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Sudan: Machtkämpfe mit grausamen Folgen für die Zivilbevölkerung

Sudan Afrika

Die wenigen Informationen, die aus der Stadt El Faschir im Sudan nach außen dringen, sind äußerst besorgniserregend. Dort haben RSF-Einheiten die Macht übernommen. Droht dem Land der Zerfall?

Khartum/Bonn (KNA/iz). Die größte humanitäre Katastrophe der Welt spielt sich im Sudan ab – und sie droht, sich weiter zuzuspitzen. „Es ist katastrophal. Die Menschen werden abgeschlachtet“, sagt Marina Peter, Landesexpertin und Vorsitzende des Sudan- und Südsudan-Forums in Deutschland, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. Von Katrin Gänsler (mit zus. IZ-Material)

Sudan – bereits vorher die größte humanitäre Katastrophe der Welt

Schon jetzt sind nach Angaben der UNO rund zwölf Mio. Menschen auf der Flucht. Zehntausende starben seit Kriegsbeginn im April 2023. Über 30 sind auf humanitäre Hilfe angewiesen; vielerorts ist die Gesundheitsversorgung komplett zusammengebrochen; rund 14 Mio. Mädchen und Jungen gehen nicht mehr in die Schule.

Nun haben die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die Stadt El Faschir, symbolträchtige Hauptstadt von Darfur im Westen des Landes, eingenommen. Am Sonntag wurden kurze Videos gepostet, die jubelnde RSF-Anhänger zeigen sollen. Die Miliz liefert sich seit zweieinhalb Jahren erbitterte Kämpfe mit den sudanesischen Streitkräften (SAF). Keine der beiden Kriegsparteien ist legitimiert.

Unzählige sitzen in El Faschir fest – apokalyptische Nachrichten von sudanesischen Quellen

UN-Angaben zufolge sitzen in El Faschir weiterhin rund 260.000 Zivilisten fest. Laut dem Welternährungsprogramm WFP sind sie seit 16 Monaten von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung abgeschnitten.

Bereits am Montag warnte das IKRK auf X vor den Folgen der fortgesetzten Schutzlosigkeit von hunderttausenden Menschen, die in der lange umkämpften Stadt festsitzen. Man habe seit Beginn des Krieges, so seine Präsidentin Spoljaric, beobachten können, das bei jeder Eroberung eines Ortes Gewalt gegen die Bevölkerung ausgeübt worden sei.

Sie rufe alle Parteien dazu auf, ihre Verpflichtungen unter dem Völkerrecht einzuhalten. Zivilisten müssten geschützt werden – egal, ob sie bleiben oder fliehen. Sie müssen Zugang zu lebensrettender Hilfe und humanitären Organisationen bekommen.

Am Nachmittag des 28. Oktobers teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit, Fliehende seien Erpressung, Raub, willkürlicher Haft und Schikanen ausgesetzt. Frauen und Mädchen erlitten sexuelle Gewalt durch Milizionäre. Es gebe Nachrichten von Exekutionen in El Faschir. „Wir wissen nicht, was passiert“, sagt auch Peter. Es drohten Verhältnisse wie in Somalia.

Während Vertreter von NGOs und internationalen Hilfsorganisationen noch an die RSF appellieren, scheint ein groß angelegtes Massaker nicht unwahrscheinlicher zu werden. Nach Ansicht von Aktivisten und OSINT-Quellen lasse sich an Satellitenbildern erkennen, dass marodierende Einheiten von Haus zu Haus zögen, und dabei die in der Falle sitzenden Zivilisten massakrierten.

Das El Fasher Resistance Committee ist eine zivilgesellschaftliche Aktivistengruppe in der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Nord-Darfur, die sich aus lokalen Bürgern zusammensetzt und im Kontext des aktuellen Bürgerkriegs eine koordinierende, dokumentierende und humanitäre Rolle übernommen hat.

Gestern verbreiteten sie eine Meldung auf X, wonach Patienten und Verwundete im Saudischen Krankenhaus der Stadt aussortiert und ermordet worden seien. Verletzte hätten keinerlei Chance mehr auf Überleben, da sie keine Hilfe und Versorgung bekommen könnten.

Jemen Hochzeit Schüsse

Foto: Freepik.com

Wer liefert eigentlich die Waffen für den Krieg?

Zu den wichtigsten Fragen im Verständnis eines bewaffneten Konflikts gehört die nach den Quellen von Waffen, Ausrüstungen, Trucks etc. Am Sonntag ließ ein Bericht der kanadischen Tageszeitung „The Globe and The Mail“ aufhorchen. Demnach würden RSF-Einheiten Fahrzeuge eines kanadischen Unternehmens einsetzen.

Die sudanesische Regierungsarmee (SAF) und die Rapid Support Forces (RSF) werden jeweils von unterschiedlichen internationalen Akteuren unterstützt. Die RSF erhält ihre entscheidende militärische Unterstützung aus den VAE, die Waffen, Drohnen und gepanzerte Fahrzeuge ins Land liefern.

Viele dieser Rüstungsgüter stammen ursprünglich von chinesischen Herstellern und gelangen vermutlich über die VAE an die RSF. Auch Schmuggelrouten über Libyen und Tschad spielen für den Waffen- und Nachschubverkehr der RSF eine Rolle. Zur Finanzierung nutzt die RSF ein Netzwerk von Firmen in den Emiraten und profitiert maßgeblich vom sudanesischen Goldexport.​

Die sudanesische Armee (SAF) wird vor allem von Ägypten militärisch unterstützt – durch direkte Waffenlieferungen und logistische Hilfe. Hinzu kommen Russland, Iran, die Türkei und in begrenztem Maße Saudi-Arabien, die Waffen, Drohnen und militärtechnisches Gerät beistellen. 

Russische Waffenlieferungen laufen teils über frühere Wagner-Strukturen; zudem baut Russland gerade einen Stützpunkt am Roten Meer aus.

Deutsche Waffen sind im Sudan vorrangig in Form von Altbeständen präsent, vor allem das Sturmgewehr G3 von Heckler & Koch, das ursprünglich direkt an die sudanesischen Streitkräfte geliefert wurde und dort bis heute im Einsatz ist. Diese Gewehre gelangen inzwischen oft über Drittländer wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate auch in die Hände der Rapid Support Forces (RSF). 

Es gibt darüber hinaus Hinweise, dass sogar moderne G36-Gewehre, einst Standard der Bundeswehr, im Sudan aufgetaucht sind – dokumentiert durch Bildmaterial, das sudanesische Befehlshaber mit diesen Waffen zeigt. Neue offizielle Lieferungen direkt aus Deutschland an das Land sind in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht erfolgt. Doch der deutsche Rüstungssektor beliefert weiterhin Golfstaaten, die eine wichtige Rolle als Waffenweiterleiter im aktuellen Bürgerkrieg spielen.

Die Endverbleibsregelungen, die den Verbleib von Rüstungsgütern eigentlich absichern sollen, werden dadurch faktisch umgangen und machen deutsche Technik in der Region weiterhin sichtbar.

Für Massaker an der Zivilbevölkerung werden erfahrungsgemäß meist keine hochkomplexen Waffensysteme benötigt. Historische und aktuelle Konflikte zeigen, dass einfache Handfeuerwaffen, Macheten oder leicht verfügbare Munition und Fahrzeuge für systematische Gewalt gegen Zivilisten ausreichen.

Insbesondere in Bürgerkriegen und Gewaltsituationen wie im Sudan kommen häufig Sturmgewehre älterer Bauart, leichte Maschinenwaffen, Granaten und improvisierte Sprengsätze zum Einsatz. Die größte Gefahr für zivile Opfer geht zumeist von der gezielten, koordinierten Gewaltanwendung durch bewaffnete Gruppen mit grundlegender Ausrüstung aus, nicht von High-Tech-Waffen.

Foto: Agence France-Presse, via Wikimedia Commons | Lizenz: Universal Public Domain

Die Wurzeln des Krieges

Die Wurzeln des Krieges gehen zurück bis in die Kolonialzeit. Grenzen wurden willkürlich gezogen. Mit Khartum entstand ein starkes Zentrum; bestimmte Eliten wurden gefördert. Doch drumherum: viel Armut und mangelnde Bildung.

Auch komme, so Peter, die Frage nach der Identität hinzu. „Der Sudan wurde als ‘arabisches Land’ angesehen. Dabei gibt es auch schwarz-afrikanische Bevölkerung im Land.“ Bereits 2011 wurde der Südsudan unabhängig; das führte auf keiner Seite der Grenze zu Entspannung, im Gegenteil.

Einen kurzen Hoffnungsschimmer gab es im Jahr 2019, als Langzeitherrscher Omar al-Baschir nach Massenprotesten zum Rücktritt gezwungen wurde. Während der Übergangszeit unter Abdala Hamdok als Ministerpräsident putschte 2021 General Abdel Fattah al-Burhan, damals noch gemeinsam mit dem RSF-Kommandeur Mohamed Hamdan Daglo, „Hemeti“ genannt. Doch interne Machtkämpfe eskalierten und führten in den aktuellen Krieg.

Vieles dreht sich um Rohstoffe

Der rohstoffreiche Sudan (Bevölkerung 50 Millionen) – Gold ist für beide Kriegsparteien entscheidend – ist längst zum Spielball ausländischer Mächte geworden. Söldner aus zahlreichen Staaten sind vor Ort.

Zentral sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die als Hauptunterstützer der RSF gelten. Das Land baut seinen Einfluss in der Region strategisch aus und argumentiert, man wolle eine islamistische Regierung verhindern. Tatsächlich sind sie an Rohstoffen und fruchtbarem Ackerland interessiert.

Während die Welt auf El Faschir schaut, war es in den Nuba-Bergen an der Grenze zum Südsudan zwischenzeitlich einigermaßen ruhig. Doch auch dort sind die Auswirkungen des Krieges spürbar.

Zum einen hätten Drohnenangriffe im Oktober zugenommen: „Sie sind lautlos. Das ist für die Zivilbevölkerung besonders gefährlich“, sagt Bernd Göken, Geschäftsführer der Organisation Cap Anamur mit Sitz in Köln. Seit mehr als 25 Jahren betreibt sie ein Krankenhaus in den Nuba-Bergen.

Foto: yiannisscheidt, Shutterstock

Es fliehen noch mehr Sudanesen

Zum anderen beobachtete das Krankenhauspersonal einen starken Zustrom von Binnenflüchtlingen in der Region. Fast eine Million Binnenflüchtlinge sollen es seit Kriegsbeginn sein.

„Die Folgen sind extrem“, sagt Göken – Hunger, unterernährte Kinder, der Ausbruch von Cholera. Schwierig mache es auch die schlechte Informationslage. „Man hört immer nur ein bisschen. Doch das lässt Schlimmes erahnen.“

Marina Peter hat dennoch Hoffnung, dass es Frieden geben kann. Sie setzt auf die Zivilbevölkerung. „Es gibt sehr viele zivilgesellschaftliche Organisationen, die engagiert sind.“

Zuletzt erhielten die Aktivisten der Sudan Emergency Response Rooms den alternativen Nobelpreis. Nach Einschätzung Peters braucht es eine sudanesische Lösung. „Die Menschen wollen diesen Krieg nicht und unterstützen ihn auch nicht.“

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25 Jahre nach dem ersten NSU-Mord

NSU Mord

„Behörden immer noch blind auf rechtem Auge“: Nach wie vor würden rassistische Tatmotive vorschnell ausgeschlossen. Aus den Fehlern der NSU-Mordermittlungen habe man kaum gelernt. Berlin (KNA) 25 Jahre nach dem […]

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Motiv Muslimfeindlichkeit: tödliche Gewalt in französischer Moschee

muslimfeindlich frankreich

Mord in Moschee: Am Freitag ermordet ein Täter aus muslimfeindlichen Motiven heraus den 23-jährigen Aboubakar Cissé mit unzähligen Messerstichen. Muslime beklagen allgemeine Teilnahmslosigkeit.

(iz, Agenturen). Am Morgen des 25. April 2025 ereignete sich in der Kleinstadt La Grand-Combe im südfranzösischen Département Gard ein Mord, der landesweit für Entsetzen sorgte. In der Khadidja-Moschee wurde der junge Muslim 23-jährige Aboubakar Cissé mit 40 bis 50 Stichen getötet.

Muslimfeindlichkeit in Frankreich: Das Opfer war allein

Zum Zeitpunkt der Tat befanden sich nur das Opfer und der Täter in der Moschee. Cissé war am Freitagmorgen allein dort, um vor dem Freitagsgebet sauberzumachen. Laut Überwachungskameras wechselten die beiden zunächst ein paar Worte, bevor Olivier H. plötzlich das Messer zog und wiederholt auf Cissé einstach. 

Während des Angriffs filmte der Täter sein sterbendes Opfer mit dem Handy und äußerte dabei islamfeindliche Parolen wie „Deinem Scheiß-Allah habe ich in den Hintern gestochen“. Das Video wurde offenbar über einen Kontaktmann auf Snapchat veröffentlicht, aber später wieder gelöscht.

Nach der Tat floh Olivier H. zunächst und wurde als „potenziell sehr gefährlich“ eingestuft, da er in dem Video weitere Verbrechen andeutete. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein. Zwei Tage später stellte sich der mutmaßliche Täter auf einer Polizeiwache im italienischen Pistoia und wurde festgenommen. Er soll demnächst nach Frankreich ausgeliefert werden.

Motiv Muslimfeindlichkeit

Die Ermittlungsbehörden gehen von einem antimuslimischen Motiv aus. Premierminister François Bayrou sprach von einer „islamfeindlichen Gräueltat“ und sicherte der muslimischen Gemeinschaft seine Anteilnahme zu. Die Antiterror-Staatsanwaltschaft prüft eine Übernahme des Falls.

Der Täter war bislang nicht polizeibekannt, lebte von Sozialhilfe und verbrachte viel Zeit mit Videospielen. Die Tat wird als Ergebnis zunehmender Islamfeindlichkeit in Frankreich gewertet. Der Rat französischer Muslime (CFCM) sprach von einem „anti-muslimischen Attentat“ und forderte zu erhöhter Wachsamkeit auf.

straßengewalt

Foto: Nuno21, Shutterstock

Die Tat löste landesweit Entsetzen aus. Staatspräsident Macron verurteilte den Mord und betonte, dass „Rassismus und Hass aufgrund von Religion in Frankreich nie Platz haben werden“. Politiker verschiedener Parteien sowie muslimische Verbände forderten einen besseren Schutz von Moscheen und riefen zu Solidaritätskundgebungen auf.

Der Mord in La Grand-Combe steht exemplarisch für Spannungen in Frankreich, die durch antimuslimischen Hass ausgelöst werden. Die Tat war brutal, gezielt und öffentlichkeitswirksam inszeniert. Die Ermittlungen laufen weiter, insbesondere zur genauen Motivation und zum psychischen Zustand des Täters.

Islamismus yazidi

Foto: Zentralrat der Muslime in Deutschland, Facebook

Zentralrat der Muslime verurteilt „beschämende Gleichgültigkeit“

„Es ist eine erschütternde Ignoranz, dass in Deutschland weder die Politik noch große Teile der Presse angemessen auf dieses Verbrechen reagieren“, erklärte der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) in einer Presseerklärung.

Dass ein solches Hassverbrechen an einem Muslim – noch dazu in einem Gebetshaus – kaum öffentliche Empörung oder politische Reaktionen hervorrufe, sein „ein alarmierendes Zeichen“ für die wachsende soziale Teilnahmslosigkeit gegenüber antimuslimischem Rassismus. Schweigen normalisiert diese Gewalt.

Gleichzeitig warnte das Gremium vor den Folgen der Verharmlosung des antimuslimischen Rassismus. Betroffen davon seien mitnichten nur einzelne Muslime, sondern „die Grundprizipien eines demokratischen Rechtsstaates“. „Wenn Gläubige selbst in ihren Gotteshäusern nicht mehr sicher sind, wird eine rote Linie überschritten, die uns alle angehen muss – unabhängig von Religion oder Herkunft“, erklärt der Vorsitzende des ZMD, Abdassamad El Yazidi.

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Die Stimmungsrepublik nach dem Terror von Solingen

Prediger solingen magdeburg

Nach Solingen: Wir Muslime müssen genau hinschauen, wer aus unseren Kreisen Stimmung macht. Oder gar unter dem Eindruck schwerer Verbrechen eine „Ja, aber“-Logik benutzt.

(iz). Die Muslime in Solingen wissen, was es heißt, wenn der ideologisch motivierte Wahnsinn zuschlägt. In der Stadt herrscht allgemeine Erschütterung angesichts der brutalen Messermorde eines mutmaßlichen IS-Terroristen. Neben die Trauer über die Verstorbenen tritt die Sorge um die Genesung der Schwerverletzten. Die Kommune ist wieder zu einem Symbol für Trauma geworden, die Zivilgesellschaft zu einer Trauergemeinde.

Nach Solingen: Stimmungen setzen sich durch

Kurz vor den Landtagswahlen im Osten setzen sich Stimmungen durch: Angst vor zu großer Immigration, Empörung über Straftaten, die von Flüchtlingen begangen werden und die offensichtliche Veränderung des Landes führen zu einer undurchsichtigen Mixtur. Neben der rationalen Forderung nach konsequenter Verfolgung von Verbrechen treten auch irrationale Fantasien.

Jede Stimmung fordert eine politische Umsetzung und setzt sich in neuen Möglichkeiten für ideologisches Gedankengut fort. Wir sehen die Akteure, die jetzt den Plural im Kampf gegen den Extremismus nutzen: die Syrer, die Immigranten, die Ausländer oder die Bürgergeldempfänger.

Keine „Ja, aber“-Logik unter Muslimen

Wir Muslime müssen genau hinschauen, wer aus unseren Kreisen ebenso Stimmung macht. Oder gar unter dem Eindruck schwerer Verbrechen eine „Ja, aber“-Logik benutzt. Die Taten in Solingen sind keine Reaktion beziehungsweise Konsequenz aus einer geopolitischen Situation. Sie sind perfide ausgeführte Morde ohne die Spur einer Rechtfertigungsmöglichkeit.

Die absolute Mehrheit der Muslime weiß ebenso, dass der Terrorismus und das ideologische Feld, das ihn nährt, niemals aus dem Islam heraus zu begründen sind. Die Taten der Terroristen erklären sich aus einer Mutation von muslimischen Elementen und dem modernen Nihilismus.

afd Rechtsextrem Bundestag

Foto: photocosmos1, Shutterstock

Jedes Verbrechen nährt antimuslimische Verschwörungstheorien

Wenig überraschend strickt die politische Rechte in Deutschland weiter an ihrer Verschwörungstheorie. Die Terroristen sind aus dieser Sicht demnach die Speerspitze des organisierten Islam und der Moscheegemeinden. Jede x-beliebige Tat eines Muslims wird aus dieser Logik heraus dem Islam zugerechnet.

Alle besonnenen Mitbürger werden – trotz der verständlichen Empörung über das Geschehen in Solingen – einsehen, dass das eine toxische Argumentation darstellt. Fakt ist, dass auch die Muslime keine ideologischen Gruppierungen oder vereinzelte Moscheen in diesem Land wollen, die Gewalt tolerieren.

Was jetzt nottut, ist keine Stimmungsrepublik, sondern eine sachliche und breite Debatte darüber, wie konkret künftige Verbrechen zu verhindern sind. Wer in Wahrheit nicht genau weiß, wie die Probleme zu lösen sind, wird dagegen weiter auf eine hitzige Stimmung, Polarisierung und auf das Ende jeder Differenzierung setzen.

Das ist ein Teufelskreis. Denn jegliche sprachliche Verrohung ist die Vorstufe neuer Exzesse. Wie eine solche Gesellschaft der politischen Extreme eines Tages aussehen wird, gehört zu den politischen Sorgen dieser Tage.

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Der Schock von Mannheim

influencer Muslime Berlin Anschlag

Nach dem Mannheimer Mord: Die absolute Mehrheit der Muslime steht für eine konsequente Verfolgung und Ahndung dieses Verbrechens.

(iz). Nach der brutalen Wahnsinnstat eines Muslims in Mannheim mit mehreren Schwerverletzten ist nun bedauerlicherweise ein bei ihr lebensgefährlich verletzter Beamter verstorben. Die Tat erschüttert auch die muslimische Gemeinschaft.

Nach Mannheim: „Erschüttert bis ins Mark“

Ministerpräsident Kretschmann formuliert stellvertretend für die ganze Bevölkerung der Bundesrepublik: „Die Nachricht erschüttert mich bis ins Mark. Alle unsere Gedanken sind bei der Familie, den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen. Der Schmerz eines so grausamen Verlusts aus dem Nichts ist kaum zu ermessen. Uns allen führt diese fürchterliche Tat schmerzhaft vor Augen, welchem oft unkalkulierbaren Risiko Polizeibeamte tagtäglich ausgesetzt sind.“ Diesen Sätzen ist nichts hinzuzufügen.

Auf X sind inzwischen zahlreiche Trauerbekundungen aus Politik und Gesellschaft zu lesen. Ebenso zeigen sich die VertreterInnen von den Religionsgemeinschaften schockiert. Finanzminister Christian Lindner schreibt zu dem Verbrechen: „Gegen den islamistischen Terrorismus müssen wir uns zur Wehr setzen. Die Sicherheitsbehörden werden wir dafür finanziell weiter stärken.“

Soweit so gut. Nur fügt er etwas missverständlich hinzu: „Schluss mit falscher Toleranz.“ Der Zusatz klingt merkwürdig. Wer bitte toleriert schwerste Straftaten in diesem Land? Fakt ist, dass die absolute Mehrheit der Muslime im Land nicht nur die Polizei im Kampf gegen Terrorismus unterstützt, sondern auch derartige Verbrechen aus schärfste verurteilt.

Blätterwald fordert „Kampf gegen den Islamismus“

Aus dem Blätterwald erschallen die Rufe nach einem Kampf gegen den „Islamismus“. Man muss nicht sonderlich argwöhnisch sein, um zu befürchten, dass es hier nicht nur um die verständliche Forderung nach konsequenter Anwendung des Strafrechts geht.

Sorgen macht die Unbestimmtheit der Kernbegriffe des Slogans: Was meint „Kampf“ genau? Und wo verläuft die Grenze zwischen dem Vorwurf der Ideologie und der grundgesetzlich geschützten Religionsausübung? Hier gilt es zu unterscheiden zwischen berechtigter Sorge um das Gemeinwohl und dem bewusst undifferenzierten Schüren von Stimmungen gegen Muslime.

Notwendige Unterscheidungen verschwimmen

Je mehr man nach rechts blickt, desto unklarer werden leider diese Unterscheidungen. Verbreitet ist der Solastalgiker, der nicht leidet, dass er seine Heimat verlassen hat, sondern die Heimat ihn.

Wichtig ist es für diesen Typus, täglich auf die Binsenweisheit hinzuweisen, dass sich das Land im 21. Jahrhundert – natürlich grundsätzlich zum Schlechteren – verändert. In der Mischung aus Nostalgie und Feindbildern vermisst man die konkreten Antworten auf die realen Probleme dieser Gesellschaft.

Die Gesellschaft braucht keine Einheizer, sondern einen schlichten Konsens: Regierung und Behörden sind bei der konsequenten Umsetzung des Strafrechts zu unterstützen.

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Mannheim: Ein Mord als Katalysator?

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Ein Verbrechen als Katalysator: Der Anschlag auf den Politiker Stürzenberger und Mord an einem Polizisten hat die öffentliche Debatte weiter aufgeheizt. (iz/KNA). Am 31. Mai 2024 verletzte ein in Deutschland […]

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Nach dem Mord von Mannheim: Baum warnt vor „Anti-Islam-Hysterie“

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Nach dem tödlichen Angriff warnt das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ vor antimuslimischem Rassismus.

Mannheim (dpa). Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Polizisten hat das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ vor antimuslimischem Rassismus gewarnt und zur Teilnahme an einer Demonstration am Freitag aufgerufen – eine Woche nach der Tat. 

„Der erste Mensch, der den Angreifer abwehrte und Zivilcourage bewies, war Muslim. Eine Ersthelferin trug ein Kopftuch“, heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses vom Mittwochabend über den tödlichen Angriff auf den 29-jährigen Polizeibeamten.

Mannheim: Rassismus kann das Problem nicht lösen

Migration gehöre zu Mannheim, Vielfalt gehöre zu Mannheim. Mit Blick auf die AfD schrieb das Bündnis: „Die Forderung nach „Remigration“ ist zutiefst rassistisch und kann das Problem Islamismus nicht bekämpfen und schon gar nicht lösen.“

Den Umstand, dass der Täter ein Geflüchteter aus Afghanistan ist, wolle die AfD am kommenden Freitag nutzen, um in Mannheim gegen Muslime und Geflüchtete zu hetzen, hieß es weiter.

Das Bündnis ruft zu einer Gegendemonstration auf. Demnach soll gemeinsam und lautstark für eine vielfältige Demokratie und ein offenes Mannheim demonstriert werden – in Hör- und Sichtweite zur AfD-Demonstration.

Auf der Facebook-Seite der AfD Mannheim wird eine Demonstration „für Meinungsfreiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum!“ angekündigt – für Freitagabend auf dem Mannheimer Marktplatz.

Dort hatte am vergangenen Freitag ein 25-jähriger Afghane fünf Teilnehmer einer islamkritischen Kundgebung sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Polizist erlag später seinen Verletzungen. Die Tat hat die Debatte um die ausgesetzten Abschiebungen nach Afghanistan neu entfacht.

Baum warnt vor „Hysterie“

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) warnte unterdessen vor einer „Anti-Islam-Hysterie“ als Reaktion auf die Tat. Der Messerangriff sei eine zu verurteilende Untat und der gewalttätige Islamismus eine Gefahr, sagte Baum der dpa.

Aber nicht jeder Afghane sei ein religiös motivierter Gewalttäter. „Personen, die vor dem Terrorregime der Taliban hier Asyl gefunden haben, müssen dieses Recht behalten“, sagte er.

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Tod von Anti-Apartheid-Imam in Südafrika wird neu untersucht

Pretoria (KNA/iz). In Südafrika soll ein fast vergessenes Kapitel Apartheid-Geschichte aufgearbeitet werden: Mehr als 50 Jahre nach dem Tod des Imams und Aktivisten Abdullah Haron haben die Behörden diese Woche die Ermittlungen wiederaufgenommen. Dies sei ein „historischer Moment für Südafrika“, so Katarzyna Zdunczyk von der südafrikanischen Foundation for Human Rights (FHR) gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Haron, ein Imam aus Kapstadt, galt als einer der herausragendsten Glaubensvertreter im Kampf gegen das Apartheid-Regime. Sein Tod vor 53 Jahren hatte das Land schockiert: Er starb mit Blutergüssen und einer gebrochenen Rippe nach 123 Tagen Haft in einer Polizeistation. Die damalige Regierung wies die Verantwortung zurück; Harons Familie glaubt an Mord. Eine neuerliche gerichtliche Untersuchung soll jetzt die Todesumstände klären.

„Rechenschaft für Apartheid-Verbrechen ist entscheidend für die Landesgeschichte, sodass junge Südafrikaner von der Kriminalität des Apartheid-Staates erfahren“, betonte Zdunczyk. Die FHR unterstützt seit 2005 die Familien von verschleppten, inhaftierten, gefolterten und getöteten Apartheid-Opfern.

Harons Fall sei seit Erlangung der Demokratie 1994 bereits der fünfte Tod eines Regimegegners, den Südafrikas Justizministerium neu untersuchen lässt. Jedoch bleibt es laut Zdunczyk „traurige Realität“, dass viele weitere Morde an Apartheid-Kritikern ungesühnt bleiben. Grund seien „politische Einmischung“, der Tod von Zeugen und Beschuldigten und ein Mangel an Beweisen.

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Mord an Malcolm X: 36 Millionen Dollar für zu Unrecht verurteilte Männer

New York (dpa). Zwei Männer, deren Schuldsprüche für die Ermordung des US-Bürgerrechtlers Malcolm X im vergangenen Jahr aufgehoben worden waren, haben sich mit Bundesstaat und Millionenmetropole New York auf Entschädigungen in Höhe von insgesamt 36 Millionen Dollar geeinigt.

Die Stadt zahle 26 Millionen, der Bundesstaat weitere 10 an den 84-jährigen Muhammad Aziz sowie die Nachfahren des 2009 gestorbenen Khalil Islam, berichteten US-Medien am Montag unter Berufung auf Anwälte und Gerichtsdokumente.

Eine fast zweijährige Untersuchung war im vergangenen Jahr zu dem Schluss gekommen, dass die Schuldsprüche gegen Aziz und Islam unter anderem wegen widersprüchlicher Zeugenaussagen und fehlender Beweise nicht aufrecht erhalten werden könnten. Islam hatte nach der Verurteilung 20 Jahre im Gefängnis verbracht. Aziz war 1985 aus dem Gefängnis entlassen worden.

Der Schuldspruch eines dritten Mannes, der den Mord damals gestanden hatte, wurde bestehen gelassen. Malcolm X war im Februar 1965 in New York erschossen worden.

Folgen die Untaten des so genannten Islamischen Staates der Narco-Logik südamerikanischer Netzwerke?

„Als jemand, der sich sonst vor allem mit dem Nahen Osten beschäftigt, meine ich, dass es sich lohnt, die obszönen Grausamkeiten (…) einmal durch andere Prismen zu betrachten: im Nahen […]

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