Bestechendes Buch. Avi Shlaim schreibt über den Gazakrieg und ordnet ein

Avi Shlaims Buch „Genozid in Gaza. Israels langer Krieg gegen Palästina“ ist ein aufrüttelndes Werk, das sowohl analytisch wie leidenschaftlich die jüngste Eskalation des Nahostkonflikts, insbesondere Israels Krieg gegen Gaza seit Oktober 2023, einordnet und anklagt.

30.09.2025 Laila Massoudi 3 Min. Lesezeit
Avi Shlaim

Foto: Shutterstock

(iz). Avi Shlaim, einer der renommiertesten Vertreter der „Neuen israelischen Historiker“, spannt einen Bogen von den Anfängen des Zionismus über die Mandatszeit und den britischen Verrat bis in das politische und militärische Handeln der Gegenwart, das er als bewusste und systematische Zerstörung palästinensischer Existenz beschreibt.

Seine zentrale These lautet: Israel betreibe seit seiner Gründung eine Politik, die Gewalt der Diplomatie vorzieht – ein Muster, das sich von der Nakba über Blockaden, gezielte Vertreibungen und systematische Angriffe auf zivile Infrastrukturen bis hin zur beinahe vollständigen Verwüstung des Gazastreifens ziehe.

Das Buch besticht durch eine Mischung aus Einordnung und radikaler Anklage: Shlaim legt sich erstmals darauf fest, das Vorgehen Israels im Gazastreifen als Genozid zu bezeichnen und stützt sich dabei auf die UN-Völkermordkonvention.

Unter Berufung auf die empirischen Zerstörungszahlen – etwa die gezielte Tötung von mehr als 18.000 Kindern, die Zerstörung von 79 Prozent der Moscheen, fast aller Universitäten und des kulturellen Gedächtnisses Gazas – argumentiert er, dass die physische, psychische und kulturelle Substanz der palästinensischen Gesellschaft ausgelöscht werden solle.

Besonders eindrücklich schildert er den systematischen „Scholastizid“, die Vernichtung des Bildungswesens, die als Bestandteil des Genozids betrachtet wird.

Foto: Shutterstock

Schwerpunktmäßig werden das Elend der Kinder, der gezielte Angriff auf zivile Infrastruktur und das Funktionieren internationaler Straflosigkeit beschrieben; Shlaim sieht auch in der weitgehend passiven Rolle Deutschlands – als zweitgrößtem Waffenlieferanten – eine Mitschuld am Fortbestehen des Kriegs.

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.