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Fasten mit Diabetes im Ramadan 2026? Nicht ohne Grünes Licht vom Arzt

Diabetes ist eine schwerwiegende Erkrankung. Betroffene sollten nur nach Rücksprache mit ihrem Facharzt fasten.

28.02.2026 .Redaktion 6 Min. Lesezeit Ausgabe 356
diabetes fasten

Foto: Freepik.com | Lizenz: Freepik License

(The Conversation). Bald beginnt der gesegnete Ramadan, in dem Muslime auf der ganzen Welt zwischen Beginn der Morgendämmerung und Sonnenuntergang fasten. Schließt Typ-2-Diabetes einen Menschen vom Fasten aus? Nicht unbedingt. Die Entscheidung liegt bei der Person selbst. Aber es kann lebenswichtig sein, sich von Gesundheitsexperten bzw. seinem Diabetologen beraten zu lassen. Von Sue Lynn Lau, Ahmed Hussein

Zuckerkrankheit ist die am schnellsten wachsende chronische Erkrankung in vielen westlichen Ländern sowie in den Wohlstandszonen Asiens und anderen Erdteilen. Typ-2-Diabetes, der die Mehrheit der Diabetesfälle ausmacht, tritt auf, wenn der Körper resistent gegen die Wirkung von Insulin wird oder die Fähigkeit verliert, ausreichend genug von diesem Hormon in der Bauchspeicheldrüse zu produzieren. Es hält den körpereigenen Blutzuckerspiegel in einem gesunden Bereich.

Menschen mit dieser Krankheit können außerhalb des Fastenmonats die Symptome durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil, einschließlich Bewegung und gesunder Ernährung, in den Griff bekommen. In schwereren Fällen müssen sie möglicherweise Medikamente wie Metformin, Sulfonylharnstoffe bzw. andere blutzuckersenkende Tabletten einnehmen oder sich selbst Insulin spritzen.

Zwischen Gesundheit und religiöser Lebenspraxis: Diabetes Typ 2 im Ramadan handhaben

Typ-2-Diabetes betrifft einige ethnische Gruppen stärker als andere. Er tritt häufiger bei Menschen mit nahöstlichem, nordafrikanischem und süd-/südostasiatischem Ursprung auf. Viele Muslime im Westen haben eine solche Herkunft.

Unter Verwendung der Volkszählungsdaten von 2016 aus Australien und einer konservativen Schätzung der Diabetesprävalenz bei Erwachsenen von 10 % bei Muslimen (die genaue Prävalenz ist nicht bekannt) könnten bspw. dort bis zu 40.000 Betroffene mit Diabetes leben. Und diese Zahl wird aller Voraussicht nach steigen. Ähnliche Wachstumszahlen verzeichnen darüber Länder in anderen Weltteilen, in denen ein gesteigerter Wohlstand zu veränderten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten führt.

Ernährungsgewohnheiten wie zeitweiser Verzicht, Feiertagsmahlzeiten und der Verzehr spezifischer Speisen sind ein wesentlicher Bestandteil vieler religiöser und kultureller Feste. Bei Muslimen ist das Fasten im Monat Ramadan für alle gesunden Erwachsenen obligatorisch, die zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang weder essen noch trinken oder orale Medikamente einnehmen dürfen.

In jenem Monat nehmen die meisten zwei Mahlzeiten pro Tag zu sich – vor Beginn des täglichen Fastens und an seinem Ende. Dies kann für Menschen mit Typ-2-Diabetes – insbesondere für diejenigen, die Insulin oder bestimmte orale Diabetesmedikamente einnehmen – aus mehreren Gründen riskant sein.

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Fasten kann bestimmte Risiken für Diabetiker erhöhen

Erstens kann das Fasten während des Tages das Risiko eines niedrigen Blutzuckerspiegels bei Leuten erhöhen, die normalerweise Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente einnehmen. Und umgekehrt beinhaltet das Iftar zum Fastenbrechen oft den Verzehr großer Mengen kalorienreicher Lebensmittel in relativ kurzer Zeit. Dies kann bei Menschen mit Diabetes das Risiko eines hohen Spiegels über Nacht erhöhen. Auch das Auslassen oder die zeitliche Veränderung der Medikamenteneinnahme kann zu seinen Schwankungen führen.

Ein niedriger Blutglukosewert kann Symptome wie Schwitzen, Zittern und Verwirrung verursachen. In schweren Fällen kann das Krampfanfälle, Koma oder sogar den Tod bewirken. Ein zu großer Blutglukosewert führt zu Müdigkeit und allgemeinem Unwohlsein und kann zu Dehydrierung sowie Konzentrationsschwäche führen. Extrem hohe Werte stellen ebenfalls einen medizinischen Notfall dar.

Gemäß der islamischen Lehre können Ältere, Schwangere oder Menschen mit Krankheiten, die eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erfordern – wie Diabetes – aus ärztlichen Gründen vom Fasten ausgenommen werden. Sie müssen keine spezifische Erlaubnis von einem religiösen Führer einholen. Entweder sollten sie die ausgelassenen Fastentage nachholen. Sollte ihnen die verpflichtende Enthaltsamkeit keinesfalls möglich sein, müssen sie für jeden betroffenen Tag eine Ersatzzahlung (arab. fidya) leisten.

Spezifische Patientengruppen vom Typ-2, die kein Insulin oder orale Medikamente einnehmen müssen, können unter Anleitung ihres Arztes während des Ramadans gefahrlos fasten. Da Ernährung, Lebensstil und Medikamenteneinnahme jedoch Schlüsselfaktoren für die Aufrechterhaltung eines stabilen Blutzuckerspiegels und die Minimierung begleitender Komplikationen sind, können viele Menschen mit dieser Form der Zuckerkrankheit als medizinisch vom Fasten befreit gelten.

Praktische Richtlinien, die von der Internationalen Diabetes-Föderation – Diabetes und Ramadan (IDF-DAR) International Alliance – erstellt wurden, helfen ärztlichen Fachkräften, das Risiko von Patienten einzuschätzen. Solche mit geringer Gefährdung können den Verzicht gefahrlos genießen, während andere mit mittlerem bis hohem Risiko vom Fasten abgeraten wird. Diese Leitlinien wurden von religiösen Autoritäten in Australien und im Ausland gebilligt und sind eine wertvolle Referenz für medizinische Fachkräfte und ihre muslimischen Patienten.

Islam Sadaqa Solidarität spenden

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Chronisch Kranken müssen nicht fasten – aber können Ersatzzahlungen leisten

Da der verpflichtende Verzicht eine der fünf Säulen des Islam ist, besteht ein intensiver Wunsch, daran teilzunehmen. Das gilt auch für jene, die aus gesundheitlichen Argumenten davon befreit werden könnten. Diejenigen, die aus ärztlichen Gründen nicht fasten können, können sich so ausgegrenzt fühlen. Manche entwickeln eine negative Einstellung dazu, was möglicherweise zu einer Beeinträchtigung der Selbstbehandlung ihrer Erkrankung führt.

Manche Patienten mit Diabetes zögern, das Thema selbst anzusprechen, weil sie befürchten, dass nichtmuslimische Gesundheitsdienstleister kein Verständnis dafür haben. Sie verheimlichen vielleicht ihre Absicht zu fasten, um einen vermeintlichen Konflikt mit dem medizinischen Fachpersonal zu vermeiden. Wenn man die spirituelle Bedeutung dieses Monats für Muslime sowie die praktischen Aspekte versteht, kann man als Mediziner eher das Vertrauen der Patienten gewinnen und die Kommunikation erleichtern.

Diskussionen über den Ramadan müssen auf eine kulturell sensible und nicht wertende Weise geführt werden. Dabei sollte das Recht einer Person gewürdigt werden, die Risiken und Vorteile des Verzichts – sowohl spirituell als auch körperlich – für sich selbst abzuwägen. Hierzu gehört ebenso die individuelle Wahl, ob Fasten das Richtige ist oder nicht. Ärzte können ihren Patienten zusätzlich raten, etwaige Bedenken mit ihrem örtlichen Geistlichen zu besprechen. Für diejenigen, die sich trotz ihrer Befreiung dafür entscheiden, können Gespräche über Blutzuckermessung, Ernährung, Bewegung und eventuelle Änderungen der Medikation sicherstellen, dass sie so sicher wie möglich fasten.

Kenntnis von den diversen religiösen Hintergründen, Lebensstilen und Praktiken von PatientInnen spielt eine wichtige Rolle in ihrer Gesundheitsversorgung. Ein Mangel an Verständnis kann zu schlechteren Gesundheitsergebnissen und einer Abkehr von den Gesundheitsdiensten führen. Während Untersuchungen zeigen, dass kenntnisreiche und angemessene Diabetesaufklärungs- und -präventionsprogramme die Folgen für Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund verbessern.

Angehörige von Gesundheitsberufen sollten sich über ihr kulturelles Umfeld und die lokale Patientenpopulation informieren, um effektive therapeutische Beziehungen aufrechtzuerhalten und die besten patientenorientierten Ergebnisse zu erzielen. (The Conversation)

* Übersetzt und veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.