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Rassismus ist ein akutes Problem

(iz). Said Rezek ist Journalist. Er schreibt unter anderem für die taz und für das MiGAZIN – vor allem zu den Themen Migration, Medien, Muslime und Rassismus. Außerdem bloggt der […]

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Göttingen – Das maskierte Janusgesicht

„Einheimische wissen: Göttingen hat lange vor Corona alles Mögliche getan, um ihre ungeliebten Kinder aus dem Stadtbild zu verbannen.“ (iz). Die Stadt, die Wissen schafft – so lautet das Motto […]

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Jenseits von ­Rassismus

Viel wurde über die transformierende Kraft der Glaubenstraditionen geschrieben. Und die Geschichte ist voller Beispiele von Bewegungen für soziale Gerechtigkeit, die von Religion inspiriert wurden. In modernen Zeiten mobilisierte das Leben sowie die Autobiografie von Malcolm X – insbesondere seine Erfahrungen in Mekka – nicht nur unzählige persönliche und soziale Veränderungen, sondern verbreitete auch die Erkenntnis, dass der Islam die Religion der Wahl ist, um jahrhundertlange Ungerechtigkeit auf Grundlage der Hautfarbe zu überwinden.
Malcolm X glaubte, dass das Christentum und Judentum nicht die nötige Durchsetzungskraft hätten, soziale Institutionen zu reformieren. Er machte negative Erfahrungen mit weißen amerikanischen Christen. Er kannte die Geschichte ihrer Übernahme des „hamitischen Fluchs“ zur Rechtfertigung der Versklavung von Schwarzen. Und das prägte zweifelsohne seine Ansichten. Gleichfalls dürfte der Gegensatz jüdisch vs. nichtjüdisch im Judentum ebenfalls nicht anziehend für ihn gewesen sein.
Für Muslime bestätigten seine Schriften die ansonsten wacklige Idee einer nicht-rassischen oder nach-ethnischen muslimischen Gemeinschaft. Die Wahrheit ist komplexer. Sie wurzelt in einer Geschichte, welche die angebliche Farbblindheit der betroffenen Gesellschaften herausfordert. Jahrzehnte vorher kam ein weiterer Reformer zu ähnlichen Schlussfolgerungen über den Islam. Ghandi fühlte, dass dieser mehr als der Hinduismus eine deutliche und absolute Vision der menschlichen Brüderlichkeit hatte.
Beide Worte mögen heute zu Stolz unter Muslimen führen. Aber solch ein Stolz kann schlimmstenfalls ein Gefühl der Außergewöhnlichkeit hervorrufen, mindestens jedoch allgemeine Aussagen über eine farbenblinde muslimische Geschichte produzieren. Das geschieht, wenn es gleichzeitig an einer kritischen Einschätzung von Rasse und Rassismus in der muslimischen Geschichte fehlt. Eine abgewogene Untersuchung jedoch kann uns etwas über das Potenzial des Islam mitteilen, zur Lösung der verzwickten Probleme des Rassismus und der ethnischen Vorherrschaft beizutragen.
Farbenblindheit
Die Vorstellung von Rasse als biologischem Fakt – im Gegensatz zu einem sozialen Konstrukt – kompliziert das Gespräch hierzu. Wir verstehen Ideen wie „Weißheit“, „Schwärze“ oder „Arabertum“ als Erfahrungskategorien, die homogene Genotypen repräsentieren. Die drei abrahamitischen Religionen lehren, dass alle Menschen Nachkommen Adams sind. Wissenschaftliche Beweise deuten an, dass wir gemeinsame Vorfahren haben. Trotzdem haben viele die polygenetische Herkunftstheorie der menschlichen Entwicklung aufgenommen, die von einer Minderheit vormoderner Philosophen wie Voltaire, Hume, Atkins gehegt wurde. Die heute in wissenschaftlichen Kreisen nahezu einhellig vertretene Theorie des einzigen Ursprungs lokalisiert unsere Wurzeln in Ostafrika.
In der Vormoderne waren Ethnie und Gruppenzugehörigkeit weitgehend durch kulturelle Merkmale – wie Sprache und gemeinsame Bräuche – und nicht durch die Hautfarbe bestimmt. So legte die Übernahme arabischer Eigenschaften das authentische Arabertum jener fest, die außerhalb ihrer Halbinsel lebten. Und während der stereotypische Araber heller ist, hatten die meisten ursprünglichen Araber – zumindest jene der frühislamischen Periode – nach Angaben von Historikern und Lexikografen braune Haut. Diese Differenz zwischen kultureller und biologischer Ethnie kompliziert unser Verständnis der Vergangenheit. Die ­gegenwärtige Forschung zu ethnischen Fragen missdeutet weiterhin die zugrundeliegenden Ursachen des Problems.
Uns könnte eine gewisse Klarheit über mögliche Definitionen von Rassismus helfen, bevor wir dessen Präsenz in der muslimischen Geschichte untersuchen. Das „New Oxford American Dictionary“ bietet zwei Definitionen für Rassenvorurteile: 1.) Vorurteil, Diskriminierung oder Feindschaft, die sich gegen jemand aus einer anderen Ethnie richtet. Basierend auf dem Glauben, die eigene Ethnie wäre überlegend. 2. Der Glaube, dass alle Mitglieder jeder Ethnie bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten besitzen, die nur für sie gelten. Das sind insbesondere jene, die sie höher- oder minderwertig im Vergleich mit anderen machen.
Die erste Begriffsbestimmung spricht kritische Theoretiker an, denn sie ist breit genug zur Untermauerung ihres Anspruches, dass Rassismus systemisch sei und dass Diskriminierung von Minderheiten eingebettet ist in wirtschaftliche und politische Strukturen. Bei der zweiten Definition wäre Ethnozentrismus passender. Eine Person – ob aus einer ethnischen Mehrheit oder Minderheit – ist ethnozentrisch, wenn sie ihre eigene Ethnie in Bereichen wie Heirat oder enge Freundschaft bevorzugt. Die kritischen Rasse-Theoretiker jedoch unterscheiden Ethnozentrismus vom Rassismus. Denn Letztere muss institutionell oder systematisch sein.
Das Problem ist, dass solch eine Grenzziehung bequemerweise ethnozentrische Vorurteile ignoriert, wenn sie von einer ethnischen Minderheit ausgeht, die keine politischen oder ökonomischen Institutionen besitzt. Das kann dazu führen, dass eine eindeutig rassistische Ideologie als nichtrassistisch deklariert wird, weil ihre Vertreter keine ethnische Mehrheit mit politischer Macht sind. Bei muslimischen Immigranten im Westen trägt dieses Denken dazu bei, dass sie farbenblind sind. Denn sie sind meistens Mitglieder verschiedener ethnischer Minderheiten. Viele der neueren muslimischen Einwanderer in die Vereinigten Staaten hatten wenig Grund, Minderheitsan­sprüche über Rassendiskriminierung, ob individuell oder institutionell, ernsthaft zu prüfen.
Muslime, die bei Rassismus-Fragen „Agnostiker“ sind, mögen die Existenz von Rassismus anerkennen. Sie scheitern aber oft bei der Eingrenzung seiner Täter und Opfer. Tendenziell meiden sie Diskussionen dazu. Und beruhigen sich mit dem Gedanken, dass ethnische Diskriminierung ein Gräuel für die islamische Lehre ist. Das gilt insbesondere im Lichte der Lehren, die vom Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, selbst kommen. Dazu gehören berühmte Aussagen wie: „Es gibt keine Überlegenheit der Araber über Nichtaraber, noch von Nichtarabern über Araber.“ Daher könne in ihren Augen kein Muslim je Rassist sein. Ein Fokus auf entweder strukturellen oder individuellen Rassismus stellt demnach die eigene Aufrichtigkeit in Frage.
Starke Positionen in Qur’an und Sunna
Was macht nun Islam, wie Malcolm oder Ghandi glaubten, so außergewöhnlich, das Rassenproblem anzusprechen? Tatsächlich können seine egalitären Lehren bei dem Thema direkt auf den Qur’an und das Beispiel des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zurückgeführt werden. Im Qur’an werden wir angehalten, über die Bruderschaft der gesamten Menschheit nachzudenken. Darin heißt es: „Oh ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ (Al-Hudschurat, Sure 49, 13)
Bei vielen Gelegenheiten widersprach der Prophet, Allahs Heil und Segen auf ihm, ethnische Vorurteile einiger seiner arabischen Gefährten. Als einige beklagten, dass Bilal, ein Äthiopier, ausgewählt wurde, zum Gebet zu rufen, tadelte sie der Prophet. Er sagte ihnen: „Es gibt zwei Arten von Menschen. Diejenigen, die gottesfürchtig und gewissenhaft sind. ­Allah betrachtet sie als wertvoll. Und andere sind boshaft und erbärmlich. Sie sind unbedeutend in Allahs Wertschätzung. Ihr seid alle von Adam. Und Allah erschuf Adam aus Dreck.“ In einem anderen Moment wies er seine Gefährten zurecht, da sie ihn nicht aufweckten, um die Bestattungsrituale für Umm Mih­dschan durchzuführen. Sie war eine, häufig übersehene Afrikanerin, welche die Moschee sauber hielt.
Durch den Qur’an und das prophetische Vorbild wird gelehrt, dass jede Person das Recht auf gute Behandlung durch andere hat. In Allahs Buch werden die Gläubigen als Brüder beschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Und dient Allah und gesellt Ihm nichts bei. Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem verwandten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Sohn des Weges und denen, die eure rechte Hand besitzt. Allah liebt nicht, wer eingebildet und prahlerisch ist.“ (An-Nisa, Sure 4, 36) Und der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte beispielsweise: „Ihr seht die Gläubigen in ihrer gegenseitigen Barmherzigkeit, Zuneigung und Sympathie wie den Körper. Wird ein Teil krank, reagiert der Rest mit Schlaflosigkeit und Fieber.“
Es ist nicht zulässig im Din, über den anderen herabwürdigend oder unter Bezugnahme rassischer Verächtlichmachung zu sprechen. Im Qur’an heißt es hierzu: „Oh, die ihr glaubt, die einen sollen nicht über die anderen spotten, vielleicht sind eben diese besser als sie. Auch sollen nicht Frauen über andere Frauen (spotten), vielleicht sind eben diese besser als sie. Und beleidigt euch nicht gegenseitig durch Gesten und bewerft euch nicht gegenseitig mit (häßlichen) Beinamen. Wie schlimm ist die Bezeichnung ‘Frevel’ nach (der Bezeichnung) ‘Glaube’! Und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten.“ (Al-Hudschurat, Sure 49, 11)
Muslimischer Rassismus
Diese Lehren der rassischen Gleichheit stehen nicht nur für die Ideale, sondern auch für gelebte Realität in einigen Perioden muslimischer Geschichte. Nichtsdestotrotz gilt: Wenn Familien ihre Angehörigen bevorzugt behandeln, werden Mitglieder einer Ethnie die Angehörigen der eigenen Gruppe anderen vorziehen. Trotzdem betont die Lehre des Islam – und die meisten Muslime – die Wichtigkeit der gerechten, wenn nicht gar komplett gleichwertigen Behandlung aller Gläubigen. Sie duldet keine Vorurteile, Unterdrückung, Verächtlich­machung oder Entwürdigung einer Person auf Grundlage ihrer Ethnie oder Hautfarbe.
Die frühen Muslime kämpften mit dem Übergang einer Identität, die auf der Abstammung eines gemeinsamen Stammvaters beruhte, hin zu einer des Glaubens. So kam es in den ersten Jahrhunderten auf Seiten neuer Muslime – wie Persern oder Ostafrikanern – zu Unzufriedenheit oder gar Rebellionen. Diese hatten ihren Ursprung in der Schlechterbehandlung aufgrund der ­Abstammung der betroffenen Bevölkerungen. Die Tatsache, dass Gelehrte Arbeiten zur Verteidigung von Schwarzen schrieben – Bücher, die untypisch für den religiösen „Kanon“ waren – legt den Schluss nahe, dass Schwarze, die in abbasidischen Städten lebten, Diskriminierungen ausgesetzt waren.
Antiafrikanische und -persische Gefühle in muslimischen Gebieten untergraben die Vorstellung von farbenblinden muslimischen Reichen. Das Gleiche gilt für offizielle Entscheidungen, die bestimmte Bevölkerungen auf Grundlage ihrer Ethnie benachteiligten. Wenn wir die Rassismusdefinition auf kulturelle und politische Dominanz ausweisen, finden sich Beispiele in der vormodernen muslimischen Welt. Außerdem sehen wir ethnozentrische Vorurteile als eine Form von Rassismus. Demnach müssen wir ­sagen, dass es diesen nicht nur unter ­vormodernen Muslimen gab, sondern dass er auch einen kleinen Teil der rechtlichen und theologischen Schriften des Islam ausmachte.
Die Überwindung des Mythos einer farbenblinden muslimischen Welt und die Anstrengung auf die Abschaffung von Rassismus sind keine leichten Aufgaben. Aber Muslime können damit anfangen, die islamischen Ideale Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu müssen sie die komplexen Elemente ansprechen, die zum Problem Rassismus beitragen. Die wirkliche Herausforderung besteht in einer farbbasierten sozialen Schichtenbildung, die durch pseudowissenschaftliche Theorien bestärkt werden, wenn man Minderheiten bestimmte Eigenschaften und Charakteristika zuschreibt.
Muslime müssen sich daran erinnern, dass der Prophet Muhammad, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, Menschen aus verschiedenen ethnischen Minderheiten in führende Positionen brachte. Und er verordnete die Identität im eigenen Charakter und der Gottesfurcht.
Der Text ist die Zusammenfassung eines längeren Aufsatzes, der am 11. Dezember 2017 im US-Magazin „Renovatio“ erschien.

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Muslime begrüßen Kritik an „Racial Profiling“

Köln (igmg.org). „Eine Untersuchung der unsäglichen Polizeipraxis ‘Racial Profiling’ ist überfällig. Eine Studie kann helfen, Probleme sichtbar zu machen und diese zu beseitigen – zum Vorteil der Betroffenen und auch der Polizei“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass ist eine Ankündigung der Bundesregierung, in einer Studie zu Racial Profiling das Phänomen zu untersuchen.

Bekir Altaş weiter: „Eine intensive Untersuchung von verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen aufgrund äußerlicher Merkmale einer Person ist überfällig. Es ist unabdinglich, Gewissheit über das Ausmaß und die Folgen von Racial Profiling zu erlangen. Diese Fälle werden bisher allenfalls dann bekannt, wenn ein Gericht über die Unzulässigkeit dieser unsäglichen Polizeipraxis entscheiden muss.

Wir wissen aber, dass die allerwenigsten Betroffenen sich gegen Racial Profiling gerichtlich wehren, mithin die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. Die ganz überwiegende Mehrheit unternimmt überhaupt nichts aufgrund der schwierigen Beweislage – in den allermeisten Fällen stehen zwei Beamte einer Betroffenen gegenüber. Wir wissen aus der Praxis, wie schwer es für die Betroffenen ist, den wahren Beweggrund für die Polizeikontrolle offenzulegen, bzw. wie leicht es für die Polizei ist, ihn zu verbergen.

Uns erreichen zahlreiche Erfahrungsberichte, aus denen hervorgeht, dass Racial Profiling neben Bürgerinnen und Bürger mit vermeintlich afrikanischem, arabischem oder türkischem Aussehen auch zunehmend Personen trifft, denen aufgrund äußerlicher Merkmale ein muslimischer Hintergrund zugeschrieben wird. Insbesondere Frauen mit Kopftuch berichten, dass sie bei solchen Polizeikontrollen nicht selten abfälligen Bemerkungen hinnehmen müssen. Sie berichten sogar von Polizeimaßnahmen, die offensichtlich aus einer islamfeindlichen Gesinnung resultieren und schlicht darauf abzielen, die Betroffenen zu schikanieren.

Die Folgen sind sowohl auf der individuellen Ebene als auch in Bezug auf das kollektive Vertrauen der Betroffenen in unseren Staat und seine Sicherheitsbehörden fatal. Eine unabhängige Studie kann helfen, Defizite zu erkennen und diese mit geeigneten Maßnahmen zu beseitigen. Davon würden nicht nur die Betroffenen profitieren, sondern auch die Polizei selbst, die verlorenes Vertrauen wiedergewinnen könnte. Deshalb begrüßen wir die Ankündigung der Bundesregierung und fordern eine Untersuchung, die hoffentlich von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt wird und die Opferperspektive berücksichtigt.“

Gegen Gleichgültigkeit

Bonn (KNA). Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd in den USA bei einem Polizeieinsatz haben am Wochenende Religionsvertreter und Politiker in Deutschland zu Solidarität aufgerufen. Sie wandten sich gegen Gleichgültigkeit und forderten Debatten über Rassismus auch in Deutschland. Bundesweit protestierten Zehntausende Menschen in mehreren Städten gegen Rassismus. Auch in den USA und anderen Staaten gingen erneut massenweise Demonstranten auf die Straßen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) kritisierte in der „Bild am Sonntag“ US-Präsident Donald Trump: „Demokraten sollten immer versöhnen und nicht spalten.“ Trumps Verhalten gegenüber Journalisten, die er als Volksfeinde bezeichnet hatte, nannte Maas „brandgefährlich“. Dieses Verhalten kenne man von Populisten auf der ganzen Welt. Sie polarisierten gegen einzelne Gruppen und versuchten so, die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren. Eine Gesellschaft brauche zu ihrem Funktionieren aber ein Mindestmaß an Zusammenhalt. Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) forderte mehr Bewusstsein für Diskriminierung. „Wir müssen Rassismus erkennen, benennen und in allen Bereichen bekämpfen“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das sei auch Auftrag des Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus. „Rassismus gibt es auch in Deutschland – in der Schule, auf der Straße, im Job, in Bus und Bahn, im Freundeskreis.“

Rabbiner in Deutschland und der Schweiz verurteilten „den sinnlosen Mord an George Floyd durch einen Polizisten in Minneapolis“. In einer Stellungnahme betonten sie: „Wir sind empört und traurig über den Verlust eines Lebens.“ Religiöse Juden dürften niemals wegschauen, „wenn Menschen ihrer Würde und sogar ihres Lebens beraubt werden. Gleichgültigkeit ist keine Option.“ Zugleich verurteilten die Rabbiner auch Gewalt und Ausschreitungen nach Floyds Tod. Nur „friedliche Demonstrationen, bedächtige Gespräche und wirksames Handeln“ könnten zu Lösungen führen.

Die Rabbiner erklärten, sie wollten sich in den Synagogen dafür einsetzen, dass jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit „wirksam und nachhaltig“ bekämpft werde. Unterzeichnet ist die Stellungnahme von Avichai Apel (Frankfurt), Jehoschua Ahrens (Darmstadt), Zsolt Balla (Leipzig), Moshe Baumel (Basel), Noam Hertig (Zürich) und Michael Kohn (Bern).

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, vermisst in Deutschland eine „echte Debatte“ über Rassismus. Auch hierzulande seien in Behörden und anderswo immer wieder ein gewisser latenter Rassismus oder Vorurteile zu finden, sagte Mazyek im Deutschlandfunk (Samstag). Es brauche eine „echte Debatte“ und nicht nur Betroffenheitskultur oder „mal ein Hashtag gegen Rassismus“.

Niemandem werde ein „Zacken aus der Krone“ brechen, wenn man Rassismus in der Gesellschaft eingestehe, sagte Mazyek. Wenn Muslime sich extremistisch oder rassistisch äußerten, „dann müssen wir das klar benennen und eben nicht herumschwurbeln“; wenn es Weiße oder Anhänger anderer Religionen oder gar keiner Religion seien, „dann müssen wir das auch tun“.

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Wer ist hier der Kritischste?

(iz). Da war dieser Kommilitone ­damals im Bachelorstudium, der sich mir als Prototyp neuartiger Verschwörungstheorien in das ­Gedächtnis gebrannt hat und bis heute nachwirkt.

Wenn man auf eine Schule ging, deren Namensgeber die Geschwister Sophie und Hans Scholl waren, dann ist der ­Geschichtsunterricht über alle anderen Fächer ausgezeichnet. In den schuleigenen Theateraufführungen, den Kunstprojekten und Ausflügen erfuhren wir eine regelrechte Ausbildung zum kritischen Denken. Nach der Schulzeit und mit dem Eintritt in die Universität war ein gewisser Narzissmus nicht von der Hand zu weisen. Sich als kritischer Verstand zu verstehen, blieb für mich ironischerweise unhinterfragt. Als Philosophiestudent ist es bekanntlich nicht schlecht, sich auch mal von den Erscheinungen abzuwenden und zu prüfen, ob die Wahrheit nicht immer schon im Rücken lag. Das denkt aber jeder und jede. Wer denkt im Ernst, dass seine Sicht auf die Dinge grundsätzliche oder doch zumindest regelmäßig völlig an den Haaren herbeigezogen ist? Das ist ja das Spannende am kritischen Denken, dass es keinen Zustand beschreibt. Wer sich im Zustand des Kritischen wägt, ist es schon nicht mehr. Das Kritische ist in Bewegung, immer zur Kehrtwende bereit, immer bereit, gleich aufzuwachen und das Vorige zu revidieren.

Wenn ich also ehrlich bin, dann war ich alles, nur nicht kritisch. Und dann traf ich den besagten Kommilitonen. Der strotzte bis zum Anschlag vor kritischem Denken. Bei unseren Kaffeetreffen nach den gemeinsamen Seminaren ließ er mich daran teilhaben: „Was glaubst du, wo all die Könige der letzten Jahrhunderte, denen die Welt gehört hat, geblieben sind? Glaubst du im Ernst, sie geben das Zepter ab und setzen sich zur Ruhe?“

Ich ahnte Ungeheuerliches.

„Kennst du das Adelsgeschlecht der Bourbonen oder das Haus Hohenzollern? Die Bilderberg-Konferenzen? Das Transatlantik-Netzwerk der deutschen Presse?“

Ich wurde verlegen. Kaum etwas davon hatte ich in meinem ach so kritischen Geschichtsunterricht. Ich erinnerte mich an die Hohenzollern. Kaiser Wilhelm der Zweite, richtig? Es war nie ganz richtig. Es fehlten immer die wesentlichen Details. „Wilhelm II“, führte mein kritischer Kommilitone aus, „ist bloß das populäre Gesicht des Adelsgeschlechts“. Er zählte Namen auf, die ich mir nicht merken konnte. Und dann zog er die Verbindungslinien. Wilhelm II, die Süddeutsche Zeitung und Ludwig XVI, alle unter einer Decke und nur die Bilderberger (wer sind die überhaupt) wissen davon. Das war zu viel an Ungeheuerlichem. Ich notierte mir die wichtigsten Schlagwörter der Namedropping-Salve und recherchierte für einige Zeit. Was herauskam: Entweder an den Haaren herbeigezogen oder eine Mischung aus Verkürzungen und Imagination, etwa wenn spekuliert wurde, wie die „Süddeutsche Zeitung” von der Atlantik-Brücke (ein Kooperationsverein zwischen den USA und Deutschland) angeblich beeinflusst werde.

Ich stellte ihn, wenn auch samtig wie ein Schüler seinen Lehrer, zur Rede. Doch keine Spur von Irritation. Neue Namen fielen wie Hagelkörner und sein Netzwerk, das von Namen und Taten zeugte, war nun ein anderes. Meine Recherchearbeit war umsonst.

Es ist diese Erfahrung, die mich prototypisch begleitet und der ich seit der Lektüre von Horkheimer den Namen „instrumentelle Vernunft“ gebe. Es ist mir natürlich möglich, meine Vernunft so zu gebrauchen, dass ihr alles Schöne und Wahre entspringt. Ich kann sie aber auch für meine Zwecke vereinnahmen. Passt mir ein Argument in meine Agenda, dann bediene ich mich dessen. Folgt aus diesem Argument ein nächstes, doch unliebsames Argument, ja dann lasse ich es fallen. Wenn so mit Argumenten umgegangen wird, dann steht nicht die Wahrheit, sondern die eigene Agenda im Zentrum. Vor dieser hat sich jede Wahrheit oder Unwahrheit zu beugen. Deshalb ist es zum Haareraufen, mit diesen Leuten zu diskutieren, denn was auch immer für ein Argument ihnen entgegengehalten wird, es ist solange wirkungslos, bis es ­ihrem Weltbild entspricht.

Offen gestanden bin ich meinem Kommilitonen von damals dankbar. Ohne ihn hätte ich nicht die Ruhe, die ich heute habe, wenn mir entgegengebracht wird: Ist doch alles nicht schlimmer als eine Grippe. Ich erwidere: Doch, beispielsweise nutzt Sars-CoV-2 die ACE-2 Rezeptoren, die es im ganzen Körper gibt. So befällt es, anders als Grippeviren, die Zellen im ganzen Körper. Und dann werde ich aufmerksam. Ist mein Gegenüber froh, dass sein Irrtum nun ein Ende hat oder wechselt er das Thema und spricht nunmehr davon, dass Bill Gates hinter allem steckt? Bei letzterem Zug lege ich, den Sicherheitsabstand wahrend, die Hand auf die Brust und entschuldige mich. Ich muss da noch eine Kolumne schreiben. Worüber nur?

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300 Ausgaben Sinn und Segen

(iz). Vor fünf Jahren besuchte ich einen Vortrag an meiner Uni, an dem es um das Zinsverbot im Islam gehen sollte. Mir wurde geraten, mir den Vortrag anzuhören, weil er […]

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Die Pandemie und die Frage nach der Wahrheit

(iz). In den letzten Monaten hat die Debatte über die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie uns alle beschäftigt. Inzwischen herrscht eine Art Glaubensstreit über das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Ökonomie. Der Versuch, die Gesellschaft auf eine objektive Wirklichkeit zu fixieren, stößt dabei auf Widerstand. Die Gründe für eine Spaltung der Meinungen im Umgang mit dem Jahrhundertereignis sind vielschichtig. Zuletzt standen besonders extreme und abwegige Haltungen, bis hin zu Menschen, die das Virus für eine Erfindung oder als Teil eines Komplotts halten, im Zentrum der Diskussionen.

Michael Butter hat bereits 2018 ein interessantes Buch („Nichts ist, wie es scheint“) über das Phänomen der Verschwörungstheorie publiziert. Diese Art der Theorie, manche sagen auch Ideologie, wird vom Publikum meist intuitiv erfasst. Jeder der den Begriff klar zu ­definieren versucht, trifft allerdings auf einige theoretische Schwierigkeiten. Nach Butter sind Verschwörungst­heorien grundsätzlich unwahr, niemals beweisbar und zeichnen sich meist durch drei typische Charakteristika aus: nichts geschieht durch Zufall, nichts ist, wie es scheint und alles ist miteinander ­verbunden.

Nach diesem Muster diskutieren manche Kreise in Deutschland nunmehr eine „Superverschwörungstheorie“, die die Finanz-, die Flüchtlingskrise und die ­aktuelle Pandemie verknüpft und im Ergebnis immer die gleiche Verschwörung von dunklen Kreisen und „Hintermännern“ zu entdecken glaubt. Die Absurdität der Theorie einer jahrzehntelangen Regentschaft hinter den Kulissen, die die Geschichte der ganzen Welt kontrolliert, ist evident.

Der Ruf nach Freiheit, genauer Freiheit von, der auf den Demonstrationen erschallt und sich gegen die staatliche Bevormundung in diesen Tagen richtet, muss also mit der Frage nach dem „herrschenden Gedanken“ (Nietzsche) dahinter befragt werden. Beim rechten Populismus ist die Antwort beispielsweise klar, es geht nicht wirklich um Gesundheitspolitik, sondern um den Rückzug auf den Nationalstaat und eine neue Form der Deutschtümelei.

Das Problem des „Framing“ als Verschwörungstheoretiker ist dennoch die Unschärfe des Begriffes und die Neigung ganze Gruppen mit dieser Terminologie und den damit verbundenen Assozia­tions­ketten zu verknüpfen. „Framing“ beschreibt Olav Arndt auf Telepolis „ist eine Methode der Verknüpfung von Stichworten, eine Selektion von komplexen Informationen, die in Schubladen sortiert werden, damit man bestimmte gesellschaftliche Vorgänge einfacher ­verstehen kann“. Die Markierung als Verschwörungstheoretiker geht heute einher mit der sozialen Verbannung in die Randbezirke der Gesellschaft.

In der aktuellen Pandemie-Debatte sollte man nicht vergessen, dass zwar eine Mehrheit von ca. 66 Prozent die staatlichen Maßnahmen vollumfänglich unterstützt, es aber auch eine beachtliche Zahl von Menschen gibt, die – aus ganz unterschiedlichen Gründen – Bedenken und Vorbehalte artikulieren. In der Welt am Sonntag stellte Bundestagspräsident Schäuble klar, dass das Versammlungsrecht für eine offene Gesellschaft grundsätzlich konstituierend ist. Schäuble ­formuliert in seiner Beurteilung des Protestes einen Mittelweg:

„Dass sich in ­solche Demonstrationen mitunter auch Personen mit abstrusen Theorien begeben, lässt sich nicht verhindern. Niemand ist vor dem Beifall von der falschen Seite sicher. Allerdings rate ich jedem, der zu unserem Grundgesetz steht, zu Extremisten Abstand zu halten, um sich nicht auf die eine oder andere Art anzustecken.“

Jenseits der Extreme gibt es demzufolge eine Kritik an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in der ­Pandemie-Bekämpfung, die auch aus der bürgerlichen Mitte kommt. Diese Einwände gilt es nach wie vor ernst zu nehmen. Die Kombination von Gesundheitspolitik und moderner Technologie, ruft letztlich die langfristig zu beurteilende Frage auf, ob wir die neuen Techniken in der Zukunft kontrollieren oder sie uns. Und, wie es der italienische ­Philosoph Giorgio Agamben zuspitzte, der Wille zum biologischen Überleben, darf nicht in Systeme führen, die auf Kosten der Menschenwürde konstruiert werden. Slavoj Zizek erinnerte bereits daran, dass „erhabene Objekte der Ideologie“, sei es die Sicherheit oder die ­Gesundheit, unsere Diskurse nachhaltig strukturieren und beeinflussen. Man könnte aus letzterem Hinweis den Schluss ziehen, dass auch gute Ziele zu ideologischen Positionen führen könnten. Wie immer man zu diesen Debatten steht, es muss in jedem Fall auch weiterhin erlaubt sein zu streiten, welche der staatlichen Maßnahmen wirkungsvoll waren oder nicht. Der Anspruch, dass Gesetze und Verordnungen auch im Notstand Verhältnismäßigkeit zu sein haben, dürfte ebensowenig ernsthaft zur Debatte stehen.

Letztendlich kann aber die notwendige Zurückweisung von Extremisten, Spinnern und Verschwörungstheoretikern die Widersprüche der Gesellschaft, rund um den Begriff der Wahrheit, nicht zudecken. Butter trifft hier den realen Punkt, der im Lärm um die Verschwörungstheoretiker und ihren extremen Haltungen nicht einfach untergehen darf: „Die derzeitige Diskussion – Verschwörungspanik in manchen Teilöffentlichkeiten, Verschwörungstheorie-Panik in anderen – ist ein Symptom für eine tiefer liegende Krise demokratischer Gesellschaften. Denn wenn Gesellschaften sich nicht mehr darauf verständigen können, was wahr ist, können sie auch die drängenden Probleme des 21. Jahrhunderts nicht mehr meistern.“

Der Alarmismus um die Verschwörer hat in Deutschland eine lange Tradition. Unter dem Titel „verkappte Religionen“ hat schon der Stralsunder Carl Christian Bry (1892-1926) die Verwirrungen über die unzähligen neuen Weltanschauungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschildert. Das Buch war damals ein Bestseller und widmet sich insbesondere den diver­sen antisemitischen Verschwörungstheorien. Das Gebiet, eine Welt der Irrtümer, beschreibt er zeitlos: „Die verkappten Religionen verfügen, fast allein in unserer Zeit – und schon das sichert ihnen Bedeutung – über Gemeinden von heißen Fanatikern, die erfüllt und streitbar für ihr Weltbild kämpfen.“

Bry bemüht sich auf 250 Seiten, die nach wie vor Aktualität beanspruchen können, um Klärung, Abgrenzung und Definition über den heute vielbesungenen, und unbestimmten Begriff der „Verschwörungstheorie“. Sein einfaches Fazit kann als Aufruf zur Mäßigung ­verstanden werden: Nicht alles, was wir für wahr halten, ist wahr.

Geht man der deutschen Wahrheitsdebatte auf den Grund, wird man sich letztendlich mit dem Werk Friedrich Nietzsches auseinandersetzen müssen. Der Philosoph, der sich selbst für ­Dynamit hielt, sprengte Mitte des 19. Jahrhunderts das Gebäude der christlichen Metaphysik mit seinen berühmten drei Worten: Gott ist tot. Nietzsche war überzeugt, dass die Erschütterung des Wahrheitsanspruches des Christentums und der sich abzeichnende Nihilismus, Europa für mindestens zwei Jahrhunderte bestimmen würde. Der Philosoph ahnte, dass bald neue „Wahrheiten“, in Form von Ideologien und neuen Heilsversprechen, die politische Wirklichkeit der Menschen bestimmen würden. „Wahrheit“ schreibt Nietzsche in seinem Nachlass lapidar „ist die Art von Irrtum, ohne welche eine bestimmte Art von ­lebendigen Wesen nicht leben könnte.“ Zu Lebzeiten bekämpfte Nietzsche in seinen Werken die sich abzeichnenden, neuen Idole der Deutschen, sei es der Nationalismus, in Form der Deutschtümelei, der Sozialismus oder den um sich greifenden Antisemitismus.

Nach den Verheerungen, die die Ideologien des 20. Jahrhunderts in Europa angerichtet haben, ist eine Wieder­belebung dieser Art von Wahnsinn in Deutschland zu Recht ein Tabu. Die ­Demokratie muss sich aber neuen Herausforderungen stellen, die nicht aus dem Feld der Politik stammen und man unter der Frage nach der Technik zusammenfassen könnte. Der absolute Wahrheitsanspruch der Wissenschaft und die Gefahren neuer Technologien wird in Deutschland seit Jahrzehnten diskutiert. Die Möglichkeiten neuer ­Gesundheitspolitik im Zusammenspiel mit Hightech-Innovationen, der Finanzindustrie und Big Data sind Teil dieses größeren Zusammenhangs. Tagespo­litische Entscheidungen, wie immer sie ausfallen mögen, ändern an diesen Grundfragen wenig.

Der Kampf um die Wahrheit zeigt sich in der aktuellen Pandemie gerade in der grundlegend unterschiedlichen Bewertung um die Rolle des Virus für unser künftiges Leben. Religiöse Charaktere werden darin eine Strafe Gottes sehen wollen, Naturphilosophen beklagen eine Reaktion der Natur, die sich gegen das menschliche Vorhaben sich die Welt ­untertan machen zu wollen, wehre, während Andere dem „dummen und blinden“ (Levi-Strauss) Virus keine transzendierende Bedeutung geben ­wollen. Wie denken wir Muslime über das Phänomen?

Die nüchterne und rationale Entscheidung der muslimischen Gemeinden, als Reaktion auf die Pandemie, die Moscheen zu schließen und die Glaubenspraxis einzuschränken, zeigt unseren Respekt vor den gewaltigen Auswirkungen dieser Krise. Gleichzeitig bewahrt unsere Lebenspraxis vor den Fundamentalängsten, die die aktuellen Debatten bestimmen: die Furcht vor dem Tod, den Verlust von Wohlstand oder eine bedrohte Versorgung. Der Anspruch auf Wahrheit ist dabei nichts, was wir Muslime selbst erfüllen können, sondern der Offenbarung zugeordnet wird. Im Qur’an, Sure 57, Al-Hadid, lesen wir:

„Es preist Allah (alles), was in den Himmeln und auf der Erde ist. Und Er ist der Allmächtige und Allweise. Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und lässt sterben. Und er hat zu allem die Macht. Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene. Und Er weiß über Alles ­Bescheid.“

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Die Pandemie als welthistorische Wende

BERLIN (GFP.com). Zunehmende Fraktionierungen zwischen den Mitgliedstaaten der EU überschatten die für heute angekündigte Präsentation eines Hilfsplans der EU-Kommission für den Kampf gegen die Coronakrise. Grundlage der Kommissionspläne ist ein […]

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(iz). Es gibt Bücher, die kommen zu früh oder zu spät. Doch nicht so „Travelling Home: Essays on Islam in Europe“ des bekannten britischen Gelehrten und Autors Abdal Hakim Murad. […]

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