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Ein Bollwerk gegen die Barbarei

Zivilgesellschaft

Hilft die Zivilgesellschaft gegen die globale Ausbreitung von Barbarei und die Verschärfung von Krisen? (IPS). In einer Welt, in der sich Krisen überschneiden – von brutalen Konflikten und demokratischem Rückschritt […]

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Lehren aus der Vergangenheit: Ibn Battuta in Damaskus

damaskus battuta

Abu Bakr Rieger stellt Ibn Battutas Eindrücke vom damaligen Syrien vor. Und stellt Lehren aus der Vergangenheit vor.

(iz). Am 9. August 1326 erreicht Ibn Battuta Damaskus zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Stadt steht in ihrer vollen Blüte und ist ein pulsierendes geistiges Zentrum. Der Reisende bezieht eine Unterkunft in der Rechtsschule der Malikiten und beginnt seine denkwürdige Entdeckungstour. In dem Reisebericht beschreibt er begeistert über seine Eindrücke.

Damaskus übertrifft für ihn alle anderen Städte, die er bisher gesehen hat, an Schönheit und Vollkommenheit: „Jede Beschreibung, sei sie noch so lang, ist immer zu kurz für ihre Pracht.“ Und: Die Stadtgesellschaft kümmert sich um ihre Gäste. „Wer als Fremder dort ist, fühlt sich gut aufgehoben und wird mit Achtung behandelt, und man trägt Sorge, ihn vor allem zu schützen, was sein Ansehen verletzen könnte.“

Ibn Battuta ist tief beeindruck von Damakus‘ Moscheen

Die Zivilisation entfaltet sich – wie in allen islamischen Zentren der Vergangenheit – rund um die Moschee und den Marktplatz. Die materielle und spirituelle Dimension ist in der urbanen Entwicklung islamischer Städte miteinander verknüpft.

Ibn Battuta ist tief beeindruckt von der wundervollen Moschee der Umayyaden. „Unaufhörlich, von Tagesanbruch bis ins erste Drittel der Nacht, werden in dieser Moschee Gebete verrichtet und Koranlesungen gehalten. Beides trägt zum Ruhm dieser gesegneten Moschee bei.“

Das sakrale Gebäude im Herzen der Stadt erzählt von einer Metamorphose. Im späten 4. Jahrhundert n. Chr. wurde hier ein dem Gott Jupiter geweihter römischer Tempel durch eine christliche Basilika ersetzt. In der Kirche wurde gemäß der Überlieferung der Kopf Johannes’ des Täufers aufbewahrt.

Nach der arabischen Eroberung von Damaskus im Jahr 636 diente der Ort noch ungefähr sieben Jahrzehnte beiden Konfessionen als religiöse Kultstätte. Danach beanspruchte die Regierung das ganze Gebäude und entschädigte die alten Eigentümer für den Verlust ihres Gebetsraumes.

Das Leben in der Moschee mit ihren siebzig Muezzinen hinterlässt einigen Eindruck auf den Reisenden. Die verschiedenen Rechtsschulen sind mit den führenden Gelehrten ihrer Zeit präsent. Das Niveau der Lehre ist hoch: Ibn Battuta kümmert sich um seine eigene Bildung und erwirbt – wie er stolz anmerkt – über ein Dutzend Lehrerlaubnisse.

Kontroversen um Ibn Taymiyya

Er wird aber auch Zeuge von religiösen Kontroversen, die um einen der wichtigen Lehrer in Damaskus kreisen: Ibn Taymiyya. Er ahnt nicht, dass dessen Bedeutung weit in die Zukunft reichen wird. Die steigende Popularität des Gelehrten wird ab dem 18. Jahrhundert zunächst Muḥammad bin ‘Abd Al-Wahhab zugeschrieben. Die Doktrinen des Wahhabismus weisen in einigen wesentlichen Aspekten eine große Nähe zu ihm auf.

Das Gedankengut wird zudem im weiteren Verlauf der Geschichte gerne in den Kreisen umstrittener Reformer wie Muhammad ‘Abduh und Raschid Rida zitiert. Ihre politischen Forderungen werden zum Teil mit Verweis auf diese Quellen gerechtfertigt. In der Ideologie von Sayyid Qutb, im Anschluss an sein Verständnis von Ibn Taymiyya, sei es die primäre Aufgabe eines islamischen Staates, für die Durchsetzung der Schari’a zu sorgen.

Damit nicht genug, teilweise sollen Muslime, bei ihrer Auseinandersetzung mit dem von den Alawiten getragenen Baath-Regime auf Ibn Taymiyyas Verurteilung dieser Religionsgemeinschaft zurückgegriffen haben. Sicher ist: Im 21. Jahrhundert wird in Syrien und anderswo die Debatte über die Rolle und Quellen des sogenannten politischen Islam, im Kontext von Diktatur, Terrorismus und Bürgerkrieg nach wie vor aktuell sein.

Islam Sadaqa Solidarität spenden

Foto: Shutterstock

Die innere Balance der Gesellschaft

Neben dem religiösen und ökonomischen Leben in der Stadt beeindruckt Ibn Battuta eine andere, für die innere Balance der muslimischen Zivilgesellschaft entscheidende Institution. „Es ist unmöglich die vielen Arten frommer Stiftungen, die es in Damaskus gibt, aufzuzählen oder ihren Aufwand anzugeben, so zahlreich sind sie“, berichtet er. Noch entzieht sich diese zweckgebundene Infrastruktur jeder politischen Einflussnahme.

Der Reisende zählt einige Beispiele von lokalen Einrichtungen auf, die der Gastfreundschaft, der Mitgift, der Auslösung von Gefangenen oder dem Unterhalt der Wege gewidmet sind: Besonders gefällt ihm die „Fromme Stiftung für Hausgeschirr“, die Bediensteten, die aus Versehen wertvolles Geschirr ihrer Arbeitgeber zerstören, bei der Erstattung des Schadens zur Hilfe kommt.

Wo immer er auf seinen zehntausenden Kilometern durch die islamische Welt Rast macht, erzählt er von der sozialen Bedeutung und den Segnungen der Stiftungen. Moderne politische Bewegungen zeigen wenig Interesse an diesen bewährten Einrichtungen einer freien Zivilgesellschaft. Ein Phänomen, das zum Nachdenken anregt.

Seine Schilderungen der ethnischen und religiösen Vielfalt von Damaskus überraschen den modernen Leser. Sie sind so gewichtig wie glaubwürdig. Denn Ibn Battuta nimmt auf seinen Reisen kein Blatt vor den Mund. Prangert, wenn geboten, ohne Rücksicht auf die Machtverhältnisse Missstände, Widersprüche oder Ungerechtigkeiten an.

Die Romantisierung und Idealisierung der islamischen Welt, die er beinahe 30 Jahre lang bereiste, liegen ihm fern. Im Gleichklang mit den soziologischen Überzeugungen Ibn Khalduns zweifelt er an der Logik steten Fortschrittes und dokumentiert vielmehr nüchtern das Auf und Ab der Geschichte, die einer Wellenbewegung gleicht.

Die Reisen von Ibn Battuta inspirieren bis heute: Erich Follath auf den Spuren des Abenteurers

Reisen, die den Spuren des Gelehrten aus dem Maghreb folgen, inspirieren bis heute. Das Leitmotiv zahlreicher Bücher ist dabei die aktuelle Entwicklung der Welt mit den alten Zeiten zu vergleichen. 700 Jahre nach seinem Aufenthalt in der syrischen Hauptstadt begab sich zum Beispiel der langjährige SPIEGEL-Autor Erich Follath auf die Spuren des großen Abenteurers. Er berichtet in seinem Bestseller „Jenseits aller Grenzen“ von der alten Infrastruktur der ehrwürdigen Stadt, ohne die radikal anderen politischen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts zu übersehen.

In Syrien fand eine Revolution statt: Es herrscht der Sozialismus. Bereits im Jahr 1969 besucht er als junger Tourist die Stadt und wird von studentischen Freunden ins Bild gesetzt. „Sie erzählten, dass Oppositionelle im Gefängnis säßen, das gefoltert würde, aber auch, dass es wirtschaftlich aufwärts ginge und sie froh über ihren unabhängigen Staat seien.“

Ganz anders zeigt sich für den Autor die Lage in Syrien einige Jahrzehnte später. Das Land wird immer häufiger zum Thema politischer Reportagen. Im Jahr 2008 ist Baschar al-Assad an der Macht und „wird in Europa regelrecht umworben“. Follath interviewt den Diktator, der auf der internationalen Bühne moderat wirken will.

Er hat in Wirklichkeit keinerlei Illusionen über die Machthaber: „Die Assads dachten gar nicht daran, das Land zu reformieren. Der Machterhalt der Clans, die Nähe zu den Generälen und den Geheimdienst-Claqueuren, stand über allem. Und so unterdrückten sie ganz im Stil ihres Vorgängers jede oppositionelle Meinung und ließen eine pluralistische Zivilgesellschaft nicht einmal im Ansatz zu.“

Im Jahr 2011 reist der Journalist ein letztes Mal nach Aleppo und trifft dort den damaligen Großmutfti Schaikh Ahmad Badr ad-Din Hassoun. Die Rolle der islamischen Lehre unter dem Regime ist längst pervertiert und mit dem Pluralismus der Vergangenheit ist es vorbei.

„Der Großmufti hatte sich ganz auf die Seite des Präsidenten geschlagen, er wirkte – ob aus Überzeugung oder aus politischem Kalkül und Überlebensinstinkt – über weite Strecken wie ein Sprachrohr Assads“. Die Politik bestimmt das Recht, eine der Wurzeln jedes ungerechten Systems.

Foto: European Cultural Foundation, via flickr | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Kermani nannte seinen Bericht „Eingang der Hölle“

Bald werden Reportagen über das Land, das hinter dem eisernen Vorhang der Gewalt abgeriegelt ist, nicht mehr möglich sein. „Eingang zur Hölle“ lautet die Überschrift eines der letzten Reiseberichte aus dieser Zeit. Navid Kermani erzählt in seinem Buch „Reisen in eine beunruhigte Welt“ über seinen Besuch in Damaskus im Jahr 2012. Das Land befindet sich im Ausnahmezustand, die friedlich begonnene Revolution wird inzwischen mit brutaler Härte vom Staatsapparat zurückgeschlagen. 

Es gibt in der muslimischen Gemeinschaft durchaus Diskussionen über den Sinn des Einsatzes von Gewalt. Kermani zitiert einen Vertreter dieses Standpunktes, der in der Strategie der militärischen Konfrontation eine Falle sieht. „Die Regierung will einen Konfessionskrieg anzetteln, um die Opposition als Gotteskrieger anzusehen“, warnt er. Die Kritik am wachsenden Einfluss radikaler, ausländisch finanzierter Akteure auf die diversen Oppositionsgruppen wird bereits in dieser Phase der Auseinandersetzungen ebenso offen angesprochen.

Der Schriftsteller sammelt Erzählungen, registriert Perspektiven der verschiedenen Parteien, die, mit totaler Überzeugung vorgetragen, sich in ihrem Gehalt und Bedeutung gegenseitig ausschließen. Der syrische Apparat operiert derweilen voller Zynismus, schürt den Terror, indem er hinter den Kulissen seine Geheimdienste einsetzt und brutale Milizen bewaffnet, um Oppositionelle zu ermorden und zu töten. Die Idee eines gewaltfreien Widerstandes hat keine Chance mehr.

Kermani sammelt in der verworrenen Lage in Damaskus eine Auswahl paradoxer Sachverhalte: Ein weltliches Regime hat als Hauptsponsor eine islamische Theokratie. Der demokratische Westen bewaffnet unterschiedliche, radikal-religiöse Gruppen, um ihre diversen geopolitischen Interessen zu wahren. Bärtige Männer und verschleierte Frauen setzen ihre Hoffnungen auf die Demokratie und appellieren an die Menschenrechte.

Nach einem furchtbaren Krieg, der hunderttausende Tote verursacht und Millionen Flüchtlinge mit sich gebracht hat, ist endlich die Hoffnung in Syrien zurückgekehrt. Eine kleine Gruppe hochmotivierter Akteure hat – zumindest aus ihrer Sicht – die Revolution vollendet. Die Aufgabe der Befriedung des Landes mit seinen hunderten Oppositionsgruppen unter den Bedingungen der permanenten Einmischung ausländischer Mächte ist eine Jahrhundertaufgabe.

Während die Schuld des Regimes eindeutig und offen zu Tage liegt, stellt sich die Frage nach der Aufarbeitung der eigenen Taten und die Klärung der langfristigen Absichten der am Sieg Beteiligten. „Wer Revolutionen wie Bekenntnisse vorträgt, beichtet auch ihre Gewalttaten als ob sie unvermeidlich gewesen wäre“, kommentiert Peter Sloterdijk über die Philosophie der Selbstentlastung von Revolutionären. Kann man den Einsatz von Gewalt künftig vermeiden? Wie werden die Lehren aus der syrischen Geschichte von den Eliten formuliert?

Die Welt Ibn Battutas wird nicht wiederkehren. Aber sein Bericht liefert – aus muslimischer Sicht – einige zeitlose Indizien, von denen sich eine positive Entwicklung ableitet. Hierher gehört die freie Lehre, die Stärkung der Zivilgesellschaft, der Schutz von Minderheiten, die Freiheit des Bekenntnisses, die Wahrung von Frauenrechten und die Ablehnung jeder Form von Ideologie. 

Ohne ökonomische Gerechtigkeit entwickelt sich ein Gemeinwesen ebenso wenig. Warten wir ab. Ein freies Damaskus wird bald wieder Ziel vieler Reisender aus aller Welt werden. Man ist gespannt darauf, was sie berichten werden.

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Der politische Islam – ein Update

update von humnoldt

Das Vertrauen in die Zivilgesellschaft nimmt ab und die Rufe nach einem starken Staat nehmen zu. Ein Update zu bestehenden Debatten. (iz). In den letzten Jahren sind es vor allem […]

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Brot für die Welt: Hilfe für Geflüchtete wird weltweit erschwert

brot für die welt rohingya bootflüchtlinge meer flucht

Weltweit wird die Situation von Menschen, die sich für andere engagieren, schwieriger – das beklagt Brot für die Welt in einem Report. Eine Helfer-Gruppe ist in diesem Jahr besonders im Blick.

Berlin (KNA). Helfer von Geflüchteten sehen sich nach Einschätzung des Hilfswerks Brot für die Welt weltweit zunehmend Repressionen ausgesetzt. „Wer sich für Menschen einsetzt, die Schutz und Unterstützung am dringendsten brauchen, wird kriminalisiert, an der Arbeit gehindert oder bedroht“, sagte die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Reports „Atlas der Zivilgesellschaft“. Von Michael Kinnen

Grafik Brot für die Welt | Daten: Civicus

Brot für die Welt beklagt „zynisches Spiel mit Menschenleben“

Auch in der EU werde Hilfe für Geflüchtete behindert. Seit 2016 hätten Regierungen Schiffe zur Seenotrettung insgesamt über 1.000 Wochen lang blockiert. Das sei etwa jede dritte mögliche Einsatzwoche gewesen, erklärte Pruin. „Der Tod dient als Abschreckung. Das ist ein zynisches Spiel mit Menschenleben.“

In Griechenland seien Nichtregierungsorganisationen früher für ihre Hilfe „gefeiert“ worden, heute würden sie bedroht, heißt es in dem Bericht. Helfer und Anwälte hätten zum Teil keinen Zugang zu Geflüchteten.

Foto: studio v-zwoelf, Adobe Stock

Zum sechsten Mal hat Brot für die Welt aus Daten des zivilgesellschaftlichen Netzwerks Civicus sowie weiteren Analysen einen solchen Atlas erstellt. Mehr als jeder vierte Mensch auf der Welt lebt demnach in einem Land mit vom Netzwerk so bezeichneten „geschlossenen zivilgesellschaftlichen Handlungsräumen“, in denen Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit nicht gewährleistet sind.

In fünf Kategorien von „offen“ über „beeinträchtigt“, „beschränkt“ und „unterdrückt“ bis „geschlossen“ kategorisiert der Report Regionen und Staaten. Deutschland liegt mit 37 weiteren Ländern in der höchsten Kategorie „offen“.

Grenze

Foto: Sergey Chayko, Shutterstock

„Keine Paradiese der Freiheit“

Aber auch diese seien „keine Paradiese der Freiheit“, so Pruin. Auch dort würden zum Teil „mindestens fragwürdige Entscheidungen getroffen gegen engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft“. Angriffe auf Medienschaffende, wie sie in einem aktuellen Ranking von Reporter ohne Grenzen beschrieben werden, seien alarmierend, sagte Pruin.

Als „geschlossen“ gelten 26 Länder wie China, Nordkorea und Saudi-Arabien sowie in diesem Jahr neu hinzugekommen auch Russland, Afghanistan und Myanmar. Im Vergleich zur Erhebung davor habe sich die Lage in insgesamt 15 Ländern verschlechtert; in zehn Ländern sei sie im Vergleich besser geworden, darunter in den USA, Lettland und in Chile.

In den USA etwa seien die Gewerkschaften nach der Amtszeit von Präsident Trump wieder gestärkt worden. Lettland habe ein Online-Portal eingeführt, um die Zivilgesellschaft in Entscheidungen einzubinden. In Chile könnten zivilgesellschaftliche Gruppen an einer neuen Verfassung mitarbeiten.

Die Weltkarte im „Atlas der Zivilgesellschaft“ sei allerdings in weiten Teilen rot eingefärbt. 6,7 Milliarden Menschen weltweit lebten in Ländern mit beschränkten, unterdrückten oder geschlossenen Handlungsräumen. Nur für drei Prozent der Weltbevölkerung seien in ihren Ländern die Grundrechte garantiert, heißt es in dem Bericht.

* „Atlas der Zivilgesellschaft 2023: Gefährlicher Beistand. Schwerpunkt Migration – Zahlen. Analysen. Interviews. Weltweit.“, Oekom-Verlag München, ISBN: 978-3-98726-017-9, 84 Seiten, 20 Euro.

Nach 5 Jahren gezeichnet

„Schreibmaschinenlettern – Islamische Zeitung"

Bonn (KNA) Vor der Geberkonferenz am Donnerstag in London fordern rund 100 deutsche und internationale Hilfsorganisationen verbindliche Vereinbarungen, um das Leid der Menschen in Syrien und den Nachbarländern beenden oder zumindest lindern zu können. Zu den am Montag vom Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ vorgestellten Forderungen gehören unter anderem die Einhaltung des internationalen Völkerrechts, der sichere Zugang zu Hilfsmaßnahmen für alle Betroffenen und sicherere Arbeitsbedingungen für lokale und internationale Helfer.
Eine politische Lösung für Syrien scheine nicht in Sicht zu sein, betonte Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“: „Männer, Frauen und Kinder sind nach fünf Jahren Krieg, Gräueltaten, Vertreibung und Flucht gezeichnet. Die Besinnung auf und Einhaltung von verbindlichen humanitären Vereinbarungen und deren Umsetzung ist jetzt das wichtigste und vielleicht das einzige Mittel, um den Menschen grundlegend und perspektivisch helfen zu können.“
Im Hinblick auf die Geberkonferenz in Syrien fordern die Hilfsorganisationen daher, gemäß internationalem Völkerrecht alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen zu beenden. Außerdem dürften nicht länger Essensvorräte bei der Einfuhr kontrolliert oder gar zerstört oder Preise künstlich in die Höhe getrieben werden. Allen Helfern müsse es darüber hinaus ermöglicht werden, die Menschen in Not zu erreichen, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden, in Gefangenschaft oder zwischen die Fronten zu geraten.
Auf Einladung Deutschlands, Großbritanniens, Norwegens, Kuwaits und der Vereinten Nationen kommen am Donnerstag in London mehr als 70 Regierungsvertreter zusammen, darunter Kanzlerin Angela Merkel. Ziel sind vor allem weitere Hilfen für die Syrer. Neben finanziellen Hilfszusagen will man auch auf politischer Ebene Zukunftsperspektiven für Flüchtlinge in der Region schaffen, etwa durch Bildung und einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt.
Die „Aktion Deutschland hilft“ ist ein Zusammenschluss von insgesamt 24 Hilfsorganisationen. Dazu gehören etwa der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter, CARE, Help – Hilfe zur Selbsthilfe, Islamic Relief, World Vision, Handicap International und arche noVa.
Photo by EU Humanitarian Aid and Civil Protection
Photo by EU Humanitarian Aid and Civil Protection

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Zur Zukunft der muslimischen Selbstorganisation: Muslimische Zusammenschlüsse auf der Landesebene tragen wichtige Elemente der Gemeindearbeit

Norbert Müller ist 52 Jahre alt. Er arbeitet im Hauptberuf als Rechtsanwalt. Engagiert aktiv ist er als Vorstandsmitglied bei der SCHURA Hamburg. Müller war unter anderem Mitglied der Verhandlungskommission, die […]

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Dynamik hilft: Nur diejenigen, die Lösungen anbieten können, werden ernst genommen. Von Eren Güvercin

Zur Abwechslung sollten Muslime die üblichen und längst langweiligen Integrations- und Islamdebatten ignorieren. Durch solch eine lebendige muslimische Zivilgesellschaft, die für etwas Positives steht, können Muslime ihren Beitrag bei existenziellen Fragen leisten.

(iz). Der demografische Wandel, das Auseinanderdriften von Gesellschaftsgruppen und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich gehören zu den existenziellen Fragen unserer Gesellschaft, die uns in den kommenden Jahren immer mehr beschäftigen werden. Manch ein Politiker predigte vorschnell, dass wir die Finanzkrise schon überwunden hätten, aber schneller als erhofft, werden wir von der Realität wieder eingeholt. Längst ist vielen Menschen klar geworden, dass die sozialen Verwerfungen in unserer Gesellschaft zunehmen werden. Und auch die hier lebenden Muslime sind als Teil der Gesellschaft in der Verantwortung, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Das mag den einen oder anderen Leser überraschen, denn wenn bisher von Muslimen die Rede war, dann oft nur im Kontext von Debatten rund um Integration, Extremismus und albernen Streitigkeiten über Aussagen von Kabarettisten. Häufig geben Muslime und ihre Vertreter dabei die Schuld „den Medien“. Schnell ziehen sie sich in einer Opferhaltung zurück, agieren viel zu wenig, sondern reagieren immer nur auf bestimmte Themen, die ihnen von außen, von so genannten Islamkritikern oder Politikern, die wieder mal ein Wahlkampfthema gefunden haben, aufgedrängt werden.

Zur Abwechslung wäre es nicht schlecht, mal die üblichen und längst langweiligen Integrations- und Islamdebatten zu ignorieren, die Opferhaltung abzulegen und eine souveräne Haltung an den Tag zu legen. Denn der Rechtfertigungsdiskurs, den manche Muslime in diesen Debatten an den Tag legen, ist nicht wirklich hilfreich dabei, Vorurteile abzubauen und auch der Gesellschaft mitzuteilen, dass man hier verortet ist.

Warum also nicht einmal eine muslimische Position zu existenziellen Fragen unserer Gesellschaft formulieren? Gibt es einen Beitrag von deutschen Muslimen zu wichtigen Problemen unserer Gesellschaft? Was sagt der Islam, was sagen die Muslime eigentlich zum demographischen Wandel, zur sozialen Gerechtigkeit, zur Solidarität zwischen Arm und Reich? Die Vertreter der Muslime scheinen derart mit Integrationsdebatten und der Islamkritik beschäftigt zu sein, dass sie kaum über diese relevanten Themen unserer Zeit reflektieren, obwohl es im Islam spannende Anknüpfungspunkte gibt.

Traditionell ist etwa die Moschee die Institution, die das gemeinschaftliche Leben der Muslime prägt. Moscheen sind aber alles andere als nur Gebetsräume, sondern waren in der Geschichte immer lokale Einrichtungen, die sowohl Muslimen als auch Nichtmuslimen bestimmte Dienstleistungen anboten. Rund um den Gebetsraum fanden sich im Moscheekomplex Stiftungen, Märkte, Bibliotheken, Armenküchen, medizinische- und karitative Einrichtungen. Sie waren Zentren einer lebendigen muslimischen Zivilgesellschaft mit spirituellen, sozialen und vor allem ökonomischen Komponenten. Überhaupt spielen ökonomische Fragen in den klassischen Schriften zum Islamischen Recht eine zentrale Rolle.

Eine andere wichtige ökonomische Komponente im Islam ist die Zakat, die für Muslime verpflichtende Abgabe. Dabei geben vermögende Muslime einen bestimmten Prozentsatz in Höhe von 2,5 Prozent von ihrem Ersparten an ärmere Menschen ab. Anders als im Islam eigent­lich vorgesehen, wird heutzutage die Zakat in Deutschland über Hilfsorganisationen ins Ausland transferiert. Es ist aber nach den klassischen Quellen des Islam verpflichtend, die Zakat lokal zu erheben und auch dort zu verteilen, also die Schere zwischen Arm und Reich in der direkten Umgebung damit zu lindern.

Die Entrichtung per Banküberweisung ins Ausland widerspricht dementsprechend dem Geist dieser wichtigen Säule des Islam. Durch die korrekte Entrichtung der Zakat würde die muslimische Gemeinschaft einerseits gestärkt und sozial verwebt werden – und aber auch eine Eigenverantwortlichkeit aufbauen. Die Zakat kann somit durchaus eine entscheidende Rolle in der notwendigen Neuorientierung des sozialen und gemeinschaftlichen Lebens von uns Muslimen in Deutschland spielen und im Aufbau einer lokalen Identität helfen, die nicht von Faktoren aus den Herkunftsländern abhängig ist. Auch führt sie zu mehr Interaktion unter den hier lebenden Muslimen, aber vor allem auch mit der gesamten Gesellschaft. Um die Zakat effizient zu erheben und vor allem zu verteilen, muss man auch die Bedürftigen kennen.

Durch solch eine lebendige, in Deutschland verortete muslimische Zivilgesellschaft, die für Verantwortung, für Solidarität – als etwas Positivem – steht, können Muslime einerseits ihren Beitrag zu existenziellen Fragen unserer Gesellschaft leisten und auch dem nichtmuslimischen Umfeld zeigen, dass der Islam nichts Fremdes ist und eine Bereicherung für die ganze Gesellschaft darstellt, denn ein zivilgesellschaftliches Wohlfahrtsmodell auf Grundlage der muslimischen Stiftungen und der Zakat sind auf die Linderung akuter wirtschaftlicher Not ausgerichtet und bauen mittelfristig neue, vitale Sozialstrukturen auf, die die Last der zukünftigen Herausforderungen unseres Landes mitstemmen.

Daher der Appell an die Muslime: Die beständige Rechtfertigung gegenüber Vorwürfen, muss einer positiven Haltung Platz machen. Nur so kommt der Islam aus der Ecke heraus, in der er zurzeit steht: ein Problem zu sein, nicht Teil einer Lösung. Nur wer Lösungen und Antworten präsentiert, wird ernst genommen. Und nur so kann man auch effektiv bestehende Ressentiments bekämpfen. Dann kann auch von der verbreiteten Opferhaltung Abschied genommen werden. Die absurde Frage, ob der Islam nun Teil Deutschlands sei oder nicht, wäre dann längst obsolet.

Der Text erschien erstmals am 31.10.2014 im Berliner „Tagesspiegel“.

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Die Feuerpausen sollte man angesichts der Opfer auf beiden Seiten zum Nachdenken nutzen

(iz). Es ist die – hoffentlich nicht ewige – Wiederkehr des Gleichen. Die Hamas und einige andere Bewegungen in Palästina setzten ihre Nadelstiche mit Raketen, Israel – oder ­besser die […]

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Der neu gegründete „Grüne Halbmond“ möchte soziale Arbeit leisten. Von Yasin Alder

(iz). Der Bedarf an sozialen Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen ist in Deutschland weiter im Steigen begriffen, auch seitens der muslimischen Bürger. Muslime waren bisher in den so genannten „karitativen“, sozialen […]

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