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Ein Palästinenser und ein Israeli leben den Frieden vor

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Ein Palästinenser und ein Israeli: Maoz Inon und Aziz Abu Sarah entschieden sich, aufeinander zuzugehen. Jetzt veröffentlichten sie über ihre Geschichte ein Buch, das Mut macht.

Jerusalem (KNA/IZ). Der Hamasangriff vom 7. Oktober 2023 und der nachfolgende Gazakrieg haben den Nahen Osten verändert. Trauma, Angst, Vertrauensverlust und Rachegefühle ließen viele nach rechts abdriften.

Der jüdische Israeli Maoz Inon und der muslimische Palästinenser Aziz Abu Sarah entschieden sich trotz persönlicher Verluste für einen anderen Weg. Ihr Buch „Die Zukunft ist Frieden“ erscheint am 17. September in deutscher Übersetzung. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit den Autoren und Friedensaktivisten in Jerusalem.

Hintergrund: Der Gaza-Krieg verschiebt die öffentliche Meinung in Europa weiter zugunsten der Palästinenser. Das zeigt das HU-EF-Barometer der Hebräischen Universität Jerusalem, für das in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen je mindestens 1.000 Personen befragt wurden.

In Deutschland sind 19 Prozent nach eigener Aussage „pro-palästinensischer geworden“ (2024: 14), nur 8 Prozent „pro-israelischer“. Am stärksten war der Anstieg in Polen, von 14 auf 30 Prozent. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien hält eine klare Mehrheit den Antisemitismus im eigenen Land für ein Problem.

Aziz Abu Zahra (Foto: Zezu450/Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0)

„Ohne den 7. Oktober wäre das alles nicht passiert“

Frage: Der 7. Oktober 2023 und das Buch: Wie passt das zusammen?

Maoz Inon: Ohne den 7. Oktober wäre das alles nicht passiert, unsere Freundschaft, unsere Brüderlichkeit. Und natürlich gäbe es kein Buch. Wir alle haben uns verändert – nicht nur mein persönliches Leben, sondern auch der Lauf der Geschichte. Das ist der Auslöser.

Aziz Abu Sarah: Der 7. Oktober hat viele Leute dazu gebracht, sich weiter nach rechts zu bewegen, während andere zu Friedensstiftern geworden sind. Es hat also alles verändert.

Frage: Warum haben Sie sich entschieden, aufeinander zuzugehen?

Inon: In den letzten 20 Jahren sind wir parallele Wege gegangen. Wir hatten uns bereits für Frieden und Versöhnung entschieden sowie dafür, die Sichtweise der anderen Seite anzuerkennen, zum Beispiel für Aziz im Rahmen von „Dual narrative tours“, Führungen, die beiden Narrativen Raum geben, oder für mich mit der Eröffnung eines Gästehauses in Nazareth, der wichtigsten palästinensischen Stadt Israels, was mich aus meiner Komfortzone geholt hat.

Das ist intensiver geworden. Ich hätte keinen anderen Weg wählen können. Für mich war klar, dass ich das Erbe meiner am 7. Oktober 2023 ermordeten Eltern weiterführe und Menschlichkeit wähle statt Eskalation oder Rache.

„Der 7. Oktober ist das Drama, das ihre politischen Ansichten rechtfertigt oder ihren fehlenden Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit“

Abu Sarah: Ich spreche viel mit Leuten aus der Linken. Sie sind nach dem 7. Oktober skeptischer gegenüber dem Frieden geworden und sagen, man könne Arabern, Muslimen oder Palästinensern nie wieder vertrauen.

Manchen dient es als Ausrede: Der 7. Oktober ist das Drama, das ihre politischen Ansichten rechtfertigt oder ihren fehlenden Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit.

Dann sage ich: Es ist nicht in deiner Familie passiert, sondern in der Familie von Maoz und anderer Freunde, die am 7. Oktober Angehörige verloren haben. Wenn wir, die wir unsere Liebsten verloren haben, diesen Weg wählen, könnt ihr vielleicht darüber nachdenken, auf welchen Werten eure Entscheidungen basieren.

Frage: Zeigt Ihr Beispiel Wirkung?

Abu Sarah: Auf jeden Fall. Es gibt eine echte Nachfrage, unsere Vision zu hören. Als Maoz sich wenige Tage nach dem 7. Oktober gegen den Krieg aussprach, hielten ihn die meisten für verrückt. Auch mich hielt man für verrückt.

Heute sind viele, die nach dem 7. Oktober schreckliche Kommentare auf Facebook schrieben, unsere größten Unterstützer. Die Menschen brauchten eine Erinnerung, eine Vision. Sie brauchen jemanden, der in diesen schweren Zeiten sagt: Lasst uns nicht aus den Augen verlieren, wer wir sind.

Wo immer wir hinkommen, sagen Menschen, sie seien hoffnungslos gewesen, bis sie uns gehört haben. Das liegt nicht an uns. Es geht um das Vorleben. Wir zeigen, wie die Zukunft aussehen könnte.

Inon: Einer der wichtigsten Wendepunkte war unser Auftritt bei der „Arena des Friedens“ im Mai 2024 in Verona, als wir das Privileg hatten, vor Papst Franziskus und 13.000 Friedensstiftern zu sprechen. Vor der Veranstaltung wurden wir gefragt, ob Frieden möglich ist. Danach lautete die Frage, einschließlich von Papst Franziskus: Wie können wir euch helfen?

Maoz Inon (Foto: HananCohen/Wikimedia Commons | Lizenz: Creative Commons

„Träumt mit uns von einer besseren Zukunft“

Frage: Und wie kann man helfen?

Inon: Träumt mit uns von einer besseren Zukunft. Verstärkt unsere Stimmen und unsere Botschaft. Legitimiert uns Friedensstifter. Diejenigen, die glauben, dass Bomben Ruhe bringen, dass Krieg verteidigt und Sicherheit schafft, haben in der Geschichte der menschlichen Zivilisation immer versagt.

Nur durch Diplomatie, durch Dialog und durch Verhandlungen können wir einen dauerhaften Frieden erreichen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die EU und insbesondere Deutschland, ihre Politik ändern müssen.

Frage: Was muss anders werden?

Inon: Es braucht Unterstützung durch die Förderung von Dialoggruppen und Versöhnungsprojekten. Und Sanktionen gegen die, die sich für ethnische Säuberungen, Besatzung und Gebietsannektierung entscheiden. Deutschland sollte eine viel bedeutendere Rolle spielen. 

Wer Pläne der israelischen Regierung kritisiert, zwei Millionen Menschen aus dem Gazastreifen umzusiedeln, ist kein Antisemit. Es geht um moralische Klarheit. Es ist wichtig, dass die Menschen das von mir hören, von jemandem, der am 7. Oktober beide Elternteile verloren hat. 

Jetzt ist es an der Zeit, dass auch Deutschland sich engagiert und sich an die Werte und Versprechen erinnert. Wir haben uns nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gemeinsam für Gleichheit, Würde, Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt.

Foto: thauwald-pictures, Adobe Stock

„Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind wichtige Themen in Europa“

Abu Sarah: Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind wichtige Themen in den USA und in Europa. Im pro-israelischen und im pro-islamischen Lager gibt es Menschen, die Hass gegen den jeweils anderen verbreiten. 

Diese Menschen gewinnen vielleicht eine Debatte. Wir verlieren unser Leben. Es lastet eine enorme Verantwortung auf den Deutschen, den Christen, den Muslimen und den Juden, zusammenzukommen und sich für Gerechtigkeit, Frieden und Gleichheit einzusetzen, um uns dabei zu helfen, den Konflikt zu lösen. Europa investiert zu wenig in Frieden.

Frage: Wie geht man gegen Hass vor?

Abu Sarah: Mit Taten, nicht nur mit Worten. Eines der wichtigsten Projekte, an denen wir in den letzten Monaten gearbeitet haben, ist der Aufbau einer Koalition aus Organisationen und Einzelpersonen für die bevorstehende Olivenernte in Palästina.

Zusammen haben wir eine Initiative namens „Protect the Harvest“ ins Leben gerufen. Bislang haben sich mehr als 200 Menschen angemeldet. Es gibt eine Warteliste.

Es ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie wir als friedliche Menschen verstehen müssen, dass Frieden und Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Es gibt keine Grenze zwischen der Unterstützung der Menschen vor Ort, humanitärer Hilfe und friedlichem Engagement.

* Aziz Abu Sarah und Maoz Inon: Die Zukunft ist Frieden. Eine palästinensisch-israelische Reise durch das Heilige Land, Verlag Altneuland. 250 Seiten, 24 Euro. Erscheint am 17. September. 

Gleichen Politiker im Nahen Osten ihr Versagen beim Finden friedlicher Lösungen verstärkt durch totalitäre Rhetorik aus?

(Zaman/Russia Today). Während immer mehr Zivilisten im Gazastreifen durch die neuen unverhältnismäßigen Angriffswellen des israelischen Bombardements ums Leben kommen, verletzt werden und die Infrastruktur des ohnehin schon schwer beeinträchtigten Gebiets noch weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, nehmen die Wortbeiträge insbesondere von israelischen Politikern an Schärfe zu. Angesichts der innenpolitischen Zustimmung sowie der ausdrücklichen Rückenstärkung von Seiten Washingtons und Berlins (wie gerade wieder von Bundesaußenminister Westerwelle bestätigt) scheint es derzeit für Tel Aviv – anders noch als in den frühen 1990er Jahren – keine Notwendigkeit zu geben, auf etwas anderes als seine erdrückende militärische Stärke zu setzen.

Die Brisanz der regionalen Lage wird durch einen weiteren Krieg – im benachbarten Syrien – und die jeweilige Beteiligung oder Haltung sämtlicher Nachbarn noch weiter angeheizt. Daher verwundert die Beobachter wohl weitaus weniger als früher, wenn Forderungen nach dem Einsatz von ägyptischen oder türkischen Bodentruppen in Gaza laut werden. Anders als während der Operation „Gegossenes Blei“ 2009 tritt Ankara auch nicht mehr als potenzieller Vermittler auf, sondern agiert nun frontal auf Gegenkurs zu Israel.

Auf einer Rede von einer Gruppe türkischer Parlamentarier beschuldigte Erdogan Israel am Dienstag nicht nur der Unterminierung von Frieden und Völkerrecht in der Region, sondern auch der „ethnischen Säuberung“ in der Region. Dass seine Regierung das Militär auch in Operationen gegen die kurdischen Guerillas jenseits der Landesgrenzen einsetzt, scheint für den türkischen Ministerpräsidenten kein Widerspruch zu sein. „Israel besetzt schrittweise palästinensisches Land“, sagte er, „und terrorisiert den Nahen Osten“.

Trotz der offenkundigen Erregung Erdogans, der sich sehr enttäuscht zeigte von der Haltung des UN-Sicherheitsrates, herrscht in Israel eine wesentliche rabiatere Rhetorik. „Zerstört und beschädigt Infrastruktur, öffentliche Gebäude und Regierungseinrichtungen. Wir müssen sicherstellen, dass Hamas Jahre für den Wiederaufbau in Gaza braucht und Israel nicht angreift“, forderte Israels Innenminister Eli Yishai. Zuvor sagte das Regierungsmitglied: „Das Ziel der Operation muss es sein, Gaza ins Mittelalter zurückzuwerfen. Nur dann wird Israel in den nächsten 40 Jahren Ruhe haben.“

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Der Journalist Gilad Sharon, und Sohn des ehemaligen Premierministers Ariel Sharon, forderte in einem Leitartikel für die „Jerusalem Post“, den Gazastreifen wir Hiroshima zu behandeln: „Wir müssen Gaza dem Erdboden gleichmachen. Die Amerika hörten nicht mit Hiroshima auch, weil die Japaner sich nicht schnell genug ergaben, also trafen sie auch Nagasaki. Es darf keinen Strom mehr in Gaza geben, keinen Treibstoff, keine Fahrzeuge, nichts. Dann werden sie wirklich einen Waffenstillstand fordern“, schrieb der Publizist. Israel Katz, Transportminister des Landes, will gar, dass „Gaza so hart bombardiert wird, dass die Bevölkerung nach Ägypten fliehen muss“. Er forderte die israelischen Streitkräfte dazu auf, den Gazastreifen „neu zu formatieren“.

Schützenhilfe bekam die politische Brutalo-Rhetorik gar noch religiöser Seite. Yaakow Yosef, Sohn eines ehemaligen Oberrabbiners, segnete bei einer Predigt israelische Soldaten und forderte sie auch auf, „von den Syrern zu lernen, wie man den Feind tötet“.

Der Journalist Patrick Cockburn beschrieb die Mentalität in Israel während der Operation „Gegossenes Blei“ 2008-9: „Die israelische Gesellschaft erinnert mich an die Unionisten in Nordirland während der späten 1960er Jahre oder an die libanesischen Christen während der 1970er. Wie Israel haben beide Gemeinschaften eine hochkomplexe Wagenburgmentalität entwickelt. Diese führt dazu, dass man sich selbst als Opfer sieht, während man andere Menschen tötet.“

Vom Zerstörungspotenzial des Konfliktes ähnlich unbeeindruckt gaben sich die Vertreter von Hamas. Osama Hamden, Hamas-Direktor für auswärtige Angelegenheiten, sagte dem Satellitensender Al-Jadeed: „Die Palästinenser müssen sich nicht mit einem Frieden beeilen. Wir sind solche Angriffe gewohnt.“