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Leben in Gemeinschaft: Etabliert das Gebet

gebet gemeinschaft Religionsgemeinschaft

Zu den gemeinschaftlichen Kernaufgaben der Muslime gehört die Einrichtung des Gebets. Das ist weit mehr als nur seine Verrichtung. (iz). Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Helft einander zur Güte […]

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Muslime und Community: Wer spricht eigentlich für uns?

Muslime

Schwerpunkt Muslime und Gemeinschaft. Bisher kann niemand voll beanspruchen, für die deutschen Muslimen zu sprechen.

(iz). Am 20. März veröffentlicht die CLAIM Allianz eine gute Pressemitteilung zum Umgang mit „antimuslimischen Rassismus“. Darin formulierte das aus 50 muslimischen und nichtmuslimischen Mitgliedern bestehende Netzwerk einen klugen Maßnahmenkatalog. Dieser richtete sich an Politik und Exekutive, um dieses anhaltende Problem lösen zu können.

Dem Katalog wurde folgende Formulierung vorangestellt: „Im Namen von mehr als 5,6 Millionen Muslim*innen und als solche gelesenen Menschen fordert CLAIM (…).“ Das klingt erstmal gut, aktiv und energetisch an die Adressaten gerichtet. Beim erneuten Lesen setzte Kopfschütteln ein.

bischöfe krm

Foto: KRM | X

Keine Instanz – weder Über-Baskan, noch Schaikh Al-Islam

Es gibt derzeit in der Bundesrepublik nirgends eine Instanz – ob Über-Baskan oder Schaikh Al-Islam –, die für die deutschen Muslime sprechen könnte. Wäre es da ein Problem, wenn sich ein NGO das Recht nimmt, „in unserem Namen“ zu agieren? Es bleibt der simple Fakt: Nicht ein Muslim und keine Gemeinschaft haben sie dazu autorisiert. Sie hat schlicht bisher null Mandat, andere zu repräsentieren.

Das schmälert nichts an der jahrelangen, unermüdlichen Arbeit im Kampf gegen Muslimfeindlichkeit und Diskriminierung. Nur: Eine aktivistische verfasste Einrichtung hat keine repräsentativen Fähigkeiten. Das sind unterschiedliche Aufgaben. Damit würde sie ihren Zweck verfehlen.

Um Muslime – gerade die praktizierenden – vertreten zu können, müsste das Netzwerk selbst Religionsgemeinschaft werden. Denn die Verortung in Allahs Din und der religiöse Kernbestand sind – jenseits aller gesellschaftlich richtigen Vorstellungen – weiterhin das Kernelement islamischer Existenz.

Eine grundsätzliche Frage

Die Frage nach Vertretung und dem Recht, Muslime vertreten zu können, geht hingegen weit über die Begrenztheit dieser konkreten NGO hinaus. Es ist zwar kein originär islamischer Satz, aber „wer herrschen will, muss dienen können“ beschreibt eine Grundvoraussetzung für echte Repräsentanz.

Wer Muslime vertreten will, muss ihnen dienen, ihre Interessen wahrnehmen, und zugleich in der Lage sein, einen Mindestkonsens bei relevanten Fragen formulieren zu können.

Ich will niemandem auf die Füße treten, aber an dem Punkt sind wir in Deutschland noch nicht. Weder sind wir auf Bundesebene ein politisches Subjekt, noch haben wir eine Führung etabliert, die dieses Vorrecht für sich beanspruchen könnte. Ja, es gibt einen halbjährlich wechselnden Sprecher des KRM.

Foto: Drazen Zigic, Shutterstock

Dieses Gremium macht seine Arbeit im Rahmen der vorgegebenen Parameter. Einen Mindestaustausch größerer muslimischer Dachverbände zu koordinieren und nach Möglichkeit geschlossen gegenüber der Politik zu agieren. Das ist in diesen unruhigen Tagen schon Herausforderung genug. Das merkt man insbesondere, wenn man mit den Menschen spricht, die in seinem Rahmen ehrenamtlich aktiv sind.

Obwohl solche Gremien einen höheren Anspruch auf die Repräsentanz von Muslimen erheben können als gesellschaftlich aktive NGOs, sind sie derzeit ebenfalls nicht in der Position, uns im tatsächlichen Sinne vertreten zu können. Dafür fehlt es alleine schon an der Möglichkeit, unseren Vertretern ein Mandat erteilen und wieder entziehen zu können.

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Die Community hat viel Potenzial

Community

Muslimische Community: Interview mit Samy Adamou über Commonsplace, Barmherzigkeit und warum Menschen wichtiger sind als Technik.

(iz). Samy Adamou ist 29 Jahre alt. Er wurde in Aachen geboren, wo er aufwuchs. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern gründete er vor rund drei Jahren die Crowdfundingplattform commonsplace.de.

Im Gespräch befragten wir ihn über das Projekt und seinen Ansatz. Es konzentriert sich auf die muslimische Community in Deutschland und möchte durch deren Stärken die eigene Selbstorganisation fördern.

Islamische Zeitung: Lieber Samy Adamou, es gibt mittlerweile mehrere Plattformen für Crowdfunding im Netz. Was zeichnet Ihre aus und warum ist sie wichtig für die muslimische Community in Deutschland?

Samy Adamou: Wir konzentrieren uns auf die muslimische Community in Deutschland und möchten mithilfe der gemeinschaftlichen Kraft die muslimische Selbstorganisation und Vernetzung fördern. Wir verbinden großzügige Unterstützer aus der Community mit Projektinitiatoren und kreativen Geistern – und damit auch mit der Sadaqa.

Bisher konnten wir rund 400 Projekte fördern. Diese stammen aus verschiedensten Bereichen wie Moscheeprojekten, sozialen Initiativen, Entrepreneurship und Bildung. Besonders freuen wir uns über innovative Ideen, die die Community stärken – davon gibt es noch zu wenige. Ein Beispiel dafür ist ein Bruder, der Notfallarmbänder an Senioren verteilen möchte. Mit einem QR-Code könnten dadurch direkt die Notfallkontakte des Betroffenen aufgerufen werden. Genau für solche Projekte steht commonsplace.

Wir zeigen, wie aktiv und vielfältig die muslimische Community in Deutschland ist.

Das Potenzial der Community ist weitestgehend unerforscht

Islamische Zeitung: Es gibt sehr wenige belastbare Statistiken in Bezug auf die Muslime in Deutschland. Habt ihr irgendeine Vorstellung davon, wie groß ihr finanzielles Potenzial ist?

Samy Adamou: Interessante Frage. Wir vergleichen uns oft mit Amerika oder England, wo es wohlhabende Communities gibt, die viel erreichen.

Die deutsch-muslimische Migrationsgeschichte verlief jedoch anders. Anders als in Amerika oder England, wo viele Akademiker eingewandert sind, kamen nach Deutschland vor allem Gastarbeiter und Flüchtlinge. Das bedeutet, dass ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

Dennoch sehen wir großes Potenzial. Mit rund 400 Projekten und bis zu 70.000 Unterstützern haben wir längst nicht die gesamte Community in Deutschland erreicht. Gleichzeitig sehen wir, wie viele Projekte außerhalb unserer Plattform stattfinden – zum Beispiel über PayPal oder die Seiten von Hilfsorganisationen.

Trotzdem können wir mit Stolz sagen, dass wir in den letzten dreieinhalb Jahren, seit wir online sind, etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro gesammelt haben. Diese finanzielle Stärke sollte nicht unterschätzt werden.

Das zeigt, dass die muslimische Community in Deutschland bereit ist, mehr zu schaffen – wenn wir die richtigen Strukturen und Netzwerke aufbauen. Die nächste Phase könnte darin bestehen, diese Kraft gezielt für nachhaltige, innovative Projekte zu nutzen, um die Selbstorganisation und die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Community weiter zu stärken.

Foto: Muslimfoodbank.com

Funktionieren die „Likes“ der Netzwerke im realen Leben?

Islamische Zeitung: Seit Ende der 2000er Jahre gab es in der weiteren muslimischen Gemeinschaft eine Hinwendung zum Denken in Netzwerken – die Zahnräder wären ein Stichwort. Netzwerke sind ihrem Wesen nach horizontal. Relevanz bzw. Priorität eines Themas ergibt sich dort durch die Anzahl der Vernetzungen und der „Likes“. Geht dieser Ansatz – insoweit Projekt aus dem Kontext „Islam“ betroffen sind – nicht gegen die vertikale Struktur der islamischen Themen, in der bei der Relevanz zwischen wichtig und weniger wichtig unterschieden wird bzw. werden kann?

Samy Adamou: Wir möchten mit unserer Plattform einen Netzwerkeffekt erzielen, sehen aber, dass die muslimische Community die islamische Ordnung bei der Priorisierung von Themen selbst berücksichtigt. Die Sadaqa, die das Herzstück unserer Plattform ist, entfaltet sich bei jedem Projekt – wir wissen, dass selbst ein Lächeln eine Sadaqa ist. Deshalb sehen die Menschen in jedem Projekt ein Potenzial für Sadaqa.

Unser Ziel ist es, auch kleinere Communities auf die Plattform zu holen, damit sie vom größeren Netzwerk profitieren können. Wir bemühen uns, dass die kleineren und schwächeren Projekte durch die Unterstützung der größeren und stärkeren gestärkt werden. So entsteht ein echter Community-Effekt.

Islamische Zeitung: Um noch einmal nachzuhaken – es gibt Fragen für die Muslime in Deutschland, die sind wichtiger als andere. Die Praxis der Zakat hat eine größere Relevanz als ein flächendeckendes Angebot osmanischer Buchkunst. Bei einem Netzwerk ist problematisch, dass hier „Likes“ entscheiden und nicht die Priorität eines Themas.

Samy Adamou: Tatsächlich werden humanitäre Projekte in der muslimischen Community oft höher bewertet als beispielsweise Kunst- und Kulturprojekte. Wir versuchen, dieses Ungleichgewicht zu verändern – unter anderem durch unser „Muslim Lab“ und durch gezielte Aufklärung, zum Beispiel in Form von Videos. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch Kunst und Kultur einen wichtigen Beitrag zur muslimischen Identität und Gemeinschaft leisten.

Gleichzeitig stehen wir in engem Austausch mit unseren Projektinitiatoren und versuchen gezielt herauszufinden, welche Unterstützung sie tatsächlich benötigen. Wir sehen jedoch, dass es den Communities bei uns auf der Plattform bisher oft an strategischem Denken fehlt. Häufig geht es um konkrete Bedürfnisse wie den Ausbau einer Moschee oder die Finanzierung eines Projekts – eine langfristige, nachhaltige Strategie bleibt jedoch oft aus – Kunst und Kulturprojekte müssen nachhaltiger sein.

Genau deshalb haben wir im letzten Jahr das „Muslim Lab“ ins Leben gerufen. Dort bringen wir Muslime auch außerhalb unserer technischen Plattform zusammen, um kollektive Intelligenz zu nutzen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Ein Beispiel dafür war unser Fokus auf die „Moschee der Zukunft“: Welche Herausforderungen gibt es und wie können wir sie zukunftsfähig gestalten? Damit wollten wir bewusst über die digitale Welt hinausgehen und Raum für strategisches Denken schaffen.

24 Stunden Berlin Kotto Kreuzberg

Foto: imago | Uwe Steinert

Muslime können eine Rolle in ihren Nachbarschaften spielen

Islamische Zeitung: Wir tendieren als Community u.a. dazu, uns in Metafragen und -diskursen zu verlieren und viel zu wenig an das konkrete Leben zu denken. Seht ihr die Möglichkeit, dass sich die Erfahrung von commonsplace.de und ähnlicher Plattformen auch auf die Organisationen von realen Nachbarschaften übertragen ließe?

Samy Adamou: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. In unserem Muslim Lab und auf unserer Plattform versuchen wir gezielt, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir von unserem „Elfenbeinturm“ herunterkommen und konkret handeln müssen. Abstrakte Diskussionen über große Visionen sind wichtig – aber ohne Umsetzung bleiben sie wirkungslos. Wenn wir das Leben von Muslimen sozial, humanitär und auch in Bezug auf Innovationen wirklich verändern wollen, müssen wir diese abstrakten Ideen in die Praxis bringen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Vision „Wir wollen eine schöne, vielfältige Moschee“ – das bleibt zu abstrakt. Wir müssen das herunterbrechen auf konkrete Schritte: Wer macht was, wann und wie? Genau hier setzen wir mit unserer Plattform an – durch gezielte Vernetzung und die Nutzung kollektiver Intelligenz.

Wir haben dafür spezielle Themenseiten eingerichtet. Dort sieht man einen Querschnitt der laufenden Projekte – von Moscheen bis hin zu Bildungsinitiativen. Unser Ziel ist es, dass Unterstützer nicht nur in ihrer eigenen Heimatmoschee spenden, sondern auch sehen, welche Herausforderungen andere Moscheen und Projekte haben. So entsteht ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der gesamten Community.

Ein wichtiger Bereich sind dabei auch finanzielle Herausforderungen. Wir wissen, dass viele Muslime mit Schulden kämpfen und wie sehr das Menschen belasten kann. Mit unserer Plattform möchten wir Barmherzigkeit innerhalb der Community fördern – damit Menschen nicht nur in die eigene Umgebung investieren, sondern auch auf die Bedürfnisse anderer Muslime und Institutionen achten.

Islamische Zeitung: Beim Austausch von Geld geht es – mit der richtigen Absicht – ja auch um Support und Solidarität. Wie wichtig ist im Rahmen der gegenseitigen Unterstützung auch die Vermittlung von Wissen wie Mentoring?

Samy Adamou: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir planen – so Allah will – eine kleine Online-Akademie aufzubauen, um genau dieses Wissen gezielt weiterzugeben. Aktuell haben wir bereits ein Handbuch für Projektinitiatoren, das ihnen hilft, die Grundlagen zu verstehen.

Darüber hinaus bieten wir ein solides Support-System an: Die Leute können uns direkt kontaktieren und Termine vereinbaren – wir sind für jeden da, der Unterstützung sucht.

Unser Team verfügt über ein breites Spektrum an praktischem und theoretischem Wissen, das wir gerne weitergeben. Dabei geht es nicht nur um organisatorische und strategische Fragen – auch die spirituelle Dimension spielt eine wichtige Rolle.

Oft geht es nicht nur darum, wie ein Projekt konkret umgesetzt wird, sondern auch um die innere Haltung: die Absicht  Baraka  und die Verbindung zu Allah. Die praktischen Skills sind oft erst der zweite Schritt. Mit unserer Plattform möchten wir genau diese Verbindung zwischen Wissen, Strategie und Spiritualität stärken – damit die Projekte nicht nur erfolgreich, sondern auch gesegnet sind.

Islamische Zeitung: Wir haben in Deutschland mittlerweile Stadtviertel, in denen es den Leuten wirklich schlechter geht im Vergleich zu früher. Könnt ihr euch vorstellen, dass man dieses netzbasierte Konzept von commonsplace.de im realen Raum bspw. als eine Art Kiezprojekt adaptieren könnte?

Samy Adamou: Selbstorganisation ist ein sehr weitreichender Begriff. Uns ist die Erkenntnis wichtig, dass unsere Technik nur ein Mittel zum Zweck ist – wer glaubt, dass Technik allein die Lösung der Menschen sei, hat die Menschen nicht wirklich verstanden. Unsere Plattform kann nur ein Werkzeug sein, um etwas Größeres zu ermöglichen.

Ich bin überzeugt, dass wir nicht alles institutionalisieren müssen, sondern zunächst vertikal beginnen sollten – also bei Allah. Die Transformation muss auf der Ebene des Herzens beginnen: mit Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Respekt vor den Rechten anderer. Bildung bleibt dabei ein zentrales Thema in der muslimischen Gemeinschaft – etwas, das wir weiter kultivieren und stärken müssen.

Wenn diese Grundlage geschaffen ist, entwickelt sich lokales Helfen oft von selbst und erhält eine natürliche Eigendynamik. Aber uns ist schon wichtig, dass wir auch ein Werkzeug hier sein können und hoffen, dass wir hier mit unserer Plattform ansetzen können: Wir wollen die Selbstorganisation  der Community auch in lokale Projekte und Events übertragen. Durch die Verbindung aus digitaler Vernetzung und gelebter Solidarität vor Ort kann eine starke, nachhaltige Dynamik entstehen – getragen von der Liebe und der Kraft der muslimischen Community.

Essays

Foto: Glen C. Peters, Unsplash

Was Commonsplace.de zukünftig plant

Islamische Zeitung: Was sind eure Pläne für dieses Jahr?

Samy Adamou: Dieses Jahr haben wir einiges vor. Wir arbeiten daran, unsere Technik und Plattform weiter zu verbessern. In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir viel Feedback aus der Community gesammelt und besser verstanden, wie sie agiert. Gleichzeitig möchten wir unsere Ästhetik weiterentwickeln – es gibt diesen schönen Satz: „Alles, was schön ist, ist wahr.“ Diesen Gedanken wollen wir in unserer Plattform und unserem Auftreten stärker kultivieren.

Wir möchten unser Muslim Lab, das wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben, dieses Jahr auf die nächste Stufe heben – eventuell mit neuen Partnern und weiteren Akteuren aus der Community. Ein weiteres Ziel ist es, unser Team langsam auszubauen und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, damit wir nachhaltiger und effektiver arbeiten können.

Und schließlich möchten wir die Möglichkeiten der Selbstorganisation auf unserer Plattform verbessern. Zum Beispiel bieten wir die Möglichkeit, Tickets für Events zu verkaufen. Dadurch sollen Muslime in Deutschland einfacher auf Veranstaltungen aufmerksam werden. Diese technische Funktion möchten wir weiter ausbauen und optimieren, damit die Community noch besser vernetzt wird.

Islamische Zeitung: Lieber Samy Adamou, wir bedanken uns für das Interview.

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Welche gemeinsamen Pflichten haben wir Muslime?

Gehen gemeinsam

Thema Gemeinschaft: Muslime unterliegen gemeinsamen Obligationen, die sie kollektiv erfüllen müssen. (iz). Gemeinschaften haben nicht nur die Pflicht, Handlungen der Anbetung wie dem Gebet zu etablieren, sondern müssen auch eine […]

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Community im Ramadan: Barak durch Sadaqa

gemeinschaft muslime handlung sadaqa

Zum Ramadan 2025: Von der Kraft der muslimischen Community und ihrer Selbstorganisation am Beispiel der Plattform commonsplace.de. (iz). Die Webseite commonsplace.de ist eine muslimische Community-Plattform, die es Muslimen ermöglicht, sich […]

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Ramadan: Fasten als soziale Erfahrung

ramadan fasten

Für ein angenommenes Fasten brauchen wir Gemeinschaft. In ihr entfaltet sich der volle Segen dieses Monats. (iz). Jedes Jahr etwas Neues über den Fastenmonat Ramadan zu schreiben, ist nicht trivial […]

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Wer Menschen zusammenbringt, gewinnt

menschen zusammen

Trotz unzähliger sozialer Netze sind mehr Menschen einsamer denn je. Wichtig sind jene, die sie zusammenbringen.

(iz). Die Tradition der Salons ist eine faszinierende Facette der europäischen Kulturgeschichte, die sich über Jahrhunderte erstreckt. Ursprünglich als private Zusammenkünfte in den Wohnräumen wohlhabender Frauen konzipiert, entwickelten sich diese zu bedeutenden Zentren des gesellschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Lebens.

Salons waren mehr als nur gesellige Treffen. Sie waren Orte, an denen Ideen ausgetauscht und Netzwerke geknüpft wurden. Hier entstand ein halböffentlicher Raum, in dem sich Kultur ereignen und man politisch diskutieren konnte. In den letzten zehn Jahren erlebte der Salon in Städten wie Berlin eine gewisse Renaissance.

europa gewissen aufklärung

Bild: Th. von Oer, gemeinfrei

Menschen insbesondere der arabischen Halbinsel kennen die Institution des Majlis oder Diwans. In ihnen unterhalten – meistens nach Geschlecht getrennt – die Gastgeber und Gastgeberinnen regelmäßig stattfindende Zirkel, in denen sich Leute unterschiedlicher Kategorien begegnen können. Es gibt solche für Mitglieder der Familie, für Anwohner der Nachbarschaft und jenen, in die Freunde und Bekannte kommen.

Manch bedeutendere Person am Golf nutzt diese Institution, um halboffizielle Besucher zu empfangen oder ausländische Gäste. Je nach Land herrschen ungeschriebene Gesetze der Höflichkeit, der Verweildauer etc. Und in einigen Gegenden stehen gesonderte Angebote im Ramadan offen, zu denen viele kommen, um gemeinsam ihr Fasten zu brechen.

In Kuwait bspw. werden bei der Suche nach einem neuen Amir gerne eine Handvoll Namen lanciert, um „die Temperatur“ der Leute vorzufühlen. Sollte diese Institution kein immaterielles Kulturgut der UNICEF sein, wäre es an der Zeit.

zeit

Foto: A. Seise

Ich hatte kürzlich mit einer umtriebigen und gebildeten Dame aus Berlin gesprochen, die sich bemüht hat, einen Kultursalon aufzubauen. Und ihr Fazit fiel ernüchternd aus: Es ist oft mühsam und zumeist einseitig, wenn man Leute zusammenbringen will.

Diese Erfahrung begegnet Aktiven in verschiedenen Bezügen schon länger: Menschen zusammenzuführen ohne eine Gewinnabsicht oder einen utilitaristischen Nutzen für die beabsichtigten Gäste, kann anstrengend und gelegentlich undankbar sein. Es bleibt eine wichtige Aufgabe.

Wir leben zwar in einer Welt unzähliger, angeblich sozialer Netzwerke, sie führen aber nur im Ausnahmefall zu einer echten, direkten Begegnung. Wer heute Menschen zusammenführt, weiß zwar um die Mühen der Ebene. Er – oder noch häufiger sie – erfahren aber auch, dass ein bisschen Social Engineering und selbst die richtige „Sitzordnung“ unerwartete Ergebnisse bringen können.

Ironischerweise hat der „organisierte Islam“ auf Deutschlandebene bisher diesen bedeutenden Aspekt des Zusammenbringens von Muslimen eher stiefmütterlich behandelt. Mitgliedsorganisationen, die dem Diktum von Mitgliederzahlen und Anzahl von Moscheen anhängen, entgeht dieses wichtige Moment leider bisher.

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Islamische Lebenspraxis: Vom Umgang mit Selbstmordgedanken

selbstmordgedanken

Bei der Entstehung von Selbstmordgedanken spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Meistens ist es das Zusammenspiel von psychologischen und sozialen Faktoren.

(iz). Die häufigste Ursache für Suizidgedanken ist z.B. eine schwere Depression. Betroffene berichten von Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit oder Erschöpfung. Das alles erhöht das Risiko.

Aber auch Angststörungen und bestimmte Persönlichkeitsstörungen, wie z.B. Schizophrenie, Paranoia oder Borderline, sind ebenfalls Katalysatoren. Und letztendlich auch traumatische Erlebnisse, wie z.B. sexuelle Gewalt, körperliche Misshandlung oder der Verlust eines geliebten Menschen. Diese können zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen und damit das Suizidrisiko erhöhen.

Religiöse Überzeungen und Selbstmordgedanken

Religiöse Überzeugungen können dabei Schutzfaktoren sein. Positive religiöse Überzeugungen, wie ein Glaube an ein Leben nach dem Tod, ein Gefühl der Verbundenheit mit einer höheren Macht oder Gottvertrauen, können Schutz bieten. Der Glaube bietet eine positive Sichtweise bei Krisen und Krankheiten.

Wenn die Religion aber missverstanden wird, kommt es zu negativen Überzeugungen, wie die Vorstellung, eine Sünde begangen zu haben, die nicht vergeben werden kann, oder die Angst vor der Hölle. Diese Gedanken können das Suizidrisiko erhöhen.

Foto: Rawpixel, Freepik.com

Überwindung der Gedanken

Die Überwindung von Suizidgedanken erfordert in der Regel eine professionelle Behandlung. Das kann eine psychotherapeutische Intervention sein oder auch eine stationäre Aufnahme. Je nach Situation oder Kontext kann das unterschiedlich sein.

Aber auch außerhalb dieser professionellen Behandlung ist es wichtig, dass man eine positive Umgebung hat. Menschen, die einen motivieren, die einem Kraft geben, die dafür sorgen, dass man seinen Blickwinkel ändert, führen dazu, dass man aus dem Loch der Hoffnungslosigkeit herauskommt.

Bei der Überwindung können spirituelle Ressourcen und Praktiken, wie z.B. das Gebet oder der Besuch religiöser Gemeinschaften, eine zentrale Rolle spielen. Und in diesem Kontext ist auch die Etablierung der islamischen Seelsorge wichtig. Hier existiert ein großer Bedarf und diese Bedarfslücke ist noch lange nicht gedeckt.

Der Einfluss der Gemeinschaft

Schlussendlich spielt auch die religiöse Gemeinschaft eine ganz wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen, die mit Suizidgedanken kämpfen. Die Gemeinschaft bietet ein Gefühl von Zugehörigkeit, Hoffnung und Unterstützung.

Gleichzeitig kann die Gemeinschaft spirituelle Ressourcen zur Verfügung stellen, z.B. Gespräche mit einem Seelsorger können den Betroffenen helfen, ihre Gefühle zu äußern und Lösungswege zu erarbeiten.

Gruppenangebote in den Moscheegemeinschaften, das Zusammenkommen bei Gebeten, Festen und Feiern bietet Schutz und Orientierung. Es verleiht Kraft und Energie für die Konflikte des Alltags. Die Konflikte werden dann möglich zu bewältigen. Die Wahrnehmung, die Perspektive ändert sich und wird positiv. Und das ist das entscheidende für die Betroffenen. Eine positive Wahrnehmung und Hoffnung für die Zukunft zu schaffen.

Suizid ist eine negative Betrachtungsweise, eine Wahrnehmung der eigenen persönlichen Welt. Daher ist es wichtig, diese Sichtweise ins Positive, in die Hoffnung zu switchen. Wer Positiv schaut, denkt positiv. Wer positiv denkt, hat Freude am Leben. Das Leben wird dann lebenswert, selbst bei Krisen und Krankheiten.

Sie leiden unter Depressionen und Suizidgedanken? Hier finden Sie die Homepages muslimischer Telefonseelsorge:

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Wir können wir in Gemeinschaft leben?

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Geht es um Gemeinschaft und Beisammensein kollidieren bei vielen Anspruch und Wirklichkeit bzw. eine Norm wird in Relation zur Realität gesetzt. 

(iz). Die Reaktionen waren in den letzten Jahren gemischt: Einige zogen sich ins Private zurück, mancher ging in die innermuslimische Öffentlichkeit, um Barrieren offen anzusprechen und andere verarbeiten das Thema idealistisch. Schaikh Habib Bewley, Schaikh Yousef Wahb & S. Wilms

Muslime und Gemeinschaft: Wo stehen wir?

Im November 2021 (mitten in der Pandemie) veröffentlichte Leonard Sezgin-Just seinen nachdenklichen Essay „Weitermachen: Fluchtpläne aus der geistigen Enklave“, in dem er auf die innere Lage der muslimischen Community in Deutschland einging.

Er stellte sich auch die Frage, ob es derzeit so etwas wie ein muslimisches Subjekt gebe. Er konstatierte, dass hinter einer „omnipräsenten Stimmung der Lähmung“ mehr steckt als „bloße Durststrecken in Einzelbiografien“. Damit tat er etwas Entscheidendes und dachte über unser Selbst nach und versucht eine Standortbestimmung, anstatt einer bloßen Reaktion auf dominante Diskurse.

Ebenso wichtig ist die Feststellung, dass wir es hier mit Menschen mit „einem ungeheuren intellektuellen und künstlerischen Potenzial“ zu tun haben. Ihre positive Möglichkeit wird zu selten von außen und innen gesehen.

Insbesondere gesamtgesellschaftlich gelten junge Muslime häufig als Problem, das zu behandeln wäre. Hier weist er auf etwas anderes hin: Trotz „aller Zersplitterungen und Verwerfungen“ sieht er bei ihnen ein „lebendiges Gruppenbewusstsein“.

Ob gewollt oder nicht führt der Autor damit in einen wichtigen Aspekt ein, der im innermuslimischen Gespräch leider randständig geblieben ist: Asabiyya, oder Gruppensolidarität, wie sie von Ibn Khaldun beschrieben wurde. Bedauerlicherweise wurde und wird sie von vielen als Tribalismus missverstanden.

Das behinderte bisher das ohnehin schwierige Wachstum eines Subjektcharakters. Ohne ein Mindestmaß ist die vom Autor gezeichnete Lage kaum aufzulösen. Ironischerweise ist gelegentlich bei intellektuellen MuslimInnen eine seltsame Dissonanz mit Community zu finden. Manche haben das in ihr Sprechen integriert, wenn sie betonen, „kein Teil einer Gemeinschaft“ zu sein.

imame gebet

Foto: Muslimische DiaLogen | Rat Berliner Imame

Warum Gemeinschaft?

Sie ist der Schlüssel zum Erfolg des menschlichen Wesens. Es gibt Dinge im Laufe des Lebens, die wir nicht alleine bewältigen können und nicht durch uns selbst überwinden können. Es ist egal, welche Strukturen wir errichteten. Isolation zerstört uns. Aber das Modell der Moderne ist eines des stetig anwachsenden Alleinseins, bei dem der Staat als Ersatz für Mitmenschen agiert.

Im muslimischen Denken ist sie klar die Antwort für Schwierigkeiten, aber es ist genauso offenkundig, dass jede Generation beobachtet, wie sie sich weiter auflöst. Also ist es unsere Aufgabe, sie wiederzubeleben. Wir kennen sie besser als die meisten anderen, denn wir wissen um ihre Bedeutung. Gemeinschaft bedeutet uns – immerhin normativ – noch etwas. Wir haben ein Maß an Geschwisterlichkeit und Dschama’at. Sie waren immer der Eckstein unseres großen Dins.

Wir wurden nicht von Allah geschaffen, um alleine als Einsiedler zu leben. Das bedingt Austausch und keinen Rückzug. Das Beispiel des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, war das Knüpfen von Bindungen und nicht ihre Trennung. Dieser Din ist einer der sozialen Interaktionen und der gemeinsamen Anbetung, nicht nur der individuellen ‘Ibadat.

Die Vervollkommnung aller Säulen des Islam findet sich nur in Gemeinschaft. Das Glaubensbekenntnis ist nicht besiegelt, solange es nicht bezeugt wird. Das Gebet ist bedeutungsvoller und wertvoller gemeinsam mit anderen.

Zakat wird nicht an sich selbst gezahlt, sondern an die Bedürftigen der Gesellschaft. Fasten lässt sich am besten mit Mitmenschen brechen. Das Bittgebet wird eher beantwortet, wenn es einen breiten Rahmen hat und mehr Menschen miteinbezogen werden.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Hand der Barmherzigkeit Allahs ist mit der Gruppe.“ Diese Dschama’at, von der wir sprechen, ist nicht nur eine wahllos zusammengewürfelte Sammlung von Leuten.

Gesellschaft kann schädlich sein, wenn sie auf der Lüge basiert und nicht auf Wahrheit. Man muss nur die zerstörerische Wirkung eines Mobs betrachten. Menschen, die auf der persönlichen Ebene scheinbar zivilisiert und vernünftig sein können, können als Gruppe verrückt und irre handeln.

Das Geheimnis des Erfolgs in dieser Sache ist – wie bei allen anderen – Unterscheidungsvermögen (arab. Furqan). Diejenigen, mit denen wir Zeit verbringen, prägen unser Selbst. Sie werden einen auf ihr Niveau bringen – ungeachtet der eigenen Qualitäten –, bis man so wie sie wird. Das ist die unausweichliche Konsequenz von Gesellschaft. Die Folgen sind schnell zu spüren und können innerhalb von Wochen permanent werden.

Wer vierzig Tage mit einer Gruppe verbringt, wird einer von ihnen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Männer folgen dem Din ihres engen Freundes. Also schaut genau hin, mit wem ihr euch anfreundet.“ Sind die Leute rechtschaffen bzw. handeln sie falsch? Verbringen sie ihr Leben mit nützlichen Dingen oder sinnloser Zeitverschwendung?

Wie sieht das angemessene Umfeld aus?

Sobald man die richtigen Menschen gefunden hat, soll man an ihrer Gesellschaft festhalten und sie niemals loslassen. Man sollte wissen, dass es zwei Arten von Gemeinschaft gibt – den breiteren sowie den inneren Kreis. Wir müssen beide haben, um sicher zu sein. Wir brauchen die zweite Stufe der Dschama’at, um wirklich überleben zu können.

Dieser Kreis korrespondiert mit unserem gelebten Alltag. Es sind die Leute, mit denen wir tatsächlich regelmäßig Zeit verbringen. Solch eine Gruppe von Männern und Frauen muss in der Lage sein, sich aufeinander zu verlassen – durch dick und dünn, Überfluss und Hunger.

Sie sind füreinander da – in den besten Zeiten und den schlimmsten. Solche Leute brauchen keine Katastrophen, um großzügig, liebend und menschlich zu sein. Sie sollten klar, offen und frei sein. Und es darf weder Tratsch noch üble Nachrede geben. In diesem Fall können wir nicht auf Erfolg hoffen.

Im Nachwort seines Buches „The Entire City“ schreibt Schaikh Dr. Abdalqadir as-Sufi: „Entscheidend sind einige wenige Gefährten für Gesellschaft im Dunklen.“ Ein Kreis von „Männern und Frauen, die nicht durch Blut oder Rang verbunden sind, sondern eine geteilte Qualität des Lebens, die reine Anbetung des Herrn der Welt verlangt. Ein anhaltender Wettstreit unter seinen Mitgliedern“ in Großzügigkeit, Hilfe, Wachstum, Lernen und gegenseitiger Sorge.

Gehen

Foto: Yaseer Booley

Muslimische Gemeinschaften haben auch Pflichten

Unsere Communitys haben nicht nur die Pflicht, Handlungen der Anbetungen wie dem Gebet zu etablieren, sondern müssen auch eine weite Spannbreite anderer wesentlicher sozialer und ökonomischer Dienstleistungen anbieten.

Als Gemeinschaft stehen wir in der Verantwortung, nach dem körperlichen, geistigen und spirituellen Wohlergehen des Anderen zu schauen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Beziehung des Gläubigen zu einem anderen Gläubigen ist wie (die Ziegelsteine eines) Gebäudes: jeder stärkt den anderen.“

Religiöse Verpflichtungen haben viele Facetten im Recht. Dazu gehören einige, spezifische Handlungen wie das fünfmalige tägliche Gebet. Es gibt aber auch die Wahl zwischen einem Bestand an Pflichtangeboten wie die verschiedenen Möglichkeiten, ein gebrochenes Fasten wieder gut zu machen.

Juristen haben viele Belege für die Existenz von Gemeinschaftspflichten gesammelt. Dazu gehörten Qur’anverse in Hinblick auf die Verteilung wesentlicher Verantwortlichkeiten unter den Gemeinschaftsmitgliedern und die soziale Pflicht des Aufrufs zum Guten und der Verhinderung des Schlechten.

Wie es mehrheitlich unter Muslimen bekannt ist, bedeutet Fard Kifaya, dass ihre Erfüllung – durch eine unbestimmte Anzahl an Handlungspflichtigen (arab. mukallafin) – andere Mitglieder von ihr entbindet. Wenn niemand dies tut, dann stehen alle Teile in der Pflicht.

Aufgrund des breiten Spektrums bei Anwendungen von gemeinschaftlichen Obligationen haben einige Gelehrte sie entsprechend ihrer Vorteile kategorisiert; andere nach ihren Kontexten. Al-Ghazali beispielsweise übernahm eine dreigeteilte Taxonomie: religiös, weltlich oder gemischt. Auf der anderen Seite akzeptierten Al-Qarafi, As-Subki und Al-Zarkaschi einen Unterschied zwischen: 1.) was einmalig geleistet werden muss wie die Rettung eines Ertrinkenden und: 2.) was immer getan werden muss, wenn es nötig wird, wie Totengebete oder die Bildung von Kindern.

Verteilt über die Rechtsbücher finden sich Beispiele für diese Pflichten bzw. sie werden in Büchern zu juristischen Maximen wie As-Suyutis „Al-Aschbah wa’an-Nazir“ aufgezählt. Dabei lassen sich unterschiedliche thematische Schwerpunkte (in verschiedenen Schulen und nach objektiven Zielen) ausmachen.

Dazu gehören rituelle Handlungen, soziale Dienstleistungen und Wohlfahrt, der Aufruf zum Guten, Erziehung und Einladung zum Islam, die Verbreitung und Aneignung von Wissen oder bürgerliche Tugenden.

Entgegen dem heutigen Trend zur religiösen Individualisierung sind die Rituale der Anbetung oft gemeinschaftlich vorgesehen. Zwei der bekanntesten Beispiele sind die Bestattung von Toten und das Gebet für sie. Ein weiteres die Etablierung (mehr als nur die Verrichtung) des Gebets – der fünfmal täglichen, am Freitag, den Feiertagen sowie bei einer Mondfinsternis. Andere sind die Bestimmung der Gebetsrichtung, die Organisation des Hadsch und der gegebenenfalls nötige Moscheebau sowie ihr Unterhalt und Schutz.

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Wir und die Gesellschaft – vom Zusammenspiel der Kulturen und Religionen

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Ohne einen Begriff von „deutschen Muslimen“, der sich nicht biologisch ableitet, wird es auf Dauer schwer sein, ein anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu werden.

(iz). Es scheint manchmal, dass der Islam vielen unserer europäischen MitbürgerInnen unheimlich ist. Über eine Milliarde Muslime, in all ihrer Widersprüchlichkeit, die Beobachtung diverser Auslegungen, kulturellen Prägungen, Praktiken, bis hin – leider – zu ideologischen Ausformungen stehen dem Ideal der vollständigen Kontrolle und Integration entgegen.

Auch Muslime hadern mit einer Balance zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft

Die Aufgabe erinnert so weit an das vergebliche Bemühen, die Naturgewalten zu beherrschen. Aber auch Muslimen fällt es heute schwer, eine neue Balance zwischen ihrem persönlichen Schicksal, der Einbettung in religiöse Gemeinden und ihrer gesellschaftlichen Rolle umzusetzen.

Ein Beispiel ist das vergangene, gemeinschaftlich verrichtete Id-Gebet, das tausende Gläubige auf öffentlichen Plätzen und Straßen zusammengeführt hat, aber von Teilen der Mehrheitsgesellschaft als „Machtdemonstration“ missdeutet und oft mit Argwohn begleitet wurde.

Die Frage stellt sich, in welcher Form wir uns an der Suche nach einem „Wir“-Gefühl in Deutschland beteiligen. Nicht zuletzt sind es Begriffe, wie kollektive Identität, Identitätspolitik oder, unter diesem Aspekt, „Ethnizität“ an die sich Muslime gewöhnt haben, ohne sich daran zu erinnern, wie sie vor kurzer Zeit erst im Wortschatz unserer politischen Rede aufgetaucht sind.

Die Gefahr, Anderen im Umgang mit ihnen, mit gleicher Ideologie zu begegnen, ist offensichtlich. Zudem verhindern die bestehenden ethnischen Trennlinien das inner-islamische Zusammengehörigkeitsgefühl. Ohne einen Begriff von „deutschen Muslimen“, der sich nicht biologisch ableitet, wird es auf Dauer schwer sein, ein anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu werden.

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Ausgangspunkt ist die Nähe zu den Ursprüngen

Ausgangspunkt für eine Neujustierung der Rolle von Muslimen in modernen Staaten ist neben der religiösen Praxis an sich, ihre Nähe zu den Ursprüngen. Die erste Gemeinschaft in Medina gilt als Vorbild für ein vom Islam geprägtes Leben. 

Jeder Bund zwischen Menschen entwickelt ein Eigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen der Lebensführung der Mitglieder bemisst, die entsprechend miteinander verflochten sind.

Dabei ist es klar, dass es in unserer Zeit längst faktische Grenzen der Vergemeinschaftung gibt. In modernen Staaten bilden soziale Akteure nur begrenzt autarke und selbstbestimmte „Gemeinschaften“. Es ist Muslimen praktisch nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt in allen ihren Beziehungen gemeinsame Ziele zu verfolgen oder jegliche Handlungen als Gruppe durchzuführen.

Ohne eine Partizipation in den Institutionen des Staates ist die Community nicht lebensfähig; und verzichtet sie auf den Konsens mit den Grundwerten der Verfassung, bleibt sie langfristig ein Fremdkörper.

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Der Unterschied stammt aus dem 19. Jahrhundert

Das Verständnis über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft stammt von Ferdinand Tönnies. Der Soziologe entwickelte im 19. Jahrhundert den Ansatz, dass „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ den Gegenstand der „Soziologie“ ausmachen.

In der Theorie schließen sich die beiden Begriffe aus; in der empirischen Welt, dem Feld der angewandten Wissenschaft, erscheinen sie hingegen nach Tönnies immer gemischt. Genau hier liegt der Ansatz, das Zusammenspiel von Gemeinschaft und Gesellschaft aus muslimischer Sicht zu aktualisieren.

Die Herausforderungen für eine derartige Symbiose sind nicht neu. Das Spannungsverhältnis zwischen alternativen Entwürfen und der Mehrheit hat in Europa eine lange Geschichte.

In Ascona, im schweizerischen Tessin, entdeckt man beim Aufstieg auf den Monte Verità Spuren dieser Historie. Es ist die Zeit der Aussteiger. Hier – wie in vielen anderen Orten in Europa – hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bunte Schar von Sinnsuchenden, Revolutionären, Künstlern und Vegetariern zusammen gefunden. Das Ziel der Suchenden war es, in einer von Krieg und Technik beherrschten Welt, das Leben zu reformieren und wieder näher an die Natur und die Sphäre göttlicher Weisheit zu rücken.

„Wahrheit und Freiheit in Denken und Handeln sollten künftig als teuerster Leitstern ihr Leben begleiten“, beginnt Ida Hofman ihren Bericht über die Gründung der Kolonie. Die Atmosphäre mit dem Blick auf den Lago Maggiore ist einmalig: Zu besichtigen ist der Park mit den Lichthütten, die traditionelle Teestube, die Freilichtbäder und ein von den „Sonnenleuten“ angelegter Tennisplatz.

Der Versuch, eine nachhaltige Gemeinschaft auf Grundlage diverser Entwürfe, die zwischen fernöstlicher Religion, Naturliebe, Kunst und Philosophie angesiedelt waren, zu gründen, scheiterte.

1925 übernimmt der deutsche Bankier und Kunstsammler, Eduard von Heydt, die Anlage. Er lässt ein Kongresszentrum im Bauhaus-Stil bauen. Immer mehr Touristen kommen auf den „Berg der Wahrheit“ und träumen über neue Ideen der Entfaltung. Bis heute diskutieren Philosophen und Künstler die Möglichkeit, unsere technologisch geprägten Gesellschaften, mit der Sehnsucht nach sozialer Nähe zu versöhnen.

Hermann Hesse: Einen Kern in uns bewahren

Ein berühmter Gast auf dem Berg war der deutsche Schriftsteller Hermann Hesse. Mit der Bewegung sympathisiert er, ohne aber den institutionellen Charakter der Lebensreformer je ernst zu nehmen. Später wird der Nobelpreisträger im nahegelegenen Montagnola sein eigentliches Domizil und ersehntes Exil finden.

Im Jahr 1948 hatte Hesse erklärt, was das Schicksal des Menschen aus seiner Sicht entscheiden wird: „Wir wollen womöglich einen Kern in uns bewahren, ein eigenes Schwergewicht, das uns daran hindert, mit in die sinnlose zentrifugale Schwingung gerissen zu werden, die immer unheimlicher wird und fern aller Politik sich in Tempo, Hetze und Unrast äußert.“

Wer sich für das Verhältnis von Individualität, Gemeinschaft und Gesellschaft interessiert, findet in der Gedankenwelt des Außenseiters einigen Stoff. In seinem letzten Werk, dem Glasperlenspiel, entwirft der Schriftsteller, unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges, eine Vision einer pädagogischen Provinz mit dem fiktiven Namen Kastalien.

Das Buch dreht sich um ein zentrales Leitmotiv: „Das Glasperlenspiel ist ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit seiner Palette gespielt haben mag.“ 

Die Leser werden an einen respektvollen Umgang mit den geistigen Phänomenen erinnert, sei es das Christentum oder Judentum, bis hin zu fernöstlichen Weisheitslehren, die seit Jahrhunderten in der Gesellschaft wirken. Wichtige Teile dieser Bildung, mit ihrem interdisziplinären Ansatz, sind neben den Geisteswissenschaften ebenso die Mathematik und die Musik.

Die Lebensgeschichte von Josef Knecht, der zum Meister des Spiels wird, zeigt, dass das harmonische Zusammenspiel von Kulturen, Wissenschaften und Religionen keine Utopie sein muss.

Eine der Maximen des Protagonisten lautet dabei wie folgt: „Wir sollen nicht aus der Vita Aktiva in die Vita Kontemplativa fliehen, noch umgekehrt, sondern zwischen beiden wechselnd unterwegs sein, in beiden zu Hause sein, an beiden teilhaben.“ 

Knecht unterwirft sich den Regeln und Hierarchien der fiktiven Ordensprovinz Kastanien. Aber seine Einordnung in eine Gemeinschaft sei – so Hesse – nicht das Zeichen eines Mangels an Persönlichkeit, sondern eines Plus an Individualität.

Elf Jahre lang schrieb Hesse an seinem letzten großen Werk. Über die Reaktionen war er eher enttäuscht, insbesondere bemängelte er, dass das „Glasperlenspiel“ langsam zum Inbegriff für ein weltfremdes Leben im Elfenbeinturm wurde. Der Nobelpreisträger sah darin – wie sein Biograf Alois Prinz berichtet – ein grobes Missverständnis.

Der Schriftsteller wusste durchaus, dass der Glasperlenspieler der Weltgeschichte angehört und von politischen Änderungen beeinträchtigt wird. Neben dem Aufruf zu einem gesellschaftlichen und sozialen Engagement ist das Ideal einer ganzheitlichen, dem Menschen dienenden Wissenschaft und das Bewusstsein, dass das freie Spiel zwischen den geistigen Kräften von Ideologen aller Couleur gefährdet wird, nach wie vor aktuell.

Die Botschaft ist klar: Der spielerische Umgang mit den Kulturen und Ideologie schließen sich aus. Für Muslime liegt hier die künftige Herausforderung, das heißt, die Aufgabe an der notwendigen Neuauflage dieses Spiels aktiv und verstehend teilzunehmen.

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Bedeutung von Architektur für das soziale Leben

Neben den geistigen Voraussetzungen für einen fruchtbaren Austausch zwischen alternativen Gemeinschaften und der Gesellschaft wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Bedeutung der Architektur für das soziale Leben entdeckt. Die Idee, Kunst und Technik, Handwerk und Wohnen in einer solidarischen Gesellschaft zu verknüpfen, gehört zu den Gründungsgedanken des Weimarer Bauhauses.

Die Visionäre entwarfen zunächst Modelle für die Modernisierung des klassischen Einfamilienhauses, planten aber bereits größere Anlagen, mit Gemeinschaftsgebäuden und sozialen Einrichtungen. Der Bedarf an Wohnraum, im Zusammenspiel mit innovativen Bautechniken führten zu einer Revolution des Wohnungsbaus.

In „Sphären III“ erzählt der Philosoph Peter Sloterdijk die Entwicklung einer modernen Philosophie der Architektur. Am Beispiel des Architekten Le Corbusier und seiner Idee der „Wohnmaschine“ wird die Auflösung der traditionellen Allianz von Eigenheim und Sesshaftigkeit deutlich. In den zwanziger Jahren schreibt er: „Man muss das Haus wie eine Maschine oder ein Werkzeug zum Wohnen betrachten … ein Haus wie ein Auto konzipiert und eingerichtet wie ein Auto oder eine Schiffskabine.“

Die neuen großen Wohnblöcke, die bald auf der ganzen Welt entstehen, gleichen sich und sind nur lose an ihr historisches Umfeld angeknüpft. 

Das Ergebnis ist aus menschlicher Sicht eher ernüchternd: Die Siedlungen schaffen ein soziales Niemandsland, von Individuen bewohnt, die sich kaum gegenseitig kennen. Die Suche nach Alternativen dauert bis heute an. Schon in der Bauhaus-Zeit wird parallel mit kleinen mobilen Häusern, Wohnwagen, Containern und Zelthäusern experimentiert, die sich an alte Wohnformen der Nomadenvölker anlehnen.

Sloterdijk formuliert diese Grundidee wie folgt: „Das mobile Haus definiert sich als wandernde architektonische Monade, die ihrem Einwohner darin kongenial geworden ist, dass das Haus wie der Besitzer sich auf Freiheit der Kontextwahl berufen.“

Und heute? Den eigenen sozialen Kontext frei zu bestimmen, hier liegt das Problem, wird immer mehr zur ökonomischen Frage. Fakt ist, ein Eigenheim zu bauen oder nur eine Wohnung zu halten, verschlingen beachtliche Ressourcen und die Finanzierung wird schnell zum einzigen Lebensinhalt. In den Großstädten werden etwa 29 Prozent des Einkommens für Mieten aufgebracht.

Hinzukommt der Mangel an Wohnraum; ein Phänomen, das längst ein Politikum ist. Die Lage am Wohnungsmarkt ist angespannt, viele Berufstätige ziehen um – durchaus nicht freiwillig – und sind auf der verzweifelten Suche nach möglichst billigen Wohnungen.

Die Vision, der sozialen Gemeinschaft einen architektonischen Ausdruck zu geben, ist heute kaum umzusetzen; gleichzeitig werden Depressionen und das Gefühl der Einsamkeit zu einer gesellschaftlichen Realität. Hierher gehört das Problem, dass Moschee-Anlagen, die das Stadtviertel beleben sollen, aber keinen Platz für soziale Aktivitäten und Raum für das Einladen der Nachbarschaft bieten, die Ideologisierung und Isolierung der Gläubigen fördert.

Eine Neuauflage des Glasperlenspiels braucht nicht nur eine geistige Idee, sondern den entsprechenden öffentlichen Raum. Die Lage in unseren Großstädten ist ernst. Pessimisten befürchten eine Verödung der Innenstädte, den Streit zwischen Bevölkerungsgruppen und eine wachsende Dynamik der sozialen Unterschiede.

In seinem neuen Buch „Der Geist der Hoffnung“ schreibt der Philosoph Byung-Chul Han: „Im Gegensatz zum positiven Denken wendet sich die Hoffnung von den Negativitäten des Lebens nicht ab. (…) Außerdem vereinzelt sie die Menschen nicht, sondern verbindet und versöhnt sie. Das Subjekt der Hoffnung ist ein Wir.“

Es wird die entscheidende Frage sein, ob es uns gelingt, mit der Mehrheitsgesellschaft in einen konstruktiven Austausch einzutreten und ob die politischen Verhältnisse der muslimischen Gemeinschaft einen würdevollen Platz in der Mitte der Gesellschaft erlauben.