,

Schaikh Hamza Yusuf über die Nacht der Macht

Die Nacht der Macht – oder Laitulqadr – ist ein besonderer Augenblick, in dem sich unsere Existenz an einem Punkt verdichtet.

(Zaytuna). Die Gemeinschaft der Muslime ist derzeit zersplittert und es gibt in ihr viel Leid. Möge Allah uns zusammenbringen und die Herzen vereinen. Denn er ist der Einzige, der dazu in der Lage ist. Wir haben uns als unfähig erwiesen.

Ich wurde gebeten, über die Nacht des Schicksals (Lailat Al-Qadr) zu reden, und wollte darin allgemein zum Ramadan sprechen und insbesondere darüber, was dieser Augenblick für diesen Monat meint. Der Vers im Qur’an, aus dem der Begriff stammt, lautet „wir haben ihn ja in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt“ (Al-Qadr, Sure 97, 1), was die Herabkunft der Offenbarung bedeutet.

Nacht der Macht – etwas kommt herab

Das in diesem Qur’anvers verwendete arabische Wort leitet sich davon ab, dass etwas – bspw. der Regen – herabkommt. Ebenso kommt die qur’anische Offenbarung herab, wie es in der Sura Al-Qadr aus dem letzten Sechzigstel des Qur’an erwähnt wird.

Laut den Qur’ankommentatoren kann das Wort, nachdem dieses Kapitel benannt wurde, viele Bedeutungen enthalten. An anderer Stelle wird dieser Moment als ein „gesegneter“ beschrieben.

Einer der Inhalte ist, dass es sich um eine Nacht handelt, in der die Dinge für das kommende Jahr vorgesehen werden. Aus dieser Perspektive ist es eine wichtige Nacht. Denn wir glauben, dass Allah alles vorherbestimmt hat. Dies ist einer der Aspekte, die in unserer Glaubenslehre wurzeln.

Sie enthält sechs essenzielle Punkte, die der Prophet in einem Hadith beschrieb, als Jibril, Friede sei mit ihm, ihn vor seinen Gefährten fragte, was Iman sei. Einer davon war, dass man an das Qadr glaubt bzw. an das, was vermessen ist. Manche verwenden das Wort Schicksal.

Schicksal ohne Falle des Determinismus

Die Herausforderung dabei ist, dass man in das Problem des Determinismus geraten kann. Das ist etwas, woran Muslime nicht glauben, dass die Dinge in dieser Weise so bestimmt sind, ohne an dieser Bestimmung teilzunehmen. 

Mit anderen Worten: Der Mensch hat einen freien Willen. Das ist eines der göttlichen Geheimnisse. Man kann es so betrachten: Es gibt die newtonsche Physik und die Quantenphysik.

Man darf beide nicht auf derselben Bedeutungsebene anwenden. Die von Newton gilt nicht auf der Quantenebene und die Quantenphysik gilt nicht auf der newtonschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieselbe Realität aus unterschiedlichen Dimensionen zu betrachten.

Wir wissen, dass dies eines der Geheimnisse dieser Zivilisation und ihrer Macht ist. Es ist interessant, dass Qadr mit Qudra verwandt ist, was Macht bedeutet. Manchmal wird sie daher als „Nacht der Macht“ übersetzt, weil Messung eines der Mittel ist, durch die Leute gestärkt werden.

Der Mensch und seine Vermessenheit

Die Fähigkeit, Dinge zu vermessen, verleiht den Menschen eine unglaubliche Macht. Und das ist einer der Gründe, warum die westliche Zivilisation davon besessen ist, alles zu messen.

Allah hat Macht über eine jegliche Sache. Und Er misst sämtliche Dinge. Er weiß, wie viele Sandkörner es gibt. Er weiß um alle Atome im Universum. Ein jedes dieser Dinge ist im Wissen Gottes enthalten. Und so kann diese menschliche Fähigkeit des (Ver)Messens, die uns Macht verleiht, niemals in der Gegenwart der göttlichen Fähigkeit bestehen. Sie wird einfach aufgehoben. Sie glauben, sie hätten Kontrolle über die Erde. Und an diesem Punkt sagt Allah: „Unser Befehl kommt.“

Er demonstriert seine Qudra in der tatsächlichen Nacht der Macht. Er zeigt euch, dass Er eine solche erschaffen kann, die in ihrer Belohnung für das, was ihr in ihr tut, tausend Monaten entspricht. Das ist eines der außergewöhnlichen Geschenke, die dieser Umma gegeben wurden. Allah kann die Zeit dehnen. Und Er kann sie verkürzen. In diesem Moment gibt Er uns die Belohnung von eintausend Nächten. Man kann im Laufe eines Lebens umgerechnet tatsächlich bis zu tausend Monate fasten.

prophet sunna

Foto: Archiv

Herabsendung als Ereignis und als Prozess

In dieser Sure sagt Allah, dass er den Qur’an herabgesandt hat. Der Tradition zufolge kam er in einem singulären Event von der gut erhaltenen Tafel herab. Und Jibril brachte ihn von dort. Ab diesem Zeitpunkt wurde er dem Propheten über einen Zeitraum von 23 Jahren stückweise offenbart. Er wurde nicht nur in einem einzigen Ereignis gegeben, sondern das war der Beginn der Offenbarung, so die Überlieferung.

Ich möchte schnell zu einem der wichtigsten Aspekte des Monats zurückkehren: dem Qur’an. Allah sagt, wenn er den Ramadan in ihm erwähnt, dass er „eine Rechtleitung für die Menschen“ ist. Er ist eine Klarstellung dieser Rechtleitung.

Und ist eine Richtschnur für das Unterscheidungsvermögen. Allah gibt etwas, das dazu befähigt, zwischen richtig und falsch, gut und böse, zwischen dem, was fromm und tugendhaft ist, und dem, was es nicht ist, zu unterscheiden. Der Qur’an ist dieses große Geschenk, das der Umma gegeben wurde.

Diese Suren weisen eindeutig klare Strukturen auf, die man nach gründlichem Lesen erkennen kann. Fahreddin Ar-Razi sagt, dass nur wenige Menschen jemals in diese eindringen. Denn der Qur’an verlangt eine Art von tadabbur: „Denken sie nicht tief über diesen Qur’an nach?“

Das meint, etwas bis zum Ende zu durchdringen. Bis zum Abschluss zu gehen. Und das Buch Allahs kann nie durchdrungen werden. Aber hier bedeutet es, profund darin einzutauchen, um aufrichtig zu versuchen, es zu verstehen. Dies ist eines der Dinge, die für die Umma wichtig sind, um ihre Beziehung zum Qur’an wiederherzustellen.

Einer der Punkte, die man immer haben sollte, ist jemanden, der in einer Situation mehr weiß als andere. Deshalb braucht man Gelehrte. Aber gleichzeitig müssen wir aus dieser völligen Abhängigkeit von ihnen herauskommen. Wir selbst sollen uns aktiv mit dem Lernen beschäftigen.

Wenn wir das nicht tun, wird es zu einer passiven Erfahrung, sodass die Menschen nie daran arbeiten, die göttliche Offenbarung zu verstehen. In ihr wird verlangt, dass die Leute darüber nachdenken. Allahs Buch fordert uns auf, sich mit ihm zu beschäftigen.

Bewusst

Foto: as-artmedia, Adobe Stock

Ibn Juzay Al-Kalbi über den Qur’an

Einer der großen Mufassirun unserer Tradition, Ibn Juzay Al-Kalbi, hat eine schöne Zusammenfassung des Qur’ans gegeben. Er sagte, wenn man jemanden fragt, was sein Zweck sei, die Leute mit verschiedenen Dingen aufwarten werden. Er bot eine schöne Definition des Qur’an. Er sagte, dass er die Schöpfung dazu aufruft, den Schöpfer, d.h. Menschen und Dschinn, anzubeten und in seinen Din einzutreten.

Er führt dann aus, dass das zwei zusätzliche Dinge verlangt. Das meint, zu welcher Anbetung wir aufgerufen sind und was die Anreize sind, dies zu tun? Allah sagt: Solltest du das machen, bekommst du eine Belohnung. Oder wer das tut, bekommt das. Und das andere ist der Stock, der sagt: Wenn du das tust, wird das geschehen. Wenn du das nicht machst, wird das passieren. Es ist eine Warnung. So werden die meisten Menschen motiviert.

Imam Al-Ghazali und andere haben gesagt, dass sich die Muslime auf höchster Ebene darüber erheben. Das ist die allerhöchste Stufe von Leuten, die Allah verehren, weil er dieser Anbetung würdig ist.

Dann sagt Ibn Juzay: Wer ins Detail geht, wird feststellen, dass alle Bedeutungen des Qur’an auf sieben zurückgehen. Die erste ist ‘Ilm Al-Rububiyya, das Wissen über unseren Herrn. Die zweite ist Nubuwa, das Wissen über die Propheten und Gesandten. Die dritte ist Ma’ad, was nach dem Tod geschieht. Dann kommen Wa’ad und Wa’id – die Warnungen und Versprechen. Dann die Ankam, die Regeln, die Allah uns gegeben hat. Und die Qasas, die Geschichten, die Allah erzählt hat.

Ein Großteil des Qur’ans besteht aus Berichten über frühere Völker. Die am häufigsten wiederholte Geschichte im Qur’an ist die von Pharao und Moses, weil dies das am meistverbreitete wiederkehrende menschliche Phänomen ist: die Beziehung zwischen dem Unterdrücker und dem Unterdrückten.

Lailatu’l-Qadr – wenn die Engel herabsteigen

Engel Lailatu’l-Qadr

Wer die Lailatu’l-Qadr der Bestimmung in Anbetung verbringt, bekommt eine große Belohnung. In dieser Nacht steigen die Engel herab.

(iz). Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und Bestimmung, ist eines der größten Geschenke Allahs, des Erhabenen, an die Muslime. Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch: „Herabgesandt haben Wir ihn in der Nacht der Macht und Bestimmung. Und du weißt sehr wohl, was die Nacht der Macht und Bestimmung ist. Die Nacht der Macht und Bestimmung ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel herab und der Ruh (Geist) mit der Erlaubnis ihres Herrn und Seinem Befehl. Friede ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ (Sura Al-Qadr)

Zum Anlass der Bekanntmachung der Lailatu’l-Qadr wurde unter anderem das Folgende vom Propheten überliefert: „Jemand berichtete dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm, von einem Mann von den Söhnen Israels, der tausend Monate lang die Nächte im Gebet verbrachte und an den Tagen auf dem Wege Allahs kämpfte. Der Gesandte Allahs, Friede sei mit ihm, war davon sehr beeindruckt und wünschte sich dasselbe für seine Leute. Er sagte: ‘Ya Rabbi, Du hast meine Leute (verglichen mit den Völkern vor ihnen, als die) mit der geringsten Lebensspanne und (daher als die) mit den wenigsten Taten erschaffen,’ worauf Allah ihm die Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und Bestimmung (zu erkennen) gab.“

Foto: Yaqeen Institute

Herabsendung des Qur’an durch die Engel

In dieser Nacht sandte Allah den Qur’an herab, und in ihr werden die Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Allah sagt im Qur’an: „Wir sandten ihn herab in der Nacht der Macht und Bestimmung“ und „Wir sandten ihn herab in einer Nacht, in der alle entscheidenden Dinge festgelegt werden.“

Über die Herabsendung des Qur’an finden wir in den Erläuterungen zum Qur’an (Tafsir) folgende Überlieferungen: „Allah sandte den Qur’an in dieser Nacht von der Wohlbewahrten Tafel zum uns nächsten Himmel herab. Der Engel Dschibril (Gabriel), Friede sei mit ihm, diktierte den Qur’an den Engeln des uns am nächsten gelegenen Himmels, die ihn dann auf Seiten aufschrieben. Diese Seiten wurden an einem Ort mit dem Namen Baitu’l-Izza, das Haus der Würde, aufbewahrt und von dort aus überbrachte Dschibril, Friede sei mit ihm, den Qur’an zu verschiedenen Anlässen und Begebenheiten dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm.“

Der Vorgang der Offenbarung geschah in einem Zeitraum von etwa 20 bis 23 Jahren in unsere Welt. Der Qur’an wurde somit sowohl als Ganzes, als auch Stück für Stück offenbart.

Der große Wert der Lailatu’l-Qadr

Wer die Nacht der Bestimmung in der Anbetung Allahs verbringt, bekommt eine Belohnung, als ob er tausend Monate (in denen diese Nacht nicht enthalten ist) durchgehend in der Anbetung Allahs (‘Ibada) verbracht hätte. Wer diese Nacht, in Erwartung der großen Belohnung, die in ihr für alle guten Taten liegt, mit Erinnerung an Allah (Dhikr) und Anbetung verbringt, dem werden seine Fehler und falschen Taten vergeben.

Die Nacht der Bestimmung ist ein besondere Eigenschaft der Muslime. Keinem anderen Volk, keiner anderen Gemeinde hat Allah vorher dieses Wissen gegeben. Er hat jedoch die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr vor den Menschen verborgen, damit viele der Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden. Allah hat auch anderswo gewisse Dinge und Zeiten in anderen verborgen, um die Menschen zu Mehr und Besserem anzuregen. Dazu gehören z.B. folgende Dinge und Zeiten:

• Die Lailatu’l-Qadr im Ramadan, damit viele der Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden.

• Die genaue Zeit am Tag des Freitagsgebetes (Dschumu’a), zu der von Allah die Bittgebete (Du’a) erhört werden, damit man während des gesamten Tages Du’a macht.

• Das Mittlere Gebet (Salaatu’l-Wusta) unter den anderen, damit man alle gleich schätzt und alle einrichtet.

• Seinen Höchsten Namen verbarg Allah unter Seinen anderen Namen, damit die Menschen Ihn bei allen Seinen Namen anrufen.

• Den größten Wali (Freund Allahs), den Qutb, den Pol der Schöpfung, unter den Gläubigen, den Muminun, damit man alle respektiert und über alle gut denkt und spricht.

• Die Stunde, zu der das Ende dieser Welt und allem, was auf ihr ist, kommen wird, damit sich die Menschen immer an sie erinnern und sich davor in Acht nehmen.

• Die Zeit des Todes einer Person in seiner Lebensspanne, damit sie immer darauf vorbereitet ist.

Tarawih Nachtgebet Islam

Foto: Wikipedia.org

Der genaue Augenblick ist unbekannt

Selbst wenn man die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr nicht erkennt, bekommt man doch von der unermesslichen Belohnung, die in ihr liegt, durch die Absicht und die Suche nach ihr. Wer in der Lailatu’l-Qadr das Nachtgebet (‘Ischa) in der Moschee mit der Gemeinschaft verrichtet, bekommt seinen Anteil an der Lailatu’l-Qadr. Diese Nacht ist am wahrscheinlichsten innerhalb der letzten zehn ungeraden Nächten des Ramadan zu finden.

Die Zeichen der Lailatu’l-Qadr sind unter anderem, dass in dieser Nacht der Himmel sehr klar ist; es ist eine relativ milde Nacht, nicht zu heiß, nicht zu kalt; es ist eine ruhige Nacht, das Bellen von Hunden und das Rufen der Esel ist in dieser Nacht weniger; Salzwasser wird etwas süßer; man kann beobachten, wie die verschiedenen Geschöpfe Allahs sich auf ihre Art und Weise vor Allah niederwerfen; man hört, als ob es menschliche Worte wären, wie jedes Ding sich an an Allah erinnert, und am Sonnenaufgang ist der Tag besonders hell und rein. Nacht der Bestimmung

Die Engel steigen herab

In der Sura Al-Qadr sagt Allah: „Die Engel steigen herab und der Ruh mit der Erlaubnis ihres Herrn, und mit Seinem Befehl.“ In dieser Nacht werden die Geschicke aller Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Das heißt, dass alle an der Ausführung beauftragten Engel in dieser Nacht über ihre Aufgaben für das kommende Jahr unterrichtet werden – das sind Dinge wie beispielsweise die Verpflegung und Versorgung des Menschen, die Zeiten des Todes und alles, was das nächste Jahr bringen wird. Diese Bestimmung wird den sogenannten „Verwaltern“, den vier großen Engeln Dschibril, Mikail, Israfil und Azrail, Friede sei mit ihnen, zur Ausführung übergeben.

Foto: Pixabay | Lizenz: CC0 Public Domain

Die Engel steigen herab In der Lailatu’l-Qadr kommen die Engel, die sich sonst am Lotusbaum (Sidratu’l-Muntaha) an der Grenze der erschaffenen Dinge aufhalten, auf die Erde. Dschibril, Friede sei mit ihm, kommt auf die Erde herab und bringt vier Banner mit sich.

Eines stellt er am Grab des Propheten auf, eins am Baitu’l-Maqdis, der Moschee in Al-Quds (Jerusalem), eins am Masdschidu’l-Haram, der Moschee um die Ka’aba, und eins am Berg Sinai. Er geht in dieser Nacht in jedes Haus, in dem ein Gläubiger oder eine Gläubige wohnt und begrüßt sie und sagt: „Oh Gläubiger/Oh Gläubige, der Friede, As-Salam, grüßt euch mit Frieden, Salam.“

Er macht dabei keine Ausnahme ob rechtschaffen oder nicht; nur drei Gruppen besucht und grüßt er nicht: Alkoholiker, Leute die Schweinefleisch essen, und Leute, die die Familienbande brechen.

Der Geist

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, was der Geist, der Ruh, sei, der hier gemeint ist. Es gibt die Ansicht, dass damit Dschibril, Friede sei mit ihm, gemeint ist, und es gibt eine Ansicht, die sagt, dass dieser Ruh, der in der Lailatu’l-Qadr auf die Erde herab kommt, ein Engel ganz besonderer Art ist. Dieser Engel befindet sich direkt unter dem Thron Allahs und ist von gewaltiger Größe.

Er preist Allahs Majestät jeden Morgen und jeden Abend. Er hat tausend Köpfe, in jedem Kopf hat er tausend Gesichter, in jedem Gesicht tausend Münder, und in jedem Mund tausend Zungen, und jede Zunge preist und lobt Allah auf tausend verschiedene Arten und jede seiner Zungen spricht eine andere Sprache als die anderen.

Wenn dieser Engel seine Münder öffnet, um Allah zu loben, werfen sich alle Engel in den sieben Himmeln in Sadschda nieder – aus Furcht, die Intensität des Lichtes, das aus seinen Mündern kommt, würde sie auslöschen. In der Nacht der Bestimmung kommt er wegen der besonderen Bedeutung dieses Augenblicks auf die Erde. Er bittet Allah mit allen seinen Mündern bis zum Anbruch der Morgendämmerung um Vergebung für jeden Mann und jede Frau aus der Gemeinde Muhammads, Friede sei mit ihm, die das Fasten einhalten.

Europeas Muslime und der Ramadan: Fragen an den Lehrer und Imam Dr. Asadullah Yate

(iz). Auch wenn der Islam im Internet und in den herkömmlichen Medien präsent ist, scheint es mehr als sinnvoll zu sein, dessen spirituellen Aspekte über die polemisch debattierten Aspekte zu betonen. Ohne Frage haben die so genannten „Fünf Säulen“ Vorrang vor sekundären Fragen.

Wir sprachen daher mit dem muslimischen Lehrer, Imam und Übersetzer Dr. Asadullah Yate über verschiedene, wichtige Aspekte des Fastenmonats Ramadan.

Islamische Zeitung: Wir Muslime sagen immer, dass der Ramadan die besten Zeit des Jahres sei. Wir freuen uns auf sie und sind traurig, wenn sie vorüber ist. Für einen nicht-muslimischen Außenseiter mag es seltsam erscheinen, eine gute Zeit zu haben, wenn man weder essen oder trinken kann beziehungsweise sich der anderen erlaubten Dinge des Lebens erfreuen darf. Wie kann dies eine wunderbare Zeit sein?

Dr. Asadullah Yate: Es handelt sich um eine Zeit des Wandels und der Ausnahme. Vor allem und zuerst handelt es sich beim Ramadan um eine erschütternde Phase. Der Fastenmonat verändert das normale Verhaltensmuster des Lebens, was wiederum eine Veränderung im reglementierten Alltag von Essen und Schlafen nach sich zieht.

Die Unterbrechung unserer Routine erweckt die spirituelle Seite des Herzens. Das Herz erwacht, weil wir weniger essen und schlafen. Dies führt natürlicherweise zur Belebung der anderen Wirklichkeit des menschlichen Selbst [der Nafs] und des Herzens. Aus diesem Grund wird man spiritueller. Das Wort „Tarawih“ [der Name des besonderen Gebets, dass in der Nacht verrichtet wird] bedeutet wörtlich „spirituell werden“. Die Bedeutung des Tarawih leitet sich von „Ruh“ [Geist] ab.

Aus diesem Grund ist der Ramadan die Zeit der besonderen Zustände und der Freude.

Islamische Zeitung: Sicherlich kennen die meisten Muslime die relevanten Verse des Qur’an im Zusammenhang mit dem Ramadan. Könnten sie uns kurz einen Überblick verschaffen?

Dr. Asadullah Yate: In der Sure Al-Baqara [Vers 183 ff.] sagt Allah, dass das Fasten uns in dem gleichen Maße vorgeschrieben wurde, wie für jene Völker, die vor uns kamen. In anderen Worten: Das Fasten ist seit den Tagen Adams immer ein Teil der menschlichen Realität gewesen. Es ist keine Praxis, die nur auf die Muslime beschränkt ist.

Und Allah sagt in einem Vers, dass es uns vorgeschrieben sei, dass wir im Monat Ramadan fasten müssen. Es gibt natürlich Ausnahme für jene, die reisen oder krank sind. Jene Gruppen müssen in diesen Zuständen nicht reisen und die ausgelassenen Tage später nachholen.

An zwei Stellen dieser qur’anischen Verse erwähnt Er auch Regeln, die aufgehoben wurden. Diese betreffen jene historische Phase, in der die Muslime entscheiden konnten, ob sie fasten oder nicht. Wenn sie dies nicht taten, mussten sie eine Fidja bezahlen. Aber Allah hat mit jenen Versen in der Sure Al-Baqara nun diese Möglichkeit aufgehoben und uns gesagt, dass wir fasten müssen, wenn wir ansässig sind. Mit anderen Worten, wenn wir weder reisen oder krank sind.

An einer anderen Stelle dieser Gruppe qur’anischer Verse erlaubt Allah, dass die Muslime nun Geschlechtsverkehr während der gesamten Nacht haben können. Denn zu Beginn des Islam war es ihnen nur erlaubt, sich ihren Eheleuten bis zur Zeit des Nachtgebets zu nähern. Und so finden wir in Zusammenhang mit dem Ramadan zwei Gelegenheiten, bei denen eine frühere Praxis des Islam durch eine spätere aufgehoben wurde.

Islamische Zeitung: Ich habe von verschiedenen Phasen des Ramadans gehört und jede einzelne soll für ein bestimmtes Element des Fastenmonats stehen. Könnten sie uns diese kurz beschreiben?

Dr. Asadullah Yate: Der Gesandte Allahs sagte, dass der erste Teil des Ramadans, die ersten zehn Tage, Gnade oder Rahma ist. Der zweite Teil, seine Mitte – die Maghfira – ist die Vergebung, in der dem Diener Allahs alle falschen Handlungen verziehen werden. Und der dritte Teil ist die Freiheit, der Schutz vor dem [Höllen]Feuer.

Wir wissen von einer anderen prophetischen Überlieferung, dass jemandem, der den Ramadan „Imaman“ (mit vollem Vertrauen auf Allah) und „Ihtisaban“ (voll bewusst) fastet, seine Zunge hütet und sich offensichtlich von allen Dingen fern hält, die es zu vermeiden gilt, die falschen Handlungen vergeben werden. Man ist dann am Feiertag zum Ende des Ramadans wie ein neugeborener Säugling.

Islamische Zeitung: Für die Muslime ist die „Nacht der Macht“ (Lailatul Qadr) der Höhepunkt des Fastenmonats. Warum ist dies eine besondere Zeit und was bedeutet sie für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Diese Nacht ist der enorme Augenblick, in dem Allah der Qur’an auf einmal herab sandte. Wir wissen natürlich, dass der Qur’an in einer langjährigen Periode offenbart wurden, wenn der Prophet Rechtleitung benötigte, um zu wissen, was er in einer bestimmten Lage zu tun hatte. Aber er wurde auch in einem Durchgang herab gesandt – in dieser Nacht der Macht (Qadr). Die Nacht ist eine Offenbarung der Macht Allahs.

Qadr bedeutet aber Maß oder Bestimmung. Es ist die Nacht, in der Allah die Ereignisse des kommenden Jahres bestimmt. Der Prophet hat uns angewiesen, nach ihr in den letzten zehn Tagen des Ramadans Ausschau zu halten. Dann hatte er diese Anweisung weiter eingegrenzt und gesagt, wir sollten nach ihr in den ungeraden Nächten suchen. Und schließlich gab der Gesandte Allahs eine noch genauerer Bestimmung, als er sagte, dass es sich dabei um die 27. Nacht handelt.

Wir haben unterschiedliche Überlieferungen, von denen keine absolut bestimmend ist. Der Gesandte Allahs wies uns an, wir sollten nach dieser Nacht „suchen“. Manche sind der Ansicht, dass sich die Nacht der Macht während des gesamten Ramadans finden lasse. Aber die wahrscheinlichsten Hinweise finden sich bezüglich der letzten zehn Tage des Ramadans und bezüglich des 27. Ramadan.

Die Lailatul Qadr ist die Nacht, in der wir daran erinnert werden, dass der Qur’an offenbart wurde. Wir wissen von einer anderen Überlieferung, dass es die Nacht der Stille ist. Dabei handelt es sich um einen Augenblick, in welcher die Belohnung von Allah endlos vergrößert wird. Für jedes Gebet während dieser Nacht, im Tarawih oder danach, gibt es eine besondere Belohnung.

Der Prophet hatte es uns ebenfalls empfohlen, in den letzten zehn Tagen des Ramadans I’tikaaf zu machen. Das heißt, sich in die Moschee zurückzuziehen und von der auswärtigen Welt abschneiden.

Islamische Zeitung: Nur wenige Tag nach der Lailatul Qadr kommt das Fest des ‚Id, welches das Ende des Ramadans markiert. Was ist die soziale Bedeutung des ‚Ids für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Natürlich ist der ‚Id eine Zeit der enormen Freude, in der die Enthaltsamkeit plötzlich in eine Feier verwandelt wird, zu der alle zusammenkommen. Der Gesandte Allahs sagte, dass es zwei Freuden für den Fastenden gibt. Zum einen, wenn er am Ende des Tages sein Fasten bricht und zum anderen, wenn er seinem Herrn begegnet.

Die Muslime fasten für Allah und Allahs sagte in einem Hadith Qudsi: „Das Fasten ist für mich.“ Es ist also eine spezielle Form der Anbetung, die Allah für Sich beansprucht. Und Er sagt weiter: „Ich werde die Belohnung dafür geben.“

Das Fasten kann nicht von außen beobachtet werden. Nur der Fastende selbst und Allah wissen davon und so gibt es keine Grundlage für Rija – für das Angeben. Was am ‚Id geschieht ist die Umkehrung der gesamten Sache nach außen. Die Freude wird in den Menschen sichtbar und sie kommen zusammen. Normalerweise wird das besondere Feiertagsgebet in einer Musalla, einem Ort außerhalb der Stadt, verrichtet, in der alle Platz finden. Der ‚Id ist ein Augenblick der Vereinigung nach dieser Zeit der Enthaltsamkeit.

Islamische Zeitung: Sie haben umfangreich die muslimische Welt bereist. Was ist der Unterschied zwischen den Muslimen Europas auf der einen Seite und denen im Nahen Osten, wie sie den Ramadan praktizieren?

Dr. Asadullah Yate: Offenkundig fastet nur ein Teil der Bevölkerung in Europa. Und so findet sich hier eine andere Atmosphäre, wenn man die Geschäfte und Straßen betritt und die Mehrheit der Menschen nicht fastet. Dies hat eine Auswirkung auf den persönlichen Zustand. Man ist sich offenkundig bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten.

In der traditionell muslimischen Welt geschieht der Ramadan jedoch als gemeinschaftliches Ereignis. Und so wird wegen der Macht des Fastens der Ruhani-Aspekt der Menschen geweckt und sie dadurch gestärkt. Dadurch wird der Din des Islam belebt und mit ihm die Menschen.

Wir wissen vom Propheten, dass die Teufel während des Ramadans in Ketten gelegt sind und die besten Eigenschaften der Menschen zu Tage treten. Dies ist in Europa nicht immer der Fall, denn wir werden uns des Unterschieds zwischen Fastenden und Nichtfastenden bewusst. Allerdings gibt uns dies natürlich die Möglichkeit, jenen Menschen, die keine Muslime sind, das große Geschenk des Ramadans zu erklären. Wir können sie zum Fastenbrechen einladen und mit ihnen das Licht teilen, dass Allah uns gegeben hat.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch.

, ,

Was ist die Nacht der Macht?

nacht der macht ramadan monat islam

Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und ­Bestimmung, ist eines der größten Geschenke Allahs, des Erhabenen, an die Muslime.

(iz). Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch: „Herabgesandt haben Wir ihn in der Nacht der Macht und Bestimmung. Und du weißt sehr wohl, was die Nacht der Macht und Bestimmung ist. Die Nacht der Macht und Bestimmung ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel herab und der Ruh (Geist) mit der Erlaubnis ihres Herrn und Seinem Befehl. Friede ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ (Sura Al-Qadr)

Zum Anlass der Bekanntmachung der Laila­tu’l-Qadr wurde unter anderem das Folgende vom Propheten überliefert:

„Jemand berichtete dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm, von einem Mann von den Söhnen Israels, der tausend Monate lang die Nächte im Gebet verbrachte und an den Tagen auf dem Wege Allahs kämpfte. Der Gesandte ­Allahs, Friede sei mit ihm, war davon sehr beeindruckt und wünschte sich dasselbe für seine Leute. Er sagte: ‘Oh mein Herr, Du hast meine Leute (verglichen mit den Völkern vor ihnen, als die) mit der geringsten Lebensspanne und (daher als die) mit den wenigsten Taten erschaffen’, worauf Allah ihm die Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und Bestimmung (zu erkennen) gab.“

Foto: Max Pexels

In dieser Nacht sandte Allah den Qur’an herab, und in ihr werden die Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Allah sagt im Qur’an: „Wir sandten ihn herab in der Nacht der Macht und Bestimmung“ und „Wir sandten ihn herab in einer Nacht, in der alle entscheidenden Dinge festgelegt werden.“

Über die Herabsendung des Qur’an finden wir in den Erläuterungen zum Qur’an (Tafsir) folgende Überlieferungen: „Allah sandte den Qur’an in dieser Nacht von der Wohlbewahrten Tafel zum uns nächsten Himmel herab. Der Engel Dschibril (Gabriel), Friede sei mit ihm, diktierte den Qur’an den Engeln des uns am nächsten gelegenen Himmels, die ihn dann auf Seiten aufschrieben. Diese Seiten wurden an einem Ort mit dem Namen Baitu’l-Izza, das Haus der Würde, aufbewahrt und von dort aus überbrachte Dschibril, Friede sei mit ihm, den Qur’an zu verschiedenen Anlässen und Begebenheiten dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm.“

Der Vorgang der Offenbarung geschah in einem Zeitraum von etwa 20 bis 23 Jahren in unsere Welt. Der Qur’an wurde somit sowohl als Ganzes, als auch Stück für Stück offenbart.

Der große Wert der Lailatu’l-Qadr

Wer die Nacht der Bestimmung in der Anbetung Allahs verbringt, bekommt eine Belohnung, als ob er tausend Monate (in denen diese Nacht nicht enthalten ist) durchgehend in der Anbetung Allahs (‘Ibada) verbracht hätte. Wer diese Nacht – in Erwartung der großen Belohnung, die in ihr für alle guten Taten liegt – mit Erinnerung an Allah (Dhikr) und Anbetung verbringt, dem werden seine Fehler und falschen Taten vergeben.

Die Nacht der Bestimmung ist eine besondere Eigenschaft der Muslime. Keinem anderen Volk, keiner anderen Gemeinde hat Allah vorher dieses Wissen gegeben. Er hat jedoch die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr vor den Menschen verborgen, damit viele die Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden.

Allah hat auch anderswo gewisse Dinge und Zeiten in anderem ­ver­borgen, um die Menschen zu Mehr und Besserem anzuregen. Dazu gehören zum Beispiel folgende Dinge und Zeiten:

Die Lailatu’l-Qadr im Ramadan, damit viele der Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden. Die genaue Zeit am Tag des Freitagsgebetes (Dschumu’a), zu der von Allah die Bittge­bete (Du’a) erhört werden, damit man während des gesamten Tages Du’a macht.

Das Mittlere Gebet (Salaatu’l-Wusta) unter den anderen, damit man alle gleich schätzt und alle einrichtet. Seinen Höchsten Namen verbarg Allah unter Seinen anderen Namen, damit die Menschen Ihn bei allen Seinen Namen anrufen.

Den größten Wali (Freund Allahs), den Qutb, den Pol der Schöpfung, unter den Gläubigen, den Muminun, damit man alle respektiert und über alle gut denkt und spricht.

Die Stunde, zu der das Ende dieser Welt und allem, was auf ihr ist, kommen wird, damit sich die Menschen immer an sie erinnern und sich davor in Acht nehmen.

Die Zeit des Todes einer Person in seiner Lebensspanne, damit sie immer darauf vorbereitet ist. Selbst wenn man die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr nicht erkennt, bekommt man doch von der unermesslichen Belohnung, die in ihr liegt, durch die Absicht und die Suche nach ihr.

tahadschud

Foto: Meeko Media, Shutterstock

Wer in der Lailatu’l-Qadr das Nachtgebet in der Moschee mit der Gemeinschaft verrichtet, bekommt seinen Anteil an ihr. Diese Nacht ist am wahrscheinlichsten innerhalb der letzten zehn ungeraden Nächte des Ramadan zu finden.

Was sind ihre Zeichen?

Die Zeichen der Lailatu’l-Qadr sind unter anderem, dass in dieser Nacht der Himmel sehr klar ist; es ist eine relativ milde Nacht, nicht zu heiß, nicht zu kalt; es ist eine ruhige Nacht, das Bellen von Hunden und das Rufen der Esel ist in dieser Nacht weniger; Salzwasser wird etwas süßer; man kann beobachten, wie die verschiedenen Geschöpfe Allahs sich auf ihre Art und Weise vor Allah niederwerfen; man hört, als ob es menschliche Worte wären, wie jedes Ding sich an ­Allah erinnert, und am Sonnenaufgang ist der Tag besonders hell und rein.

Nacht der Bestimmung: In der Sura Al-Qadr sagt Allah: „Die Engel steigen herab und der Ruh mit der Erlaubnis ihres Herrn, und mit Seinem Befehl.“

In dieser Nacht werden die Geschicke aller Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Das heißt, dass alle an der Ausführung beauftragten Engel in dieser Nacht über ihre Aufgaben für das kommende Jahr unterrichtet werden – das sind Dinge, wie beispielsweise die Verpflegung und Versorgung des Menschen, die Zeiten des Todes und ­alles, was das nächste Jahr bringen wird.

Diese Bestimmung wird den so genannten „Verwaltern“, den vier großen Engeln Jibril, Mikail, Israfil und Azrail, Friede sei mit ihnen, zur Ausführung übergeben.

In jener Nacht kommen die Engel, die sich sonst am Lotusbaum (Sidratu’l-Muntaha) an der Grenze der erschaffenen Dinge ­aufhalten, auf die Erde. Dschibril, Friede sei mit ihm, kommt auf die Erde herab und bringt vier Banner mit sich. Eines stellt er am Grab des Propheten auf, eins am Baitu’l-Maqdis, der Moschee in Al-Quds (Jerusalem), eins am Masdschidu’l-Haram, der Moschee um die Ka’aba, und eins am Berg Sinai.

Palästinensische „Musaharatis“ schlagen Trommeln, während sie am ersten Abend des Ramadan ihre Runde drehen. (Shutterstock)

Er geht in dieser Nacht in jedes Haus, in dem ein Gläubiger oder eine Gläubige wohnt und begrüßt sie und sagt: „Oh Gläubiger/Oh Gläubige, der Friede, As-Salam, grüßt euch mit Frieden, Salam.“

Jibril, Friede sei mit ihm, macht dabei keine Ausnahme, ob rechtschaffen oder nicht; nur drei Gruppen besucht und grüßt er nicht: Alkoholiker, Leute die Schweinefleisch essen, und Leute, die die Familienbande brechen.

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, was der Geist, der Ruh, sei, der hier gemeint ist. Es gibt die Ansicht, dass damit Jibril, Friede sei mit ihm, gemeint ist, und es gibt eine Ansicht, die sagt, dass dieser Geist, der in der Lailatu’l-Qadr auf die Erde herab kommt, ein Engel ganz besonderer Art ist. Dieser Engel befindet sich direkt unter dem Thron Allahs und ist von gewaltiger Größe.

Er preist Allahs Majestät jeden Morgen und jeden Abend. Er hat tausend Köpfe, in jedem Kopf hat er tausend Gesichter, in jedem Gesicht tausend Münder, und in jedem Mund tausend Zungen, und jede Zunge preist und lobt Allah auf tausend verschiedene Arten und jede seiner Zungen spricht eine andere Sprache als die anderen.

Wenn dieser Engel seine Münder öffnet, um Allah zu loben, werfen sich alle Engel in den sieben Himmeln nieder – aus Furcht, die Intensität des Lichtes, das aus seinen Mündern kommt, würde sie auslöschen. In der Nacht der Bestimmung kommt er wegen der besonderen Bedeutung dieses Augenblicks auf die Erde.

Er bittet Allah mit allen seinen Mündern bis zum Anbruch der Morgendämmerung um Vergebung für jeden Mann und jede Frau aus der Gemeinde Muhammads, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die das Fasten einhalten.

, ,

Europas Muslime und der Ramadan: Fragen an einen Imam und Übersetzer

gesellschaft ramadan mazedonien gebet ramadan

Europas Muslime und der Ramadan: Der britische Imam Dr. Asadullah Yate zur Frage, wie der Fastenmonat hier ausgeprägt ist.

(iz). Obwohl wir täglich in sämtlichen Medien mit „dem Islam“ konfrontiert werden, stoßen nur die wenigsten bis zu dessen spirituellem Kern vor. Dabei bietet auch der diesjähriger Ramadan nicht nur eine erneute Möglichkeit zur Begegnung mit Muslimen, sondern auch, etwas über den zeitlosen Gehalt ihrer religiösen Lebensweise zu erfahren.

Aus diesem Anlass befragten wir den Lehrer, Imam und Übersetzer Dr. Asadullah Yate über die verschiedenen wichtigen Aspekte des Fastenmonats.

„Zeit des Wandels und der Ausnahme“

Islamische Zeitung: Wir Muslime sagen immer, dass der Ramadan die besten Zeit des Jahres sei. Wir freuen uns auf sie und sind traurig, wenn sie vorüber ist. Für einen nichtmuslimischen Außenseiter mag es seltsam erscheinen, eine gute Zeit zu haben, wenn man weder essen oder trinken kann beziehungsweise sich der anderen erlaubten Dinge des Lebens erfreuen darf. Wie kann dies eine wunderbare Zeit sein?

Dr. Asadullah Yate: Es handelt sich um eine Zeit des Wandels und der Ausnahme. Vor allem und zuerst handelt es sich beim Ramadan um eine erschütternde Phase. Der Fastenmonat verändert das normale Verhaltensmuster des Lebens, was wiederum eine Veränderung im reglementierten Alltag von Essen und Schlafen nach sich zieht.

Die Unterbrechung unserer Routine erweckt die spirituelle Seite des Herzens. Das Herz erwacht, weil wir weniger essen und schlafen. Dies führt natürlicherweise zur Belebung der anderen Wirklichkeit des menschlichen Selbst [der Nafs] und des Herzens. Aus diesem Grund wird man spiritueller. Das Wort „Tarawwih“ [der Name des besonderen Gebets, dass in der Nacht verrichtet wird] bedeutet wörtlich „spirituell werden“. Die Bedeutung des Tarawwih leitet sich von „Ruh“ [Geist] ab.

Aus diesem Grund ist der Ramadan die Zeit der besonderen Zustände und der Freude.

„Seit den Tagen Adams“

Islamische Zeitung: Sicherlich kennen die meisten Muslime die relevanten Verse des Qur’an im Zusammenhang mit dem Ramadan. Könnten sie uns kurz einen Überblick verschaffen?

Dr. Asadullah Yate: In der Sure Al-Baqara [Vers 183 ff.] sagt Allah, dass das Fasten uns in dem gleichen Maße vorgeschrieben wurde, wie für jene Völker, die vor uns kamen. In anderen Worten: Das Fasten ist seit den Tagen Adams immer ein Teil der menschlichen Realität gewesen. Es ist keine Praxis, die nur auf die Muslime beschränkt ist.

Und Allah sagt in einem Vers, dass es uns vorgeschrieben sei, dass wir im Monat Ramadan fasten müssen. Es gibt natürlich Ausnahme für jene, die reisen oder krank sind. Jene Gruppen müssen in diesen Zuständen nicht reisen und die ausgelassenen Tage später nachholen.

An zwei Stellen dieser qur’anischen Verse erwähnt Er auch Regeln, die aufgehoben wurden. Diese betreffen jene historische Phase, in der die Muslime entscheiden konnten, ob sie fasten oder nicht. Wenn sie dies nicht taten, mussten sie eine Fiyja bezahlen.

Aber Allah hat mit jenen Versen in der Sure Al-Baqara nun diese Möglichkeit aufgehoben und uns gesagt, dass wir fasten müssen, wenn wir ansässig sind. Mit anderen Worten, wenn wir weder reisen oder krank sind.

An einer anderen Stelle dieser Gruppe qur’anischer Verse erlaubt Allah, dass die Muslime nun Geschlechtsverkehr während der gesamten Nacht haben können. Denn zu Beginn des Islam war es ihnen nur erlaubt, sich ihren Eheleuten bis zur Zeit des Nachtgebets zu nähern. Und so finden wir in Zusammenhang mit dem Ramadan zwei Gelegenheiten, bei denen eine frühere Praxis des Islam durch eine spätere aufgehoben wurde.

Palästinensische „Musaharatis“ schlagen Trommeln, während sie am ersten Abend des Ramadan ihre Runde drehen. (Shutterstock)

Islamische Zeitung: Ich habe von verschiedenen Phasen des Ramadans gehört und jede einzelne soll für ein bestimmtes Element des Fastenmonats stehen. Könnten sie uns diese kurz beschreiben?

Dr. Asadullah Yate: Der Gesandte Allahs sagte, dass der erste Teil des Ramadans, die ersten zehn Tage, Gnade oder Rahma ist. Der zweite Teil, seine Mitte – die Maghfira – ist die Vergebung, in der dem Diener Allahs alle falschen Handlungen verziehen werden. Und der dritte Teil ist die Freiheit, der Schutz vor dem [Höllen]Feuer.

Wir wissen von einer anderen prophetischen Überlieferung, dass jemandem, der den Ramadan „Imaman“ (mit vollem Vertrauen auf Allah) und „Ihtisaban“ (voll bewusst) fastet, seine Zunge hütet und sich offensichtlich von allen Dingen fern hält, die es zu vermeiden gilt, die falschen Handlungen vergeben werden. Man ist dann am Feiertag zum Ende des Ramadans wie ein neugeborener Säugling.

Die Nacht der Macht

Islamische Zeitung: Für die Muslime ist die „Nacht der Macht“ (Lailatul Qadr) der Höhepunkt des Fastenmonats. Warum ist dies eine besondere Zeit und was bedeutet sie für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Diese Nacht ist der enorme Augenblick, in dem Allah der Qur’an auf einmal herab sandte. Wir wissen natürlich, dass der Qur’an in einer langjährigen Periode offenbart wurden, wenn der Prophet Rechtleitung benötigte, um zu wissen, was er in einer bestimmten Lage zu tun hatte. Aber er wurde auch in einem Durchgang herab gesandt – in dieser Nacht der Macht (Qadr). Die Nacht ist eine Offenbarung der Macht Allahs.

Qadr bedeutet aber Maß oder Bestimmung. Es ist die Nacht, in der Allah die Ereignisse des kommenden Jahres bestimmt. Der Prophet hat uns angewiesen, nach ihr in den letzten zehn Tagen des Ramadans Ausschau zu halten.

Dann hatte er diese Anweisung weiter eingegrenzt und gesagt, wir sollten nach ihr in den ungeraden Nächten suchen. Und schließlich gab der Gesandte Allahs eine noch genauerer Bestimmung, als er sagte, dass es sich dabei um die 27. Nacht handelt.

Wir haben unterschiedliche Überlieferungen, von denen keine absolut bestimmend ist. Der Gesandte Allahs wies uns an, wir sollten nach dieser Nacht „suchen“. Manche sind der Ansicht, dass sich die Nacht der Macht während des gesamten Ramadans finden lasse. Aber die wahrscheinlichsten Hinweise finden sich bezüglich der letzten zehn Tage des Ramadans und bezüglich des 27. Ramadan.

Foto: puijslab, Shutterstock

Die Lailatul Qadr ist die Nacht, in der wir daran erinnert werden, dass der Qur’an offenbart wurde. Wir wissen von einer anderen Überlieferung, dass es die Nacht der Stille ist. Dabei handelt es sich um einen Augenblick, in welcher die Belohnung von Allah endlos vergrößert wird. Für jedes Gebet während dieser Nacht, im Tarawih oder danach, gibt es eine besondere Belohnung.

Der Prophet hatte es uns ebenfalls empfohlen, in den letzten zehn Tagen des Ramadans I’tikaaf zu machen. Das heißt, sich in die Moschee zurückzuziehen und von der auswärtigen Welt abschneiden.

Islamische Zeitung: Nur wenige Tag nach der Lailatul Qadr kommt das Fest des ‘Id, welches das Ende des Ramadans markiert. Was ist die soziale Bedeutung des ‘Ids für die Muslime?

Dr. Asadullah Yate: Natürlich ist der ‘Id eine Zeit der enormen Freude, in der die Enthaltsamkeit plötzlich in eine Feier verwandelt wird, zu der alle zusammenkommen. Der Gesandte Allahs sagte, dass es zwei Freuden für den Fastenden gibt. Zum einen, wenn er am Ende des Tages sein Fasten bricht und zum anderen, wenn er seinem Herrn begegnet.

Die Muslime fasten für Allah und Allahs sagte in einem Hadith Qudsi: „Das Fasten ist für mich.“ Es ist also eine spezielle Form der Anbetung, die Allah für Sich beansprucht. Und Er sagt weiter: „Ich werde die Belohnung dafür geben.“

Das Fasten kann nicht von außen beobachtet werden. Nur der Fastende selbst und Allah wissen davon und so gibt es keine Grundlage für Rija – für das Angeben. Was am ‘Id geschieht ist die Umkehrung der gesamten Sache nach außen. Die Freude wird in den Menschen sichtbar und sie kommen zusammen. Normalerweise wird das besondere Feiertagsgebet in einer Musalla, einem Ort außerhalb der Stadt, verrichtet, in der alle Platz finden. Der ‘Id ist ein Augenblick der Vereinigung nach dieser Zeit der Enthaltsamkeit.

gemeinschaft muslime

Foto: Imago | tagesspiegel

Was Ramadan in Europa auszeichnet

Islamische Zeitung: Sie haben umfangreich die muslimische Welt bereist. Was ist der Unterschied zwischen den Muslimen Europas auf der einen Seite und denen im Nahen Osten, wie sie den Ramadan praktizieren?

Dr. Asadullah Yate: Offenkundig fastet nur ein Teil der Bevölkerung in Europa. Und so findet sich hier eine andere Atmosphäre, wenn man die Geschäfte und Straßen betritt und die Mehrheit der Menschen nicht fastet. Dies hat eine Auswirkung auf den persönlichen Zustand. Man ist sich offenkundig bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten.

In der traditionell muslimischen Welt geschieht der Ramadan jedoch als gemeinschaftliches Ereignis. Und so wird wegen der Macht des Fastens der Ruhani-Aspekt der Menschen geweckt und sie dadurch gestärkt. Dadurch wird der Din des Islam belebt und mit ihm die Menschen.

Wir wissen vom Propheten, dass die Teufel während des Ramadans in Ketten gelegt sind und die besten Eigenschaften der Menschen zu Tage treten. Dies ist in Europa nicht immer der Fall, denn wir werden uns des Unterschieds zwischen Fastenden und Nichtfastenden bewusst.

Allerdings gibt uns dies natürlich die Möglichkeit, jenen Menschen, die keine Muslime sind, das große Geschenk des Ramadans zu erklären. Wir können sie zum Fastenbrechen einladen und mit ihnen das Licht teilen, dass Allah uns gegeben hat.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch.

, ,

Der Ramadan belebt immer wieder aufs Neue

Ramadan

Wie jedes Jahr haben sich die Muslime auf ihn gefreut, nun ist er wieder da: Der gesegnete Fastenmonat Ramadan. Diese ganz besondere Zeit ist immer wieder ein unvergleichliches Erlebnis. (iz). […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.