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Taormina oder eine sizilianische Reise

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IZ-Reiseblog: Im sehnsuchtsvollen Taormina nahe des Ätna zieht unser Autor die erste Bilanz seiner Sizialienreise.

(iz). Taormina – wohl kaum ein anderer Ort auf Sizilien zieht so viele Menschen an. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Stadt zum Sehnsuchtsziel der Grand Tour – ein Ort, der Reisende und Schriftsteller mit seiner Mischung aus antiker Schönheit, mediterraner Sinnlichkeit und kultureller Tiefe magisch anzog. Von hier aus bieten sich einmalige Blicke auf den Ätna – und entsprechend überfüllt ist die Hauptstraße.

Taormina – Sehnsuchtsziel auf Sizilien

Wir flüchten am Ende der Straße in den Garten eines luxuriösen Hotels, eine Oase der Ruhe im Trubel. Auf einem Plateau mit atemberaubender Aussicht befindet sich ein kleines Café – eigentlich nur für Hotelgäste. Um unangenehme Fragen nach unserer Aufenthaltsberechtigung zu vermeiden, verwickeln wir die Bedienung in ein Gespräch mit philosophischem Unterton.

„Ist es wahr“, frage ich, „dass ein echter Cappuccino nicht mit Kakao bestäubt wird? Der ältere Mann nickt begeistert. „In einem guten Haus ist das nicht üblich.“ „Dann sind wir hier genau richtig.“ Unsere Bestellung wird ohne weitere Rückfragen aufgenommen. Wir genießen die Stille und die Atmosphäre des Gartens – ein Zwischenraum zwischen Welt und Rückzug.

Natürlich wollen wir den Blick sehen, der so viele Touristen anzieht. Wir gehen zum antiken Theater, das einzigartig gelegen ist. Goethe beschreibt diesen Anblick in seiner „Italienischen Reise“:

„Nun sieht man an dem ganzen langen Gebirgsrücken des Ätna hin, links das Meerufer bis Catania, ja Syrakus, dann schließt der ungeheure, dampfende Feuerberg das weite, breite Bild, aber nicht schrecklich, denn die mildernde Atmosphäre zeigt ihn entfernter und sanfter, als er ist.“

Der Vulkan als Wirklichkeit und Symbol

Goethe hatte zeitlebens ein ambivalentes Verhältnis zu Vulkanen. Der aufkommenden vulkanistischen Idee, nach der die Erde wesentlich durch Feuer und Explosionen geformt wurde, stand er skeptisch gegenüber.

Stattdessen favorisierte er die neptunistische Theorie, wonach sich Gesteinsschichten aus dem Wasser abgelagert hätten – Ausdruck einer organisch-harmonischen Weltentwicklung. Gewaltige Katastrophen, explosive Umwälzungen – das passte nicht zu seinem Naturverständnis, das von Entfaltung, Wachstum und innerem Gleichgewicht geprägt war.

Und doch: Der Krater faszinierte ihn als Symbol. Ein Ausdruck innerer, verborgener Kräfte – vergleichbar mit menschlichen Leidenschaften oder umwälzenden Bewegungen. So erscheinen Vulkane bei ihm nicht nur schöpferisch, sondern auch zerstörerisch. Vielleicht hatte der Dichter recht mit dem Gedanken, dass – bei aller Notwendigkeit von Veränderung – evolutionäre Prozesse den revolutionären vorzuziehen seien.

Foto: Abu Bakr Rieger

Unser Tagesprogramm wird von ganz realen Umständen bestimmt. Das obligatorische Foto mit Blick auf den Ätna kann mit den idealisierten Bildern in den sozialen Netzwerken nicht mithalten. Die freie Ansicht ist verstellt – durch die Bühne eines Konzerts von Plácido Domingo.

Wir machen uns auf die Suche nach dem Sentiero Goethe, einem malerischen Pfad, der vom Zentrum bis zum antiken Theater führt. Doch aus unerklärlichen Gründen ist er – wie wir enttäuscht feststellen – geschlossen. 

Auch der Zugang zum Grand Hotel Timeo, direkt neben dem Schauspielhaus gelegen, bleibt uns wegen der Veranstaltung verwehrt. Schade, denn das historische Haus hat eine beeindruckende kulturelle Tradition. Seit 1873 zieht es Künstler, Schriftsteller und Prominente aus aller Welt an. Auch Thomas Mann logierte hier, im Jahr 1920.

Foto: Abu Bakr Rieger

Sizilien – eine Bilanz

Zurück auf unserem Campingplatz nahe der Stadt ziehen wir Bilanz. Im Frühling ist die Insel ein blühendes Naturwunder, und die Präsenz der Antike – wie Goethe ausführlich beschreibt – unübersehbar. Wir fragen uns, ob auch das islamische Erbe auf seiner Reise spürbar war. Vielleicht ja – und vielleicht auch nicht. In Sichtweite unserer Unterkunft thront eine Burg, von arabischen Muslimen gegründet und später mehrfach umgebaut. Alles hier scheint Teil einer unaufhörlichen Metamorphose.

Vielleicht lebt das Erbe, das wir suchten, nicht in Steinen – sondern in Menschen. In einem Menschenschlag, der sich über Jahrhunderte aus vielen Quellen gespeist hat.

Ein letztes Mal fahren wir mit dem Rad zum Strand. Kurz vor dem Ziel entdecken wir hinter einer Steinmauer ein altes Schloss. Zu unserer Überraschung: An einem der Türme sind arabische Schriftzeichen zu erkennen – ein Lobpreis des Schöpfers. 

Das Castello di San Marco ist heute ein Hotel. Wir klingeln am schmiedeeisernen Tor. Das Personal heißt uns freundlich willkommen und überreicht eine kleine Broschüre mit der Geschichte des Hauses.

Ein Mosaik aus Persönlichkeiten prägte diesen Ort seit dem 17. Jahrhundert. Der verstorbene Vater des heutigen Eigentümers – ein bekannter Geschäftsmann, wie man uns erzählt – war begeistert von der islamischen Kultur Siziliens. Seine Leidenschaft spiegelt sich in vielen Details der Architektur und Gartengestaltung.

Im zauberhaften Garten des Anwesens sitzen wir still und beobachten die Gäste, die ein und aus gehen. Und fragen uns: Wer von ihnen hebt den Blick – und entdeckt die Schrift über sich?

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Aufstieg zum Ätna – Natur lehrt Demut

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IZ-Reiseblog: Unser Autor will auf den sizilianischen Vulkan Ätna – und erfährt dabei die majestätische Eigenschaft des Schöpfers.

(iz). In der Landschaft rund um den Vulkan Ätna treffen Gegensätze aufeinander. Die Natur zeigt sich hier in ihrer schönsten, aber auch in ihrer zerstörerischsten Form. Die gewaltigen Kräfte unter der Erde erzählen von ständiger Verwandlung – ein unaufhörlicher Zyklus aus Zerstörung und Erneuerung.

Trotz der steten Bedrohung zählt die Region zu den am dichtesten besiedelten auf Sizilien. Der Grund dafür ist einfach: Sobald die Lava abgekühlt ist, hinterlässt sie einen fruchtbaren Boden, der alles gedeihen lässt.

Das südliche Tor zum Ätna

Unsere Reise führt uns nach Nicolosi, das als südliches Tor zum Ätna gilt. Im 18. Jahrhundert sah es hier anders aus. Der deutsche Reisende Johann Hermann von Riedesel beschrieb den Ort so: „Um Nicolosi selbst ist alles mit Sand, welchen der Berg zu verschiedenen Malen ausgeworfen, überschüttet, und man siehet nichts als Maulbeerbäume in diesem verbrannten Erdreiche, welche jedoch als ein Wunder gut wachsen und Blätter bringen.“

Die alten Lavaströme sind heute erstarrt. Bei unserer Ankunft liegt die gesamte Umgebung in einem dichten Wolkenmeer. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf Wetterbesserung zu hoffen.

Zur Überbrückung lesen wir in Goethes „Italienischer Reise“. Auch er war auf den Spuren von Riedesel unterwegs, hatte dessen Buch im Gepäck – und erlebte ebenfalls eine Enttäuschung: Der Aufstieg zum Gipfel wird ihm wegen der Jahreszeit nicht empfohlen.

Stattdessen rät man ihm zur Besteigung des Monte Rossi. „Sie werden von da des herrlichsten Anblicks genießen und zugleich die alte Lava bemerken, welche dort 1669 entsprungen, unglücklicherweise sich nach Catania hereinwälzte.“

Goethe folgt dem Rat und schildert seine Eindrücke lebendig:„Wir rückten dem roten Berge näher, ich stieg hinauf, er ist ganz aus rotem vulkanischen Grus, Asche und Steinen zusammengehäuft.“ Doch ein Sturm zwingt ihn bald zum Rückzug. Sein Reisebegleiter, der Maler Kniep, fertigt Skizzen zur Erinnerung an.

Unter dichten Wolken

Am nächsten Tag liegt der Ätna weiterhin unter dicken Wolken. Es regnet. Dennoch machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Monte Rossi – ca. zwei Stunden entfernt. Glücklicherweise klart der Himmel rund um den kleinen Nebenkrater auf. Selbst wenn der Ätna als solcher nicht zu sehen ist, reicht der Blick nun bis nach Catania und über die beeindruckende Landschaft.

Dann, endlich, am nächsten Morgen bricht die Sonne durch. Wir fahren zur Talstation am Südhang des Vulkans, auf fast 2.000 Meter Höhe. Heute ist das Gebiet touristisch erschlossen – eine Erkundung erfordert keinen besonderen Wagemut mehr. Mit der Seilbahn und Geländewagen geht es weiter nach oben.

Von dort aus wandern wir mit einem Bergführer entlang der Krater. Das gesamte Massiv ist in Bewegung. Immer wieder kommt es zu Eruptionen, neue Trichter entstehen, der Gipfel wächst. Der Wind peitscht, es ist schwer, auf den Beinen zu bleiben – man spürt die unbändige Kraft dieser Landschaft.

Schon Goethes Zeitgenossen versuchten, dieses Erlebnis in Worte zu fassen. Der englische Reisende Patrick Brydon schrieb: „Doch hier muss jede Beschreibung zu kurz kommen: denn keine menschliche Einbildungskraft hat es wohl je gewagt, sich ein Bild von einer so herrlichen und prächtigen Scene zu denken, noch gibt es auf der Oberfläche unseres Erdballes einen Punkt, der so viele erhabene Gegenstände vereinigte.“

Auch Riedesel notierte voller Begeisterung: „Hier, auf diesem Gipfel eines der höchsten Berge in der Welt, genoss ich der weitesten und schönsten Aussicht, welche zu erdenken ist. Hinter den apenninischen Gebürgen in Calabrien sah ich die Sonne aufgehen und hervorkommen; sie beleuchtete die ganze morgenseitige Küste Siciliens, und das Meer, welches diese Insel von Calabrien scheidet.“

Foto: Abu Bakr Rieger

Erinnerungen an Homer

Wir denken hier oben unweigerlich an eine andere große Reiseerzählung: Homers „Odyssee“. Wie muss der feuerspeiende Vulkan auf die antiken Griechen gewirkt haben, lange bevor es wissenschaftliche Erklärungen dafür gab? Für sie wurde der Ätna zum Symbol des Ungeformten, des Chaos, das der Mensch mit List und Mut zu bezwingen sucht.

Der Held Odysseus kämpft nicht nur gegen Zyklopen und Sirenen – er ringt mit den Urgewalten. So wird der Feuerberg zum Topos der Seele: ein Ort innerer Prüfungen, ein Gleichnis für das Elementare. Ein Vulkan in der Psyche – vielleicht in jedem von uns –, der sich zwischen Gefahr und Heimkehr, Hybris und Demut bewegt.

Der majestätische Anblick lehrt Demut

Wir verbringen einige Zeit an diesem besonderen Ort. Vor dem majestätischen Anblick des Ätna stockt einem der Atem – der Rauch, die Lava, die Kraft aus dem Innersten der Erde.

Als Muslime erinnern wir uns in solchen Momenten daran, dass all dies ein Zeichen der Größe Allahs ist. Im Islam bewundern wir die Wunder der Natur, doch wir verwechseln das Geschaffene nie mit dem Schöpfer. Der Vulkan ist beeindruckend, ja ehrfurchtgebietend – aber nicht göttlich. Unsere Ehrfurcht gilt allein Dem, Der ihn erschaffen hat.

Foto: Abu Bakr Rieger

Heute existiert man in einer technisierten Welt. Doch das Bewusstsein wächst, dass wir – trotz jeden Fortschritts – die Natur nicht beherrschen können. Wir müssen mit ihr leben, nicht gegen sie. Diese Wahrheit zeigt sich in einer Begebenheit, die das Leben in dieser Region eindrucksvoll spiegelt.

Beim großen Ausbruch von 1991/92 drohte der Lavastrom das Dorf Zafferana Etnea zu zerstören. Wissenschaftler sprengten Dynamit, Ingenieure gruben Kanäle und errichteten Erdwälle, um den Strom umzuleiten. Zementblöcke wurden herangeschafft, um ihn zu spalten.

Gleichzeitig vertrauten viele Menschen auf höhere Mächte: Prozessionen wurden in der Hoffnung auf himmlischen Beistand organisiert. Als die Lava im Juni 1992 nur wenige hundert Meter vor dem Ort zum Stillstand kam, sahen sich beide Seiten bestätigt.

Der Ätna hat sich beruhigt – vorerst. Doch er erinnert uns daran, dass wir Menschen nicht die Herren über die Erde sind. Vielleicht ist das seine wichtigste Botschaft.

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Pirandello oder die Sehnsucht nach dem Süden

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IZ-Reiseblog: Unserem Autor begegnet der Schriftsteller Pirandello auf dem Weg durch Sizilien.

(iz). Die Sehnsucht nach dem Leben im Süden, ist sie Teil des modernen Spiels mit den Identitäten? Wir besuchen einen Ort mit dem sinnreichen Namen „Caos“. Dort, am Stadtrand von Agrigent, wurde am 28. Juni 1867 der Nobelpreisträger Luigi Pirandello geboren. Wie kein anderer beschreibt er Sizilien und seine Menschen. Das Geburtshaus des Schriftstellers steht heute auf unserem Besuchsprogramm.

Pirandello schuf unvergessliche Bilder von Sizilien

Seine sizilianischen Novellen, wie zum Beispiel „Ciàula entdeckt den Mond“, schaffen unvergessliche Bilder und gehören zum besten, was je geschrieben worden ist.

Der Titelheld ist ein junger Mann, der als Lastenträger in einer Schwefelmine in Sizilien arbeitet. Sein Leben ist hart, von Armut und Missachtung von seinem eigenen Umfeld geprägt. Er fürchtet die Dunkelheit und gilt bei den anderen Arbeitern als einfältig. Nach einem anstrengenden Tag wird Ciàula gezwungen, noch einmal mit einem schweren Korb Schwefel zur Oberfläche zu steigen, obwohl es bereits Nacht ist. Der Weg aus dem Labyrinth verläuft durch enge, dunkle Stollen – etwas, das ihm große Angst macht.

Doch als er aus dem Schacht tritt, geschieht das Unerwartete: Er sieht zum ersten Mal bewusst den Mond. Dieser Anblick löst in ihm eine tiefe emotionale Erschütterung und ein Staunen aus. Er ist überwältigt von der Schönheit der Welt – eine Offenbarung, die fast wie ein spirituelles Erwachen wirkt: „Groß, ruhig, wie in einem frischen, leuchtenden Ozean der Stille stand ihm der Mond gegenüber“.

Ein anderes Beispiel für die erzählerische Meisterschaft des Autors ist die Novelle „Da sé“. Die Geschichte dreht sich um einen Mann mittleren Alters, der in seiner Jugend als wohlhabend und angesehen galt, nun jedoch verarmt ist und mit den Konsequenzen seiner gescheiterten Existenz zu kämpfen hat.

Der soziale Abstieg und die Verzweiflung über seine Situation treiben ihn zu dem Entschluss, sich das Leben zu nehmen. Er ist der Meinung, dass der Tod die einzige Möglichkeit ist, der Belastung für seine Angehörigen zu entkommen. Er wandert in die Berge, um allein und abgeschieden zu sterben – weit entfernt von seiner Familie und ohne dass jemand von seinem Selbstmord ahnt.

Im letzten Moment entscheidet er sich jedoch, selbst zum Friedhof zu gehen, um seinen Angehörigen weitere Kosten zu ersparen. Auf diesem Weg, innerlich losgelöst von den Bindungen an die Welt, erfährt er das ganze Wunder des Seins.

Zwischen Absurdität und profundem Nachdenken

Diese Novellen zeigen Pirandellos Fähigkeit, das Absurde des Lebens mit einer tiefen philosophischen Reflexion zu verbinden. Der tragikomische Moment – das Aufeinandertreffen von Verzweiflung und Hoffnung – ist typisch für den Denker, der in seinen Arbeiten immer wieder den inneren Konflikt des Menschen untersucht.

Jenseits der materiellen Verhältnisse – egal ob es sich um Bauern, Tagelöhner, Bürger, Adelige, Unternehmer, Notare oder Ärzte handelt –, alle Figuren des Schriftstellers verbinden die Tragik der Existenz. Und, es sind Menschen, die Teil ihrer Heimat sind und gleichzeitig als universelle Gestalten verstehbar sind. Die Idee des Nationalismus wird ihnen nicht gerecht.

Eine der philosophischen Grundfragen, die Pirandello behandelt, ist die Frage nach der Identität. Für ihn ist die Realität ein kontinuierlicher Fluss, und alles, was sich von diesem Strom löst, stirbt. Die Wirklichkeit hat eine Vielzahl von Aspekten und ist nicht rational zu erfassen.

„Ach, Sie glauben, Konstruktion hätte nur mit Gebäuden zu tun? Ich konstruiere mich andauernd, und ich konstruiere Sie, und Sie tun dasselbe. Und die Konstruktion hält so lange, bis das Material unserer Gefühle zerbröckelt und der Zement unseres Willens zerfällt. […] Es genügt, dass der Wille ein wenig schwankt und sich die Gefühle in einem Punkt wandeln, ja auch nur geringfügig verändern, und dahin ist unsere Wirklichkeit!“ (Einer, keiner, hunderttausend, 1925)

Was kommt nach den Masken?

Was bleibt vom Menschen, wenn alle Masken gefallen sind? Für Luigi Pirandello lautet die Antwort: nichts, oder – schlimmer – zu viel. Nicht der Kern tritt zutage, sondern ein Durcheinander aus Rollen, Blicken, Zuschreibungen. Das Werk stützt keine Ideologie, nicht einmal die des Zweifelns. Der Mensch ist eine Bühnenfigur – aber ohne Stück, Regisseur oder Bühnengestalt, die ihm wirklich gehört.

In einer Welt, die nach Haltung verlangt sowie Klarheit, Zugehörigkeit und Weltanschauung verlangt, ist das ein Affront. Pirandello erklärt keine Alternative, ruft nicht zur Revolution auf. Er stellt sich nicht in eine Linie, gründet weder eine Schule, noch bekennt er sich zu einer Partei.

Seine Figuren – selbst die, die handeln – glauben nicht an das, was sie tun. Sie spielen, weil es verlangt wird, ohne zu wissen, wer sie sind. In einer Zeit, in der alle etwas sein wollen – eindeutig, sichtbar, richtig –, flüstert Pirandello: „Du bist nichts. Du bist viele. Du bist ein Spiegel im Nebel.“

Nur, fragen wir uns, auf einer Bank im Garten des Dichterhauses, ist der in diesem Sinne „identitätslose“ Mensch am Ende nur ein Spielball der politischen Mächte? Was verstehen wir heute unter Identität?

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Foto: Adobe Stock

Schlussfolgerungen der Moderne

Es ist kein Zufall, sondern die logische Konsequenz der Moderne, dass uns Muslime in den letzten Jahrzehnten Identitätsdebatten beschäftigen. Dabei ist es klar, dass wir in spiritueller Hinsicht, sei es im Gebet oder auf der Pilgerreise, anstreben die Identität aufzulösen.

Auf der anderen Seite ist es ein Segen, dass uns der Islam eine konkrete Rechtsposition gewährt, wir nicht nur einzelne Träger unseres Schicksals sind, sondern auch Eheleute oder Vertragspartner werden können. Muslimisches Sein definiert sich nicht durch die Masse.

Die individuelle und kollektive Dimension des Menschen ist aus unserer Sicht eine Frage der Balance. Niemand erreicht heute die heiligen Stätten, ohne einen Reisepass zu besitzen. Muslime sind mit Rechten und Pflichten versehene BürgerInnen des Rechtsstaates und Akteure der Zivilgesellschaft. Wir benutzen Sprachen, die Erklärungsmodelle ermöglichen und wir sind in der jeweiligen geografischen Situation – auf unterschiedlichste Weise – kulturstiftend.

Zu verstehen, dass die Identitäten fließend sind, wir im Alltag verschiedene Rollen annehmen, dass sich unsere Persönlichkeit permanent auflöst, verändert und entwickelt, ist die Quintessenz dieses Verständnisses der Moderne.

Foto: alphaspirit.it, Shutterstock

Die Beschäftigung mit europäischen Schriftstellern zeigt uns, welche Fragen in dieser Zeit zu beantworten sind. Sie sind Vorlagen für einen Dialog. Überhaupt ist das Lesen etwas, das wie die Bildung mit unserer Unabhängigkeit konstituiert. Nur in der Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen gewinnen wir die Souveränität im Umgang. Timothy Snyder schreibt in seinem neuesten Buch über den Kontext von Lesen, Bildung und Freiheit: 

„Unsere derzeitige Laune, die Vergangenheit aus meist selbstgerechten Gründen zu verwerfen, hat mit unserer technisierten Unfähigkeit zu tun, uns zu konzentrieren und zu tolerieren. Wir werden von einer Social-Media-Nemesis darauf trainiert, der Herde zu folgen und die Herde zu keulen. Doch wenn wir uns dem Lesen verweigern, tauschen wir nicht die Vergangenheit gegen die Zukunft ein. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft. Wir tauschen die Vergangenheit gegen einen prekären Stillstand.“

Im Dichterhaus ist die Moderne eingezogen. Nach der Renovierung muss man eine App herunterladen, um das Gewirr von Schaubildern, Video-Präsentationen und alten Handschriften zu ordnen. Ein Chaos von Eindrücken auf engstem Raum. Nach dem Besuch der Ausstellung laufen wir über den Parkplatz zu einer Baracke, die mit der großen Aufschrift „Literaturcafé“ wirbt.

Vor dem Gebäude sitzen vier alte Männer und sonnen sich. Wir grüßen. Unsere Anfrage nach einem Cappuccino verneinen sie lachend. So etwas gibt es hier schon lange nicht mehr! Wir fragen, ob Bücher zum Verkauf stehen. Einer der Senioren steht auf, führt uns an die Tür des Cafés und zeigt auf einen Bücherschrank. Er ist leer.

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Selinunt oder was Ruinen mit uns machen

Selinunt

IZ-Reiseblog: In den Tempelruinen von Selinunt macht unser Autor existenzielle Erfahrung.

(iz). An der malerischen Südküste Siziliens, direkt am türkisblauen Mittelmeer, liegt Selinunt – eine der eindrucksvollsten archäologischen Stätten Europas. Einst eine mächtige griechische Kolonie, ist es heute vor allem für seine imposanten Tempelruinen bekannt, die majestätisch über der Küste thronen.

Besonders beeindruckend sind Tempel E (vermutlich der Hera geweiht, mit seinen weitgehend rekonstruierten Säulen) und Tempel G. Letzterer ist einer der größten je errichteten dorischen Bauwerke dieser Art, dessen monumentale Trümmer selbst heute gewaltige Ausmaße erahnen lassen.

Doch nicht alles ist so klar erkennbar: Über das weitläufige Gelände verteilt liegen unzählige Trümmerteile wie Säulenreste und Mauerfragmente, die sich für den Laien nur mit Fantasie sinnvoll zusammensetzen lassen. Insbesondere dieser Kontrast aus aufgebauten und scheinbar chaotischen Ruinen verleiht dem Ort eine besondere Atmosphäre – zwischen archäologischer Entdeckung und stillem Verfall.

Selinunt – Ankunft nach Kampf auf und mit dem Rad

Wir kommen etwas abgekämpft an. Auf Google-Maps sah die Strecke für Radfahrer einfach aus. In Wirklichkeit verfahren wir uns, müssen durfs Gestrüpp, überwinden einen Zaun. Man schimpft auf die Technik. Und wir begegnen Wachhunden, die – Gott sei Dank – auf Bittgebete reagieren.

Dann geht es eine Weile bergauf. Wir schnaufen in der Morgensonne und stehen auf der Anhöhe unvermittelt vor grandioser Landschaft und einem großen Tempel. Allerdings sind wir an diesem Morgen ein wenig aus dem Tritt geraten und noch nicht bereit für eine tiefere Erfahrung.

Jeder Reisende weiß, wie wichtig die eigene Stimmung für unsere Eindrücke ist. Diese Schwankungen können auch Genies ergreifen. Als Goethe die Insel am 13. Mai 1787 verlässt, gerät das Schiff in einen Sturm. Der Dichter wird seekrank und blickt auf seine Reise zurück, die nun in „keinem angenehmen Licht erscheint“.

Er gerät in einen seelischen Strudel und zweifelt am Sinn seiner Erkundungen. „Wir hatten doch eigentlich nichts gesehen, als durchaus eitle Bemühungen des Menschengeschlechts, sich gegen die Gewaltsamkeit der Natur, gegen die hämische Tücke der Zeit und gegen den Groll ihrer eigenen feindseligen Spaltungen zu erhalten.“

Selinunt, beklagte er weiter, „liegt methodisch umgeworfen“ in der Tradition vergangener und künftiger Zerstörungskraft. Die nihilistische Anwandlung korrigiert Goethe sogleich: „Diese wahrhaft seekranken Betrachtungen eines auf der Woge des Lebens hin und wider Geschaukelten ließ ich nicht Herrschaft gewinnen.“

Foto: Abu Bakr Rieger

Das Schweigen der Tempel

Wir stellen unsere Räder ab und besuchen zunächst das Museum, das zwischen den beiden Tempeln liegt. Wir wandern durch die Ausstellungsräume, lesen einige Texte, betrachten Vasen in den Vitrinen und sind etwas ungeduldig, denn mehr interessiert uns insgeheim der Cappuccino, der im Hof angeboten wird. So ist es nur ein Satz, den wir wirklich mitnehmen. Er ist am Eingang des Museums zu lesen und stammt von dem französischen Philosophen Jean Paul Sartre: „Wir hinterfragen die Tempel von Selinunt, ihr Schweigen hatte mehr Gewicht als viele Worte.“

Bei einem Kaffee besprechen wir das Rätselwort des Existentialisten. Meint er etwa, dass die leblosen Steine, die die Anlage bilden, uns Heutigen, den letzten Touristen, nichts mehr zu sagen haben? Oder ist diese negative Interpretation, nur der eigenen Stimmung geschuldet? Stimmungswechsel sind manchmal Kleinigkeiten unterworfen. Sie werden durch eine Pflanze, die man sieht, einem Blick eines Passanten oder – wie in unserem Fall – durch die belebende Wirkung eines guten Cappuccinos verursacht.

Als wir wieder aus dem dunklen Innenhof in die sonnige Landschaft vor dem Gebäude treten, erinnern wir uns an eine Passage aus den Wanderjahren des Italienreisenden Ferdinand Gregorovius. Er schrieb über seinen Besuch: „Zu Selinunt stellt sich nur eine einzige Epoche dar, ringsum keine Spur von Leben, die feierlichste Öde zu beiden Seiten, eine grenzenlose, aber selige Verlassenheit, ein verschwimmender Meereshorizont, tiefstes Schweigen und mythenvolle, odyseeische Einsamkeit.“ Diese Worte, finden wir, passen.

Foto: Abu Bakr Rieger

Wie wirken Ruinen auf uns?

Es gibt eine ganze Philosophie über die Wirkung von Trümmern auf den Menschen. Wir können sie schön finden, oder hingegen in ihnen Symbole für die Vergeblichkeit allen menschlichen Strebens sehen und verzweifeln. Wir versinken dann im Mythos des Sisyfos. Aber mit den imaginären Fähigkeiten, über die wir verfügen, können wir uns genauso in einen Zeitraum versetzen, der an einem anderen Leben teilnehmen lässt.

Wir ahnen dann Verhältnisse, die in einem Zwischenraum zwischen Himmel und Erde, Menschen und Göttern angesiedelt sind. In diesem Falle sprechen Steine, die von den größeren Zusammenhängen erzählen. Diese Stimmung muss nicht rückwärtsgewandt sein. Sie erhebt uns vielmehr im Hier und Jetzt in einen anderen Zustand, der für die eigene Zukunft entscheidend sein kann.

Wir sind versöhnt mit diesem Tag und laufen auf eine Anhöhe hinauf, die eine Rundumsicht gewährt. Im Schatten sitzend blicken wir über die Tempel hinweg auf das blaue Meer. Wir beobachten Eidechsen, die zwischen den Steinen leben, von jeher Bewohner, die nicht in zeitlichen Kategorien denken. Sie sind in der Sonne einfach nur da. Wie wir.

Es ist spät geworden und wir verlassen den Park auf dem offiziellen Weg; an staunenden Besuchern vorbei, die im Gegensatz zu uns lange Wege gehen müssen. Im Kassengebäude, durch das wir die Fahrräder bugsieren, stellt uns eine Ordnungskraft.

Man braucht kein Italienisch zu können, um aus dem zischenden Ton den Vorwurf herauszuhören, man habe Gesetze gebrochen haben. Wir schieben die Schuld auf die moderne Technik, die uns den Weg gewiesen hat. Die nachträgliche Entrichtung des Eintrittspreises ist kein Problem, sorgt aber nicht dafür, dass das Gespräch freundlich endet. Wir sind ungehalten und zahlen – ohne, dass wir es gleich bemerken – einen anderen Preis. Die Welt hat uns wieder.

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Mit Thomas Mann auf Sizilien

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IZ-Reiseblog: Ein Besuch in Milazzo (Sizilien) führt unseren Autor von der Thomas Mann-Lektüre zum Nachdenken über die muslimische Community.

„Träumen wir nicht nur vom Süden, sondern auch von idealen Gemeinschaften?“ 

(iz). „Der Zauberberg“ von Thomas Mann spielt in den Schweizer Alpen – fern von den Naturschönheiten Siziliens. Auf den ersten Blick ist das Buch keine passende Reiselektüre für uns.

Diese Einschätzung ändert sich, wenn man an einen der Sinnsprüche aus dem Roman denkt: „Der Mensch ist Herr der Gegensätze, sie sind durch ihn, und also ist er vornehmer als sie.“ Berge und Meer, Sommer und Winter sind Ur-Phänomene.

Kontrapunkte des Lebens auf Sizilien

Sie sind Kontrapunkte, die uns zeitlebens bestimmen und die wir in dem Gedanken der Einheit allen Seins überwinden. Thomas Mann sieht das Leben im Schnee und die Erfahrung am Meeresstrand in mehrfacher Hinsicht verwandt, denn „die Urmonotomie des Naturbildes ist beiden Sphären gemeinsam“.

Wir unternehmen an einem schönen Frühlingstag einen Spaziergang an das Capo Milazzo im Norden Siziliens. Der Weg führt an blühenden Blumen vorbei an einen Aussichtspunkt, von dem man auf den Küstenabschnitt herabblickt.

Die Szenerie erinnert uns an eine Beschreibung in Thomas Manns Roman: „Da lag das Meer – ein Meer, das Südmeer war das, tief-tiefblau, von Silberlichtern blitzend, eine wunderschöne Bucht, dunstig offen an einer Seite, zur Hälfte von immer matter blauen Bergzügen weit umfasst.“

Das Zitat ist aus einem Traum, den Hans Castorp, der Protagonist des Romans, während einer Schneewanderung erlebt. Erstaunlicherweise war er, vor seinem Aufenthalt in dem Sanatorium, bisher nur im Norden Europas unterwegs. „Er hatte auf Ferienreisen vom Süden kaum genippt, kannte die raue blasse See und hing dann mit kindlichen schwerfälligen Gefühlen, hatte aber das Mittelmeer, Neapel, Sizilien oder Griechenland, niemals erreicht“.

Nachdem er auf seiner Wanderung im Schneesturm nur in „das Nichts, das weiße, wirbelnde Nichts“ geblickt hatte, erinnert er sich jetzt träumend an eine südliche Atmosphäre. „Ja, das war eigentümlich ein Wiedererkennen, das er feierte.“ Er hatte das Bild, oder sagen wir die Sehnsucht danach, in seinem Herzen.

Foto: A. Rieger

Herunter ans Wasser

Wir steigen jetzt die Stufen hinab zum Küstenstreifen und sehen in einiger Ferne ein natürliches Bassin, das durch die Wellen des Meeres mit Wasser versorgt wird. Eine Gruppe junger Menschen badet darin. Auf den umliegenden Klippen sonnen sich einige Wanderergruppen.

Wieder kommt uns eine andere Szene aus dem Roman in den Sinn: Castorp erlebt in seiner Traumsequenz eine ähnliche Situation. Er sieht ein sonnendurchflutetes, friedliches mediterranes Tal, in dem Leute in Schönheit, Harmonie und Liebe zusammenleben.

„Menschen, Sonnen- und Meereskinder, regten sich und ruhten überall, verständig-heitere, schöne junge Menschheit, so angenehm zu schauen.“ Er bewundert insbesondere die höfliche Rücksicht der Gruppe, ihre Würde und Strenge, „doch ganz ins Heitere gelöst“ und eine aufgeschlossene Frömmigkeit, die ihr Tun und Lassen bestimmt.

Visionen eines anderen Lebens

Thomas Mann schafft so eine Vision, die, an die, unter dem Eindruck des schrecklichen Weltkrieges entstandenen „Lebensreformmodelle“ der 1920er Jahren, erinnern. Im Zauberberg zeigt er Interesse an alternativen Praktiken, von der Psychoanalyse, über antibürgerliche Heilmethoden bis zum Vegetarismus.

Sein Urteil schwankt diesbezüglich zwischen Verständnis und Ablehnung. Er versteht, dass die Menschen von den Ideologien flüchten wollen, befürchtet aber, dass aus dem verbreiteten Irrationalismus eines Tages politische Gefahren erwachsen können. Fakt ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Versuche in Europa entstehen, alternative Gemeinschaften und Lebenspraxen zu entwickeln.

Thomas Mann

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R15883 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Die Frage des Verhältnisses von Staat, Gesellschaft, Gemeinschaft und dem Einzelnen prägen im „Zauberberg“ auch einige, noch immer lesenswerte Diskussionen zwischen zwei Gelehrten, die als Mentoren Hans Castorps auftreten. Die Gespräche der beiden gegensätzlichen Charakteren sind, wie wir sehen werden. Von beinahe unheimlicher Aktualität.

Hier eine verkürzte Auswahl zentraler Gedanken:

Settimbrini behauptet: „Zwei Prinzipien lägen im ewigen Kampf um die Welt, „die Macht und das Recht, die Tyrannei und die Freiheit, der Aberglaube und das Wissen, das Beharren und der Fortschritt, Asien und Europa.“ Seine Hoffnung für die Zukunft liegen auf der Rationalität, der Demokratie und den Wissenschaften. 

Naphtha dagegen kritisiert den immanenten Kapitalismus des weltlichen Staates, dessen bürgerliche Ideologie eine Transzendenz anstrebt, die langfristig auf einen Weltstaat hinausläuft. „Das Geld wird Kaiser sein, – das ist eine Prophezeiung aus dem 11. Jahrhundert“, erklärt dieser skeptisch.

Unter anderem beruft er sich auf mittelalterliche Zinsverbot, das verhindern soll, dass „die Zeit um Vorteil des einen und Schaden des Anderen mißbraucht wird“. Und er kommt zu einem radikalen Schluss: „Gotteseifer kann nicht pazifistisch sein“. Er glaubt an die Notwendigkeit des Terrors, um die „ungläubige“ Menschheit zu retten. Paradoxerweise sieht Naphtha seine Forderungen nicht in einem christlichen Gottesstaat, sondern in der Ideologie des Kommunismus umgesetzt.

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Foto: Imago | tagesspiegel

Zur Zukunft muslimischer Gemeinschaften

Während wir uns auf einer Bank hingesetzt haben, sinnen wir über die Zukunft von muslimischen Gemeinschaften nach und ihre künftige Rolle im modernen Staat. 

Die Community muss aus unserer Sicht eindeutig in der Zivilgesellschaft verortet sein. Klar sind wir in der Ablehnung gegenüber rückwärtsgewandten Gotteskriegern, die – Naphthas Gedankengang folgend – ohne Rücksicht auf Verluste von einem „islamischen Staat“ träumen.

Was ist aber die positive Vision, wie sieht ein Gemeinwesen aus, dass sich nicht nur auf eine abstrakte Vereinsmitgliedschaft beschränkt? Uns schwebt eine solidarische Gemeinschaft vor, die eine gemeinsame Sprache spricht und kulturstiftend wirkt, Brücken baut und sich sozial engagiert.

„Sonnenleute“, die mit lebensbejahender Kraft agieren, sich gegenseitig respektieren, ohne der Idee einer religiösen Uniformierung zu folgen und den Tod aus ihrem Leben zu verdrängen. Ist das eine Utopie? Vielleicht. Dann ist es die Aufgabe der Schriftsteller, unsere imaginären Kräfte neu zu stimulieren.

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Sizilien: Die Küche eines Schmelztiegels

Sizilien Küche

Sizilien war von 827 bis 1091 ein arabisches Emirat. In dieser Zeit herrschten drei arabische Dynastien. (My Halal Kitchen). Ich liebe es, etwas von der Geschichte des Essens zu erfahren. […]

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Kaiser Friedrich II. als "Wunder" seiner Zeit. Von Sulaiman Wilms

„In jenem Jahr starb Kaiser Friedrich … Man sagt, dass der Kaiser insgeheim ein Muslim war.“ Ibn Al-Furat[1] „(…) alle Völker, denen Kaiser Friedrich II. zugehörte, denen er sich zurechnen […]

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