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UN: Mehr Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan

Foto: John Smith, Shutterstock

Kabul (dpa). Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 hat sich die Situation der Menschenrechte in Afghanistan dramatisch verschlechtert. Das zeigt ein neuer Bericht der Vereinten Nationen (UN), der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach gab es in den vergangenen zwölf Monaten Angriffe auf 173 Journalisten und 65 Menschenrechtsaktivisten – die große Mehrheit davon geht laut UN auf die Taliban zurück. Außerdem gab es durch die Taliban bereits 160 Tötungen von Mitarbeitern der ehemaligen Regierung und der Sicherheitskräfte.

Auch Frauen und Mädchen erleben eine spürbare Beschneidung ihrer Rechte. Dazu gehört, dass die Taliban entgegen ihrer Versprechungen Mädchenschulen ab der siebten Klasse geschlossen haben. In den Bereichen Arbeit, Fortbewegung und Schutz vor häuslicher Gewalt sind Mädchen und Frauen seit der Machtübernahme der Taliban sichtlich eingeschränkter.

Widerspruch zu ihrer Regierungsform haben die Taliban seit Machtübernahme immer wieder gewaltsam unterdrückt. Der UN-Bericht spricht von Verhaftungen sowie Einschüchterung, Misshandlungen und sogar Tötungen von Journalisten, Protestlern, Menschenrechtsaktivisten oder angeblichen Widerstandskämpfern.

Auch wenn die UN von einem Rückgang des bewaffneten Konfliktes in Afghanistan spricht, wurden zwischen August vergangenen Jahres und Juni dieses Jahres 700 Zivilisten getötet und 1406 verwundet. Die meisten Angriffe auf Zivilisten gehen nach Angaben der Vereinten Nationen vom „Islamischen Staat“ (IS) aus.

Die schwierige Lage der Menschenrechte in Afghanistan wird vom Einbruch der afghanischen Wirtschaft verschärft. Rund 60 Prozent der afghanischen Bevölkerung sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen – das sind sechs Millionen mehr als noch Anfang 2021.