Themen-Special Ehe & Familie: Die Ehe im 21. Jahrhundert – eine Institution unter Druck
(iz). Im Grunde handelt es sich um eine altehrwürdige Institution: die Ehe. Der Entwurf, eine dauerhafte Beziehung im Einklang mit den religiösen Konventionen einzugehen, hat über Jahrhunderte das Zusammenleben von Paaren bestimmt. Heute ist die Lage komplizierter, die steigenden Scheidungsraten sind nicht zu übersehen, man spricht von Lebensabschnitts-Gefährten oder geht von vornherein keine langfristig angelegten […]
03.08.2022 Abu Bakr Rieger 7 Min. Lesezeit
Foto: Edouard Manet, gemeinfrei
(iz). Im Grunde handelt es sich um eine altehrwürdige Institution: die Ehe. Der Entwurf, eine dauerhafte Beziehung im Einklang mit den religiösen Konventionen einzugehen, hat über Jahrhunderte das Zusammenleben von Paaren bestimmt. Heute ist die Lage komplizierter, die steigenden Scheidungsraten sind nicht zu übersehen, man spricht von Lebensabschnitts-Gefährten oder geht von vornherein keine langfristig angelegten Bündnisse ein. Gerade im 20.Jahrhundert wurde mit dem Phänomen der sexuellen Beziehungen experimentiert und die alten gesellschaftlichen Normen in Frage gestellt. Die eigentliche Distanz zu der Idee der bürgerlichen Ehe entstand jedoch schon ein Jahrhundert zuvor.
Goethe, der die Weimarer Gesellschaft lange Zeit mit einer außerehelichen Beziehung schockierte, positionierte sich bereits mit einer gewissen Ambivalenz zu dem Thema. Er beobachtete die Dynamik von frei ausgelebter Liebe, die Widersprüche der Konventionen und das Problem des Zerfalls der Sitten. Und, in einem größeren Rahmen, sah der Dichter den radikalen Wandel der Gesellschaft, getrieben von Ideen der Globalisierung und den daraus resultierenden ökonomischen Zwängen, voraus. Goethe ahnte, dass die „veloziferische“ Zunahme der Geschwindigkeit aller Relationen in der modernen Welt, das Wesen menschlicher Beziehungen verändern würde.
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