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Gezielte Tötung von Kindern im Gazastreifen

Kinder Tötung Genozid

Rund 72.000 Menschen sind nach UN-Angaben bisher im Gazastreifen bei israelischen Attacken gestorben. Unter den Opfern sind zahlreiche Kinder. Israel weist die Anschuldigungen vehement zurück. 

Genf (dpa/IZ) Israel hat laut einem neuen UN-Bericht im Gazastreifen und im Westjordanland gezielt Kinder ins Visier genommen. Diese Attacken zählten als Völkermord, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, erklärte eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen. Israel hat die Vorwürfe des Berichts vehement zurückgewiesen. Internationale Organisationen wie Amnesty International erheben seit Jahren schwerste Vorwürfe gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen, Ärzte vor Ort berichteten von erheblicher Steigerungen der Anzahl von gezielten Kopf-, und Bauchschüssen bei Kleinkindern.

Tötung von Kindern belegt genozidale Absicht Israels

Laut dem Bericht der Kommission sind seit dem Anschlag der Hamas und anderer Gruppen in Israel im Oktober 2023 bis zum Waffenstillstand vom Oktober 2025 mindestens 20.179 Kinder im Gazastreifen als direkte Folge des militärischen Konflikts getötet worden, darunter mindestens 5.031 Kinder bis zum Alter von vier Jahren. Mehr als 44.000 Kinder seien verletzt worden, hieß es. In der UN-Definition zählen als Kinder alle Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren. 

Der UN-Darstellung zufolge wurden palästinensische Kinder während ‌des Krieges bewusst ⁠getötet. Das betreffe auch die Zeit nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober 2025. Auch nach dem Waffenstillstand würden weiterhin Kinder getötet und schwer verletzt. Die gezielte Tötung von Kindern sei eines der Schlüsselelemente, „das die genozidale Absicht der israelischen Behörden und Sicherheitskräfte belegt, die palästinensische Gruppe im Gazastreifen ganz oder teilweise zu vernichten“, so der Bericht der Expertenkommission, die im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates tätig ist. 

Palästinensische Kinder wurden den UN-Angaben zufolge verhaftet und in israelischen Gefängnissen gefoltert und schwer misshandelt. Obendrein hätten israelische Sicherheitskräfte sexuelle Gewalt gegen Kinder als Teil der kollektiven Beschämung und Unterdrückung eingesetzt. Zudem gehören neben den Angriffen auch wiederholte Vertreibung und der bewusste Einsatz von Hunger, durch Blockaden dringend benötigter Lebensmittel und Medikamente, zum Repertoire der israelischen Kriegsführung.

Einsatz von weißem Phosphor in Gaza und Südlibanon

Einer der Vorwürfe der Kommission: die israelischen Streitkräfte hätten trotz steigender Opferzahlen unter Kindern weiterhin Munition mit großer Sprengkraft und Waffen mit Flächenwirkung in dicht besiedelten Wohngebieten eingesetzt. Die israelischen Sicherheitskräfte brächten die Zivilbevölkerung als Ganzes mit der Hamas und anderen bewaffneten Gruppen in Verbindung. Der Vorsitzende der Kommission, Srinivasan Muralidhar, warf Israel zudem vor, die ‌Fähigkeit des palästinensischen Volkes zu existieren und seine Zukunft zu bestimmen, durch das Angreifen von Kindern zu untergraben.

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International werfen dem israelischen Militär seit Längerem den wiederholten und systematischen Einsatz von weißem Phosphor in dicht besiedelten Gebieten im Gazastreifen und im Südlibanon vor. Der Einsatz der Substanz in zivilen Zonen gilt völkerrechtlich als schwerer Verstoß.

Israel bezeichnete den Bericht als zutiefst fehlerhaft und einseitig. Das Dokument sei voller Verzerrungen, deren einziger Zweck darin bestehe, eine politisch motivierte antiisraelische Erzählung voranzutreiben. Zehntausende israelische Kinder hätten als Folge des Terrorüberfalls der Hamas zumindest zeitweise umgesiedelt werden müssen, hieß es.

In einer Erklärung des israelischen Außenministeriums heißt es, die Hamas rekrutiere und missbrauche systematisch Kinder als Kämpfer, Boten, Tunnelarbeiter und menschliche Schutzschilde – unter anderem zur Informationsbeschaffung, zum Verlegen von Sprengsätzen auf Straßen und für direkte Angriffe auf israelische Streitkräfte. Die Hamas räume die Rekrutierung von Minderjährigen selbst ein, so die Behauptung Israels. 

Israel warf der Hamas außerdem vor, gezielt Waffen an Orten zu lagern, die Kinder gefährdeten. Soldaten hätten in Wohnhäusern Raketen entdeckt, die unter Kinderbetten versteckt waren, sowie Tunneleingänge unter Kinderbetten. Ein Waffenlager in einer Schule habe Granaten, Schusswaffen und RPG-Raketen enthalten. 

Zerstörte Kindheit laut UN unumkehrbar 

„Selbst wenn die Bomben und Waffen im Gazastreifen und im Westjordanland verstummen, werden sich die palästinensischen Kinder nicht über Nacht erholen“, sagte Kommissionsvorsitzender Srinivasan Muralidhar. „Die Zerstörung ihrer Gesundheit, Bildung und Entwicklung ist unumkehrbar.“

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Amnesty dokumentiert Gewalt im Iran und fordert Untersuchung

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Schläge, Tritte und scharfe Munition: Amnesty International spricht von massiver Gewalt von Sicherheitskräften gegen Demonstranten im Iran und fordert eine UN-Untersuchung. Für Journalisten wird es derweil immer schwerer, über die Proteste zu berichten.

Teheran/Berlin (dpa). Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Gewalt gegen Demonstranten im Iran dokumentiert und fordert eine internationale Untersuchung. Sicherheitskräfte setzten etwa scharfe Munition, Schrotkugeln und andere Metallgeschosse ein. Es gebe zudem Berichte über massive Schläge sowie geschlechtsspezifische und sexualisierter Gewalt gegen Frauen, teilte die Organisation am Donnerstag mit.

Amnesty habe zudem den Tod von Dutzenden Frauen, Männern und Kindern dokumentiert, gehe aber von einer noch höheren Zahl von Todesopfern aus. Staatsmedien berichten bislang von mehr als 40 Toten. Die Tötung von Demonstranten müsse im Rahmen eines UN-Mechanismus untersucht werden, forderte Amnestys Generalsekretärin Agnès Callamard.

Im Iran dauern die Proteste derweil an. Sie waren vor mehr als zehn Tagen durch den Tod der 22 – jährigen Mahsa Amini ausgelöst worden und richten sich inzwischen gegen das islamische System im Iran. Eine weitere Journalistin, die über die Demonstrationen berichten wollte, wurde festgenommen, wie am Donnerstag bekannt wurde. Die reformorientierte „Hammihan“-Zeitung berichtete im Nachrichtenkanal Telegram, dass Elahe Mohammadi zunächst von der Justizbehörde einbestellt, aber schon auf dem Weg dorthin festgesetzt worden sei.

Genaue Angaben zur Anzahl der inhaftierten Journalisten gibt es nicht, aber die Rede ist von Dutzenden. Darunter ist Nilufar Hamedi  –  die Reporterin der Reformzeitung „Shargh“ war die erste, die den Tod von Masha Amini publik gemacht hatte.

Die Sittenpolizei hatte Amini wegen ihres angeblich „unislamischen Outfits“ festgenommen. Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften für Frauen. Was genau nach Aminis Festnahme geschah ist unklar. Die junge Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück und spricht von Herzversagen.

Die Familie Amini soll die mutmaßlich involvierten Polizisten nach Angaben ihres Anwalts inzwischen angezeigt haben. Seit dem Tod der 22-Jährigen demonstrieren landesweit Menschen gegen den repressiven Kurs des islamischen Systems. Als Reaktion hat die Regierung den Zugang zum Internet stark eingeschränkt  –  Informationen dringen nur schwer nach außen.

Präsident Ebrahim Raisi stimmte in einem Fernsehinterview am Mittwochabend einerseits versöhnliche Töne an, kündigte aber zugleich erneut ein hartes Vorgehen gegen Demonstranten an. Man sollte die „Toleranzschwelle“ auch mit Blick auf Proteste erhöhen, so Raisi. Er sprach zudem von einer möglichen Reform von Gesetzen, ließ dabei jedoch offen welche. Raisi warnte aber auch: Die Polizei werde konsequent gegen „Randalierer“ vorgehen.

Die Proteste finden landesweite Unterstützung, viele befürchten aber auch langfristig Chaos oder gar einen Bürgerkrieg. Wegen der Situation müssen Händler ihre Läden ganz oder früher schließen. Hinzu kommt die Internetsperre, die de facto alle Online-Geschäfte lahmgelegt hat. Das schadet der iranischen Wirtschaft, die ohnehin schon unter internationalen Sanktionen leidet. Unklar ist bislang, was das Ergebnis der Proteste sein könnte. Der Umsturz des Systems scheint bislang unrealistisch, auch weil weder im In –  noch im Ausland eine ernstzunehmende Opposition existiert.