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Über Zakat als Form der Weitergabe eines anvertrauten Gutes

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Zakat als das Andere: Besitz, Konsum und individueller Erfolg gelten heutzutage in kapitalistischen Gesellschaften oft als Maßstab für ein gelungenes Leben. (iz). Zakat ist nicht einfach eine religiöse Pflicht unter […]

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Den Geist der Zakat wahren

Wenn es um die Zakat geht, müssen Muslime nicht nur Formen, sondern auch Ziele beachten. Perspektive eines US-amerikanischen Muslims. (iz). Stellen Sie sich eine Gemeinschaft vor, deren Mitglieder über die […]

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Khurrem Akhtar: Zakat ist die vernachlässigte Säule

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IZ-Begegnung mit dem Vorstandsvorsitzenden von Zakat Deutschland über eine vernachlässigte Säule des Islam und darüber, warum Zakat nichts mit Ramadan zu tun hat. (iz). Der aktive Unternehmer Khurrem Akhtar wurde […]

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Was ist die Zakat?

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Zakat: Einführung in einen essenziellen Pfeiler unserer Lebenspraxis.

(iz). In der arabischen Sprache beschreibt Zakat „Wachstum“ und „Reinigung“ gleichermaßen. Das Wort leitet sich vom Stamm (z-k-a) ab und bedeutet „wachsen“ bzw. „sich vermehren“. So werden beispielsweise die Ausdrücke „die Ernte wuchs“ und „der Reichtum vermehrte sich“ verwendet, wenn etwas gedeiht oder sich ausbreitet. Von Schaikh Isma-eel Isaacs

Über seine Bedeutung von Wachstum hinaus steht sie für Reinigung. Allah bezeichnet die obligatorische Sadaqa als Zakat, weil der Geber seinen Besitz und sich selbst reinigt. Durch diese Handlung erhöht der Einzelne seinen Status und säubert seine Nafs von schädlichen Eigenschaften wie Neid, Gier, Geiz und der Besessenheit von Reichtum.

Allah, der Erhabene, sagt in Seinem edlen Qur’an: „Nimm von ihrem Besitz ein Almosen, mit dem du sie rein machst und läuterst, und bete für sie, denn dein Gebet ist für sie eine Beruhigung! Allah ist Allhörend und Allwissend.“ (At-Tauba, Sure 9, 103)

Im islamischen Recht wird sie wie folgt definiert: „Ein bestimmter Anteil aus einem bestimmten Vermögen, der bei Erreichen einer bestimmten Schwelle zu einem bestimmten Zeitpunkt an bestimmte Empfängerkategorien verteilt wird.“

Die Kernelemente

Ein spezifischer Anteil und bezieht sich auf einen festgelegten Prozentsatz, der durch das Zakatrecht definiert wird. Er hängt von der Art des Besitzes ab wie 2,5 % für Gold, Silber oder den Wert von Waren.

Ein genau definierter Besitz und meint das Eigentum, das der Pflichtabgabe unterliegt wie die beiden Edelmetalle Vieh, Ernten, Früchte, Waren und mehr.

Eine vorab festgelegte Menge bedeutet, dass das Recht einen Mindestbetrag vorsieht, ab dem die Abgabe Pflicht wird. Dieser wird im arabischen Nisab genannt und gilt individuell für jede Kategorie, die von ihr betroffen ist. Dieser Anteil kann nach dem konkreten Gegenstand variieren oder bestimmten Kriterien unterliegen wie die Differenz von Erträgen aus Landwirtschaft mit und ohne Bewässerung.

Es gibt eine spezifische Zeit. Damit ist der Zeitpunkt der Zakaterhebung gemeint. Auch hier gibt es Unterschiede im behandelten Produkt bzw. Besitz.

Im Qur’an festgelegte Empfänger sind jene Gruppen von Menschen, die Allah für die Annahme von Zakat bestimmt hat.

Foto: Shutterstock

Eine der fünf Säulen

Sie ist eine der fünf Säulen des Islam. Und dient als Akt der finanziellen Verehrung, Mittel zur Reinigung und ist Instrument für das soziale und wirtschaftliche Wohlergehen der Gemeinschaft, wodurch materielle Solidarität gewährleistet wird.

Die Zakat ist eine Fard ‘Ayn. Das bedeutet, dass sie eine Pflicht für jeden Einzelnen ist, der die notwendigen Bedingungen erfüllt. Ihre Verpflichtung ist durch den Qur’an, die Sunna und den Konsens der Gelehrten (Ijma’) fest verankert. 

Es existieren zahlreiche Verse im Qur’an wie „(…) und verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe und gehorcht dem Gesandten (…)“ (An-Nur, Sure 24, 56) , die ihre Obligation bekräftigen. Und noch mehr Beweise finden sich im Hadith.

Der Prophet sagte: „Islam basiert auf fünf Säulen: das Bekenntnis, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad Sein Gesandter ist, das Verrichten des Salah, das Entrichten der Zakat, das Durchführen des Hadsch und das Fasten im Ramadan.“ (Al-Bukhari und Muslim)

Einhellige Übereinstimmung über Pflicht

Unter den Gelehrten herrscht seit der Zeit des Propheten bis heute einhellige Übereinstimmung (Ijma’ Mutawatir) hinsichtlich der Verpflichtung zur Zakat. Sie wurde im zweiten Jahr nach der Hijra zur Pflicht gemacht.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, warnte, dass diejenigen, die sie zurückhalten, mit Dürre und Not konfrontiert werden. Allah hat dies an 32 Stellen im Qur’an geboten, und es gibt keinen Vers, der das Salah gebietet, ohne gleichzeitig die Zakat zu erwähnen.

Sie ist als Fard ‘Aayn eine individuelle Verpflichtung für jeden Muslim, der bestimmte Bedingungen erfüllt.

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Foto: IZ Medien

Erstens wird sie ausschließlich von ihm verlangt, da es sich um eine gottesdienstliche Handlung handelt, und ohne den Islam bleibt sie ungültig.

Zweitens ist Freiheit unerlässlich, da diejenigen, die keine vollständige Kontrolle über ihr Vermögen haben, davon befreit sind.

Drittens ist das vollständige Eigentumsrecht erforderlich, um zu gewährleisten, dass die Zakat nur auf vollständig und rechtmäßig besessene Werte zu entrichten ist, wobei gestohlenes Eigentum, umstrittene Vermögenswerte und sogar nicht gelieferte Mitgift ausgeschlossen sind. 

Viertens ist nur zakatpflichtiger Besitz steuerpflichtig, wie beispielsweise Gold, Silber, Handelswaren, bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse und Vieh, die bestimmte Kriterien erfüllen. 

Fünftens ist sie nur auf Eigentum zu entrichten, das den Mindestschwellenwert überschreitet, um sicherzustellen, dass sie auf überschüssiges Vermögen erhoben wird.

Sobald diese Bedingungen erfüllt sind, ist ein Muslim verpflichtet, die Zakat zu zahlen, wobei vier Grundprinzipien für ihre Gültigkeit zu beachten sind.

Erstens ist die Intention (Niyyah) entscheidend. Sie muss zum Zeitpunkt der Zahlung oder der Zurückstellung vorhanden sein. Eine Spende an die Armen ohne diese Absicht macht sie jedoch ungültig. Zweitens muss sie an dem vorgeschriebenen Ort ausgezahlt werden. Drittens darf die Zakat erst nach Ablauf der Fälligkeitsfrist gezahlt werden.

Und schließlich muss sie unter den acht im Qur’an genannten Kategorien verteilt werden: „Die Almosen sind nur für die Armen, die Bedürftigen, diejenigen, die damit beschäftigt sind, diejenigen, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen, (den Loskauf von) Sklaven, die Verschuldeten, auf Allahs Weg und (für) den Sohn des Weges, als Verpflichtung von Allah. Allah ist Allwissend und Allweise.“ (At-Tauba, Sure 9, 60)

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Zakat braucht Gewissenhaftigkeit

Zakat Islam

Wie praktizieren Muslime im Westen die Zakat? Ihre Gemeinschaften dürfen die vorgeschriebenen Kategorien nicht zu sehr ausweiten.

„Du wärest der Imam der Sozialisten, wären nicht ihre Exzesse und Ansprüche… Wenn ein Mann sich eine Religion aussuchen müsste, würden die Armen nur Deine Religion wählen.“ Abdul Hakim Murad

(Traversing Tradition). Der Prophet hatte nicht nur Mitgefühl mit den Armen, er „liebte die Armen und saß bei ihnen“ und lehrte uns das Gebet: „Herr Gott, gib uns Liebe für die Armen (arab. hubb al-masakin).“ Auch wenn wir uns heute fragen, ob die Umma genug für die Unterdrückten tut, ist es lobenswert, dass unsere Bereitschaft, die Armen zu unterstützen, anhält. Von Mohammed Adam

Zakat – Muslime im Westen sind großzügig

Ein 2021, von der Muslim Philanthropy Initiative veröffentlichter Bericht ergab, dass muslimische Amerikaner zwar nur 1,1 % der Bevölkerung ausmachen, aber 1,4 % (beinahe 4,3 Mrd. Dollar) der Spenden für wohltätige Zwecke leisten.

Trotz weit verbreiteter Vorurteile darüber, wofür Muslime ihr Geld ausgeben, stellt derselbe Bericht fest, dass ein beträchtlicher Teil der Spenden für wohltätige Zwecke inländische, nicht religiöse Zwecke unterstützt, darunter auch die Bekämpfung von Folgen der Covid-19-Pandemie.

In seinem Buch „Travelling Home“, einer Abhandlung über die Integration von Muslimen in Europa, endet Schaikh Abdal Hakim Murad mit einem Kapitel, in dem er die Macht der Wohltätigkeit bei der Wiederbelebung des muslimischen Bewusstseins erörtert.

Während er das Potenzial derjenigen, die in der Lage sind, Spenden zu geben, wunderbar detailliert beschreibt – von den vermögenden Muslimen in London bis hin zu den Milliardären aus den Emiraten, die von Petrodollars leben –, bleiben die Empfänger auffallend unerwähnt, insbesondere im Fall von Zakat.

Es besteht kein Zweifel daran, dass wir in einem räuberischen Finanzsystem leben, in dem die Banken und Institutionen von der Aussicht begeistert sind, diejenigen auszubeuten, die am unteren Ende der Gesellschaft stehen, um das Ungleichgewicht des gesellschaftlichen Reichtums aufrechtzuerhalten.

Riba (wir beziehen uns hier lose auf Zinsen und Wucherpraktiken) ist im Islam wegen seines ausbeuterischen Charakters und seines Endergebnisses, der ungerechten Aneignung der finanziell Verzweifelten, um die Taschen der immer Reicheren zu füllen, ausdrücklich verboten.

Foto: Carl Davies, CSIRO | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Allah vermehrt Zakat – und vermindert Riba

Allah warnt uns davor, dass die Praxis von Riba ein verlustreiches Unternehmen auf einer kosmischen Ebene ist. Dies ist im Qur’an festgehalten: „Und was ihr an Ausgaben aufwendet, damit sie sich aus dem Besitz der Menschen vermehren [d.h. Riba], sie vermehren sich nicht bei Allah. Was ihr aber an Abgaben entrichtet im Begehren nach Allahs Angesicht … – das sind diejenigen, die das Vielfache erzielen.“ (Ar-Rum, Sure 30, 39)

Dieser Vers stellt einen wunderbaren Kontrast zwischen der parasitären Natur der Riba und der schönen Gerechtigkeit der Zakat dar. Ihre Institution ist das Gegenteil dieser verbotenen Praxis, da sie als umverteilende wirtschaftliche Fairness dient und Harmonie innerhalb des sozioökonomischen Systems schafft.

Allah sagt uns, dass es sich um eine Transaktion mit positiver Summe handelt: Wir reinigen den Reichtum, die Armen werden gestärkt und auf kosmischer Ebene vervielfacht sich unsere Belohnung bei Allah exponentiell.

Dieser Vers hat eine tiefere Bedeutung, die die Gerechtigkeit Allahs weiter offenbart. Obwohl Zakat Sein Eigentum ist und uns im Prinzip nicht gehört, belohnt Er uns auf eine vervielfachende Weise, im direkten Gegensatz zur Funktionsweise von Riba: positive Summen statt eines Nullsummenspiels.

Die Bedeutsamkeit der Zakat im Islam und als Institution sollte nicht unterschätzt werden. Es handelt sich um eine gemeinschaftsorientierte Praxis, die dazu befähigte Muslime dazu zwingt, sich in die Notlage ihrer weniger wohlhabenden Geschwister hineinzuversetzen.

Ein Grundpfeiler der Anbetung

Sie ist ein Grundpfeiler des Dins und wird als integraler Bestandteil des Fundaments von islamischer Zivilisation betrachtet. Es ist ein großer Fehler, Zakat nur als eine andere Form der Wohltätigkeit zu betrachten. Sie ist eine Institution und eine geregelte Praxis – im Gegensatz zur Sadaqa, eine Weise der spontanen Wohltätigkeit.

Sie ist für einen Muslim so grundlegend, dass Allah sie und das Gebet (arab. Salat) im Qur’an 28 Mal im Zusammenhang erwähnt. Wie der große hanafitische Gelehrte Badr Ad-Din Al-Ayni schrieb: „Zakat ist der Partner von Salah“. Mulla Ali Al-Qari erklärt: „Salah und Zakat sind die Grundlagen aller Gottesdienste.“

Zu diesem Zweck hat der Gelehrte Schaikh Yousef Wahb einen Aufsatz über die Verwendung und den Missbrauch von Geldern durch religiöse Institutionen in Nordamerika verfasst. Darin wird erörtert, inwiefern dortige Praktiken bezüglich ihrer Verteilung von den Rechtsvorschriften abweichen.

Eine juristische Analyse seines Aufsatzes würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Kurz gesagt hebt er hervor, wie zeitgenössische Urteile und Gepflogenheiten ihre Berechtigung auf ein beispielloses und fast zweifelhaftes Niveau erweitern.

Neben der detaillierten Beschreibung der gerechten Distribution auf die acht festgelegten Empfängerkategorien in der schafi’itischen Schule nimmt sich der Autor Zeit, drei spezifische Kategorien aufzuschlüsseln, bei denen die heutige Verteilung inkonsistent ist: „auf dem Weg Allahs“, diejenigen, die sie einsammeln, und „Annäherung der Herzen“.

Ahmed Shaikh, Anwalt für islamische Nachlassplanung, veröffentlicht den Newsletter „Working Towards Ehsan“, der regelmäßig einen Überblick über solche Institute gibt wie Emgage, Islamic Relief USA und Launchgood. In einem Beitrag stellt er fest: „Die praktische Auswirkung von viel Zakat in den Vereinigten Staaten ist, dass die Wohlhabenden ihren Reichtum untereinander zirkulieren lassen.“

Wem kommt die Zakat zugute?

Ohne sich in ihre rechtlichen Feinheiten zu vertiefen, liefert er praktische Beispiele, bei denen Muslime paradoxerweise direkt von der Zakat profitieren, die sie geben – wie z.B. Zahlungen an lokale Moscheen, politische Interessenvertretungen und bestimmte Da’wa-Gruppen.

Er hebt ein beunruhigendes Beispiel hervor, bei dem ein Gelehrter auf der Website einer gemeinnützigen Organisation prominent dargestellt wird, ohne dass seine Rolle (über das Branding hinaus) entsprechend erklärt wird und ohne dass er tatsächlich die Richtlinien der Organisation überprüft.

Abgesehen von der offensichtlichen, spirituellen Bedeutung von Zakat ist es vernünftig, ein hohes Maß an Transparenz zu erwarten, das für jede moderne Organisation zum Standard gehört. Man braucht nur im Netz zu schauen, um das Gehalt eines Professors oder Fußballtrainers an einer öffentlichen Universität zu erfahren, die Dollarbeträge und die Häufigkeit politischer Spenden (und den Empfänger der Spende) von gewöhnlichen Bürgern, den genauen Wert der Verpflegungs- und Reisekosten, die Pharmaunternehmen seit 2016 allen Ärzten gezahlt haben, und sogar die ausgehandelten Mindest- und Höchstpreise für Krankenhausleistungen, Labors oder Verfahren auf der Website eines Krankenhauses gemäß einem relativ neuen Gesetz.

Trotz der unvermeidlichen rechtlichen Unterschiede bei der Frage, wer Anspruch auf Zakat hat, sollte der durchschnittliche Muslim Bescheid wissen. Ob seine Zahlung den Business-Class-Flug und das Hotel eines Redners, die Wahlkampffinanzierung eines pro-muslimischen nicht-muslimischen Kandidaten für ein öffentliches Amt, Verwaltungskosten, auffällige Werbeverträge mit Influencern, den Basketballplatz und die Mehrzweckhalle der örtlichen Moschee oder „intellektuelle Bemühungen“ (wie von der Assembly of Muslim Jurists of America legitimiert) finanziert.

In seinem Artikel bemerkt Wahb treffend: „In der Geschichte wurde der klassische Fiqh nie als Hindernis für die Daʿwa angesehen, sondern scheint in der heutigen Gemeindearbeit als eines wahrgenommen zu werden.“ Er führt ein kreatives Beispiel dafür an, wie Zakat potenziell für den Schuldenerlass bei Flüchtlingen eingesetzt werden kann, von denen zwei Drittel aus muslimischen Ländern stammen.

Zakat

Keine Verwechslung mit Spenden / Sadaqa

Seine Arbeit macht deutlich, dass die Pflichtabgabe nicht mit Wohltätigkeit gleichgesetzt werden darf und dass die Abgabe je nach Struktur, an die sie gezahlt wird, für unterschiedliche Zwecke verwendet werden kann.

Obwohl ihr Umfang in der modernen Welt unklar ist, legitimiert dies kein „Jeder-gegen-jeden“ in der muslimischen Non-Profit-Branche, in der Organisationen pauschal einen Anspruch auf „Zakat-Berechtigung“ geltend machen können, ohne genau zu definieren, was dies beinhaltet (und wer diesen Anspruch genehmigt hat).

Ein Muslim, der seine Zahlung einer Organisation anvertraut, macht diese praktisch zu seinem Vertreter. Während die Pflicht zur Erfüllung letztlich beim Individuum liegt, wird dem Vertreter ein Vertrauensvorschuss gewährt, den er im Namen des Individuums annimmt.

Angesichts ihrer Bedeutung besteht die Pflicht zur Transparenz nicht nur im Interesse der Empfänger und der wirtschaftlichen Gerechtigkeit, sondern auch im Hinblick auf das Jenseits, wo wir alle zur Rechenschaft gezogen werden. Muslime müssen in der Lage sein, dem Vertreter zu vertrauen, beruhigt durch die Gewissheit, dass ihre Zakat nicht missbraucht, sondern gerecht an die legitimen Kategorien weitergeleitet wird, die Allah für uns bestimmt hat.

Die muslimische Gemeinschaft hat das Recht, von ihren Vertretern Rechenschaft und Transparenz zu verlangen. Schließlich handelt es sich nicht nur um Wohltätigkeit, sondern um eine kollektive Einrichtung, die Vorteile für alle schafft und den Weg zum Erfolg in dieser und der nächsten Welt ebnet.

Dieser Text erschien am 11. März 2024 auf der Webseite „Traversing Tradition“. Übersetzung und Nachdruck mit Erlaubnis der Redaktion.

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Nur 2,5 Prozent Zakat: Einführung in islamrechtliche Aspekte

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Nur 2,5 Prozent: In diesem Artikel soll ein Überblick über die wesentlichen islamrechtlichen Grundlagen der Zakat vermittelt werden. 

Die Zakatwissenschaft ist ein Bestandteil des Fiqh und regelt sehr viele Details. Die wesentlichen Prinzipien sind auf unsere heutige Situation in Deutschland zu übertragen. Eine Folge weiterer Artikel widmet sich diesem Ansatz. Von Dr. Leila Momen

Zentrale Aspekte

Zakat, die dritte Säule des Islams, ist eine religiöse Pflichtabgabe für Wohlhabende und das Recht der Armen. Sie dient der Reinigung des Vermögens und des Herzens und fördert den verantwortungsbewussten Umgang mit Reichtum. Zur Zakat verpflichtet sind alle Muslime, deren Vermögen, das sie ein Mondjahr (Haul) lang besitzen, den Nisab (Zakat-Erhebungsgrenze) überschreitet. Der Nisab wird tagesaktuell nach dem Wert für 85 Gramm Gold bestimmt.

Im Qur’an werden acht Empfängergruppen für die Zakat (Sure 9, Vers 60) bestimmt. Im Qur’an werden diese Gruppen als Empfänger adressiert, da die Zakat dazu beitragen soll, verschiedene soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen und Probleme zu lösen.

Die Zakat beträgt in der Regel 2,5 % des zakatpflichtigen Vermögens, zu dem im Wesentlichen Geld, auch Kryptowährungen, Wertpapiere, Gold, Silber, Immobilien und Handelswaren gehören. Privat genutztes Vermögen wie die eigene Wohnung, Hausrat und Kleidung sind ausgenommen. Schulden können abgezogen werden. Die genaue Berechnung der Zakat erfordert eine sorgfältige Bewertung des Vermögens und der Schulden, um sicherzustellen, dass der korrekte Betrag entrichtet wird.

Es gibt keinen festgelegten Termin für die Zahlung der Zakat. Sie wird einmal im Mondjahr fällig, also alle 354 Tage.

Details & Definitionen

Die linguistische Bedeutung des arabischen Wortes Zakat ist Reinigung und Wachstum. 

Fachspezifisch lässt sich die Zakat wie folgt definieren:  Das Entrichten eines genau festgelegten Anteils von Vermögenswerten an berechtigte Personen unter Berücksichtigung besonderer Bedingungen.

Das arabische Wort Sadaqa kann synomym für Zakat verwendet werden und wird auch im Quran als Synomym verwendet (Sure 9, Vers 60), es kann aber auch eine andere Bedeutung im Sinne von freiwilliger Gabe bzw. Spende haben. Auf Deutsch lässt sich Zakat mit sozialer Pflichtabgabe vom Vermögen.

Ziele und Wirkungen

Die Zakat ist eine gottesdienstliche Handlung, die im Qur’an 28 Mal im Zusammenhang mit dem Gebet erwähnt wird. Die Zakat schützt vor negativen Charaktereigenschaften wie Geiz und Gier und fördert Ethik und Moral. Die Zakat fördert den verantwortungsbewussten Umgang mit Vermögen. 

Die Zakat ist ein wichtiges Element einer Finanz- und Sozialordnung. Sie trägt zur Förderung des sozialen Friedens einerseits und der Wirtschaft andererseits durch die Vermeidung von Geldhorten und die Investition in produktive und gewinnbringende Projekte bei. Durch die Umverteilung des Vermögens wird die soziale Gerechtigkeit gefördert. Durch die Förderung der Wirtschaft, die auch die Schaffung von Arbeitsplätzen inkludiert, wird wirtschaftliches Wachstum und Stabilität gewährleistet. Da die Zakat dort verteilt werden soll, wo sie eingezogen wird, trägt sie zum Wohlstand der jeweiligen Kommune bzw. des jeweiligen Landes bei. 

Vergleich mit Steuern

Zakat ist eine göttliche Vorschrift und eine religiöse Pflicht, während Steuern öffentlich-rechtliche Abgaben sind, die vom Staat erhoben werden. Die Höhe und Bemessungsgrundlage der Zakat sind unveränderbar, während Steuern durch Gesetzgebung angepasst werden können. Zakat ist zweckgebunden und kommt ausschließlich bedürftigen Muslimen und anderen eingegrenzten Empfängergruppen zugute, während Steuern für eine Vielzahl von öffentlichen Zwecken verwendet werden, einschließlich Infrastruktur und sozialer Dienste.

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Foto: Chinnapong, Shutterstock

Zakat-pflichtige Vermögenswerte

Zu den zakatpflichtigen vermehrungsfähigen Vermögenswerten gehören grundsätzlich Bargeld und Kontoguthaben, Kryptowährungen, Wertpapiere wie Aktien, Anteile an Fonds und ETFs, Immobilien (zum Handel), Handelsware, Gold und Silber, landwirtschaftliche Produkte und Viehbestand (Nutztiere). 

Die Zakat beträgt in der Regel 2,5 % des Geldbetrags, des Kontoguthabens, des aktuellen Wertes der jeweiligen Kryptowährung, des Marktwertes bzw. Kurswertes der jeweiligen Wertpapieres, wenn diese mit der Absicht des kurzfristigen Wiederverkaufs erworben werden. Dasselbe gilt für Immobilien, die gehandelt werden und für Handelsware, die (per se) erworben wird, um sie wieder zu veräußern. Bei Wertpapieren mit längerfristiger Halteabsicht (Investition), wird als Bemessungsgrundlage in der Regel ein pauschaler Prozentsatz von 25 % des aktuellen Kurswertes zugrunde gelegt. 

Auf selbst genutzte Immobilien ist keine Zakat zu zahlen. Dasselbe gilt für den Marktwert von vermieteten Bestandimmobilien; nur die Mieteinnahmen unterliegen der Zakat, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

Gemäß der Mehrheit der Rechtsschulen besteht eine Zakatpflicht für Gold und Silber nur dann, wenn diese der Investition bzw. der Kapitalanlage dienen und nicht für den persönlichen Gebrauch als Schmuck bestimmt sind. Andere Edelmetalle wie Platin sind ebenfalls grundsätzlich zakatpflichtig, wenn sie mit der Absicht der Kapitalanlage gehalten werden.

Für landwirtschaftliche Produkte und Viehbestand gelten spezielle Berechnungen sowohl im Hinblick auf die Bemessungsgrundlage der Zakat als auch den Prozentsatz.

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Voraussetzungen in Bezug auf die zakakpflichtigen Personen und das zakatpflichtige Vemögen

Zakatpflichtig ist jemand, wenn er Muslim ist, die Geschlechtsreife erlangt hat und geschäftsfähig ist (persönliche Merkmale der Zakatpflicht). Die Geschäftsfähigkeit betrachten nicht alle Rechtsschulen als Voraussetzung für die persönliche Zakatpflicht.

Vermögen ist zakatpflichtig, wenn Eigentum und Besitz (uneingeschränkte Verfügungsmacht) in Bezug auf das Vermögen besteht, das Vermögens wachstums- bzw. wertsteigerungsfähig ist und der Nisab ein Mondjahr lang überschritten wird (sachliche Merkmale der Zakatpflicht).

Sofern Kinder über Vermögen verfügen, besteht nach der Mehrheit der Rechtsschulen eine Zakatpflicht in Bezug auf dieses Vermögen; allerdings sind die Eltern bzw. der Vormund verpflichtet, die Zakat für die Kinder aus ihrem Vermögen zu entrichten.

Zakat-berechtigte Empfängergruppen

Die im Qur’an (Sure 9, Vers 60) abschließend enumerativ genannten acht Empfängergruppen umfassen Arme und Bedürftige, die Mitarbeiter der Zakat-Verwaltung, diejenigen, deren Herzen gewonnen werden sollen, unfreie Menschen, die befreit werden sollen, Schuldner, diejenigen, die auf dem Wege Allahs sind und Reisende.

Die wichtigste Empfängergruppe sind Arme und Bedürftige, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können bzw. trotz Erwerbstätigkeit nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Menschen, die staatliche Unterstützung erhalten, sollten damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Oft geraten diese Menschen jedoch unverschuldet in eine Schuldensituation und könnten dann als Schuldner zakatberechtigte Empfänger sein. In Bezug auf die Empfängergruppe derjenigen, die auf dem Wege Allahs sind, könnten mit einer weiten Auslegung gesellschaftlich sinnstiftende Projekte durch die Zakat finanziert werden. 

Die Verteilung der Zakat-Mittel kann gleichmäßig auf alle acht Gruppen erfolgen, wobei die meisten Gelehrten eine gleichmäßige Verteilung nicht für erforderlich halten. In Ausnahmefällen ist die Zahlung an eine einzige Gruppe erlaubt, wobei der Fokus auf der ersten Gruppe der Armen und Bedürftigen liegt.

Nicht-Berechtigte

Nichtmuslime, vermögende Muslime, arbeitsunwillige Muslime, Muslime, die schwere Sünden begehen, und die Familie des Propheten Muhammad (s) sowie Familienangehörige (direkte Nachkommen Kinder und Enkel, Eltern und Großeltern, Ehepartner (mit Ausnahme einer Rechtsschule)) sind nicht berechtigt, Zakat zu empfangen. Ausnahmen bestehen für Nichtmuslime, deren Herzen erwärmt werden sollen, und für die Mitarbeiter der Zakat-Verwaltung.

Lokaler Einzug und lokale Verteilung

Alle Rechtsschulen stimmen darin überein, dass die Zakat, an dem Ort verteilt werden soll, an dem sie entrichtet wird. Die Reichweite des Ortes wird jedoch unterschiedlich definiert. Die Entrichtung und Verteilung der Zakat in einem Land bzw. Staat könnte man als konsensfähige Auslegung zugrunde legen, wobei einzelne Gelehrte die Verteilung der Zakat (teilweise) in anderen Ländern als möglich erachten z.B. wenn es in dem Land, in dem die Zakat entrichtet wird, die Zakateinnahmen die Höhe der erforderlichen Zakat zur Deckung des Bedarfs der zakatberechtigten Empfängergruppen übersteigt.

Fälligkeit der Zakat

Die Zakat wird für fast alle Vermögensarten grundsätzlich nach Ablauf eines Mondjahres fällig. Bei landwirtschaftlichen Erträgen  ist in der Regel aufgrund des Erntezyklus der tatsächliche Zeitpunkt der Reife als maßgeblich.

Bei erstmaliger Zahlung der Zakat gilt der erste Termin, bei dem das zakatpflichtige Vermögen den Nisab überschreitet, als erstes Datum, ab dem die Zakat-Dauerberechnung durchgeführt wird, d.h. nach Vollendung eines Mondjahres, gerechnet ab dem ersten Termin, ist die Zakat erstmals zu entrichten und ebenso in den Folgejahren zu dem Termin, wenn das zakatpflichtige Vermögen durchgehend über dem Nisab liegt. Sollte die das zakatpflichtige Vermögens den Nisab zu irgendeinem Zeitpunkt unterschreiten, wird zum Zeitpunkt des Überschreitens des Nisab ein neuer Termin festgelegt. 

Sofern passend und möglich, wählen viele zakatpflichtige Muslime für ihre Zakatfälligkeit einen Tag während des Monat Ramadan, da Allah die guten Taten in dieser Zeit besonders belohnt. 

In begründeten (Ausnahme)fällen ist es auch erlaubt, die Zakat für mehrere Jahre im Voraus zu entrichten, wobei eine spätere Anpassung erforderlich sein kann, wenn das zakatpflichtige Vermögen geringer oder höher als geschätzt war.

Sanktionen bei Verstoß gegen die Abgabe der Zakat

Die absichtliche Nichtbeachtung der Pflicht und die Weigerung zur Zahlung zählt zu den großen Sünden. Wird die Zakat nicht gezahlt bzw. zu niedrig berechnet und zu wenig Zakat gezahlt, muss eine Korrektur erfolgen. Nicht-berechtigte Empfänger müssen die erhaltene Zakat zurückerstatten. Bereits im Diesseits können Sanktionen z.B. durch Dürre und Hungersnot erfolgen, wie es im Qur’an beschrieben wird (Sure 9, Verse 34, 35).

Foto: Carl Davies, CSIRO | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zakatul-fitr

Zakatul-fitr ist eine Pflicht für alle Muslime zum Ende des Ramadan. Sie dient der Reinigung und dem Ausgleich für Verfehlungen im Monat Ramadan. Die Berechnung der Zakatul-fitr ist unabhängig vom Nisab und richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. In Deutschland beträgt sie derzeit ca. 10 €. Sie kann während des gesamten Ramadan gezahlt werden, spätestens jedoch am 1. Eid-Tag vor dem Gebet, teilweise wird der Zeitraum für ihre Entrichtung enger gefasst. Nur eine Rechtsschule vertritt die Auffassung, das die Zakatul-fitr auch an bedürftige Nichtmuslime verteilt werden kann.

* Dieser Text entstand in Verbindung mit Zakat Deutschland e.V. Geplant ist in Folge eine lose Artikelreihe zum Thema.

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Wie wird Zakat richtig erhoben?

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Dass Zakat, die man als verpflichtende Sozialabgabe bezeichnen kann, zu den Fünf Säulen des Islam gehört, wissen die meisten. Damit ist sie auch Anbetung. (iz). Anders als bei den anderen […]

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Zakat – etwas ganz anderes als Mildtätigkeit

zakat Rechtsextremismus ökonomen

„Zakat bietet sich als Heilmittel der radikalen Art an. Die Einkommensteuer scheiterte, den Graben zwischen Reichen und Armen zu verkleinern.“

(iz). Ich möchte über die Möglichkeit sprechen, wie die Zakat im seltsamen Kontext des heutigen Finanzsystems kreativ und erfolgreich funktionieren könnte. Die Frage ist eine bemerkenswert aktuelle. Eine der bekanntesten Eigenschaften des Islam ist seine resolute Stabilität.

Welche andere Weltreligion konnte nicht nur ihre Schlüssellehren bewahren, sondern die Einzelheiten ihrer Praxis? Wie das Gebet, Ramadan und Hadsch scheint die Zakat zeitlos zu sein. Es sind Regeln, die nicht zum Vergehen geschaffen wurden – niemals.

Die Zakat unterscheidet sich von anderen Säulen

Und doch unterscheidet sich die Pflichtabgabe von den anderen Säulen. Wenn das Gebet Anbetung Allahs ist, das Fasten Selbstverleugnung und Hadsch eine Rückbindung zur heiligen Vergangenheit und dem spirituellen Zentrum, dann betrifft die Zakat unsere Bindung zur Gesellschaft – in ihrer unverzichtbaren, finanziellen Dimension.

Religion leitet sich vom lateinischen Wort für „binden“ ab. Sie verbindet uns nicht nur mit dem Himmel, sondern mit dem Mitmenschen. Und ist eine besonders soziale Sache. Weil sich die uns umgebende Welt auf solch extremen und verwirrenden Wegen wandelt, steht diese Säule des Islam vor größeren Herausforderungen als die anderen.

Anders formuliert könnte man sagen, dass sie eine innere und eine äußere Dimension hat. Innerlich hat sie die Wirkung, uns von Elementen unserer Gier, Habsucht und der Teilnahmslosigkeit gegenüber anderen zu reinigen. Sie ist kathartisch.

Die Schari’a regelt und reinigt unsere Transaktionen. Aber das Fundament unseres sozio-finanziellen Austausches ist die Abgabe auf unseren Besitz. So bedeutsam ist wirtschaftliche Gerechtigkeit für die qur’anische Vision von Gesellschaft, dass dieser soziale Pfeiler sich darauf bezieht, wie Geld aufbewahrt, besteuert und ausgetauscht wird.

Selbstverständlich stellt sie keinen Ausschluss anderer sozialer Transaktionen dar. Zakat ist unser dritter Pfeiler und beispielsweise nicht die Aufrechterhaltung der Familienbande (arab. silat al-rahim). Und so ist die ganzheitliche, soziale Vision einer gläubigen und gerechten muslimischen Gesellschaft bezeichnenderweise auf ökonomische Gerechtigkeit fokussiert.

Einige der ersten Verse der Offenbarung waren düstere Warnungen vor Habgier und der Vernachlässigung des finanziellen Wohlergehens von benachteiligten Segmenten der mekkanischen Gesellschaft.

Foto: Christian Jepsen, NRC

Früher half sie zur Linderung von Armut

In früheren Zeiten trug die Institution der Zakat stark zur Linderung von Armut und anderen Bedürfnissen bei. Sie wurde oft von der enormen Infrastruktur der Stiftungen (arab. auqaf) in der weiten muslimischen Welt unterstützt. Obwohl der mittelalterliche Islam einige komplexe Finanzsysteme schuf – vergessen wir nicht, dass Worte wie Scheck oder Tarif arabischen Ursprungs sind –, bezieht sich die Theorie der klassischen Zakat auf eine weniger differenzierte Gesellschaft.

Heute legen Juristen die Stirn in Falten angesichts der Zunahme komplexer und häufig parasitärer Finanzinstrumente: lang- und kurzfristige Fonds, offene Portfolios (Macro Hedging), Terminhandel, Derivate und Immobilien-Investment-Trusts.

Ich möchte über den Weg nachdenken, auf dem das Prinzip der Zakat selbst – in seiner weiten und hoffentlich zeitlosen Architektur – eine bedeutende neue Kraft einführen kann. Wir müssen einen Augenblick über die Eigenartigkeit der heutigen Weltwirtschaft nachdenken. In ihrer Sprunghaftigkeit und Fremdheit scheint sie Spiegel so vieler anderer moderner Quellen von Sorge und Unsicherheit zu sein.

Dazu gehören Klimawandel, Terrorismus, das Verschwimmen sozialer Formen und Beziehungen, religiöse Verwirrung und die Dominanz einer globalen Kultur durch mächtige Medienkonzerne. In einem gewissen Sinne steht sie in Verbindung zu allen anderen Kopfschmerzen. Es ist aber ihre innewohnende Fremdheit, die sie in einer eigenen Kategorie hervorstechen lässt.

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Eine Finanzblase nach der anderen

In wenig mehr als einer Generation wurden finanzielle Gesetze und Prozesse, welche der Welt jahrhundertelang zugrunde lagen, abgeschafft. Dank Tausender neuer Kreditformen wuchsen riesige Blasen an. Warum sind wir – in einem Zeitalter der Massenkommunikation – so unwissend, wenn wir mit mühelosen Klicks auf deregulierte Börsen Zugriff haben und sogar selbst mit Aktien handeln können? Das System erscheint beruhigend durchsichtig. Und doch sehen wir wegen der ganzen jungen Bäume das Feuer im Wald nicht.

Der Grund dafür ist, dass die Informationsrevolution mit dem Aufwuchern dessen zusammenfiel, was Benjamin DeMott „Müllpolitik“ nannte. Das ist die Politik der schmissigen, markigen Zitate. Wie moderne Kunst wird Politik weitaus zugänglicher, wenn sie Wahrheit durch Stil ersetzt.

Müllpolitik wird uns nicht dazu anleiten, auf angemessene Weise über soziale Ungerechtigkeit oder über Klimawandel nachzudenken. DeMott spricht davon, dass es in dieser neuen Welt „null Unterbrechung in den Vorgängen und Praktiken gibt, welche die existenten, verschränkten Systeme der sozioökonomischen Vorteilsnahme stärken“.

Das weltweite Finanzsystem fundiert auf der Täuschung, dass es mit Maßstäben von echtem Wert handle. Das ist sicherlich einer der Schlüsselgründe für die Sprunghaftigkeit der Märkte. Die meisten Schwankungen im Aktienkapital und den Warenmärkten werden von irrationalen Herdenimpulsen verursacht, anstatt von realen Dingen. Aber niemand weiß überhaupt irgendwas. Niemand weiß Bescheid.

Es herrscht beinahe universale Zustimmung, dass die Wirtschaft Blasen erzeugt. Billiges Geld, die Vermehrung der Geldmenge und das Regelwerk, dass trotz der Katastrophe von 2008 freizügig blieb, erlaubte ein Aufblühen der Schulden. Die Neo-Keynesianer behaupten, dass die Wirtschaft weiteren Anreiz in der traditionellen Form zusätzlicher Kreditspitzen brauche. Aber auch hier: Die Religion der Ökonomie hat eine großzügige Kirche.

Andere, darunter auch Köpfe der Österreichischen Schule, haben eine Reihe an Papieren veröffentlicht, um das Offensichtliche zu bekräftigen: Dass ein Anstieg an billigem Geld Finanzkrisen verursacht, anstatt sie zu beheben. Die Achterbahnfahrt von Auf- und Abschwung des neuen imperialen Kapitalismus führt uns zu einem unbekannten Ziel. Wir können nicht sagen, an welchem Punkt wir aussteigen. Niemand kann es uns sagen. Die Theoretiker sind sich uneins; und die Lage ohne bekannte Vorläufer.

Während in der Vormoderne – und sicherlich im politischen Modell des Islam – Funktionen der Zentralregierung im Wesentlichen auf Sicherheitsfragen und Kontrolle der Münzprägung beschränkt blieben, wurde der moderne Staat zu einem Monster. Seine Fangarme erstrecken sich auf jeden Aspekt des Lebens. Bildung, Justiz, Gesundheit und andere Schlüsseldimensionen unserer Existenz unterliegen einer peinlich genauen Regelung und Kontrolle des Staates.

Und das Geld selbst, der Schlüsselindikator für Wert, wird durch die staatliche Zentralbank bewertet und geschaffen. Es kommt nicht aus den Minen von Allahs fester Erde. Vielmehr besteht es aus Papierschnippseln, deren Wert durch zentrale Politik festgelegt wird.

Foto: Dubai Shopping Festival

Islamische Werte und persönliche Freiheit

Auch hier bestehen unsere Werte auf persönlicher Freiheit: Eine Privatwährung, deren Wert außerhalb der Macht der Zentralbanken liegt, ist der wesentliche Maßstab des Austausches. Anders als Bitcoins, deren behaupteter libertärer Vorteil das Problem ihrer Sprunghaftigkeit nicht überzeugend überwiegt, erlauben Gold und Silber (die Naqdain) Privatpersonen beträchtliche Freiheit von Manipulation durch Staaten und Konzerninteressen.

Sie bieten Schutz vor unerwarteten Schuldenschnitten, Steuern und anderen, staatlich erzwungenen Eingriffen in den persönlichen Besitz. Und wenn die Geldautomaten einmal kein Geld mehr ausgeben, wird der Wert der beiden klar.

Wie zuvor angemerkt dreht sich die dritte Säule des Islam überhaupt nicht ums Banking, sondern um Gerechtigkeit. Zakat ist eine verpflichtende Reinigung unseres finanziellen Blutkreislaufes.

London ist die Heimat vieler Ultrareicher; mehr als jede andere Stadt in der Welt. Eine erhebliche Menge von ihnen sind Muslime, darunter einige russische Oligarchen. Die Folgen ihres goldenen Lebensstils sind allgegenwärtig. Luxusgeschäfte bieten kultursensible Termine für Damen aus dem Golf. Die schicksten Hotels wie das Dorchester und das Savoy haben weibliche Butler, Gebetsräume und Halal-Köche.

Unglücklicherweise scheinen sich viele nahöstliche Auswanderer gegen die Idee zu wehren, dass sie, wenn sie im Ramadan fasten oder in der Moschee des Dorchester beten, gleichfalls zakatpflichtig werden. Das Gebet (arab. salat) reimt sich auf Zakat. Ein solcher Islam ist unausgeglichen. Es ist ein Islam, der sich nicht reimt. Und die Wirkung für die Seele ist oft an ihren Gesichtern abzulesen.

Reichtum verhärtet oft das Herz

Reichtum verhärtet oft das Herz. Eine Studie der Princeton Universität legt den Schluss nahe, dass das Gehirn von wohlhabenden Studenten anders auf Bilder von Armut und Leiden reagiert als jenes von Studenten, die arbeiten oder Darlehen aufnehmen mussten. Es scheint so, dass Wohlstand und Privilegien nicht nur das Herz verhärten, sondern auch das Gehirn neu verkabeln.

Daher bietet sich Zakat als Heilmittel der radikalen Art an. Die Einkommensteuer scheiterte, den Graben zwischen Reichen und Armen zu verkleinern. Sozialleistungen und Gesundheitsvorsorge werden weiter beschnitten. Hier bietet die Offenbarung eine andere Lösung. Im Wesentlichen ist Zakat eine Netto-Vermögenssteuer. Es gibt Ausnahmen: das eigene Haus beispielsweise. Aber die ein-Euro-für-jeweils-40-Euro-Abgabe bleibt vielversprechend.

Wir müssen uns nur ausmalen, welche Summen hier von muslimischen Millionären in Großbritannien anfielen. Nach Angaben des Muslim Council of Britain gibt es mehr als 10.000. Zusammen besitzen sie beinahe vier Milliarden Pfund. Das wären auf einmal hundert Millionen Pfund jährlich als Zakat.

Und was ist mit den rund 14.000 Londoner Firmen in muslimischem Besitz? Über ein Drittel der kleinen bis mittleren Unternehmen in London gehört heute ihnen. Wie sieht es dort mit Zakatpflicht aus? Bereits jetzt sind sie nach Angaben der Spendenkommissionen pro Kopf die großzügigsten Spender des Vereinigten Königreichs.

Aber bei der Zakat geht es nicht um Spenden. Dafür gibt es Sadaqa, die etwas anderes ist. Zakat hat nicht nur ein wohltätiges Ziel, sondern eine höhere Funktion der Umverteilung. Sie ist Teil einer breiteren Philosophie, die untrennbar zur sozialen Vision gehört. Während wirtschaftliches Handeln ermutigt wird, wird die langfristige Kapitalanhäufung durch verschiedene Prinzipien der Schari’a eingeschränkt.

Eines davon ist ein System der Erbschaftssteuerung. Bei Muslimen wird der Nachlass mehrfach aufgeteilt: Alle Kinder erben sowie weitere Verwandte. Und ein Drittel muss außerhalb des Familienkreises abgegeben werden. Oft wird es sich dabei um eine Stiftung handeln. Noch bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts gehörte ein Drittel der Fläche Istanbuls solchen Auqaf. Deren Einkünfte konnten nur für wohltätige Ziele benutzt werden.

Im Qur’an ist von einer Art von Wohltätigkeit die Rede, deren Empfänger „Verwandte, Waisen, Arme und Reisende“ sein sollen. „Damit dieser Besitz nicht nur unter den Wohlhabenden von euch zirkuliert.“ Reichtum muss wieder untergepflügt werden; in die niedrigeren und benachteiligten Segmente der Gesellschaft. Das sind Obdachlose, Alleinstehende, der Flüchtling und der Asylsuchende. Dies sind alles zeitlose Kategorien des menschlichen Bedürfnisses. Sie haben ein Recht auf die Mittel der Glücklichen.

Die Vorteile einer Steuer auf das Vermögen, anstatt auf das bloße Einkommen, werden nicht nur im Qur’an erklärt. 2014 kam es zu einer Sensation, als der französische Ökonom Thomas Piketty sein Buch „Capital in the Twenty-First Century“ veröffentlichte.

Er behandelt hier Einkommensunterschiede. Wenn Kapitalerträge die Wachstumsraten überstiegen, würden die Reichen noch reicher. Das gefährde schlussendlich das gesamte globale System. Die Lösung sei keine Einkommens- oder Verkaufssteuer, sondern eine Vermögensabgabe. Piketty gibt beinahe das klassische islamische Denken wieder.

Dieses Modell würde auch die Wirtschaft beleben. Hier sei lagerndes Geld einem jährlichen Schnitt unterworfen. Das würde Anteilseigner zwingen, in profitable Geschäfte zu investieren. Diese wiederum würden höhere Einkünfte erzielen, da die Einkommenssteuer anteilig geringer ausfiele.

Parasitische Investitionen würden durch aktivere Strategien ersetzt. Piketty sagt voraus, dass dies unsere Ära der Stagnation beenden und die Rückkehr zu einem gesünderen Wirtschaftsmodell darstellen würde, das auf Steuern als negativer Bestärkung basiere. Passive Einlagen würden leiden, während wirtschaftliche Aktivität belohnt werde.

Foto: Secl, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 3.0

Wir müssen uns außerdem an einen weiteren interessanten, aber bedauerlicherweise vergessenen Fakt erinnern. Wir denken beim Zakatniveau an eine Flatrate von 2,5 Prozent. Jedoch erhöht das Recht diese bei bestimmten Kapitalgruppen. Namentlich wäre hier jene Kategorie zu nennen, die als Rikaz bekannt ist. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Bodenschätze ohne vorherige Eigentümer.

Obwohl die Rechtsschulen hier differieren, stellen wir fest, dass mineralischer Reichtum – nach seiner Förderung – eine 10- oder 20-prozentige Zakat bedeutet. 2008 veröffentlichte das Institut für Islamische Forschung der Al-Azhar darüber eine Fatwa. Erdölvorkommen hätten demnach – wie andere mineralische Bergbauprodukte – als Rikaz zu gelten.

Daher rief der Mufti die erdölreichen Golfstaaten auf, eine 20-prozentige Rate auf alle Energieträger zu bezahlen, sobald sie aus dem Boden kämen. Die Einkünfte sollten benutzt werden, um die Wirtschaft der ärmeren muslimischen Länder zu verbessern und um die Leiden der Armen und Flüchtlinge zu lindern.

Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass dieser Gedanke ekstatische Aufnahme am Golf fand. Jedoch finden sich die höheren Prozentraten der Zakat in den juristischen Handbüchern. Die zeitlose Relevanz dieser Texte wird ganz deutlich, betrachten wir, wie enorm groß die Wirkung einer solchen jährlichen Abgabe wäre; wenn sie korrekt angewandt würde. Sie könnte in Ländern wie Bangladesch oder Mali, wo ein Dirham vieles kaufen kann, Erleichterung bringen.

Das Horden von Kapital in Londoner Immobilien, der spekulative Aufkauf von moderner Kunst, Fußballvereinen sowie Anteilen von Apple oder Fox News wäre so eingeschränkt. Und es würde die Anlagenpreise auf eine mehr erkennbare Normalität zurückstutzen. Die Weltwirtschaft zöge Nutzen daraus. Denn es käme zu neuer Importnachfrage in den Ländern, welche durch die Rikaz-Zakat entwickelt würde. Es könnte eine grundlegende Industrie finanzieren und Handel anregen – insbesondere in den OIC-Staaten.

Betrachten wir eine weitere vernachlässigte Konsequenz: Sie zielt spezifisch auf Bodenschätze inklusive fossiler Brennstoffe ab. Ein realer Anstieg von 20 Prozent bei der Öl-, Kohle- und Gasförderung stellt eine reale und gleichwertige Subvention von erneuerbaren Energieträgern dar. Es gibt keine Zakat Ar-Rikaz auf Wasserkraft, Windkraftanlagen und Solarzellen. Wenn es sich bei ihnen um Privatinvestitionen handelt, unterliegen sie der üblichen 2,5-prozentigen Zakatpflicht.

* Dieser Text ist die gekürzte Version eines Vortrages, der am 19. Mai 2016 auf einer Veranstaltung zum Thema in London gehalten wurde.

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