Islamische Lebenspraxis: Dhikr und die Ruhe des Herzens

Dhikr ist im Din keine Technik der Selbstoptimierung, sondern das Gedenken Gottes und wird an mehreren Stellen des Qur’an dringend empfohlen.

26.08.2026 Laila Massoudi 3 Min. Lesezeit
dhikr herz ruhe

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(iz). In ihm liegt auch eine körperliche Dimension geborgen: Wer Allah mit der Aufmerksamkeit des Herzens, ruhigem Atem und Wiederholung gedenkt, kann den Organismus aus der Anspannung in einen Zustand der Beruhigung führen.

Prinzipiell ist er zunächst ein Akt der Anbetung: Erinnerung an Allah, Hinwendung, Gegenwart des Herzens. Doch diese geistliche Praxis bleibt nicht auf einer abstrakten Ebene stehen. Wer ihn regelmäßig und bewusst praktiziert, erfährt oft, dass sich der Körper verändert. Der Atem wird ruhiger, der Puls langsamer, die innere Unruhe lässt nach.

Der Qur’an bringt diese Erfahrung in eine knappe Formel: „Im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe.“

Dass diese Besonnenheit nicht bloß eine fromme Metapher ist, zeigen neuere Studien zu ihm und verwandten Lebenspraktiken. In einer klinischen Untersuchung mit Krebspatienten konnte Dhikr die Angst signifikant senken.

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Ihre Autoren führen dies u.a. auf eine stärkere parasympathische Aktivität und eine Dämpfung der Stressreaktion zurück.

Weitere Forschungen zu Gebet, Rezitation und spiritueller Beruhigung kommen zu ähnlichen Ergebnissen: weniger Sympathikus-Alarm, mehr parasympathische Regulation bedeuten mehr Ruhe, bessere Verdauung und Erholung.

Für den Alltag ist das wichtig, weil Dhikr gerade keine komplizierte Methode verlangt. Er braucht keinen besonderen Raum, keinerlei Gerät und null Distanz zum Leben.

Wer morgens vor der Arbeit, nach einem belastenden Gespräch oder am Abend in Vorbereitung des Schlafs einige Minuten Allah gedenkt, setzt einen Gegenakzent zur ständigen Reizüberflutung.

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Schon die Verbindung von ruhigem Sitzen, bewusstem Ausatmen und wiederholtem Dhikr kann helfen, den Körper von der dauernden Alarmbereitschaft in eine entspanntere Lage zu führen.

Dabei darf man diese Form der Anbetung keinesfalls auf eine bloße Atemtechnik reduzieren. Sein eigentlicher Gehalt liegt in der Einheit Allahs: Der Mensch löst sich für einen Moment von Sorgen, Erwartungen und innerem Lärm und richtet sich auf Den, Der allein Macht und Fürsorge besitzt.

Gerade diese geistige Ordnung wirkt körperlich entlastend. Was in der Sprache der Medizin als Beruhigung des vegetativen Nervensystems beschrieben wird, ist im islamischen Vokabular die Frucht von Sakina, Sukun und Vertrauen auf Allah.

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Das macht Dhikr gerade im Blick auf Belastungssituationen bedeutsam. Nicht nur in der stillen Andacht, sondern vielmehr mitten im Alltag kann er eine Hilfe sein: auf dem Weg zur Arbeit, in Momenten der Sorge, bei Schlaflosigkeit oder nach langen Phasen innerer Anspannung.

Er ersetzt weder ärztliche Behandlung noch psychotherapeutische Begleitung, kann aber Teil einer religiös verankerten Selbstfürsorge sein. Wer ihn pflegt, übt nicht Flucht, sondern Ausrichtung auf Allah.

Gerade darin liegt seine bleibende Kraft: Dhikr ist keine esoterische Wellness-Praxis, vielmehr ein Akt der Gottesnähe mit spürbarer Wirkung auf Herz und Körper. In einer Zeit, in der viele Menschen unter chronischem Stress stehen, erinnert er daran, dass Ruhe nicht nur aus Entlastung entsteht, ebenso aus Bindung.

Wer Allah gedenkt, ordnet nicht nur seinen Glauben, sondern oft auch seinen Atem, seine Nerven und seine Haltung zum Leben.

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