, , ,

Remigration oder Europas neuer Kulturkampf

europa remigration kulturkampf

Unter dem Schlagwort „Remigration“ entwirft Europas extreme Rechte langfristige Pläne zur ethnischen Neuordnung. Im Fokus stehen u.a. Muslime – selbst mit hiesigem Pass. (iz). Aus Sicht muslimischer Communities in Europa […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Viele sagen „Islamismus“, meinen aber „Muslime“

islamismus islamisch

Von Grünen bis AfD kämpfen Politiker dieser Tage gegen den „Islamismus“. Was genau das sein soll, weiß keiner so genau. Sicher ist nur, wer unter diesem Kampf oft leidet: ganz normale Muslime.

(iz). Was würden Sie denken, würde ich Ihnen erzählen, dass Nordkoreas Kim Jong-un, SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz und der Sozialarbeiter von nebenan Teil einer gemeinsamen sozialistischen Bedrohung sind? Dass Putin, die kolumbianischen Farc-Rebellen und der Deutsche Gewerkschaftsbund insgeheim die kommunistische Unterwanderung unserer Gesellschaft planen?

Sie würden mich vielleicht für einen Verschwörungstheoretiker, auf jeden Fall aber für einen kompletten Spinner halten. Und das völlig zurecht. Was aber, wenn ich Ihnen erzähle, es gibt Menschen, die so etwas behaupten. Und sie gelten als alles andere als inkompetent. Im Gegenteil: Viele haben sich mit solchen Behauptungen das Renommee ausgewiesener Experten erarbeitet. Sie sitzen im Bundestag, Behörden, Talkshows und Chefredaktionen. Ihre Verschwörungstheorien finden sich in Gesetzestexten, Leitartikeln und auf Bestsellerlisten.

Der Unterschied ist nur: Ihre Spinnereien handeln nicht von den unzähligen Gruppierungen, Ideologien und Bewegungen weltweit, die zwar irgendwie ihren Ursprung in den Schriften von Marx und Engels haben, aber längst nichts mehr miteinander zu tun haben. Sie handeln von muslimischen Verbandsfunktionären, Messerstechern in der Fußgängerzone, türkeistämmigem Gemeinderäten, Diktatoren vom Golf und Imamen von nebenan.

Sie alle sollen Teil eines gemeinsamen „islamistischen“ Bedrohungsszenarios sein. Dabei haben sie außer ihrem Muslimischsein meist nur die negativen Fremdzuschreibungen gemein: reaktionär, anti-demokratisch, gewalttätig.

„Islamismus“ war schon immer ein unscharfer Begriff

Die Unschärfe und das damit verbundene Missbrauchspotenzial des Begriffs „Islamismus“ ist nichts Neues. Es ist dem Begriff quasi in die Wiege gelegt. Das Licht der Welt erblickte der „Islamismus“ an europäischen und amerikanischen Unis Mitte der 1970er: Als Sammelbezeichnung für politische Bewegungen und Akteure, die im 20. Jahrhundert überall in der islamischen Welt als Antwort auf die Krisen jener Zeit entstanden waren. Schon Ende der 80er hatte der Begriff seine zahlreichen Vorgänger wie „Radikalismus“, „Fundamentalismus“ oder „Islamisches Erwachen“ weitgehend ersetzt. 

Was dem Islamismusbegriff bis heute fehlt, ist eine allgemein akzeptierte Definition: Ein Islamist ist jemand, der den Islam als Grundlage für soziale und politische Veränderungen gebraucht. So lautet ein Minimalkonsens unter den Islamismus-Definitionen. Anders als „islamisch“ beschreibt „islamistisch“ also ein politisches und kein religiöses oder kulturelles Phänomen. Welche Merkmale den „Islamismus“ sonst noch ausmachen? Darüber herrscht auch in der Wissenschaft keine Einigkeit. 

An Merkmalen zur Auswahl stehen unter anderem: (Rück)besinnung auf islamische Werte, Streben nach Errichtung einer als islamisch verstanden Gesellschafts- und Werteordnung, Absolutheitsanspruch, Anti-Modernismus, Demokratie-Feindlichkeit und ein patriarchalisches Rollenverständnis und Gewaltbereitschaft.

Aber auch Bewegungen und Gruppierungen werden dem „Islamismus“ zugeordnet, die explizit gewaltfrei sind, sich zur Demokratie bekennen oder progressive Gesellschaftsentwürfe anstreben. Vorstellungen, was einen „Islamisten“ ausmachen, variieren außerdem je nach Zeit, wissenschaftlicher Fachrichtung und Denkschule. 

Kurzgefasst: Es ist kompliziert mit dem „Islamismus“. So kompliziert, dass viele Wissenschaftler den Begriff gänzlich ablehnen: Weil er Phänomen und Akteure, die nichts miteinander zu tun haben, in einen Topf wirft, weil er die Grenzen zwischen Religion und Politik verschwimmen lässt, wegen seiner fehlenden analytischen Schärfe und seines Missbrauchspotenzials.

Muslimfeindlichkeit Islamkonferenz debatte

DIK 2022. Ministerin Faeser im Gespräch mit einer Teilnehmerin. (Pressefoto: © Henning Schacht / Bundesinnenministerium)

Ein Kürzel für Unliebsame?

Gerade aber diese Unschärfe ist es, die den Begriff außerhalb von Universitäten so erfolgreich macht. Während in der Wissenschaft zumindest ein (vermeintlicher) gemeinsamer historischer Ursprung Bedingung für die Zuschreibung „Islamist“ ist, fällt im öffentlichen Diskurs auch diese letzte Hürde weg. In Medien und Politik hat sich „Islamist“ fest etabliert: als Kürzel für unliebsame Muslime aller Art. Als Instrument der Markierung, Problematisierung und Kriminalisierung. 

Um bei den Vergleichen zu bleiben: Die populäre Verwendung des Begriffs „Islamismus“ ist in etwa so präzise als fasse man israelische Siedler und jüdische Friedensaktivistinnen unter „Judaismus“ zusammen oder bezeichne Mitglieder von Ku-Klux-Klan, CSU und Caritas als „Agenten des Politischen Christentums“.

Stigma gegen Menschen, die sich nie haben etwas zu Schulden kommen lasssen

Hinzu kommt: Viele „Islamisten“, die uns in Medien und Politik begegnen, sind nicht einmal sonderlich extrem. Häufig trifft die Zuschreibung ausgerechnet Menschen, die sich demokratisch engagieren und eine gewisse öffentliche Sichtbarkeit erlangt haben: Vertreter islamischer Religionsgemeinschaften, Mitglieder religiöser Arbeitskreise, Moscheevorstände, muslimische Medienschaffende und Politiker…

Der Umstand, dass viele der Gescholtenen sich ein leben lang gegen Diskriminierung und Extremismus aller Arten engagiert haben, wird selten zu ihrer Verteidigung angeführt. Im Gegenteil: Gerade ihre Gesetzestreue und ihr demokratisches Engagement – so liest man in CDU-Papieren, Verfassungsschutzberichten und Artikeln der BILD regelmäßig – mache diese „Legalistischen Islamisten“ so gefährlich.

Insbesondere der Verfassungsschutz produziert auf diese Weise seit einigen Jahren „Islamisten“ am Fließband. In dessen Berichten werden tausende Muslime zu Islamisten erklärt, die sich nie etwas haben zu Schulden kommen lassen. Oftmals der einzige Grund: die Mitgliedschaft in (in Deutschland legalen) Organisationen und deren (oftmals fragwürdige) Zuordnung zu einem historischen islamistischen Ursprung. In vielen anderen Fällen sorgen Kontaktschuldvorwürfe dafür, dass bestens integrierte Bürger zur extremistischen Bedrohung erklärt werden.

Aus „Islamisierung“ wurde „Politischer Islam“

Konkurrenz erhält der Begriff „Islamismus“ in den letzten Jahren vom nahezu identischen „Politischen Islam“. Als Alternative zum vorbelasteten „Islamismus“ etablierte sich auch der „Politische Islam“ zuerst an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen, bis Politik und Öffentlichkeit den Begriff entdeckten. In Bestsellern, Tageszeitungen und Parteitagsbeschlüssen liest man nun regelmäßig von „Agenten des Politischen Islam“, die dabei wären, westliche Gesellschaften zu infiltrieren und in eine islamische Diktatur verwandeln.

Es sind die alten rechten Verschwörungstheorien von „Islamisierung“ und „Unterwanderung“, die als Warnung vor „Islamismus“ und „Politischem Islam“ im modernen bürgerlichen Gewandt daherkommen. Es ist nur folgerichtig, dass als „islamistisch“ in Medien und Politik in den letzten Jahren immer häufiger Praktiken bezeichnet, die in Wahrheit nichts anderes sind als „islamisch“: Kopftuchtragen, Halal-Essen, Muezzinruf…

Auch das zeigt: Die ausgrenzende Macht des Begriffs „Islamismus“ und der Debatten, die wir mit ihm führen, richten sich nicht nur gegen Gewalttäter und Extremisten, sie richtet sich gegen ganz gewöhnliche Muslime und ihr Recht auf Religionsausübung und Teilhabe in Deutschland.

Kulturkampf – für Muslime gibt’s nichts zu gewinnen

afd kulturkampf friedrich merz

Der derzeit angesagte Kulturkampf ist keine Arena, auf der Muslime sinnvoll Punkte erzielen können.

(iz). Am 10. Juni erteilte der eher konservative SPIEGEL-Autor Nikolaus Blome dem gerade wieder zähen Kulturkampf „von rechts“ eine kluge Absage. „Bürgerliche, die es mit Kulturkampf von rechts versuchen wollen, bleiben keine oder kommen darin um“, schrieb er auf Twitter.

Blome spielt damit auf die seit Jahren immer wieder aufflammenden „Kulturkriege“ (oder „Culture Wars“, wie sie in den USA heißen) an.

Foto: wikipedia.org, Von Jasper Goslicki | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kulturkampf: Arena für orientierungslose Konservative?

Spätestens nachdem Angela Merkel ihre lange und enge Kontrolle über die Bundespartei abgab, sehen sich Deutschlands Konservative innerhalb oder außerhalb der Partei mit einem Bedeutungs- und Sinnverlust konfrontiert.

Verschärft werden die Debatten in der Union und verwandten Milieus dabei durch die Niederlage bei den letzten Bundestagswahlen, durch Abwanderung an Parteien wie einer angeblichen Alternative, durch Netzwerke wie die Werteunion, die als Schnittstelle zur AfD fungiert sowie durch längerfristige Trends.

Obwohl Parteichef Merz mehrfach von einer „Brandmauer“ nach rechts sprach, scheint diese insbesondere im Osten Risse bekommen zu haben.

Genau wie in anderen Ländern (allen voran den USA) geht es dabei nur selten um handfeste Fragen wie die Höhe von Steuersätzen, Chancengleichheit im Wirtschaftsleben, von Investitionen vs. Sparen, Initiativen für mehr Wohnraum, den immer dramatischer werdenden Mangel an Arbeitskräften oder den gefährlichen Krieg im Osten Europas.

Werden ernsthafte (aber für das Publikum trockene) Themen wie der Umbau unserer Heizsysteme behandelt, dann nur im Raum des simplen Freund-Feind-Denkens sowie der gärigen Vorurteile gegen „die Grünen“.

Foto: andyller, Adobe Stock

Es geht um nichts

Es gibt das böse Bonmot, wonach die Heftigkeit von Streitigkeiten in der Sphäre von Geist, Kultur und Medien im reziproken Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Relevanz stünde. Einfach gesagt: Je irrelevanter ein Thema ist, desto schärfer streiten wir. Und so wird in ständig kürzeren Taktungen eine neue Sau durch das öffentliche Dorf getrieben.

Egal, ob es um Gendern, Wokeness, Fleischkonsum, Tempolimit oder das Impfen geht: Es finden sich derzeit immer zwei Lager, die sich gegenüberstehen (wollen). Sie sind beileibe nicht statisch. Denn statt um feste Standpunkte scheint es zusehends um die Aufrechterhaltung von Gegnerschaft als solcher.

Für uns Muslime gibt es an dieser Lust zum Kulturkampf und ihrer Zelebrierung nichts zu gewinnen. Weder sind wir Konfliktpartei, noch hat es irgendwelchen Sinn, würden wir prinzipiell Partei bei Themen ergreifen, die nicht unsere konkreten Interessen betreffen.

Es gibt Streitpunkte wie Fragen von Identität und Repräsentation, in denen sich die meisten MuslimInnen auf einer Seite wiederfinden dürften. Andererseits wird sich die Mehrheit der praktizierenden wohl eher weniger bei jenen sehen, für die traditionelle Familienmodelle ein Auslaufmodell sind.

Anstatt bei einem Vorgang mitzuspielen, der kaum gewinnbringend und ziemlich aufreibend ist, sollten wir uns den Aufgaben sowie Herausforderungen zuwenden, die sich aus der Denklogik unseres Dins und den realen Gegebenheiten unseres Ortes und dieser Zeit ableiten.

Von einer angepassten Organisation der vergessenen „Säule“ Zakat über zeitgemäße Formen der Wissensvermittlung bis zur Mobilisierung des Potenzials von Frauen, jungen MuslimInnen, Technik-Genies und GemeinschaftsaktivistInnen sollte unsere Tagesordnung voll genug sein, sodass es den vorhandenen Kulturkampf für uns nicht braucht.

,

Widersprüche interessieren nicht

(iz). Nach den Ereignissen in der ­Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und den sich anschließenden öffentlichen Diskussionen müssen wir festhalten, dass unser Land, unsere Gesellschaft, ein gravierendes und in seiner unheilvollen […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Buchbesprechung: Anmerkungen von Cemil Sahinöz über den Populismus eines Herrenreiters

„Die Geschichte wiederholt sich ständig“ (Ibn Khaldun) (iz). Eigentlich hatte ich keine Lust über Sarrazin zu schreiben. Zu mal ich das Buch noch nicht zu Ende gelesen hatte. Außerdem wollte […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Einer neuer Typus des Populisten definiert sich gegen den Islam. Von Abu Bakr Rieger

(iz) Zu den wenigen Gewissheiten des politischen Europas dieser Tage hat die Finanzkrise verholfen; das quasi-religiöse System ewigen, immer währenden Wachstums steht vor seinem Ende und Europa vor einem finanzpolitischen […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.