,

Niger: Zunahme von Gewalt

niger care

Im westafrikanischen Niger ist die Sicherheitslage auch nach dem Coup der Militärs weiterhin kritisch. (KNA). Im Juli putschte im Niger die Armee – angeblich um die grassierende Gewalt im Land […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Niger: Das Great Game läuft in Echtzeit

niger

Der Staatsstreich in Niger ist der sechste in Westafrika in nicht einmal drei Jahren. Mittlerweile stehen vier Länder ohne gewählte Regierung da. (iz/IPS/GFP.com). Am 26. Juli 2023 trat Oberst-Major Amadou […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Afrikas: Ein Kontinent, der nicht zur Ruhe kommt?

afrika

Afrika: Der Konflikt im Sudan geht in den fünften Monat. Ein Putsch im Niger droht die Sahelzone noch weiter zu destabilisieren. Zahlreiche weitere Konflikte schwelen auf dem Kontinent. Warum kommt Afrika nicht zur Ruhe? Hintergründe von Christina Peters, Kristin Palitza und David Renke

Khartum (dpa/iz). Seit vier Monaten kämpfen im Sudan zwei ehemals verbündete Generäle ohne Rücksicht auf Verluste um die Macht. Gut 4.000 Kilometer weiter westlich, in der Sahelzone, toben Kämpfe gegen Terroristen.

niger

Foto: Freepik.com

Afrika blickt gerade auf den Niger

Mit dem jüngsten Putsch im Niger, fällt ein weiterer Staat in die Hände von Militärs. Der Konflikt könnte die gesamte Region destabilisieren. Auch in anderen Teilen Afrikas gehören Terrorismus und Gewalt nahezu zum Alltag.

Immer wieder Schreckensnachrichten. Warum kommt der Kontinent nicht zur Ruhe? Auf dem zweitgrößten Erdteil leben mehr als 1,4 Milliarden Menschen, mehr als eine Milliarde davon südlich der Sahara. Etwa 70 Prozent von ihnen sind jünger als 30 Jahre. 2050 wird Schätzungen zufolge ein Viertel der Menschheit hier leben.

Vorsicht vor Klischees

Das ist Afrikas Chance auf eine steigende Produktivität; die Chance, sich zu einem wichtigen Absatzmarkt zu entwickeln und Investitionen anzuziehen. 

Schon heute lassen dynamische Metropolen wie Luanda, Kigali, Lagos oder Nairobi die Klischees des leidenden Kontinents verblassen, auch wenn die Stadtkerne noch immer von Slums umgeben sind. In diesen Städten baut sich eine Digitalwirtschaft auf, leben gut ausgebildete junge Menschen, wächst der Mittelstand, blüht Innovation.

Foto: yiannisscheidt, Shutterstock

Aktuelle Brandherde

Und dann gibt es die andere Seite. 44 Millionen Menschen werden nach Schätzungen der UN in diesem Jahr südlich der Sahara auf der Flucht sein, vertrieben von Gewalt, Hunger oder Katastrophen.

Laut Global Peace Index 2022 befinden sich von den zehn am wenigstens friedlichen Staaten der Welt fünf in dieser Region. Mehr als 15 Konflikte in denen Zivilisten unter Gewalt leiden zählte Human Rights Watch in Subsahara-Afrika allein in diesem Jahr. Einige davon:

Sudan: Seit dem 15. April kommt es zwischen der Armee und der rivalisierenden RSF-Miliz zu schweren Gefechten. Neben der Hauptstadt konzentrieren sich die Kämpfe vor allem auf die westliche Region Darfur, wo es laut UN-Berichten zu ethnisch motivierten Kriegsverbrechen gekommen sein soll.

Westlicher Sahel: Extremistische Terrorgruppen, die der Terrormiliz Islamischer Staat oder dem Terrornetzwerk Al-Kaida ihre Treue geschworen haben, überzogen seit 2012 Mali, den Niger und Burkina Faso mit Gewalt. Nach Staatsstreichen regiert im Niger, in Mali, Burkina Faso, in Guinea sowie im Tschad nun das Militär.

Äthiopien: Nach einem jahrelangen Bürgerkrieg in der nördlichen Region Tigray eskalierte die Gewalt zwischen der Zentralregierung und der Volksgruppe der Amharen in der Region Amhara, die im Süden an Tigray grenzt.

Demokratische Republik Kongo: Im Osten, wo sich große Vorkommen an Kupfer, Diamanten, Kobalt, Koltan und Gold befinden, verüben Rebellengruppen seit Jahrzehnten Angriffe. Denn wer die Region kontrolliert, profitiert von den Bodenschätzen.

Mosambik: Im Norden Mosambiks – einer Region, in der der französische Energiekonzern Total an einem milliardenschweren Flüssiggasprojekt beteiligt ist – verüben extremistische muslimische Rebellen seit 2017 immer wieder Anschläge.

Nigeria: Afrikas größte Volkswirtschaft kämpft an mehreren Fronten: kriminelle Banden im Nordwesten, die Terrormiliz Boko Haram im Nordosten, gewaltsame Kämpfe um Land zwischen Viehhirten und Ackerbauern im Zentrum sowie Gewalt im Süden, die immer wieder um die Kontrolle von Ölfeldern aufflammt.

Somalia: Seit mehr als zehn Jahren destabilisiert die Terrormiliz Al-Shabaab das Land am Horn Afrikas und kontrolliert große Teile des Südens des Landes.

Foto: ssu.gov.ua/VOA

Ursachen sind komplex

Die Gründe für die Konflikte sind komplex. Zu den vielschichtigen Ursachen gehören laut Experten tiefgreifendes politisches und wirtschaftliches Versagen, Armut und Arbeitslosigkeit, korrupte Eliten, schwache Staatsführung sowie Abhängigkeit von Rohstoffexporten. Auch die gewichtige, innenpolitische Rolle des Militärs ist in vielen Staaten ein entscheidender Faktor.

Das Erbe des Kolonialismus lastet schwer auf Afrikas Schultern. „In der heutigen multipolaren (Un-)Ordnung intervenieren sowohl westliche Mächte (die Vereinigten Staaten und Frankreich) als auch aufstrebende Mächte (China, Russland und die Türkei) in der Region, um unterschiedliche und oft widersprüchliche Interessen zu verfolgen“, schreiben Analysten des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in Südafrika.

Schon während der Kolonialzeit unterstützten Großmächte mit Interessen in Afrika gezielt rivalisierende Konfliktparteien, um innerstaatliche Bruchlinien zu vertiefen und Gewalt zu eskalieren, so das IISS.

Dazu setzt der Klimawandel Afrika immer stärker unter Druck. Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Fluten, Tropenstürme und Heuschreckenplagen gehören zum Alltag. Menschen sterben, müssen fliehen, verlieren alles. „Das Potenzial des Klimawandels zur Verschärfung gewalttätiger Konflikte ist in Afrika offensichtlich“, sagt Philip Osano, Direktor des Afrika Zentrums des Stockholmer Umweltinstituts (SEI). Der zunehmende Kampf um natürliche Ressourcen werde existierende Spannungen weiter verstärken, so Osano.

Wie könnte mehr Ruhe in Afrika einkehren? Man müsse wiederkehrende Ursachen identifizieren, anstatt Symptome zu bekämpfen, sagt Raymond Gilpin, Analyst beim Think Tank Africa Centre.

Zu den Ursachen gehörten beispielsweise die Kontrolle über Bodenschätze, neokoloniales Machtstreben, Kriminalität und Terrorismus, aber auch externe Unruhestifter wie die russische Söldnergruppe Wagner. Versuche, Gewalt durch Aufstandsbekämpfung, Wirtschaftssanktionen oder schnelle Neuwahlen zu schlichten, seien oftmals kontraproduktiv, warnt Gilpin: „Mit umfassenden, langfristigen Ansätzen lässt sich viel mehr erreichen“.

, ,

Niger: Ecowas-Sanktionen belasten Bevölkerung

niger

Im Niger steht eine Militär-Intervention nach dem Staatsstreich zwar nicht direkt bevor. Doch belasten Ecowas-Sanktionen das Land.

Niamey (KNA) Die nach dem Staatsstreich in Niger verhängten Sanktionen haben gravierende Folgen für die dortige Bevölkerung. Bereits vor dem Putsch am 26. Juli waren in dem Land nach UN-Angaben 3,3 Millionen Menschen von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen. Bleiben die Sanktionen bestehen, wird sich die Lage weiter verschärfen.

Niger: Politische Zukunft nach Putsch weiter ungewiss

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hatte die Strafmaßnahmen verhängt, um die Junta um General Abdourahmane Tiani zum Einlenken zu zwingen und die Freilassung von Präsident Mohamed Bazoum zu erwirken. Erfolgreich war das bisher nicht. Bazoum wird weiter festgehalten und soll nach dem Willen der Junta wegen Hochverrats angeklagt werden.

Die Sanktionen treffen allerdings die Zivilbevölkerung. Die katholische Bischofskonferenz im Nachbarland Benin fordert deshalb, die Maßnahmen, wozu beispielsweise Grenzschließungen gehören, zu beenden oder zumindest zu entschärfen. Schon jetzt leide Niger unter Armut und Elend. Im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen belegt das Land Platz 189 von 191.

Über Sanktionen und deren Auswirkungen sprach in Nigeria nun auch Bundesentwicklungsministerin Svenja Schule (SPD) mit Ecowas-Präsident Omar Touray. Schulze ist Präsidentin der Geberländer-Gruppe „Sahel-Allianz“ und betonte, im Zentrum müsse eine friedliche Lösung stehen. Nach Mauretanien besuchte sie am Mittwoch und Donnerstag Nigeria.

Foto: Rawpixel Ltd.

Fünfter Staatsstreich seit Unabhängigkeit

Im Krisenland Niger, das seit seiner Unabhängigkeit 1960 von Frankreich bereits seinen fünften Staatsstreich erlebt, kehrt derweil trotz neuer Ausnahmesituation recht schnell wieder Alltag ein. „Als humanitäre Organisation ist es uns gelungen, einige Tage nach dem Staatsstreich wieder unsere Arbeit aufzunehmen“, sagt Paolo Cernuschi, Landesdirektor des International Rescue Committee (IRC), der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dennoch sind die Konsequenzen des Putsches nicht zuletzt für die Hilfsorganisation allgegenwärtig. „Aufgrund der geschlossenen Grenzen können Mitarbeiter nicht zurück ins Land kommen.“

Der Ernährungssektor ist von den Grenzschließungen betroffen, medizinische Produkte können ebenso wenig importiert werden. „Aktuell können wir arbeiten“, so Cernuschi. Ändere sich die Situation nicht, könne es mittelfristig zu Engpässen kommen.

Unklar ist außerdem, ob und wann es Einschränkungen bei der Bargeldversorgung gibt. Nach einem anfänglichen Ansturm auf Banken habe sich die Lage zwar beruhigt. Ein kontinuierlicher Zugang sei aber für Cash-Transfer-Programme wichtig, sagt Cernuschi. Sie werden zunehmend genutzt, um Haushalte in Notlagen schnell und unbürokratisch zu unterstützen.

Zu beobachten sind überdies Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Nach Angaben des Welternährungsprogramms stieg der Preis für Reis in der Woche nach den angekündigten Sanktionen um 17 Prozent. Wenn Ware, etwa aus dem Nachbarland Nigeria nicht mehr nach Niger kommen, erhöhen sich die Preise für die noch vorhandenen Vorräte.

Foto: Mercy Corps | Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Sicherheitslage beeinträchtigt Helfer

Das katholische Hilfswerk Misereor sieht auch wegen der heiklen Sicherheitslage die Arbeit von Partnerorganisationen im Niger zunehmend beeinträchtigt. Am Donnerstagmorgen sagte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: „Der Zugang zu benachteiligten Bevölkerungsgruppen in abgelegenen Regionen wird komplizierter und riskanter, die für die Arbeit notwendigen Ausrüstungen, Strom und Treibstoff werden knapper.“

Auch gebe es immer wieder Angriffe auf Mitarbeitende und Versuche bewaffneter Gruppen, Fahrzeuge und Materialien zu entwenden.

Am Dienstag kam es unterdessen zum ersten Terroranschlag seit dem Putsch. In der Region Tillaberi im Südwesten, die an die Nachbarländer Mali und Burkina Faso grenzt, wurden nach Angaben der Armee 17 Soldaten ermordet und 20 verletzt. In dieser Region unweit der Hauptstadt Niamey ist vor allem die Terrorgruppe Islamischer Staat aktiv.

Auch wenn dem Niger keine unmittelbare Militär-Intervention mehr bevorsteht und sich Berichten zufolge auch die Afrikanische Union gegen eine solche aussprach, treffen sich am Donnerstag und Freitag die westafrikanischen Armeechefs. Ihr Ziel: Sie wollen gemeinsam über die Aufstellung einer Einsatztruppe beraten.