Essay: die Macht der Machtlosen 

Warum Menschen Macht nicht ergreifen – unsere „Schöne neue Welt“. Ein Essay aus dem Lesezirkel der Hamburger NMA. Text von Ahmet Aygün.

31.12.2024 .Redaktion 9 Min. Lesezeit
macht

Foto: Mei Zendra, Shutterstock

(iz). Dieses Essay ist der zweite von drei Texten zum Thema „Über die Macht. Machtkonzepte in der heutigen Zeit“. Erstellt wurden sie im Rahmen des Lesezirkels des Netzwerks Muslimischen Akademiker (NMA) aus Hamburg.

Es ist ein archaischer Moment, der die Essenz von Macht offenbart: Der Triumph des Lebenden über den Getöteten, wie es der Schriftsteller Elias Canetti beschreibt. Der Sieger, der seine Überlegenheit feiert, erlebt Macht in ihrer reinsten Form – sichtbar im Akt des Überlebens.

Doch dieser Moment erzählt nur eine Seite der Geschichte. Was bleibt, ist die unsichtbare Ohnmacht des Besiegten, eine Stille, die in ihrer Tiefe erdrückend ist. Doch kann man von Ohnmacht sprechen, wenn der Besiegte seiner Situation nicht mehr bewusst ist? Oder beginnt Machtlosigkeit erst dort, wo der eigene Wille spürbar eingeschränkt wird?

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