Lebenspraxis: von Minimalismus zu Zuhd

Viele werden zustimmen, dass die minimalistische Lebensweise und Mode seit geraumer Zeit im Interesse stehen.

6.08.2026 .Redaktion 3 Min. Lesezeit
minimal

Foto: Chiociolla, Shutterstock

(iz). Marie Kondos Buch „Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“, ihre frühere Netflix-Fernsehserie sowie andere Formate belegen den Wunsch nach neuer Einfachheit.

Viele Menschen sehen im Minimalismus kaum mehr als klare weiße und graue Töne. Aber die Wahrheit ist, dass es sich hierbei um etwas Höheres als nur eine Modebewegung handelt.

Er ist eine Philosophie, die von einigen erstaunlichen Prinzipien getragen wird: die simple Praxis, das zu besitzen, was man zum Leben braucht. Dankbar zu sein für das, was man hat. Sowie sich Zeit und Raum für jene Dinge zu schaffen, die zählen.

Mit Vorläufern in der japanischen und skandinavischen Kultur ist im Westen eine Mode aus leeren Wänden mit sanften Farbschemata und dem Entfernen von übermäßigem Schund angesagt. Aber wie passt der neue Trend zu unserem Glauben? Wie können wir als Muslime wissen, wo die Grenze zwischen Notwendigkeit und Gier gezogen werden muss?

Es gibt viele Beispiele für die Bescheidenheit des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und die Frugalität seines Haushaltes. Aus diesem Vorbild, der Lebenspraxis der ersten Generationen sowie durch die spirituelle Wissenschaft und Praxis entwickelte sich zügig die Eigenschaft des Zuhd. Sie war ebenso Reaktion auf schnell hereinströmenden Reichtum der neuen muslimischen Gebiete.

Diese Tugend, die zur Praxis gehört, besagt, dass jeder ein Leben des Ausgleichs führen und auf Extravaganz verzichten soll. Häufig wird dieser Begriff mit Askese übersetzt, was ein unzulässiger Vergleich zu christlichen und antiken Konzepten ist.

„Mäßigung“ bzw. „Minimalismus“ sind deutlich bessere Gegenstücke. Es handelt sich um einen Akt der Selbstdisziplin, um den Fallstricken des Materialismus zu entgehen und um Allah näher zu sein. Zuhd heißt nicht, wie ein Bettler oder Eremit zu leben. Es ist das Vermeiden des Unnötigen sowie der neurotischen Anhänglichkeit an die Dinge der Welt.

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Der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Hätte der Nachkomme Adams ein Tal voller Gold, würde er zwei haben wollen. Nichts kann seinen Mund füllen außer der Staub des Grabes.“

Der Prophet, Heil und Segen auf ihm, sagte ebenfalls: „Bei Allah, ich fürchte nicht, dass euch Armut und Hunger überwältigen. Sondern, dass ihr übermäßigen Reichtum zur Verfügung habt, so wie er den Völkern vor euch gegeben wurde. Ihr werdet dann sehr gierig in der Anhäufung dieses Reichtums sein, wie es jene vor euch taten. Diese Gier wird der Grund eures Niedergangs und eurer Zerstörung sein, wie er die Leute vor euch vernichtete.“

Bei Minimalismus gehe es nicht nur um die persönlichen Habseligkeiten. „Es geht auch darum, dass man bei all seinen Einkäufen bewusst vorgeht. Dazu gehören Lebensmittel, Unterhaltung, die Gesellschaft anderer sowie die Art und Weise, wie wir die 24 Stunden unseres Tages verbringen“, schrieb Kaighla Um Dayo.

Er bestehe darin, auf den Besitz zu schauen, aber ebenso auf jene, die man liebt und die einen lieben. „Es geht um die verfügbare Lebenszeit und die Intention, mit der wir unsere Zeit, Energie, Liebe und Leben verbringen.“

Das Leben sei vergänglich und „alles, was ich liebe und auf das ich meine Energie verwende“, werde irgendwann zu Staub. „Nur Allah bleibt. Also verdient Er meine Anbetung.“ Minimalismus zwinge sie dazu, sich dieser Wahrheit in jedem Augenblick zu stellen.

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