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Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 368: vom Völkermordprozess in Den Haag bis nach Palästina

Kurzmeldungen

Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 367: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. Waffen statt Entwicklungshilfe, die Lage der Rohingya sowie Israel und Palästina.

Globaler Trend: Geld für Kanonen statt für Brot

Die Zahlen sind alarmierend: Während die globalen Militärausgaben unaufhaltsam steigen, geht die öffentliche Entwicklungshilfe weiter zurück. Laut aktuellen UN-Daten beliefen sich die globalen Verteidigungsbudgets im Jahr 2024 auf 2,7 Bio. US-Dollar – das entspricht 334 US-Dollar pro Person weltweit. Damit erreichten sie die Größenordnung des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) aller afrikanischen Nationen, überstiegen mehr als die Hälfte des lateinamerikanischen BIP und entsprachen dem 750-Fachen des regulären UN-Haushalts für 2024. Mehr als 100 Staaten erhöhten im vergangenen Jahr ihre Militärbudgets; die zehn Länder mit den höchsten Ausgaben vereinigten dabei 73 % der Gesamtsumme auf sich. Obwohl Afrika rund ein Viertel der UN-Mitgliedstaaten und nahezu ein Fünftel der Weltbevölkerung stellt, entfallen auf den Kontinent weniger als zwei Prozent der globalen Militärbudgets. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten die weltweiten Militärausgaben laut UN-Generalsekretär António Guterres bis 2030 auf 3,5 Bio und bis 2035 auf über 4,7 Bio. ansteigen. Ein Niveau von 6,6 entspräche damit fast dem Fünffachen der Ausgaben am Ende des Kalten Krieges, dem Sechsfachen des historischen Tiefstands von 1998 und dem Zweieinhalbfachen des Werts von 2024 (2,7 Bio. US-Dollar).

Kurzmeldungen

Foto: The White House | Lizenz: gemeinfrei

Abschied der USA von der Weltordnung

NEW YORK (IPS). Die jüngste Ankündigung der Trump-Regierung, sich aus 66 internationalen Organisationen zurückzuziehen, wurde mit einer Mischung aus Besorgnis und Beifall aufgenommen. Während die Schlagzeile einen dramatischen Rückzug von der Weltbühne suggeriert, offenbart ein genauerer Blick eine differenziertere Strategie. Der Schritt ist weniger eine vollständige Abkehr vom UN-System als vielmehr ein gezieltes Zurückschneiden multilateraler Strukturen, mit dem bestimmte Zweige der globalen Zusammenarbeit verdorren sollen. Auch wenn die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen geringer sein dürften als befürchtet, sind die langfristigen Folgen für die UNO und die regelbasierte Ordnung tiefgreifend. Die Liste der betroffenen Institutionen ist lang und vielfältig. Die überwiegende Mehrheit der UN-bezogenen Einrichtungen sind keine unabhängigen internationalen Organisationen, vielmehr eher Nebenorgane, Fonds und Programme selbst. Die Regierung zieht sich vorerst nicht aus der UN-Charta zurück, sondern streicht selektiv die Finanzierung und löst sich von den Teilen des UN-Systems, die sie ablehnt.

Afrika: Das Jahr der Staatsstreiche

BONN (KNA). Zur Regel sind Putsche in Westafrika nicht geworden; sie überraschen aber kaum noch. Die Ursachen sind vielfältig. Doch viel hat mit mangelnder Rechtsstaatlichkeit zu tun. Es fielen Schüsse in Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou. Am 7. Dezember versuchte eine Gruppe von Militärs um Oberstleutnant Pascal Tigri, zunächst hochrangige Armeeangehörige zu entführen. Dann kam es vor dem Präsidentenpalast zum Schusswechsel, und Afrika erlebte seinen dritten – wenn auch erfolglosen – Coupversuch innerhalb weniger Wochen. Terroristen kontrollieren je nach Land ganze Regionen; der Alltag hat sich für die Bevölkerung vielfach nicht verbessert. Auch setzte sich das Militär statt der zügigen Organisation von Wahlen an der jeweiligen Staatsspitze fest. Vor allem aus Mali und Burkina Faso gibt es Dutzende Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen durch Soldaten.

Foto: Shutterstock

Abstimmung mit der Türkei in Regionalfragen

KAIRO (MEMO). Ägypten und die Türkei haben eine gemeinsame Stellungnahme zu den Entwicklungen in Gaza, im Sudan und am Horn von Afrika abgegeben. Laut einer offiziellen Mitteilung diskutierten der ägyptische Außenminister Abdel-Aty und sein türkischer Amtskollege Fidan die jüngsten regionalen Veränderungen, wobei der Schwerpunkt auf Gaza, dem Sudankrieg und den Spannungen am Horn von Afrika lag. In der Palästinafrage waren sich beide einig, dass die internationalen Bemühungen zur Konsolidierung des Waffenstillstands intensiviert werden müssen und unverzüglich mit der zweiten Phase des Deeskalationsplans begonnen werden sollte.

Kommission gegen Antisemitismus eingesetzt

SYDNEY (KNA). Australiens Premier Albanese hat die Einsetzung einer „Königlichen Kommission“ angekündigt, um einen wachsenden Antisemitismus und den Zustand des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu untersuchen. Das Land brauche „Heilung, Lernen, Zusammenkommen im Geiste nationaler Einheit“, kündigte er an. Bei dem Anschlag vom 14. Dezember auf eine jüdische Chanukkah-Feier an Sydneys Bondi Beach wurden 14 Menschen ermordet.

Foto: DFID, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

Brandkatastrophe in mehreren Rohingya-Lagern

DHAKA (KNA). In den dicht besiedelten Rohingya-Lagern in Bangladesch sind Brände häufig, besonders in der Trockenzeit zwischen November und Februar. Die Hütten bestehen aus leicht entzündlichen Materialien wie Bambus und Planen. Am 20. Januar hat in einem Flüchtlingslager in Cox’s Bazar ein Großbrand gewütet. Mehr als 450 Unterkünfte und zehn Schulen von Rohingya gingen in den Flammen auf, wie das Nachrichtenportal Dhaka Tribune berichtet.

Prozess wegen Völkermord begann in Den Haag

DEN HAAG (IZ). Burma steht wegen des mutmaßlichen Genozids an der muslimischen Rohingya-Minderheit vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Gambia hatte vor sieben Jahren Klage eingereicht. Inzwischen unterstützen auch Deutschland und zehn weitere Staaten das Verfahren. Das Militär soll ab 2017 Massenmorde, Vergewaltigungen und Vertreibungen verübt haben. Myanmar weist alle Vorwürfe zurück. Ein Urteilstermin ist noch offen.

Foto: Guillaume Le Bloas, Adobe Stock

Die Krise der Wirtschaft verschärft sich weiter

BAGDAD (KUNA). Während die Iraker nach den Wahlen vom 11. November auf die Regierungsbildung warten, hat der amtierende Premierminister Al-Sudani rasche Sparmaßnahmen verhängt, die gemischte Reaktionen und widersprüchliche Einschätzungen hervorgerufen haben. Und das, obwohl der Irak über die viertgrößten Ölreserven der Welt verfügt und der zweitgrößte Produzent der OPEC ist. In den letzten Wochen hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit von Sicherheit, Terrorismusbekämpfung und politischen Rivalitäten auf Wirtschaft, Steuern und Finanzpolitik verlagert.

Opferzahlen schießen massiv in die Höhe

TEHRAN (MEMO). Die Iraner haben sich bereit gezeigt, für einen Wandel einen verheerenden Preis zu zahlen. Denn die Republik hat auf die Proteste durchweg mit Gewalt und Massenmorden reagiert. Die Menge der Todesopfer seit dem Beginn der Demonstrationen am 28. Dezember soll laut Berichten mehrere tausend betragen, Zehntausende wurden festgenommen. Aktuellen Meldungen zufolge ist die Zahl der Opfer höher. Eine klare Mehrheit lehnt das derzeitige System ab, das mit der Revolution von 1979 an die Macht gekommen ist.

UNRWA hunger konvention

Foto: United Nations Photos | UNRWA

Helfer warnen vor Folgen eines Tätigkeitsverbots

OLSO (NRC). Internationale humanitäre Organisationen, die in den besetzten palästinensischen Gebieten tätig sind, warnen davor, dass die jüngsten Registrierungsmaßnahmen Israels ihre Arbeit zu einem Zeitpunkt zu unterbinden drohen, an dem die Zivilbevölkerung trotz des Waffenstillstands in Gaza unter akuter und weit verbreiteter humanitärer Not leidet. Am 30. Dezember erhielten 37 NGOs eine offizielle Mitteilung, dass ihre Registrierungen am 31. Dezember 2025 auslaufen würde. Damit beginnt eine 60-tägige Frist, nach deren Ablauf sie ihre Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, einstellen müssten.

Zerstörung von UNRWA-Zentrale verurteilt

BERLIN (KNA). Das Auswärtige Amt hat die Zerstörung der Zentrale des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA in Ost-Jerusalem verurteilt. Die Liegenschaften der Vereinten Nationen seien unverletzlich, erklärte ein Ministeriumssprecher am 21. Januar. Ohne Einverständnis der UN dürften sie nicht betreten und untersucht werden. Am Vortag stürmten israelische Polizeikräfte das Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks. Israelische und palästinensische Medien berichteten, sie hätten dort mit Zerstörungen begonnen.

Foto: UN Photo / Jean-Marc Ferré, via flickr | Lizenz CC BY-NC-ND 2.0

Türk: Gesetz zur Todesstrafe zurücknehmen!

GENF (KUNA). Der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker Türk forderte am 2. Januar die Besatzungsbehörden auf, einen Gesetzentwurf zurückzuziehen, der ausschließlich Palästinensern in den besetzten palästinensischen Gebieten wie in Israel die obligatorische Verhängung der Todesstrafe auferlegen würde. In einer Erklärung sagte er, die Vorschläge verstießen gegen humanitäre Rechtsnormen, die sich auf Strafverfahren und die Verhängung der Todesstrafe gegen Bewohner eines besetzten Gebiets beziehen. „Jedem Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen die in der Vierten Genfer Konvention festgelegten Garantien für ein faires Verfahren zu verweigern, kommt einem Kriegsverbrechen gleich.“

Warnung vor verschlechterter humanitärer Lage

GENF (KUNA). Die UNO warnte am 19. Januar vor einer massiven Verschlechterung der humanitären Lage im Jemen. Sie erklärte, dass 2026 „das schlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“ werden könnte. Die Finanzmittel sind drastisch zurückgegangen und gleichzeitig hat sich die Ernährungsunsicherheit verschärft, das Gesundheitssystem ist instabil und Organisationen insbesondere im Norden des Landes unterliegen weiterhin Einschränkungen. In Genf erklärte Julien Harneis, humanitärer Koordinator für den Jemen, gegenüber Reportern, die Lage sei „sehr besorgniserreged“.

afrika

Foto: Kanel Bulle, Shutterstock

Anerkennung von Somaliland klar abgelehnt

DOHA (IZ). Katar und mehrere mehrheitlich muslimische Staaten haben Israels Anerkennung von Somaliland scharf verurteilt. In einer Erklärung sprachen sie von einem „klaren Bruch des Völkerrechts“ und einer Verletzung der Souveränität Somalias. Die Unterzeichner – darunter die Türkei, Pakistan und Indonesien – forderten Jerusalem auf, seine Entscheidung sofort rückgängig zu machen. Israel hatte Somaliland zuvor als unabhängigen Staat anerkannt und diplomatische Beziehungen angekündigt.

Schüsse auf Moschee in Niederösterreich

WIEN (IZ). In der Nacht vom 11. Januar ist in Hollabrunn (NÖ) auf den Eingangsbereich einer Moschee des Vereins der Albanischen Muslime geschossen worden. Ein Projektil drang durch den Türrahmen, verletzt wurde niemand. Der Landesverfassungsschutz ermittelt wegen des Verdachts eines vorurteilsmotivierten Delikts, der Staatsschutz ist eingeschaltet. Die Polizei sucht Zeugen und prüft mögliche rechtsextreme Hintergründe.

Gaza

Foto: Anas-Mohammed/Shutterstock

Zukünftiger Kopf des Verwaltungskomitees ernannt

ISTANBUL (MEMO). Ali Shaath, Vorsitzender des Palästinensischen Nationalkomitees, das mit der Verwaltung des Gazastreifens beauftragt ist, gab am 17. Januar offiziell die Namen der Komiteemitglieder bekannt, berichtete Anadolu. Er sagte, die Arbeit werde zunächst in Kairo beginnen, bevor sie nach Gaza verlegt werde, um einen dringenden Hilfsplan umzusetzen. Die Ankündigung erfolgte einen Tag nachdem das Weiße Haus die Bildung des „Friedensrats“ bestätigt und die Zusammensetzung des Palästinensischen Nationalkomitees für die Verwaltung des Gazastreifens gebilligt hatte – eines von vier Gremien, die mit der Verwaltung der Übergangsphase des Gebiets betraut sind.

UN-Kommissar: Repression ähnelt Apartheid

GENF (KUNA). Der Hohe UN-Kommissar für Menschenrechte Türk erklärte am 7. Januar, dass „die systematische Unterdrückung der Rechte der Palästinenser im Westjordanland eine besonders schwere Form der Rassendiskriminierung und Segregation darstellt, die dem Apartheid-System, das die Welt zuvor erlebt hat, sehr ähnlich ist“. Dies geht aus einem neuen Report hervor, in dem er aufzeigt, dass jeder Aspekt des Lebens der Palästinenser im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, durch diskriminierende Gesetze, Richtlinien und Praktiken kontrolliert und eingeschränkt wird. Der Bericht dokumentiert jahrzehntelange schwere Diskriminierung durch die israelische Besatzungsmacht im besetzten Westjordanland. Er stellt fest, dass sich die Lage seit Dezember 2022 in einem Klima der Straflosigkeit und weit verbreiteter Gewalt durch Besatzungstruppen und Siedler rapide verschlechtert hat.

Foto: European Union, 2025/Peter Biro

Ein Drittel in 1.000 Tagen Krieg geflohen

GENF (KUNA). Die IOM erklärte am 9. Januar, dass in den letzten tausend Tagen seit Kriegsbeginn fast jeder Dritte im Sudan entweder innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg vertrieben worden sei. Sie bezeichnete die Krise als „die größte Vertreibungskrise weltweit“. Und stellte fest, dass mit Ausbruch des Kriegs 15 Mio. Menschen zur Flucht gezwungen wurden, darunter 11,58 Mio. Binnenvertriebene und etwa vier Mio. Flüchtlinge, die aufgrund der weitreichenden Zerstörungen durch den Konflikt in Nachbarländer geflohen sind.

Religionsrat: Russland will einen Völkermord

KYJIW (KNA). Religionsführer in der Ukraine beschuldigen Russland angesichts der jüngsten Angriffe auf das Land, einen Völkermord begehen zu wollen. Die russische Armee habe mit Raketen und Drohnen unter anderem gezielt Anlagen der Energie-Infrastruktur zerstört und beschädigt, damit Zivilisten bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius Strom, Heizung und Trinkwasser fehlten. Es sei klar, „dass es sich hierbei um Akte des Staatsterrors der Russischen Föderation handelt, die auf einen Genozid am ukrainischen Volk abzielen“. Dem Rat gehören die Spitzen der 16 wichtigsten Religionsgemeinschaften an – christliche, jüdische und muslimische.

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Staaten müssen bereit für KI sein

KI Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist politisch eine Herausforderung. Wie lässt sich eine verantwortungsbewusste Adaption ermöglichen? (IPS). Von ChatGPT bis Deepfakes – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) sorgt seit einiger Zeit für Schlagzeilen. […]

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Globale Muslimfeindlichkeit hat epidemische Ausmaße

Saba-Nur Cheema Muslimfeindlichkeit CLAIM Lage Politik

Hassrede wie Muslimfeindlichkeit – auch im Internet – sei zu einem der gängigsten Mittel geworden, um spaltende Rhetorik auf globaler Ebene zu verbreiten. Sie bedroht den Frieden auf der ganzen […]

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UN wenden Eilverfahren zum Schutz der Uiguren in China an

Uiguren

Genf (KNA). Der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung hat von China die sofortige Untersuchung mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen gegen Uiguren in der Region Xinjiang verlangt. Die Rede ist von Folter, Misshandlung, sexueller Gewalt, Zwangsarbeit, Verschwindenlassen und Tod in Gewahrsam. 

Zugleich rief das Kontrollorgan mit Sitz in Genf die Volksrepublik am 24. November auf, Internierte in sogenannten Ausbildungszentren und anderen Hafteinrichtungen freizulassen und ihre Familien detailliert zu unterrichten. Repressionen gegen Uiguren und andere muslimische Minderheiten müssten unverzüglich enden.

Der Ausschuss der Vereinten Nationen wandte in diesem Fall sein Frühwarn- und Eilverfahren an, das darauf zielt, eine Eskalation von Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. 2018 hatte das Gremium nach eigenen Angaben periodische Berichte Chinas geprüft und Besorgnis über eine Reihe von Punkten betreffend die Menschenrechtslage der muslimischen Minderheiten geäußert. Angesichts fehlender Verbesserungen in Xinjiang habe man sich zu dem jetzigen Vorgehen entschlossen, hieß es.

Die frühere UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hatte Ende August wenige Minuten vor Ende ihres Mandats einen diplomatisch heiklen Bericht veröffentlichen lassen, der mit Blick auf die Uiguren den Verdacht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhebt und China schwere Menschenrechtsverstöße vorwirft, unter anderem Folter und Zwangsarbeit. Die Regierung in Peking wies die Darstellung als Einmischung in innere Angelegenheiten und Verleumdung zurück.

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UN-Agentur beklagen Zunahme von Sklavenarbeit

NEW YORK (MEMO). Die Zahl der Menschen, die durch Armut und andere Krisen in moderne Formen der Sklaverei gezwungen werden, ist in den letzten Jahren um ein Fünftel auf rund 50 Millionen gestiegen, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen am 12. September mitteilte, wie Reuters berichtete.

Mehr als die Hälfte von ihnen sei gegen ihren Willen zur Arbeit gezwungen worden, der Rest zur Heirat, so die ILO. Beides falle unter die Definition der modernen Sklaverei, da es sich um Menschen handele, die sich „aufgrund von Drohungen, Gewalt, Täuschung, Machtmissbrauch oder anderen Formen des Zwangs nicht weigern oder nicht gehen können“.

Die Situation habe sich durch Krisen wie COVID-19, bewaffnete Konflikte und den Klimawandel verschärft, die dazu geführt hätten, dass mehr Menschen in extremer Armut lebten und mehr Menschen zur Migration gezwungen seien, so die Agentur. Im Vergleich zur letzten Zählung für das Jahr 2016 sei die Zahl der Menschen in moderner Sklaverei um rund 9,3 Millionen gestiegen, heißt es in dem Bericht.

Die ILO, die ihre Schätzungen zum Teil auf Haushaltserhebungen stützt, stellte fest, dass mehr als die Hälfte aller Fälle von Zwangsarbeit in Ländern mit mittlerem oder hohem Einkommen auftraten, wobei Wanderarbeiter mehr als dreimal so häufig betroffen waren wie Einheimische.

Vorab aus der aktuellen IZ: Wie kann man die Menschen in Syrien erreichen? Ein Bericht von Oscar A.M. Bergamin, Gaziantep

Die internationale Gemeinschaft steht an der syrischen Grenze Gewehr bei Fuss. Nicht nur politisch und militärisch sondern hauptsächlich humanitär. Das Abwarten ist nicht ohne Grund, aber für die Betroffenen in Syrien nicht erklärbar. Es braucht dringend eine Anpassung der humanitären Strategie an eine neue Realität bewaffneter Konflikte. Internationale Organisationen stehen in der Kritik, sich vor den Risiken zu drücken.

(iz). Für Zehntausende Menschen, die durch den verheerenden Taifun auf den Philippinen obdachlos wurden, wurde sehr rasch Hilfe geleistet. Helikopter des US-Flugzeugträgers „USS George Washington“ und Armeeflugzeuge warfen Versorgungsgüter über die Regionen ab. Innert kürzester Zeit wurden Nahrungsmittel verteilt, ebenso wie Hygienekits, Kochutensilien und Material für temporäre Unterkünfte. Alle westeuropäischen Zeitungen präsentierten endlose Listen der Kontonummern für Spenden von dutzenden Organisationen.

Der gleichzeitige Appell der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) um Hilfe für syrische Flüchtlinge verhallte weitgehend ungehört im Wirbel um den Taifun „Haiyan“ in Südostasien. Im, am 18. November veröffentlichten – und bereits dritten – revidierten Nothilfe-Appell des IFRC in rund zwei Jahren bittet die in Genf ansässige Organisation um zusätzliche 36 Millionen Euro für Flüchtlinge in der Türkei und 35 Millionen Euro für Flüchtlinge im Libanon, im Irak und in Jordanien für die nächsten sechs Monate. Das Schlimme am „Taifun“ in Syrien ist, dass dieser schon seit drei Jahren wütet und kein einziges Nahrungsmittelpaket abgeworfen wurde.

Frust bei der Bevölkerung
Laut Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vom 6. November sind 9,3 Millionen Menschen vor der Gewalt in Syrien geflohen, 3,2 Millionen davon ins Ausland (siehe weiter unten). Die große Herausforderung besteht darin die rund 6,5 Millionen Binnenflüchtlinge, so genannte IDP's (internally displaced people), in Syrien selbst mit humanitärer Hilfe zu versorgen. Vor allem jetzt, wo der Winter einsetzt, eine schier unmögliche Aufgabe da das UNHCR und die Weltgesundheitsorganisation WHO in Syrien nur mit Genehmigung der Regierung von Präsident Bashar al-Assad tätig sein dürfen, in der Praxis also gar nicht. Nach dem Ausbruch von Polio in Syrien werden in den umliegenden Ländern zwar massenweise Impfungen durchgeführt, in Syrien selber aber nicht oder kaum.

Die Tatsache, dass es auch etwas mehr als 980 Tage nach Ausbruch der Feindseligkeiten nicht möglich ist Lebensmittel, Decken, Matratzen, Hygiene- und Babyartikel und Medikamente in grösseren Mengen nach Syrien zu entsenden sorgt nicht nur für Frust bei den Hilfsorganisationen, sondern vor allem bei der syrischen Bevölkerung selber. Dass der Taifun „Haiyan“ in Nordeuropa in zwei Tagen mehr Spenden auslöst als die Höhe des Betrags, wofür die Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften fast auf den Knien bitten müssen, muss den Opfern der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Syrien wohl wie Hohn in den Ohren klingen.

Kein Zugang, wen kümmert’s?
Obwohl man theoretisch mit jedem Flüchtlingskind per Handy Kontakt aufnehmen kann, steht die internationale Gemeinschaft ratlos an der syrischen Grenze Gewehr bei Fuss. Nicht nur politisch und militärisch sondern hauptsächlich humanitär. Das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in der Türkei arbeitet zwar auf Hochtouren an Lösungen, dennoch sind den UN-Organisationen wie das UNHCR oder der Unicef die Hände gebunden. Das Gleiche gilt für andere internationalen Akteure wie die Nobel-Preisträgerin „Ärzte ohne Grenzen“, aber auch „Islamic Relief“.

Keine einzige Organisation ist wirklich im Bürgerkriegsland Syrien tätig – außer das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das hauptsächlich Verhandlungen über den Zugang humanitärer Hilfe führt. Der Generaldirektor des IKRK, Yves Daccord, führt dies vor allem auf den Zweifel an der Glaubwürdigkeit, ja das fehlende Vertrauen in die internationale Gemeinschaft zurück. Am Humanitären Kongress Ende Oktober in Berlin, organisiert unter anderen von „Ärzten ohne Grenzen“, „Médecins du Monde“ und dem Deutschen Roten Kreuz war das Thema „No Access! Who Cares? How to reach people in need“ (Kein Zugang, wen kümmert’s? Wie Menschen in Not erreichen?).

IKRK-Chef Yves Daccord, der dort die Eröffnungsrede hielt, verlangte von den Hilfsorganisationen mehr Präsenz in den Konfliktzonen. Daccord kritisierte auch das so genannte „Outsourcing of Risks“, die Auslagerung von Risiken, die von der „westlichen humanitären Industrie“ in den vergangen Jahren zur Praxis gemacht wurde. Die Organisationen hätten den Mut verloren, mit Leuten zu verhandeln, an deren Händen Blut klebt. Die Unparteilichkeit verlange aber genau dies.

Zudem hätten die humanitären Organisationen sich trotz Erfahrungen vom Balkan, aus Afghanistan, aus dem Irak, aus Somalia oder Sudan immer noch nicht von der selten gewordene Situation eines Kriegs zwischen Staaten gelöst. Genau die um sich greifenden asymmetrischen Kriege zwischen staatlichen Kräften und nicht-staatlichen Akteuren wie Freischärlern, Guerillas oder Jihad-Kämpfern hätten dazu geführt, dass Hilfsorganisationen ins Abseits gedrängt würden, weil sie Aktivitäten an lokalen Organisationen weiter delegierten.

Das Gleiche macht auch Islamic Relief Deutschland, wie Nuri Köseli, Sprecher der Organisation, kürzlich gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“ bestätigte. Dennoch will Islamic Relief bis Jahresende für 9,5 Millionen Dollar Lebensmittel, Decken, Matratzen, Hygiene- und Babyartikel sowie Medikamente nach Syrien transportiert haben. Im Gegensatz zu den UNO-Organisationen lässt Islamic Relief die Hilfsgüter nicht über den Syrischen Arabischen Roten Halbmond (SARC) – die einzige nationale Hilfsgesellschaft – in Syrien verteilen. Islamic Relief übergibt diese in der Türkei an syrische Freiwillige. Diese transportieren die Waren nach Idlib, Aleppo oder Hama.

Genau betrachtet ist diese Vorgehensweise illegal, da Hilfeleistungen in Syrien von der Regierung genehmigt werden müssen. Dennoch haben sich europäische und türkische Behörden längst auf diese Situation eingestellt. „Not kennt kein Gebot“, betonte – hinter vorgehaltener Hand – eine EU-Diplomatin gegenüber der IZ.

Lieferungen privater Sammelinitiativen, ein „Tropfen auf den heißen Stein“
Abseits der „westlich-humanitären Industrie“ sind es die Lieferungen privater Sammelinitiativen – in der Regel von muslimischen Organisationen mit besten Absichten – auf dem Landweg, die durch die Türkei nach Syrien gebracht werden. Dass es Organisationen wie „Aktive-Jugend.de“ immer wieder schaffen Krankenwagen und Medikamente nach Syrien zu bringen, mag lobenswert erscheinen, diese „Tropfen auf den heißen Stein“ sind aber kompliziert und brauchen eine professionelle Planung; wenn es um Medikamente geht erst recht.

Die privaten Helfer bekommen es mit Betäubungsmittelgesetzen verschiedenster Länder zu tun und sie transportieren möglicher Weise Medikamente, die in diesen Ländern verboten sind und gar als illegale Drogen gelten. Viele probieren es auf „eigene Faust“, aber an der türkischen Grenze ist dann endgültig halt. Dann braucht es eine in der Türkei offiziell anerkannte Hilfsorganisation als Empfänger, die das Material zu einer anderen privaten Hilfsorganisation nach Syrien bringt.

Ein Fax dieser Organisation mit der Bestätigung der erwarteten Lieferung (inklusive übereinstimmende Inhaltsliste) muss beim Eintreffen an der türkischen Grenze bereits beim türkischen Zoll vorliegen. Das heißt: Eine muslimische Organisation in Nordwesteuropa muss sowohl über eine türkische als auch eine syrische Partnerorganisation verfügen. In der Regel wird die gesamte Lieferung an der Grenze abgelehnt, denn die türkische Regierung weiß, dass 80 Prozent der Hilfsgüter in Syrien einfach verkauft werden. Viele „Islamic-Relief“-Nachahmer wiederholen Aktionen, wie sie schon früher in Bosnien oder Kosovo gemacht haben und vergessen, dass sie sich in der Türkei in ein hochentwickeltes Land mit einer modernen Industrie begeben. Dann fahren sie 4.000 Kilometer durch Europa mit Hilfsgütern, die sie auch vor Ort hätten kaufen und nach Syrien bringen können.

Unvorstellbare Zahlen
Laut Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR vom 6. November sind 9,3 Millionen Menschen vor der Gewalt in Syrien geflohen, 3,2 Millionen davon ins Ausland. Das UNHCR schätzt, dass bereits 660.000 Menschen aus Syrien in die Türkei geflüchtet sind und hinter vorgehaltener Hand wird schon von 750.000 gemunkelt. Etwas mehr als 300.000 registrierte Flüchtlinge leben dort außerhalb der Lager, und noch hunderttausende warten auf einer Registrierung.

Der Türkische Rote Halbmond, der Türkiye Kızılay Derneği (TRC), beherbergte Ende November 201‘292 Flüchtlingen in 23 Lagern in den Provinzen Hatay, Gaziantep, Kilis, Adana, Osmaniye, Adiyaman, Kahramanmaraş, Şanliurfa, Mardin und Malatya. Die Kosten für die türkische Regierung haben nach bestätigten Angaben die Zahl von zwei Milliarden US-Dollar bereits überschritten.

Um die enorme logistische Leistung in Zahlen zu begreifen: Seit dem Frühling 2011 hat die Türkiye Kızılay Derneği unter anderem 42.050.073 warme Mahlzeiten abgegeben. Unvorstellbar ebenfalls die Zahlen an Toiletten-oder Dusch-Containers, Hygiene-Sets oder Matratzen.

Jordanien beherbergt laut UNHCR 600.000 Flüchtlinge wovon 25 Prozent in den Lagern Za’atari, Cyber City, King Abdallah Park und Hallabat Maregib Al-Fihud leben. Rund 200.000 Menschen sind in den Irak geflohen. Im Libanon gab es UNHCR-Angaben zufolge im Oktober 800.000 Flüchtlinge. Die libanesische Regierung spricht sogar von 1,5 Millionen.

An dem Wochenende, als der Taifun die Philippinen heimsuchte, erreichte eine Flüchtlingswelle von rund 10.000 Personen die libanesisch-syrischen Grenzstadt Arsan im Beka‘a-Tal im Libanon nach Aufflammen neuer Kämpfe auf der Syrischen Seite.

Von Angesicht zu Angesicht mit Kämpfern
Nach dem Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen kann dort die Aufbauarbeit beginnen, in Syrien kann das noch Jahre dauern. Die fünf UNO-Vetomächte und mehrere Nahost-Staaten sind sich zwar einig, dass in Damaskus eine Übergangsregierung die Macht übernehmen soll, an der geplanten internationalen Konferenz zu Syrien „Genf 2“ scheint eine Einigung aber nicht realistisch. Ein kleiner Ansatz wäre aber die Schaffung humanitärer Korridore damit die Hilfsorganisationen ihre Arbeit machen können.

Diese Organisationen müssen aber gleichzeitig lernen, ohne solcher Korridore auszukommen, denn mehr Präsenz in den Konfliktzonen ist zwar Risiko-behaftet, die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht mit am Konflikt beteiligten Gruppen erhöht den Druck auf sowohl alle staatliche Kräfte als auch auf nicht-staatliche Akteure, sich an die Grundprinzipien der Humanität zu halten.

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"IZ-Begegnung" mit dem Afghanistan-Beobachter Thomas Ruttig über den aktuellen Stand des Krieges im Lichte der Wikileaks-Enthüllungen

(iz). Die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente aus Afghanistan haben einiges Aufsehen erregt. Wie sensationell diese Enthüllungen aber tat­säch­lich sind, und ob Konsequenzen folgen wer­den, darüber spra­chen wir mit dem Ex­perten […]

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Hintergrund: Ein Geheimabkommen zwischen UN und Nato überrascht die Öffentlichkeit

(iz). Die Erwartungen gegenüber der UN sind beinahe traditionell gespalten; für die einen ist die UN eine Hoffnung auf eine unabhängige Weltregierung, für die anderen eher ein Relikt aus dem […]

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