Theologe Khorchide weist Vorwürfe islamischer Verbände zurück

Köln (KNA). Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie, Mouhanad Khorchide, hat die Kritik muslimischer Verbände an seiner Arbeit zurückgewiesen. In der Sendung „Tag für Tag“ im Deutschlandfunk wandte er sich gegen den Vorwurf, nur wie ein Orientalist zu arbeiten. Er betrachte den Islam „aus einer Innenperspektive“ heraus. „Und deshalb sehe ich meine Arbeit genuin als eine islamisch-theologische Arbeit.“

Das ZIT bildet Lehrer für den neuen islamischen Religionsunterricht an nordrhein-westfälischen Schulen aus. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) wirft Khorchide vor, nicht wie ein Vertreter einer bekenntnisorientierten Religion zu argumentieren. Das Gremium hat ein Gutachten über die Theologie und Bücher Khorchides angekündigt. Seine jüngste Veröffentlichung lautet: „Scharia – der missverstandene Gott.“

Khorchide wirft im Deutschlandfunk seinerseits den Verbandsvertretern vor, sich seine Lehrveranstaltungen nicht näher anzugucken. „Bis jetzt habe ich niemanden gesehen.“ Wenn er in jedem Buch mit mehr als 400 Koranversen argumentiere, sei das „keineswegs die Vorgehensweise eines Orientalisten oder eines Islamwissenschaftlers“.

Zugleich räumte Khorchide Fehler im Umgang mit den Verbänden ein. Er hätte sich mit deren Vertretern häufiger an einen Tisch setzten sollen. Dann „hätte man einiges an Missverständnissen aus der Welt geschaffen“. Künftig wolle er sich „etwas mehr Zeit für die offene Kommunikation“ nehmen.

Der Sender zitiert weiter den KRM-Sprecher Bekir Alboga, wonach die Verbände eine neue Kandidatin für den Beirat benannt hätten, der über die Lehrinhalte und das -personal am ZIT bestimmt. Dabei handele es sich um die Berliner Islamlehrerin Rukiye Kurtbeker, die im Auftrag der Islamischen Förderation Berlin arbeite. Diese gehört zur Gemeinschaft Milli Görüs, die vom Bundes- und Landesverfassungsschutz beobachtet wird. Alboga sagte dem Sender, dass das Bundesinnenministerium bereits grünes Licht für Kurtbeker gegeben habe.

Vier Beiratsvertreter benennt die Universität, vier weitere der KRM selbst. Vorschläge für einen dieser vier Beiratsposten waren bislang wegen Zweifeln an der Verfassungstreue der Kandidaten abgelehnt worden. Deshalb hat sich das Gremium noch nicht konstituiert. Weil der Bund das Zentrum finanziell unterstützt, überprüft er die Kandidaten für den Beirat.

Neuer Roman von Christian Kracht. "Der Einzelne und seine Ideale". Buchvorstellung von Abu Bakr Rieger

Berlin (iz). Sprache hat ihre Faszination. So könnte ich stundenlang Interviews mit Klaus Maria Brandauer zuhören; allein, weil er den wärmsten und schönsten Dialekt der Welt zu sprechen vermag. Das Studium der sprachlichen Meisterschaft eines Roger Willemsen, die – lässt man sich darauf ein – spürbar mit einer enormen Verfeinerung des Blicks auf die Dinge einhergeht, wurde hier auch schon vorgestellt. In der gleichen Liga der Meister der deutschen Sprache muss man wohl auch Christian Kracht einordnen. Man hat da eigentlich gar keine Wahl. Nur ist das schon Grund genug „Imperium“, sein neues Buch, in einer islamischen Zeitung vorzustellen? Es bedarf dazu guter Gründe. Das Werk dreht sich nämlich um einen deutschen Sonderling, der – das ist natürlich lange her – in der Südsee einem merkwürdigen Idealismus anheim fällt. Lassen wir uns kurz auf die Zumu­tung ein: Wir befinden uns im Jahre 1900. Engelhaft, der Romanheld, will auf einer Südseeinsel nicht nur nackt (keine Bilder!) leben, sondern glaubt auch noch, dass ihm der ausschließliche Verzehr von „Kokosnüssen“ Transzendenz, Gesundheit und Zukunft bescheren könnte.

In einer Art ewiger Wiederkehr des Gleichen beschäftigt sich Kracht so mit dem menschlichen Idealismus, der – in Zeiten des sich anbahnenden technologischen Großprojektes – immer wieder, beinahe verzweifelt aufbegehrt. Der „Held“ des Romans entfernt sich in kleinen Schritten von der Außenwelt. In seine ideale, geistige Welt, während die große Welt draußen Wellen schlägt und ihre ­unheilvollen Kräfte für verheerende Kriege sammelt. Engelhardts Projekt ist natürlich eine Grotes­ke und schlägt bald in sein Gegenteil um. Der Abenteurer endet vereinzelt, isoliert, krank, jenseits der Sittengesetze und wird schlussendlich nach dem 2. Weltkrieg in erbärmlichen Zustand aufgegriffen und von amerika­nischen Soldaten als eine Art Museumsstück begafft. Aber, was geht uns das an?

Folgende Antworten bieten sich an: Eine Zeitung, die sich für das Erlernen der deutschen Sprache (und damit sind auch Deutsche gemeint!) einsetzt, kann ihre Meister nicht ignorieren. Auf vielen Seiten zeigt Kracht, was man mit dieser Meisterschaft vollbringen kann. Der Leser wird nicht nur, beinahe unfreiwillig, in die Nähe der sonderbaren Existenz Engelhardts und seiner Weggenossen ­geführt, sondern auch mit immer neuen Sprüngen, Abgründen und gedanklichen Absonder­lichkeiten unterhalten. Das ist wohl auch ­gemeint, wenn Elfriede Jelenik das Buch dem heutigen Leser als „Abenteuerroman“ vorstellt.

Kraft zeigt aber auch eindrücklich, wie das Scheitern des Ideals mit der inneren Isolierung Engelhardts verknüpft ist. Das ist – nebenbei erwähnt – eine allgemeingültige Beobachtung, die man auch bereits bei einigen „Idealisten“ der muslimischen Bewegung (die leider nicht mit Kokosnüssen werfen) beobachten kann. Engelhaft wird irre, weil seine Ideale nur noch für ihn alleine ideal sein ­können. Als eine Gruppe junger Deutscher einem Aufruf Engelhardts tatsächlich in die Südsee folgt, um die „Kokosnuss-Community“ zu gründen, beginnt sein endgültiger Abstieg. Er hat natürlich kein nachvollziehbares Programm anzubieten und muss sich zudem hoffnungs­los verschulden, um die Paradiesvögel aus Berlin wieder in die Zivilisation zurück zu verschiffen. Sein Untergang ist damit besiegelt.

Wer ist dieser Kracht? Man weiß es nicht. Nicht ungeschickt entzieht sich der Erfolgsautor der schnellen Verwertbarkeit und Einordnung. Er ist eigentlich Schweizer, lebt in Buenos Airos und weiß – wie er sagt – noch nicht, warum er gerade dort ist. Das ist für eine endgültige Einordnung in Schwarz und Weiß ziemlich dürftig. Damit bleiben uns nur seine Bücher.

„Imperium“ hat eine hitzige Debatte um den vermeintlichen Charakter des Schweizer Schriftsteller ausgelöst. Da Engelhardt – sozu­sagen zur Krönung seines dürftigen Daseins und zur Rechtfertigung seines kolossalen Scheiterns – auch noch dem Antisemitismus verfällt, wird spekuliert, ob Kracht selbst diesem Gedankengut zugeneigt ist. Das ist schräg und war als Spekulation zunächst nur geeignet, Kracht auf Platz 7 der Bestsellerliste des „SPIEGEL“ zu befördern.

„Könnte Kracht die neue Rechte mobilisieren und unsere Verfassung gefährden?“, fragten sich unsere Köpfe tatsächlich besorgt im deutschen Feuilleton. Der „Skandal“ will zeigen, dass man geistige Brandstiftung in Deutschland schon im Versuchsstadium sehr ernst nimmt. Eigentlich skandalös, wenn man schaut, wie es in der Welt da Draußen wirklich zugeht. Kracht wird es ironisch nehmen.

Informationen zum Buch:
Christian Kracht. Imperium
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Kiepenheuer & Witsch, Februar 2012
ISBN: 978-3462041316
Preis: 18,99 Euro

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