Eine Erinnerung an die Vertreibung der bulgarischen Muslime
In diesem Jahr jährt sich der 32. Jahrestag dieser Massenvertreibung, die euphemistisch als der „große Ausflug“ bezeichnet wurde. Von Harun Karčić (Algoritam). Zwischen Mai und August 1989 befahlen Todor Schiwkow, der kommunistische Diktator Bulgariens, und seine herrschende Clique die Vertreibung der 360.000 bulgarischen Muslime in die benachbarte Türkei. Um jedoch das Motiv sowie, den Umfang […]
04.05.2021 .Redaktion 4 Min. Lesezeit
Foto: BTA
In diesem Jahr jährt sich der 32. Jahrestag dieser Massenvertreibung, die euphemistisch als der „große Ausflug“ bezeichnet wurde. Von Harun Karčić
(Algoritam). Zwischen Mai und August 1989 befahlen Todor Schiwkow, der kommunistische Diktator Bulgariens, und seine herrschende Clique die Vertreibung der 360.000 bulgarischen Muslime in die benachbarte Türkei. Um jedoch das Motiv sowie, den Umfang und die Folgen der Entscheidung der kommunistischen Regierung zum Ergreifen dieser drastischen Maßnahmen vollständig zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts werfen.
Die Minderheitenrechte bulgarischer Muslime wurden durch internationale und zwischenstaatliche Verträge wie dem Berliner Friedensvertrag (1878), Istanbuler Protokoll (1909) und dem Friedensvertrag zwischen Bulgarien und der Türkei (1913) geregelt. Nach Angaben von Minority Rights international hatte diese Gruppe vor der kommunistischen Machtübernahme 1948 ein gewisses Maß an religiöser, kultureller und bildungspolitischer Autonomie. Sie konnten ihre eigenen türkischsprachigen Schulen (religiöse Einrichtungen und säkulare) betreiben und dabei einen eigenen Lehrplan verfolgen. Zusätzlich dazu war es ihnen erlaubt, ihre religiöse Verwaltung zu organisieren, sowie für Ehestands- und Personenrechtsfragen Scharia-Gerichte zu unterhalten. In diesen Jahren war die kulturelle Segmentierung so stark, dass laut einer Volksbefragung von 1946, die Hälfte der türkischen Bevölkerung sich nicht auf Bulgarisch verständlich machen konnte.
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