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Die neue Geopolitik des Kaspischen Meeres

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Geopolitik: Der Irankrieg und der Krieg gegen die Ukraine verleihen dem Kaspischen Meer eine gesteigerte Bedeutung. (The Conversation). Der jüngste Angriff der Ukraine auf eine russische, mit Raketen bestückte Korvette, […]

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Muslime in Osteuropa – von Polen bis zum Kaukasus

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Die Muslime im östlichen und südöstlichen Teil Europas werden häufig übersehen – auch von den islamischen Communitys im Rest des Kontinents.

(iz). Fallen Begriffe wie „Muslime in Europa“ oder „Islam in Europa“ werden die meisten wohl vor allem und zuvorderst an die migrantischen bzw. postmigrantischen Gemeinschaften im Westen und Norden der EU denken.

Viele sehen zuerst ihre Communitys in Westeuropa – Moscheen in Paris, Berlin oder London. In den öffentlichen Debatten tauchen dagegen die traditionellen Muslime im Osten des Kontinents meist nur am Rand auf.

Dabei prägen sie seit Jahrhunderten still, aber beständig das religiöse und kulturelle Gesicht Europas. Eine Präsenz in der Debatte würde den vermeintlichen Gegensatz von „Islam“ und „Europa“ infrage stellen.

Treffen mit dem Mufti von Polen in der Moschee von Bialystok. (Foto: Anna Krasnicka)

In Polen und im Baltikum etwa leben tatarische Familien, deren Vorfahren seit dem Spätmittelalter im damaligen polnisch‑litauischen Reich sesshaft wurden.

Ihre kleinen Holzmoscheen in Orten wie Bohoniki oder Kruszyniany, Friedhöfe mit schlichten Grabsteinen und zweisprachige Inschriften erzählen von einer Verwurzelung vor Ort.

Viele dieser Lipka-Tataren verstehen sich als Teil der Mehrheitsgesellschaft – „zuerst Polen, dann Muslime“ – und verbinden Gebet, eigener Tradition und nationale Loyalität ohne große Worte.

Foto: Danita Delimont, Adobe Stock

Weiter südlich, auf dem Balkan, gehört der Islam für Millionen Menschen einfach zur Normalität des Alltags. In Bosnien‑Herzegowina, Bulgarien, Albanien, Kosovo oder Teilen Nordmazedoniens strukturieren Moscheen, Tekken und Familienfeste den Jahreslauf, neben orthodoxen Kirchen und katholischen Pfarreien.

Zwischen Kaffeehäusern, Sufi‑Gemeinschaften, studentischen Initiativen und NGOs entsteht ein buntes Bild gelebter Religion, das weniger von Konflikterzählungen als von Nachbarschaft, Musik und regionalen Dialekten geprägt ist.

Foto: Artem Merzlenko, Adobe Stock

In der Ukraine erinnern die Krimtataren mit ihren Gemeinden, Kulturtagen und Medienangeboten daran, dass der Islam dort eine lange Geschichte hat. Ihre Sprache, ihre Küche und die an Familien und Dorfstrukturen orientierte Frömmigkeit wurden über Jahrzehnte der Verfolgung und Vertreibung hinweg bewahrt.

Auch in anderen Regionen des Landes knüpfen jüngere Muslime an diese Traditionen an und tragen sie in Universitätsstädte und zivilgesellschaftliche Projekte.

Im europäischen Teil Russlands und im Kaukasus wiederum bilden sie eine der großen, selbstverständlichen Komponenten der Gesellschaft. In Tatarstan und Baschkortostan, in Dagestan, Tschetschenien oder Inguschetien füllen sich Freitagsmoscheen ebenso wie Universitäten, Kulturhäuser und Sportvereine.

Hier wird diskutiert, wie sich klassische Gelehrsamkeit, sufische Traditionen und die Erwartungen einer jungen, urbanen Generation miteinander verbinden lassen – oft mit Gelassenheit und Humor.

Überall in diesen Regionen arbeiten muslimische Gemeinden heute daran, ihre Tradition sichtbar zu halten und zugleich offen für die Gesellschaft zu sein. Sie organisieren Nachhilfe, Kulturfestivals, soziale Projekte und digitale Bildungsangebote – häufig in enger Kooperation mit nichtmuslimischen Partnern.

Wer auf diese Landkarte schaut, entdeckt ein anderes Bild des europäischen Islams: weniger polarisierte Schlagzeilen, mehr Nachbarschaft, Beharrlichkeit und die stille Selbstverständlichkeit, hier als Muslime zuhause zu sein.

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Neues Waffenpaket für die Ukraine

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Aus Sicherheitsgründen war der Besuch von Verteidigungsminister Pistorius in Odessa bis zum Ende geheim geblieben. Angesichts der russischen Offensive hat er eine wertvolle Ankündigung dabei. 

Odessa (dpa) Verteidigungsminister Boris Pistorius hat ein neues deutsches Waffenpaket zur Unterstützung der Ukraine im Umfang von einer halben Milliarde Euro angekündigt. „Wir werden euch in diesem Abwehrkampf weiterhin unterstützen“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend bei einem Treffen mit seinem Kollegen Rustem Umjerow in der südukrainischen Hafenstadt Odessa. Einige Materialien stünden schon unmittelbar vor der Auslieferung, ergänzte Pistorius. 

In dem Paket sei eine hohe Zahl von Flugkörpern für Flugabwehrsysteme vom Typ Iris-T SLM mit mittlerer Reichweite und eine kleinere Zahl von SLS-Flugkörpern mit kürzeren Reichweiten enthalten, sagte Pistorius. Zudem gehe es um Drohnen zur Aufklärung und zum Kampf im Schwarzen Meer sowie um dringend benötigte Ersatzteile wie etwa Ersatzrohre für die von Deutschland gelieferten Artilleriesysteme sowie um Austauschmotoren für Kampfpanzer vom Typ Leopard. Zur Verfügung gestellt werde auch eine Million Schuss Munition für Handwaffen. Vom Jahr 2025 an solle die Auslieferung von 18 neuen Radhaubitzen der neuesten Bauart folgen, ergänzte der deutsche Verteidigungsminister. 

Deutschland verspricht der Ukraine Waffen für die Zukunft

Nach Angaben von Pistorius wird Deutschland außerdem Industrieausbildungskurse für ukrainische Techniker finanzieren. Zudem seien in dem Paket Mittel für störungssichere Satellitenkommunikation enthalten. Aus den bisherigen Zusagen würden noch in diesem Jahr weitere Kampfpanzer vom Typ Leopard A1, aber auch vom Typ Leopard II A4 aus Spanien geliefert. Aus Spanien würden 19 Panzer der Ukraine zur Verfügung gestellt, an deren Wiederherstellung, Wartung und Reparatur sich Deutschland beteiligen werde – bei jedem Panzer mit einer Million Euro. Außerdem werde Deutschland weitere Schützenpanzer vom Typ Marder, gepanzerte Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrpanzer sowie Ausrüstung für Führungsfähigkeit zum elektronischen Kampf liefern. 

Pistorius sagte, er zähle die Details auch deshalb auf, um „zu unterstreichen, dass wir nicht nur aktuell gerade das liefern, was verfügbar ist“. Man habe vielmehr besonderen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, indem man auch Bestellungen auf den Weg gebracht habe, die erst in den nächsten Jahren Realität würden. Dies geschehe deswegen, „weil wir davon ausgehen, dass es wichtig ist, jetzt vorsorglich die Weichen zu stellen dafür, dass dieser Krieg noch länger dauert und wir weiter unterstützen wollen und werden“. 

Es war der dritte Besuch von Pistorius in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Die Reise war auch angesichts der aktuellen russischen Offensive mit vermehrten Luftangriffen aus Sicherheitsgründen bis zur Abreise aus Odessa geheim gehalten worden. Russland verstärkt seit Monaten seine Luftangriffe auf die Ukraine: Dabei sind bisher zahlreiche Menschen uns Leben gekommen, zudem wurde wichtige Infrastruktur des Landes zerstört.

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Vor 80 Jahren: Ukraine erinnert an Deportation der Krimtataren

Krimtataren

Es war eins der großen sowjetischen Verbrechen: 200.000 Krimtataren wurden 1944 aus ihrer Heimat verschleppt. Doch nun leben sie erneut unter russischer Herrschaft, und die Sorge ist groß.

Kiew (dpa). Die Ukraine gedenkt am Samstag der Deportation der Krimtataren aus ihrer Heimat vor 80 Jahren. Dabei verbindet sich die historische Erinnerung mit der Sorge um die aktuelle Lage der Tataren auf der seit zehn Jahren von Russland annektierten Halbinsel, wie die Krim-Beauftragte des ukrainischen Präsidenten, Tamila Taschewa, vor dem Gedenktag in Kiew sagte.

Die Krimtataren seien nun Opfer einer „hybriden Deportation“, sagte Taschewa. Sie würden nicht wie 1944 in Güterwaggons nach Zentralasien geschickt. Doch Russland tue alles, um den Krimtataren die Möglichkeit zu nehmen, in ihrer Heimat zu leben. „Die Leute sind gezwungen, die Krim um jeden Preis zu verlassen“, sagte auch Refat Tschubarow, der Vorsitzende der krimtatarischen Selbstverwaltung Medschlis.

Bevor die Schwarzmeerhalbinsel Krim 1783 an das Russische Reich fiel, gab es dort das muslimische Khanat der Krimtataren, die eng mit den Türken verwandt sind. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs ließ Sowjetdiktator Josef Stalin von der Halbinsel am 18. Mai 1944 alle Krimtataren verschleppen – etwa 200.000 Menschen.

Stalin warf der Volksgruppe Verrat und Kollaboration mit der deutschen Besatzung vor. Erst in der Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre kehrten die Krimtataren auf die mittlerweile ukrainische Halbinsel zurück; ihre Zahl wuchs auf gut eine Viertelmillion Menschen an.

Seit der Annexion der Krim durch Russland 2014 würden die Krimtataren wieder besonders verfolgt, sagte Taschewa. Von 218 bekannten politischen Gefangenen von der Halbinsel seien 132 Krimtataren. Es gebe Hausdurchsuchungen und willkürliche Verhaftungen.

Seit 2014 habe es mehrere Fluchtwellen der Krimtataren aus ihrer Heimat gegeben, zuletzt angesichts der russischen Mobilisierung zum Krieg gegen die Ukraine 2022. Eine Befreiung der Krim sei die einzige Möglichkeit, auch die Rechte der Krimtataren wiederherzustellen, sagte Taschewa.

Die russische Regierung bestreitet eine Verfolgung der Krimtataren. Moskau verweist auf einen großen Moscheebau in der Krim-Hauptstadt Simferopol für die muslimische Bevölkerung. Allerdings sind die schlechte Menschenrechtslage auf der Krim und der Druck auf die Krimtataren durch Berichte der Vereinten Nationen und des Europarates gut belegt.

Bekannte Vertreter der Krimtataren sind die Sängerin Jamala, Siegerin beim Eurovision Song Contest 2016, und der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow.

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Die Ukraine und ihre Menschen: Trotz Krieg weiter leben

Ukraine Muslime

Ukraine: Alpay Kaya spricht über seine Erfahrung in dem Land. Dort sieht er eine Bevölkerung, die den Herausforderungen zu trotzen versucht. Islamische Zeitung: Lieber Alpay Kaya, Sie haben sich in […]

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Waffenstillstand jetzt oder Kampf bis zum Sieg?

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Waffenstillstands-Debatte: Bisher wurde keine Formel für ein Kriegsende gefunden. Abu Bakr Rieger und Sulaiman Wilms debattieren. PRO: Den Krieg schnellstens beenden (iz). Was müssen sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vorhalten […]

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Rustem Umerow: erster krimtatarischer Verteidigungsminister der Ukraine

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Mit Rustem Umerow hat das ukrainische Parlament das erste Mal einen muslimischen Krimtataren als Verteidigungsminister vereidigt.

Kyiv (dpa/iz). Das ukrainische Parlament hat die Ernennung des neuen Verteidigungsministers Rustem Umerow bestätigt. Für den Beschluss stimmten am Mittwoch 338 Abgeordnete bei 226 notwendigen Stimmen, meldeten örtliche Medien. Die Beschlussvorlage war von Präsident Selenskyj eingereicht worden.

Rustem Umerow: Präsident tauscht Führung von Schlüsselministerium aus

Dieser hatte die Personalie am Sonntag angekündigt. Vorgänger Olexij Resnikow war am Mittwoch entlassen worden. Umjerow, der erste Krimtatare im Amt, hatte zuvor den Posten des Chefs des Fonds für Staatsvermögen bekleidet.

Foto: Ukrainian Presidential Office, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 4.0

Mit dem Ministerwechsel wurde zum ersten Mal seit dem russischen Einmarsch vor über 18 Monaten das vom Präsidenten zu besetzende Schlüsselministerium neu besetzt.

Was sind die Gründe für seine Ernennung?

Der neue Verteidigungsminister gilt als erfahrener Politiker und Diplomat. Von 2019 bis 2022 war er Abgeordneter des ukrainischen Parlaments und Mitglied der Oppositionspartei Holos. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Krim-Plattform, einer internationalen Initiative, die sich für die Wiedereingliederung seiner Heimat in die Ukraine einsetzt.

Umerow hat den Ruf eines geschickten Verhandlers und ist bekannt für seinen Einsatz für die Rechte der Krimtataren. Außerdem wird er als Experte für Verteidigungsfragen geschätzt. Seine Ernennung wird als Zeichen der Stärke und Einheit der Ukraine gewertet. Sie zeigt, dass das Land auch in Zeiten des Krieges nicht auf die Unterstützung der Krimtataren verzichten will.

Krieg Dilemma Ukraine

Foto: Kutsenko Volodymyr, Shutterstock

Umerow übernimmt eine schwierige Aufgabe: Er muss sein Amt in einem permanenten Krieg mit Moskau führen. Sein Vorgänger, dem es nicht gelungen war, die Korruption im Verteidigungsministerium und vor allem im Beschaffungswesen zu beenden, wird allgemein dafür gelobt, die Lieferung von Waffen und Ausrüstung für die ukrainische Armee in Gang gebracht zu haben.

Wer ist Rustem Umerov?

Er wurde 1982 im usbekischen Samarkand als Sohn von Krimtataren geboren, die 1944 von Stalin kollektiv nach Zentralasien deportiert worden waren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Staatlichen Universität Simferopol. Ende der 1980er Jahre kehrte die Familie in ihre Heimat zurück.

Foto: Below the Sky, Shutterstock

Nach seinem Studium war er als Unternehmer tätig und gründete eine IT- und Kommunikationsfirma. Die illegale Besetzung der Krim durch Russland zwang ihn zur Flucht auf das ukrainische Festland. Umerow engagierte sich in der Politik und wurde 2019 in die Rada (das nationale Parlament) gewählt. Dort hat er fast 100 Gesetzesentwürfe eingebracht.

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Friedensverhandlungen: Vom Schlachtfeld an den Tisch?

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Friedensverhandlungen: Längst fragen sich Akteure in aller Welt, wie Lösungen aussehen können (The Conversation/GFP.com). Anfang August begann im saudi-arabischen Jeddah ein Verhandlungsprozess über eine Friedenslösung für den andauernden russischen Krieg […]

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Krieg in der Ukraine: Wird er jemals enden?

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Krieg: Bisher wurden viele Schritte zur Eskalation genommen. Wie sieht es mit einem Kriegsende aus? (IPS). Ein Ende von Russlands Krieg scheint nicht in Sicht zu sein. Im Gegenteil, er […]

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Der endlose Krieg in der Ukraine

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Was ist die Zukunft des Krieges? Bisher haben bestehende Ansätze nicht zu einem Ende des Konflikts beigetragen.

(iz). Es war ein fernsehtaugliches Spektakel: Die von Jewgeni Prigoschin angeführte Wagner Gruppe erobert eine Provinzhauptstadt und fährt anschließend mit ihren Militärfahrzeugen auf der Autobahn Richtung Moskau. 

Nur wenige hundert Kilometer vor der Hauptstadt endet das abenteuerliche Unternehmen nach Verhandlungen mit dem russischen Machtapparat.

Foto: VladKK, Shutterstock

Was bedeutet das politische Erdbeben: Ende des Krieges oder Eskalation?

Das Ende ist bekannt: Der Warlord zieht sich nach Belarus zurück. Ob er dort in Rente geht, oder neue Truppen versammeln kann, mit denen er eines Tages nach Osten oder Westen ziehen könnte, bleibt unklar.

Im Westen überschlagen sich die Spekulationen über den angeblichen Machtzerfall Putins. Dabei wird übersehen, dass es keine Anzeichen dafür gab, dass sich das Militär oder das Volk gegen die eigene Regierung stellen würde. Der Tag danach ist von Ernüchterung bestimmt.

Wer davon geträumt hat, dass der russische Präsident in einem Blitz-Bürgerkrieg fallen würde, wird enttäuscht. Diejenigen, die die Destabilisierung Russlands durch einen Regime Change befürchteten, mit unbeherrschbaren Risiken verbunden, atmen auf.

Wie geht es weiter?

Die entscheidende Frage ist nun, wie geht es weiter an der Front in der Ukraine? Es ist zum Verzweifeln: Im 21. Jahrhundert bringt ein Krieg um die Festlegung nationaler Grenzen in Europa die Welt an den Rand eines Weltkrieges. Die Verschwendung von Ressourcen hat für beide Seiten absurde Ausmaße angenommen. 

Nach der heroischen Verteidigung Kiews, die den Ukrainern weltweit Respekt einbrachte, geht es jetzt um einen langwierigen Stellungskrieg. Die Nachrichten über überschaubare Geländegewinne, die mit großen Opfern erkämpft werden, erinnern an den 1. Weltkrieg. Das Fernziel, die komplette Rückeroberung ukrainischen Gebietes bis hin zur Krim, wird auf jeden Fall Zeit brauchen.

Foto: Olga Ivaschenko, Amnesty International

Fraglich, ab wann Frieden herrscht

Es ist fraglich, ob am Ende dieser Strategie wirklich Frieden herrscht. Sollte die Operation in vollem Umfang gelingen, steigt paradoxerweise das Risiko der atomaren Eskalation durch die Moskauer Machtelite.

Die Forderungen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj nach Langstreckenwaffen bringen das Problem auf den Punkt: Wo ist für die westliche Politik und die westliche Gesellschaft die rote Linie? Welches Risiko ist man bereit zu tolerieren? Auch wenn die Ukraine selbst für ihre Kriegsziele verantwortlich ist, die Unterstützer müssen ebenso ihre eigenen Interessen festlegen.

Diese Fragen jenseits von gut und böse verdienen eine breite Debatte. Hierher gehört auch das Formulieren von Kontrollfragen: Wie wird der künftige, vom Westen hochgerüstete ukrainische Staat mit Oligarchen, Nationalisten und Minderheiten umgehen? Und was geschieht in Europa, wenn die USA das Interesse an diesem Krieg verlieren sollten?

Man hat bisher nicht unbedingt das Gefühl, dass die deutsche Außenpolitik uns gut auf alle Eventualitäten vorbereitet und unsere roten Linien definiert. Souverän wirkt das nicht.