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Die letzte Umra vor dem Krieg

umra pilgerfahrt krieg

Eine kleine Pilgerfahrt vor dem Krieg: Reisebericht unseres Autos vor dem Beginn eines sinnlosen Konflikts.

(iz). Ich unternahm die kleine Pilgerfahrt (arab. Umra) im allerletzten Moment, bevor der Nahe Osten in Unruhen versank und Reisen auf die Arabische Halbinsel erschwert, wenn nicht gar unmöglich wurden.

Sie ist eine freiwillige „kleine“ oder „geringere“ Fahrt zur Moschee in Mekka (Saudi-Arabien), die von Muslimen zu jeder Zeit des Jahres unternommen werden kann.

Es umfasst vier zentrale Rituale: Ihram (Zustand der rituellen Reinheit), Tawaf (siebenmaliges Umrunden der Kaaba gegen den Uhrzeigersinn), Sa’i (der Weg zwischen Safa und Marwa, der Hajar – der Frau des Propheten Abraham – und ihrer Suche nach Wasser für ihren Sohn Ismail symbolisiert) und Tahallul (Rasieren/Schneiden der Haare), um die Seele zu reinigen und den Glauben zu stärken.

Mein Freund Salman war vor einem Jahr mit seinem Sohn auf einer solchen Reise gewesen und wollte das gerne wiederholen. Der Plan war, dass wir das im Februar 2026 gemeinsam machen würden. Meine Frau war dagegen.

Ich solle mich lieber einer Gruppe anschließen, schlug sie vor, und mir einen dauerhaften „Umra-Freund“ suchen. Sie sagte mir, ich müsste bei einem Reisebüro in Berlin-Kreuzberg vorbeischauen, das Mevlana Reisen heißt und gegenüber der Mevlana Camii, Kreuzbergs berühmtester türkischer Moschee, in der Skalitzer Straße am Kottbusser Tor liegt.

Das Reisebüro vermittelte mir den Kontakt zu „Ideal Gate“, einem Reiseveranstalter, der sich auf Hajj – und Umra-Reisen spezialisiert hat. Ich meldete mich für eine Gruppe vom 11. bis zum 22. Februar an – zwölf Tage in Mekka und Medina; eine Pauschalreise für 1.680 Euro, inklusive Flug, Hotels und Verpflegung.

deutsch berlin ramadan

Foto: Shutterstock

Vor der Abreise kaufte ich meine Kleidung, die Männer auf der Hajj und Umra tragen sollen, in einem kleinen arabischen Laden namens Orient Style in der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Der Ihram besteht aus zwei einfachen, ungenähten weißen Tüchern gleicher Länge, meist aus Baumwolle, die Reinheit, Demut und Gleichheit symbolisieren.

Der Izar wird um die Taille gewickelt, um den Unterkörper zu umhüllen, während die Rida über die Schultern drapiert wird, um den Oberkörper zu bedecken. Im Ihram ist das Tragen von Kopfbedeckungen, Unterwäsche oder Parfüm verboten.

Durch sein Anlegen befinden sich die Reisenden somit in einem Zustand, in dem sämtliche sozialen, wirtschaftlichen und nationalen Unterschiede aufgehoben werden, wodurch sichergestellt wird, dass alle Pilger vor Gott gleich sind.

Ich sollte etwas zu dem zwiespältigen seelischen Zustand sagen, in dem ich mich vor der Abreise zur Umra befand. Denn diese Reise sollte mein Leben grundlegend verändern. Es lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen: in das, wie ich vor der Abreise in die heiligen Stätten des Islam war, und in das, wie ich während und nach der Reise wurde.

Im Jahr 2012, nachdem ich viele Jahre lang über den Islam nachgedacht hatte – teilweise als Ergebnis von Reisen auf den Balkan, die 2003 begannen und in einem Jahr endeten, das ich als Lehrer in Istanbul verbrachte –, nahm ich den Islam an. Und sprach meine Schahada in einer Sufi-Dergah in Berlin-Wedding – auf Anregung eines pakistanischen Bruders und Arztes aus Leipzig, den ich ein paar Mal treffen sollte und dann nie wieder.

Mein Leben hat sich in manchen wesentlichen Punkten verändert. Ich gab bestimmte unzulässige Gewohnheiten wie Trinken und Rauchen auf, begann, den Qur’an zu lesen, und besuchte regelmäßig Pflichtgebete in einigen der rund 80 Moscheen in Berlin.

Dennoch fiel es mir schwer, die fünf täglichen Gebete einzuhalten; normalerweise schaffte ich nur ein oder zwei pro Tag. Ich hielt den Glauben vor meinen deutschen Arbeitgebern geheim. Anstatt die Religion zu offenbaren, verbarg ich sie.

Auch wenn ich mich von offen untersagten Praktiken wie dem Trinken distanzierte, blieb ich dennoch in einem gewissen Sinne den Dingen der Dunya (der materiellen oder diesseitigen Welt) verhaftet.

Neben der Tätigkeit als Englischlehrer arbeitete ich auch als Journalist, und einen Großteil meiner Zeit verbrachte ich damit, über Musik zu schreiben und sie zu hören. Diese Leidenschaft führte am Ende dazu, dass ich gemeinsam mit einem in Berlin lebenden DJ bosnischer Herkunft an einem Buch mitwirkte, einer mündlichen Geschichte vorwiegend europäischer Musiktrends mit dem Titel „Balkan Beats“.

Ich vertiefte mich so sehr in das Schreiben und Recherchieren für dieses Buch – das sich zum Teil um viele verpönte Praktiken drehte –, dass ich nicht bemerkte, wie es zu einer Art Obsession wurde. Sie lenkte mich von einigen wirklich wichtigen Aspekten des Lebens an – vor allem von meiner Beziehung zu Allah und dem Leben und den Lehren des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Diese Reise nach Mekka und Medina sollte all dies ändern. Ich war 56 Jahre alt – nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt – und stand kurz vor der größten Reise meines Lebens.

Meine Gruppe bestand aus siebzig Personen, hauptsächlich Türken – Männer und Frauen (sowie drei kleine Kinder), die in Deutschland lebten (Schwaben, Frankfurt, Nordrhein-Westfalen und Berlin), einige Araber und ich – ein Amerikaner. Am Berliner Flughafen traf ich meinen zukünftigen Zimmergenossen und baldigen Umra-Bruder Mohamad Hamade, einen Libanesen, der nur wenig älter war als ich.

Er arbeitete als Wachmann im Bode-Museum auf der Museumsinsel in der Hauptstadt. Ich sollte ihn die ganze Zeit in Mekka und Medina begleiten. In den großen Menschenmassen dort folgte ich ihm pflichtbewusst, meine Hand auf seiner Schulter.

Wir trafen uns alle am Gate des Flughafens von Amman in Jordanien, wo wir vor unserem Weiterflug nach Medina einen Zwischenstopp einlegten. Schon dort sah ich viele Pilger, gekleidet in den charakteristischen weißen Ihram, die auf dem Weg ins Hijaz waren. Das Personal vor Ort war freundlich und begrüßte die Reisenden mit dem traditionellen islamischen Gruß „Selam alaikum“.

Foto: SPAENG

Dort am Flugsteig trafen wir Selcuk, einen jungen Türken aus Süddeutschland, der der vertrauenswürdige Reiseführer sein würde. Er reichte die Ausweise, die wir um den Hals tragen sollten, sowie die gelben Ideal-Gate-Rucksäcke, die wir auf dem Rücken mitführten. Sie würden sich als äußerst praktisch erweisen, um uns inmitten der tausenden Menschen, die die heiligen Stätten besuchten, erkennbar zu machen.

Unser Hotel in Medina lag direkt an dem weitläufigen, offenen Platz vor der Moschee des Propheten. Sie wurde im ersten Jahr nach der prophetischen Auswanderung (622 n. Chr.) vom Gesandten Allahs selbst erbaut. Sie ist die zweitgrößte und heiligste Stätte des Islam, da sie sein Grab beherbergt (einigen Gelehrten zufolge ist sie sogar die wichtigste).

Ursprünglich aus Lehmziegeln und Palmblättern erbaut, wurde sie, die über 400.000 Quadratmeter groß ist, im Laufe ihrer 1.400-jährigen Geschichte mehrfach erweitert, um der wachsenden Zahl von Gläubigen gerecht zu werden. Ihr markantestes Merkmal ist die „Grüne Kuppel“, unter der sich die Grabkammer des Propheten Muhammed, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie der ersten beiden Kalifen, Abu Bakr und ‘Umar, befinden.

Es heißt, dass unter seiner Überdachung und auf dem Dach 500.000 Personen beten können. Zusammen mit den umliegenden Gebetsplätzen im Freien bedeutet dies, dass zwischen 1 und 1,5 Mio. Gläubige Platz finden.

Die Wirkung, mit mehr als einer Million Muslimen aus der ganzen Welt zu beten, lässt sich kaum in Worte fassen. Man sieht sie aus allen Ecken der Erde, von Asien über den Nahen Osten bis hin zu Afrika und Europa, die meisten in nationaler religiöser Kleidung – Brüder aus der Sahelzone in saharischen Daraa-Gewändern und Stoffschleiern, die als Turbane dienen.

Man sieht Araber in langärmeliger, knöchellanger Bekleidung und mit der Keffiyeh, indonesische und malaysische Brüder, die Batik-Sarongs tragen. Während in der Zeit des Ramadan und der Hajj mehr Pilger kommen, ist sie jeden Tag des Jahres rund um die Uhr gefüllt. Was eine erstaunliche Vorstellung ist.

Während meines gesamten Aufenthalts in Mekka und Medina hatte ich keinerlei Kontakt zu den Medien und Nachrichtenagenturen; zuvor war ich ein begeisterter Leser von „Al Jazeera“ gewesen. Früher hatte ich angesichts der Ungerechtigkeiten im Nahen Osten und auf der ganzen Welt verzweifelt die Hände gerungen. Doch nun war ich völlig losgelöst von den Geschehnissen auf der Welt, da ich ganz und gar vom Gebet und der spirituellen Besinnung eingenommen war.

Manche sagen, dass sie nach dem Besuch dieser Orte Medina bevorzugen, wegen der Ruhe der Prophetenmoschee, die in krassem Gegensatz zum hektischen Treiben des anderen Haram und der umliegenden Stadt Mekka steht. Ich verstehe ihren Standpunkt, doch nichts ist vergleichbar mit dem Beten in Mekka, wo man sagt, dass ein Gebet dort 100.000 Mal mehr Wert hat als ein Gebet in jeder weiteren Moschee.

Ich hatte diese Tatsache schon nüchtern gehört, aber nur wenn man hier mit äußerster Aufrichtigkeit betet, kann man ihre Wahrhaftigkeit spürbar erleben. Sehr oft war ich von meinen Gebeten dort unbeschreiblich bewegt. Einmal, während des nächtlichen Tarawwihs, wurde ich Zeuge, wie der Imam beim Rezitieren des Qur‘an in Tränen ausbrach, was mich unbeschreiblich bewegte.

Darüber hinaus bewegte mich die Schar der Menschen, die als Wächter und Pfleger des heiligen Schreins von Mekka beschäftigt sind. Zum Beispiel die vielen saudischen Soldaten verschiedener Nationalitäten, deren Job es ist, die Kaaba zu schützen. Gibt es eine ehrenvollere Beschäftigung als diese?

Selbst die Schar der einfachen Straßenkehrer aus Bangladesch und anderen armen Winkeln der muslimischen Welt hatte in Mekka eine würdige Aufgabe zu erfüllen; Selcuk drängte uns, ihnen Sadaqa zu geben, um ihre mageren Löhne aufzubessern. Zum ersten Mal in meinem Leben gab ich sie aus tiefstem Herzen. Die Wirkung war heilsam.

Foto: Shutterstock

Es gibt noch viel mehr zu berichten. Ich möchte euch von unserem nächtlichen Besuch auf dem Berg Hira erzählen, wo der Engel Gabriel dem Propheten Muhammed die ersten Qur’anverse offenbarte. Oder vom Abstecher auf den ältesten und heiligsten Friedhof in Medina, dem Jannat al-Baqi („Garten des Himmels“), der an die südöstliche Mauer der Prophetenmoschee angrenzt.

Er ist ein weitläufiges Feld aus schlichten, grob behauenen Steinmonumenten, die Ruhestätte der Familie des Propheten Muhammed und seiner Gefährten. Das war ein weiteres zutiefst bewegendes Erlebnis. Aus Platzgründen kann ich hier nicht näher darauf eingehen.

Und selbstverständlich das Umrunden der heiligen Kaaba, der unantastbaren Stätte der Verehrung für Muslime weltweit. Auch das war ein Höhepunkt und ein emotionaler Moment.

Zusammenfassend muss ich sagen: Nichts im Leben hätte mich auf diesen Besuch nach Mekka und Medina vorbereiten können. Hätte mir vor dreißig Jahren jemand gesagt, dass ich das machen würde, hätte ich ihm nicht geglaubt.

Natürlich besteht der Zweck der Umra nicht nur darin, sich an diesen heiligen Stätten des Islam dem Gebet hinzugeben, sondern sich vorzunehmen, nach der Rückkehr in den Alltag ein besserer Mensch zu sein. Zurück in Berlin kann ich sagen: Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt – die Vorsätze, die ich dort gefasst habe, in die Tat umzusetzen.

Nun, eine Woche nach meiner Rückkehr in die Hauptstadt, haben Amerika und Israel begonnen, den Iran anzugreifen, und der Nahe Osten ist erneut in Chaos gestürzt. Der Flugverkehr nach Saudi-Arabien wurde weitgehend eingestellt.

Ich war, so scheint es, im allerletzten Moment nach Mekka und Medina gereist. Ein oder zwei Wochen später wäre es nicht mehr möglich gewesen.

Die Pilgerfahrt nach Mekka erreicht ihren Höhepunkt

pilgerfahrt

Für Millionen ist es der Höhepunkt des Lebens: Die Pilgerfahrt nach Mekka versammelt ab Freitag wieder Muslime von Nigeria bis Indonesien an der Kaaba.

„Und Wir wiesen Ibrahim die Stelle des Hauses zu: ‘Geselle Mir nichts bei und reinige Mein Haus für die den Umlauf Vollziehenden, die aufrecht Stehenden, sich Verbeugenden und die sich Niederwerfenden. Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren Reittieren, hager gemacht durch die lange Reise, von jedem entfernten Ort kommend, damit sie Nutzen für sich erfahren und den Namen Allahs an bestimmten Tagen über dem Aussprechen, womit Er sie mit Opfertieren versorgt hat. Esst davon und speist die Armen und die Bedürftigen. Dann sollen sie ihren Zustand der Vernachlässigung beenden, ihre Eide erfüllen und das Alte Haus umkreisen.’“ (Al-Hadsch, Sure 22, 24-27)

Bonn/Riad (KNA/iz). Es ist gefährlich heiß in Mekka, sogar für arabische Verhältnisse. Das saudische Gesundheitsministerium warnt vor Beginn der islamischen Wallfahrt in die Heilige Stadt am Freitag vor Temperaturen bis 48 Grad.

Foto: SPA English, X

Hitze, Durst und Belastung – Herausforderungen für die Organisation der Pilgerfahrt

Sprecher Muhammad Al-Abdulaali sieht große Herausforderungen auf die Massen der Pilger und die Organisatoren zukommen. Schirme gegen die Sonne, ausreichend Wassertrinken und häufige Ruhepausen im Schatten seien unbedingt erforderlich.

Das Königreich tue alles, um den Gläubigen ihren Aufenthalt so schonend wie möglich zu gestalten. Vorgesehen sind mehr klimatisierte Zelte, Luftbefeuchter und große Mengen Trinkwasser.

Schon 2023 litten die Teilnehmer der Pilgerfahrt, arabisch Haddsch, unter extremer Hitze. Mindestens 240 Menschen starben, wobei Saudi-Arabien keine Angaben zu den Todesursachen machte; Tausende kollabierten wegen der hohen Temperaturen.

Häufig trifft es Ältere, die viele Jahre auf die Reise gespart haben, um in der Geburtsstadt des Propheten Mohammed den spirituellen Höhepunkt ihres Lebens zu erfahren und ihre religiöse Pflicht zu erfüllen.

Doch der sechstägige Vollzug der Riten, die teils schon auf vorislamische Zeiten zurückgehen, erfordert körperliche Fitness.

Foto: Kursat Bayhan, Shutterstock

Wie läuft die Hadsch ab?

Die wichtigsten Bestandteile sind: Das Fassen der Absicht, das Eintreten in den Ihram-Zustand (bei Männern verbunden mit dem Anlegen des Pilgergewandes), der Tawaf Al-Ifada (das siebenmalige Umschreiten der Ka’ba am Ende der Hadsch-Riten), das Laufen zwischen den Hügeln Safa und Marwa (Sa’i), das Stehen auf der Ebene von ‘Arafa zur Zeit der Hadsch, und, wobei die Meinungen dazu verschieden sind, das ­Steinigen der Säulen von ‘Aqaba.

Es gibt drei Arten der Verrichtung der Hadsch: Hadsch Al-Ifrad, wobei nur die Hadsch-Riten vollzogen werden; Hadsch Al-Qiran, die die Hadsch Al-Ifrad mit einer ‘Umra verbindet, wobei man dazwischen den Ihram anbehält; und Hadsch ­Tamattu’, wobei man zuerst eine ‘Umra und dann die Hadsch verrichtet, dazwischen aber den Ihram ablegt. Die malikitische ­Rechtsschule bevorzugt die Hadsch Al-Ifrad, die hanafitische die Hadsch Al-Qiran. Bei der Hadsch Al-Ifrad entfällt das bei den beiden anderen Arten erforderliche Schlachtopfer. Die Sunna-Handlungen der Hadsch, die nach dem Vorbild des Propheten während dieser durchgeführt werden sollen, sind zu umfangreich, um hier vollständig dargestellt zu werden.

Am Freitag begeben sich die Teilnehmer zunächst in den Weihezustand (Ihram): Männer legen das weiße Pilgergewand an; Frauen dürfen ihr Gesicht nicht mehr verhüllen. Rasieren sowie das Schneiden von Haar und Nägeln ist nun verboten. In der Heiligen Moschee von Mekka umkreisen die Menschen siebenmal die Kaaba.

Ein anderer wesentlicher Teil des Ihram ist die Talbija. Das ist das Rufen von „Allahumma labbaik…“, wenn man in diesen Zustand eintritt und solange man sich darin befindet. Nach Ansicht von Imam Malik und Imam Asch-Schafi’i ist die beste Form die Hadsch Ifrad (die Reisenden kombinieren ihre Hadsch nicht mit der ’Umra und bleiben bis zum Ende im Ihram).

Eine wichtige Säule ist Sa’i, das siebenmalige Laufen und Gehen zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Damit ahmen die Pilger die Suche der Hadschar, der Ehefrau des Propheten Ibrahim, nach Wasser für sich und ihren Sohn Isma’il nach. Im Qur’an und in der Sunna ist der verpflichtende Charakter des Sa’i bestätigt.

Am nächsten Tag ziehen sie weiter zum Hügel Arafat, wo Mohammed laut Überlieferung seine letzte Predigt hielt. Dort beten sie um Vergebung ihrer Sünden und erbitten Allahs Beistand für sich und ihre Angehörigen. Für viele Muslime ist dies der emotional wichtigste Moment des Haddsch. Der Gesandte Allahs sagte: „Hadsch ist ’Arafat.“

Nach einer weiteren Nacht in der Ebene Muzdalifah geht es zurück nach Mina. Dort steinigen die Pilger auf der Dschamarat-Brücke eine Säule, die den Teufel symbolisiert. An diesem Tag beginnt auch das viertägige Opferfest, der wichtigste islamische Feiertag im Islam.

Die letzte Säule ist die Abschiedsumkreisung der Kaaba (arab. Tawaf Al-Ifada). Diese Umkreisung der Kaaba folgt dem Stehen von ’Arafat und ist eine der drei Umkreisungen, die ein Hadschi mindestens macht. Aber sie ist die einzige, die absolut nötig ist und ohne die es keine Hadsch gibt.

Foto: SPA English, X

Ministerium spricht von neuem Besucherrekord

Insgesamt erwartet das saudische Hadsch-Ministerium laut dem Portal Gulf News in diesem Jahr mit mehr als zwei Millionen Pilgern einen neuen Höchststand. Für das Königreich bedeutet die Ausrichtung des Mega-Ereignisses großes Prestige.

Rund 1,5 Milliarden US-Dollar investierte Riad in den vergangenen Jahren in die Infrastruktur; ein Mehrfaches davon fließt als Gewinn zurück in die Staatskasse. Auch Fluglinien profitieren durch etliche Sonderflüge nach Dschidda und Medina.

Für die Pilgerfahrt zahlt der Einzelne im Westen schnell 7.000 bis zu 10.000 Euro. Auch in Deutschland haben sich islamische Reiseveranstalter längst auf entsprechende Rundum-Pakete spezialisiert.

Saudi-Arabien will Quoten für ‘Umra erhöhen

Riad (Agenturen). Saudi-Arabien gab am 8. August bekannt, dass ab dem 10. August Anträge für muslimische Pilger aus dem Ausland für die Umrah entgegengenommen werden. Die Menge der monatlichen Reisenden soll auf bis auf zwei Millionen Pilgernde erhöht werden.

Der stellvertretende Minister für Hajj und Umrah, Dr. Abdulfattah bin Sulaiman Mashat, sagte, sein Ministerium habe „in Abstimmung mit anderen betroffenen Behörden vor Beginn der Umrah-Saison 2021/2022 daran gearbeitet, Durchführungsmechanismen zu entwickeln und ein sicheres und zugängliches Umfeld für die Umrah-Pilger während ihrer Reise zu schaffen“.

Mashat sagte, dass das Ministerium daran arbeitet, „die Länder, aus denen die Umrah-Teilnehmer kommen, und ihre Anzahl in regelmäßigen Abständen entsprechend der Klassifizierung der Präventivmaßnahmen und der Anforderungen für die Länder, aus denen die Umrah-Teilnehmer und Besucher in das Königreich kommen, zu bestimmen“.

Aufgrund der Pandemie wurde die kleine Pilgerfahrt auf Saudis und ausländische Einwohner des Königreichs beschränkt. Ihre bisherige Kapazität lag bei 6.000 Personen täglich.

Über die lebenswichtige Natur der Hadsch

„Konzentriert euch stattdessen darauf, wo ihr seid, warum ihr dort seid und wen ihr baucht. Es zählt nichts anderes.“
(iz). Allah sagt in Seinem Noblen Buch: „Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren (Reittieren), die aus jedem tiefen Passweg daherkommen, damit sie (allerlei) Nutzen für sich erfahren und den Namen Allahs an wohlbekannten Tagen über den aussprechen, womit Er sie an den Vierfüßlern unter dem Vieh versorgt hat. Esst (selbst) davon und gebt dem Elenden, dem Armen zu essen.“ (Al-Hadsch, 27-28)
Nach Ansicht einiger Qur’ankommentatoren richteten sich diese Wort an den Propheten Ibrahim und nach Meinung anderer an den letzten Gesandten, Muhammad, möge Allah ihnen beiden Frieden geben. In beiden Fällen gelten sie für uns. Imam Al-Qurtubi schrieb in seinem Tafsir, dass Ibrahim auf den Gipfel des Berges Abu Qais stieg und ausrief: „Menschheit, Allah hat euch die Pilgerfahrt zu diesem Haus befohlen, sodass Er euch mit dem Garten belohnen und vor der Strafe des Feuers beschützen kann. Also macht die Pilgerfahrt dahin.“
Die Hadsch ist fester Bestandteil unserer DNS; sie ist Teil von unserem Lebensmuster als menschliche Wesen. Ein Teil, den wir an einem bestimmten Zeitpunkt unserer Existenz froh bestätigt haben. Die Pilgerfahrt ist – und wird es immer sein – ein stets gegenwärtiger Teil dieser Welt, seit sie in die Existenz kam. Denn das Haus Allahs war die erste Struktur, die jemals errichtet wurde. Allah sagte: „Das erste (Gottes)haus, das für die Menschen gegründet wurde, ist wahrlich dasjenige in Bakka, als ein gesegnetes (Haus) und eine Rechtleitung für die Weltenbewohner.“ (Al-i-‘Imran, 96)
In seinem Tafsir dieser Worte sagte Imam Mudschahid: „Allah erschuf den Ort, an dem dieses Haus liegt, 2.000 Jahre, bevor Er irgendetwas anderes auf der Erde schuf.“ Und dann brachte Er Adam auf die Erde. Und Adam sowie die Propheten nach ihm kamen alle nach Mekka, um Tawaf (arab. für Umkreisung der Kaaba).
Das ist Teil unserer menschlichen Veranlagung wie so vieles anderes, das Teil unserer Fitra und unserer Lebensmuster ist, die von der Mehrheit der Menschheit vergessen oder verleugnet wird. Und nur diese Umma – die den Ruf des Gesandten Allahs erhört hat – erinnert sich.
Nehmen wir die zweite Interpretation an, wonach der in dem Vers Angesprochene unser Prophet ist, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, dann sind diese Worte eine Anweisung an ihn, uns zu sagen, dass die Hadsch eine Verpflichtung ist. Er sagte: „Islam beruht auf fünf Dingen: Die Bezeugung, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, die Einrichtung des Gebets, die Bezahlung der Zakat, das Fasten im Ramadan und die Hadsch zum Heiligen Haus von Allah.“
Die Hadsch ist eine der Säulen von Allahs Din – auf individueller Ebene wie auf gemeinschaftlicher. Es handelt sich hier nicht um ein zusätzliches Extra. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil – wie Gebet, Fasten oder Zakat. Und wie diese auch gilt sie für jeden geistig gesunden, erwachsenen Muslim – Männer und Frauen. Ihnen allen ist befohlen, die Reise zum Hause Allahs während der Zeit der Hadsch zu machen. Und zwar mindestens einmal in ihrem Leben, wenn sie Fähigkeit dazu haben.
Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Und Allah steht es den Menschen gegenüber zu, dass sie die Pilgerfahrt zum Hause unternehmen – (diejenigen,) die dazu die Möglichkeit haben.“ (Al-i-‘Imran, 97) Die Bedingung der Fähigkeit gilt für alle fünf Säulen des Islam. Mann muss die Schahada nur sagen, wenn man die Fähigkeit zu sprechen hat. Man muss die Niederwerfung, das Stehen und die Verbeugung im Gebet machen, wenn man körperlich dazu in der Lage ist, ohne sich körperlichen Schaden zuzufügen. Und man muss die Zakat nur in dem Fall bezahlen, wenn der eigene Besitz ein Niveau eines überzähligen Niveaus übersteigt, sodass der Nisab (die Mindestmenge) während eines Jahres erreicht wurde.
Aber Allah spricht über diese Bedingung in besonderem Zusammenhang mit der Hadsch, denn sie ist mit weit größeren Schwierigkeiten verbunden als die anderen Pfeiler des Islams. Die Reise ist lang und oft beschwerlich, die finanziellen Auslagen beträchtlich. Das gilt insbesondere für die heutige Zeit, in der viele von der Hand in den Mund leben. In der Vergangenheit trennten sich die Leute für rund ein Jahr von ihren Familien und Freunden. Sie reisten übers Land und über das Meer, widerstanden den Elementen und den Gefahren von Räubern. Die Leute stellten sicher, dass ihre Angelegenheiten vollkommen in Ordnung gebracht wurden, weil sie wussten, dass nicht zurückkommen könnten.
Heute ist die physische Seite der Reise viel leichter geworden. Dafür macht ihre finanzielle sie für viele unerreichbar. Die mit der Hadsch verbundenen Kosten sind vielfach unerschwinglich. Auch die begrenzte Verfügbarkeit von Visa für die Reise hat es vielen unmöglich gemacht, nach Mekka zu pilgern. Wer sich in dieser Lage befindet, muss nicht verzweifeln. In dem Fall hat man nicht eine Säule des Islam ausgelassen, da diese nicht die Bedingung erfüllt hat, für die entsprechenden Personen verpflichtend zu werden. Ihr Din ist nicht fehlerhaft.
Der Hadsch wird nur für den Fall zur Pflicht, wenn alle drei Aspekte der Fähigkeit eintreffen:
– Dass man körperlich fähig und stark genug ist, um die Reise zu unternehmen. Ist man hoffnungslos krank oder schwach, muss man nicht gehen, selbst wenn es sich dabei um die letzte Chance handelt.
– Dass man finanziell in der Lage zu Hadsch ist, auf der Reise überleben kann und zurückkehren kann, ohne sich verschuldet zu haben. Hierzu gehört auch, dass die abhängigen Personen wie Ehepartner, Eltern oder Kinder während der Abwesenheit mit ausreichend Mitteln versorgt sein müssen. Reichen die eigenen Finanzen nicht, muss niemand gehen. Eigentlich wäre es in dem Fall sogar verwerflich, die Hadsch zu unternehmen.
Dann braucht man das Visum für die Hadsch. Diese Bedingung ist keine, die sich in den Rechtsbüchern finden lässt. Sie ist aber ein Teil der existenziellen Realität der Welt, in der wir leben. Ohne Visa – ungeachtet der eigenen Finanzmittel oder körperlichen Stärke – wird man die Grenze nicht überschreiten können. Wer ein solches Visum beantragt hat und zurückgewiesen wird, erfüllt eine Bedingung für die Befähigung zur Hadsch nicht und ist deshalb nicht an seiner Pflicht gescheitert.
Frauen müssen wissen, dass die saudischen Behörden sie ohne Mahram – das heißt, ohne engen männlichen Verwandten – nicht ins Land einreisen lassen. Sie sagen, dass sei Teil des Fiqh, aber in Wirklichkeit ist es Puritanismus und Übereifer auf ihrer Seite und unfair für einen großen Teil der muslimischen Gemeinschaft.
Als ein vergleichbares Urteil in Gegenwart von Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, abgegeben wurde, wies sie es umgehen mit den Worten zurück: „Nicht alle Frauen haben einen Mahram!“ Mit anderen Worten, niemand sollte an der Erfüllung eine der größten Säulen Dins gehindert werden, nur weil ein bestimmter Typ von Verwandten fehlt. Das schafft einfach nur Hindernisse, wo es früher keine gab. Das war auch die Position von Malik. Allerdings legte er fest, dass sie in einer Gruppe reisen sollten, anstatt alleine zu sein. Er begründete das mit dem Beispiel der großen Prophetengefährten und den Worten des Gesandten Allahs.
Soweit es das Vorbild der Sahaba betraf, erteilte Umar den Prophetengattinnen die Erlaubnis, in Begleitung von ‘Uthman und ‘Abdarrahman auf die Hadsch zu gehen. Keiner dieser Männer war mit ihnen verwandt. Und der Prophet sagt zu Adi ibn Hatim: „Wenn ihr lange genug lebt, werdet ihr Frauen sehen, die in ihren Haudas [überdachte Kabinen für Reisekamele] ohne Ehemänner reisen. Sie kommen den weiten Weg von Al-Hira im Irak, um Tawaf um die Kaaba zu machen und fürchten nichts als Allah.“
Mit anderen Worten, der Grund, warum Frauen mit ihren Ehemännern oder Mahrams reisten, war ein Mangel an Sicherheit. Als aber die Straßen gesichert waren, gab es dafür keinen Bedarf mehr. Das ist das Recht, aber unglücklicherweise ist hier den Saudis Folge zu leisten, weil sie die Haramain kontrollieren. Jede Frau, die gehen möchte, sollte sich dessen bewusst sein und entsprechende Vorkehrungen treffen.
Wer zu jenen gehört, die die Fähigkeit haben und alle der erwähnten Bedingungen erfüllen, sollte auf keinen Fall zögern. Denn die Hadsch ist, wie der größte Gelehrte Medinas sagte, „eine Verpflichtung, die sofort fällig wird, sobald alle Bedingungen erfüllt sind“.
Der Gesandte Allahs sagte, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Beeilt euch, die Hadsch zu machen, denn ihr werdet niemals wissen, was euch geschieht.“ Das heißt, was einen womöglich in der Zukunft daran hindern könnte. Wenn man diese Gelegenheit von Allah zurückweist, öffnet man die Tür für Kufr und den Zorn Allahs. Denn Abu Umama überlieferte die Worte des Propheten: „Wer nicht durch Krankheit, offenkundige Not oder einen tyrannischen Herrscher gehindert wird, und an der Verrichtung der Hadsch scheitert, kann genauso gut als ein Jude oder ein Christ sterben.“
Das ist eine ziemlich heftige Warnung. Also sollten wir die kleinen Sorgen dieser Welt nicht auf unserem Weg zur Hadsch stehen lassen. Wir sollten sie zur Seite schieben und zum Hause Allahs eilen.
Stellt euch vollkommen in Dienst Allahs und ihr werdet Erfolg haben. Folgt in den Spuren des Gesandten Allahs und seiner Gefährten sowie all jener, die sie nachahmten. Geht, wohin sie gingen. Ahmt sie in Handlung und Sprache nach.
Man sollte nur Gutes und nichts Schlechtes sehen; egal, mit was man konfrontiert wird. Das Schlechte führt dazu, dass man nichts von seiner Hadsch hat. Es zehrt alle Zeit und Energie auf und der eigene Zustand wird zu einem der Missbilligung: wegen dem Verhalten der Wachen, dem Vordringen hässlicher Hochhäuser in Richtung Haram, die Geschiebe und Gedränge und der Vormacht von Leuten, die mit ihrem Handy Selfies bei ihrem Tawaf um das Haus Allahs machen. Ignoriert sie und lasst euch davon nicht beeindrucken. Konzentriert euch stattdessen darauf, wo ihr seid, warum ihr dort seid und wen ihr baucht. Es zählt nichts anderes.

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Die einmalige Reise

„Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren (Reittieren), die aus jedem tiefen Passweg daherkommen.“ (Al-Hadsch, 27) Ich […]

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Hadsch: Ein aktueller Bericht von der diesjährigen Pilgerfahrt. Von Chaban Salih, Berlin

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Das ZDF überraschte mit einer Reportage von der Hadsch. Gespräch mit einem ihrer Macher über diese Erfahrung

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