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„Die Zeit läuft ab!“: Islamic Relief berichtet über die Lage in El Faschir

Islamic Relief

NGOs wie Islamic Relief Deutschland sowie Menschenrechtsorganisationen verweisen auf die katastrophale Lage im sudanesischen Kriegsgebiet.

Köln (iz). „Die Zeit läuft ab, um die Zivilbevölkerung in der Stadt El Fasher [auch El Faschir, Anm.d.Red.] in Darfur zu schützen, wo es schreckliche Berichte über Massenmorde und Leid gibt, da die Kämpfe in den letzten Tagen weiter eskaliert sind.“ So beginnt eine Stellungnahme der Hilfsorganisation Islamic Relief zu den erschreckenden Ereignissen der jüngsten Tage.

Rund 18 Monate war die Stadt von Einheiten der Rapid Support Forces (RSF) eingeschlossen. Die Lage war unbeschreiblich. Während sie beschossen wurde, litten ihre Menschen und Flüchtlinge unter massivem Hunger. Hinzukamen tödliche Infektionskrankheiten.

Seit 2023 bekämpft die RSF die regulären Streitkräfte (SAF). Beiden, sowie ihren ausländischen Unterstützern, geht es um die Kontrolle des Sudan. Dieser hat nicht nur Rohstoffe wie Gold zu bieten, sondern ist ein wichtiger Produzent von Lebensmitteln.

El Faschir: Lage in der Stadt ist katastrophal

Die humanitäre Lage im Ort sei nun katastrophal, so Islamic Relief. Zivilisten hätten eine 18-monatige Belagerung überstanden, die jegliche Hilfe abgeschnitten hat.

Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Moscheen wurden wiederholt bombardiert. Viele Familien in der Stadt hungern, da die Vorräte an Lebensmitteln und Medikamenten erschöpft sind, während humanitäre Hilfe weiterhin blockiert wird.

„Lokale Gemeinschaftsküchen und gegenseitige Hilfsgruppen sind für viele Familien zur einzigen Lebensader geworden, doch ihnen gehen zunehmend die Mittel aus, und sie setzen sich großen Gefahren aus.

Berichten zufolge ist es Zehntausenden Menschen gelungen, aus der Stadt zu fliehen, doch viele Fluchtwege wurden abgeschnitten, und bis zu 250.000 weitere Menschen sind dort weiterhin eingeschlossen und fürchten um ihr Leben.“

Nach Berichten vor Ort sowie von Beobachtern ist der Verbleib vieler Menschen, die sich bspw. zum Lager Tawila retten wollten, immer noch unklar. Es gibt Befürchtungen, dass ein Teil diese Flucht nicht überleben wird.

globale süden uno anerkennung

Foto: Official White House Photo

Islamic Relief: Internationale Gemeinschaft muss Druck ausüben

Islamic Relief Worldwide rief „die internationale Gemeinschaft“ dazu auf, den Druck für einen sofortigen Waffenstillstand zu erhöhen, ungehinderten humanitären Zugang zur Stadt zu ermöglichen und allen Zivilisten, die die Stadt verlassen möchten, eine sichere und würdevolle Ausreise zu garantieren.

„Während immer mehr Menschen ihr Leben riskieren, um zu entkommen, bereiten sich Mitarbeiter von Islamic Relief in Zentral-Darfur auf einen erwarteten Zustrom von Familien vor. In den vergangenen Monaten haben die Gesundheits- und Ernährungszentren von Islamic Relief in Zentral-Darfur Hunderte Familien aufgenommen, die dem Hungertod nahe waren, nachdem sie El Fasher und die umliegenden Lager verlassen konnten.“

Viele kämen in einem stark unterernährten Zustand an, da sie tagelang zu Fuß unterwegs waren, um ein gewisses Maß an Sicherheit zu erreichen, und berichteten von entsetzlichen Bombardierungen und Plünderungen entlang des Weges.

Shihab Mohamed Ali, Programmleiter von Islamic Relief im Sudan berichtet Folgendes: „Wir rechnen in den kommenden Tagen mit einer erheblichen Zahl von Vertriebenen, die aus El Fasher in unsere Kliniken kommen werden. El Fasher ist derzeit ein furchterregender Ort für Zivilisten.

Einige unserer Teammitglieder haben dort Verwandte, doch die Kommunikation ist zusammengebrochen, und sie sagten, dass sie seit drei Tagen nichts mehr von ihnen gehört haben.

Im Moment gibt es für Zivilisten keine sicheren Wege, die Stadt zu verlassen, aber die Lage ist so alarmierend, dass viele Menschen auf jede erdenkliche Weise versuchen zu fliehen – sei es mitten in der Nacht oder durch Bestechungsgelder, die sie sich nicht leisten können. Wir fordern, dass die Zivilbevölkerung geschützt wird und humanitäre Hilfe die Menschen erreichen darf.“

Gesundheitszentrum Nertite, das Islamic Relief im Sudan betreibt. (Foto: Islamic Relief Worldwide)

Die Grausamkeit der Kriegführung ist Programm im Sudan

Bereits am 10. Juni dieses Jahres veröffentlichte Islamic Relief Worldwide den Bericht einer geflohenen Frau. Die Mutter brachte ihren 19 Monate alten, unterernährten Sohn in eine Klinik der Organisation, nachdem sie aus dem Lager Zamzam fliehen musste.

In ihrer Beschreibung wird deutlich, dass Mord und Grausamkeit in der sudanesischen Kriegführung nicht bedauerliche Begleiterscheinungen sind. Vielmehr ist Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung integraler Bestandteil des Vorgehens von RSF und anderen.

„Sie griffen mit Drohnen und Soldaten an, die schossen, und mit bewaffneten Militärfahrzeugen. Ich habe meinen Onkel bei einem Drohnenangriff verloren. Wir gruben ein Loch, um uns zu verstecken, nahe an der Hauswand.

Während des Angriffs wurde ein Tor geöffnet, damit Frauen und Kinder das Lager verlassen konnten, aber junge Frauen im Alter von etwa 20 Jahren oder älter wurden von ihren Familien getrennt und vergewaltigt. Viele Mädchen sind noch immer vermisst. Ich entschied, dass wir weggehen mussten, um meine Schwester vor Missbrauch zu schützen.

Auf der Reise von Zamzam waren die Bedingungen hart – es gab kaum Nahrung oder Wasser. Ich sah zehn tote Kinder entlang der Straße nach Tawila und Menschen, die an Kontrollpunkten auf der Straße entführt wurden.

In Tawila mietete ich ein Fahrzeug, um nach Nertiti zu gelangen, wo uns die Einheimischen herzlich aufnahmen.

Eines meiner Kinder wurde in das Ernährungszentrum von Islamic Relief überwiesen, wo die Mitarbeitenden und die Nahrungsmittelhilfe das Leben meines Sohnes retteten. Er war sehr dünn und nahm jeden Tag weiter ab, aber seit der Ernährungsbehandlung hat er wieder zugenommen.“

Foto: Shutterstock

Verschiedene Quellen bestätigen den Ernst der Lage

Stellungnahmen wie die von Islamic Relief wurden in den letzten Tagen durch Stimmen aus dem Sudan sowie von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International unterfüttert.

Bereits in der Vergangenheit habe die RSF in Darfur sowie im ganzen Land „massive Menschenrechtsverletzungen“ begangen. Hierzu zählten laut dem Amnesty-Landesdirektor Tigere Chagutah „ethnisch motivierte Angriffe auf nicht-arabische Gemeinschaften, vorsätzliche Tötungen von Zivilist*innen, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Massaker.“

„Die RSF muss dazu gebracht werden, ihre Angriffe sofort einzustellen. Die Menschen brauchen dringend Fluchtkorridore. (…) Die UN muss endlich ein Waffenembargo gegen alle Konfliktparteien durchsetzen!“, veröffentlichte die Organisation am gestrigen Abend.

Mahnwache in Berlin angekündigt

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Salam Sudan Campaign riefen gemeinsam zu einer Mahnwache vor dem Auswärtigen Amt in Berlin auf. Unter dem Motto „Stand with Sudan – Stoppt die Massaker in El Fasher!“ soll am Freitag, 31. Oktober 2025, von 15 bis 17 Uhr gegen die anhaltenden Gräueltaten im Sudan protestiert werden.

„Die Menschen in El Fasher, Darfur, sind unaussprechlichen Gräueltaten und Kriegsverbrechen ausgesetzt. Ganze Gemeinden werden ausgelöscht, während die Welt schweigt“, appellieren die Organisatoren in ihrem Aufruf. „Bringt Eure Stimmen, Eure Transparente und Eure Solidarität mit!“ Die Mahnwache richte sich an alle, die sich gegen Völkermord, ethnische Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sudan stellen wollen.

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Hunger in Gaza – eine menschengemachte Katastrophe

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Der Hunger der Menschen in Gaza hat seit August die gravierendste Form angenommen

(iz). Die Menschen in Gaza erleben seit August 2025 erstmals offiziell eine komplette Hungersnot, wie das System der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) bestätigt hat.

Die Zustände werden als „vollkommen menschengemachte Katastrophe“ eingestuft, für die sie Organisationen in Israel in erheblichem Maße verantwortlich machen.

Nach jüngsten Daten sind mehr als eine halbe Million Menschen direkt von Hunger betroffen, darunter etwa 132.000 Kinder unter fünf Jahren. Die Kriterien für „Hungersnot“ der IPC-Kategorie 5 sind erfüllt:

Auf jeden Fall erhalten 20 % der Bevölkerung nicht die Mindestmenge von 2.100 kcal pro Tag, mindestens 30 % der Kinder unter fünf Jahren sind akut mangelernährt, und pro Tag sterben minimal 2 von 10.000 Menschen an Hunger.

Die Hungerkatastrophe entspricht der höchsten, fünften Stufe der IPC-Skala, die international als Standard für Ernährungssicherheit gilt. Die aktuelle Bewertung fußt auf UN-Daten und wurde um neue Indikatoren wie den mittleren Oberarmumfang (MUAC) ergänzt, wodurch die Schwelle für die Feststellung einer Hungersnot etwas gesenkt wurde. Kritiker bemängeln, dass dies die Einstufung erleichtert, aber selbst nach früheren Standards wären die Kriterien nun klar erfüllt.

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Foto: Ran Zisovitch/Shutterstock

Humanitäre NGOs, UN-Vertreter und die IPC bezeichnen den Hunger als menschengemacht. Sie machen die strikten Nahrungsmittel- und Hilfsgüterblockaden Israels, die seit Ende 2024 verschärft wurden, direkt dafür rechenschaftspflichtig, dass Hilfsleistungen kaum noch bei der Bevölkerung ankommen.

Die Regierung in Tel Aviv wies die Einschätzung zurück, betonte, sie lasse ausreichend Hilfsgüter nach Gaza, und machte ihrerseits die Hamas für die Misere verantwortlich.

Internationale Organisationen und Experten widersprechen dieser Darstellung jedoch deutlich. Die UNO sieht im israelischen Vorgehen vorsätzliches Handeln und warnt vor möglichen Kriegsverbrechen. Als Besatzungsmacht sei der Staat verpflichtet, die Grundversorgung sicherzustellen.

Im Februar konnten während einer Waffenstillstandsphase Hilfsgüter die Not kurzzeitig lindern; die aktuelle Blockade wird als zentrales Hindernis zur Beendigung der Hungersnot genannt.

„Die israelischen Behörden müssen die Belagerung des Gazastreifens beenden, die Angriffe auf Gaza-Stadt sofort einstellen, alle Landübergänge öffnen, um Hilfsgüter ins Land zu lassen, und humanitären Helfer:innen ermöglichen, ihre Arbeit sicher ausüben zu können“, sagte Jolien Veldwijk, Landesdirektorin von CARE Palästina.

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CARE Deutschland: Keine Chance, einer menschengemachten Hungersnot zu entkommen

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Vor dem Angriff auf Gaza-Stadt wird mit dem jetzt veröffentlichten IPC-Ernährungsbericht zu Gaza die dramatische Lage der zivilen Bevölkerung noch klarer: Die Zahl der Kinder unter fünf Jahren, die aufgrund akuter Unterernährung vom Tod bedroht sind, hat sich seit Mai verdoppelt.


„Monatelange Warnungen wurden ignoriert. Jetzt bestätigt die UN: #Gaza-Stadt hat Stufe 5 erreicht: offizielle Hungersnot. Menschen in Gaza hungern nicht, weil Essen fehlt, sondern weil Essen durch Israel blockiert wird. Ein Kriegsverbrechen. Starvation by design.“ Alexander Schwarz, X, 22.08.2025

Bonn (CARE Deutschland/iz). Fast 55.500 unterernährte schwangere und stillende Frauen benötigen dringend Hilfe. Für den Verwaltungsbezirk Gaza wird nun eine Hungersnot (IPC-Phase 5) bestätigt, die sich bis Ende September voraussichtlich auf die Bezirke Deir Al Balah und Khan Younis ausweiten wird.

Es gibt jetzt keine Zeit mehr zu verlieren: „Die israelischen Behörden müssen die Belagerung des Gazastreifens beenden, die Angriffe auf Gaza-Stadt sofort einstellen, alle Landübergänge öffnen, um Hilfsgüter ins Land zu lassen, und humanitären Helfer:innen ermöglichen, ihre Arbeit sicher ausüben zu können“, sagt Jolien Veldwijk, Landesdirektorin von CARE Palästina.

„Die Menschen haben monatelang Hunger, Bombardierungen und Vertreibung überlebt, doch jetzt droht ihnen in Gaza das Verhungern. Die Blockade verhindert, dass Lebensmittel und Hilfsgüter die Bedürftigsten erreichen. Angesichts des bevorstehenden Angriffs auf Gaza-Stadt bleibt vielen nichts anderes übrig, als sich zu Fuß auf den gefährlichen Weg in den Süden Gazas zu machen, wo sie erneut in überfüllten Lagern ohne das Nötigste zum Überleben untergebracht werden“, ergänzt Jolien Veldwijk.

Auch für humanitäres Personal wird es immer schwieriger, Hilfe zu leisten. Samah Wadi, Ernährungsexpertin im von CARE geführten Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung in Deir Al-Balah, beschreibt die Lage:

„Wir alle hungern, auch wir verlieren die Kraft, die wir für unsere tägliche Arbeit brauchen. Hunger ist alles, woran wir denken können. Unterernährung wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, sondern auch auf den Geist und die Seele. In unserer Klinik sehen wir Menschen, die glauben, dass Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel ersetzen können, und dann muss man ihnen erklären, dass diese eben nur eine Ergänzung sind. Sie suchen nach allem, was ihnen zum Überleben hilft, woran sie sich festhalten können, auch wenn es sie nur für ein paar Stunden rettet.“

Wenn die Staats- und Regierungschef:innen der Welt nicht sofort umfassende Maßnahmen ergreifen, wird die Zahl der Palästinenser:innen, die an Hunger sterben, jeden Tag exponentiell steigen.

„Niemand kann behaupten, nichts davon gewusst zu haben. Wir fordern die internationale Gemeinschaft dringend auf, endlich einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand, die Freilassung aller Geiseln sowie den uneingeschränkten, sicheren, ungehinderten, sofortigen und dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe für alle Menschen in Not in Gaza zu gewährleisten“, sagt Jolien Veldwijk.

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Nord-Gaza: Hunderttausende leiden unter katastrophalen Bedingungen

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Lage im Norden Gazas: Hunderttausende leiden unter katastrophalen Bedingungen – Medizinische Mitarbeiter von CARE-Partnerorganisation bei Angriffen getötet.

Bonn. (CARE International). Die CARE-Partnerorganisation Juzoor for Health and Social Development hat in der vergangenen Woche zwei Mitarbeiter:innen bei Bombenangriffen im Norden Gazas verloren. Dr. Ahmad Al-Najar wurde am 15. Oktober getötet, als er in Jabalia medizinische Hilfe leistete, während die Hebamme Laila Jneid am 12. Oktober zusammen mit ihren Eltern getötet wurde. Trotz der Aufforderung an die Zivilbevölkerung, den Norden Gazas zu verlassen, hatte sich das medizinische Team von Juzoor entschieden, zu bleiben und seine lebensrettende Arbeit fortzusetzen.

Gaza: Unermüdlicher Einsatz unter unmenschlichen Bedingungen

„Wir sprechen den Familien der medizinischen Mitarbeiter:innen von Juzoor unser tiefstes Beileid aus“, sagt Jolien Veldwijk, CARE-Länderdirektorin für Westbank und Gaza. „Diese Verluste zeigen die enormen persönlichen Opfer, die medizinisches Personal und humanitäre Helfer:innen täglich bringen, um zu helfen. Ihr Andenken wird uns auch weiterhin in unseren Bemühungen leiten, unschuldige Leben zu retten und dieser Gewalt ein Ende zu setzen.“

Das Team von Juzoor ist eine der letzten Organisationen, die trotz der anhaltenden Bombardierungen im Norden von Gaza weiterhin vor Ort tätig sind. CARE unterstützt Juzoor seit der Eskalation des Konflikts vor einem Jahr mit medizinischer Hilfe in Notunterkünften und provisorischen Gesundheitszentren.

Katastrophale Zustände und massive angeordnete Umsiedlungen

Inzwischen sind durch die Gewalt und die Belagerung rund 400.000 Menschen im Norden Gazas von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung abgeschnitten. Krankenhäuser wie das Kamal Adwan Hospital wurden wiederholt bombardiert. „Wir sehen täglich Schwerverletzte, darunter seit letzter Woche mehr als 23 schwangere Frauen“, berichtet Dr. Taghreed Al-Imawi, Gynäkologin am Kamal Adwan Hospital und Juzoor-Mitarbeiterin im Norden Gazas. 

Die Bedingungen sind unbeschreiblich. Viele unserer Patient:innen können nicht evakuiert werden und die Rettungswagen erreichen die Verletzten nicht.“

Für die 400.000 Menschen wurde ein Umsiedlungsbefehl erlassen und die Nahrungsmittelzufuhr im Norden Gazas blockiert. Laut UN wurden 9.000 schwangere Frauen vertrieben. Seit der Eskalation sind mindestens 350 Menschen im Norden getötet worden. Hunger, Wassermangel und Krankheiten bedrohen besonders Frauen und Kinder. Ein Drittel der Kinder leidet an Unterernährung, und 40 Prozent der Schwangerschaften gelten als riskant.

CARE fordert dringenden Waffenstillstand und ungehinderten Zugang für Hilfsgüter

Die Eskalation der Gewalt macht es den Hilfsorganisationen unmöglich, die dringend benötigte Hilfe zu leisten. Nur noch drei Krankenhäuser im Norden Gazas arbeiten mit minimaler Kapazität, und die Ressourcen gehen rasch zur Neige.

CARE fordert die Freilassung aller Geiseln, einen sofortigen Waffenstillstand und uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe. „Die Situation wird immer schlimmer“, warnt Veldwijk. „Das physische und psychische Leid ist immens. Ein paar Lastwagen mit Treibstoff und Wasser reichen nicht aus, um die Not der belagerten und bombardierten Bevölkerung zu lindern. Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza.“

CARE Deutschland verurteilt den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober sowie jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung durch die Konfliktparteien zutiefst. CARE fordert daher die Freilassung aller Geiseln, die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch alle Konfliktparteien, einen dauerhaften Waffenstillstand, den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe nach und innerhalb von Gaza sowie die Evakuierung von Kranken und Verletzten.

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Humanitäre Helfer sprechen von „Hölle“ in Gaza

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Humanitäre Organisationen können nach einer Kommunikationssperre wieder informieren. Sie sprechen von einer verheerenden Lage der Zivilbevölkerung.

(dpa, KNA, iz). UN-Generalsekretär António Guterres hat erneut zu einem sofortigen Waffenstillstand im Gaza-Konflikt aufgerufen. Er sei überrascht über die „beispiellose Eskalation“ der Bombardierungen, sagte Guterres laut einer Mitteilung vom Samstag.

Neben den Angriffen durch die israelische Luftwaffe weiten sich die Operationen der IDF am Boden aus. Mittlerweile dringt sie tiefer und in größerer Dichte auf Gebieten im Norden Gazas ein. Im gleichen Zeitraum wurden die im Norden verbliebenen Einwohner aufgefordert, diesen zu verlassen. „Das Zeitfenster schließt sich schnell.“

Der UN-Chef bekräftige seinen Aufruf „zu einem sofortigen humanitären Waffenstillstand“, verbunden mit der bedingungslosen Freilassung aller Geiseln und der Bereitstellung von Hilfsgütern für die Menschen im Gazastreifen. Dort spiele sich „vor unseren Augen“ eine menschliche Katastrophe ab.

Erklärung von Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) forderte eine Waffenpause:

„Fast drei Wochen sind vergangen, seit die Hamas einen entsetzlichen Terrorakt gegen israelische Zivilisten verübt hat. Seitdem füllen die Bilder leidender Familien in Israel und Gaza unsere Bildschirme. 

Zahllose völlig unschuldige Palästinenser sind nun wahllosem und verheerendem israelischem Bombardement und totaler Belagerung ausgesetzt. Diese kollektive Bestrafung bringt unendliches Leid über die Zivilbevölkerung und kostet Tausende von Menschen das Leben.

Die Staats- und Regierungschefs der Welt müssen unverzüglich zu einem humanitären Waffenstillstand aufrufen, um das Leiden zu beenden und den Prozess wieder in Gang zu bringen, der die Ursachen für Generationen von Entbehrungen, Konflikten, Terror und Besatzung beseitigen kann. Die Geschichte wird uns dabei zusehen.“

Humanitäre Helfer sprechen von einer sehr schwierigen Situation

Das UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA beklagte, zur „großen Mehrheit“ seiner Mitarbeiter im Gazastreifen keinen Kontakt mehr zu haben.

Ihr Generalkommissar, Philippe Lazzarinim bezeichnete den Ausfall der Kommunikationsdienste als „einen weiteren Versuch, die humanitäre Antwort für die Zivilisten im Gazastreifen“ zu behindern. Das Hilfswerk werde sich davon aber nicht entmutigen lassen.

Die Versorgungslage im Gazastreifen war schon vor Kriegsbeginn sehr schlecht und hat sich durch die laufenden Kämpfenoch verschlimmert. Fast die Hälfte der gut 2,2 Millionen Menschen im Gazastreifen sind Kinder und Jugendliche. Bei den israelischen Gegenschlägen in den vergangenen drei Wochen sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in dem Palästinensergebiet mehr als 7703 Menschen ums Leben gekommen.

Foto: Palestinian News & Information Agency (Wafa) in contract with APAimages, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

IKRK fordert „sofortige Deeskalation“

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief zu einer sofortigen Deeskalation auf. „Ich bin schockiert über das unerträgliche Ausmaß des menschlichen Leids und fordere die Konfliktparteien auf, jetzt zu deeskalieren“, schrieb IKRK-Chefin Mirjana Spoljaric in der Nacht zum Sonntag auf der Plattform X (vormals Twitter).

Es sei nicht hinnehmbar, dass die Zivilbevölkerung im Gazastreifen angesichts der massiven Bombardierungen der israelischen Luftwaffe keinen sicheren Zufluchtsort habe. Angemessene humanitäre Hilfe sei derzeit nicht möglich. „Das ist ein katastrophales Versagen, das die Welt nicht hinnehmen darf.“

Dem Roten Kreuz zufolge müssen Tausende von Familien im Gazastreifen in Behelfsunterkünften oder unter freiem Himmel schlafen, mit wenig Nahrung und Wasser. Krankenhäuser, die noch funktionierten, stünden „kurz vor dem Zusammenbruch“, da ihnen die Vorräte zur Versorgung der vielen Kranken und Verletzten ausgingen. Die meisten Kläranlagen seien zudem nicht mehr in Betrieb. Die Gesundheitsversorgung sowie die Versorgung mit Wasser und Strom müssten sofort wiederhergestellt werden, um Leben zu retten.

Foto: MedGlobal Org, via flickr | Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Tausende halten sich in Nähe des Shifa-Krankenhauses auf

Im Umkreis des Shifa-Krankenhauses in Gaza halten sich nach TV-Berichten weiterhin Tausende Zivilisten auf. Die Menschen verblieben im Bereich der größten Klinik des Gazastreifens, die sie offenbar als Zufluchtsort ansehen, wie Fernsehbilder am Sonntag zeigten, unter anderem von Al Jazeera und CNN. Diese zeigten unter anderem, wie Menschen um die Klinik unter Zeltplanen campieren.

Die „New York Times“ schrieb am Sonntag, die normale Kapazität des größten und am besten ausgestatteten Krankenhauses im Gazastreifen betrage 700 Betten.

Jetzt beherberge es mehr als 60.000 Menschen. Dazu zählten unter anderem Verwundete sowie Angehörige, die sie versorgten. Zehntausende Menschen hätten Zuflucht gesucht, weil sie glaubten, dass ein Hospital ihnen einen gewissen Schutz biete.

Demonstranten in Berlin am 28. Oktober. Screenshot: X/Twitter

Massive Proteste in westlichen Großstädten

Unzählige Demonstranten haben auf einem erneuten Großprotest in London eine sofortige Waffenruhe im Gaza-Krieg und Solidarität mit Palästinensern gefordert. Viele von ihnen trugen am Samstag Banner und Schilder mit Botschaften, mit denen sie ihre Unterstützung für die Bevölkerung bekundeten.

Die Nachrichtenagentur PA sprach von schätzungsweise 100.000 Teilnehmern des Protests. Fotos zeigten eine große Menschenmenge. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie sie langsam durch das Zentrum der britischen Hauptstadt zog. Auch in anderen Orten des Landes wie Manchester und Glasgow fanden größere Kundgebungen statt.

In mehreren deutschen Städten gab es ebenfalls pro-palästinensische Demonstrationen. An die Teilnehmerzahl in London reichten sie aber bei weitem nicht heran. Die größte Kundgebung gab es in Berlin mit mehreren tausend Teilnehmern.

Mehrheit der UN-Mitglieder nimmt Resolution an

Am Freitag, den 27. Oktober nahm die UN-Generalversammlung nach gescheiterten Anläufen eine Resolution mit humanitärem Fokus an. Ein symbolisches Papier wurde verabschiedet – aber geschlossen zeigt sich das Gremium nicht.

Das Papier erreichte am Freitag in New York eine notwendige Zweidrittelmehrheit. 120 Länder stimmten dafür, 14 dagegen, 45 enthielten sich, darunter auch Deutschland. Resolutionen der UN-Vollversammlung sind allerdings nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch.

Der mächtigere UN-Sicherheitsrat, dessen Resolutionen bindend sind, war zuvor mehrfach an der Verabschiedung einer Resolution mit humanitärem Fokus zur Situation im Gazastreifen gescheitert.

Die nun verabschiedete Resolution verurteilt unter anderem jegliche Gewalt gegen israelische und palästinensische Zivilisten, fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Zivilisten, die „illegal festgehalten“ werden, und verlangt ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe in den Gazastreifen.

Außerdem ruft der Text zu einer „sofortigen dauerhaften und nachhaltigen humanitären Waffenruhe“ auf, die zu einer «Einstellung der Feindseligkeiten» führen solle.

Baerbock Diplomatie Irak

Foto: Lev Radin, Shutterstock

Westliche Staaten enthielten sich zumeist

Außenministerin Annalena Baerbock begründete die Enthaltung Deutschlands damit, dass das Papier aus deutscher Sicht nicht ausgewogen genug sei. 

„Weil die Resolution den Hamas-Terror nicht klar beim Namen nennt, die Freilassung aller Geiseln nicht deutlich genug fordert und das Selbstverteidigungsrecht Israels nicht bekräftigt, haben wir mit vielen unserer europäischen Partner entschieden, der Resolution am Ende nicht zuzustimmen“, sagte Baerbock nach der Abstimmung laut Mitteilung.

Kanada hatte zuvor eine Ergänzung zu der Resolution eingebracht, der die „Terrorattacken der Hamas“ und die Geiselnahmen verurteilt und die sofortige und bedingungslose Freilassung der Geiseln fordert. Dieser Zusatz verfehlte aber eine notwendige Zweidrittelmehrheit.

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Großbrand zerstört Tausende Unterkünfte in Rohingya-Flüchtlingslager

Großbrand Flüchtlingslager Rohingya

Tausende Rohingya-Flüchtlinge hätten ihr gesamtes Hab und Gut bei dem Großbrand verloren.

Dhaka (KNA) Bei einem Großbrand in einem Flüchtlingslager der Rohingya in Cox’s Bazar im Südosten von Bangladesch sind mindestens 2.000 Unterkünfte in Flammen aufgegangen. Das Feuer habe auch 90 öffentliche Einrichtungen vernichtet, darunter Hospitäler, Moscheen und Schulen, hieß es am Sonntag (Ortszeit) in einem Tweet der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen (UNHCR).

Foto: Mohammed Rakbul Hasan, IPS News

Großbrand verheerend für Geflohene

Tausende Flüchtlinge hätten ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Lagerfeuerwehr habe zusammen mit staatlichen Einsatzkräften mehrere Stunden gebraucht, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Von Toten und Verletzten war bisher nicht die Rede.

Nach Informationen von Medien in Bangladesch wurde das Feuer vermutlich durch einen Gaszylinder in einer der Unterkünfte ausgelöst. Mindestens 22.000 Einwohner seien direkt betroffen, erklärten Vertreter der örtlichen Flüchtlingskommission der „Dhaka Times“.

Großbrand

Foto: Farid Ahmed/IPS

Save the Children: eine weitere Tragödie

Die Kinderhilfsorganisation Save the Children nannte den Brand eine weitere Tragödie für die Flüchtlinge: „Nur wenige Tage, nachdem das Welternährungsprogramm bekannt gegeben hatte, dass es aufgrund von Finanzierungsengpässen gezwungen sei, die Nahrungsmittelhilfe zu kürzen, ist dieses verheerende Feuer eine weitere Tragödie, die das Volk der Rohingya trifft, das seit Jahren unaussprechliche Not ertragen muss“, sagte Onno van Manen, Leiter von Save the Children in Bangladesch.

In den Lagern in Cox’s Bazar waren bereits im Januar 2022 und im März 2021 Großbrände ausgebrochen, wobei mehr als 14.000 Unterkünfte zerstört wurden. Bei dem Brand 2021 kamen 15 Menschen ums Leben.

Fast eine Million Rohingya-Flüchtlinge leben in den Lagern in Cox’s Bazar, die damit zu den größten Flüchtlingslagern weltweit gehören. Die muslimische Minderheit aus dem benachbarten Myanmar ist dort seit Jahrzehnten sowohl durch Militärregierungen als auch durch die zivile gewählte Regierung von Staatsrätin Aung San Suu Kyi ethnischer und religiöser Verfolgung ausgesetzt.

Nach 5 Jahren gezeichnet

„Schreibmaschinenlettern – Islamische Zeitung"

Bonn (KNA) Vor der Geberkonferenz am Donnerstag in London fordern rund 100 deutsche und internationale Hilfsorganisationen verbindliche Vereinbarungen, um das Leid der Menschen in Syrien und den Nachbarländern beenden oder zumindest lindern zu können. Zu den am Montag vom Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ vorgestellten Forderungen gehören unter anderem die Einhaltung des internationalen Völkerrechts, der sichere Zugang zu Hilfsmaßnahmen für alle Betroffenen und sicherere Arbeitsbedingungen für lokale und internationale Helfer.
Eine politische Lösung für Syrien scheine nicht in Sicht zu sein, betonte Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“: „Männer, Frauen und Kinder sind nach fünf Jahren Krieg, Gräueltaten, Vertreibung und Flucht gezeichnet. Die Besinnung auf und Einhaltung von verbindlichen humanitären Vereinbarungen und deren Umsetzung ist jetzt das wichtigste und vielleicht das einzige Mittel, um den Menschen grundlegend und perspektivisch helfen zu können.“
Im Hinblick auf die Geberkonferenz in Syrien fordern die Hilfsorganisationen daher, gemäß internationalem Völkerrecht alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen zu beenden. Außerdem dürften nicht länger Essensvorräte bei der Einfuhr kontrolliert oder gar zerstört oder Preise künstlich in die Höhe getrieben werden. Allen Helfern müsse es darüber hinaus ermöglicht werden, die Menschen in Not zu erreichen, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden, in Gefangenschaft oder zwischen die Fronten zu geraten.
Auf Einladung Deutschlands, Großbritanniens, Norwegens, Kuwaits und der Vereinten Nationen kommen am Donnerstag in London mehr als 70 Regierungsvertreter zusammen, darunter Kanzlerin Angela Merkel. Ziel sind vor allem weitere Hilfen für die Syrer. Neben finanziellen Hilfszusagen will man auch auf politischer Ebene Zukunftsperspektiven für Flüchtlinge in der Region schaffen, etwa durch Bildung und einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt.
Die „Aktion Deutschland hilft“ ist ein Zusammenschluss von insgesamt 24 Hilfsorganisationen. Dazu gehören etwa der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter, CARE, Help – Hilfe zur Selbsthilfe, Islamic Relief, World Vision, Handicap International und arche noVa.
Photo by EU Humanitarian Aid and Civil Protection
Photo by EU Humanitarian Aid and Civil Protection

Lebensmittelspekulation ist ein Unding, und muss beendet werden. Kommentar von Khalil Breuern

(iz). In Deutschland gibt es viele Schreibtischhelden, die ganz gerne aus heutiger Sicht das Verhalten anderer unter den Verhältnissen der Diktatur moralisch ­beurteilen. Im Westen gilt derzeit gerne der bequeme Grundsatz, dass wir nur für ­unser politisches, aber nicht für unser ­ökonomisches Handeln Verantwortung übernehmen wollen. Heute, im Hier und Jetzt also, gibt es realen Grund zur Em­pörung. Die verbreitete Nahrungsspekulation kostet unter unseren Augen jeden Tag neue Opfer.

Man muss nicht gleich wie der Schweizer Autor Jean Ziegler von „organisiertem Mord“ sprechen, aber ein Skandal ist es doch. Nicht alle nehmen das schweigend hin. Mit einer Aktion vor dem Bundeskanzleramt unter dem Motto „Spekulation macht unbezahlbar – Mit Essen zockt man nicht!“ haben neulich einige Aktivistinnen und Aktivisten dagegen protestiert, wie Finanzinvestoren die Preise von Nahrungsmitteln beeinflussen. Leider waren keine muslimische Organisationen ­beteiligt, die Aktion fand „ohne uns“ statt, obwohl das islamische Wirtschaftsrecht Spekulationen mit Nahrungsmittel klar verbietet. Schade eigentlich, denn es wäre damit ein sinnvolles Thema gefunden, den Schulterschluss und die ­Gemeinsamkeiten mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu suchen.

Getragen wurde die ehrbare Aktion von Attac, Weed, Oxfam, dem Südwind-Ins­titut, Medico international und der Welthungerhilfe. Die Argumente der Organi­sationen sind erschlagend. „Terminmärkte für Nahrungsmittel haben sich in den ­letzten Jahren zunehmend zum Spielfeld für Finanzinvestoren entwickelt“, beklagte beispielsweise Jutta Sundermann von Attac. „Die Folgen der Spekulation ­treffen vor allem die Ärmsten: Während der spekulativen Hochphasen wird Nahrung für Millionen Menschen unbezahlbar.“

Auf einer Leinwand zeigten die Aktivis­ten die Lebensmittel-Preiskurve der ­letzten Jahre. Im letzten Teil war diese Kurve jedoch beweglich montiert und wurde von einem „Banker“ immer wieder nach oben gezogen. Das Bündnis forderte die ­Politik auf, preistreibende Spekulation mit Nahrungsmitteln zu stoppen. Gelegenheit dazu bietet die laufende Reform der europä­ischen Richtlinie über Märkte für Finanz­instrumente (MiFID). Im Finanzausschuss des Europäischen Parlaments kämpft der Abgeordnete Markus Ferber (CSU) für Veränderung und tritt unter anderem für Handelsgrenzen („Positionslimits“) für Spekulanten ein. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ferber muss sich auch in den weiteren Verhandlungen für diese Verschärfung des Gesetzes einsetzen“, forderte Markus Henn von Weed.