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Sadaqa: Laila Massoudi geht der Wurzel von Sadaqa auf den Grund und was das für uns bedeutet.
(iz). Das Handeln in der Welt, wird im Islam von zwei wesentlichen Bestandteilen geprägt: Taqwa gegenüber Allah und Barmherzigkeit gegenüber der Schöpfung. Sie geht weit über den heute teilweise verwendeten Begriff der – christlich definierten – „Demut“ oder „Gottesfurcht“ hinaus und beschreibt denjenigen Zustand, in dem der Muslim in seinem Handeln und Lassen der Anwesenheit Allahs gegenwärtig ist und sein Verhalten dementsprechend ausrichtet.
Foto: jcomp, freepik.com
Sadaqa: mehr als „eine milde Gabe“
Die Barmherzigkeit gegenüber der Schöpfung hat verschiedene Aspekte und behandelt den gesamten Umgang mit Welt. Einer der entscheidenden Punkte dabei ist die Handlung, die im Arabischen als „Sadaqa“ bekannt ist.
Die sprachliche Wurzel der Sadaqa ist die der Aufrichtigkeit, so wurde Abu Bakr, dem ersten Kalifen und engsten Gefährten des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, der Beiname „As-Siddiq“ verliehen, weil er dem Gesandten Allahs immer ohne jegliches Zögern aufrichtig beigestanden hat, wo andere zweifelten.
In diesem Fall verweist es auf die aufrichtige Tat, die der Not der Situation entspricht. Dies ist jenes Geben beziehungsweise Handeln, das weder rechtlich vorgeschrieben ist, wie die Zakat (Pflichtabgabe auf das Vermögen) oder die Ersatzleistungen, die durch das islamische Recht vorgesehen sind. Dazu gehört beispielsweise die Armenspeisung, wenn jemand das Fasten im Monat Ramadan nicht durchhalten kann.
Ebenso unterscheidet sich die Sadaqa vom Handeln im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen. Das heißt, sie ist keine „Formalität“ wie gesellschaftliche Umgangsformen, Höflichkeit mit dem Hintergedanken eines materiellen Gewinns oder Unterwerfungsgesten gegenüber Stärkeren.
Foto: Andrzej Lisowski Travel, Shutterstock
Das beste Beispiel im Propheten
Wie in allen Bereichen des allgemein gültigen menschlichen Verhaltens auch, haben wir Muslime das beste Beispiel im Gesandten Allahs und in der frühen Gemeinschaft der Muslime. Es gibt unzählige Berichte darüber, wie der Gesandte Allahs, seinen geringen Besitz regelmäßig als Sadaqa weggegeben hat. Bekannt geworden ist seine Aussage: „Was wir hinterlassen ist kein Erbe, sondern Sadaqa.“
Bekannt ist der Rat des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden, an die Frauen Medinas: „O Frauen, die ihr Iman habt! Lasst euch nicht davon abhalten, euren Nachbarn zu geben und sei es der gebratene Schwanz eines Schafes.“
In seiner Lebenszeit und nach seinem Tode wurde es zu einer quasi Institution, dass Besucher und Einwohner von Medina, die Sadaqa geben wollten, dass sie zu den Frauen des Propheten gekommen sind und diesen ihre Güter überreichten, da diese die soziale Lage der Gemeinde sehr gut kannten und am besten wussten, wem etwas zu geben war und wem nicht.
Ebenso überliefert sind die Augenblicke, in denen große Gefährten wie Abu Bakr, ‘Umar, ‘Uthman und viele andere ihr gesamtes Vermögen beziehungsweise die Hälfte davon dem Propheten gegeben haben, damit dieser es verwenden konnte. Vom zweiten Kalifen ‘Umar Al-Faruq wird berichtet, wie er persönlich des Nachts dafür Sorge trug, dass Witwen Brennholz und Wasser hatten.
Wie schon erwähnt, lässt sich die Sadaqa nicht mit dem bekannten Konzept der „Almosen“ oder der „mildtätigen Gabe“ übersetzen, da diese das Geben moralisch bestimmen und so den viel weiteren Zusammenhang ignorieren. Auch ist sie im engeren Sinne keine muslimische Variante der Entwicklungshilfe für die entsprechenden Empfänger, wie es heute gelegentlich praktiziert wird.
Foto: bignai, Freepik.com
Nicht aus Zweckgründen geben
Entscheidend für eine – von Allah – akzeptierte Sadaqa ist, dass sie nicht aus Zweckgründen gegeben wird, wie zum Beispiel einem Interesse an öffentlichem Ansehen oder die Erwartung einer Belohnung, noch geht es hierbei um das neurotische Geflecht von „Sünde“ und „Erlösung“, dem der Spender zu entkommen sucht.
Es gehört zum Bestand islamischer Weisheit, dass das Geben nicht als ein Verlust zu verstehen ist.
So gibt es vielfältige Überlieferungen, wonach Allah den Wert des Gegebenen vervielfachen wird. Ebenso ist es muslimische Lebenspraxis, das Selbst durch Geben zu erziehen. Wer sich in die Lage bringt, sich durch das Geben des Besten dessen, was sich in seinem Besitz befindet, von der den Gütern dieser Welt zu lösen, hat bereits ein Stück auf dem Weg der spirituellen Entwicklung hinter sich gelassen.
Allerdings ist damit in keiner Weise ein Art Askese oder Verzicht gemeint, denn Sadaqa gilt nur als vollwertig, wenn sie freiwillig und auch freimütig gegeben wird.
Obwohl das Geben der Sadaqa zu den vollkommen freiwilligen Dingen im Rahmen der islamischen Lebenspraxis zählt, folgt sie doch gewissen Regeln, die sowohl durch die qur’anische Offenbarung bestimmt werden, als auch durch die prophetischen Überlieferungen und die Praxis der frühen Muslime. Außerdem haben sich unterschiedliche Traditionen in ihrer Praxis herausgebildet.
Foto: forenne, Adobe Stock
Es gibt gewisse Regeln
So gilt zum Beispiel, dass niemand von seinem Vermögen mehr als ein Drittel zu einem Vermächtnis nach seinem Tode machen kann. Ebenso muss er frei sein von verpflichtenden Abgaben, das heißt, er oder sie kann nichts geben, wenn auf das Vermögen noch die Zakat oder auch Schulden zu bezahlen sind.
Was das zu spendende Gut betrifft, so muss sich der Spender im vollen Eigentumsrecht befinden, das heißt, man kann nur das geben, was einem auch gehört. Gleichermaßen muss die Spende eine akzeptable Herkunft haben. Man kann nichts geben, was seinen Ursprung in unerlaubten Dingen – Glücksspiel, Diebstahl, Wucher etc. – hat.
Was den Akt der Sadaqa selber betrifft, so erwähnt Allah ausdrücklich im Qur’an (Al-Baqara, Sure, 271), dass es besser für den Muslim ist, im Geheimen zu geben, da die Sadaqa so eine Sache zwischen ihm und Allah bleibt und man so mit ihr nicht prahlen kann. Aus diesem Grund haben die Osmanen die so genannten „Sadaqa-Steine“ entwickelt, bei denen sowohl das Gegebene nicht zu erkennen war, als auch, was der Empfänger genommen hatte.
Nach einer prophetischen Überlieferung ist „die Hand, die gibt, besser als diejenige, die nimmt“. Nichtsdestotrotz werden die Muslime im Qur’an angewiesen, die Bettler nicht von sich zu weisen und sie zu speisen.
„Beim Geben von Zakat und Sadaqa (freiwilligen Spenden) ist es von größter Wichtigkeit, sich korrekt zu verhalten. Der Gebende sollte sich bei dem Nehmenden bedanken, denn durch ihn kann er seine Verpflichtung erfüllen und den gewaltigen Lohn erlangen, den Allah den Gebenden verspricht. Außerdem wird er durch seine Gabe noch vor Unheil, Schaden und vielerlei Arten Unannehmlichkeiten bewahrt“, schreibt der türkische Schaikh Osman Nuri Topbaş über die Höflichkeit der Sadaqa.
Schaikh Dschalaluddin Rumi sagte zum Thema: „Gib deine Existenz und deinen Wohlstand hin in Werken der Wohltätigkeit, um damit die Herzen der Menschen zu erwerben. Die Bittgebete ihrer Herzen für dich werden dir dein Grab mit göttlichem Licht erhellen.“
Er sah in den Armen eine Gelegenheit für die Reichen, ihrer Dankbarkeit Allah gegenüber Ausdruck zu verleihen. So wie Allah den Wohlhabenden von Seiner Gnadenfülle gewährt hat, können sie Seine Großzügigkeit für die Armen widerspiegeln.
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Kalligraphie: Das Berliner Pergamonmuseum startet eine Ausstellung mit Werken von Hajj Moor Deen.
Berlin (Pergamonmuseum). Mit einer Einzelausstellung des bedeutendsten zeitgenössischen Vertreters der Sini-Kalligraphie zeigt das Museum für Islamische Kunst erstmals ausgewählte Werke von Haji Noor Deen in Berlin.
Kalligraphie der muslimischen Minderheit
Sini-Kalligraphie ist die Schriftkunst der muslimischen Minderheit in China. Ihre Geschichte reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Die Besonderheit der Sini-Kalligraphie ist die Verschmelzung von Techniken und Stilen der arabischen und chinesischen Schrifttraditionen.
Arabische Kalligraphie folgt einer jahrhundertealten Tradition von strengen Regeln mit genau definierten Proportionen der Buchstaben. Sini-Kalligraphie hingegen ist völlig frei von diesen Vorgaben.
Foto: Hajj Noor Deen
Schönheit und Ausgeglichenheit
Oberstes Gebot ist die empfundene Schönheit und Ausgeglichenheit der Komposition. Selbst die Schriftrichtung kann frei gewählt werden, entweder von oben nach unten, wie in der chinesischen, oder von rechts nach links, wie in der arabischen Schrift.
Haji Noor Deen ist ein Meister der Sini-Kalligraphie. Inspiriert durch kalligraphische Traditionen von China bis Istanbul kreiert der Künstler mit expressiver Linienführung Werke, die auf den ersten Blick chinesisch anmuten, bei genauer Betrachtung aber weit darüber hinausgehen.
Foto: Hajj Noor Deen
Kunst der Feder
Auch die Malwerkzeuge des Künstlers spiegeln diese Vielfältigkeit wieder: Haji Noor Deen malt die arabischen Buchstaben mit einem Pinsel, der für chinesische Kalligraphie charakteristisch ist.
Genauso schätzt er den Qalam, die Rohrfeder der arabischen Schriftkunst. Hinzu kommen ganz neue Werkzeuge, wie mit Stoff bespannte Holzspatel, die er selbst kreiert. Mit meisterhaftem Können entstehen so Kunstwerke von großer ästhetischer Kraft, die überraschen und berühren.
Eine Anmeldung für die Eröffnung ist erforderlich unter isl@smb.spk-berlin.de
Es folgt eine Bestätigung per E-Mail, die am Eingang zum Auditorium als Einlasskarte dient.
Einladung zum Kalligraphie Workshop mit Haji Noor Deen
Im Kontext der oben genannten Ausstellung laden wir Sie herzlich zu zwei Kalligraphie-Workshops ein. Lernen Sie die faszinierende Kunst der Sini-Kalligraphie kennen, einer Synthese aus arabischer und chinesischer Schrifttradition.
Probieren Sie dabei selbst den Unterschied zwischen Pinsel und Qalam aus! Der dreistündige Workshop beginnt mit einer Führung durch die Ausstellung. Der Künstler Haji Noor Deen persönlich erzählt über seine Arbeitsweise und stellt seine Werke vor. Im anschließenden praktischen Teil entstehen Kaligraphien, die mit nach Hause genommen werden können.
Freitag, 07.07.2023, 16-19 Uhr, Pergamonmuseum
Samstag, 08.07.2023, 10-13 Uhr, Pergamonmuseum
Pro Termin: 15 Teilnehmer:innen
Kostenfrei. Keine Vorerfahrung nötig.
Eine Anmeldung ist erforderlich unter isl@smb.spk-berlin.de Bitte teilen Sie uns mit, an welchem Tag Sie teilnehmen wollen.
Islamische Lebenspraxis: Der letzte Prophet, unser Meister Muhammad, machte auch die Erfahrung der Reise. (iz). Auch wenn sich in islamischen Quellen und diversen, regionalen Traditionen nichts unter dem Schlagwort „Tourismus“ […]
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