Mentoring oder die Notwendigkeit des spirituellen Vorbilds

Mentoring: Die Übertragung und Verwirklichung von echtem Wissen gelingt nicht ohne ein menschliches Vorbild.

2.07.2026 .Redaktion 5 Min. Lesezeit
mentoring vorbild

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(Traversing Tradition). Meine Frau und ich haben kürzlich eine schöne Zeit mit geistlichen Vorbildern verbracht. Es war beeindruckend, wie sie als klärende Kraft in das Leben wirken, das wir oft unnötig verkomplizieren. Von Abid Haseeb

Dabei wurde mir bewusst, wie dringend wir in unseren Gemeinschaften Menschen brauchen, die Zugang zu soliden, lebendigen Vorbildern haben und von diesen angeleitet werden.

Das leuchtet jedem intuitiv ein, der sich mit irgendeiner Art von Handwerk beschäftigt: Wenn man eine Kampfkunst erlernen möchte, tut man das nicht, indem man Bücher liest oder Videos anschaut. Man lernt sie unter der Anleitung eines Meisters, der wiederum von jemand anderem ausgebildet wurde und die Erlaubnis erhalten hat, zu unterrichten.

Kochen

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Die Kenntnis steckt in der Person. Wenn man lernen möchte, die Küche zu beherrschen, kann man sich zwar etwas Wissen durch das Lesen eines Kochbuchs oder das Anschauen von Instagram-Reels aneignen.

Aber seine Feinheiten, die Entwicklung eines ausgeprägten Geschmackssinns und das Verständnis dafür, wie man sich anpasst, wenn etwas schiefgeht, erlangt man nur, wenn man von jemandem wie der Mutter oder Großmutter unterrichtet wird.

Ein weiteres Beispiel findet sich in meinem eigenen Berufsfeld, der Augenchirurgie. Es spielt keine Rolle, wie viele Videos man sich ansieht oder wie viel Zeit man im Übungslabor verbringt.

Nur unter dem wachsamen Auge und der leitenden Hand eines ausgebildeten Chirurgen kann man lernen, alleine Operationen an anderen Menschen durchzuführen und dabei sorgfältig zu vermeiden, ihnen Schaden zuzufügen.

Bei dem jüngsten Besuch erwähnte einer meiner Lehrer in einer Versammlung, dass es im Allgemeinen drei Wege gibt, auf denen eine Person ihre Religion richtig ausüben kann: strukturierte Lehrgänge oder Kurse, individuelles, konsequentes Studium und das Beobachten von sachkundigen und rechtschaffenen, frommen Menschen.

Die dritte Kategorie bewertet man anhand der ersten beiden. Eine Person, die äußerlich zunächst „fromm“ erscheint bzw. hohes Ansehen genießt, aber ständig gegen das Heilige Gesetz verstößt oder andere auf eine Weise behandelt, die nicht mit dem Vorbild des Propheten vereinbar ist, kann nicht als Mentor bzw. Wegweiser gelten.

Nachrichtenüberflutung flatrates

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Dieser Rahmen ist sowohl pragmatisch als auch wirkungsvoll: Das gelebte Beispiel eines Wegweisers ist in der Auseinandersetzung des Einzelnen mit der fundierten Tradition verankert.

Wenn dieser Rahmen vernachlässigt und durch einen unpersönlichen Konsum von Inhalten ersetzt wird, begeben wir uns auf einen gefährlichen Weg.

Wir hüpfen auf ihm aus einer Laune heraus von einem Kopfsteinpflasterstein zum nächsten, anstatt in den Fußstapfen eines lebendigen Wegweisers zu wandeln.

Je mehr Zeit ich in der Gemeinschaft verbringe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es für Muslime unvorstellbar ist, die Schwierigkeiten und raschen Veränderungen in ihrem Leben ohne den scharfsinnigen Blick und die leitende Hand eines spirituellen Mentors zu meistern.

Jemand, dessen Auseinandersetzung mit der Religion darin besteht, auf Webseiten nach handverlesenen Hadithen zu suchen oder provokative Videos in den sozialen Medien zu konsumieren, sollte wissen, dass seine Herangehensweise an den Islam eine neu erfundene Methode ist, die im Widerspruch zur Praxis seiner Vorgänger steht.

Was zudem auffällt, ist, wie wenig intuitiv dies für Menschen zu sein scheint, die es in weiteren Bereichen begreifen: Ein muslimischer Chirurg weiß vielleicht, dass man das Operieren von einem anderen lernen muss, schickt sich aber dennoch an, die Religion durch willkürliche Internetrecherchen zu verstehen und darüber zu sprechen. Beides führt zu Schaden. Sie unterscheiden sich in Form und Ausmaß.

Man begreift, dass jemand, der einen ansieht, in der Lage ist, das Beste und Ganzeste in einem zu erkennen. Er sieht das Potenzial dessen, wozu man fähig ist, was man vielleicht an sich selbst ändern muss, um diesem Potenzial näherzukommen, und wie er einen bei diesem Vorhaben behutsam unterstützen kann.

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Sie können dir helfen zu verstehen, wie du Reibungen in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen durch Liebe und Vergebung überstehen und ein bereicherndes Netzwerk menschlicher Bindungen aufbauen kannst, das dich in der Not stützt – und umgekehrt.

Wenn all diese Dinge zusammenkommen, beginnst du besser zu verstehen, dass deine spirituellen Mentoren nicht einfach nur Wissensspeicher über den Fiqh des Gebets sind oder rund um die Uhr verfügbare Therapeuten.

Stattdessen sind sie gelebte Beispiele der Sunna, von der du bisher nur gehört, sie aber nicht miterlebt hast. Sie sind das scharfsichtige Auge und die leitende Hand in deiner Existenz, die sich um dich sorgen und darum, dass du auf eigenen Beinen stehen und ein gutes Leben führen kannst, das Allah wohlgefällig ist.

Du beginnst, die Liebe besser zu verstehen, die die Gefährten des Propheten für ihn empfanden, und im Gegenzug wird deine Zuneigung zu deinen Mentoren (oder deinem Schaikh) dazu führen, dass deine Liebe zu ihm wächst. In Wahrheit sind sie Zuflüsse, die nährendes Wasser aus Flüssen mit sich bringen, die ihrerseits aus dem ozeanischen Vorbild des Propheten entspringen.

Mögen wir, wie der Dichter Imam al-Busiri sagte, das, was wir suchen, in Handvoll aus dem Meer oder in kleinen Schlucken aus dem Nieselregen vom Propheten Muhammad erhalten.

* Der Beitrag erschien am 23. Februar 2026 bei „Traversing Tradition“. Übersetzung und Veröffentlichung durch die IZ.