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2024 war brutal. Das letzte Jahr sah zu viel Gewalt

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Angesichts der umfangreichen Kriege in Afrika, im Nahen Osten, in Europa und Südostasien war 2024 jeder achte Mensch weltweit Konflikten ausgesetzt. Es kam in 111 Staaten im Laufe des Jahres […]

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Land in der Krise – ein Jahresrückblick 2024

Jahresrückblick

2024 brachte für die Bundesrepublik und ihre Muslime kaum Fortschritte und neue Herausforderungen. Ein Jahresrückblick.

(iz). Deutschland befand sich 2024 in einer Mischung aus inneren und äußeren Krisen (gerne als „Polykrise“ bezeichnet). Das Bündel offener und schwer lösbarer Fragen reicht vom Rechtsruck, der Zunahme autoritärer Einstellungen, der Implosion der Ampel über die schwierige wirtschaftliche Lage bis hin zum vielfach kritisierten Umgang unserer Politik mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten.

Jahresrückblick 2024: Land in der Krise

Das löst in weiten Teilen der Bevölkerung Sorgen und Ängste aus. Eine aktuelle Studie hat im Oktober gezeigt, wovor sich die Deutschen im Jahr 2024 fürchten. Ohnmachtsgefühle angesichts der zahlreichen Krisen führten dazu, dass sich die Menschen stärker auf ihre persönlichen Belange konzentrierten, erklärte die Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki.

Von dieser Krisenlage und resultierenden Besorgnissen sind die rund fünf Mio. Muslime Deutschlands nicht ausgenommen. Zusätzlich zu allgemeinen Krisensymptomen betreffen uns einige Phänomene gezielt. Muslime gehören zu den Objekten von Vorurteilen und Rassismen, die sich vom rechten Rand bis hin ins linksliberale Lager finden. Erschüttert mussten muslimische bzw. arabischstämmige Bürger bereits zum Jahresende 2023 erkennen, mit welcher Ahnungs- und Gefühllosigkeit selbst Vertreter der Ampelkoalition auf ihre Betroffenheit bezüglich des Gazakrieges reagierten.

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Foto: Marco Urban, Deutscher Bundestag

Bundespolitik vernachlässigte Muslime

Ein Beispiel für den derzeitigen Umgang der Bundespolitik mit organisierten Muslimen zeigte sich an der CDU/CSU-Programmdebatte. Moniert wurde konkrete die geplante Formulierung „Muslime, die unsere Werte teilen, gehören zu Deutschland“. Nach Kritik von außen heißt es nun: „Ein Islam, der unsere Werte nicht teilt und unsere freiheitliche Gesellschaft ablehnt, gehört nicht zu Deutschland.“

Wobei dieser Satz nicht definiert, wer dieser „Islam“ als handelndes Subjekt sein soll. Für den früheren ZMD-Vorsitzenden Mazyek stellte diese Programmdebatte der Union „eine selektive Vorgehensweise“ dar, die antimuslimische Ressentiments bediene.

Im Februar sprachen muslimische Aktivisten und Verbände von einem „Generalverdacht“ – und beklagten Angriffe auf Muslime und ihre Einrichtungen. Yasemin El-Menour von der Bertelsmann Stiftung sah in der Bundesrepublik eine Situation wie nach dem 11. September 2001. „Auch damals wurde Druck aufgebaut und von den Musliminnen und Muslimen in Deutschland gefordert, sich zu positionieren.“

„Von uns wird nicht nur erwartet, dass wir uns nach jedem Terrorakt distanzieren, sondern auch von Regierungen, Personen, Positionen, die als muslimisch motiviert gelesen werden“, beklagte IGMG-Generalsekretär Ali Mete. „Muslimen wird unterstellt, sie stünden solchen Taten nahe oder würden sie insgeheim begrüßen.“ Das unterfüttere Vorurteile.

Eines der konkreten „Opfer“ der gewandelten Verhältnisse war das zeitweise Verschwinden des UEM-Berichts „Muslimfeindlichkeit – Eine deutsche Bilanz 2023“ von der Webseite des Bundesinnenministeriums (BMI). „Auf 400 Seiten hatten Saba-Nur Cheema und zahlreiche weitere Wissenschaftler in mehr als einem Dutzend Studien und Expertisen das Bild eines Deutschlands gezeichnet, in dem Muslime in nahezu allen Lebensbereichen diskriminiert werden. Zugleich bot der Bericht mit zahlreichen Handlungsempfehlungen eine Art Blaupause für die Gleichberechtigung der Muslime in Deutschland“, beschrieb Fabian Goldmann in unserer April-Ausgabe den umstrittenen Vorgang. Befeuert wurde die Debatte um den wichtigen UEM-Bericht im Vorfeld auch vom Unionspolitiker de Vries.

Die Religionspolitik war stellenweise konstruktiver

Konstruktiver als die abstrakten „Islamdebatten“ zeigte sich die Religionspolitik gegenüber muslimischen Gemeinschaften in Deutschland. So betonte die inzwischen aus dem Amt geschiedene rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer, bis 2024 Staatsverträge abschließen zu wollen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir am Ende auch das Ziel eines Vertrags mit vier islamischen Verbänden erreichen werden“, betone sie bei einem öffentlichen Fastenbrechen im März.

Das Düsseldorfer Schulministerium und das Zentrum für Islamische Theologie in Münster haben sich im Mai heftige Kritik von muslimischen Lehrkräften und Eltern zugezogen. Sie kritisierten zwei aus ihrer Sicht fehlerhafte Studien zur Ausbildung von Theologen und Religionslehrern sowie zum Religionsunterricht im bevölkerungsreichsten Bundesland. Aus diesem Grund riet der Verband muslimischer Lehrkräfte den Eltern von einer Teilnahme an der Befragung ab.

Im Sommer setzte die Hamburger Bürgerschaft die Zusammenarbeit mit den Dachverbänden in der Hansestadt fort. Eine Mehrheit – jenseits der dort muslim-kritisch agierenden Union – stimmte für die Verlängerung. Vorausgegangen war eine zweijährige Prüfung. In einer Pressemitteilung nach der Abstimmung erklärte die SCHURA Hamburg, dass damit „eine neue Ära des Austauschs und der Zusammenarbeit“ begonnen habe.

Dass CDU-Chef Friedrich Merz nicht nur poltern kann, bewies er im September bei einem Besuch des Osnabrücker Islamkollegs Deutschland. Die dortige Ausbildung von Imamen hält er für sinnvoll. „Der Weg ist richtig, dafür zu sorgen, dass die 5,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime eine Chance haben, auch in ihren Moscheen in deutscher Sprache von Imamen begleitet zu werden, die in Deutschland ausgebildet worden sind“, sagte er nach einer Besichtigung. Ende 2023 hatten BMI und die türkische Diyanet vereinbart, die Entsendung von Imamen aus der Türkei langfristig auslaufen zu lassen. Zusätzliche Verbände betonten, künftig auf eine Ausbildung vor Ort setzen zu wollen.

Wie schon seit geraumer Zeit erwartet wurde, hat das BMI im Juli das IZH sowie angeschlossene Organisationen verboten. Die von dem Verein bisher kontrollierte „Blaue Moschee“ wurde geschlossen und beschlagnahmt. Sie steht damit unter der Verwaltung des Bundes. Das Verbot könnte beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig dagegen klagen.

Auf politischen Druck hin trat das IZH Monate zuvor aus der Schura Hamburg aus. Die größeren Moscheeverbände reagierten verhalten. „Es gehört zur Aufgabe eines demokratischen Staates, sich wehrhaft gegen jede Form des Extremismus zu erweisen“, zeigte der ZMD Verständnis für die staatliche Maßnahme. Zugleich betonte er, dem IZH stünden alle rechtsstaatlichen Mittel zu Verfügung, um dagegen vorzugehen.

Foto: OsamaK, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ableger von Hizb ut-Tahrir sorgen für schlechte Laune

Deutschlands Muslime mussten auch 2024 die Erfahrung machen, dass das Agieren ideologischer Extremisten wie die Hizb ut-Tahrir oder terroristischer Einzeltäter in Mannheim oder Solingen bestehende Debatten beschleunigen und radikalisieren.

Im April und im Mai konnte „Muslim Interaktiv“, eines der Nachfolgernetzwerke, unter polizeilichen Auflagen mit dem Slogan „Kalifat ist die Lösung“ in der Hansestadt auf die Straße gehen. Derzeit gilt die Stadt neben Berlin oder dem Ruhrgebiet als eines der Epizentren in Deutschland.

Am 2. Mai hatten organisierte Muslime in Hamburg genug. Sie widersprachen den Ideologen. „Wir beobachten die Parolen, das Auftreten und die verunsichernden Auswirkungen dieser Demonstration mit Sorge. Wir lehnen jegliche antidemokratischen Vorstellungen ab und warnen vor der Gefahr, dass ein solches Vorgehen in einer systematischen Ablehnung demokratischer Prozesse endet. Hier zeigt sich, wie Religion für eine politische Ideologie mit einer emotionalisierten Rhetorik instrumentalisiert wird“, hieß es in einer Stellungnahme der Schura Hamburg.

Durch die Inszenierung als „Verteidiger des Islams“ werde „ein einfaches Freund-Feind Schema“ bedient, welches Spaltung und Entfremdung befördere. Dieses gefährliche Vorgehen stehe unserem Ansatz eines pluralistischen Miteinanders diametral gegenüber.

Marginale Gruppen wie diese bewegen sich nicht innerhalb, sondern außerhalb der Gemeinschaften und sind angewiesen auf die sozialen Medien und öffentliche Auftritte.

Einig ist man sich darin, dass Strukturen wie „Muslim Interaktiv“ ätzender werden. „Seit mehr als einem Jahr ist eine aggressive Grundhaltung zu sehen. Sei es bei der Flyer-Verteilung oder bei den Kundgebungen ist die Ansprache lauter, aggressiver und die Gebärden bedrohlicher. Vor den Moscheen werden die Menschen bedrängt und bei Wortgefechten werden auch mal die Regel der Adab fallen gelassen.“

Ein konkretes Ziel sind überall jene Aktiven, die Verantwortung in muslimischen Gemeinschaften und Vereinen übernehmen. „Es ist vorgekommen, dass Vertreter, Funktionäre von Gemeinden angesprochen, angegangen, bedrängt, beschuldigt und diffamiert werden.“

solingen messer

Foto: imago | Christoph Hardt

Die Frage nach der Messergewalt

Ein Sonderthema stellte 2024 die „Messerkriminalität“ dar. Sie wurde häufig in Verbindung mit Migranten und Muslimen gebracht. Hier fehlte es oft an einem differenzierten Umgang – sowohl bei denen, die Messergewalt rassistisch interpretieren, als auch bei jenen, die es verniedlichen. In der Kategorie „gefährliche und schwere Körperverletzungen“ stiegen sie um 9,7 % auf 8.951 Taten. Unter „Raubdelikten“ nahmen sie sogar um 16,6 % auf 4.893 Delikte zu.

Die Kriminalstatistik scheint einen Zusammenhang zwischen Delinquenz und Migration zu bestätigen. Tatverdächtige ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind mit 34,4 % in der Statistik deutlich überrepräsentiert. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt nur bei 15 %.

Studien zeigen: Ein wichtiger Grund dafür, dass Ausländer häufig in der Kriminalitätsstatistik auftauchen, ist nicht ihre Religion, Kultur oder Herkunft. Ausschlaggebend ist, dass sich die Kohorte anhand ihrer Demographie erkennbar vom hiesigen Durchschnitt unterscheidet.

So finden sich in der Gruppe vergleichsweise viele junge Männer – ein Charakteristikum, das deutschdeutsche Straftäter gleichfalls auszeichnet. „Bei Gewalttaten, die mit Messern begangen wurden, ist die mediale Verzerrung sogar noch größer. Bei ausländischen Tätern wird hier fast ausnahmslos die Herkunft genannt. Die Nationalität von deutschen Messertätern bleibt medial hingegen fast immer unerwähnt. Und das obwohl die meisten Täter nach wie vor Deutsche sind“, schrieb Fabian Goldmann bei uns zum Thema.

Muslimfeindlichkeit

Die CLAIM Allianz stellte am 24. Juni 2024 ihr Lagebild „antimuslimischer Rassismus“ in Berlin vor. (Foto: imago | Jürgen Heinrich)

Das Phänomen Muslimfeindlichkeit blieb auch 2024 einflussreich

Die Verschiebung politischer Diskurse und die innere Krisenhaftigkeit zeigte sich hinsichtlich von Muslimen am geringeren Interesse an Muslimfeindlichkeit. Dieses kündigte sich schon Ende 2023 an, als muslimische Vertreter ins BMI zitiert wurden und die Politik mit Generalvorwürfen und Distanzierungsforderungen operierte.

2024 haben die Mitte-Parteien von Union bis zu den Grünen hierbei auf eine abgeschwächte Kopie populistischer Stimmen gesetzt in der Hoffnung, ihnen das Wasser abzugraben. Dabei gehörten Muslime in diesem Jahr zu den Objekten von Hass und Ausgrenzung.

Im Juni veröffentlichte die CLAIM Allianz ihr Lagebild zur Islamfeindlichkeit in Deutschland. Verbale und körperliche Angriffe, Diskriminierung oder Sachbeschädigung: Durchschnittlich hätten sich ihr zufolge täglich mehr als fünf Vorfälle dieser Art ereignet. Antimuslimische Äußerungen im Internet fließen in die Lage nicht ein. Das Projekt wird bisher vom Bundesfamilienministerium finanziert.

Unterfüttert wurden diese Einschätzungen vom Politikwissenschaftler Kai Hafez. Muslimfeindlichkeit werde aus seiner Sicht zu wenig bekämpft. Die vier bis fünf Millionen Musliminnen und Muslime, die hierzulande lebten, würden „vom Innenministerium im Regen stehen gelassen“. Er warf Bundesinnenministerin Faeser vor, ihre Fürsorgepflicht für die hier lebenden Muslime zu vernachlässigen.

Hafez war Teil des aufgelösten Unabhängigen Experenrates Muslimfeindlichkeit. Er warnt vor den möglichen Folgen einer sich ausbreitenden Muslimfeindlichkeit. „Aus der Forschung wissen wir, dass Radikalisierung im Bereich des Islamismus viel mit Diskriminierungserfahrung zu tun hat.“

Die Zahl der Menschen, die bei islamfeindlichen Straftaten verletzt wurden, stieg an. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Petra Pau (Die Linke) im November hervor. Demnach zählten die Polizeibehörden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bundesweit 42 Verletzte durch Verbrechen, bei denen ein muslimfeindliches Motiv angenommen wird, darunter waren bisher vier Schwerverletzte.

Die Antwort der Regierung zeichne ein besorgniserregendes Bild, sagte sie. Zwar seien im dritten Vierteljahr dieses Jahres mit 117 Fällen weniger Taten gemeldet worden als im zweiten, als es 139 Straftaten waren. Doch sei eine zunehmende Brutalität der Angriffe zu erkennen.

Der hiesige Umgang mit Musliminnen und Muslimen beschäftigt längst auch internationale Menschenrechtsorganisationen und -institutionen. Anfang Mai veröffentlichte Human Rights Watch (HRW) eine diesbezügliche Stellungnahme. Sie war der Bundesregierung „Versagen“ im Umgang vor. „Die deutsche Regierung versagt beim Schutz von Muslimen und Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden, vor Rassismus angesichts zunehmender Vorfälle von Hass und Diskriminierung“, hieß es.

Grund dafür ist die mangelnde Dokumentation der Fälle und fehlende institutionelle Hilfe für die Opfer. „Ohne ein klares Verständnis von antimuslimischem Hass und Diskriminierung in Deutschland und ohne aussagekräftige Daten über Vorfälle und die Arbeit in den Gemeinden wird eine Reaktion der deutschen Behörden wirkungslos bleiben.“

muslimischen partei

Foto: annastills, Freepik.com

Wohin ging die muslimische Stimme?

2024 änderte sich etwas in der politischen Verfassung der muslimischen Wahlberechtigten. Das erste Mal wurden in einer Nachwahlbefragung zur EU-Wahl nach ihrer Entscheidung gefragt. Entgegen vergangener Jahre, in denen die Parteien der bisherigen Regierungspolitik auf sie zählen konnten, deuten die Ergebnisse eine Verschiebung an.

Demnach kamen die neuen Formationen BSW und DAVA aus dem Stand auf jeweils 17 % der Stimmen. Gefolgt wurden sie mit 13 % für die Union. Die Ampelparteien sowie Linke lagen auf den Plätzen 3-5. FDP und AfD konnten beim muslimischen Votum kaum Zustimmung verzeichnen.

Eine Debatte, die in den USA geführt wird, die hier aussteht: Gibt es in politischer Hinsicht ein handelndes Subjekt? Entgegen einer undifferenzierten Berichterstattung haben „die Muslime“ in den USA nicht innerhalb eines identitären Blocks abgestimmt.

Die Vorstellung, Menschen wählten hauptsächlich wegen ihrer Identität oder Herkunft, übersieht den Faktor ihrer konkreten Interessen. Auch in der deutschen Community findet seit Längerem eine Ausdifferenzierung und Bildung verschiedener Milieus statt. Ob sich Muslime bei künftigen Abstimmungen wie der vorgezogenen Bundestagswahl analog zur EU-Wahl entscheiden werden, ist unklar.

Die Schwierigkeit, hier mehr als nur zu spekulieren, liegt in erheblichem Maße an einem Mangel an Zahlen (verglichen bspw. mit den USA), die der aktuelle Mikrozensus offenbart hat. Die Kategorie der Religionszugehörigkeit wird bisher bei politischen Bekenntnissen kaum oder nicht abgefragt. Muslime sind in statistischer Hinsicht noch eine Leerstelle.

In Sachen „organisierter Islam“ wäre vorrangig der Anfang März angekündigte (und später vollzogene) Rückzug Aiman Mazyeks von der ZMD-Führung zu nennen. Das Gremium, das nach eigenen Angaben ca. 300 Moscheegemeinschaften repräsentiert, wird jetzt von Abdassamad El Yazidi geführt. Mit Mazyek nahm der bisher präsenteste muslimische Kopf seinen Hut. Es sieht nicht so aus, als würde das System des alle sechs Monate rotierenden KRM-Sprechers hier etwas ändern.

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Zu viele Zeitenwenden auf einen Schlag im Jahre 2024?

zeitenwende

Kommentar: 2024 war ein heikles Jahr. Im November kam es zu einem besonderen „Doppelwumms“ (O. Scholz). (iz). Dem russischen Revolutionär und Theoretiker Lenin wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Es gibt Jahrzehnte, […]

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Trump kehrt 2025 ins Weiße Haus zurück

muslim

Der Republikaner Donald Trump hat nach Erhebungen und Prognosen amerikanischer Medien die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen.

Washington/West Palm Beach (dpa) – Donald Trump ist die Genugtuung ins Gesicht geschrieben. „Es ist ein politischer Sieg, wie ihn unser Land noch nie erlebt hat“, ruft der Republikaner seinen Anhängern in einem Tagungszentrum im Bundesstaat Florida zu. Er steht umringt von seiner Familie und seinem Vizekandidaten J.D. Vance auf der Bühne, lässt sich feiern und verspricht eine blühende Zukunft für das Land: „Dies wird wirklich das goldene Zeitalter Amerikas.“ Von Christiane Jacke, Andrej Sokolow, Julia Naue, Magdalena Tröndle, Luzia Geier

Der Trump-nahe Sender Fox News hat ihn kurz zuvor zum Sieger der Präsidentschaftswahl ausgerufen. Noch steht das Gesamtergebnis nicht wirklich fest, doch ein Sieg scheint ihm kaum mehr zu nehmen. Viele Menschen wachen damit an diesem Morgen in einem anderen Amerika und einer anderen Welt auf.

Trump: die große Überraschung in der Wahlnacht

Eigentlich sah alles nach einem extrem knappen Rennen zwischen ihm und der Demokratin Kamala Harris aus – und nach einer tagelangen Zitterpartie für das Land. Doch am Ende ging alles ganz schnell. Trump legte einen unerwarteten Durchmarsch hin, gewann einen Swing State nach dem anderen und erklärte sich danach noch in der Wahlnacht selbst zum Sieger.

Mit Trump rückt zum ersten Mal in der US-Geschichte ein verurteilter Straftäter auf das höchste Staatsamt auf. Eine zweite Trump-Präsidentschaft hat dramatische Folgen: Die Amerikaner müssen um ihre Demokratie bangen, die Ukrainer um ihre Existenz, die Europäer um ihre Sicherheit, und die Menschen im globalen Westen um das Machtgefüge auf der Welt.

Trump 2.0: Entfesselter, extremer, erratischer

Die USA und die Welt können sich auf einen entfesselten Donald Trump einstellen: selbstbewusster und erbarmungsloser denn je. Und noch extremer und unberechenbarer als in seiner ersten Amtszeit. Der Republikaner hat bereits damals mit nahezu jeder Konvention gebrochen, schwere internationale Verwerfungen ausgelöst und das Verfassungssystem der USA an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

Seit dem Abschied aus dem Amt hat er unbeschadet eine Vielzahl an Skandalen, Affären und juristischen Desastern überstanden, die jedem anderen längst die politische Karriere gekostet hätten. In einer neuen Amtszeit dürfte er deshalb erst recht nicht mehr davor zurückschrecken, weitere Grenzen zu überschreiten und Tabus zu brechen.

Gleichzeitig ist Trump gealtert. Im Wahlkampf wirkte der 78-Jährige mitunter noch erratischer als in seiner Regierungszeit, gab teils zusammenhanglose Monologe von sich, endlose Schimpftiraden und Pöbeleien in alle Richtungen – vor allem rassistische und entmenschlichende Ausfälle gegen Migranten.

Trump ist in den vergangenen Jahren noch mehr ins Extrem gerutscht. Und in einer zweiten Amtszeit dürfte er auch nicht mehr viele moderate Republikaner an seiner Seite haben, die mäßigend auf ihn einwirken – sondern vor allem radikale Konservative, die ihn in extremen Positionen nur bestärken. Als Außenminister etwa ist der Hardliner Richard Grenell im Gespräch, der als Botschafter in Deutschland mit seiner rabiaten Art aneckte.

Was der neue Präsident vorhat

Trump hat eine radikale Agenda für seine zweite Runde im Weißen Haus. Er plant die „größte Abschiebeaktion in der amerikanischen Geschichte“, um im ganz großen Stil Migranten aus dem Land zu jagen. Er möchte etwa das Bildungsministerium abschaffen, Straftäter der Kapitol-Attacke begnadigen, im Staatsapparat aufräumen und sich an politischen Gegnern rächen.

Der Republikaner kokettiert, „Diktator“ wolle er nur am ersten Tag einer zweiten Amtszeit sein, und tatsächlich könnten die USA unter ihm autokratische Züge bekommen. Er hat Gegnern, Journalisten und Medienhäusern vielfach mit Vergeltung gedroht. Er sprach sich zuletzt sogar dafür aus, das Militär gegen „Feinde im Innern“ einzusetzen – also gegen US-Bürger, nämlich gegen „linksradikale Irre“. Als Beispiel nannte er prominente Demokraten.

Und international? Trump behauptet unter anderem, dass er den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden und auch den Nahost-Konflikt im Handumdrehen lösen könnte. Gleichzeitig droht er damit, die gewaltigen US-Militärhilfen für die Ukraine dramatisch zurückzufahren oder ganz einzustellen, Russlands Präsident Wladimir Putin bei dessen Eroberungszug in der Nachbarschaft freie Hand zu lassen und anderen Nato-Staaten im Falle eines Angriffs den militärischen Beistand zu verweigern.

Trump stellt sich selbst gerne als den starken Mann dar, mit dem sich international niemand anlegen wolle und vor dem Autokraten aus anderen Teilen der Welt schlicht Angst hätten. Tatsächlich ist er aber vor allem eines: unstet und unberechenbar. Damit hatten in seiner ersten Amtszeit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zu kämpfen.

Und damit bekommen sie es nun wieder zu tun – mit unabsehbaren Folgen. Europa und die Nato müssen sich vorwerfen lassen, dass sie zu lange die Möglichkeit einer Trump-Rückkehr verleugnet und sich nicht ausreichend darauf vorbereitet haben.

Der Unantastbare

Nach der Attacke von Trump-Anhängern auf das US-Kapitol Anfang 2021 hatte es für einen kurzen Moment so ausgesehen, als habe sich der Republikaner auf alle Zeit für jedes Staatsamt disqualifiziert. Damals gingen zunächst selbst treue Weggefährten auf Distanz zu ihm, doch nach und nach kehrte einer nach dem anderen an seine Seite zurück.

Zu sehr hat Trump die Basis im Griff. In den vergangenen Jahren hat Trump bewiesen, dass ihm nichts, aber rein gar nichts politisch etwas anhaben kann. Nicht das Chaos während seiner Amtszeit, nicht die Amtsenthebungsverfahren, nicht sein Angriff auf die Demokratie, nicht mehrere Anklagen, nicht die Verurteilung in einem Strafverfahren, kein Skandal, keine öffentliche Pöbelei – egal wie rassistisch, sexistisch oder vulgär sie auch sein mag. Nichts.

Das große Warum

Die Amerikaner haben ihn trotzdem gewählt – oder gerade deswegen. Dass Trump einmal mehr mit einer Kampagne Erfolg hat, die vor allem auf Hass und Angstmacherei aufgebaut war, sagt viel über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft aus. Manche haben ihn aus Frust gewählt, andere aus Überzeugung, wieder andere aus einem einzelnen politischen Grund – etwa wegen seiner Wirtschaftspolitik, wofür sie über den Rest großzügig hinwegsehen.

Die hohe Inflation trieb besonders viele Wähler um. Die Amerikaner trauten Trump beim Thema Wirtschaft mehr zu und stellten ihre eigenen Finanzen damit über menschliche Tugenden der Kandidaten.

Harris konnte mit ihren Warnungen vor Trumps diktatorischen Ambitionen und mit dem Paradethema Abtreibung bei vielen nicht durchdringen. Sie hatte damit zu kämpfen, dass sie als Vizepräsidentin eher unsichtbar blieb und auch die miesen Beliebtheitswerte des Amtsinhabers Joe Biden auf sie abfärbten.

Harris konnte zwar bei Frauen mehr punkten als Trump, aber kaum mehr als Biden vor vier Jahren. Trump wiederum schnitt etwa bei Schwarzen und Latinos besser ab als erwartet – aller Hetze gegen Minderheiten und Migranten zum Trotz. Bei Latinos etwa lag er ersten Wähleranalysen des Senders CNN zufolge ganze zwölf Prozentpunkte vor Harris. Und das Attentat auf ihn Mitte Juli, das er nur knapp überlebte, hat ihn im Wahlkampf politisch auch nur stärker gemacht.

Jener Mann also, der als 45. Präsident der Vereinigten Staaten der Nato mit einem Ausstieg der USA drohte, Grönland kaufen wollte und vorschlug, das Coronavirus durch Injektion von Bleiche in den menschlichen Körper zu bekämpfen rückt erneut auf das mächtigste Amt der Welt auf.

In den USA kann jemand zwei Amtszeiten lang Präsident sein, egal ob diese aufeinanderfolgen oder nicht. Trump bleiben also „nur“ noch vier Jahre im Weißen Haus. Er hat jedoch in seiner ersten Amtszeit bewiesen, dass dies genug Zeit ist, um das Land auf den Kopf zu stellen – und die Welt.

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Mikrozensus 2024: Muslime bleiben weiterhin eine Leerstelle

kommentar leipziger Deutsche

Kommentar: Auch im Mikrozensus 2024 wird keine Religionszugehörigkeit erhoben. Seit über zwei Jahrzehnten krankt die „Islamdebatte“ auch daran, dass es keine belastbare Zahlenbasis gibt. (iz). Seit 1957 wird in der […]

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Quo vadis Europa?

europa

Aus muslimischer Sicht können die Ergebnisse der Europawahl 2024 nur Sorgen bereiten. Ein Kommentar.

(iz). Eine große Überraschung ist es nicht: Die Zuwächse der Rechten in Europa gefährden zunehmend die europäische Idee. Offensichtlich sehnen sich Millionen von BürgerInnen des Kontinents nach den guten alten Zeiten und verlangen Ruhe in Zeiten des Veränderungsdruckes. Der Wunsch nach Heimat und der eigenen Kultur ergibt sich aus der Spiegelung des Phantasmas einer „Islamisierung“ des Abendlandes.

In Europa hat das Spiel mit den Ängsten Erfolg

Dabei fürchtet die Rechte nichts mehr als Differenzierung. Zu gut funktioniert das Spiel mit den Ängsten und dem Ressentiment der eigenen WählerInnen. Dieses Gedankengut treibt auch die bürgerlich-konservativen Parteien vor sich her.

Denn die reale, schnelle Lösung für ein Ende der starken Immigration nach Europa, zumindest innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen, ist nicht in Sicht. Das könnte man ehrlich zugeben. Nur Wahlen lassen sich so nicht gewinnen.

cdu hamburg

Foto: Jürgen Nowak, Shutterstock

Bedenklich ist ein anderer Aspekt: Immer mehr junge Leute finden es chic, rechts statt links oder grün zu wählen. Dieser Trend nimmt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Renaissance des Nationalismus.

Denn die Probleme der nächsten Jahre – Abwendung der ökologischen Krise, Gefährdung des Wohlstandes und dauerhafte Inflation – werden nicht kleiner. In der Sprache des Wetters formuliert: Die dunklen Wolken über Europa sind nicht mehr zu übersehen.

Und wo stehen die Muslime?

Einerseits: Der vielbesungene politische Islam ist bisher nicht in der Lage, auch nur einen Sitz im Europaparlament zu erringen. Das Wählerpotential bei den Europawahlen summiert sich bei etwa 0,5%. Versuche, eine überzeugende Liste zu formieren, die der Vielfalt der Community tatsächlich entspricht, sind gescheitert. 

Andererseits: Das Engagement in den etablierten Parteien hat viele Muslime ernüchtert. Eine nennenswerte Willkommenskultur der Parteien, zumindest gegenüber praktizierenden Muslimen, besteht bisher nicht.

Im Ergebnis sind die Muslime kein politischer Faktor, sondern dienen nur als ein wichtiges Projektionsfeld in der politischen Auseinandersetzung. Das ist keine sonderliche angenehme Rolle.

Pandemie Muslime Großbritannien

Foto: Rocketclips, Inc., Shutterstock

In der Öffentlichkeit wird die Realität von Millionen Menschen, die in diesem Land Steuern bezahlen und sich absolut gesetzestreu verhalten, von den Rändern und mit Blick auf die Extreme beurteilt. Welche Schlüsse man aus dieser Lage zieht, bleibt in der inner-muslimischen Diskussion offen. Aber auch die Gesellschaft muss sich fragen lassen, ob die Millionen Muslime in Deutschland eine entsprechende faire Repräsentanz in unseren Institutionen erhalten.

Klar ist: Die einzige Alternative für die Muslime in Europa besteht darin, ihr Engagement für den sozialen Frieden und Gerechtigkeit weiter vorzuleben. Die Flucht in Parallelgesellschaften ist keine Option.

Und der Einsatz für die Idee eines freien Europas, das nicht in die gefährlichen Mechanismen der Vergangenheit zurückfällt, verdient nach wie vor unser ganzes Engagement. Die Hoffnung, wonach eine wachsende Zahl der EuropäerInnen einsehen, dass muslimische und europäische Identität keine Widersprüche sein müssen, besteht weiterhin.

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Ramadan 2024: Das Herz im Fastenmonat

ramadan fastenmonat

Die Gewohnheiten, die wir vor und während des Fastenmonats entwickeln und festigen, sollen noch lange nach dem Ende des gesegneten Monats fortbestehen. (Amaliah.com). Die Gewohnheiten, die wir vor und während […]

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2024: Fünf mögliche Brennpunkte in diesem Jahr

brennpunkte myanmar

Wichtige Brennpunkte 2024: Wird die Welt weitere Unruhen und Konflikte in diesem Jahr sehen? (The Conversation). Leider war 2023 ein Jahr der Gewalt auf der Weltbühne. Im Gazastreifen brach ein […]

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