(mh/IZ). Wir befinden uns im heiligen Monat Ramadan, alhamdulillah. Abgezählte Tage in denen wir uns intensiver mit unserer Religion beschäftigen, die Nähe zu Allah (swt) und unseren geliebten Prophet Muhammad (saw) suchen, aber auch eine Zeit des Verzichtens und der Reinigung. Von Khadija Ould Sidi Mohamed
An diesen besonderen Tagen suchen viele gezielt die Nähe zur islamischen Gemeinschaft und verbringen die Nächte im Gebet. Nach Ende des gesegneten Monats Ramadan folgt eines der beiden wichtigsten Feste im islamischen Kalender: Idul-Fitr.
In den meist familiären Vorbereitungen werden Süßigkeiten und Kuchen gebacken, festliche Dekorationen gebastelt oder eingekauft sowie auch die Kleidung für den Festtag besorgt. Besonders für Kinder sind diese Vorbereitungen und die Vorfreude auf Idul-Fitr etwas Besonderes und mit viel Vorfreude verbunden.
Um auch Bedürftigen, die unter schwierigen Umständen leben, diese Freude und Wertschätzung zu geben, wurde im vergangenen Ramadan wieder Kleidung als Festgeschenk an Bedürftige verteilt.
Durch Eure Spenden konnten gleich zwei Projekte umgesetzt werden, in denen insgesamt 2.977 Bedürftige ein Festgeschenk erhalten haben. Neue Kleidung für Idul- Fitr, bringt nicht nur Freude, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Würde, Hoffnung und Zugehörigkeit.
Es zeigt den Bedürftigen, dass sie gesehen, geschätzt und die gleichen Chancen auf Feierlichkeiten verdient haben. Des Weiteren können diese Kleider auch nach dem Fest im Alltag getragen werden. Für viele der Begünstigten ist es eine Seltenheit, wenn nicht sogar das erste Mal, dass sie neue Kleidung erhalten. Andernfalls sind sie auf gespendete Altkleider angewiesen.
Im indischen Ozean liegen die beiden Projektländer Indonesien und Sri Lanka. Trotz einer Entfernung von über 4.500 km verbindet sie das Leuchten der Gesichter der Begünstigten beim Erhalt der Festgeschenke.
Begünstigt wurden in Sri Lanka besonders bedürftige Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Verteilt wurden die Festgeschenke in den Distrikten Trincomalee und Kandy.
Die hier Lebenden sind zu 90% Muslime. Der Großteil davon lebt unter der Armutsgrenze. Jeweils 510 Jungen erhielten eine Hose mit Hemd und 500 Mädchen ein Kleid und eine Hose. 320 Frauen wurden eine Sari und eine Bluse und 321 Männern ein Sarong und ein Hemd überreicht. Ein Sarong ist eine Stoffbahn, die als Wickelrock um die Hüfte gebunden wird. Er wird landestypisch von Männern im asiatischen Raum getragen.
Die Verteilung der Kleidung hat in den Tagen vor dem Fest in Moscheen und auch Schulen stattgefunden, damit die Begünstigten diese Kleidung direkt am Festtag tragen können.
Foto(s): muslimehelfen e.V.
Die Begünstigten konnten die Freude direkt zweimal spüren: zum einen bei der Verteilung und zum anderen am Festtag selbst, als sie mit ihren neuen und sauberen Kleidern am Fest teilnehmen konnten. Auch hat dies einen psychologischen Aspekt, welcher das Selbstwertgefühl der Begünstigten entsprechend positiv beeinflussen kann.
Im weltweit größtem Inselstaat Indonesien haben 1.326 Kinder in der zweiten Hälfte des Ramadans die Festgeschenke erhalten. Die Mehrheit der Begünstigten sind Waisen, die anderen Kinder kommen aus extrem einkommensschwachen Familien. Sie leben mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von weniger als 2 USD pro Tag.
Die Eltern haben meist nur eine geringe oder gar keine Ausbildung. So bleibt Ihnen nur die Arbeit als Tagelöhner oder beispielsweise als Straßenverkäufer. Die Mehrheit dieser Kinder leben in ländlichen oder abgelegenen Regionen, etwa 30 % der begünstigten Kinder leben in städtischen Gebieten.
Die Verteilung der Festgeschenke hat in den Provinzen Aceh, Jogyakarta, Nord Sumatra und West-Nusa-Tenggara stattgefunden. Für einen optimalen Verteilungsprozess wurden die Kinder je nach Wohngebiet gruppiert. Die Übergabe der Festgeschenke fand in ausgewählten örtlichen Geschäften statt, wo sie ihre vorbestellten Kleidungsstücke abholen konnten.
Dies hatte den Vorteil, dass die Kinder eine gewisse Auswahl an Kleidungsstücken hatten und auch passende Größen ausgewählt werden konnten. Neben den Begünstigten wurden so auch die lokalen Geschäfte der Wohngebiete unterstützt und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden gefördert. Dank der guten Vorarbeiten konnte ein reibungsloser, respektvoller und gut organisierter Verteilungsprozess stattfinden.
Foto(s): muslimehelfen e.V.
Durch die Übernahme der Kosten für Festkleidung können Familien ihre begrenzten Mittel für Essen und andere wichtige Dinge zum Fest nutzen. Auf diese Weise hebt das Projekt nicht nur die Stimmung der Kinder, sondern unterstützt auch das allgemeine Wohlbefinden der Familien.
Dies zeigen auch die Worte der 10-jährigen Cantika beim Erhalt ihres Festgeschenkes im indonesischen Aceh:
„Alhamdulillah, ich bin so glücklich, diese Kleidung zu erhalten. Meine Eltern haben mir keine neuen Kleider gekauft, weil sie zu teuer für uns sind. Sie können sich nur einmal im Jahr ein neues Kleidungsstück leisten. Ich bin so glücklich, weil diese Kleidung so schön ist. Danke an die Spender, nur Allah weiß, wie dankbar ich bin. Möge Allah sie schützen. Amin.“
Letztendlich geht diese Verteilung über materielle Unterstützung hinaus – sie bietet Hoffnung, stärkt das Vertrauen und hilft, die Samen von Freude, Dankbarkeit und Ehrgeiz in ihre Herzen zu pflanzen. Zeig auch Du mit Deiner Spende, dass sie gesehen und geschätzt werden und ein fröhliches Idul-Fitr verdient haben.
Wie Sadaqa (freiwilliges Geben) islamische Zivilisationen prägte und heute wieder Gemeinschaft aufbauen kann.
(iz). Medina, im 7. Jahrhundert. In der Hitze des Tages stehen Menschen an einem Brunnen, der frisches Wasser führt. Der Brunnen trägt den Namen Bir Ruma. Von Samy Adamou
Wasser ist vorhanden, klar und lebensnotwendig, doch es ist kein Gemeingut. Der Brunnen gehört einem Mann, der für jeden Schluck Geld verlangt. Durst und Bedürftigkeit sind nicht die entscheidende Frage, sondern Kaufkraft. Wer zahlen kann, trinkt. Wer es nicht kann, wartet.
Diese scheinbar einfache Szene legt eine große Wahrheit offen: Gesellschaften definieren sich nicht nur durch ihren Wohlstand, sondern durch die Art, wie sie Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen organisieren. Wem gehört Wasser? Wer entscheidet darüber, wer versorgt wird? Und was passiert, wenn Grundbedürfnisse dem Markt überlassen bleiben?
In dieser Situation tritt Sayyiduna Uthman ibn ʿAffan (Allah sei mit ihm zufrieden) auf, ein wohlhabender Kaufmann und enger Gefährte des Propheten Muhammad (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden). Er kauft den Brunnen – und das nicht, um ihn auch gewinnbringend zu betreiben, sondern um ihn dem Markt zu entziehen.
Er erklärt ihn zu einem Waqf, zu einem „frommen Stiftungsgut“ für die Gemeinschaft. Von diesem Moment an darf jeder daraus trinken: arm oder reich, Mensch oder Tier, ohne Gegenleistung, ohne Gegenrechnung. Aus einer wirtschaftlichen Transaktion wird Sadaqa. Und aus einem Brunnen wird ein Ort des Baraka, dessen Nutzen nicht im Moment verpufft, sondern Generationen überdauert.
Foto: jcomp, freepik.com
Mehr als persönliche Wohltätigkeit
Diese Begebenheit ist kein Einzelfall und keine romantische Anekdote aus einer idealisierten islamischen Vergangenheit. Sie steht exemplarisch für eine Denkweise, die sich durch die gesamte islamische Zivilisation über Jahrhunderte zieht.
Sadaqa ist mehr als persönliche Wohltätigkeit. Sie war stets ein zivilisatorisches Prinzip, ein Motor und ein Gegenmodell zu einer Wirtschaftslogik, die Vermögen anhäuft, absichert und konzentriert, statt es in Beziehung zu setzen und zirkulieren zu lassen.
Der Qur’an formuliert diesen Gegensatz klar und unmissverständlich: „Allah löscht den Zins aus und vermehrt die Sadaqa.“ (Al-Baqara, Sure 2, 276) Hier geht es nicht nur um individuelle Moral, sondern um Systeme. Riba steht für eine Logik, in der Geld aus Geld wächst, losgelöst von realer Verantwortung, von Gemeinschaft und von menschlichen Bedürfnissen.
Sadaqa hingegen bindet Vermögen zurück an Menschen. Sie zwingt Geld, wieder Teil sozialer Beziehungen zu werden. Während Riba vermeintliche Sicherheit verspricht und dabei oft Angst, Gier und Abhängigkeit erzeugt, schafft sie Tragfähigkeit, Vertrauen und soziale Stabilität – und wird mehr durch Baraka.
Wichtig zu erwähnen ist, dass der Islam Besitz nicht verurteilt. Er erkennt wirtschaftliche Tätigkeit ausdrücklich an: Handel ist erlaubt, Gewinn ist erlaubt, Eigentum wird geschützt. Doch zugleich setzt der Islam eine klare Grenze.
Besitz ist niemals absolut. Er gehört nicht bedingungslos dem Menschen, sondern bleibt stets Amana – ein Gut, das dem Menschen von Allah anvertraut wurde und über dessen Verwendung Rechenschaft abzulegen ist. Eigentum ist damit kein Selbstzweck, sondern Verantwortung.
Großzügigkeit beschränkt nicht den Besitz
Der Prophet Muhammad (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) brachte die Haltung zu Geld in einem kurzen, aber tiefgreifenden Satz auf den Punkt: „Kein Vermögen wird durch Sadaqa geringer.“ Diese Aussage widerspricht auf den ersten Blick alltäglicher ökonomischer Logik.
Rein rechnerisch wird Vermögen weniger, wenn man davon abgibt. Doch der Prophet sprach hier nicht über Buchhaltung, sondern über eine ontologische Wirklichkeit der Realität, zu der er Zugang hatte und die er der Gemeinschaft eröffnete. Nicht, weil mathematische oder logische Gesetzmäßigkeiten aufgehoben würden, sondern weil das Göttliche selbst in diesen Akt des Gebens eingreift.
Sadaqa ist deshalb kein Verlust, sondern eine Umlenkung. Vermögen verlässt nicht einfach den Besitz des Menschen, sondern tritt in eine andere Ordnung ein. Geld verliert nicht an Wert, sondern an Enge. Es hört auf, sich selbst zu genügen, sich anzuhäufen und abzusichern, und beginnt stattdessen, Wirkung zu entfalten.
Es wird Teil von Beziehungen, von Versorgung, von Entlastung und von Aufbau von Communitys und Abkehr von Schaden für sich selbst und der Familie. Viele Menschen erleben dabei etwas, das sich rational kaum erklären lässt: Obwohl sie materiell abgeben, empfinden sie keinen Mangel.
Im Gegenteil: Es ist, als würde weniger zu mehr werden. Nicht zwingend in der absoluten Summe des Besitzes, sondern im Umgang damit. Dinge reichen länger, Ausgaben ordnen sich, Notwendiges fällt leichter. Besitz verliert seine Schwere, seine innere Enge, und wird tragfähig.
So verändert Sadaqa nicht nur äußere Verhältnisse, sondern auch das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen Besitz: Aus Festhalten wird Vertrauen, aus Angst vor Verlust wird Gewissheit, aus Eigentum wird Verantwortung. Und genau darin liegt ein zentrales Geheimnis der Baraka.
Foto: quickshooting, Adobe Stock
Von der ersten Gemeinschaft verinnerlicht
Die erste muslimische Gemeinschaft verinnerlichte und lebte diese Logik wie kaum eine andere. Als der Prophet Muhammad (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) im Jahr 622 mit den verfolgten Gläubigen von Mekka nach Medina auswanderte, kamen Menschen an, die alles abgegeben bzw. verloren hatten: Besitz, Schutz und Heimat. I
Ihnen begegneten die Ansar, die Helfer aus Medina. Sie öffneten ihre Häuser, teilten ihre Nahrung, ihren Besitz und ihre Sicherheit. Manche boten an, ihr Vermögen zu teilen. Der Qur’an beschreibt diese Haltung mit einem Satz, der bis heute Maßstab ist: „Sie geben den anderen den Vorzug vor sich selbst, selbst wenn sie Mangel haben“ (Al-Haschr, Sure 59, 9).
So entsteht Gemeinschaft und das ganz organisch. Nicht zuerst durch Verträge und nicht durch staatliche Umverteilung, sondern durch Idhar, das bewusste Vorziehen des Anderen. Sadaqa ist damit weit mehr als ein Akt der Mildtätigkeit. Sie ist Ausdruck muslimischer Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Wahrhaftigkeit und Identität und einer tieferen Gewissheit, Yaqin. Das ist die Gewissheit, dass jedes Geben ein Handel mit dem Allerbarmer ist.
Der Mensch gibt von dem, was ihm anvertraut wurde, im Vertrauen darauf, dass Allah es ihm im Diesseits und im Jenseits vervielfacht zurückgibt. Wer gibt, trägt Verantwortung mit. Diese Haltung bringt Baraka.
Sie verhindert, dass Reichtum sich abschottet und Armut ausgegrenzt wird, und sie verbindet Menschen jenseits von Status und Besitz. So entsteht eine Gesellschaft, die nicht nur nebeneinander existiert, sondern füreinander einsteht – getragen von Vertrauen, Gewissheit und gemeinsamer Verantwortung.
Sadaqa ist das Handeln, das die Wahrheit des Augenblicks erkennt
Das Wort Sadaqa selbst stammt von Ṣidq – Wahrhaftigkeit. Es ist die Wahrheit des Glaubens in Handlung. Sadaqa ist jede freiwillige Gabe um Allahs willen: Geld, Zeit, Kraft, Wissen oder ein gutes Wort. Anders als die verpflichtende Zakat kennt sie keine Obergrenze. Der Prophet Muhammad (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sagte: „Jede gute Tat ist Sadaqa.“
Der Qur’an beschreibt sie dabei nicht zuerst als Hilfe für Bedürftige, sondern als Reinigung für den Gebenden: „Nimm von ihrem Besitz eine Spende, mit der du sie reinigst und läuterst“ (At-Tauba, Sure 9, 103). Geben löst innere Bindungen. Es befreit das Herz von der Angst vor Verlust und von der Illusion, alles kontrollieren zu müssen.
Sadaqa ist nicht nur ein einzelner Akt des Gebens. Sie bleibt nicht beim Moment stehen. Aus Sadaqa wächst Baraka. Was freiwillig gegeben wird, entfaltet mit der Zeit Wirkung: im Besitz, im Herzen und im Leben selbst. Baraka zeigt sich dabei nicht nur im Geld.
Oft zeigt sie sich dort, wo Menschen sie am dringendsten vermissen: in der Zeit, in der Leichtigkeit, in der Ordnung des Lebens, in der Abwendung von Unheil und im inneren Empfinden. Der Qur’an verbindet genau hier das Geben mit Erleichterung: „Wer gibt, gottesfürchtig ist und das Gute für wahr hält – dem werden Wir den Weg zum Leichten leicht machen.“ (Al-Layl, Sure 92, 5–7)
Baraka in der Zeit bedeutet nicht, dass der Tag mehr Stunden bekommt. Sie bedeutet, dass sich Dinge fügen, Wege sich öffnen und Probleme gar nicht erst eskalieren. Wer gibt, lebt aus Tawakkul, Vertrauen in Gott, und genau diese Haltung verändert das Leben nachhaltig.
Wie oben beschrieben, entstanden aus dieser organischen Praxis der Sadaqa und aus der ihr zugrunde liegenden Haltung über Jahrhunderte hinweg Formen von Baraka, die sich in tragfähigen Strukturen niederschlugen. Sadaqa blieb nicht auf den einzelnen Akt beschränkt, sondern entwickelte institutionelle Wirkung.
Beispielsweise Takaful, die gegenseitige Absicherung, bedeutete, dass Risiken gemeinsam getragen wurden und niemand im Fall von Not allein blieb. Besonders prägend war das Waqf-System, bei dem Vermögen bewusst dem Markt entzogen und dauerhaft dem Gemeinwohl gewidmet wurde.
Auf diese Weise entstanden Moscheen, Schulen, Krankenhäuser, Brunnen und Herbergen – nicht durch staatliche Haushalte, sondern durch Sadaqa Jariyah, die fortlaufende Wohltätigkeit, deren Nutzen Generationen überdauerte.
Foto: alexlibris/Adobe Stock
Aus Spiritualität wird Zivilisation
Gerade hier wird sichtbar, wie aus spiritueller Haltung Zivilisation wird: Wo Waqf-Strukturen stark waren, konnten Bildungsorte wachsen, ohne dass Bildung ein Luxus wurde. Lehrhäuser und Madrasas wurden finanziert, Lehrer bezahlt, Studierende versorgt, damit Wissen nicht nur denen offenstand, die es sich leisten konnten.
Und ebenso zeigte sich diese Logik in der Gesundheitsversorgung. In vielen Städten der muslimischen Welt entstanden Bimaristane, Hospitäler, die nicht als private Unternehmen funktionierten, sondern als Stiftungen. Medizinische Behandlung sollte zugänglich sein, nicht exklusiv. Der Gedanke dahinter war nicht „Wohlfahrt“ als PR, sondern Verantwortung als Gottesdienst.
In manchen Epochen erreichte diese Kultur eine Dichte, die heute fast unglaublich wirkt. In al-Andalus, etwa in Córdoba, waren Krankenhäuser und soziale Einrichtungen Teil einer städtischen Normalität, getragen von Stiftungen und Spendenkultur. In Kairo errichteten Mäzene und Herrscher große, über Stiftungserträge finanzierte Einrichtungen, die Kranke versorgten, Reisende aufnahmen und Bedürftigen Würde gaben.
Damit wurde etwas gebaut, was jede Gesellschaft braucht: Vertrauen in das Gemeinwesen. Nach dem Prinzip: „Wenn ich falle, fängt mich die Gemeinschaft auf – weil Menschen vor mir Sadaqa in Struktur verwandelt haben.“
Auch Frauen prägten diese Zivilisation maßgeblich durch ihr Geben. Ein besonders klares Beispiel ist Fatima al-Fihri im 9. Jahrhundert in Fès. Sie setzte ihr Vermögen für den Aufbau einer Moschee mit Lehrbetrieb ein – und aus diesem Waqf heraus entwickelte sich al-Qarawiyyin: ein Ort, der über Generationen Wissen, Lehre und geistige Orientierung trug.
Das ist die eigentliche Pointe: Nicht jeder Einfluss ist laut. Manchmal baut eine einzelne Entscheidung im Stillen einen Ort, der Jahrhunderte überdauert.
Prinzipien, die auch heute gelten
Diese Logik lebt bis heute fort, auch in Deutschland. Muslimische Communitys hierzulande sind jung, vielfältig und institutionell oft unterfinanziert. Es gibt keine Kirchensteuer, keine automatische staatliche Grundfinanzierung. Moscheen, Bildungsarbeit, soziale Projekte und Nothilfe werden fast ausschließlich durch Sadaqa getragen. Viele kleine Beiträge schaffen tragfähige Strukturen.
Moderne Technologie hat diese alte Logik neu belebt. Unsere Plattform commonsplace.de verbindet Geben mit Struktur. In wenigen Jahren konnten so über 1.500 Projekte unterstützt, rund 5 Millionen Euro gesammelt und mehr als 70.000 Menschen eingebunden werden. Doch entscheidend sind nicht die Zahlen.
Entscheidend ist die dahinterliegende Logik: Viele geben regelmäßig. Niemand trägt allein. Gemeinschaft wird nicht behauptet, sondern gelebt. Und genau das knüpft an die historische Linie an: Sadaqa als Energie, Struktur als Form, Baraka als Ergebnis. Commonsplace freut sich, wenn auch Du ein Teil des Communityaufbaus sein willst – in dem du Deine Sadaqa in ein Projekt entrichtest, die Freitags-Sadaqa einstellst oder ein Projekt installierst!
Am Ende bleibt eine Frage, die jede Generation neu beantworten muss: Was hinterlassen wir? Welches Puzzleteil wollen wir sein für die Umma Muhammads (Frieden und Segen seien auf ihm). Sadaqa für Deutschland bedeutet Verantwortung: heute loszulassen, damit morgen etwas steht, wo Muslime vor 100 Jahren noch nicht gelebt haben.
Von Bir Ruma in Medina bis zu Bildungsorten, Krankenhäusern und Stiftungslandschaften in Fès, Kairo oder al-Andalus zieht sich eine Linie: Sadaqa baut, Baraka trägt, Gemeinschaft bleibt.
Diese Linie endet nicht in der Geschichte. Sie setzt sich fort – hier und heute. Genau hier setzt commonsplace an. Die Vision von commonsplace ist es, das Gute unabhängig zu kultivieren –aus einem qur’anischen Prinzip heraus: dass „Khair“ nicht nur spontan gelebt, sondern dauerhaft aufgebaut werden muss.
Im kommenden Ramadan werden wir diese Gedanken weiter vertiefen. Folgt commonsplace in den sozialen Medien. Denn Ramadan ist nicht nur Verzicht. Ramadan ist Aufbau.
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Millionen Menschen im Jemen fehlt es am Nötigsten. Als in Sanaa nun Geldspenden verteilt werden, kommt es zum tödlichen Gedränge. Schüsse und eine Explosion nach einem Kurzschluss sollen die Panik in der Menge in den entscheidenden Minuten noch verschärft haben. Von Johannes Sadek
Sanaa (dpa). Leblos liegen die Körper im Video aufgereiht, Rufe gehen wild durcheinander: Bei einer Massenpanik im Jemen sind nach Angaben der Huthi-Rebellen mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen.
Das teilte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Sanaa am Donnerstag mit. 77 weitere seien verletzt worden, davon schwebten 13 in Lebensgefahr. Den Huthis zufolge war es bei der Verteilung von Spenden am späten Mittwochabend zu einem tödlichen Gedränge gekommen.
Panik nach Geldspenden in Sanaa?
Ein Sprecher des dortigen Innenministeriums erklärte der von den Huthis betriebenen Nachrichtenagentur Saba zufolge, einige Händler hätten ohne vorherige Koordinierung „willkürlich“ Geldspenden verteilt. Daraufhin sei Panik ausgebrochen.
Augenzeugen beschrieben der Nachrichtenseite „Al-Masdar“, wie zeitweise Schüsse zu hören waren. Diese sowie eine Explosion nach einem Kurzschluss sollen die Panik gesteigert und schließlich zum Gedränge geführt haben. An einer Schule hätten sich vorher Hunderte versammelt, um Geldspenden eines bekannten Händlers zu erhalten. Einige örtliche Medien berichteten, die Huthis hätten die Schüsse abgegeben.
Foto: Jennifer Bose, CARE
Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel und grenzt an Saudi-Arabien. Die Huthis sind eine Gruppe schiitischer Rebellen, die in ihrem seit 2014 laufenden Aufstand weite Teile des Nordens eingenommen haben und auch die Hauptstadt Sanaa kontrollieren.
Seit 2015 herrscht Stellvertreterkrieg im Jemen
Seit 2015 kämpft Saudi-Arabien im Land mit Verbündeten gegen die Huthis. Die UN sehen wegen laufender Verhandlungen derzeit aber auch Chancen auf eine mögliche Entspannung.
Vor allem bedingt durch die Kriegsfolgen spielt sich in dem ohnehin stark verarmten Land eine der schwersten humanitären Katastrophen weltweit ab. Etwa 21 Millionen Menschen sind auf irgendeine Form von humanitärer Hilfe und Schutz angewiesen. Das Welternährungsprogramm (WFP) versucht, 13 Millionen Menschen im Land zu erreichen. Es ist der größte Nothilfeeinsatz des WFP weltweit.
Foto: Husam Alqoliaa, Shutterstock
Militante Huthis machen Händler verantwortlich
In Videos, die die Szenen nach dem Vorfall zeigen sollen, lagen zahlreiche Leichen aufgereiht am Boden. In einem Video war zu sehen, wie Dutzende Menschen sich unter lauten Schreien auf engstem Raum drängen, einige scheinen in der Masse dabei buchstäblich unterzugehen. Die Tragödie trug sich in den letzten Tagen des muslimischen Fastenmonats Ramadan zu.
Der Vorsitzende des Hohen Politischen Rats, Mahdi al-Maschat, sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und forderte eine Aufklärung des Vorfalls. Ein dafür bestimmter Ausschuss besuchte die Schule laut einem Saba-Bericht noch am Abend.
Zwei mutmaßlich verantwortliche Händler wurden festgenommen. Das Huthi-Innenministerium beschuldigte sie, das Geld ohne vorherige Koordinierung mit dem Ministerium verteilt zu haben.
Die Huthis – offiziell bekannt als Ansar Allah, die „Unterstützer Gottes“ – gehören der Glaubensgemeinschaft der Zaiditen an, einem Zweig des schiitischen Islams. Im Nordjemen herrschen sie in einer Art Zwergstaat, wo sie ihre religiöse Ideologie auf totalitäre Weise durchsetzen. Sie kontrollieren alle Bereiche des öffentlichen Lebens und erheben unter anderem Zölle und Steuern.
Der Ramadan 2023 beginnt voraussichtlich nach dem Abendgebet am 22.03. und endet voraussichtlich zum Abendgebet des 21.04.23
„Der Radschab ist der Monat, in dem die Saat ausgebracht wird. Schaban die Zeit, in der die Pflanzen bewässert werden und Ramadan der Monat für die Ernte. (…) Radschab ist wie der Wind. Schaban wie die wasser-tragenden Wolken und Ramadan ist wie der Regen.“ (Abu Bakr Al-Balkhi)
(iz). Imam Muslim überlieferte von Abu Huraira, möge Allah mit beiden zufrieden sein, vom Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, dass Allah sagte: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein und Ich werde ihn dafür entlohnen. (…) Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“
Foto: sewcream | Freepik
Ramadan eilt heran
Mit schnellen Schritten nähert sich der Fastenmonat Ramadan – viel rapider, als man jedes Jahr zu glauben vermag. Dann wird sich wieder für 29 oder 30 Tage der Alltag unzähliger praktizierender Muslime in Deutschland umstellen und der Vergeistigung ihrer Existenz zuwenden. Es wäre jedoch kurzsichtig zu glauben, dass zwischen dieser Zeit und dem Rest des Jahres ein tiefer Graben liegt. Vielmehr gibt es eine Zwischenphase, die ebenfalls von erheblichem Wert ist. Kenntnis von ihr hilft uns bei der notwendigen Vorbereitung und Einstimmung auf den Ramadan selbst.
Der Prophetengefährte Salman Al-Farisi, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte einmal: „Allahs Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, hielt einen Vortrag für unseren Nutzen am letzten Tag des Schaban (…): ‘Oh, ihr Leute, ein mächtiger Monat breitet seinen Schatten über euch aus.’“ Das kann unter anderem auch heißen, dass der Ramadan nicht einfach plötzlich kommt, sondern seinen „Schatten“ langsam vorausschickt.
Radschab
Man kann sagen, dass der Vorlauf für die Zeit des verpflichtenden Fastens bereits zwei Monate zuvor beginnt. Und zwar mit dem Radschab, dem siebten Monat des islamischen (Mond-)Kalenders. Dieser zählt zu den vier heiligen Monaten unseres Din. Allah sagt über sie im Qur’an: „Wahrlich, die Zahl der Monate bei Allah beträgt zwölf, so sind sie im Buch Allahs festgelegt worden seit dem Tag, da Er die Himmel und die Erde erschuf. Von diesen Monaten sind vier heilig. Das ist der beständige Glaube.“ (At-Tauba, 37)
Wenn der Radschab bevorstand, sprach der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ein besonderes Du’a [arab. Bittgebet]: „Oh Allah, segne uns im Radschab und im Scha’ban und lasse uns den Ramadan erreichen.“ „Das verweist darauf, dass der Prophet Muhammad, Segen und Frieden auf ihm, diese drei Monate miteinander verband und Allahs besonderen Segen in den beiden Monaten vor dem Ramadan erflehte.
Des Weiteren wird deutlich, dass in diesem Monat die Vorbereitungen für besondere Anstrengungen auf dem Wege Allahs auf einen besonders fruchtbaren Boden treffen. Dazu gehören eine gesteigerte Anbetung sowie weitere Handlungen, die helfen, Allahs Wohlgefallen zu erlangen“, schreibt Hasbullah Shafi’iy in einem aktuellen Beitrag für die IZ. Das Wort Radschab leite sich aus der Wurzel „radschaba“ ab, was so viel wie „respektieren“ bedeutet.
Es gab mehrere historische Begebenheiten, die sich in diesem Monat ereigneten. Zwei wichtige davon sind:
1. Die Himmelfahrt des Gesandten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Sie geschah in der 27. Nacht des Radschab. In dieser Nacht, der Lailat Al-Miradsch, ist der Prophet in die Himmel aufgestiegen, wo Allah ihm vieles gezeigt hat und der Prophet Allah so nahe kam, wie es keinem Menschen vorher und nachher sonst gewährt wurde. Allah sagt dazu im Qur’an: „Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee hinführte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, auf dass Wir einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ (Al-‘Isra, 1)
2. Der Prophetengefährte Bilal, möge Allah mit ihm zufrieden sein, brachte 400 Männer in die Gegenwart des Propheten, Allahs Heil und Segen auf ihm, und sie nahmen den Islam an.
Schaban
Das ist der Monat, der dem Ramadan vorausgeht. Nach einer Überlieferung, die von ‘Aischa weitergegeben wurde, werden in diesem Monat dem Todesengel die Namen derjenigen gegeben, die im kommenden Jahr sterben werden. Einem Mann riet der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, er solle zwei Tage im Schaban fasten.
Es ist Sunna, in diesem Monat zu fasten. Der Prophet selbst pflegte, die Tages des letzten Monats vor dem Ramadan zu fasten und die Nächte im Gebet zu verbringen.
Allerdings ist es wichtig, dass das freiwillige Fasten eine individuelle Angelegenheit ist – zwischen dem Herrn und Seinem Diener. Man soll sie nicht nach außen tragen oder gar mit ihr prahlen. Qutada riet dazu, diese freiwillige Handlung zu verbergen: „Es ist empfohlen für einen Mann, der fastet, Parfüm zu benutzen, damit es kein Anzeichen dafür gibt, dass er fastet.“
Auch hier gibt es eine besondere Nacht (die 15. des Monats), in der Mitte des Schaban: die Lailat Al-Baraa. Sie ist die „Nacht der Befreiung“, eine der gesegnetsten Nächte des Jahres. Segen, Gnade und Vergebung kommen in dieser Nacht auf die Erde herab. Es wird überliefert, dass dann Fehler vergeben werden, mit Ausnahme der schwerwiegenden. Es gehört zu den Besonderheiten der hanafitischen Rechtsschule, der insbesondere die hiesigen Muslime mit türkischen und bosnischen Wurzeln angehören, sich in dieser Nacht in den Moscheen zu versammeln.
Es wurde berichtet, dass Schaikh Hasan Al-Basri einmal in dieser Nacht sein Haus verließ und dabei ganz bleich aussah. Als der große irakische Gelehrte der frühen muslimischen Vorzeit danach befragt wurde, entgegnete er: „Ich schwöre, dass ich in einem Zustand bin, der schlimmer ist als der eines Mannes, dessen Schiff unterging. Denn ich bin mir meiner Fehler gewiss, aber ich habe keine Gewissheit darüber, ob meine guten Taten angenommen werden. Deshalb sorge ich mich so viel.“
Im letzten Monat vor dem Ramadan sollten Muslime besonders viel im Qur’an lesen und das Bittgebet (As-Salat ‘ala An-Nabi) für den Propheten rezitieren, sowie ihr gutes Handeln steigern. Oft haben die Wohlhabenden gerade jetzt viel Sadaqa unter die Armen verteilt, damit diese für den Ramadan gestärkt sind. Gefangene wurden freigelassen. Auch ziehen sich viele in die Moscheen zurück (I’tikaf), um den Beginn des Ramadan zu erwarten und um in Abgeschiedenheit zu reflektieren.
Gelegentlich geschieht es, dass dieser Monat, weil er zwischen Radschab und Ramadan liegt, ein bisschen „untergeht“. Das war schon zu Zeiten des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, so: „Dies ist ein Monat, den die Menschen zwischen Radschab und Ramadan vernachlässigen. In ihm werden die Werke zum Herrn der Welten emporgehoben.“ (Ahmad, An-Nasa’i)
Für diejenigen Fastenden, die im vorangegangenen Ramadan bestimmte Tage nicht fasten konnten, eignet sich der Schaban dafür, diese nachzuholen. Es wurde von Abu Salama berichtet, dass dieser sagte: „Ich hörte ‘Aischa sagen, möge Allah mit ihr zufrieden sein: ‘Manchmal verpasste ich einige Tage im Ramadan und konnte sie nicht nachholen, außer im Monat Schaban.’“ Jeder verpasste Tag vom letzten Jahr muss spätestens im Schaban nachgeholt werden und hat Vorrang vor freiwilligen Fastentagen.
Ein interessanter Gedanke zu dieser besonderen Zeit kommt von Schaikh Abdalhaqq Bewley. Die herausragende Qualität des Ramadans komme nicht vom Fasten, sondern man faste in dem Monat, weil er so besonders sei.
Mit Material von Laila Massoudi und Sulaiman Wilms.
„Macht euch gegenseitig Geschenke, denn diese vertreiben Abneigung.“ (Hadith) Es ist 8.40 Uhr morgens. Mein junger Sohn und ich hätten das Haus vor zehn Minuten verlassen sollen. Obwohl wir heute […]
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