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Wie wichtig ist Ägypten? Kairo als Vermittler

Ägypten

Ägypten hat erbitterte Kriege gegen Israel geführt und vernichtende Niederlagen eingesteckt. 1978 wagte Kairo den Weg zum Frieden. Heute ist das arabische Land als Vermittler im Nahostkonflikt unverzichtbar. (KNA). „Kein […]

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Nahost: Zwei Jahre Krieg haben die Region verändert

nahost krieg

Debatte: Nach zwei Jahren Krieg hat sich Nahost massiv verändert. Mit drastischen Folgen für die gesamte Region.

(The Conversation). Am Morgen des 7. Oktobers 2023 kam es zu einer Reihe von Ereignissen, die den Nahen Osten tiefgreifend verändert haben. Von Simon Mabon

Zu Beginn dieses Monats sah die Region anders aus als heute. Saudi-Arabien schien bereit zu sein, seine Beziehungen zu Israel zu normalisieren, nachdem es kürzlich langjährige Differenzen mit dem Iran beigelegt hatte.

Mit der Normalisierung der Verbindungen zwischen den beiden führenden Militärmächten der Region hätte sich die Möglichkeit ergeben, den Einfluss des Iran einzudämmen. Dies wäre wiederum geeignet gewesen, Frieden in den Jemen und den Libanon zu bringen.

Städte

Foto: Ashraf Amra/UNRWA

Frühere Nahost-Visionen liegen wie Gaza in Trümmern

Dank der Ereignisse dieses Tages ist diese Vision zunichtegemacht. Als die Sonne aufging, starteten Hamas-Kämpfer einen brutalen Terroranschlag im Süden Israels, bei dem 1.195 Menschen getötet und weitere 251 als Geiseln genommen wurden.

In den letzten zwei Jahren waren die zerstörerischen Auswirkungen in der gesamten Nahostregion zu spüren, da die Tel Aviver Streitkräfte versuchten, ihre einseitige und hegemoniale Vorherrschaft durchzusetzen.

Über Gaza hinaus hat Israel militärische Angriffe in der gesamten Region durchgeführt, die Tausende von Todesopfern und weitreichende Zerstörungen verursacht und die Saat der Spaltung gesät haben.

Ausweitung der Kriegszone

Im Libanon führten israelische Angriffe auf Beirut und den Süden des Landes zu mehr als 3.100 Todesopfern – darunter hochrangige Hisbollah-Führer wie Hassan Nasrallah. Die Streitkräfte (IDF) begannen im Oktober 2024 eine Militäroffensive im Südlibanon und drängten Hisbollahkämpfer nördlich des Litani-Flusses zurück. Obwohl am 26. November ein Waffenstillstand vereinbart wurde, setzt Israel seine Bombardierungen des Libanon fort, wobei die israelische Regierung die Weigerung der Hisbollah, ihre Waffen abzugeben, als Grund angibt.

Nachdem Hamas und die libanesische Milize in die Defensive gedrängt worden waren, richtete Netanjahu seine Aufmerksamkeit auf den Iran. Angesichts der seit langem bestehenden Auffassung Tel Avivs, dass Teheran eine unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit Israels darstellt, ist dies kaum überraschend.

Der sogenannte Schattenkrieg, der in den letzten zehn Jahren zwischen den zwei Ländern stattgefunden hatte, brach offen aus. Der Ausbruch dieses Konflikts der beiden Staaten am 13. Juni 2025 – seitdem als „12-Tage-Krieg“ bezeichnet – hatte verheerende Auswirkungen auf das iranische Regime.

Netanjahu hatte dessen Volk dazu aufgerufen, die Republik zu stürzen. Doch obwohl viele Bürger mit dem Regime unzufrieden sind, schienen die israelischen Angriffe das Gegenteil zu bewirken, da sich die Menschen hinter ihrer Flagge versammelten.

Die Kampfhandlungen gipfelten in Bombenangriffen der USA auf iranische Nuklearanlagen. Obwohl ihr Erfolg fraglich ist, ermöglichten sie es US-Präsident Donald Trump, einen Sieg der USA zu verkünden.

Foto: The White House/flickr | Lizenz: gemeinfrei

Er forderte ein Ende der Feindseligkeiten, und Teherans Vergeltungsmaßnahmen gegen die US-Attacken beschränkten sich auf einen sorgfältig orchestrierten Angriff auf eine US-Basis in Katar, der im Voraus angekündigt wurde und eher performativ als eskalierend war.

Israel hat auch regelmäßig Angriffe gegen die vom Iran unterstützten Huthis im Jemen durchgeführt, die seine (und andere Länder) Schiffe im Roten Meer angegriffen hatten. Und seit dem Sturz des Assad-Regimes hat sein Militär große Teile Süd-Syriens besetzt und die entmilitarisierte Pufferzone um die umstrittenen Golanhöhen unter Verletzung eines Vertrags zwischen den beiden Ländern aus dem Jahr 1974 eingenommen.

Vor kurzem hat Tel Aviv Ziele in Doha, Katar, angegriffen, um hochrangige Hamas-Führer zu ermorden, was letztlich fehlschlug. Der Luftschlag führte zu einer Einigung der Golfmonarchien, die eine echte Diskussion zur Beendigung des Krieges forderten. Während US-Beamte über den israelischen Angriff auf einen wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten empört waren, sahen andere eine Chance für einen Durchbruch.

„Friedensplan“

Donald Trumps 20-Punkte-Plan zur Durchsetzung eines Waffenstillstands hat das Potenzial, eine beeindruckende diplomatische Errungenschaft zu sein. Sie könnte eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure zusammenbringen und eine echte Chance bieten, die Kämpfe zu beenden; trotz seiner zahlreichen Mängel. Als Bereich zur Friedensförderung klingt er jedoch hohl.

Der Plan gibt keinen Hinweis darauf, wie ein palästinensischer Staat entstehen soll. Er deutet zwar an, dass die Autonomiebehörde (PA) unter den richtigen Umständen eine Rolle bei der Verwaltung des Gebiets spielen wird; dies hat Netanjahu wiederholt abgelehnt.

Stattdessen wird eine „Internationalen Übergangsbehörde“ einem Mandat ähneln, wie es vor über einem Jahrhundert vom Völkerbund auferlegt wurde. Und selbst wenn Trumps Plan zu einem Waffenstillstand und zur Freilassung der israelischen Geiseln führt, hat sich die regionale Ordnung dramatisch verändert.

Ohne „Lösung“ keine „Normalisierung“?

Ohne einen palästinensischen Staat kann es keine Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel geben. Dies ist ein Punkt, den Kronprinz Mohammad bin Salman deutlich gemacht hat.

Die Wut der Bevölkerung in der gesamten Region wird bestehen bleiben. Das Scheitern, nach den Abraham-Abkommen einen lebensfähigen Staat zu sichern, hat bei einigen Wut und Unmut ausgelöst. Dieses Gefühl wächst nun angesichts des Todes und der Zerstörung, die den Menschen in Gaza zugefügt werden.

Foto: en.kremlin.ru

Wenn es nicht zu einem Waffenstillstand kommt, wird die Zerstörung Gazas in einem Tempo weitergehen, das weiterhin katastrophale Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten haben wird. Israel wird diplomatisch isoliert bleiben, während seine Bürger weiterhin in Angst vor Raketenangriffen der Huthis und der Hisbollah oder Angriffen der verbliebenen Hamas leben und sich noch jahrelang mit den Erinnerungen an den 7. Oktober auseinandersetzen müssen.

Währenddessen sterben weiterhin täglich Palästinenser, und es gibt immer noch israelische Geiseln (und in einigen Fällen Leichen), die darauf warten, nach Hause gebracht zu werden. Gaza ist verwüstet, und der Wiederaufbau der Enklave wird Jahrzehnte dauern. Und die sogenannte internationale, auf Regeln basierende Ordnung wird sich möglicherweise nie wieder erholen.

Dieser Artikel wurde erneut veröffentlicht aus The Conversation under a Creative Commons license. Lesen Sie hier den Originalartikel.

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Studie: Forscher üben Selbstzensur beim Thema Nahost seit Oktober 2023

Selbstzensur

Selbstzensur: Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 sehen einer Erhebung zufolge viele Wissenschaftler in Deutschland ihre Redefreiheit bedroht. Besonders junge Forscher halten sich bei Israel-bezogenen Themen zurück.

(KNA). Wissenschaftler an deutschen Universitäten verüben einer Studie zufolge zunehmend Selbstzensur in Bezug auf den Nahost-Konflikt. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Freien Universität Berlin hervor, über die der „Tagesspiegel“ zuerst berichtet hatte.

Demnach sehen knapp 85 % der Befragten die Wissenschaftsfreiheit seit dem 7. Oktober 2023 – dem Angriff der Hamas auf Israel – bedroht. Mehr als drei Viertel der Umfrageteilnehmer geben zudem an, vor allem bei Israel-bezogenen Themen zurückhaltend zu sein. „Selbstzensur erweist sich als verbreitetes Phänomen“, heißt es in der Studie.

Gründe dafür seien vor allem Angst vor Missverständnissen, Anfeindungen und beruflichen Konsequenzen. Die Selbstzensur bei Themen rund um den Nahostkonflikt trete in öffentlichen Formaten, in Medienbeiträgen und selbst im Kollegium auf.

Rund elf % der Befragten, die sich den Angaben nach „oft“ selbst zensieren, waren von einem Antisemitismusvorwurf betroffen. Ebenso viele berichteten demnach von gegen sie gerichtete Hassrede und Drohungen im Internet. Der Erhebung zufolge sind es vor allem junge Wissenschaftler wie Doktoranden, die aus Angst vor beruflichen Konsequenzen oder dem Verlust von Fördermitteln zur Selbstzensur neigen.

Befragt wurden demnach Wissenschaftler vor allem der Arabistik und Islamwissenschaft, Kulturwissenschaften, Area Studies und Politikwissenschaften an deutschen Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Think- und Do-Tanks im Frühjahr dieses Jahres.

Die Studienautoren rund um Jannis Julien Grimm verweisen auf „mehrere Einschränkungen“ der Erhebung, etwa darauf, dass die Ergebnisse auf Selbstberichten der Teilnehmer beruhten und verzerrt sein könnten „durch soziale Erwünschtheit, strategisches Antwortverhalten und Erinnerungseffekte“.

Dennoch kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Befunde auf „bedeutsame Entwicklungen und Verschiebungen“ in der deutschen Wissenschaftslandschaft hinweisen. Die berichteten Wahrnehmungen von Einschränkungen und Selbstzensur seien besorgniserregend.

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Die Lage in Nahost. Ein Überblick

Nahost Konflikt Lage Überblick Rafah

Tel Aviv/Gaza/Washington (dpa/IZ) Die Lage in den Kriegsgebieten ist weiterhin brandgefährlich. Israel steht unter wachsendem Druck, seine Pläne für eine Bodenoffensive in Rafah im Süden des Gazastreifens auf Eis zu legen. US-Präsident Joe Biden warnte Israel am Freitag mit deutlichen Worten: Er sei der festen Überzeugung, dass es „einen vorübergehenden Waffenstillstand“ geben müsse, um die Geiseln zu befreien.

Er erwarte, „dass die Israelis in der Zwischenzeit keine massive Bodenoffensive durchführen werden“, sagte Biden im Weißen Haus. Israels Armee will dem Kriegskabinett in Kürze einen detaillierten Plan für den Einsatz in Rafah vorlegen, berichtete die „Times of Israel“ in der Nacht zum Samstag. UN-Organisationen lägen Berichte vor, wonach einige Palästinenser aus Angst vor Israels Angriffen Rafah bereits in Richtung des Zentrums Gazas verließen.

Israel verantwortlich für Explosionen im Iran

Israel soll einem Bericht zufolge für die Explosionen an zwei Gaspipelines im Iran in dieser Woche verantwortlich sein. Das berichtete die „New York Times“ am Freitag unter Berufung auf zwei westliche Regierungsvertreter und einen mit der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) in Verbindung stehenden Militärstrategen. Den Regierungsvertretern zufolge habe Israel am Donnerstag auch eine Explosion in einer Chemiefabrik nahe Teheran verursacht, hieß es in dem Bericht. Israels Regierung habe eine Stellungnahme abgelehnt. 

In der Nacht zu Mittwoch war es im Iran an mehreren Gaspipelines zu Explosionen gekommen. Die Vorfälle ereigneten sich im Landesinneren und Süden, wie Staatsmedien berichteten. Als Ursache für eine der Explosionen in der südlichen Provinz Fars gab es laut Behördenvertretern Hinweise auf Sabotage. Der iranische Chef des Zentrums für das nationale Gasleitungsnetz, Said Aghli, bezeichnete die Vorfälle im Staatsfernsehen als Terrorattacke. Weitere Details zu den Hintergründen gab es zunächst aber nicht. 

Die westlichen Regierungsvertreter und der Militärstratege sagten nach Angaben der „New York Times“, für die Angriffe seien umfassende Kenntnisse über die iranische Infrastruktur nötig gewesen. Einem der Regierungsvertreter zufolge habe es sich um einen „symbolischen Angriff“ gehandelt, der relativ wenig Schaden für die Zivilbevölkerung mit sich gebracht habe – jedoch angesichts der angespannten Lage in der Region als deutliche Warnung Israels verstanden werden könne.

Bericht: USA bereiten weitere Waffenlieferung an Israel vor 

Trotz des Drängens auf eine Feuerpause bereiten die USA einem Medienbericht zufolge die Lieferung weiterer Bomben und Waffen an Israel vor. Wie das „Wall Street Journal“ in der Nacht zum Samstag unter Berufung auf amtierende und ehemalige US-Beamte berichtete, werden die Pläne innerhalb der Regierung von US-Präsident Joe Biden derzeit geprüft und könnten sich im Detail noch ändern, bevor sie dem US-Kongress zur Genehmigung vorgelegt werden.

Die israelische Regierung habe um eine „rasche Beschaffung dieser Güter zur Verteidigung Israels gegen andauernde und neue regionale Bedrohungen“ gebeten. Die neu vorgeschlagene Waffenlieferung umfasst laut dem Bericht Präzisionswaffen. Die USA drängen Israel dazu, von massiven Bombardierungen zu präziseren Schlägen überzugehen. 

Bericht: Israels Präsident traf Katars Regierungschef in München 

In dem seit über vier Monaten dauernden Krieg bereitet sich Israel auf eine Offensive in der an Ägypten grenzenden Stadt vor. Die Armee soll Pläne ausarbeiten, die eine Evakuierung von Hunderttausenden Zivilisten vorsehen, die dort auf engstem Raum Schutz suchen. Zeitgleich laufen unter Hochdruck schwierige Verhandlungen unter Federführung von Vermittlern aus Ägypten, Katar und den USA über eine befristete Waffenruhe. Sie soll dazu führen, dass die noch mehr als 130 israelischen Geiseln in der Gewalt der Hamas in Phasen gegen palästinensische Häftlinge ausgetauscht werden.

Israels Präsident Izchak Herzog traf sich hierzu am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz heimlich mit Katars Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, wie die Nachrichtenseite „Axios“ in der Nacht zum Samstag unter Berufung auf informierte Kreise berichtete. Das ungewöhnliche Treffen der beiden Politiker verdeutliche, wie dringlich die Lage ist. 

Biden hofft auf schnellen Geisel-Deal 

Die Unterhändler arbeiten nach Informationen der israelischen Zeitung „Haaretz“ darauf hin, dass eine Feuerpause mit dem Fastenmonat Ramadan zusammenfällt, der am 10. März beginnt. Er hoffe, dass es schnell einen Deal mit der Hamas zur Befreiung der Geiseln geben werde, sagte Biden. Er habe in der vergangenen Woche täglich mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gesprochen, jeweils fast eine Stunde.

Bidens unverblümte Worte zeigten, dass das Schicksal Rafahs ein potenzieller Kipppunkt in den Beziehungen zwischen Washington und Jerusalem sei, berichtete die „Financial Times“ in der Nacht zum Samstag. US-Vertreter, darunter auch Biden, hätten Israel seit Beginn des Krieges stets unterstützt, doch ihre Toleranz gegenüber dem Vorgehen von Netanjahu und der sich verschärfenden humanitären Krise „schwindet zusehends“, schrieb die Zeitung.

UN-Gericht weist Antrag gegen Israels geplante Offensive ab 

Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen lehnte unterdessen einen Eilantrag Südafrikas auf Überprüfung der Rechtmäßigkeit der von Israel geplanten Militäroffensive in Rafah ab. Die gefährliche Situation in dem Ort voller Flüchtlinge verlange „die unverzügliche und wirksame Umsetzung der Aufforderungen des Gerichts“, die dieses Ende Januar erlassen hatte, teilte der Gerichtshof am Freitag an seinem Sitz in Den Haag mit.

Diese Aufforderungen hätten Geltung für den gesamten Gazastreifen, einschließlich Rafah. „Ein Erlass zusätzlicher Maßnahmen ist nicht erforderlich“, hielt das Gericht fest. Verbündete Israels wie die USA und Deutschland raten Israel von einem großangelegten militärischen Vorgehen in Rafah entschieden ab. Die Vereinten Nationen haben für den Fall einer solchen Offensive vor einer humanitären Katastrophe größten Ausmaßes gewarnt. 

Ausschreitungen um Laster mit Hilfslieferungen in Rafah 

Dutzende Menschen versuchten am Grenzübergang Rafah, einen Lastwagen mit Hilfslieferungen zu erstürmen. Die Polizei schritt ein und vertrieb die Menge, teilte die von der Hamas kontrollierte Behörde am Freitag mit. Videoaufnahmen, die in sozialen Medien geteilt wurden, zeigten Menschen, die in den Abfertigungsbereich des Grenzübergangs eindrangen. Es sind Schüsse zu hören und schwarzer Rauch zu sehen. Augenzeugen berichteten, dass die von der Hamas gestellte Polizei in die Menge geschossen habe und einen Jugendlichen getötet habe. Die Behörde wollte dies zunächst nicht bestätigen. 

In Rafah unmittelbar an der ägyptischen Grenze drängen sich auf engstem Raum 1,3 Millionen Menschen zusammen. Die meisten von ihnen sind aus anderen Teilen des Gazastreifens geflohen, um dort Schutz vor dem Krieg zu suchen. Sie leben in riesigen Zeltlagern oder auf der Straße. Hilfsorganisationen können ihre Versorgung mit dem Notwendigsten kaum gewährleisten. Über den Grenzübergang zu Ägypten kommen die Hilfslieferungen in das abgeriegelte Küstengebiet, nachdem Israel diese kontrolliert hat. 

Israels Armee weiter in Nasser-Klinik in Chan Junis im Einsatz

Bei Israels Angriffen im Gazastreifen wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde von Freitag bislang 28.775 Menschen getötet. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Unterdessen dauerte der Einsatz der israelischen Armee im Nasser-Krankenhaus in der Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens am Freitag an. Soldaten hätten bislang rund 100 Verdächtige festgenommen, Es handele sich um „Personen, die verdächtigt werden, an Terroraktivitäten beteiligt gewesen zu sein“, teilte das Militär mit.

Nach Darstellung der Hamas-Gesundheitsbehörde gehörten viele der Festgenommenen zum medizinischen Personal. Israelische Soldaten hätten im Krankenhaus auch Waffen und im Bereich der Klinik Granaten der Hamas gefunden. Auch seien Schachteln mit Medikamenten mit den Namen von israelischen Geiseln gefunden worden. Nach Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde kamen fünf Patienten auf der Intensivstation wegen eines Stromausfalls im Zuge des israelischen Einsatzes ums Leben. Ihre Sauerstoffversorgung sei unterbrochen worden. 

Die Behörde hatte zuvor auch gewarnt, weitere Patienten sowie Babys in Brutkästen seien in Gefahr. Israel verhindere den Transport Schwerkranker in andere Kliniken und blockiere einen UN-Hilfskonvoi auf dem Weg zum Nasser-Krankenhaus. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. 

Am Freitagabend erklärte die israelische Armee auf Anfrage, sie habe die Stromversorgung nicht attackiert. Die dort tätige Einheit habe strikte Anweisung gehabt, das kontinuierliche Funktionieren des Krankenhauses zu gewährleisten. So habe sie einen schadhaften Generator gegen ein Ersatzgerät aus Israel ausgetauscht. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ägypten errichtet „Pufferzone“

Ägypten hat Berichte über die Errichtung eines Lagers zur Unterbringung von Palästinensern zurückgewiesen. Kairo sei gegen eine Vertreibung von Palästinensern und auch gegen das freiwillige Verlassen des Gazastreifens, teilte der Leiter des Staatsinformationsdiensts (SIS), Diaa Raschwan, mit. Ägypten habe aber schon lange vor Beginn des israelischen Militäreinsatzes in dem Küstenstreifen auf seiner Grenzseite eine Pufferzone und Zäune gebaut, hieß es in der Erklärung weiter. 

Auch die in London ansässige Sinai Foundation for Human Rights berichtete von der Errichtung einer solchen Pufferzone nahe der Grenze. Bei den Bauarbeiten solle ein abgesperrter Bereich zur Unterbringung von Flüchtlingen entstehen, umgeben von einer sieben Meter hohen Mauer. Das „Wall Street Journal“ hatte am Donnerstag von Plänen Ägyptens berichtet, an der Grenze zum Gazastreifen ein riesiges Auffanglager für palästinensische Flüchtlinge einzurichten. 

Die Regierung in Kairo sorgt sich, dass im Zuge des Gaza-Kriegs massenhaft Palästinenser aus dem Gazastreifen über die Grenze strömen könnten. Ägypten steckt in einer schweren Wirtschaftskrise.

Sicherheitskonferenz zur aktuellen Lage. Ein Überblick ist schwierig.

In München geht die Sicherheitskonferenz weiter. Zum weltweit wichtigsten Politiker- und Expertentreffen zur Sicherheitspolitik werden rund 50 Staats- und Regierungschefs und etwa 100 Minister erwartet, darunter Israels Präsident Herzog und Außenminister Israel Katz sowie ranghohe Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde und der arabischen Länder Saudi-Arabien, Katar, Ägypten und Jordanien.

Hauptthemen werden die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine sein. Zugleich gehen die Verhandlungen internationaler Vermittler über eine erneute Feuerpause und Geiselfreilassung im Gaza-Krieg weiter.

Kanzler Olaf Scholz hat Israel angesichts einer geplanten Bodenoffensive gegen die Hamas in Rafah ungewöhnlich deutlich zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts aufgefordert. „Wir halten das Völkerrecht und die Regeln nicht nur ein, weil wir weltweit einige Abkommen unterzeichnet haben. Das ist etwas, das sich aus unserer Sicht auf die Menschheit ergibt und darauf, wie wir sein wollen und wie wir uns selbst sehen wollen“, sagte der SPD-Politiker am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Deutschland fordere Israel auch auf, gegen die Gewaltakte der israelischen Siedler im Westjordanland vorzugehen, ergänzte der Kanzler. Er warnte, in der Auseinandersetzung mit der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon eine neue Front im Norden Israels aufzumachen. Der Iran dürfe keine Möglichkeit erhalten, die Situation auszunutzen, um seinen Einfluss in der Region auszudehnen. 

In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ hatte sich Scholz kurz zuvor noch kritischer in Richtung Israel geäußert. „Mit Blick auf Rafah bin ich gerade sehr besorgt über die möglichen Folgen der geplanten Bodenoffensive“, sagte Scholz der Zeitung. Nachdem die palästinensische Zivilbevölkerung erst aufgefordert worden sei, in den Süden zu fliehen, um Sicherheit zu finden, gebe es jetzt keine guten Fluchtalternativen in Gaza mehr. Die humanitäre Lage sei katastrophal.

Lesen Sie hierzu auch: https://islamic-times.com/chief-prosecutor-khan-warning-to-hamas-israel/