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Militärseelsorge zweiter Klasse?

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Warum das Pilotprojekt zur islamischen Militärseelsorge dem Bedarf und dem Anspruch religiöser Gleichstellung nicht gerecht wird

(iz). Mit großer Symbolik verkündete die Bundeswehr die Einführung einer islamischen Militärseelsorge. Nach Jahrzehnten des Wartens erhalten muslimische Soldatinnen und Soldaten nun endlich ein seelsorgerisches Angebot.

Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein Fortschritt. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch ein strukturelles Problem. Was als Anerkennung verkauft wird, trägt Züge einer provisorischen Verwaltungslösung, die weder dem religiösen Bedarf muslimischer Soldaten noch dem Anspruch echter Gleichbehandlung gerecht wird.

Es geht dabei nicht um die Frage, ob muslimische Soldaten seelsorgerische Begleitung benötigen. Diese Frage ist längst beantwortet. Natürlich benötigen sie diese. Die eigentliche Frage lautet, warum wird muslimischen Soldaten auch im Jahr 2026 weiterhin nur ein Übergangsmodell angeboten, während für andere Religionsgemeinschaften längst institutionelle Normalität geschaffen wurde?

Militärseelsorge: Zwei Jahrzehnte verspätete Anerkennung

Muslime dienen nicht erst seit gestern in der Bundeswehr. Bereits seit den 2000er Jahren ist bekannt, dass tausende Muslime Teil der deutschen Streitkräfte sind. Schon während der Auslandseinsätze in Afghanistan wurde deutlich, dass muslimische Soldaten mit spezifischen religiösen und ethischen Fragen konfrontiert werden.

Wie verhält man sich religiös im Auslandseinsatz? Wie verarbeitet man Tod? Wie organisiert man religiöse Trauer? Wie vereinbart man Ramadan mit militärischen Anforderungen? Wie geht man mit Fragen von Schuld, Gewissen und Gewalt um?

Muslimische Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr schilderten immer wieder öffentlich, dass sie während ihrer Einsätze den Tod von Freunden und Kameraden verarbeiten mussten, aber hierfür keinen religiösen Ansprechpartner hatten. Diese Aussagen stehen exemplarisch für ein strukturelles Versagen.

Wenn ein Staat über zwei Jahrzehnte hinweg muslimische Soldaten beschäftigt, ohne ihnen dieselben religiösen Strukturen anzubieten wie anderen Glaubensgruppen, dann handelt es sich nicht um ein organisatorisches Problem. Es ist Ausdruck institutioneller Ungleichbehandlung.

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Foto: Deutscher Bundestag | Marc-Steffen Unger

Das Provisorium statt echter Gleichstellung

Katholische und evangelische Militärseelsorge sind institutionell abgesichert. Die jüdische Militärseelsorge erhielt 2019 einen Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland.

Muslimische Seelsorge erhält hingegen eine öffentliche Ausschreibung, ein Pilotprojekt, eine externe Dienstleistungslösung, keinen Staatsvertrag, keine langfristige institutionelle Verankerung. Allein diese Konstruktion zeigt die Hierarchie.

Christliche und jüdische Seelsorger sind Teil institutioneller Stabilität. Muslime erhalten eine Ausschreibung wie bei einem externen Verwaltungsauftrag.

Religiöse Seelsorge wird hier faktisch behandelt wie ein austauschbarer Dienstleistungsprozess. Das wird weder dem religiösen Charakter der Seelsorge gerecht noch dem Anspruch muslimischer Bürger auf gleichberechtigte Behandlung.

Ein Staat, der religiöse Gleichbehandlung ernst nimmt, darf nicht für manche Religionsgemeinschaften dauerhaft institutionalisierte Strukturen schaffen, während muslimische Gläubige auf befristete Ausschreibungen und provisorische Übergangslösungen verwiesen werden.

Wenn religiöse Rechte tatsächlich universell gelten sollen, dann müssen sie unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit in gleicher Qualität, mit derselben institutionellen Verbindlichkeit und mit derselben Würde gewährleistet werden. Alles andere sendet die Botschaft, dass manche religiösen Bedürfnisse als dauerhaft legitim betrachtet werden, während muslimische Bedürfnisse weiterhin unter Vorbehalt stehen.

Das Argument des fehlenden Ansprechpartners überzeugt nur bedingt

Das Verteidigungsministerium argumentiert seit Jahren, nein seit Jahrzehnten, es gebe keinen zentralen muslimischen Ansprechpartner. Dieses Argument greift zu kurz. Die religiöse Pluralität des Islams in Deutschland ist real. Aber Vielfalt darf nicht als Vorwand genutzt werden, um strukturelle Gleichstellung dauerhaft aufzuschieben.

Der Staat hat in vielen Bereichen gelernt, mit muslimischer Pluralität umzugehen. Islamunterricht. islamische Theologie an Universitäten, Gefängnisseelsorge
Krankenhausseelsorge, Bestattungsfragen.

Warum soll ausgerechnet im Bereich der Bundeswehr plötzlich institutionelle Handlungsunfähigkeit bestehen? Juristen haben bereits darauf hingewiesen, dass ein Staatsvertrag nicht zwingend notwendig wäre. Es fehlt weniger an juristischen Möglichkeiten als an politischem Willen.

Foto: Bundeswehr/Rolf Klatt

Die fragwürdige Zahl von „3.000 muslimischen Soldaten“

Auffällig ist, dass seit Jahren nahezu identische Zahlen kursieren. Mal spricht man von 3.000.
Mal von 4.000. Mal von 6.000. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Zahl 3.000 seit vielen Jahren nahezu unverändert kommuniziert wird. Soziologisch wirft das Fragen auf.

Wie realistisch ist es, dass sich die Zahl muslimischer Soldaten trotz gesellschaftlicher Veränderungen, Migration, Geburtenentwicklung und Rekrutierungsbewegungen über ein Jahrzehnt kaum verändert haben soll? Entweder existiert keine präzise Datenerhebung. Oder man arbeitet bewusst mit konservativen Schätzungen. Beides wäre problematisch. Eine Institution, die religiöse Bedürfnisse ernst nimmt, muss ihre Zielgruppe überhaupt erst einmal seriös kennen.

Seelsorge oder Rekrutierungsstrategie?

Hier beginnt die gesellschaftspolitisch heikelste Frage. Deutschland befindet sich sicherheitspolitisch in einer neuen Phase. Seit der sogenannten Zeitenwende steigen Verteidigungsausgaben massiv. Die Wehrpflicht wurde wieder eingeführt. Die Bundeswehr sucht dringend Personal.

Parallel entsteht plötzlich eine neue Offenheit gegenüber muslimischen Soldaten. Diese zeitliche Parallelität erzeugt einen problematischen Eindruck. Solange muslimische Soldaten in kleinerer Zahl dienten, blieb ihre religiöse Infrastruktur zweitrangig. Nun, da mehr Personal benötigt wird, entdeckt man muslimische Vielfalt als strategische Ressource. Dieser Eindruck muss ernst genommen werden.

Gleichzeitig erleben viele junge Muslime im Alltag Rassismus und/oder Islamfeindlichkeit. Wenn in genau dieser Situation plötzlich religiöse Anerkennung innerhalb der Bundeswehr angeboten wird, entsteht zwangsläufig die Frage, ob es hier um Gleichberechtigung geht oder um bessere Rekrutierung? Ein Staat muss auf diese Frage glaubwürdig antworten.

Seelsorge braucht Vertrauen, nicht Symbolpolitik

Seelsorge funktioniert nur auf Basis von Vertrauen. Vertrauen entsteht nicht durch Ausschreibungen, Pilotprojekte oder durch symbolische Pressemitteilungen. Vertrauen entsteht durch langfristige institutionelle Anerkennung.

Muslimische Soldaten verdienen dieselbe Würde wie ihre christlichen und jüdischen Kameraden. Wenn der Staat muslimische Bürger dazu aufruft, Verantwortung für das Land zu übernehmen, dann muss er auch bereit sein, ihnen dieselben religiösen Rechte einzuräumen. Nicht provisorisch, testweise oder nur unter Vorbehalt, sondern vollwertig. Alles andere bleibt ein Modell zweiter Klasse.

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Seelsorge für Muslime: Es muss mehr getan werden

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Muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger rücken in Deutschland aus der Randzone: Im Strafvollzug bleiben ihre Strukturen oft brüchig, in der Bundeswehr beginnt ihre Arbeit erst. (iz). Zwischen Provisorium und verspätetem Aufbruch […]

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 358): von Militärseelsorge bis zu jungen Muslimen

Afghanistan abzug seelsorge Kurzmeldungen

Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 358) reichen von der fehlenden Militärseelsorge für Muslime, über die UN-Wochen gegen Rassismus bis zum Engagement junger Muslime.

Militärseelsorge für Muslime gefordert

BERLIN (KNA/IZ). Noch immer warten Muslime in der Bundeswehr auf ein eigenes Seelsorgeangebot. Plänen des Verteidigungsministeriums zufolge könnte es dieses Jahr soweit sein. Die Bundeswehrbeauftragte dringt auf eine schnelle Einführung. Eva Högl (SPD) begrüßt Vorhaben des Verteidigungsministeriums, bereits in diesem 2025 ein solches Angebot bei der Bundeswehr einzuführen. „Da die Soldatinnen und Soldaten muslimischen Glaubens schon seit Jahren auf eine eigene Militärseelsorge warten, gilt es, diese guten Absichten schnellstmöglich umzusetzen“, schrieb sie in ihrem neuen Jahresbericht, den sie am 11. März vorlegte. Das fehlende seelsorgerische Betreuungsangebot für die rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten muslimischen Glaubens sei unbefriedigend.

CARE kritisiert Blockade von Gaza-Hilfen

BONN (CARE). Die internationale Hilfsorganisation CARE Deutschland hat vor Beginn der erneuten Angriffe auf Gaza zuvor die Absperrung der Hilfslieferungen für den Gazastreifen durch Tel Aviv kritisiert. „Lastwagen mit Lebensmittelpaketen, medizinischen und anderen Hilfsgütern von CARE, die in den nächsten Wochen eintreffen sollten, erreichen den Gazastreifen nicht. In der Zwischenzeit können wir mit unseren derzeitigen Vorräten an medizinischen Hilfsgütern nur noch einen Monat lang die Versorgung aufrechterhalten, danach werden wir unsere medizinischen Dienste einschränken müssen. Auch die Versorgung unserer Partner vor Ort wird beeinträchtigt, sollte die Hilfe weiterhin ausgesetzt werden.“

Foto: CARE International

Helfer fordern: Nicht mit Entwicklungshilfe spielen

BERLIN. Angesichts der aktuellen politischen Debatten über die Zukunft der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland beobachtet die Hilfsorganisation Help die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU/CSU mit großer Besorgnis. „Sowohl humanitäre Hilfe als auch Entwicklungszusammenarbeit müssen gestärkt werden und dürfen nicht zum Spielball politischer Debatten verkommen“, fordert Help-Generalsekretär Klose-Zuber.

Wilmersdorf Moschee Geschichte deutsch

Die Prinzen von Bophal zum Gebet in der Berliner Moschee (Jahreszahl unbekannt, Bildquelle: Moscheearchiv Wilmersdorfer Moschee)

Jubiläumsfeier für 100 Jahre „Wilmersdorfer Moschee“

BERLIN (KNA/IZ). Die „Wilmersdorfer Moschee“ feierte am 12. März ihren 100. Geburtstag. Dazu stattete Bundespräsident Steinmeier der Moschee zum Fastenbrechen einen Besuch ab. Der Bau gilt als Deutschlands älteste erhaltene Moscheegebäude. Er wurde von 1924 bis 1928 von Karl Alfred Herrmann im „Mogulstil“ errichtet. Die Moschee stand nach eigenen Angaben von Beginn an Muslimen aller Nationen offen und wurde schnell zu einem Ort des interreligiösen Dialogs.

Helfer begrüßt die neuen Syrien-Mittel

BONN (CARE/IZ). Auf der neunten internationalen Syrien-Konferenz in Brüssel haben die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten Finanzhilfen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro für Syrien zugesagt. Erstmals nahmen auch Vertreter der syrischen Übergangsregierung teil. Die Hilfsorganisation CARE begrüßte die angekündigten Mittel zur Unterstützung des Landes in seiner „kritischen Übergangsphase“. Bis heute befindet es sich in einer der schwerwiegendsten humanitären Krisen der Welt. „Ganz besonders kritisch ist die Lage im Gesundheitssektor.“

Über 2.000 religiöse Events gegen Rassismus

DARMSTADT (KNA/IZ). Gemeinsam gegen Rassismus: Mehr als 2.000 religiös geprägte Veranstaltungen fanden bei den UN-Wochen gegen Rassismus statt. Glaubensgemeinschaften rückten die Abschaffung von Diskriminierung in den Mittelpunkt. Die bundesweiten Wochen gegen Rassismus riefen ab 17. März mit rund 5.000 Events wie Diskussionsrunden, Infoständen und Konzerten zum Engagement gegen Diskriminierung und rassistische Gewalt auf. Kirchen und Religionsgemeinschaften beteiligten sich, wie Stiftungsvorstand Jürgen Micksch mitteilte. Den größten Anteil hatten muslimische Gemeinden, die dafür etwa Freitagsgebete teils auch für Gastredner öffnen. 1.900 solcher Events waren es im vergangenen Jahr. Dazu kamen über 150 religiöse Feiern anderer Communitys.

Foto: Freepiks.com

IGMG: Junge Muslime müssen sich engagieren

KÖLN (IGMG/IZ). „Wer nicht sichtbar ist, wird übersehen. Jugendliche mit Migrationsgeschichte sind unterrepräsentiert in der Politik. Die Islamische Gemeinschaft fordert gezielte Maßnahmen und ruft junge Muslime zur Partizipation auf.“ Das geht aus einem Statement von Furkan Kahraman und Zehra Karataş, Vorsitzende der IGMG-Jugendorganisationen, vom 19. März hervor. Anlass für den Text war eine neue Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) „Jung und vielfältig, aber noch nicht politisch beteiligt?“. Beide sprachen davon, dass die Ergebnisse der Befragung „alarmierend“ seien. Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte würden sich viel seltener politisch engagieren als der Bundesdurchschnitt. „Doch wer darin schlicht Desinteresse sieht, macht es sich zu einfach. Die Ursachen liegen nicht bei den Jugendlichen selbst, sondern in den Strukturen, die ihre politische Beteiligung erschweren.“ Der Dienst am Nächsten sei eine Pflicht, so die beiden IGMG-VertreterInnen. „Wer unsichtbar bleibt, überlässt anderen die Entscheidung über seine Zukunft. Es braucht daher eine stärkere muslimische Repräsentation in politischen Ämtern und Gremien.“

IZH scheitert im Eilverfahren gegen Verbot

LEIPZIG (IZ). Am 24. Juli 2024 wurde das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) verboten. An diesem Tag hat das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) unter Leitung von Nancy Faeser das IZH und seine bundesweiten Teilorganisationen verboten. Der Verein und seine Gliederungen haben daraufhin mehrere Rechtsmittel eingelegt. Dazu gehörten drei Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sowie ein dort eingereichter Eilantrag zweier Unterorganisationen. Diese hatten geltend gemacht, sie seien vom IZH unabhängig. Das Gericht wies diese zurück. Die betroffenen Vereine in Berlin und Frankfurt seien gleichermaßen von dem Verbot betroffen.

Bundestagswahl

Foto: Helga P-A., Adobe

Wahlforscher: Ergebnis reflektiert Unsicherheit

LEIPZIG (KNA). Das Ergebnis der Bundestagswahl ist nach Ansicht des Leipziger Demokratie-Forschers Gert Pickel Ausdruck einer Verunsicherung in der Bevölkerung. „Man hat derzeit Krisen an allen Ecken und Enden und da wünschen sich Leute einfache Lösungen, Modernisierungsprozesse werden da in der Regel als bedrohlich angesehen. Diese Dynamik ist sicher auch den Grünen etwas zum Verhängnis geworden“, sagte er nach der Wahl. „Wir hatten einen Wahlkampf, der Migration zum Leitthema gemacht hat.“

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Kurzmeldungen Deutschland (Nr. 350): von Afrikapolitik über Religionsunterricht bis Militärseelsorge

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Die Kurzmeldungen aus Deutschland (Nr. 350) reichen von der Außenpolitik im Sahel, über Religionsunterricht bis zur Militärseelsorge für Muslime. Kritik an deutschen Rüstungsexporten BERLIN (KNA). Die Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung stößt […]

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