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Wahrheit in der postfaktischen Welt

einseitig medien

Was können wir für die Wahrheit tun? Authentische Gemeinschaften helfen uns, den Kontakt zur Realität nicht zu verlieren. (Yaqeen Institute). Die Wahrheit hat Jahrhunderte voller Herausforderungen hinter sich, nicht zuletzt […]

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Mit Thomas Mann auf Sizilien

sizilien

IZ-Reiseblog: Ein Besuch in Milazzo (Sizilien) führt unseren Autor von der Thomas Mann-Lektüre zum Nachdenken über die muslimische Community.

„Träumen wir nicht nur vom Süden, sondern auch von idealen Gemeinschaften?“ 

(iz). „Der Zauberberg“ von Thomas Mann spielt in den Schweizer Alpen – fern von den Naturschönheiten Siziliens. Auf den ersten Blick ist das Buch keine passende Reiselektüre für uns.

Diese Einschätzung ändert sich, wenn man an einen der Sinnsprüche aus dem Roman denkt: „Der Mensch ist Herr der Gegensätze, sie sind durch ihn, und also ist er vornehmer als sie.“ Berge und Meer, Sommer und Winter sind Ur-Phänomene.

Kontrapunkte des Lebens auf Sizilien

Sie sind Kontrapunkte, die uns zeitlebens bestimmen und die wir in dem Gedanken der Einheit allen Seins überwinden. Thomas Mann sieht das Leben im Schnee und die Erfahrung am Meeresstrand in mehrfacher Hinsicht verwandt, denn „die Urmonotomie des Naturbildes ist beiden Sphären gemeinsam“.

Wir unternehmen an einem schönen Frühlingstag einen Spaziergang an das Capo Milazzo im Norden Siziliens. Der Weg führt an blühenden Blumen vorbei an einen Aussichtspunkt, von dem man auf den Küstenabschnitt herabblickt.

Die Szenerie erinnert uns an eine Beschreibung in Thomas Manns Roman: „Da lag das Meer – ein Meer, das Südmeer war das, tief-tiefblau, von Silberlichtern blitzend, eine wunderschöne Bucht, dunstig offen an einer Seite, zur Hälfte von immer matter blauen Bergzügen weit umfasst.“

Das Zitat ist aus einem Traum, den Hans Castorp, der Protagonist des Romans, während einer Schneewanderung erlebt. Erstaunlicherweise war er, vor seinem Aufenthalt in dem Sanatorium, bisher nur im Norden Europas unterwegs. „Er hatte auf Ferienreisen vom Süden kaum genippt, kannte die raue blasse See und hing dann mit kindlichen schwerfälligen Gefühlen, hatte aber das Mittelmeer, Neapel, Sizilien oder Griechenland, niemals erreicht“.

Nachdem er auf seiner Wanderung im Schneesturm nur in „das Nichts, das weiße, wirbelnde Nichts“ geblickt hatte, erinnert er sich jetzt träumend an eine südliche Atmosphäre. „Ja, das war eigentümlich ein Wiedererkennen, das er feierte.“ Er hatte das Bild, oder sagen wir die Sehnsucht danach, in seinem Herzen.

Foto: A. Rieger

Herunter ans Wasser

Wir steigen jetzt die Stufen hinab zum Küstenstreifen und sehen in einiger Ferne ein natürliches Bassin, das durch die Wellen des Meeres mit Wasser versorgt wird. Eine Gruppe junger Menschen badet darin. Auf den umliegenden Klippen sonnen sich einige Wanderergruppen.

Wieder kommt uns eine andere Szene aus dem Roman in den Sinn: Castorp erlebt in seiner Traumsequenz eine ähnliche Situation. Er sieht ein sonnendurchflutetes, friedliches mediterranes Tal, in dem Leute in Schönheit, Harmonie und Liebe zusammenleben.

„Menschen, Sonnen- und Meereskinder, regten sich und ruhten überall, verständig-heitere, schöne junge Menschheit, so angenehm zu schauen.“ Er bewundert insbesondere die höfliche Rücksicht der Gruppe, ihre Würde und Strenge, „doch ganz ins Heitere gelöst“ und eine aufgeschlossene Frömmigkeit, die ihr Tun und Lassen bestimmt.

Visionen eines anderen Lebens

Thomas Mann schafft so eine Vision, die, an die, unter dem Eindruck des schrecklichen Weltkrieges entstandenen „Lebensreformmodelle“ der 1920er Jahren, erinnern. Im Zauberberg zeigt er Interesse an alternativen Praktiken, von der Psychoanalyse, über antibürgerliche Heilmethoden bis zum Vegetarismus.

Sein Urteil schwankt diesbezüglich zwischen Verständnis und Ablehnung. Er versteht, dass die Menschen von den Ideologien flüchten wollen, befürchtet aber, dass aus dem verbreiteten Irrationalismus eines Tages politische Gefahren erwachsen können. Fakt ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Versuche in Europa entstehen, alternative Gemeinschaften und Lebenspraxen zu entwickeln.

Thomas Mann

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R15883 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Die Frage des Verhältnisses von Staat, Gesellschaft, Gemeinschaft und dem Einzelnen prägen im „Zauberberg“ auch einige, noch immer lesenswerte Diskussionen zwischen zwei Gelehrten, die als Mentoren Hans Castorps auftreten. Die Gespräche der beiden gegensätzlichen Charakteren sind, wie wir sehen werden. Von beinahe unheimlicher Aktualität.

Hier eine verkürzte Auswahl zentraler Gedanken:

Settimbrini behauptet: „Zwei Prinzipien lägen im ewigen Kampf um die Welt, „die Macht und das Recht, die Tyrannei und die Freiheit, der Aberglaube und das Wissen, das Beharren und der Fortschritt, Asien und Europa.“ Seine Hoffnung für die Zukunft liegen auf der Rationalität, der Demokratie und den Wissenschaften. 

Naphtha dagegen kritisiert den immanenten Kapitalismus des weltlichen Staates, dessen bürgerliche Ideologie eine Transzendenz anstrebt, die langfristig auf einen Weltstaat hinausläuft. „Das Geld wird Kaiser sein, – das ist eine Prophezeiung aus dem 11. Jahrhundert“, erklärt dieser skeptisch.

Unter anderem beruft er sich auf mittelalterliche Zinsverbot, das verhindern soll, dass „die Zeit um Vorteil des einen und Schaden des Anderen mißbraucht wird“. Und er kommt zu einem radikalen Schluss: „Gotteseifer kann nicht pazifistisch sein“. Er glaubt an die Notwendigkeit des Terrors, um die „ungläubige“ Menschheit zu retten. Paradoxerweise sieht Naphtha seine Forderungen nicht in einem christlichen Gottesstaat, sondern in der Ideologie des Kommunismus umgesetzt.

gemeinschaft muslime

Foto: Imago | tagesspiegel

Zur Zukunft muslimischer Gemeinschaften

Während wir uns auf einer Bank hingesetzt haben, sinnen wir über die Zukunft von muslimischen Gemeinschaften nach und ihre künftige Rolle im modernen Staat. 

Die Community muss aus unserer Sicht eindeutig in der Zivilgesellschaft verortet sein. Klar sind wir in der Ablehnung gegenüber rückwärtsgewandten Gotteskriegern, die – Naphthas Gedankengang folgend – ohne Rücksicht auf Verluste von einem „islamischen Staat“ träumen.

Was ist aber die positive Vision, wie sieht ein Gemeinwesen aus, dass sich nicht nur auf eine abstrakte Vereinsmitgliedschaft beschränkt? Uns schwebt eine solidarische Gemeinschaft vor, die eine gemeinsame Sprache spricht und kulturstiftend wirkt, Brücken baut und sich sozial engagiert.

„Sonnenleute“, die mit lebensbejahender Kraft agieren, sich gegenseitig respektieren, ohne der Idee einer religiösen Uniformierung zu folgen und den Tod aus ihrem Leben zu verdrängen. Ist das eine Utopie? Vielleicht. Dann ist es die Aufgabe der Schriftsteller, unsere imaginären Kräfte neu zu stimulieren.

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Kunst in der muslimischen Community

kunst

Wenn Sie schon einmal ein Kunstmuseum mit einer Galerie für islamische Kunst besucht haben, haben Sie wahrscheinlich viele alltägliche Gegenstände hinter Glas gesehen. (Traversing Tradition). In diesen Kunstsammlungen findet man […]

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Auf was baut eine muslimische Gemeinschaft auf?

Gemeinschaft

Kommentar: Muslimische Gemeinschaften müssen sich fragen, auf welchen Fundamenten sie ihre Zukunft bauen wollen. Diese Tür steht allen offen, die hindurchgehen wollen. (iz). Die Mitgliedschaft in der muslimischen Gemeinschaft beruht […]

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Konvertiten und Gemeinschaft – es gibt noch Luft nach oben

konvertit gemeinschaft

Thema Gemeinschaft: Nicht alle Muslime finden die nötige Unterstützung durch die Community. Dazu gehören u.a. auch Konvertiten. (iz). Muslime im Westen – zumeist Einwanderer bzw. ihre direkten Nachfahren – haben […]

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Leben in Gemeinschaft: Etabliert das Gebet

gebet gemeinschaft Religionsgemeinschaft

Zu den gemeinschaftlichen Kernaufgaben der Muslime gehört die Einrichtung des Gebets. Das ist weit mehr als nur seine Verrichtung. (iz). Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Helft einander zur Güte […]

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Muslime und Community: Wer spricht eigentlich für uns?

Muslime

Schwerpunkt Muslime und Gemeinschaft. Bisher kann niemand voll beanspruchen, für die deutschen Muslimen zu sprechen.

(iz). Am 20. März veröffentlicht die CLAIM Allianz eine gute Pressemitteilung zum Umgang mit „antimuslimischen Rassismus“. Darin formulierte das aus 50 muslimischen und nichtmuslimischen Mitgliedern bestehende Netzwerk einen klugen Maßnahmenkatalog. Dieser richtete sich an Politik und Exekutive, um dieses anhaltende Problem lösen zu können.

Dem Katalog wurde folgende Formulierung vorangestellt: „Im Namen von mehr als 5,6 Millionen Muslim*innen und als solche gelesenen Menschen fordert CLAIM (…).“ Das klingt erstmal gut, aktiv und energetisch an die Adressaten gerichtet. Beim erneuten Lesen setzte Kopfschütteln ein.

bischöfe krm

Foto: KRM | X

Keine Instanz – weder Über-Baskan, noch Schaikh Al-Islam

Es gibt derzeit in der Bundesrepublik nirgends eine Instanz – ob Über-Baskan oder Schaikh Al-Islam –, die für die deutschen Muslime sprechen könnte. Wäre es da ein Problem, wenn sich ein NGO das Recht nimmt, „in unserem Namen“ zu agieren? Es bleibt der simple Fakt: Nicht ein Muslim und keine Gemeinschaft haben sie dazu autorisiert. Sie hat schlicht bisher null Mandat, andere zu repräsentieren.

Das schmälert nichts an der jahrelangen, unermüdlichen Arbeit im Kampf gegen Muslimfeindlichkeit und Diskriminierung. Nur: Eine aktivistische verfasste Einrichtung hat keine repräsentativen Fähigkeiten. Das sind unterschiedliche Aufgaben. Damit würde sie ihren Zweck verfehlen.

Um Muslime – gerade die praktizierenden – vertreten zu können, müsste das Netzwerk selbst Religionsgemeinschaft werden. Denn die Verortung in Allahs Din und der religiöse Kernbestand sind – jenseits aller gesellschaftlich richtigen Vorstellungen – weiterhin das Kernelement islamischer Existenz.

Eine grundsätzliche Frage

Die Frage nach Vertretung und dem Recht, Muslime vertreten zu können, geht hingegen weit über die Begrenztheit dieser konkreten NGO hinaus. Es ist zwar kein originär islamischer Satz, aber „wer herrschen will, muss dienen können“ beschreibt eine Grundvoraussetzung für echte Repräsentanz.

Wer Muslime vertreten will, muss ihnen dienen, ihre Interessen wahrnehmen, und zugleich in der Lage sein, einen Mindestkonsens bei relevanten Fragen formulieren zu können.

Ich will niemandem auf die Füße treten, aber an dem Punkt sind wir in Deutschland noch nicht. Weder sind wir auf Bundesebene ein politisches Subjekt, noch haben wir eine Führung etabliert, die dieses Vorrecht für sich beanspruchen könnte. Ja, es gibt einen halbjährlich wechselnden Sprecher des KRM.

Foto: Drazen Zigic, Shutterstock

Dieses Gremium macht seine Arbeit im Rahmen der vorgegebenen Parameter. Einen Mindestaustausch größerer muslimischer Dachverbände zu koordinieren und nach Möglichkeit geschlossen gegenüber der Politik zu agieren. Das ist in diesen unruhigen Tagen schon Herausforderung genug. Das merkt man insbesondere, wenn man mit den Menschen spricht, die in seinem Rahmen ehrenamtlich aktiv sind.

Obwohl solche Gremien einen höheren Anspruch auf die Repräsentanz von Muslimen erheben können als gesellschaftlich aktive NGOs, sind sie derzeit ebenfalls nicht in der Position, uns im tatsächlichen Sinne vertreten zu können. Dafür fehlt es alleine schon an der Möglichkeit, unseren Vertretern ein Mandat erteilen und wieder entziehen zu können.

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Die Community hat viel Potenzial

Community

Muslimische Community: Interview mit Samy Adamou über Commonsplace, Barmherzigkeit und warum Menschen wichtiger sind als Technik.

(iz). Samy Adamou ist 29 Jahre alt. Er wurde in Aachen geboren, wo er aufwuchs. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern gründete er vor rund drei Jahren die Crowdfundingplattform commonsplace.de.

Im Gespräch befragten wir ihn über das Projekt und seinen Ansatz. Es konzentriert sich auf die muslimische Community in Deutschland und möchte durch deren Stärken die eigene Selbstorganisation fördern.

Islamische Zeitung: Lieber Samy Adamou, es gibt mittlerweile mehrere Plattformen für Crowdfunding im Netz. Was zeichnet Ihre aus und warum ist sie wichtig für die muslimische Community in Deutschland?

Samy Adamou: Wir konzentrieren uns auf die muslimische Community in Deutschland und möchten mithilfe der gemeinschaftlichen Kraft die muslimische Selbstorganisation und Vernetzung fördern. Wir verbinden großzügige Unterstützer aus der Community mit Projektinitiatoren und kreativen Geistern – und damit auch mit der Sadaqa.

Bisher konnten wir rund 400 Projekte fördern. Diese stammen aus verschiedensten Bereichen wie Moscheeprojekten, sozialen Initiativen, Entrepreneurship und Bildung. Besonders freuen wir uns über innovative Ideen, die die Community stärken – davon gibt es noch zu wenige. Ein Beispiel dafür ist ein Bruder, der Notfallarmbänder an Senioren verteilen möchte. Mit einem QR-Code könnten dadurch direkt die Notfallkontakte des Betroffenen aufgerufen werden. Genau für solche Projekte steht commonsplace.

Wir zeigen, wie aktiv und vielfältig die muslimische Community in Deutschland ist.

Das Potenzial der Community ist weitestgehend unerforscht

Islamische Zeitung: Es gibt sehr wenige belastbare Statistiken in Bezug auf die Muslime in Deutschland. Habt ihr irgendeine Vorstellung davon, wie groß ihr finanzielles Potenzial ist?

Samy Adamou: Interessante Frage. Wir vergleichen uns oft mit Amerika oder England, wo es wohlhabende Communities gibt, die viel erreichen.

Die deutsch-muslimische Migrationsgeschichte verlief jedoch anders. Anders als in Amerika oder England, wo viele Akademiker eingewandert sind, kamen nach Deutschland vor allem Gastarbeiter und Flüchtlinge. Das bedeutet, dass ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

Dennoch sehen wir großes Potenzial. Mit rund 400 Projekten und bis zu 70.000 Unterstützern haben wir längst nicht die gesamte Community in Deutschland erreicht. Gleichzeitig sehen wir, wie viele Projekte außerhalb unserer Plattform stattfinden – zum Beispiel über PayPal oder die Seiten von Hilfsorganisationen.

Trotzdem können wir mit Stolz sagen, dass wir in den letzten dreieinhalb Jahren, seit wir online sind, etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro gesammelt haben. Diese finanzielle Stärke sollte nicht unterschätzt werden.

Das zeigt, dass die muslimische Community in Deutschland bereit ist, mehr zu schaffen – wenn wir die richtigen Strukturen und Netzwerke aufbauen. Die nächste Phase könnte darin bestehen, diese Kraft gezielt für nachhaltige, innovative Projekte zu nutzen, um die Selbstorganisation und die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Community weiter zu stärken.

Foto: Muslimfoodbank.com

Funktionieren die „Likes“ der Netzwerke im realen Leben?

Islamische Zeitung: Seit Ende der 2000er Jahre gab es in der weiteren muslimischen Gemeinschaft eine Hinwendung zum Denken in Netzwerken – die Zahnräder wären ein Stichwort. Netzwerke sind ihrem Wesen nach horizontal. Relevanz bzw. Priorität eines Themas ergibt sich dort durch die Anzahl der Vernetzungen und der „Likes“. Geht dieser Ansatz – insoweit Projekt aus dem Kontext „Islam“ betroffen sind – nicht gegen die vertikale Struktur der islamischen Themen, in der bei der Relevanz zwischen wichtig und weniger wichtig unterschieden wird bzw. werden kann?

Samy Adamou: Wir möchten mit unserer Plattform einen Netzwerkeffekt erzielen, sehen aber, dass die muslimische Community die islamische Ordnung bei der Priorisierung von Themen selbst berücksichtigt. Die Sadaqa, die das Herzstück unserer Plattform ist, entfaltet sich bei jedem Projekt – wir wissen, dass selbst ein Lächeln eine Sadaqa ist. Deshalb sehen die Menschen in jedem Projekt ein Potenzial für Sadaqa.

Unser Ziel ist es, auch kleinere Communities auf die Plattform zu holen, damit sie vom größeren Netzwerk profitieren können. Wir bemühen uns, dass die kleineren und schwächeren Projekte durch die Unterstützung der größeren und stärkeren gestärkt werden. So entsteht ein echter Community-Effekt.

Islamische Zeitung: Um noch einmal nachzuhaken – es gibt Fragen für die Muslime in Deutschland, die sind wichtiger als andere. Die Praxis der Zakat hat eine größere Relevanz als ein flächendeckendes Angebot osmanischer Buchkunst. Bei einem Netzwerk ist problematisch, dass hier „Likes“ entscheiden und nicht die Priorität eines Themas.

Samy Adamou: Tatsächlich werden humanitäre Projekte in der muslimischen Community oft höher bewertet als beispielsweise Kunst- und Kulturprojekte. Wir versuchen, dieses Ungleichgewicht zu verändern – unter anderem durch unser „Muslim Lab“ und durch gezielte Aufklärung, zum Beispiel in Form von Videos. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch Kunst und Kultur einen wichtigen Beitrag zur muslimischen Identität und Gemeinschaft leisten.

Gleichzeitig stehen wir in engem Austausch mit unseren Projektinitiatoren und versuchen gezielt herauszufinden, welche Unterstützung sie tatsächlich benötigen. Wir sehen jedoch, dass es den Communities bei uns auf der Plattform bisher oft an strategischem Denken fehlt. Häufig geht es um konkrete Bedürfnisse wie den Ausbau einer Moschee oder die Finanzierung eines Projekts – eine langfristige, nachhaltige Strategie bleibt jedoch oft aus – Kunst und Kulturprojekte müssen nachhaltiger sein.

Genau deshalb haben wir im letzten Jahr das „Muslim Lab“ ins Leben gerufen. Dort bringen wir Muslime auch außerhalb unserer technischen Plattform zusammen, um kollektive Intelligenz zu nutzen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Ein Beispiel dafür war unser Fokus auf die „Moschee der Zukunft“: Welche Herausforderungen gibt es und wie können wir sie zukunftsfähig gestalten? Damit wollten wir bewusst über die digitale Welt hinausgehen und Raum für strategisches Denken schaffen.

24 Stunden Berlin Kotto Kreuzberg

Foto: imago | Uwe Steinert

Muslime können eine Rolle in ihren Nachbarschaften spielen

Islamische Zeitung: Wir tendieren als Community u.a. dazu, uns in Metafragen und -diskursen zu verlieren und viel zu wenig an das konkrete Leben zu denken. Seht ihr die Möglichkeit, dass sich die Erfahrung von commonsplace.de und ähnlicher Plattformen auch auf die Organisationen von realen Nachbarschaften übertragen ließe?

Samy Adamou: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. In unserem Muslim Lab und auf unserer Plattform versuchen wir gezielt, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir von unserem „Elfenbeinturm“ herunterkommen und konkret handeln müssen. Abstrakte Diskussionen über große Visionen sind wichtig – aber ohne Umsetzung bleiben sie wirkungslos. Wenn wir das Leben von Muslimen sozial, humanitär und auch in Bezug auf Innovationen wirklich verändern wollen, müssen wir diese abstrakten Ideen in die Praxis bringen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Vision „Wir wollen eine schöne, vielfältige Moschee“ – das bleibt zu abstrakt. Wir müssen das herunterbrechen auf konkrete Schritte: Wer macht was, wann und wie? Genau hier setzen wir mit unserer Plattform an – durch gezielte Vernetzung und die Nutzung kollektiver Intelligenz.

Wir haben dafür spezielle Themenseiten eingerichtet. Dort sieht man einen Querschnitt der laufenden Projekte – von Moscheen bis hin zu Bildungsinitiativen. Unser Ziel ist es, dass Unterstützer nicht nur in ihrer eigenen Heimatmoschee spenden, sondern auch sehen, welche Herausforderungen andere Moscheen und Projekte haben. So entsteht ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der gesamten Community.

Ein wichtiger Bereich sind dabei auch finanzielle Herausforderungen. Wir wissen, dass viele Muslime mit Schulden kämpfen und wie sehr das Menschen belasten kann. Mit unserer Plattform möchten wir Barmherzigkeit innerhalb der Community fördern – damit Menschen nicht nur in die eigene Umgebung investieren, sondern auch auf die Bedürfnisse anderer Muslime und Institutionen achten.

Islamische Zeitung: Beim Austausch von Geld geht es – mit der richtigen Absicht – ja auch um Support und Solidarität. Wie wichtig ist im Rahmen der gegenseitigen Unterstützung auch die Vermittlung von Wissen wie Mentoring?

Samy Adamou: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir planen – so Allah will – eine kleine Online-Akademie aufzubauen, um genau dieses Wissen gezielt weiterzugeben. Aktuell haben wir bereits ein Handbuch für Projektinitiatoren, das ihnen hilft, die Grundlagen zu verstehen.

Darüber hinaus bieten wir ein solides Support-System an: Die Leute können uns direkt kontaktieren und Termine vereinbaren – wir sind für jeden da, der Unterstützung sucht.

Unser Team verfügt über ein breites Spektrum an praktischem und theoretischem Wissen, das wir gerne weitergeben. Dabei geht es nicht nur um organisatorische und strategische Fragen – auch die spirituelle Dimension spielt eine wichtige Rolle.

Oft geht es nicht nur darum, wie ein Projekt konkret umgesetzt wird, sondern auch um die innere Haltung: die Absicht  Baraka  und die Verbindung zu Allah. Die praktischen Skills sind oft erst der zweite Schritt. Mit unserer Plattform möchten wir genau diese Verbindung zwischen Wissen, Strategie und Spiritualität stärken – damit die Projekte nicht nur erfolgreich, sondern auch gesegnet sind.

Islamische Zeitung: Wir haben in Deutschland mittlerweile Stadtviertel, in denen es den Leuten wirklich schlechter geht im Vergleich zu früher. Könnt ihr euch vorstellen, dass man dieses netzbasierte Konzept von commonsplace.de im realen Raum bspw. als eine Art Kiezprojekt adaptieren könnte?

Samy Adamou: Selbstorganisation ist ein sehr weitreichender Begriff. Uns ist die Erkenntnis wichtig, dass unsere Technik nur ein Mittel zum Zweck ist – wer glaubt, dass Technik allein die Lösung der Menschen sei, hat die Menschen nicht wirklich verstanden. Unsere Plattform kann nur ein Werkzeug sein, um etwas Größeres zu ermöglichen.

Ich bin überzeugt, dass wir nicht alles institutionalisieren müssen, sondern zunächst vertikal beginnen sollten – also bei Allah. Die Transformation muss auf der Ebene des Herzens beginnen: mit Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Respekt vor den Rechten anderer. Bildung bleibt dabei ein zentrales Thema in der muslimischen Gemeinschaft – etwas, das wir weiter kultivieren und stärken müssen.

Wenn diese Grundlage geschaffen ist, entwickelt sich lokales Helfen oft von selbst und erhält eine natürliche Eigendynamik. Aber uns ist schon wichtig, dass wir auch ein Werkzeug hier sein können und hoffen, dass wir hier mit unserer Plattform ansetzen können: Wir wollen die Selbstorganisation  der Community auch in lokale Projekte und Events übertragen. Durch die Verbindung aus digitaler Vernetzung und gelebter Solidarität vor Ort kann eine starke, nachhaltige Dynamik entstehen – getragen von der Liebe und der Kraft der muslimischen Community.

Essays

Foto: Glen C. Peters, Unsplash

Was Commonsplace.de zukünftig plant

Islamische Zeitung: Was sind eure Pläne für dieses Jahr?

Samy Adamou: Dieses Jahr haben wir einiges vor. Wir arbeiten daran, unsere Technik und Plattform weiter zu verbessern. In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir viel Feedback aus der Community gesammelt und besser verstanden, wie sie agiert. Gleichzeitig möchten wir unsere Ästhetik weiterentwickeln – es gibt diesen schönen Satz: „Alles, was schön ist, ist wahr.“ Diesen Gedanken wollen wir in unserer Plattform und unserem Auftreten stärker kultivieren.

Wir möchten unser Muslim Lab, das wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben, dieses Jahr auf die nächste Stufe heben – eventuell mit neuen Partnern und weiteren Akteuren aus der Community. Ein weiteres Ziel ist es, unser Team langsam auszubauen und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, damit wir nachhaltiger und effektiver arbeiten können.

Und schließlich möchten wir die Möglichkeiten der Selbstorganisation auf unserer Plattform verbessern. Zum Beispiel bieten wir die Möglichkeit, Tickets für Events zu verkaufen. Dadurch sollen Muslime in Deutschland einfacher auf Veranstaltungen aufmerksam werden. Diese technische Funktion möchten wir weiter ausbauen und optimieren, damit die Community noch besser vernetzt wird.

Islamische Zeitung: Lieber Samy Adamou, wir bedanken uns für das Interview.

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Welche gemeinsamen Pflichten haben wir Muslime?

Gehen gemeinsam

Thema Gemeinschaft: Muslime unterliegen gemeinsamen Obligationen, die sie kollektiv erfüllen müssen. (iz). Gemeinschaften haben nicht nur die Pflicht, Handlungen der Anbetung wie dem Gebet zu etablieren, sondern müssen auch eine […]

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Community im Ramadan: Barak durch Sadaqa

gemeinschaft muslime handlung sadaqa

Zum Ramadan 2025: Von der Kraft der muslimischen Community und ihrer Selbstorganisation am Beispiel der Plattform commonsplace.de. (iz). Die Webseite commonsplace.de ist eine muslimische Community-Plattform, die es Muslimen ermöglicht, sich […]

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