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Ibn Khaldun im 21. Jahrhundert: unsere Ökonomie des Wissens und der Institutionen

Ibn Khaldun

Der khaldunische Ansatz für das 21. Jahrhundert findet sich in Ibn Khalduns Methode, die er Ilm Al-Umran oder „Wissenschaft der Zivilisation“ nannte.

„Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Lebensform gealtert und kann durch dieses Grau in Grau nicht verjüngt, sondern nur verstanden werden; die Eule der Minerva breitet ihre Flügel erst bei Einbruch der Dämmerung aus.“ (G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts)

(Kasurian). Diese „Eule der Minerva“ breitet in der Abenddämmerung ihre Flügel aus. Wir stehen im 21. Jahrhundert in ausreichendem Abstand zu den zivilisatorischen Umwälzungen der Moderne, um die Ursachen unseres heutigen Unbehagens mit einer Klarheit zu erkennen, die denen, die sie durchlebt haben, verwehrt blieb. Von Ahmed Askary

Und vielleicht auch, um die Mittel abzuleiten, mit welchen wir aus dem ausbrechen können, was zu einem großen Teil zu einem selbst auferlegten Zustand geworden ist. In diesem Geist der Rückschau wenden wir uns Ibn Khaldun zu – um mit ihm zu denken und, wo nötig, über ihn hinaus.

Ein Mann, der sein Leben damit verbrachte, den Aufstieg und Fall von Dynastien im Maghreb und Maschrek zu beobachten, der Herrschern von Fès bis Kairo diente und von ihnen verraten wurde. Ein Beobachter, der zuschaute, wie sich die Armeen Timurs Damaskus näherten, und sich durch Verhandeln aus einer Belagerung rettete. Ein solcher Mann würde, würde man ihn ins 21. Jahrhundert versetzen, mehr Vertrautes vorfinden, als wir erwarten würden.

Die Oberfläche würde ihn verwirren: die Geschwindigkeit, die Dichte, die schiere Menge an Menschen, die in Städte gedrängt sind, die er sich nicht hätte vorstellen können. Doch die Logik der Macht wäre ihm nicht gänzlich fremd. Staaten schöpfen nach wie vor Überschüsse aus produktiven Bevölkerungsgruppen ab.

Eliten durchlaufen weiterhin Zyklen von Elan, Selbstzufriedenheit und Niedergang. Solidarität hält immer noch an Verwandtschaft, Sekte und einer gemeinsamen Erzählung fest und löst sich nach wie vor auf, wenn die materiellen Bedingungen, die sie stützen, nachlassen.

Er würde beispielsweise in den Golfmonarchien ein vertrautes Muster von Wüstenvölkern erkennen, die durch einen Glücksfall reich geworden sind, deren Asabiyya in der ersten Generation intakt ist, aber erodiert, wenn der Reichtum die Gewohnheiten aufweicht, die den Zusammenhalt hervorgebracht haben.

Er würde in der amerikanischen Republik so etwas wie die späten Stadien seines Zyklus sehen, in denen sich die Gründungssolidarität eines Gemeinwesens in fraktionellen Wettbewerb zersplittert hat und dessen Eliten mehr mit der Ausbeutung als mit der Erhaltung des Gemeinwesens beschäftigt sind.

Sein Kreislauf der Gerechtigkeit – dass Steuern vom Wohlstand abhängen, Wohlstand von guter Regierungsführung und sie von einem gerechten Herrscher – bleibt eine funktionale Beschreibung dessen, was geschieht, wenn Staaten vergessen, dass ihre Einnahmen letztlich von der Produktionskapazität ihrer Untertanen abhängen.

Foto: Süleymaniye Kütüphanesi, Istanbul/gemeinfrei

Und doch gäbe es für ihn reichlich Neues. Seine Theorie der politischen Ökonomie ging von agrarischer Produktion, höfischer Umverteilung und Zyklen des Aufstiegs und Niedergangs von Dynastien aus, die sich über Generationen erstreckten.

Sie berücksichtigte nicht und konnte auch nicht den industriellen Kapitalismus erklären. Und auch nicht die Fähigkeit moderner Staaten, sich durch industrielle Überschüsse zu erhalten. Oder Monetarisierung als Kraft, die in der Lage ist, Reichtum vollständig von der Produktion zu entkoppeln, oder den Nationalstaat als eine Form der politischen Organisation, die ihre Legitimität nicht aus dynastischer Asabiyya, sondern aus Volkssouveränität und bürokratischer Rationalität bezieht.

Die Dialektik zwischen Beduinen und Sesshaften, die für die Erklärung der politischen Dynamik des mittelalterlichen Maghreb so aussagekräftig ist, hat keinen offensichtlichen Bezug zum Aufstieg der ostasiatischen Entwicklungsstaaten oder zur inneren Logik des europäischen Wohlfahrtskapitalismus.

Wäre Ibn Khaldun heute am Leben und der Denker, für den wir ihn halten, würde er nicht an Kategorien festhalten, die im Nordafrika des 14. Jahrhunderts geprägt wurden. Er würde seine Annahmen erneuern. Und währenddessen die neuen Kräfte beobachten, die Mensch, Gesellschaft und Zivilisation antreiben.

Das Gedankenexperiment, ihn in dieses Zeitalter zu versetzen, ist eine Möglichkeit, aufzuzeigen, wo 600 Jahre späterer Entwicklung die Grenzen eines Denkmodells aus dem 14. Jahrhundert offenbaren. Und diese Limits nicht als Misserfolge, sondern als neue Horizonte zu betrachten.

Die Lücken Ibn Khalduns markieren – gemessen an der heutigen Welt – den Bereich, in dem neue Theorien erforderlich sind, um unsere grundlegenden Annahmen über das Wesen der Zivilisation im Zeitalter der Industrialisierung zu aktualisieren.

Doch dieses Unterfangen ist genauso Chance, eine schwierigere Frage zu stellen. Ein Ibn Khaldun des 21. Jahrhunderts wäre sehr interessant. Aber wäre er überhaupt denkbar? Und selbst wenn er möglich wäre: In was für eine Richtung würden sich seine Ideen entwickeln, und auf welche konkreten Fragen der Gesellschaft und der Zivilisation würden sie angewendet werden?

Die politische Ökonomie des Wissens

Die Antwort liegt nicht in seiner Person, sondern in der Kultur, die ihn umgab – oder besser gesagt, in dem, was dieser Zivilisation fehlte. In seiner Welt war Ibn Khalduns Genius nicht die einzige knappe Ressource. Ihr fehlte die institutionelle Infrastruktur, durch die individuelle Genialität über Generationen hinweg erfasst und weiterverarbeitet werden konnte.

Betrachten wir den Kontrast zwischen den islamischen Institutionen der Wissensproduktion und dem, was in Europa in den folgenden Zeitaltern entstand. Die europäische Universität, die sich nach dem 12. Jahrhundert in Städten wie Bologna, Paris und Oxford als lose Gilden von Gelehrten zu bilden begann, entwickelte sich zu etwas, das in der Geschichte des organisierten Wissens beispiellos war: eine selbstverwaltete Körperschaft mit Rechtspersönlichkeit, mit eigenen Einnahmen, die von keinem spezifischen Mäzen abhängig waren, und einer kontinuierlichen institutionellen Existenz, die den Tod jedes einzelnen Mitglieds überdauerte.

Die Universität Oxford war nicht auf die Gunst eines bestimmten Königs angewiesen, und die generationsübergreifende Nachfolge von Lehrenden und Studierenden setzte sich über die Jahrhunderte hinweg fast ununterbrochen fort.

Wissen sammelte sich nicht an, weil die Europäer intelligenter waren als ihre Zeitgenossen anderswo, sondern weil sie – zögerlich, unvollkommen und oft aus Gründen, die nichts mit dem Streben nach Wahrheit zu tun hatten – Institutionen aufgebaut hatten, deren Struktur diese Anhäufung ermöglichte.

Ibn Khaldun selbst erlebte wiederholt die Nachteile dieser fehlenden Institutionalisierung: Sein Schicksal stieg und fiel mit jedem Hof, der ihn beschäftigte, von den Mariniden über die Hafsiden bis hin zu den Mamluken. Sein intellektuelles Projekt war im wahrsten Sinne des Wortes von Herrschergunst abhängig.

bibliothek

Foto: Klassik Stiftung Weimar

Die „Muqaddima“ entstand während einer Zeit des erzwungenen Rückzugs auf der Burg von Ibn Salama, nicht innerhalb einer für nachhaltige Forschung konzipierten Institution, sondern am Rande einer politischen Karriere, die vorübergehend ins Stocken geraten war.

Die Folgen der Divergenz zwischen diesen Formen der Wissensproduktion waren nicht sofort erkennbar. Im 17. Jahrhundert blieb das Osmanische Reich militärisch mächtig und verwaltungstechnisch hoch entwickelt;. Seine Gelehrte lasen und kommentierten die „Muqaddima“. Und unter Historikern wie Katip Çelebi und Naima kam es zu einer Neubelebung des Khaldunismus.

Doch diese Wiederbelebung blieb eher literarisch und kontemplativ als institutionell und anwendungsorientiert. Keiner baute ein Forschungsprogramm auf seiner zyklischen Theorie der Staatsbildung auf. Niemand prüfte seine Thesen anhand neuer Daten, verfeinerte seine Kategorien oder erweiterte seinen Rahmen auf Bereiche, die er nicht berücksichtigt hatte. Die Ideen wurden bewundert, aber sie wurden nicht angewendet.

Akademiker schufen Wissen. Sie waren auf Mäzenatentum angewiesen, und dieses benötigte Höfe, und sie erforderten stabile Staatsgebilde, und jene erforderten – wie Ibn Khaldun selbst betont hätte – Asabiyya und die finanzielle Leistungsfähigkeit, um eine komplexe Verwaltung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Wenn ein Glied dieser Kette brach, kam die Wissensproduktion zum Erliegen, da die materiellen Voraussetzungen für ihre Fortführung weggefallen waren.

Europas Vorteil lag zunächst nicht in überlegenen Ideen (obwohl viele von ihnen schließlich zu solchen wurden), sondern vielmehr in einem besseren Mechanismus, der die Wissensproduktion von den Unwägbarkeiten des politischen Lebens abschirmte. Die Stiftungshochschule, die Professur auf Lebenszeit und die anerkannte Gelehrtengesellschaft waren im Grunde Technologien, um die intellektuelle Forschung vom Mäzenatentum zu entkoppeln.

Im 21. Jahrhundert

Wie sieht es mit der Gegenwart aus? Der muslimischen Welt mangelt es heute nicht an Gelehrten, Akademien bzw. Forschungsergebnissen. Doch von der bloßen Existenz dieser Dinge auf die Behauptung zu schließen, es gebe ein Ökosystem der Wissensproduktion (in dem Sinne, wie es in Nordamerika, Westeuropa oder zunehmend auch in Ostasien existiert), bedeutet, das Vorhandensein einzelner Komponenten mit dem Funktionieren eines Systems zu verwechseln.

Ein Land kann über Universitäten verfügen, ohne eine Tradition der Forschung zu besitzen. Es kann Doktoranden hervorbringen und kein Wissen produzieren. Es kann Forschung finanzieren, aber keine Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Forschungsergebnisse zu etwas summieren, das größer ist als die Summe seiner Teile.

Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind ungünstig, doch das ist keine Entschuldigung für Untätigkeit. Der dreifache Bruch des 20. Jahrhunderts wurde von außen herbeigeführt. Das Versagen beim Wiederaufbau ist eine interne Angelegenheit. Seit der letzten dieser Katastrophen sind 80 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat die muslimische Welt enorme finanzielle Ressourcen erworben, Hunderte von Universitäten gegründet und Zehntausende von Studierenden an die besten Einrichtungen in Europa und Amerika entsandt.

Die materiellen Voraussetzungen für den Wiederaufbau sind gegeben. Was fehlt, ist der Wille und das Verständnis, diese Ressourcen für die Schaffung wirklich selbsttragender Ökosysteme der Wissensproduktion einzusetzen, anstatt für den Erwerb institutioneller Zierde.

Sein Name wird als Beweis dafür angeführt, dass die islamische Zivilisation einst herausragende Geister hervorgebracht hat. Was der Fall war und von keinem ernsthaften Menschen bestritten wird. Doch diese Art der Auseinandersetzung ist selbst ein Symptom des Problems, das sie angeblich angehen will.

Sich endlos mit der „Muqaddima“ zu beschäftigen, bedeutet, ein großes Werk eher als Obergrenze denn Grundlage zu betrachten. Adam Smiths Ideen wurden durch Weiterentwicklung, Kritik und schließlich durch Ablösung gewürdigt. Bei ihm hat kein vergleichbarer Vorgang stattgefunden, da kein institutionelles Ökosystem existiert, in dem ein solcher Prozess stattfinden könnte.

Der khaldunische Ansatz für das 21. Jahrhundert findet sich in Ibn Khalduns Methode, die er Ilm Al-Umran oder „Wissenschaft der Zivilisation“ nannte.

Das Beharren darauf, die soziale Realität so zu betrachten, wie sie tatsächlich funktioniert, bevor philosophische Überzeugungen zum Tragen kommen, die vorschreiben, wie sie funktionieren sollte. Und die Bereitschaft, Theorien eher auf der Grundlage von Belegen als von Autoritäten zu entwickeln. Oder die Erkenntnis, dass das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben von Mustern bestimmt wird, die sich einer rationalen Analyse unterziehen lassen.

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Ibn Khaldun oder das neue Land der Nomaden

nomaden ibn khaldun

Das Nomadentum ist keine bloß exotische Randfigur der Geschichte, sondern eine wiederkehrende Denkfigur, an der sich Fragen von Macht, Freiheit, Besitz, Mobilität und sozialer Ordnung bündeln.

(iz). Die Frage, wie und wo wir leben, hat eine Geschichte und findet in jeder Zeit eigene Ausdrucksformen. Zwischen Ibn Khaldun, Bruce Chatwin, Jessica Bruder und Chloé Zhaos „Nomadland“ verschiebt sich, wie wir sehen werden, die Bedeutung des Nomadischen deutlich: vom historischen Machtfaktor über die philosophische Anthropologie des Unterwegsseins bis hin zur prekären Mobilität des 21. Jahrhunderts.

Gerade darin liegt seine Aktualität, denn heutige Formen wie Vanlife, alternative Wohnmodelle oder digitales Nomadentum erscheinen einerseits als Versprechen von Freiheit, andererseits als Ausdruck einer neuen sozialen Unsicherheit.

Ibn Khaldun: Nomaden als geschichtsmächtige Form

Bei Ibn Khaldun sind Nomaden keine romantischen Wanderer, sondern Träger einer besonderen sozialen Energie. Ihre Stärke liegt in der ‘Asabiyya, der Gruppensolidarität, die aus Entbehrung, Nähe, Kampf und beweglicher Lebensweise entsteht.

Diese Solidarität befähigte nomadische Gruppen dazu, sesshafte Reiche zu überwinden, Dynastien zu gründen und politische Ordnungen von der Peripherie aus zu erneuern.

Nomadentum steht hier also zunächst für historische Dynamik. Sesshafte Gesellschaften entwickeln Wohlstand, Verfeinerung und institutionelle Dauer, verlieren aber mit der Zeit jene Härte und Bindekraft, die Ibn Khaldun den nomadischen Verbänden zuschreibt.

Nomadische Lebensformen erscheinen bei ihm deshalb weder als bloß rückständig noch als utopisch, sondern als ambivalente Gegenkraft zur Verweichlichung des Zentrums.

Für eine Reisephilosophie ist diese Perspektive deshalb wichtig, weil Mobilität hier noch keine individuelle Selbstverwirklichung oder Technik der Selbstverbesserung meint. Sie war eine kollektive Form des Lebens, die politische Folgen hatte.

Unterwegssein bezeichnet bei Ibn Khaldun keine ästhetische Haltung, sondern eine Sozialform mit eigener Moral, eigener Dynamik und eigenem Verhältnis zum Raum.

Bruce Chatwin: Das Nomadische als Anthropologie der Unruhe

Mit dem Reiseschriftsteller Bruce Chatwin verschiebt sich der Akzent entscheidend. In „The Songlines“ wird Nomadentum nicht mehr in erster Linie als historische Soziologie verstanden, sondern als anthropologische Grundfigur des Menschen. In seinem Buch geht es um die australischen Traumpfade der Aborigines: unsichtbare Lied-Landkarten, mit denen Landschaft, Herkunft, Mythos und Orientierung miteinander verbunden sind.

Chatwin entwickelt die suggestive, wenn auch wissenschaftlich umstrittene Idee, der Mensch sei ursprünglich ein wanderndes Wesen gewesen, und erst die Sesshaftigkeit habe seine Tendenz zur Gewalt, Besitzfixierung und Entfremdung verstärkt.

Damit wird das Nomadische bei Chatwin zu einer existenzialen Gegenfigur der modernen bürgerlichen Welt. Der Wanderer trägt nicht nur einen Rucksack, sondern ist von einer anderen Ontologie des Lebens geprägt: weniger Besitz, weniger Fixierung, mehr Bewegung und mehr Offenheit.

Die „Songlines“ erscheinen in dieser Lesart als poetische Topografie, in der Raum nicht vermessen und aufgeteilt, sondern gesungen, erinnert und begangen wird. Gerade die poetische Kraft seiner Erzählung hat Chatwin berühmt gemacht.

Zugleich liegt darin sein Problem. Seine Lektüre indigener Lebensweisen ist stark literarisiert und gelegentlich mythisch überhöht; die politische Realität tritt — so seine Kritiker — hinter einer Faszination für das „ursprünglich Nomadische“ zurück.

Für eine heutige Reisephilosophie bleibt Chatwin dennoch wichtig, weil bei ihm die Frage auftaucht, ob Mobilität nicht mehr ist als Fortbewegung, sondern einen Widerstand gegen Besitz, Verwurzelungszwang und die Verhärtung des Selbst symbolisiert.

reisen

Foto: Johnny Hanson

Deleuze und Guattari: Nomadologie als Denkform

Bei den Soziologen Gilles Deleuze und Félix Guattari wird der Nomade noch einmal anders lesbar. In ihrem Denken ist das Nomadische weniger eine ethnografische Beschreibung als eine Denkfigur, die sich um Beweglichkeit, Entgrenzung und Anti-Hierarchie dreht.

Dem geordneten, parzellierten und verwalteten Raum des Staates stellen sie den „glatten Raum“ gegenüber: Wüste, Steppe, Meer oder jedes Feld, in dem Bewegung nicht vollständig durch Grenzen und Raster vorgegeben ist.

Nomadisches Denken bedeutet in diesem Zusammenhang, sich nicht entlang eines Baums mit Stamm und festen Wurzeln zu organisieren, sondern rhizomatisch: über Verzweigungen, Verbindungen, Querverläufe und Linien der Flucht. Das Nomadische wird damit zu einer Kritik an fixen Identitäten, linearen Lebensläufen und abgeschlossenen Territorien.

Aus reisephilosophischer Sicht ist das eine wichtige Ergänzung, weil das Reisen so nicht bloß als Ortswechsel erscheint, sondern als eine Form der Entterritorialisierung. Unterwegssein wird zur Übung darin, Gewohntes zu lockern, Sicherheiten zu verlassen und andere Verbindungen einzugehen.

Zugleich muss man gegen Deleuze einwenden, dass dieses geistige Nomadentum leicht zur Metapher privilegierter Mobilität werden kann, wenn die materiellen Bedingungen realer Nomaden aus dem Blick geraten.

Jessica Bruder: Nomadentum als Überlebensökonomie

Genau an diesem Punkt setzt Jessica Bruder an. Ihr Buch „Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century“ zeigt eine Form des Nomadischen, die nicht aus philosophischer Sehnsucht, sondern aus sozialem Zwang entsteht.

Bruder porträtiert vor allem ältere Amerikanerinnen und Amerikaner, die nach Finanzkrise, Jobverlust, Krankheit oder dem Zusammenbruch ihrer Altersvorsorge gezwungen sind, in Vans, Wohnmobilen oder Anhängern zu leben.

Ihre Sicht romantisiert den Begriff nicht. Vielmehr wird das Nomadische hier zur Überlebensstrategie einer Gesellschaft, in der Wohnen, Arbeit und Alterssicherheit prekär geworden sind.

Saisonarbeit bei Amazon, Erntearbeit, Jobs in Nationalparks oder Freizeitparks strukturieren den Rhythmus dieser mobilen Existenzen. Der Van ist nicht Symbol der Freiheit, sondern oft die letzte materielle Hülle zwischen einem Menschen und der Obdachlosigkeit.

Bruder zeigt die Härte dieses Lebens, aber auch die Solidarität, Würde und das praktische Wissen, das sich aus dieser Lebenspraxis ergibt. Gerade darin liegt die Verschiebung gegenüber Chatwin und auch gegenüber vereinfachten Deleuze-Lektüren: Nomadentum ist für Bruder kein Mythos der Ursprünglichkeit und keine reine Linie der Flucht, sondern eine Folge des spätkapitalistischen Umbaus von Arbeit und Wohnen.

Foto: Akhmed Chalandarov, Unsplash

Nomadland: Poetik und Melancholie der mobilen Existenz

Chloé Zhaos Film „Nomadland“ übernimmt diese soziale Wirklichkeit, verändert jedoch ihre Tonlage. Im Zentrum steht Fern, eine trauernde Witwe, die nach dem Zusammenbruch ihres bisherigen Lebens im Van durch die Vereinigten Staaten fährt.

Der Film zeigt Amazon-Hallen, saisonale Jobs, Parkplätze und improvisierte Camps, aber er übersetzt die dokumentarische Härte des Buches in eine stille, visuelle Meditation über Verlust, Würde und Zugehörigkeit.

Dadurch entsteht eine doppelte Perspektive. Einerseits bleibt sichtbar, dass diese Mobilität durch ökonomischen Druck erzeugt wird; andererseits erscheint sie als Raum einer anderen Form von Heimat. Die Heldin des Films ist „without a house, not homeless“, und genau in diesem Zwischenraum zwischen Entwurzelung und Selbstbehauptung liegt die philosophische Kraft des Films.

Im Unterschied zu Bruder tritt die explizite Sozialkritik im Film etwas zurück. Dafür gewinnt das Nomadische eine existenzielle Dichte: die Erfahrung, weiterzuleben, indem man weiterfährt, oder die Erfahrung temporärer Gemeinschaft, wenn man stehen bleibt. Die Reise erscheint nicht als Tourismus, sondern als eine fragile Form, mit Verlust, Einsamkeit und offener Zukunft zu leben.

Daneben zeigt der Film die soziale Wirklichkeit einer mobilen Bevölkerungsgruppe in den USA, die in den letzten Jahren enorm gewachsen ist. Und — wir kehren wieder zu Ibn Khaldun zurück — wir beobachten, dass die amerikanische Regierung dem Trend des neuen Nomadentums mit Misstrauen und Verschärfungen der Meldegesetze begegnet.

Aktualisierung: Vanlife, alternative Wohnformen und digitales Nomadentum

Die Gegenwart hat den Nomadenbegriff noch einmal aufgefächert. Vanlife, Tiny Houses, Bauwagenplätze und Cohousing-Projekte verweisen auf eine neue Suche nach flexiblen und ressourcenschonenden Wohnformen.

Manche dieser Modelle entstehen aus bewusster Reduktion, aus Kritik an Konsum, steigenden Mieten und verantwortungslosem Eigentum; andere sind direkte Reaktionen auf steigende Wohnkosten und unsichere Arbeitsverhältnisse.

Es sind in diesem Kontext aber nicht nur Arme unterwegs. Das digitale Nomadentum gehört in diesen Zusammenhang, markiert aber oft einen anderen sozialen Hintergrund. Studien und Debatten beschreiben digitale Nomadinnen und Nomaden meist als ortsunabhängig Arbeitende mit vergleichsweise hohem Bildungsgrad und Zugang zu globaler Infrastruktur.

Ihre Mobilität ist weniger von physischer Schwerarbeit geprägt als von Plattformen, Netzverbindungen und der Fähigkeit, ihre Arbeit von fast überall aus zu organisieren.

Hier finden sich junge Leute, die mit ihren Vans unterwegs sind und nebenbei arbeiten, Geschäftsleute, die ihre Firmen aus dem Wohnmobil heraus leiten, oder Influencer, die mit dem Flugzeug global unterwegs sind.

Gerade hier zeigt sich eine neue Ungleichheit innerhalb des Nomadischen. Auf der einen Seite stehen mobile Unternehmer, die oft aus ihren Freiheitserzählungen Kapital in den sozialen Medien schlagen; auf der anderen Seite mobile Arbeitskräfte, die reisen müssen, weil Sesshaftigkeit zu teuer geworden ist.

Der Unterschied zwischen digitalem Nomadismus und den „Nomaden der Arbeit“ ist deshalb nicht bloß stilistisch, sondern — zugespitzt formuliert — klassenförmig.

krise mobilität

Foto: Freepik.com

Die Krise der Mobilität

Diese Aktualisierung bleibt unvollständig, wenn Mobilität selbst nicht als Teil unserer aktuellen Krisen begriffen wird. Klimawandel, Energiepreise, verschärfte Grenzregime, Wohnungsmärkte und digitale Kontrollsysteme verändern die Bedingungen des Unterwegsseins tiefgreifend. Mobilität erscheint heute gleichzeitig als Sehnsucht, ökonomische Notwendigkeit und politisch-ökologische Belastung.

Gerade dadurch gewinnt Deleuzes Unterscheidung von glatten und strukturierten Räumen neue Schärfe. Die offene Welt des Reisens ist längst von Buchungssystemen, Datenströmen, Visabestimmungen und Steuerlogiken dicht durchzogen. Was als Freiheit der Bewegung erscheint, ist, wenn man genauer hinschaut, vielfach hochgradig codiert und ungleich verteilt.

Damit kehrt eine alte Einsicht Ibn Khalduns in neuer Form zurück: Mobilität ist nie nur reine Bewegung, sondern stets in bestimmte Machtverhältnisse eingebettet. Während Chatwin die anthropologische Sehnsucht nach dem Unterwegssein poetisch verklärt, zeigen Bruder und die Gegenwart des digitalen Kapitalismus, dass das Nomadische heute zugleich Hoffnung und Symptom ist.

Schluss: Reisephilosophie nach der Unschuld des Unterwegsseins

Eine heutige Reisephilosophie kann das Nomadische weder schlicht feiern noch einfach verwerfen. Sie muss erkennen, dass in der Sehnsucht nach Unterwegssein ein Verlangen nach der Erfahrung geringeren Besitzes, beweglicherer Identität, offenerer Räume und anderer Formen des Zusammenlebens verborgen ist.

Zugleich muss sie sehen, dass die Freiheit, mobil zu sein, ungleich verteilt ist und immer häufiger mit ökonomischem Druck, sozialer Verwundbarkeit oder ökologischen Kosten einhergeht.

Von Ibn Khaldun bis Bruder zeigt sich so eine durchgehende Frage: Was bedeutet es für Systeme und Gesellschaften, dass immer mehr Menschen nicht fest verankert sind?

Chatwin hat daraus eine Poetologie der Bewegung gemacht, Deleuze eine Denkfigur der Entgrenzung, Bruder eine Diagnose sozialer Prekarität und „Nomadland“ eine melancholische Ethik des Weiterfahrens.

Die Aktualisierung dieser Linie liegt in der Einsicht, dass Nomadentum im 21. Jahrhundert nicht nur Lebensstil oder Metapher ist, sondern ein Brennpunkt, an dem sich Wohnen, Arbeiten, Reisen und soziale Ungleichheit kreuzen.

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Kultur. Welche Kultur?

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Debattenbeitrag über den oft missverständlichen Begriff der „Kultur“, der Probleme beim Islamverständnis schafft. (iz). Nicht wenige wundern sich ernsthaft, wie man heute noch ernsthaft von „Kultur“ sprechen kann, wenn man […]

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Was zeigt uns das Werk von Ibn ­Khaldun? Von Abu Bakr Rieger

(iz). Seit nunmehr einem Jahrzehnt versuchen wir als EMU die verschiedenen Facetten des Islam in Europa zu beleuchten. Zweifellos ist es gerade auch die Präsenz der europäischen Muslime, die deutlich macht, dass der Islam keinesfalls ein Phänomen der Fremde darstellt. Über Jahrhunderte hat der Islam tiefe Spuren in der Geschichte Europas hinterlassen. Hierzu gehört natürlich insbesondere das historische Erbe der Muslime Südost- und Osteuropas, Siziliens und Andalusiens. Man kann wohl mit Recht sagen, dass ohne das Studium der jahrhundertelangen Präsenz in Andalusien das Bild des Islam in Europa zutiefst unverstanden bleiben muss. Oh­ne klare Kenntnisse der Geschichte des Islam, wird es uns auch schwer fallen, den destruktiven Einfluss muslimischer Ideologen und Fanatiker auf das Erscheinungsbild der Muslime zurückzudrängen.

Genauso gilt es für ein tieferes Verstehen der islamischen Lebenspraxis, die großen Denker und Philosophen aus Ost und West und ihr Verhältnis zum Islam in Europa in Erinnerung zu rufen. Viele europäische Philosophen sahen im Phänomen der Einheit, für die der Islam ja steht, eine faszinierende Möglichkeit, das Denken und die Religion zu versöhnen. Im Februar 2013, um nur ein Beispiel zu nennen, hat unser NGO in Weimar, in einem Seminar über das Werk Johann Wolfgang von Goethes, diese facettenreiche Beziehung näher beleuchtet. Von Goethe selbst stammt ja auch der berühmte Satz: „Wenn Islam Gottergebenheit heißt, leben und sterben wir alle im Islam“.

Nachdem wir vor zwei Jahren über das Werk Rainer Maria Rilkes in Ronda nachgedacht haben, haben wir uns im Juni diesen Jahres vorgenommen, das Werk Ibn Khalduns in einen europäischen Kontext zu setzen. Der Historiker Arnold Toynbee sieht in ihm einen der „brillantesten und scharfsinnigsten Geister und einen der größten Historiker den die Menschheit je hervorbracht hat“.

Ibn Khaldun ist aber nicht nur Historiker, sondern auch ein bedeutender Rechtsgelehrter und überzeugter Verteidiger des Sufismus. Wie alle großen Persönlichkeiten und Denker der Vergangenheit, besticht das Werk Ibn Khalduns durch seine bemerkenswerte Aktualität. Ich möchte in aller Kürze versuchen, einige Leitgedanken Ibn Khalduns für die Deutung der Lage Europas, aber auch für die Situation der Muslime in Europa, hervor zu heben. Natürlich verführt die berühmte These Khalduns, die vom unaufhaltsamen Auf- und Abstieg aller Zivilisationen handelt, zunächst zu der Frage, wie es diesbezüglich um Europa steht. Wo steht also Europa heute?

Pessimisten sprechen bereits vom Untergang der europäischen Kultur zugunsten einer entleerten Weltkultur. Sie befürchten Überfremdung und immer neue unlösbare Probleme der Immigration. Es ist von der Krise des Christentums die Rede oder gar von einem bevorstehenden Kampf „heimischer“ und „fremder“ Kulturen innerhalb der Grenzen Europas. Verstärkt wird der neue Pessimismus durch die prekäre ökonomische Lage, in der wir uns in den Jahren der Finanzkrise befinden. Gerade die europaweit praktizierte Inflationskultur, die beinahe zwanghaft immer größere Geldmengen in Umlauf bringt, gibt dem Denkenden tatsächlich Anlass für wachsende Sorgen. Tatsächlich sind, gerade aus der Sicht Ibn Khalduns, Luxus, Konsum und Schulden – wie wir in seinen Werken lernen – sichere Zeichen einer zerfallenden Zivilisation. Auch die rettende Idee ewigen Wachstums, die in Europa nach wie vor bestimmend ist, kann vor seiner ökonomischen Vernunft sicher nicht bestehen.

Ein bedenkliche Folge dieser geistigen Krise und der Zunahme des neuen Pessimismus in Europa kann man – ich erinnere nur an den Ausgang der Europawahlen 2014 – in dem Erstarken rechter und nationalistischer Parteiungen sehen, die mit dem Vorschlag antreten, den kulturellen Zerfall und den Identitätsverlust Europas mit einer Wiederbelebung nationaler Ideen aufzuhalten. Das Beispiel der faschistoiden „Front National” in Frankreich zeigt den Trend, den alten Antisemitismus durch eine neue Islamfeindlichkeit zu ersetzen und die Muslime gar als Fremde ohne eigene Bürgerrechte einzustufen.

Das Motto der neuen Nationalisten ist eher simpel: „Wir sind Europäer, weil sie es nicht sind!“. Der neuen „rechten“ oder „nationalen“ Bewegung fällt es deutlich leichter, den Feind, den Gegner zu definieren, als etwa den positiven Inhalt einer neuen europäischen Kultur. Sie haben keine erneuerte Kultur anzubieten. Infam ist auch der Versuch, sogar in Europa geborene Muslime nicht als Europäer und als natürliche Träger allgemeiner Bürgerrechte zu sehen. Auch ökonomisch hat der neue rechte Populismus, nebenbei erwähnt, kein Konzept, wie eine neue „Nationalökonomie“ unter den globalen Bedingungen der Finanzmärkte bestehen kann.

Diese Bewegung nutzt auch – ob wir Muslime wollen oder nicht – immer öfter der wachsenden negativen Haltung vieler Europäer gegenüber dem Islam. In Deutschland sind, nach einer Untersuchung der Universität Leipzig, inzwischen 56% der Bevölkerung gegen eine weitere Zuwanderung aus der islamischen Welt. Zwar geht die Plage des Antisemitismus auch in Deutschland zurück, allerdings auf Kosten neuer Feindbilder, insbesondere einer wachsenden Ablehnung gegenüber dem Islam. Wir als Muslime müssen uns dabei Sorgen machen, dass islamfeindliche Positionen auch in der Mitte der Gesellschaft zu finden sind. Der ehemalige deutsche Bundespräsident Wulff, der nach 598 Tagen von seinem Amt zurücktreten musste, hat gerade in seinen Erinnerungen berichtet, wie sehr sein Bekenntnis „der Islam sei Teil Deutschlands” ihm Feindschaft und Gegnerschaft eingebracht hat.

Wir Muslime müssen also jetzt mit dafür Sorge tragen, dass sich in Europa ein neuer Optimismus durchsetzt. Wenden wir uns also nun der Anderen, der optimistischen Sichtweise zu.

Tatsächlich ist die Frage, wie Europa mit dem Islam umgeht, für den Charakter des künftigen Europa von entscheidender Bedeutung. Natürlich sind gerade wir, die europäischen Muslime, in unserer Heimat gefragt, an dieser Debatte aktiv teilzunehmen. Als Muslime, von Natur aus den Mittelweg suchend, wenden wir uns gleichermaßen gegen Modelle des provinziellen Nationalismus oder eines weltstaatlichen Zentralismus. Enorm wichtig ist für uns dagegen der soziale Zusammenhalt der gesamten Bevölkerung auf lokaler Ebene. Auch hier finden wir bei Ibn Khaldun einen weiteren Schlüsselgedanken: Assabiyya.

Der Begriff entzieht sich zunächst – wie so oft, wenn wir die eigenständige Terminologie des Islam benutzen – einer eindeutigen Übersetzung in eine europäische Sprache. Es handelt sich hier um die Benennung des sozialen Bindegliedes, den gemeinsamen Nenner zwischen den Menschen, der ihrer aktuellen politischen Natur und ihrem Status entspricht. Dieses setzt dabei immer eine freie Entscheidung voraus, welche ökonomischen, politischen, sozialen oder kulturellen Elementen gemeinsames Handeln ermöglichen soll. Ibn Khaldun wendet sich mit diesem Begriff gegen einen reinen Individualismus, der nach seiner Auffassung nicht der politischen und sozialen Natur des Menschen entspricht.

Nach Ibn Khaldun ist die höchste Form von Asabiyya die „religiös“ motivierte. Sie geht über das provinzielle Stammesdenken hinaus. Aus islamischer Sicht hat diese höchste Form der Assabiyya nichts mit Nationalismus oder der Dominanz einer bestimmten Kultur zu tun. Natürlich kann ich Spanier, Engländer oder Deutscher und gleichzeitig Muslim sein. Bedauerlicherweise entsteht heute in Europa ein falscher Eindruck, da sie noch immer viele antiquierte Organisationen auf Grundlage ethnischer Abgrenzung und Ghettoisierung konstituieren.

Wir definieren dagegen europäische Muslime, die als Europäer die europäischen Sprachen sprechen und ihren sozialen, ökonomischen und kulturellen Beitrag leisten wollen. Ein wichtiges Bindeglied für unsere Gemeinschaften ist dabei die korrekte Erhebung der Zakat und nicht etwa die Herkunft oder ethnische Kategorien.

Klar ist, nur wenn wir die Beiträge des Islam für das soziale und ökonomische Leben öffentlich machen, können wir in Europa eine positive und selbstbestimmte Rolle spielen. Noch immer sehen viele Europäer nicht den zivilisatorischen Beitrag des Islam, der sich aber in der Forderung nach dem freien Markt, dem globalen fairen Handel, dem Wirtschaftsrecht oder den Stiftungen zeigt. Und – dies zeigt sich auch in dem Denken Ibn Khalduns – das islamische Denken setzt die europäische Suche nach der Einheit des Daseins und dem Verstehen der Lebensvorgänge fort. Hier, bei der Bestimmung der eigentlichen konstruktiven Thematik des Islam, hat die European Muslim Union eine zweifellos wichtige Rolle. In Sevilla wurde dabei deutlich, was der Begriff „Assabiyya” für uns europäische Muslime heute positiv ausmacht.

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"IZ-Begegnung" mit dem Historiker Ian Morris über Verschiebung der globalen Macht nach Ostasien

Muslime glauben daran, dass das Schicksal des Menschen – individuell wie gesellschaftlich – in den Händen Allahs liegt. Es enthüllt sich erst im Augenblick seiner Entfaltung. In den letzten drei […]

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Eine Buchkritik von Sulaiman Wilms

(iz). Geschichte ist faszinierend. Für alle offenbart ein Blick auf sie weit mehr als nur eine zweckfreie Erkenntnis, sondern – wenn man daran glaubt – auch Erkenntnis des menschlichen Schicksals. […]

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Notizen zu Beispielen aus der islamischen Geschichte

(iz). Über die Jahre hindurch haben zeitgenössische Gelehrte die Wichtigkeit der Geschichte mit eindeutigen ­Aussagen bewertet. Der amerikanische Phi­­losoph George Santayana ­behauptete beispielsweise, dass „diejenigen, die ihre Geschichte ignorieren, dazu […]

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