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Istanbul: eine der Kreuzungen der Welt

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Istanbul ist eine der großen Kreuzungen der Welt: Stadt zwischen zwei Kontinenten, Meerengen und Handelswegen, an denen sich seit der Antike Menschen, Sprachen und Überzeugungen mischen. (iz). Wer hier ankommt, […]

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Evliya Celebi – ein Weltreisender in Istanbul

celebi istanbul

Evliya Çelebi und die Geheimnisse einer Epoche: Das 17. Jahrhundert war ein Zeitalter der neuen Wege. Händler, Gesandte, Pilger und Abenteurer durchquerten Kontinente – und einige von ihnen schrieben die Welt neu.

(iz). Unter ihnen ragen drei Namen heraus, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Jean-Baptiste Tavernier, der französische Juwelenhändler, der chinesische Naturbeobachter Xu Xiake und Evliya Çelebi, der osmanische Geschichtenerzähler.

Evliya Çelebi: der osmanische Geschichtenerzähler

Vierzig Jahre lang zog der letzte durch das Osmanische Reich und weit darüber hinaus – vom Balkan bis nach Ägypten, von Wien bis nach Mekka. Sein Werk, das „Seyahatnâme“, umfasst zehn Bände, die nicht nur Landschaften und Städte beschreiben, sondern auch zahlreiche Anekdoten und Traumvisionen beinhalten. Eckpfeiler des Werkes bilden die Bände über Istanbul (Band 1) und Kairo (Band10).

Auf meiner Reise nach Istanbul begleitet mich das Reisebuch mit seinem ganzheitlichen Blick auf das soziale Leben. Für Evliya war die Welt ein Schauspiel der Vielfalt, die er versuchte mit Fakten, Erinnerungen und Visionen abzubilden. 

Das Buch des Reisenden ist kein Zeugnis des Egos des Autors. Der Verfasser spricht von sich stets in der dritten Person. Es ist erstaunlich, durch das moderne Istanbul zu wandern und das zeitlose Erkenntnisverfahren des osmanischen Gelehrten im Hinterkopf zu behalten.

Zu jeder Zeit leiten Reisende unterschiedliche Absichten und Motive. Fast zeitgleich zog Jean-Baptiste Tavernier (1605–1689) von Paris nach Persien und Indien. Er war kein Gelehrter, sondern Händler: Diamanten und Juwelen waren sein Geschäft. Sechsmal reiste er nach Isfahan, Delhi und Golconda, wo er die legendären Diamantenhöfe beschrieb. 

Seine „Six Voyages“ machten ihn in Europa berühmt. Der Blick des Kaufmanns war eher praktisch und ökonomisch und seine Schilderungen drehen sich oft um Maße, Preise, Handelswege oder Hofzeremonien, erzählen von Luxus und Macht.

Im fernen China wanderte dagegen Xu Xiake (1587–1641) durch Berge, Flüsse und Höhlen. Sein Werk, das „Xu Xiake Youji (Reisenotizen)“, umfasst 20 Bände und ist eine präzise Dokumentation von Geologie, Hydrologie und Topographie des Reiches der Mitte.

Foto: Johnny Hanson

Drei Reisende, drei Perspektiven

Drei Reisende, drei Perspektiven – und doch gehören sie zusammen. Denn ihre Werke zeigen, wie im 17. Jahrhundert die Welt enger zusammenrückte. Osmanen, Europäer, Asiaten – jeder beschrieb auf seine Weise die Vielfalt eines Jahrhunderts, das mit globaler Bedeutung zu erzählen begann.

In Istanbul versuche ich, Evliya Çelebi (1611–1682), dem Chronisten, Geschichtenerzähler und Abenteurer näher zu kommen. Niemand hat das Osmanische Reich und seine Nachbarländer so detailreich und zugleich so poetisch beschrieben. Als Sohn eines angesehenen Goldschmieds am Hofe, wuchs Evliya im Zentrum der osmanischen Macht auf.

Schon als Kind erhielt er eine Ausbildung in Musik, Theologie und Sprachen – eine polyphone Bildung, die ihm später in fernen Ländern den Zugang erleichtern sollte. Früh trat er in den Dienst des Sultans, und bald begann er, seine Reisen aufzuschreiben.

Von 1640 bis fast zu seinem Tod war er unterwegs: auf den Schlachtfeldern des Balkans, in den Basaren Kairos, im Palast von Wien, auf Pilgerfahrt nach Mekka. Über vier Jahrzehnte lang sammelte er seine Eindrücke, Anekdoten, Legenden und Beobachtungen.

Und doch kehrte er immer wieder nach Istanbul zurück. Schon im ersten Band seines Werkes widmet er der Stadt eine fast enzyklopädische Darstellung seiner Moscheen und Bauwerke. Kein Ort ist so ausführlich beschrieben wie seine Heimatstadt. Istanbul ist für Evliya Çelebi nicht nur Heimat, sondern der Mittelpunkt seiner Welt.

Folgenschwerer Versprecher

Manchmal ist es ein einziger Versprecher, der ein Leben bestimmt. Auf meinem Stadtrundgang besuche ich die kleine Ahi Çelebi-Moschee am Goldenen Horn in Istanbul. Man ist alleine dort, denn das sakrale Gebäude wird von den Touristenströmen übersehen.

Dort – habe ich in einer Biografie gelesen – sah der Reiseschriftsteller in einer Vision den Propheten. Aufgelöst in Emotionen, so berichtet er, wollte er eigentlich die Worte sprechen: „Şefaat ya Resûlallah“ – „Fürbitte, o Gesandter Gottes“. Stattdessen aber kam ihm ein anderes Wort über die Lippen: „Seyahat“ – „Reise“.

Ein einziger Laut, eine Verschiebung im Klang – und aus der Bitte um himmlische Gnade wurde die Berufung zu einem Leben voller Bewegung. Der Prophet lächelte und sprach: „Fürbitte, Reisen und Pilgerfahrten möge Dir Gott samt Gesundheit und Wohlergehen gewähren.“

Die erstaunliche Erfahrung ist das Ereignis, das Çelebi zu einem Leben als Weltreisenden inspirierte. Der Versprecher verrät, was tief in ihm bereits schlummerte – eine ungestillte Sehnsucht nach der Fremde, nach Abenteuer, nach der Weite der Welt. Er bat in seinem Traum nicht um Erlösung, sondern um eine lebenslange Erfahrung.

Foto: Tharik Hussain

Zehntausende Kilometer Reise

Und so entfaltete sich aus diesem einen Wort ein ganzes Werk: Zehntausende Kilometer Reise, Begegnungen mit Fürsten und Bettlern, Beschreibungen von Krokodilen am Nil, von Märkten in Kairo und Palästen in Wien.

Dieser Traum wurde zum Ausgangspunkt des „Seyahatnâme“, jenes gewaltigen zehnbändigen Reisebuches, das uns heute nicht nur Städte, Märkte und Landschaften des 17. Jahrhunderts vor Augen führt, sondern auch die Mentalität einer Epoche.

Sein komplexer Erzählstil ist heute nicht einfach zu verstehen. Der Psychoanalytiker Jacques Lacan unterscheidet drei Register der psychologischen Erkenntnis: das Imaginäre (die Welt der Bilder und Visionen), das Symbolische (die Ordnung der Sprache und Kultur) und das Reale (das, was sich dem Verstehen entzieht).

Wendet man diese Struktur für die Deutung des Traums von Evliya an, so greifen diese Register ineinander: Die strahlende Versammlung des Propheten, die bildhafte Pracht der Vision gehören zur imaginären, der sprachliche Ausrutscher, der aus „Şefaat“ ein „Seyahat“ macht, ein Laut, der seine ganze Lebensbahn verschiebt, zur symbolischen Ordnung.

Der Schock des Traumerlebnisses, ein Ereignis, das sich kaum in Worte fassen lässt und dennoch unwiderruflich wirkt, gehört zur Dimension des Realen. Çelebi ist ein Grenzgänger und versucht immer wieder spirituelle Erfahrungen, die sprachlos machen, für seine Leser in eine symbolische und bildhafte Formensprache zu übersetzen.

Es ist also das pulsierende Innenleben des Reisenden, das erklärt, warum er in seinem Werk nicht systematisch vorgehen konnte, um seine komplexen Erinnerungen und Eindrücke zu Papier zu bringen. Çelebi selbst vergleicht seinen Opus mit einer aus vielen bunten Flicken zusammengenähten Kutte eines Derwisches.

Als Evliya Çelebi im späten 17. Jahrhundert starb, war sein riesiges „Seyahatnâme“ zwar im Osmanischen Reich bekannt, aber es blieb ungedruckt. Nur handschriftliche Kopien kursierten in den Bibliotheken von Istanbul, Kairo oder Damaskus. Für die westliche Welt war er ein Unbekannter. Erst im 19. Jahrhundert kam der Text nach Europa.

Im 19. Jahrhundert wiederentdeckt

Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856), ein österreichischer Diplomat, war einer der ersten Europäer, die das Osmanische Reich systematisch erforschten. Er beherrschte Türkisch, Arabisch und Persisch, veröffentlichte eine monumentale „Geschichte des Osmanischen Reiches“ und gilt als Begründer der Orientalistik im deutschsprachigen Raum.

Sein Ziel war es, das Osmanische Reich nicht nur als Gegner der Habsburger zu betrachten, sondern seine Kultur ernst zu nehmen und in Europa bekannt zu machen. Während seiner Tätigkeit in Istanbul stieß er in den osmanischen Bibliotheken auf die Handschriften von Evliya Çelebi.

Er war sofort fasziniert: Hier war eine Quelle, die nicht, wie europäische Gesandte oder Reisende, von außen auf das Reich blickte, sondern von innen. Er begann, Auszüge ins Deutsche zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Vielen Lesern im von Rationalität geprägten Westen fiel es schwer, mit den ungewohnten Erzählungen des osmanischen Reisenden umzugehen. Der amerikanische Gelehrte Robert Dankoff hat in seiner Pionierarbeit gezeigt, dass Evliyas Mischung aus Fakt und Fiktion, aus genauen Beobachtungen und phantastischen Ausschmückungen, kein Mangel an Zuverlässigkeit darstellt, sondern ein bewusstes literarisches Stilmittel ist.

Für ihn handelt es sich bei den Werken um „eine osmanische geographische Enzyklopädie als Reisebericht und Autobiografie strukturiert“. Auch den Traum deutet Dankoff, im Gegensatz zu vielen Skeptikern, nicht als bloße Einbildung, sondern ordnete ihn verstehend in seiner poetischen Struktur ein.

Wissen Aischa

Foto: Archiv

Auch ein Gelehrter

Çelebi, der osmanische Wanderer des 17. Jahrhunderts, war nicht nur Chronist der Geschichte und ein Erzähler vom Alltag der Kaufleute und ihren Karawanen.

Er war auch ein Gelehrter, der sich für Platon und Aristoteles begeisterte, und in Athen die Akropolis betrachtete, nicht nur als Ruine, sondern als lebendiges Zeichen einer Welt, die dem Osmanischen Reich vorausging. Die Griechen waren für ihn Nachbarn und Erben einer anderen Zivilisation, die er mit Interesse in seine Chronik aufnahm.

Auf meinem Rückweg stehe ich schließlich staunend vor der Hagia Sophia und betrachte die Säulen, die schon Kaiser Justinian sah, und die Minarette, die Sultane hinzufügen ließen. Heute dürfen Muslime wieder in der Moschee beten.

An der Einlasskontrolle verlangt man von mir, das Glaubensbekenntnis aufzusagen und lässt mich dann eintreten. Das Bauwerk ist in seiner monumentalen Schönheit unvergleichlich.

Nach meinem Besuch sitze ich auf einer Bank in der Sonne und denke an einen anderen, modernen Reiseschriftsteller: Patrick Leigh Fermor. Das Haus des Abenteurers besuchte ich letztes Jahr in Griechenland.

„Sie waren nicht zu tadeln“

Seine Perspektive auf die Geschichte der Osmanen war von seiner Griechenlandliebe geprägt. Für Fermor blieb Istanbul stets Konstantinopel, die Stadt der Kaiser, Mosaiken und byzantinischen Liturgien. Er sah mit Melancholie auf den Untergang des Reiches von Byzanz, doch ohne Bitterkeit gegen die Osmanen.

„Sie waren nicht zu tadeln“, schreibt er, „denn Eroberungen gehören zur Geschichte. Die Schuld lag im Niedergang der Byzantiner selbst“. So konnte er zugleich die Verluste der Orthodoxie beklagen und die Kraft der muslimischen Kultur respektieren.

Mit dieser Einstellung und dem Interesse an beiden geschichtlichen Perspektiven, öffnet sich ein spannender Dialog über die großen Zivilisationen der Vergangenheit.

Hier, im Herzen Istanbuls, kreuzen sich wie von jeher die Wege und Blicke der Reisenden aus aller Welt. Die Stadt ist nicht nur ein pulsierender Ort, sondern eine Schichtung von Zeiten und ein Spiegel von Geschichten, die niemandem alleine gehören.

Die Schriften Çelebis, längst populär geworden, ermöglichen ein tieferes Verständnis über eine der großen Epochen der Zeitgeschichte. Im Schlusswort seines geheimnisvollen Lebenswerkes fasst der Autor seine lebenslangen Bemühungen in aller Bescheidenheit zusammen:

„Freilich ist es (das Werk) in den Augen der Feingebildeten und Verständigen kaum gelungen. Ich kann nur hoffen, dass sie den Umstand mit der großen Zahl meiner Reisen entschuldigen und sie keinen Blick darauf wenden, dass es mir nicht gegönnt ist, Wendungen in prunkvoller Rede zu schreiben.“

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Epizentrum im Marmarameer: Schweres Erdbeben erschüttert Istanbul

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Schon seit Langem warnen Experten vor einem heftigen Erdbeben in Istanbul. Heute erschütterte ein heftiger Erdstoß die Metropole.

Istanbul (dpa/iz). Die türkische Millionenmetropole Istanbul ist von mehreren Beben durchgerüttelt worden. Um 12.49 Uhr registrierte der Katastrophendienst Afad das bislang heftigste der Stärke 6,2 mit Epizentrum im vor der Stadt gelegenen Marmarameer. Zahlreiche weitere Erdstöße der Höhen 4 bis 5 folgten.

Einwohner der Stadt mit ihren 16 Mio. Bürgern verließen Häuser und Wohnungen und harrten während der Nachbeben im Freien aus. Berichten des staatlichen Senders TRT zufolge holten Menschen ihre Angehörigen aus Krankenhäusern. Teilweise waren Telefonnetz und Internet gestört.

Warnungen vor weiteren tektonischen Erschütterungen

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein nächster heftiger Erdstoß folge, sagte der Geologe Okan Tüysüz dem Sender NTV. Experten gehen davon aus, dass ein Beben rund um die Stärke 7 in Istanbul seit Langem erwartet werde. Laut Städtebauminister Murat Kurum gelten 1,5 Mio. Wohnungen und Gewerbeeinheiten als erdbebengefährdet.

Das Beben war in Teilen des Nachbarlands Griechenland deutlich zu spüren. Vor allem im Nordosten am Grenzfluss Evros zur Türkei hin wurden die Menschen in Angst versetzt, berichteten griechische Medien. Meldungen über die Erdstöße gab es außerdem von etlichen Ägäisinseln, darunter Chios und Lesbos. Schäden habe es jedoch nicht gegeben.

Auch im nordwestlich angrenzenden Bulgarien wurde das Beben gespürt, am stärksten im südöstlichen Grenzgebiet und in der Region Burgas am Schwarzen Meer, wie das Geophysische Institut in Sofia mitteilte.

Erste Meldungen über Verletzte

Bisher werden in der Metropole nach den Beben 151 Verletze behandelt. Sie seien „aus Panik aus der Höhe gesprungen“, schrieb das Istanbuler Gouverneursamt auf X. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Innenminister Ali Yerlikaya erklärte auf der Plattform X, es gebe bislang keine Kenntnisse von Toten. Über größere Sachschäden war zunächst nichts bekannt.

Der türkische Präsident Erdogan sprach den Betroffenen bei einer Veranstaltung in der Hauptstadt Ankara seine Genesungswünsche aus. Alle staatlichen Institutionen befänden sich derzeit in voller Alarmbereitschaft und verfolgten die Lage genau. Einsatzteams untersuchten die Lage vor Ort „mit größter Sorgfalt“. „Gott sei Dank gibt es momentan keine bedenkliche Lage“, sagte der Staatschef.

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Das traurige Schicksal von Fikirtepe

Fikirtepe

Fikirtepe – das einstmals arme Wohnviertel in Istanbul musste eines rasanten Baubooms und der Gentrifizierung weichen. (iz). Als westliche Schriftsteller wie Gérard de Nerval oder Théophile Gautier im 19. Jahrhundert […]

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Ayasofya bekommt neue Regeln für Besucher

istanbul ayasofya

Ayasofya: Im Sommer 2020 hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den berühmten Bau in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umgewandelt.

Istanbul (dpa, iz). Es war ein Herzensprojekt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – und stieß auf internationale Kritik: Im Sommer 2020 hatte Erdogan die Ayasofya (Hagia Sophia) in Istanbul von einem Museum wieder in eine Moschee umgewandelt. Von Mirjam Schmitt und Linda Say

Erdogan betonte damals, der Eintritt werde immerhin abgeschafft und das Kulturdenkmal stehe allen offen – Muslimen und Nichtmuslimen. Seit Montag gibt es eine neue Änderung: Ihr Betreten soll reguliert und wird für Besucher wieder kostenpflichtig werden.

Der Tourismusminister verspricht sich davon ein besseres Miteinander von Besuchern und Gläubigen. Touristen machten unvermeidlich Lärm und störten damit unfreiwillig den Frieden und das Gebet, sagte Minister Mehmet Nuri Ersoy vor Kurzem.

Foto: Freepik.com

Ayasofya: Trennung von Betenden und Touristen

Touristen wie Betende dürfen bislang gemeinsam den Innenraum betreten. Absperrungen und Hinweisschilder sorgen für etwas Distanz. Seit Montag werden Gläubige und Besucher durch verschiedene Eingänge geschleust.

Während die Betenden die bisherigen Eingänge nutzen können, werden Touristen über eine Galerie im oberen Stockwerk geführt. Reiseführer dürfen laut Ersoy nicht mehr erklärend durch die Gänge geleiten. Stattdessen sollen Kopfhörer eingesetzt werden.

Die 29-jährige Zeliha Duman ist aus Deutschland gekommen, um sich das Gebäude nach der Umwandlung in eine Moschee noch einmal anzusehen. Sie findet sie „atemberaubend“.

Die neue Regelung begrüßt sie. „Solange der Eintritt nicht unbezahlbar ist, finde ich das in Ordnung. Wieso sollte die Türkei und die Regierung nicht davon profitieren?“, sagt sie. Das Geld könne in den Erhalt solcher Glaubensstätten gesteckt werden.

Bedeutend für Christen und Muslime

Seit 1985 gehört die Hagia Sophia als Teil der Istanbuler Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Errichtet von Kaiser Justinian war die Hagia Sophia fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Sie war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. Ab dem 7. Jahrhundert wurden dort die Kaiser gekrönt.

Foto: Unsplash

Besucher aus der ganzen Welt

Der Beliebtheit des Monuments hat das offenbar keinen Abbruch getan. Rund 13,6 Millionen Menschen besuchten den Bau nach offiziellen Angaben im Jahr 2022. Dabei kommen nicht nur Touristen aus Europa.

Vor allem die Besucherzahlen aus Indonesien hätten zugenommen, sagte ihr Imam, Bünyamin Topuoglu, der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im Sommer. Oft besuchten Gläubige vor ihrer Pilgerreise nach Mekka noch Istanbul und die Ayasofya.

Die Höhe des Eintrittsgeldes wird noch festgelegt. Die Einnahmen würden, so versichert Minister Ersoy, wieder für Kulturgüter ausgegeben. Etwa für Ausgrabungen oder den Erhalt von Monumenten wie ihr.

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Ein westöstlicher Dichter in Istanbul (2)

(iz). Nachdem wir in Eyüp das Morgengebet verrichtet haben, konnte der Tag beginnen! Außerhalb der Eyüp-Moschee ist ein Wasserspiel und direkt daneben blüht das Herz eines jeden deutschen Poeten auf! […]

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Ein westöstlicher Dichter bereist die westöstliche Weltstadt Istanbul (1)

(iz). Das Volk interessiert mich unendlich“, sagte Goethe. Er sagte auch: Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, […]

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Festnahmen nach Anschlag in Türkei: Wer sind die Verantwortlichen?

Der Tag nach dem Anschlag im Zentrum Istanbuls mit sechs Toten steht ganz im Zeichen der Aufklärung. Für die türkische Polizei und das Innenministerium stehen die Verantwortlichen fest. Von Anne Pollmann und Linda Say

Istanbul (dpa/iz). Die Ermittlungen zum Anschlag mit sechs Toten in Istanbul haben gerade erst begonnen, doch für die türkische Polizei war der Fall am Montag klar: Sie veröffentlichte Fotos einer Frau in Handschellen. Sie soll die Bombe auf der Einkaufsstraße Istiklal platziert haben. Bei dem Anschlag am Sonntag auf der belebten Einkaufsstraße waren sechs Menschen getötet worden, 81 wurden verletzt.

Wenig später habe die Syrerin gestanden, ihren „Befehl“ von der „PKK/YPG/PYD“ bekommen zu haben. Aus türkischer Sicht sind die syrische YPG und deren politischer Arm PYD Ableger der verbotenen Terrorgruppe PKK und ebenfalls „Terrororganisationen“. Beide dementierten am Montag jegliche Verantwortung für den Anschlag mit mehr als 80 Verletzten.

Noch bevor die Ermittlungen abgeschlossen sind, hätten türkische Beamte für eine neue Militäroperation in Nordsyrien plädiert, sagte Berkay Mandirici von der International Crisis Group. Ein Vorhaben, das Präsident Recep Tayyip Erdogan seit Mitte des Jahres ankündigt. Ankara geht regelmäßig gegen alle drei Gruppierungen militärisch vor, in der Südosttürkei, dem Nordirak und in Nordsyrien.

Mit der angeblichen Unterstützung für die YPG etwa hatte Ankara auch das Veto für die Nato-Norderweiterung um Schweden und Finnland begründet. Die USA wiederum sehen die YPG im syrischen Bürgerkrieg als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Innenminister Süleyman Soylu warf Washington erneut vor, „Terrororganisationen“ zu unterstützen. Er lehnte Beileidsbekundungen aus Botschaft und Konsulat ab.

Mandirici sagte, es bleibe abzuwarten, ob die türkischen Ermittlungen weitere Beweise einer Schuld der PKK/YPG aufdeckten. Die Terrormiliz Islamischer Staat oder das Terrornetzwerk Al-Qaida und Sympathisanten dieser Gruppen sollten noch nicht als potenzielle Täter ausgeschlossen werden. In der Türkei gebe es Schätzungen zufolge Tausende von IS-verbundenen Personen, sowohl türkische Staatsbürger als auch Ausländer, die aus Syrien und dem Irak eingereist sind. „Der Istiklal-Angriff spiegelt in Bezug auf Verhalten und Ziel frühere Angriffe des IS mit Blick auf Methode und Ziel in der Türkei in den Jahren 2015/2016 wider.“

Der Historiker Thomas Weiberg führt in die deutsch-osmanische Freundschaft ein

(iz). Aber wer im Okzident kennt unsere Geschichte? Wer unterzieht sich der Mühe, sie kennenzulernen?“ Mit diesem Stoßseufzer rätselte schon Sultan Abdul Hamid II (1842-1918) vor 100 Jahren über die Bereitschaft Europas, sich mit dem damaligen Osmanischen Reich fair auseinanderzusetzen. Natürlich sind diese Fragen heute noch aktuell, man denke nur an die, von türkischer Seite oft als unfair empfundenen, Debatten über die Rolle der modernen Türkei oder die mediale Begleitung der Politik des neuen „Sultans“ von Ankara, dem türkischen Präsidenten Tayyib Erdogan.

Es ist das Verdienst des Historikers Thomas Weiberg, in seinem neuen Buch einen Versuch der Objektivierung der Debatte um den berühmten osmanischen Regenten vorzulegen. Auch mit der Absicht, wie der Autor im persönlichen Gespräch versicherte, die heutigen Kontroversen um die Türkei und den Islam besser auszuleuchten. Seinen Beitrag versteht Weiberg dabei nicht etwa als Romantisierung der Vergangenheit, sondern als den Versuch, die geschichtlichen Grundlagen heutiger Probleme zu verdeutlichen. Weiberg zitiert dabei treffend den türkischen Romancier Ahmet Tanpinar: „Die Vergangenheit, das heißt die Geschichte, ist für die Gesellschaft, was das Gedächtnis für das Individuum ist“.

In dem vorliegenden Buch geht es Weiberg darum, die Person des Sultans weder zu verherrlichen noch zu verdammen, sondern ein möglichst ausgewogenes Bild herauszuarbeiten. Dem Historiker gelingt dies, weil er nicht nur die persönlichen Erinnerungen des Regenten übersetzt und in das Buch einfügt, er auch in seinem thematischen Teil keine umfassende Biographie vorlegt, sondern sich auf die wichtigsten Fragen seiner Regierungszeit beschränkt und mit zahlreichen Quellen die unterschiedlichen Stimmen und Beurteilungen der Zeitgenossen des Kalifen für sich sprechen lässt. So entsteht ein faszinierendes Bild einer Zeit, die im Spannungsfeld der Begegnung von Islam und Technik, von Globalisierung und wirtschaftlichen Interessen, von Demokratie und persönlicher Herrschaft steht.

Wer aber war dieser Sultan Abdul Hamid II? „Man entdeckt eine autoritäre Persönlichkeit, extrem um ihre Vorrechte und Rechte besorgt, jeden Eingriff in ihre Macht zurückweisend, ein gewiegter Stratege ohne Skrupel, ein geschickter Diplomat“ zitiert Weiberg den Engländer Georgon aus seiner Bioraphie. Tatsächlich gelang es dem Monarchen, drei Jahrzehnte lang den Zerfall eines Reiches, über drei Kontinente ausgreifend, zumindest zu verzögern. Eine beinahe unmögliche Aufgabe, auf der einen Seite der Versuch, das arme Land mit Hilfe der westlichen Industriestaaten zu modernisieren, zum Beispiel durch den Bau der Eisenbahn nach Bagdad, auf der anderen Seite den Ansturm der europäischen Großmächte, die das Reich beherrschen und seiner eigenständigen Traditionen berauben wollen, abzuwehren. So agiert der Monarch und sein Hofstaat inmitten eines komplizierten Geflechts von geopolitischen Machenschaften, diplomatischen Intrigen und wirtschaftlichen Interessen. Das Wunder dabei ist, dass der beinahe „ohnmächtige“ Herrscher seine Machtposition über drei Jahrzehnte hält. Welche Mittel er dazu nötig hat, auch um innenpolitische Gegner wie die Armenier auszuschalten, betrachtet Weiberg mit der nötigen Distanz. „Bis heute scheint es daher schwierig, den Anteil, den Abdul Hamid II selbst an diesen Ausschreitungen hatte, zu bestimmen“ beurteilt Weiberg die Faktenlage eher vorsichtig. Auf der anderen Seite geht Sultan Adul Hamid auch für Weiberg als Reformer in die Geschichte ein, so begründet er nicht nur ein modernes Erziehungswesen, sondern er sorgt auch dafür, dass über einhundert Mädchenschulen in Istanbul eingerichtet werden.

Interessant lesen sich die Passagen, gerade aus heutiger Perspektive, über die Rolle der Medien im Umgang mit dem Herrscher und seiner Politik. Weiberg zeigt in vielen Zitaten, wie sich in der Betrachtung über die Osmanen immer wieder rassistische Motive und Vorurteile verbergen. Hier bringt der Historiker eine verbreitete Stimmung auf den Punkt: „Es lässt sich auch zugespitzter ausdrücken, vielen Europäern jener Epoche mag es geradezu unfassbar erschienen sein, dass es auch in den politischen Lagern außerhalb der fest gefügten europäischen Welt Menschen gab, die sich ihnen gewachsen zeigten, bei denen sie an Grenzen stießen, Menschen eben, die eine begründete Vorstellung von den Dingen hatten und dabei nicht von vornherein bereit waren, die europäische Überlegenheit bedingungslos anzuerkennen.

Natürlich schildert Weiberg in wichtigen Passagen detailliert das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Osmanen, bleibt aber auch hier dankenswerterweise seinem eher nüchternen Stil treu. Natürlich ging es bei diesem Verhältnis zweier Monarchen nicht um eine naive Männerfreundschaft, sondern in erster Linie um politische und wirtschaftliche Interessen. Sultan Abdul Hamid schreibt 1898 über das Verhältnis zu Deutschland recht lapidar: „Deutschland ist die einzige Macht, der wir mit einiger Sicherheit den Bau unserer Eisenbahnen anvertrauen können, denn wir können sicher sein, dass für Deutschland ökonomische und finanzielle Interessen vorrangig sind.“

Bei allem Geschäftssinn dürfte dabei auch hilfreich gewesen sein, dass der deutsche Kaiser dem Islam und der osmanischen Kultur durchaus offen und respektvoll begegnete. Seinem Vetter Nikolaus II schrieb er 1898 aus Damaskus unter dem Eindruck seiner Orientreise: „Meine persönliche Empfindung beim Verlassen der Heiligen Stadt war, dass ich mich tief beschämt den Moslems gegenüber fühlte, und dass ich, wenn ich ohne Religion dorthin gekommen wäre, sicherlich Mohammedaner geworden wäre.“

Man muss schlussendlich das Buch von Thomas Weiberg als Pflichtlektüre einstufen, zumindest für alle, denen es um ein vertieftes, auch geschichtlich begründetes Verhältnis zur historischen und aktuellen Türkei geht. Aber auch für das Verstehen der Rolle des Islam in unserer Zeit gibt das Buch wichtige Impulse, denn die moderne Begegnung von „Islam und Technik“, die sich in der Regierungszeit des Sultans vollzieht, ist nach wie vor eine intellektuelle Herausforderung für Muslime in aller Welt.

Thomas Weiberg, Mein Sultan möge lange leben! 528 Seiten, Simurg Verlag

Kommentar der Kommunalwahlergebnisse in der Türkei

Es waren zwar nur Kommunalwahlen. Diese hatten es aber in sich. Die regierende Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat wieder einmal eine Schicksalswahl für sich entscheiden […]

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