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Besonnenheit: Auch für Muslime ist die antike Tugend von Bedeutung

Besonnenheit Sophrosyne

Mehr Besonnenheit lernen anstatt andere in sozialen Medien mobben oder der neuesten Verschwörungstheorie Glauben schenken. (The Conversation). Das mag wie eine willkürliche Aufzählung von Lastern des 21. Jahrhunderts erscheinen. Ich […]

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Der Denker und Autor Jürgen Habermas starb mit 96 Jahren

Jürgen Habermas Philosoph

Bis ins hohe Alter war Jürgen Habermas bei aktuellen Debatten dabei. Nun ist einer der wichtigsten Philosophen der Gegenwart gestorben. Alle Größen des Staates kondolieren. (KNA). Der Philosoph Jürgen Habermas […]

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Philosophie: mit Platon in Palästina

muslimische denker geduld Philosophie

Allzu oft wird Philosophie ins Akademische abgeschoben bzw. zum Vehikel von Werbesprache „Firmenphilosophie“ gemacht. Mindestens aber halten viele sie für theoretisch und nicht lebensfähig. (iz). Diesem Verständnis widerspricht „Mit Platon […]

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IZ-Reiseblog: Das Stadtbild von Athen

athen reiseblog stadtbild

IZ-Reiseblog: Athen und das antike Griechenland sind ein geistiger Raum. Was sich von ihm für deutsche Debatten lernen lässt.

(iz). Wir fliegen nach Athen, in eine Stadt, die einst als Ursprung des Denkens über das Gemeinsame galt. Hier, wo sich die Idee der polis formte – nicht nur als Ansammlung von Häusern, sondern als Ausdruck einer Weltordnung –, wollen wir einer Frage nachgehen, die heute in Deutschland immer drängender wird: Wie kann eine Stadt wieder weltstiftend werden, Sinn vermitteln und Zusammenhänge offenbaren, die über das bloß Funktionale hinausreichen?

Städte waren einst Spiegel gemeinsamer Weltbilder, Orte, an denen Architektur, Mythos und Alltag zu einem sinnvollen Ganzen verwoben waren. Heute dagegen scheinen viele unserer urbane Räume von ökonomischer Zweckrationalität, Effizienz und Vereinzelung geprägt.

Das, was die Stadt einst zum Träger gemeinsamer Erzählungen machte, droht im Lärm des Fortschritts zu verschwinden. Doch vielleicht liegt gerade im Blick zurück – nach Athen, an die Wurzeln der europäischen Stadt – ein Hinweis darauf, wie sich das Sinnhafte im Urbanen neu denken lässt.

Athen ist eine Stadt, die sich nicht beim ersten Blick offenbart. Millionen Besucher reisen jedes Jahr an – mit dem Wunsch, den Stätten der Antike näher zu kommen. Sie finden sich am Fuß der Akropolis zwischen engen Gassen und sonnenüberfluteten Plätzen wieder.

Morgens sitzen die Menschen in Cafés, in denen die Zeit sich dehnt. Die Gespräche fließen langsamer, als wäre die Gegenwart weniger bedrängend. Die griechische Kultur offenbart sich dort nicht durch große Gesten, sondern durch das stille Verweilen – ein Kaffee, der so langsam getrunken wird, dass er fast zu einer Form der Meditation wird.

Foto: Alexandra Torro/Unsplash

Das Ideal der Gastfreundschaft besitzt in Griechenland eine lange Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Unter dem Schutz des Gottes Zeus entwickelte sich das Prinzip der Xenia, ein festes soziales und religiöses Gebot, das Gastgeber verpflichtete, Fremde respektvoll zu behandeln und ihnen Unterkunft sowie Verpflegung zu gewähren. Verstöße galten als Frevel gegenüber Zeus.

Natürlich hat der Massentourismus seine bekannten Folgen, aber die griechische Gastfreundlichkeit ist nach wie vor lebendig. 

Die Figur des Flüchtlings gehört heute zur Realität europäischer Städte. Die Idee der humanen Stadt wird zur Zeit nirgends so deutlich auf die Probe gestellt wie im Umgang mit Migration. Griechenland, selbst von Krisen und sozialen Problemen erschöpft, ist zu einem Transit- und Zufluchtsort geworden.

In den Straßen Athens, in den improvisierten Lagern, in den zufälligen Begegnungen des Alltags zeigt sich, ob das alte Ideal der Xenia – der göttlich gebotenen Gastfreundschaft – im modernen Europa noch eine Zukunft hat. 

Gastfreundschaft ist kein einseitiges Geschenk, sondern eine Beziehung, ein stiller Vertrag zwischen dem, der aufnimmt, und dem, der aufgenommen wird. Wer sie gewährt, öffnet sein Haus und zugleich seine Verletzlichkeit. Wer sie empfängt, tritt in ein Geflecht von Verantwortung, Achtung und Teilhabe ein.

Schon in der Antike galt: Der Gast sollte die Regeln des Hauses achten, wie der Gastgeber die Würde des Gastes. Vielleicht liegt gerade in diesem Gleichgewicht die Zukunft der humanen Stadt – in einer gegenseitigen Anerkennung, die das Fremde nicht als Bedrohung, sondern als Möglichkeit begreift.

Eine Stadt ist dann human, wenn sie nicht nur Schutz bietet, sondern auch Verbindlichkeit einfordert; wenn sie das Miteinander wagt, ohne sich selbst zu verlieren.

Die Vergangenheit ist auf allen Wegen durch die Stadt allgegenwärtig, die griechische und die römische Agora erinnern daran, dass Athen einmal von Tempeln und Marktplätzen geprägt war. Die Agora war jedoch weit mehr als ein einfacher Marktplatz. Sie war das Herz der Polis, ein Raum, der zugleich politisch, ökonomisch und religiös war.

Hier wurden nicht nur Waren ausgetauscht, sondern auch Argumente verhandelt. Die Bürger kamen zusammen, um über Staatsfragen zu sprechen, über Krieg und Frieden, über Tugend und Verantwortung. Die Agora war eine Bühne: jeder, der sprach, riskierte nicht nur seine Meinung, sondern sein Selbstbild

 In ihr verschränkte sich das Materielle mit dem Geistigen; die Münzen wechselten die Hände, während Gedanken die Welt veränderten. Die Architektur – offen, weit, beweglich – war selbst Ausdruck einer Kultur, die das Gemeinsame nicht in Mauern, sondern im Gespräch verortete. Die Rhetorik galt als eine wichtige Kunst.

Dem Reisenden, der genauer hinschaut, zeigen sich keine Ruinen im üblichen Sinne, keine Überreste eines abgeschlossenen Zeitalters. Man erkennt vielmehr Schichten, durch die sich Zeit senkt und hebt. Wer hier steht, spürt die Verdichtung von Geschichte – nicht linear, sondern konzentrisch. Der öffentliche Raum ist nicht nur ein Ort des Handels, sondern ein Raum des Fragens

Zwischen den bröckelnden Säulen meinte man, die Stimmen von Menschen zu hören, die diskutierten, fragten und zweifelten. Die Spuren der Philosophen sind in Athen nicht museal erstarrt; vielmehr wirken sie wie feine Resonanzen in der Luft: die Frage nach dem guten Leben, die Suche nach der Gerechtigkeit und das Staunen als Ursprung des Denkens.

Gerade hier öffnet sich eine weitere, oft übersehene, historische Linie: Die griechische Philosophie ist nicht allein ein Erbe des sogenannten „Westens“. Über Jahrhunderte wurde sie in arabischsprachigen Zentren gelesen, kommentiert und weitergedacht – von Gelehrten wie Ibn Rushd (Averroes) in Córdoba, der Aristoteles neu erschloss und zur entscheidenden Brücke zwischen Antike und europäischem Denken wurde.

Die islamische Philosophie tradierte und vertiefte das griechische Fragen, sie verwandelte es nicht, um es fremd zu machen, sondern um es weiter zum Leuchten zu bringen. Die Geschichte Europas ist dadurch nicht nur eine Linie, die von Athen nach Rom und Paris führt, sondern auch eine, die über Bagdad, Córdoba und Istanbul verläuft. In dieser Tradition zeigt sich: Die Liebe zur Vernunft ist die gemeinsame Grundlage des zivilisierten Daseins.

Foto: Autor

Am Monastiraki-Platz stehen wir vor der alten Moschee – einst Ort des Gebets, heute zu einem Museum umgenutzt. Von hier öffnet sich der Blick zur Akropolis, die über dem Stadtzentrum thront. Die Felsen und Marmorsäulen heben sich hell gegen den Himmel ab, als sei das Heilige nie ganz vergangen.

Einst war in dieser Blickachse jedoch ein anderes Zeichen sichtbar: ein Minarett, das neben dem Parthenon stand, errichtet in der osmanischen Zeit. Seine Silhouette ragte wie ein leiser Widerspruch in die heroische Erzählung des Hellenismus. Das Minarett wurde später entfernt – nicht aus Zufall, sondern als bewusster Akt des Vergessens.

Und so offenbart der Blick vom Platz zur Akropolis nicht nur Schönheit, sondern auch die Macht der Auswahl: Was darf in die Geschichte eingehen, und was muss verschwinden, damit eine Nation ihren Ursprung klar und ungebrochen erzählen kann? 

Der Bau selbst schweigt, aber das Schweigen spricht. Es erzählt von Zeiten, in denen Athen nicht nur die Stadt der Antike, sondern auch vierhundert Jahre eine osmanische Metropole war. Doch diese Spuren bleiben im kollektiven Gedächtnis oft unsichtbar.

Hier setzt unser Nachdenken über den Begriff Hellenismus ein – eine deutsche Erfindung des 19. Jahrhunderts, die Griechenland ästhetisch und politisch festschreibt als Ursprung des Westens, als „Wiege Europas“. 

Artemis Leontis zeigt in „Topographies of Hellenism“, wie dieses Bild nicht einfach gefunden, sondern aktiv geschaffen wurde: ein „Mapping“ Griechenlands, das auswählt, stilisiert und festlegt. Der Hellenismus wird zur kulturellen Choreografie. Griechenland, eigentlich zwischen Orient und Okzident verortet wird eine neue Rolle im westlichen Narrativ zugewiesen.

Die Landschaft selbst – Inseln, Ruinen, Licht – wird ästhetisch nationalisiert, kartiert als Ursprungsraum europäischer Identität. Leontis schreibt: „In dieser Kartographie wurde der Hellenismus zur visuellen Grammatik der Moderne, während die osmanische Vergangenheit unsichtbar gemacht wurde.“

Und plötzlich erscheint das Stadtbild Athens als Spiegel gegenwärtiger Debatten. Die Diskussionen über muslimische Sichtbarkeit in Deutschland scheinen mit diesen Ursprüngen verbunden – in der Stadt, in der die osmanische Vergangenheit und die muslimische Präsenz lange verdrängt wurde.

Erst 2020 wurde nach Jahrzehnten politischer Kämpfe wurde in der griechischen Hauptstadt wieder eine Moschee eröffnet, eine moderne, beinahe zurückhaltende Architektur. Sichtbarkeit bleibt eine Verhandlung, ein Ringen um Identität: Wer gehört dazu – und wer darf gesehen werden?

Foto: Autor

Wir laufen an der Hadriansbibliothek vorbei – zu einem nahe gelegenen Museum, das dem griechischen Nobelpreisträger Odysseus Elytis gewidmet ist. Im dem von Sonnenlicht durchfluteten Lichthof setzten wir uns unter einen Olivenbaum. Der Schriftsteller sah, nach den Erfahrungen der Weltkriege, im Surrealismus eine Antwort auf die Flucht der Götter. Gesucht wurde eine neue Sprache. Die Sonne in seinen Gedichten ist nicht bloß ein Symbol, sondern eine Kraft, die Welt durchdringt.

In seiner Nobelpreisrede sprach Elytis im Namen „von Helligkeit und Transparenz“. Poesie, sagte er, sei jene Kraft, die das Wesentliche aus den Dingen löst und zu einem geistigen Licht verdichtet. Schönheit ist für ihn keine Verzierung, sondern ein Weg zur verborgenen Wirklichkeit im Menschen. Zugleich erinnerte er an die zweieinhalbtausendjährige Kontinuität der griechischen Sprache – ein Erbe, das verpflichtet: dieselben Worte wie Sappho oder Pindar zu sprechen, aber in einer Welt ohne gemeinsames Chor-Publikum. 

Moderne Dichter, verkündet Elytis selbstbewusst, müssen die Sprache neu beleben, sie reinigen, sie öffnen. Denn die heutige Welt sei moralisch zerrissen – technisch organisiert, aber innerlich verarmt. Nur die Poesie bewahre noch eine gemeinsame Sprache der Empfindung, eine Sprache, die Menschen seit Jahrtausenden teilen. 

Das Gedicht, sagte Elytis, könne zu einer Sonne werden: zu einer Quelle des Lichts, die Bewusstsein erhellt, bis der Mensch selbst zu Licht wird und „jene idealen Ufer von Würde und Freiheit“ erreicht.

Hier wird klar: Das antike Griechenland ist nach dieser Lesart kein Museum. Es ist ein Denkraum, der sich wieder öffnen lässt – wenn wir bereit sind, darin nicht nur die Vergangenheit, sondern eine mögliche Zukunft zu sehen. Elytis versucht die platonische Zweiweltenlehre zu überwinden: Er sucht das Licht nicht jenseits der Welt, sondern in ihr.

Die Einheit des Sinns ist kein fernes Paradies außerhalb, sondern ein Geflecht aus Körper, Sprache, Landschaft und Erinnerung. Vielleicht wollen wir alle – wie Elytis und die alten Griechen – einen Ort finden, an dem Denken und Leben nicht getrennt sind; an dem Gerechtigkeit nicht bloß eine Idee, sondern eine gemeinsame Praxis ist; an dem Demokratie ein Gespräch bleibt, das nie endet.

Es sind Gedanken, die uns Athen anders sehen lassen. Nicht als Ursprung Europas. Nicht als touristische Kulisse. Sondern als einen Ort, an dem die Frage nach dem guten Leben immer wieder neu gestellt wird. Athen lädt uns dazu ein, die Schichten zu sehen – in der Stadt, in der Geschichte, in uns selbst. Und vielleicht beginnt gerade hier der Sinn, den wir suchen.

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Neuerscheinung: Muslimische Denker im Gespräch

Sprache Urteilskraft islam Neuerscheinung

Ecevit Polat stellt die Neuerscheinung „Europas Erben im Zwietracht“ vor.

(iz). „In den hochentwickelten [westlichen] Ländern macht sich indes das Gefühl eines unaufhaltsamen Niedergangs breit.“ Mit diesem Satz konstatiert einer der prominentesten Soziologen Frankreichs, Emmanuel Todd, den gegenwärtigen Zustand, auf den die westlichen Länder kontinuierlich zuzusteuern scheinen. Tatsächlich lassen sich die Symptome einer Sinn- und Wertekrise kaum noch leugnen.

In dieser Form waren Kriminalität, der Zerfall familiärer Strukturen und die allgegenwärtige Drogensucht in allen Teilen der Gesellschaft bislang kaum je so deutlich wahrnehmbar.

Die grundlegenden Urfragen – Woher? Weshalb? und Wohin? – scheinen im Zeitalter der sozialen Medien wie Instagram und TikTok kaum noch jemanden zu interessieren. Könnten die eigentlichen Ursachen für das Fehlen eines spirituellen Sinns womöglich tiefer liegen, als bisher angenommen?

Bereits 1950 wies ein in Kairo veröffentlichtes Buch auf den sogenannten fundamentalen psychologischen Unterschied zwischen Orientalen und modernen Westlern hin und stellte dazu Folgendes fest:

„Der orientalische Charakter neigte schon immer zum Spirituellen. Seit Menschengedenken sind dem Orientalen tausende von Fragen in den Sinn gekommen. Was ist das Ende dieser Welt? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wo sollte man nach Führung in Bezug auf das Leben nach dem Tod suchen? Was ist das Geheimnis des ewigen Glücks? Den Orientalen ließen diese Fragen nie los; auch nicht in Zeiten seiner völligen Vereinnahmung durch weltliche Gelüste und Interessen. Trotz der ganzen Ablenkungen in seinem Leben hatten sie für ihn immer Priorität. Im Verlauf seines gesamten intellektuellen und kulturellen Schaffens war er ständig damit beschäftigt, befriedigende Lösungen für sie zu finden. Seine Askese, seine Philosophie, seine Metaphysik, sein Mystizismus waren alle darauf ausgerichtet. Manchmal führte ihn diese Suche auf falsche Wege. Manchmal irrte er und stolperte. Doch nie verschloss er seine Ohren vor der Stimme seiner Seele.“

Annemarie Schimmel (1922–2003), die Nestorin der deutschen Islamwissenschaft, wurde einmal gefragt, was sie besonders am Glauben der Muslime wertschätze. Sie antwortete mit folgendem Satz:

„Ich würde nicht behaupten, dass ich eine sehr gute Christin bin. Was mich am Islam wirklich fasziniert, ist die Gläubigkeit, die absolute Hingabe. Den wirklichen Islam, den finde ich wunderbar. Gerade jetzt, wo wir immer mehr entchristlicht werden und uns von der Religion entfernen, merke ich, dass dies die Seite am Islam ist, die mich wirklich anzieht und der ich mich zugehörig fühle […] aber dieses ungeheuer starke Gefühl der Gegenwart Gottes hat mich am Islam schon immer angezogen.“

Nach wie vor werden muslimische Denker im Westen kaum gehört oder wahrgenommen. Im Band „Muslimische Denker: Zwischen Tradition und Moderne“ (2. Auflage, Astrolab Verlag 2025) wurden einige von ihnen vorgestellt, um sie als Personen und vor allem ihr Gedankengut in Deutschland bekannter zu machen.

In der Tat haben auch muslimische Gelehrte zu den gesellschaftlichen Missständen Wichtiges zu sagen. Im vorliegenden Buch wird jedoch nicht über sie geschrieben; vielmehr kommen sie diesmal in Interviews selbst zu Wort. Diese Interviews sind erstmals ins Deutsche übersetzt worden, in der Hoffnung, dass diese Intellektuellen in Zeiten der Zwietracht mehr Gehör finden.

Herausgegeben von Ecevit Polat: „Muslimische Denker im Gespräch: Europas Erben im Zwietracht“, tredition Verlag, Ahrensburg 2025, 238 Seiten, Paperback, ISBN: 978-3384696373, Preis: EUR 15,90

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Buchvorstellung: „Muslimische Denker zwischen Tradition und Moderne“

muslimische denker geduld Philosophie

Muslimische Denker: Ihre Beiträge zu Vergangenheit und Gegenwart des Denkens werden oft übersehen (iz). In der westlichen Geschichte stellt die Renaissance mit ihrem Anfang in Italien des 16. Jahrhunderts einen […]

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Die Sprache spricht – und wir hören ihr zu

Sprache scham

Heidegger hat die Idee, dass wir nicht denken, indem wir (in) der Sprache sprechen, sondern dass es die Sprache ist, die uns spricht. Warum würde er das sagen und was […]

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Das kleine Glück oder die Flucht in das Private

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(iz). In Krisenzeiten spielt das Privatleben naturgemäß eine große Rolle. Die Familie ist für viele der klassische Rückzugsort, idealerweise zieht man sich in die eigene Wohnung oder sogar in ein Haus im Grünen zurück.

Für Arme ist ein solches Idyll kaum finanzierbar, zudem wächst durch die inflationären Preise der ökonomische Druck. Die Bemühungen um das kleine Glück scheitern häufig. In Deutschland wird laut dem Statistischen Bundesamt jede dritte Ehe geschieden.

Ob in der Familie oder alleine: An den deutschen Stränden suchen Millionen Urlauber temporäre Erholung und genießen dieses Jahr den vermeintlichen Traumsommer, wären da nicht die medial verbreiteten Alpträume über die Klimakrise, Wassermangel und brennende Wälder. In Gesprächen wird deutlich, dass viele Menschen sich bewusst von den großen gesellschaftlichen Fragen dieser Zeit abwenden. Wer harmonisch mit Freunden zusammen sitzen will, meidet Themen wie die Covid-Strategie, den Ukrainekrieg oder die Inflation, Streitfragen, die immer mehr Zeitgenossen potentiell spaltet statt zusammenführt.

Die Flucht in das Private, in den Alltag, zu den kleinen Freuden des Lebens bestätigt indirekt den massiven Druck einer allgegenwärtigen Öffentlichkeit. Ironischerweise bedroht heute das Phänomen Homeoffice und die sozialen Medien eben diese Privatsphäre und die Idee einer Abkehr von den sich andrängenden Fragen der Zeit wird häufig zur Illusion. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, dichtete Rainer Maria Rilke unter dem Eindruck der Moderne.

Hier ist nicht nur das Beziehen eines realen Gebäudes gemeint, sondern die Notwendigkeit einer tragenden Philosophie zu folgen. Die Kunst und die Religion stiften diese Räume, die eine spirituelle und geistige Erfahrung ermöglichen. Gleichzeitig gibt es einen Trend, sei es in Bürgerinitiativen oder alternativen Projekten, gemeinsame Aktionen der Flucht ins Private entgegenzusetzen.

Das Phänomen der Depression, dass das Glück der Massen gefährdet, erklärt sich unter anderem aus der Ohnmacht, die viele Menschen angesichts der riesenhaften Probleme erleben. Die Politik rät heute zur Entsagung und zum Sparen, bereitet uns so auf das Ende der sorglosen Konsumgesellschaft vor. Wo sind die neuen Maßstäbe?

Goethe bietet uns eine zeitlose tragende Philosophie an, die über den Materialismus hinausweist: „Welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück!“ Erleben wir, trotz oder gerade wegen der Krisen, neue Räume, wo Menschen gemeinsam unterwegs sind und die Dialektik von privat und öffentlich überwinden?

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Essay & Tagungsbericht: Die Gelehrten und die Globalisierung. Von Wolf D. Ahmed Aries

(iz). Anfang Februar diesen Jahres luden das Islamische Zentrum Hamburg und die Schura der Stadt Hamburg zur Diskussion der Frage „Islam & Globalisierung“ ein. Diesem herausfordernden Thema folgten zahlreiche Muslime […]

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Interview mit dem Philosophen Alfred Denker

Martin Heidegger sorgt heute immer noch für viele Irritationen und Polarisierungen. Die einen lieben ihn, andere wiederum halten ihn für einen Nazi-Philosophen. Aber sowohl Kritiker und Verteidiger Heideggers geben zu, dass man an ihm als Philosophen des letzten Jahrhunderts nicht vorbeikommt. Sein Hauptwerk „Sein und Zeit“ ist für jeden, der sich mit der Philosophie beschäftigt, eine Pflichtlektüre. (Das Gespräch führte Eren Güvercin)

Frage: Wieso polarisiert ein Denker wie Heidegger heute immer noch die Menschen?

Alfred Denker: Mit Wittgenstein ist Heidegger der einflussreichste Philosoph des 20. Jahrhunderts. Selbst wenn man seine Philosophie für bedeutungslos halten würde, kann man die Geschichte der Philosophie des 20. Jahrhunderts ohne sein Denken nicht verstehen. Seine Philosophie war in ganz verschiedenen Bereichen einflussreich. Neben der Philosophie vor allem in der Theologie, Psychiatrie, Literaturwissenschaft oder der Ökologie, und selbst Naturwissenschaftler wie Heisenberg und von Weizsäcker hat sein Denken angeregt. Gerade in Frankreich hat er einen ungeheuren Einfluss gehabt: von Sartre und Levinas zu Ricoeur und Foucault. Im Lichte von Heideggers Rektorat stellt sich die Frage, ob und inwieweit er im Nationalsozialismus verstrickt war und welche Folgen das für die von Heidegger inspirierte Philosophie hat. Dazu kommt, dass er in bestimmter Hinsicht ein Existentialist „avant la lettre“ war und als Person höchst interessant ist. Denken Sie nur an die Liebschaft mit Hannah Arendt. Er ist einer der Menschen, die man hasst oder liebt. Deshalb polarisiert er auch heute die Menschen.

Frage: Sie haben sich sehr intensiv mit dem Philosphen Martin Heidegger beschäftigt. Jüngst ist Ihr Buch „Unterwegs in Sein und Zeit“ erschienen. Es ist eine Art Einführung in die Person und das Denken Heideggers. Wie stehen Sie zu den Vorwürfen, dass Heidegger in den Nationalsozialismus verstrickt gewesen sei? Der französische Philosoph Emmanuel Faye bezeichnet ihn ja sogar als Vordenker des Nationalsozialismus.

Alfred Denker: Erstens muss jeder, der sich ernsthaft mit Heidegger befasst, die Vorwürfe ernst nehmen. Dazu kommt zweitens, dass ich den Nationalsozialismus verabscheue und mich nicht so intensiv mit Heidegger befassen würde, wenn er tatsächlich ein Nazi gewesen wäre. Es ist wichtig, genau zu untersuchen, wie Heidegger sich in die Nähe des Nationalsozialismus bewegt und wo er sich wieder kritisch davon trennt. Wir können so auch verstehen lernen, warum der Nationalsozialismus so viele Menschen begeistert hat. Es ist ganz schwer sich in die Lage von 1933 zurück zu versetzen. Die Behauptung, dass Heidegger ein Vordenker des Nationalsozialismus gewesen sei, ist leicht zu widerlegen. Selbst wenn Hitler Heidegger gelesen hat, hätte er nur politisch völlig uninteressante Texte lesen können. Von Heideggers Dissertation, Habilitationsschrift und Sein und Zeit gibt es keinen Weg zu Mein Kampf.

Frage: In seinen späteren Werken reflektierte Heidegger über das Wesen der Technik. Was für einen Bezug oder Beitrag kann Heideggers Spätwerk auf das Verständnis einer sich immer mehr als Einheit zeigenden neuen Welt, zwischen der Raserei der Globalisierung und der Quasi-Offenbarung des Internet, haben?

Alfred Denker: Der Beitrag, den Heideggers Denken immer leisten kann, ist das Fragen. Er stellt das für uns Selbstverständliche in Frage. Ein gutes Beispiel ist seine Behauptung, dass die Wissenschaft nicht denken kann. Damit meint er, dass für die Wissenschaft die existentiellen Fragen des menschlichen Lebens unlösbar sind. Meine Berufswahl, ob ich heirate oder nicht, usw. sind keine wissenschaftlichen Probleme. Es ist wunderbar, dass wir heute in einer Sekunde unendliche Informationen abrufen können. Heidegger würde aber sagen, dass Information keine Erkenntnis ist. Was wir von Heidegger auch lernen können, ist, dass die Globalisierung ein Prozess ist, der nicht vom Menschen gesteuert wird und dass dieser sich unserer Macht entzieht. Dies bedeutet, dass es keine einfache Lösung geben kann, was für Politiker schade ist, da sie alle Probleme innerhalb von vier Jahren lösen müssen.

Frage: Kann jemand, der Heideggers Werk studiert, überhaupt noch ein „blinder Parteigänger“ sein? Immerhin sieht er die Lösung der Grundfragen unserer Zeit eben nicht in alten politischen Ideologien. Im legendären Spiegel-Interview von 1976 sagte er: „Nur noch ein Gott kann uns retten.“

Alfred Denker: Was ich Heidegger abnehme, ist, dass ich als Philosoph immer weiter fragen soll und immer wieder das Selbstverständliche in Frage stellen soll. Eine Ideologie ist eine nicht mehr in Frage gestellte Theorie und deshalb gefährlich. Einfache Lösungen gibt es leider nicht und ein Rezept für den Himmel auf Erden auch nicht. Tod und Krankheit gehören zur menschlichen Existenz. Ewig leben können wir als Menschen nicht. Die Aussage „Nur noch ein Gott kann uns retten“ ist m.E. unglücklich, weil sie nicht ausgewiesen werden kann. Dazu kommt, dass wir in unserer Zeit die Gefahr von religiösen Ideologien kennen gelernt haben. Von „Nur noch ein Gott kann uns retten“ zu „Nur dieser Gott kann uns retten“ ist es ein kleiner Schritt. Ich würde lieber sagen (und das wäre m.E. Heideggers Gedanke): „Kein Mensch kann uns retten“. Nur wir endliche Menschen in unserem Zusammenleben können versuchen, diese Problemen zu lösen. Das ist nicht viel, aber zumindest etwas.

Frage: Kann man in Zeiten der größten Finanzkrise, die wir gerade erleben, Heideggers Technikanalyse in Zusammenhang mit den modernen Abgründen der Finanztechnik bringen? Wenn man sich die Auswüchse der globalen Finanztechnik betrachtet, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass „nicht wir die Technik in der Hand haben, sondern sie hat uns in der Hand“, um mit Heidegger zu sprechen…

Alfred Denker: Es ist eine wichtige Aufgabe, Heideggers Denken aufzugreifen, uns weiter zu entwickeln in Richtungen, die Heidegger nicht gegangen ist. Die Finanztechnik könnte als neue Erscheinung des „Gestells“ gedeutet werden. Vielleicht könnten wir dann sagen, dass das Geld vom Mittel zum Zweck geworden ist und gerade deshalb sein Wesen verfehlt. Heidegger würde sagen, dass die Krise der Finanztechnik finanztechnisch unlösbar ist. Die Versuche, Griechenland finanztechnisch vom Bankrott zu retten, belegen dies. Dies würde bedeuten, dass eine Systemänderung notwendig wäre, und diese könnte nur politisch durchgesetzt werden.