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Fes – Reise ins Herz Marokkos

(iz). Einen geradezu klassischen Blick auf die Stadt Fes hat man von den Anhöhen im Norden oder Süden der Stadt, am besten zur Abenddämmerung. Von hier sieht man, gelegen in einer Mulde zwischen Hügeln und umgeben von Olivenbäumen, das alte Fes mit seiner weitgehend authentisch erhaltenen Medina. Das Licht lässt die Farben der alten Häuser in den verschiedensten Tönen schimmern, deutlich herausgehoben sind dabei die grünen Dächer der ehrwürdigen Moschee und Madrassa Al-Qa­rawijin und der Zawija von Moulay Idris II. Wenn dann die Gebetsrufe von den Moscheen erklingen, in der Art und Weise, wie sie im Maghrib üblich ist, dann spürt man das klassische Marokko, und denkt an all die Generationen von Gelehrten, Weisen und Aulija, die diese Stadt hervorgebracht hat.

Anders als viele andere bedeutende Städte entstand Fes nicht aus einer bereits zuvor existierenden antiken Stadt, sondern ist eine genuine Eigengründung. Die Lage dieser gewachsenen, nicht geplanten Stadt wird begünstigt durch den Oued Fes und andere, kleinere Bachläufe, die von den umliegenden Hügeln und Bergen durch die Stadt fließen, sowie zahlreichen Quellen, die sie mit Wasser versorgen. Schon immer war Fes berühmt für seinen Wasserreichtum, und das Wasser diente und dient dazu, in einem ausgeklügelten Be- und Entwässerungssystem die Brunnen der Moscheen, die öffentlichen Brunnen und Bäder und die Wohnhäuser zu versorgen; bei vielen Handwerksbetrieben, vor allem den Mühlen, dient es als Triebkraft.

Insbesondere im Frühling ist die Umgebung von Fes sehr grün, und neben den Olivenbäumen ist die Stadt umgeben von Feldern und den großen Friedhöfen, die wie überall in islamischen Ländern ganz selbstverständlich zum Alltagsleben dazuge­hören. Die eng aneinandergefügten Häuser werden oft mit einer Struktur aus Trauben oder Honigwaben verglichen, wobei die Straßen und Gassen wie die feinen Adern eines Organismus sind.

Gegründet wurde sie 808 von Moulay Idris II, einem Nachkommen des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Er errichtete eine befestigte Siedlung auf der westlichen Seite des Oued Fes, der auf dem östlichen Ufer eine wahrscheinlich bereits von Moulay Idris I gegründete Siedlung gegenüberlag. In der darauffolgenden Zeit siedelten sich neben den berberischen Einwohnern der Region auch Muhadschirun (Auswanderer) aus Andalusien in der Stadt an, sowie solche aus Qairawan (Kairouan) im heutigen Tunesien, so dass zwei nach ihnen benannte Stadtviertel beiderseits des Oued Fes enstanden: Al-Andalus und Al-Qarawijin, die schließlich zu einer Stadt zusammenwuchsen, die heute als Fes El-Bali den Kern der Stadt bildet.

Fes war lange Zeit Sitz der Sultane von Marokko, und ist damit neben dem benachbarten Meknes sowie Marrakesch und Rabat eine der „Königsstädte“ des Landes. In der Zeit der kolonialen Besatzung ­errichteten die Franzosen, wie überall in Marokko abseits der Altstadt gelegen, ihre „Ville Nouvelle“, die nach europäischen Gesichtspunkten geplant wurde und die entsprechenden Einrichtungen beherberg­te. Diese strikte räumliche Trennung ist wahrscheinlich ein wesentlicher Grund dafür, dass das alte Fes so vollständig erhalten geblieben und, anders als viele Städte außerhalb Marokkos, nicht durch moderne Veränderungen geprägt worden ist.

Die schmalen Gassen der Suqs, unterteilt nach den verschiedenen Branchen, sind mit Bambusgeflecht bedeckt, um Schatten zu spenden. Hier findet man Läden und Werkstätten, die Funduqs als Lager- und Umschlagplätze des Groß- und Fernhandels, sowie klassische Innenhof-Häuser der Kaufmannsfamilien. Es gibt die Viertel der verschiedenen Handwerke, die in Zünften organisiert waren, so das Viertel der Gerber, das Viertel der Weber, das der Kupferschmiede (As-Seffarin), das der Tischler, der Töpfer und so weiter. Ebenso die Viertel der Händler, etwa der Gewürz-, Parfüm- und Stoffhändler.

Fes war immer besonders bekannt für die Anfertigung von Lederwaren, die in die ganze muslimische Welt exportiert wurden. Fes ist auch ein Zentrum für den Handel mit agrarischen Produkten der Bauern aus der näheren und weiteren Umgebung. Obgleich zunehmend durch billige Massenproduktion bedroht, ist das traditionelle Handwerk, das über den Lebenserwerb hinaus auch einen geistigen Sinngehalt hat, in Fes noch vergleichsweise lebendig geblieben, woran zugegebenermaßen die Touristen als Abnehmer einen nicht unerheblichen Anteil haben.

In der Nähe der Qarawijin und der Zawija von Moulay Idris befindet sich die Qaisarija, der Teil des Souqs mit den wertvollsten Gütern wie Schmuck und edlen Stoffen, der nachts abgeschlossen wird. Einer der schönsten Orte in der Medina ist auch der kleine Platz im Souq der Nedjarin, dem Souq der Tischler. An ihm liegt ein prächtig gestalteter Funduq, der heute ein Museum für hölzernes Kunsthandwerk beherbergt. Typisch für Fes sind auch die oft kunstvoll verzierten öffentlichen Brunnen.

Das Herz der Stadt bildet die bereits 859 von einer Frau, Fatima Bint Muhammad El-Feheri, gegründete Qarawijin-Moschee, deren Madrassa die älteste der islamischen Geschichte ist, und die Sauja mit dem Grab von Moulay Idris II. Die Qarawijin war jahrhundertelang das Zentrum des Wissens und der Bildung im islamischen Westen, eine Hochburg des malikitischen Fiqh, der Schule der Leute von Medina, und eine Quelle der Ma’rifa.

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Bye, Bye, nice guy!

(iz). Ich habe niemals an die Idee des „netten Kerls“ geglaubt. Hauptsächlich deshalb, weil ich nicht glaube, dass irgendjemand nett ist. Großzügig, freundlich, offenherzig, weise, geistreich – ja. Aber nett? Nein.

Dass wir über „nette Kerle“ oder „nette Mädchen“ reden, ist unfair. Diese Worte sagen uns überhaupt nichts. Deshalb greifen wir vielleicht auch oft auf diese blasse Beschreibung zurück. Sie rettet uns vor den unordentlichen Einzelheiten. Es ist eine Art, Ausdruckslosigkeit zu vermeiden. Und es lässt uns höflich sagen, dass wir alles andere als beeindruckt sind. Etwas, dass „nett“ ist, ist nicht negativ, aber auch nicht wirklich positiv. Trotz der wertlosen Natur dieses seltsamen Wortes, haben wir „den netten Kerl“ geschaffen und erhalten ihn aufrecht.

Ich kenne nicht einmal seinen Ursprung. Etwas in mir sagt mir, er kommt aus einer billigen Sitcom. Bis zurück in die Antike finden sich in der Literatur böse Jungs, Schwächlinge, Schurken und Könige. Ich habe mir aber den Kopf ­zerbrochen, etwas seit der Antike zu finden, das auch nur vage dem netten Kerl ähnelt.

Dieser Typus hatte durchaus ein gutes Image. Studien zum Thema in den 1990er und frühen 2000er Jahren untersuchten die weibliche Wahrnehmung von „Mr Nice Guy“ in Hinblick auf Erfolg bei der Partnersuche. Diese Untersuchungen konzentrierten sich auf die Feststellung von Eigenschaften in Männern, die Frauen am anziehendsten fanden. Laurie Jansen-Campbell definierte (1995) „Nettigkeit“ als soziales Verhalten, Verträglichkeit und Uneigennützigkeit. Sie fand heraus, dass Anziehung bei Frauen „eine interaktive Funktion von männlicher Dominanz und Verträglichkeit“ ist.

Forscher stellten ebenfalls fest, dass männliches Handeln, das durch „kooperative, selbstlose Tendenzen“ gekennzeichnet war, konkurrenzbetonten und eigennützigen Tendenzen bevorzugt wurde. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass diese Studien teilweise veraltet sind. Wissenschaftler wie Urbaniack und Kilman (2003) erkennen auch frei die Möglichkeit an, dass die Ergebnisse von der Tendenz zu sozialer Begehrlichkeit beeinflusst werden. Das ist eine Voreingenommenheit, bei der die Antwortenden derart auf Fragen antworten, von denen sie glauben, dass sie positiv von anderen aufgenommen werden.

Jenseits dieser Herausforderungen jedoch wird diese Forschung (zumindest intuitiv) unglaubwürdig, soweit die vorgeschlagene Definition von „Nettigkeit“ betroffen ist. Anita McDanial (2005) beschrieb es wie folgt als „freundlich, aufmerksam und emotional ausdrucksvoll … rücksichtsvoll, kooperativ, großzügig … und sympathisch“. Der nette Kerl kann kaum mit diesen Eigenschaften beschrieben werden. Es hat nur den Anschein, dass er sie besitzt.

Kritik an dem Phänomen kommt aus Büchern wie „No More Mr. Nice Guy“ (Robert A. Glover) und der Webseite heartless-bitches.com, die seit Anfang 2002 dagegen schimpft. Das Buch behauptet, dass das „Netter-Mann-­Syndrom“ in der Tat ein akuter Fall von Selbsthass ist, der aus der Konditio­nierung von Kindern herrührt. Jungen wurde beigebracht, Konflikte zu vermeiden und alle zufrieden zu stellen. Der Autor schreibt, dass das in der Vorstellung einer „toxischen Scham“ wurzelt. „Diese Schande ist der Glaube, dass man von Natur aus schlecht, mangelhaft, anders oder nicht liebenswürdig ist. Toxische Scham ist nicht nur eine Überzeugung, dass man schlechte Dinge tut, es ist eine tief verwurzelte Überzeugung, dass man schlecht ist“, schreibt Glover. All das münde in Unehrlichkeit, passiv-aggressivem Verhalten und dem stän­digen Wunsch, anderen die Schuld zu geben. Selbst wenn der „Nette Kerl“ ­Eigenschaften wie Sorge an den Tag lege, wolle er in Wirklichkeit niemanden ­beschützen, sondern seine Welt unter Kontrolle halten und ihr reibungsloses Funktionieren gewährleisten.

Eine Autorin der erwähnten Webseite schreibt: „Frauen wollen keine netten Kerle. In meiner Erfahrung mit Freunden, Partnern und anderen sozialen Kontakten, mögen sie freundliche Kerle. Der Unterschied ist ein feiner, aber wichtiger.“ Ein anderer Autor schreibt: „Das größte Problem ist, dass die meisten ­netten Kerle erschreckend unsicher sind … Sie fragen immer sie, die Entscheidungen zu fällen. (…) das überlässt ihr eine ungerechte Last der Verantwortung. Und gibt ihm die Möglichkeit, sie zu kritisieren, wenn diese unklug war.“

Diese Fassade wird für den freien Zugang zu allen möglichen Verhaltensweisen ausgenutzt, die von kleineren Unstimmigkeiten bis hin zu emotionalem und/oder psychologischem Missbrauch reichen. Nick Notas, seiner Beschreibung selbst einmal „Netter Kerl“, sagt: „Ich war alles andere als nett in meinen Beziehungen. Ich war emotional manipulativ, unsicher und ein regelrechter Drecksack.“

Eine perfekte Tarnung erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Männer nicht anwesend sind, wenn sie gebraucht werden. Das mag eine emotionale, spirituelle oder finanzielle Unterstützung sein. Es erstreckt sich auch auf Fälle, in denen man auf seine schlechten Angewohnheiten aufmerksam gemacht wird. Glover sagt: „Selbstachtung, Mut und Integrität stehen einem Mann gut.“ Da liegt er falsch – sie stehen jedem gut an.

Was ist mit Männern, die nicht versuchen, ein „Netter Kerl“ zu sein, sondern einfach nur „nett“? Es kein sein, dass dieser Bursche umgänglich sowie angenehm ist und eine gesunde Beziehung aufbaut. Für ihn wäre es der schlimmste Fall, zu einer Kopie des netten Kerls zu werden.

Es wird zunehmend deutlich, dass es im besten Fall zweifelhaft und im schlimmsten Fall destruktiv ist, eine Identität aus dem Nettsein zu machen. Das Festhalten an der Vorstellung, dass man „nett“ sei, ist ein sicheres Zeichen der Verabschiedung von der ständigen Neubewertung und Selbstkorrektur, die wir alle durchlaufen müssen, um ein ­erfülltes Leben voller Sinn und Zweck zu führen. Die Maske der Freundlichkeit aufzusetzen bedeutet, jede Art von Selbstbeobachtung absichtlich zu ignorieren und jegliche Verantwortung abzulehnen, die jeder von uns anderen Menschen schuldet.

Wir können uns nicht länger hinter Charaktermasken und Identitäten im irrigen Versuch verstecken, der Auseinandersetzung mit ethischen Dilemmata aus dem Weg zu gehen. Das Gleiche gilt für die Entscheidung für einen ethischen Kodex, dem wir uns verpflichten.

Den Guten da draußen rate ich: Bitte lasst eure Nettigkeit hinter euch. Aber bringt statt ihr Stärke, Freundlichkeit, gute Laune, Liebe, Unterstützung, Intel­ligenz, Mitgefühl und Tugend mit euch. Ich glaube, dass es gute Männer gibt, die einen außergewöhnlichen Charakter mit sich bringen. Gute Männer, denen wir vertrauen können und mit denen wir eine Reise teilen können, die auf Partnerschaft und gegenseitigem Respekt beruht, gepaart mit der Sehnsucht, aus einem Leben ein Abenteuer zu machen, das von soliden Werten und der Bereitschaft und Fähigkeit unterstrichen wird, die subtilen, exquisiten, verborgenen Tiefen der Liebe zu erforschen.

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Was ist aus den Freunden geworden?

„Der Mumin vertraut Allah so lange und so bedingungslos, bis Allah ihn zu Seinem Freund erklärt. Teil des Vertrauens in Allah ist, dass wir Seiner Schöpfung beginnen zu vertrauen, und […]

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Die politische Vernunft schläft

Die Entscheidung der indischen Regierung, den Sonderstatus für das von Indi­en verwaltete Kaschmir abzuschaffen, wurde vielfach kritisiert und abgelehnt.

(IZ/KNA/Agenturen). Indien ist ein trauriges Beispiel dafür, dass das Abgleiten einer Nation in faschistoide Zustände nicht nur eine Frage der Geschichte ist. Das belegen Premier Modi und seine hindunationalistische BJP aktuell am Umgang mit dem seit 1947 umstrittenen Kaschmir. Eine Region, deren muslimischer Mehrheit seit mehr als 70 Jahren das Recht auf Selbstbestimmung verweigert wird.

Am 5. August beschloss die Regierungsmehrheit der BJP von Premierminister Narendra Modi im indischen Parlament die Aufhebung des Artikels 370. Dieser verlieh Jammu und Kaschmir bisher ein substanzielles Maß an Autonomie. Darüber hinaus wurde entschieden, dass beide Gebiete als „Unionsgebiete“ unter direkter Kontrolle Delhis stehen werden. Artikel 370 untersagt es unter anderem, dass Inder außerhalb des Staates sich permanent in Kaschmir niederlassen, Land erwerben, Regierungsjobs besetzen oder Stipendien bekommen. Hindunationalistische Scharfmacher unter Modis Sympathisanten riefen ihre Anhänger bereits zur Besiedlung Kaschmirs auf. Oppositionelle befürchteten, dass die demographische Struktur Kaschmirs gewaltsam verändert werden soll.

Noch besteht die Chance, dass diese Änderungen vom obersten Gerichtshof aufgehoben werden. Sollte dies nicht der Fall sein, gehen Beobachter von beispiellosen Folgen aus. Keine bisherige indische Regierung wollte bisher das verletzliche Gleichgewicht gefährden, das dem indischen Machtanspruch auf das Tal zugrunde liegt. Darüber hinaus bestehen wenig Zweifel, dass der jetzige Schritt separatistische Gefühle entflammen wird. Seine Bewohner sind seit sehr Langem wütend angesichts der jahrzehntelangen Repression und über die konstante militärische Präsenz in ihren Häusern und Dörfern besorgt. Jetzt ist in ihren Augen ihr einziger Anspruch auf Autonomie und Identität weggefallen.

Die führende Opposition, die Kongresspartei, beschrieb die Entscheidung als „katastrophalen Schritt“. Ein Abgeordneter der kaschmirischen Peoples Democratic Partei zerriss eine Kopie der indischen Verfassung, bevor er von Sicherheitsbeamten abgeführt wurde. Inmitten des nationalistischen Furors gab es auch einige Stimmen ehemaliger indischer Verantwortlicher, welche die Gesetzesänderung und ihre Konsequenzen mit Sorge beobachten. A.S. Dulat, ehemaliger Chef des indischen Auslandsgeheimdienstes RAW bezeichnete den Schritt als „mit schwerwiegenden Folgen behaftet“. Dulat, der als geschickter Kenner Kaschmirs bekannt ist, befürchtet den Ausbruch einer großen Krise in der Region. „Meine Befürchtung ist, und ich hoffe, ich irre mich, dass die jüngsten Schritte in Kaschmir nur die Gewalt verstärken werden. Ich glaube nicht, dass in 10-15 Tagen etwas Wichtiges passieren wird. Aber diese Maßnahmen haben den Rest Indiens anfälliger gemacht.“

Selbst Delhi-nahe Politiker wie die ehemaligen Chefminister Mehbooba Mufti und Omar Abdullah kritisierten die Entscheidung. In Folge wurde sie unter Hausarrest gestellt. „Die einseitigen und schockierenden Entscheidungen der indischen Regierung von heute sind ein völliger Vertrauensbruch“, hieß es in einer Erklärung von Abdullah. Das neue Gesetz sei eine Aggression „mit weitreichenden und gefährlichen Folgen“. Vor den Kaschmiris liege ein langer und harter Kampf. „Wir sind bereit für ihn.“

Mit der Degradierung Kaschmirs und des mehrheitlich buddhistischen Teils Ladakh zu Neu Delhi Unionsterritorien erfüllt Modi eine Forderung, die die islamfeindlichen Hindunationalisten seit Jahrzehnten stellen. Denn ihnen gilt das mehrheitlich muslimische Kaschmir als Geburtsstätte des Hinduismus. Kritiker der Entscheidung Modis zur Machtübernahme in Kaschmir befürchten nun eine Hinduisierungswelle. Inder aus anderen Teilen des Landes ist es ab sofort erlaubt, Land in Kaschmir zu erwerben. Vor allem hinduistische Stiftungen stehen in den Startlöchern, um entlang der Pilgerstraße nach Amarnath Grundstücke zu kaufen.

Der nationalistische Schritt Modis rief Menschenrechtler auf den Plan. Am 6. August berichtete Human Rights Watch (HRW), dass Delhi führende politische Führer in Kaschmir unter Hausarrest setzte, der Bewegungsfreiheit erhebliche Schranken auferlegte und das Internet, Telefonnetze sowie Bildungseinrichtungen abschaltete. „Die Regierung hat die Verantwortung, die Sicherheit in Kaschmir zu gewährleisten, aber das bedeutet, die Menschenrechte aller zu respektieren, einschließlich der Demonstranten“, sagte HRW-Südasiendirektorin Meenakshi Ganguly.

Indische Truppen seien trotz schwerwiegender Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen wie außergerichtlicher Tötung, Folter und Verschwindenlassen selten zur Rechenschaft gezogen worden. Das Gesetz über die Befugnisse der Streitkräfte (AFSPA) schützt Soldaten wirksam vor strafrechtlicher Verfolgung wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen. „Die Regierung hat es trotz wiederholter Empfehlungen mehrerer von der Regierung eingesetzter Kommissionen, UN-Gremien und Experten sowie nationaler und internationaler Rechteverbände versäumt, das Gesetz zu überprüfen oder aufzuheben. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes in Kaschmir im Jahr 1990 hat die indische Regierung keine Erlaubnis erteilt, Angehörige der Sicherheitskräfte vor zivilen Gerichten zu verfolgen“, heißt es in einem aktuellen HRW-Bericht zur Lage in Kaschmir.

Es hat mehr als nur den Anschein, dass Delhi entgegen wortreicher Bekundungen Modis seine bisherige Repression in Kaschmir fortsetzt. Mittlerweile häufen sich Berichte über besorgte Familien, die geliebte Menschen nicht kontaktieren können, und von mangelndem Zugang zu ausreichenden gesundheitlichen Leistungen. Journalisten berichteten von Massenprotesten, die mit Tränengas und Gummischrot zerschlagen wurden.

Auch für das indische Kerngebiet droht der hindu-nationalistische Angriff langfristige Folgen zu haben. In einigen der reichsten Bundesstaaten herrschen sub-nationalistische Konflikte. „Die nie geglaubten Szenen aus Hongkong könnten auch in Bombay, Hyderabad, Bangalore und Chennai Alltag werden“, schrieb ein besorgter Kritiker in Indien.

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„Wir brauchen eine Geschichte“

„Das Schlimmste an dieser ­Perspektive ist, dass sie den Menschen auf ein Staubkorn reduziert, das von den Wellen der Geschichte getragen wird und in unserer Zeit ein hilf­loser passiver Bürger […]

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Auf der Suche nach neuen Bedeutungen

(TMO). Nach 25 Jahren als Schriftsteller in Amerika war ich auf der Suche nach etwas, um meinen Zynismus zu mildern. Ich suchte nach neuen Perspektiven, dank derer ich sehen konnte. […]

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Neuer Höchststand bei Menschen mit Migrationshintergrund

Wiesbaden (dpa). Jeder Vierte in Deutschland (25,5 Prozent) hat ausländische Wurzeln: Mit 20,8 Millionen hat die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund einen neuen Höchststand erreicht. Im Vorjahresvergleich wurde ein Zuwachs […]

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Syrien, gefährlichster Ort der Welt

Köln/Berlin (ots). Die deutsche Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland nimmt den Welttag der Humanitären Hilfe zum Anlass, um auf den verstärkten Rückzug der humanitären Akteure aus Syrien aufmerksam zu machen. „Es ist verheerend genug, dass täglich Zivilisten umkommen. Doch wenn diejenigen, die humanitäre Hilfe leisten und Leben retten, um ihr eigenes Leben bangen müssen, muss die internationale Staatengemeinschaft eingreifen. Deswegen bleibt Islamic Relief Deutschland ihrem humanitären Mandat verpflichtet“, sagt Geschäftsführer Tarek Abdelalem von Islamic Relief Deutschland angesichts der Herausforderungen in Syrien.

Insbesondere in Nordwestsyrien hat sich die Lage in den vergangenen Monaten zugespitzt. Seit Ende April 2019 sind Hunderte Zivilisten durch Luftangriffe und Beschuss getötet worden, darunter auch viele Kinder und humanitäre Helfer. Es gab Angriffe auf viele Gesundheitseinrichtungen und Schulen. Syrien ist das Land, in dem die meisten Helfer ums Leben kommen. Aufgrund der verschärften Sicherheitslage ziehen sich immer mehr Nichtregierungsorganisationen, die bis jetzt humanitäre Hilfe geleistet haben, zurück.

Islamic Relief gehört zu den letzten internationalen Hilfsorganisationen vor Ort und hält die Stellung mit ihrem Projekt zur medizinischen Grundversorgung in Nordwestsyrien, wo Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen finanziert werden. Insgesamt wurden seit 2013 über 1,5 Millionen Menschen kostenlos medizinisch behandelt. Unterstützt wird die medizinischen Grundversorgung der syrischen Zivilbevölkerung auch vom Auswärtigen Amt der deutschen Bundesregierung und Aktion Deutschland Hilft. Islamic Relief Deutschland implementiert ihre Hilfe in Zusammenarbeit mit Islamic Relief Türkei und dem Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V.

Die sich häufenden tödlichen Angriffe behindern humanitäre Hilfsprojekte und tragen dazu bei, dass der Gesundheitssektor in Syrien stetig an Kapazität einbüßt. Zusätzlich wird der Zugang für humanitäre Akteure zu vielen Gebieten innerhalb Syriens zunehmend schwieriger. Auch dies führt dazu, dass sich humanitäre Organisationen aus dem Land zurückziehen und somit die Bedarfe der Menschen nicht gedeckt werden können. Der Gesundheitssektor in Syrien steht also vor extremen Herausforderungen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach medizinischer Versorgung aufgrund extremer Fluchtbewegungen seit dem Frühjahr 2019 stetig an. Krankenhäuser geraten aufgrund übermäßiger Patientenaufkommen an die Grenze ihrer Kapazitäten: Ärzte und Krankenschwestern sind überlastet, Medikamente reichen nicht aus.

So waren Ende Juli nur 26 Prozent des Humanitarian Response Plan der UN für Syrien finanziert. Es besteht demnach eine Finanzierungslücke in Höhe von ungefähr 2,46 Milliarden US-Dollar allein für dieses Jahr. Viele Gesundheitseinrichtungen wissen nicht mehr, wie sie ihre laufenden Kosten decken sollen. Die medizinische Versorgung der ohnehin schon vulnerablen Bevölkerung wird dadurch dramatisch eingeschränkt.

Derzeit leben 3 Millionen Menschen in Nordwestsyrien, darunter 1,3 Millionen Binnenvertriebene. Davon sind die Hälfte Kinder und 25 Prozent Frauen. Seit April haben aufgrund der Kämpfe in Süd-Idlib und Nord-Hama 452.623 Menschen ihre Heimat verlassen und sind in andere Regionen geflüchtet, die schon überbevölkert sind und wo das humanitäre System bereits überlastet ist. Viele der Geflüchteten sind traumatisiert und benötigen neben Unterkunft, Nahrung, medizinischer Versorgung und Schulbildung auch psychologische Betreuung.

Erst im August setzte sich Außenminister Heiko Maas vor dem UN-Sicherheitsrat für die Förderung und Stärkung humanitären Völkerrechts ein. „Die Finanzierung von Krankenhäusern für die ärztliche Versorgung notleidender Menschen in Syrien, bleibt weiterhin in Zukunft eine dringliche Herausforderung“, betont Tarek Abdelalem.

Islamic Relief Deutschland ist eine gemeinnützige deutsche Nichtregierungsorganisation mit humanitärem Auftrag. Sie vertritt die Überzeugung, dass wir uns in Deutschland in einer privilegierten Lage hinsichtlich der Verwirklichung universeller humanitärer Ziele befinden und daraus eine besondere Verantwortung erwächst, den weniger Begünstigten zur Seite zu stehen. Humanitäre Arbeit und großherziges Geben lindern Not in der Welt und fördern zudem das gegenseitige Verständnis und dienen dem Frieden. Richtschnur ihres Handelns sind universelle humanitäre Ziele: Schutz des Lebens und der Würde des Menschen, Schutz der Familien und Kinder, Anrecht auf materielle Sicherheit sowie freie geistige und spirituelle Entfaltung. Wir haben uns dazu verpflichtet, Armut und Leid der Ärmsten dieser Welt zu lindern – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Kultur.

Mehr zur Arbeit von Islamic Relief Deutschland erfahren Sie unter www.islamicrelief.de

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Heimat Europa

„Sieht er im Osten den Blitz, so strebt er zum Orient; im Westen leuchtet er ihm, so lockt ihn der Okzident. Mein Sehnen gilt dem Blitz und seinem leuchtenden Strahl; […]

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Diskriminierung: Religion spielt eine größere Rolle

Schlechtere Chancen bei der Wohnungssuche, übergangen bei der Bewerbung. Muslimische Menschen klagen schon lange über Diskriminierungen im Alltag. US-Forscher haben dazu nun ein aufwendiges Freiluftexperiment in Deutschland gemacht.

Philadelphia (dpa). Ein Mann wirft achtlos einen Kaffeebecher auf den Bahnsteig. Eine junge Frau, die auf den Zug wartet, bittet ihn, seinen Müll aufzuheben. Dann nimmt die Frau einen Anruf auf ihrem Handy entgegen. Dabei fällt ihr aus Versehen eine Tüte mit Orangen auf den Boden. Eine Alltagssituation. Tatsächlich haben US-Forscher diese Szene in Abwandlungen mehr als 1.600 Mal an deutschen Bahnhöfen von Schauspielern nachstellen lassen. Es handelt sich um ein aufwendiges Freiluftexperiment zum Thema Diskriminierung.

Politikwissenschaftler Nicholas Sambanis und sein Team von der Universität von Pennsylvania wollten herausfinden, inwiefern es vom Aussehen der Frau abhängt, ob ihr Passanten, die in das Experiment nicht eingeweiht waren, helfen. Bekommt eine hellhäutige, offensichtlich deutschstämmige Frau häufiger Unterstützung beim Orangenaufheben als eine Frau, deren Aussehen auf einen Migrationshintergrund schließen lässt und die einen Hidschab – eine Art Kopftuch – trägt?

Antwort: Ja, etwas mehr. Die Deutsche bekam in 84 Prozent der Fälle Hilfe, die Frau mit Hidschab in 73 Prozent der Fälle, wie die Forscher in den „Proceedings“ (PNAS) der US-nationalen Akademie der Wissenschaften schreiben. Der Mann war in der gespielten Szene immer ein hellhäutiger Deutscher. Die Frau war entweder eine hellhäutige Deutsche oder hatte eine türkische, ägyptische, syrische oder kurdische Abstammung.

Doch von was hängt Diskriminierung in dieser bestimmten Alltagssituation noch ab? Um das herauszufinden, variierten die Forscher die von den Schauspielern dargestellte Szene. Hatte die Frau zuvor den Mann nicht wegen des weggeworfenen Bechers ermahnt, bekam sie generell seltener Unterstützung. Im Fall einer weißen Deutschen in 73 Prozent der Fälle, im Fall der Frau mit Kopftuch in 60 Prozent der Fälle.

Bei gleichem Verhalten – Ermahnung des Mannes oder nicht – erhielt die Frau mit Hidschab also stets weniger Unterstützung wie die weiße Deutsche. „Wir haben festgestellt, dass die Vorurteile gegenüber Muslimen zu ausgeprägt sind und nicht durch gutes staatsbürgerliches Verhalten überwunden werden können“, sagte Sambanis. Dennoch hatte auch für die Frau mit Hidschab das Zurechtweisen des Mannes einen positiven Effekt: Ihr wurde dann in etwa so oft geholfen wie einer weißen Deutschen, der der Müll auf dem Bahnsteig egal war.

Zudem fiel den Forschern auf: Trug die Schauspielerin mit Wurzeln im Ausland offenes Haar, gewöhnlich in Deutschland getragene Kleidung und ein Kreuz oder kein religiöses Symbol, so wurde ihr im Durchschnitt in etwa dieselbe Hilfsbereitschaft zuteil wie der deutschen Schauspielerin.

Religion spiele beim Umgang mit Zuwanderern wohl eine größere Rolle als ethnische Zugehörigkeit, schlussfolgern die Forscher. „Wir fanden keinen Hinweis auf ethnische Diskriminierung per se“, schreiben sie in der Studie mit Blick auf ihr eigenes Experiment. Allerdings fragte das Team um Sambanis die Passanten nicht, ob sie der Frau mit Hidschab tatsächlich wegen ihrer sichtbaren Zugehörigkeit zum Islam seltener geholfen hatten. Oder ob andere Faktoren eine Rolle spielten, etwa dass ihr aufgrund ihres Kopftuchs ein mangelnder Integrationswille unterstellt wurde.

„Es gibt immer bestimmte Symbole, die Fremdheit signalisieren“, sagt der Sozialpsychologe Ulrich Wagner von der Universität in Marburg, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. „Und ich würde zustimmen, dass dies im Moment in Deutschland tatsächlich offen erkennbare muslimische Zugehörigkeit ist.“

Der Einschätzung Wagners nach kommt es immer wieder und in sehr vielen Gesellschaften zu Ausgrenzungen von Menschen, die bestimmten Gruppen angehören. Welche Gruppe gerade ausgegrenzt werde, hänge von politischen und zeithistorischen Umständen ab.

Die Forscher wählten der Uni von Pennsylvania zufolge Deutschland unter anderem wegen der vielen Einwanderer und Flüchtlinge als Experimentierfeld aus. Aber auch weil viele Deutsche nach Ansicht der US-Forscher zu gemeinsamen sozialen Normen neigten, insbesondere der Ordnungsliebe.

Die Experimente wurden in rund 30 Bahnhöfen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg durchgeführt. Dabei wurden über einen Zeitraum von drei Wochen im Juli und August 2018 insgesamt 1.614 Interaktionen beobachtet. 7.142 Umstehende waren daran unwissentlich beteiligt.