anderen, wenn er seinem Herrn begegnet.
Die Muslime fasten für Allah und Allahs sagte in einem Hadith Qudsi: „Das Fasten ist für mich.“ Es ist also eine spezielle Form der Anbetung, die Allah für Sich beansprucht. Und Er sagt weiter: „Ich werde die Belohnung dafür geben.“
Das Fasten kann nicht von außen beobachtet werden. Nur der Fastende selbst und Allah wissen davon und so gibt es keine Grundlage für Rija – für das Angeben. Was am ‚Id geschieht ist die Umkehrung der gesamten Sache nach außen. Die Freude wird in den Menschen sichtbar und sie kommen zusammen. Normalerweise wird das besondere Feiertagsgebet in einer Musalla, einem Ort außerhalb der Stadt, verrichtet, in der alle Platz finden. Der ‚Id ist ein Augenblick der Vereinigung nach dieser Zeit der Enthaltsamkeit.
Islamische Zeitung: Sie haben umfangreich die muslimische Welt bereist. Was ist der Unterschied zwischen den Muslimen Europas auf der einen Seite und denen im Nahen Osten, wie sie den Ramadan praktizieren?
Dr. Asadullah Yate: Offenkundig fastet nur ein Teil der Bevölkerung in Europa. Und so findet sich hier eine andere Atmosphäre, wenn man die Geschäfte und Straßen betritt und die Mehrheit der Menschen nicht fastet. Dies hat eine Auswirkung auf den persönlichen Zustand. Man ist sich offenkundig bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten.
In der traditionell muslimischen Welt geschieht der Ramadan jedoch als gemeinschaftliches Ereignis. Und so wird wegen der Macht des Fastens der Ruhani-Aspekt der Menschen geweckt und sie dadurch gestärkt. Dadurch wird der Din des Islam belebt und mit ihm die Menschen.
Wir wissen vom Propheten, dass die Teufel während des Ramadans in Ketten gelegt sind und die besten Eigenschaften der Menschen zu Tage treten. Dies ist in Europa nicht immer der Fall, denn wir werden uns des Unterschieds zwischen Fastenden und Nichtfastenden bewusst. Allerdings gibt uns dies natürlich die Möglichkeit, jenen Menschen, die keine Muslime sind, das große Geschenk des Ramadans zu erklären. Wir können sie zum Fastenbrechen einladen und mit ihnen das Licht teilen, dass Allah uns gegeben hat.
Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch.
(iz). Obwohl wir täglich in sämtlichen Medien mit „dem Islam“ konfrontiert werden, stoßen nur die wenigsten bis zu dessen spirituellem Kern vor. Dabei bietet auch der diesjähriger Ramadan nicht nur eine erneute Möglichkeit zur Begegnung mit Muslimen, sondern auch, etwas über den zeitlosen Gehalt ihrer religiösen Lebensweise zu erfahren.
Aus diesem Anlass befragten wir den Lehrer, Imam und Übersetzer Dr. Asadullah Yate über die verschiedenen wichtigen Aspekte des Fastenmonats.
Islamische Zeitung: Wir Muslime sagen immer, dass der Ramadan die besten Zeit des Jahres sei. Wir freuen uns auf sie und sind traurig, wenn sie vorüber ist. Für einen nichtmuslimischen Außenseiter mag es seltsam erscheinen, eine gute Zeit zu haben, wenn man weder essen oder trinken kann beziehungsweise sich der anderen erlaubten Dinge des Lebens erfreuen darf. Wie kann dies eine wunderbare Zeit sein?
Dr. Asadullah Yate: Es handelt sich um eine Zeit des Wandels und der Ausnahme. Vor allem und zuerst handelt es sich beim Ramadan um eine erschütternde Phase. Der Fastenmonat verändert das normale Verhaltensmuster des Lebens, was wiederum eine Veränderung im reglementierten Alltag von Essen und Schlafen nach sich zieht.
Die Unterbrechung unserer Routine erweckt die spirituelle Seite des Herzens. Das Herz erwacht, weil wir weniger essen und schlafen. Dies führt natürlicherweise zur Belebung der anderen Wirklichkeit des menschlichen Selbst [der Nafs] und des Herzens. Aus diesem Grund wird man spiritueller. Das Wort „Tarawwih“ [der Name des besonderen Gebets, dass in der Nacht verrichtet wird] bedeutet wörtlich „spirituell werden“. Die Bedeutung des Tarawwih leitet sich von „Ruh“ [Geist] ab.
Aus diesem Grund ist der Ramadan die Zeit der besonderen Zustände und der Freude.
Islamische Zeitung: Sicherlich kennen die meisten Muslime die relevanten Verse des Qur’an im Zusammenhang mit dem Ramadan. Könnten sie uns kurz einen Überblick verschaffen?
Dr. Asadullah Yate: In der Sure Al-Baqara [Vers 183 ff.] sagt Allah, dass das Fasten uns in dem gleichen Maße vorgeschrieben wurde, wie für jene Völker, die vor uns kamen. In anderen Worten: Das Fasten ist seit den Tagen Adams immer ein Teil der menschlichen Realität gewesen. Es ist keine Praxis, die nur auf die Muslime beschränkt ist.
Und Allah sagt in einem Vers, dass es uns vorgeschrieben sei, dass wir im Monat Ramadan fasten müssen. Es gibt natürlich Ausnahme für jene, die reisen oder krank sind. Jene Gruppen müssen in diesen Zuständen nicht reisen und die ausgelassenen Tage später nachholen.
An zwei Stellen dieser qur’anischen Verse erwähnt Er auch Regeln, die aufgehoben wurden. Diese betreffen jene historische Phase, in der die Muslime entscheiden konnten, ob sie fasten oder nicht. Wenn sie dies nicht taten, mussten sie eine Fiyja bezahlen.
Aber Allah hat mit jenen Versen in der Sure Al-Baqara nun diese Möglichkeit aufgehoben und uns gesagt, dass wir fasten müssen, wenn wir ansässig sind. Mit anderen Worten, wenn wir weder reisen oder krank sind.
An einer anderen Stelle dieser Gruppe qur’anischer Verse erlaubt Allah, dass die Muslime nun Geschlechtsverkehr während der gesamten Nacht haben können. Denn zu Beginn des Islam war es ihnen nur erlaubt, sich ihren Eheleuten bis zur Zeit des Nachtgebets zu nähern. Und so finden wir in Zusammenhang mit dem Ramadan zwei Gelegenheiten, bei denen eine frühere Praxis des Islam durch eine spätere aufgehoben wurde.
Palästinensische „Musaharatis“ schlagen Trommeln, während sie am ersten Abend des Ramadan ihre Runde drehen. (Shutterstock)
Islamische Zeitung: Ich habe von verschiedenen Phasen des Ramadans gehört und jede einzelne soll für ein bestimmtes Element des Fastenmonats stehen. Könnten sie uns diese kurz beschreiben?
Dr. Asadullah Yate: Der Gesandte Allahs sagte, dass der erste Teil des Ramadans, die ersten zehn Tage, Gnade oder Rahma ist. Der zweite Teil, seine Mitte – die Maghfira – ist die Vergebung, in der dem Diener Allahs alle falschen Handlungen verziehen werden. Und der dritte Teil ist die Freiheit, der Schutz vor dem [Höllen]Feuer.
Wir wissen von einer anderen prophetischen Überlieferung, dass jemandem, der den Ramadan „Imaman“ (mit vollem Vertrauen auf Allah) und „Ihtisaban“ (voll bewusst) fastet, seine Zunge hütet und sich offensichtlich von allen Dingen fern hält, die es zu vermeiden gilt, die falschen Handlungen vergeben werden. Man ist dann am Feiertag zum Ende des Ramadans wie ein neugeborener Säugling.
Islamische Zeitung: Für die Muslime ist die „Nacht der Macht“ (Lailatul Qadr) der Höhepunkt des Fastenmonats. Warum ist dies eine besondere Zeit und was bedeutet sie für die Muslime?
Dr. Asadullah Yate: Diese Nacht ist der enorme Augenblick, in dem Allah der Qur’an auf einmal herab sandte. Wir wissen natürlich, dass der Qur’an in einer langjährigen Periode offenbart wurden, wenn der Prophet Rechtleitung benötigte, um zu wissen, was er in einer bestimmten Lage zu tun hatte. Aber er wurde auch in einem Durchgang herab gesandt – in dieser Nacht der Macht (Qadr). Die Nacht ist eine Offenbarung der Macht Allahs.
Qadr bedeutet aber Maß oder Bestimmung. Es ist die Nacht, in der Allah die Ereignisse des kommenden Jahres bestimmt. Der Prophet hat uns angewiesen, nach ihr in den letzten zehn Tagen des Ramadans Ausschau zu halten.
Dann hatte er diese Anweisung weiter eingegrenzt und gesagt, wir sollten nach ihr in den ungeraden Nächten suchen. Und schließlich gab der Gesandte Allahs eine noch genauerer Bestimmung, als er sagte, dass es sich dabei um die 27. Nacht handelt.
Wir haben unterschiedliche Überlieferungen, von denen keine absolut bestimmend ist. Der Gesandte Allahs wies uns an, wir sollten nach dieser Nacht „suchen“. Manche sind der Ansicht, dass sich die Nacht der Macht während des gesamten Ramadans finden lasse. Aber die wahrscheinlichsten Hinweise finden sich bezüglich der letzten zehn Tage des Ramadans und bezüglich des 27. Ramadan.
Foto: puijslab, Shutterstock
Die Lailatul Qadr ist die Nacht, in der wir daran erinnert werden, dass der Qur’an offenbart wurde. Wir wissen von einer anderen Überlieferung, dass es die Nacht der Stille ist. Dabei handelt es sich um einen Augenblick, in welcher die Belohnung von Allah endlos vergrößert wird. Für jedes Gebet während dieser Nacht, im Tarawih oder danach, gibt es eine besondere Belohnung.
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Die Muslime fasten für Allah und Allahs sagte in einem Hadith Qudsi: „Das Fasten ist für mich.“ Es ist also eine spezielle Form der Anbetung, die Allah für Sich beansprucht. Und Er sagt weiter: „Ich werde die Belohnung dafür geben.“
Das Fasten kann nicht von außen beobachtet werden. Nur der Fastende selbst und Allah wissen davon und so gibt es keine Grundlage für Rija – für das Angeben. Was am ‘Id geschieht ist die Umkehrung der gesamten Sache nach außen. Die Freude wird in den Menschen sichtbar und sie kommen zusammen. Normalerweise wird das besondere Feiertagsgebet in einer Musalla, einem Ort außerhalb der Stadt, verrichtet, in der alle Platz finden. Der ‘Id ist ein Augenblick der Vereinigung nach dieser Zeit der Enthaltsamkeit.

Foto: Imago | tagesspiegel
Islamische Zeitung: Sie haben umfangreich die muslimische Welt bereist. Was ist der Unterschied zwischen den Muslimen Europas auf der einen Seite und denen im Nahen Osten, wie sie den Ramadan praktizieren?
Dr. Asadullah Yate: Offenkundig fastet nur ein Teil der Bevölkerung in Europa. Und so findet sich hier eine andere Atmosphäre, wenn man die Geschäfte und Straßen betritt und die Mehrheit der Menschen nicht fastet. Dies hat eine Auswirkung auf den persönlichen Zustand. Man ist sich offenkundig bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten.
In der traditionell muslimischen Welt geschieht der Ramadan jedoch als gemeinschaftliches Ereignis. Und so wird wegen der Macht des Fastens der Ruhani-Aspekt der Menschen geweckt und sie dadurch gestärkt. Dadurch wird der Din des Islam belebt und mit ihm die Menschen.
Wir wissen vom Propheten, dass die Teufel während des Ramadans in Ketten gelegt sind und die besten Eigenschaften der Menschen zu Tage treten. Dies ist in Europa nicht immer der Fall, denn wir werden uns des Unterschieds zwischen Fastenden und Nichtfastenden bewusst.
Allerdings gibt uns dies natürlich die Möglichkeit, jenen Menschen, die keine Muslime sind, das große Geschenk des Ramadans zu erklären. Wir können sie zum Fastenbrechen einladen und mit ihnen das Licht teilen, dass Allah uns gegeben hat.
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