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Mehrheitlich verzerrt. Britische Medien berichten zu weiten Teilen voreingenommen

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Medien: Als die Zeitung „The National“ ihre Titelseite über die Voreingenommenheit anderer Blätter betitelte, war das für viele britische Muslime keine Überraschung. (iz). Seit Jahren sprechen Betroffene von Titeln, in […]

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Rohe: Jeder Zweite hat antimuslimische Vorurteile

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Muslimfeindlichkeit ist in Deutschland eine Alltagserfahrung für viele muslimische Frauen und Männer – das sagt der Wissenschaftler Mathias Rohe. Er fordert „mehr Alltagssolidarität“ – und zeitgemäßere Schulbücher.

Stuttgart (KNA) In Deutschland sind Vorbehalte gegenüber muslimischen Menschen nach Angaben des Islamwissenschaftlers und Juristen Mathias Rohe weit verbreitet.

„Ungefähr 50 Prozent der Bevölkerung pflegen oder haben antimuslimische Vorurteile“, sagte der Wissenschaftler am Dienstag in Stuttgart. Er verwies auf „eigene breit angelegte Umfragen“ und Auswertungen von Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Von Norbert Demuth

„Eine Alltagserfahrung“

Muslimfeindlichkeit ist eine Alltagserfahrung für viele muslimische oder als muslimisch wahrgenommene Menschen in diesem Land“, bilanzierte Rohe. In Deutschland leben derzeit rund 5,5 Millionen Musliminnen und Muslime.

Die Gruppe, die im öffentlichen Raum am heftigsten Diskriminierungen erleide, seien muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, sagte Rohe. Sie seien „allerlei Formen von Aggressionen ausgesetzt“ – bis zu brutalen kriminellen Übergriffen, erläuterte er bei einer Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Thema „Muslimfeindlichkeit in Deutschland“.

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Foto: Hendra Fauzy, Adobe Stock

Mehr Solidarität mit Muslimen gefordert

Rohe forderte „mehr Alltagssolidarität“ mit Muslimen, wenn man diskriminierendes Verhalten ihnen gegenüber beobachte. Manchmal reiche es schon, wenn man sich zu den Betroffenen stelle.

Aysun Pekal vom Sozialdienst muslimischer Frauen in Stuttgart schilderte, antimuslimischer Rassismus werde seit der letzten Bundestagswahl unverblümter geäußert – etwa in der Nachbarschaft. „Menschen haben keine Hemmungen mehr“, so Pekal.

Der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, sagte, nicht nur antisemitische oder muslimfeindliche Äußerungen hätten zugenommen. „Zugenommen haben generell Äußerungen, die andere herabwürdigen.“ Dazu gehörten Beschimpfungen von Menschen mit Behinderungen oder von armen oder kranken Personen.

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Foto: Ryan Nash Photography, Shutterstock

„Entsolidarisierung von oben gegen unten“

Es gebe eine öffentliche „Verrohung“ und eine „Entsolidarisierung von oben gegen unten“, erklärte Blume. Zudem stelle er ein Ausspielen von Religionen gegeneinander fest. Das mache ihm große Sorgen.

„Und wenn man das Verbindende betont, wird man angegriffen“, erläuterte Blume mit Blick darauf, dass er Hassmails von unterschiedlichen Seiten bekomme. In dieser Situation sei es „eine dumme politische Strategie“, wenn etablierte Parteien „den Rechtspopulisten nachlaufen“.

Der Wissenschaftler Rohe forderte eine zeitgemäßere Behandlung des Islam für Schüler. „Muslimische Alltagskultur hier und heute“ finde in deutschen Schulbüchern fast nicht statt. „In vielen Schulbüchern kommt das Thema Islam nur sehr sparsam vor.“

Dies beschränke sich häufig auf das 7. Jahrhundert, in dem die monotheistische Religion durch den Propheten Mohammed gestiftet wurde. „Wo bleibt der Islam des 21. Jahrhunderts, der in Stuttgart gelebt wird oder in anderen Städten“, fragte Rohe. „Man nimmt nicht wahr, dass auch die islamisch geprägte Welt eine unglaubliche Entwicklungsgeschichte hat und noch mittendrin steckt.“

Zu wenig beachtet werde auch, „dass der Islam und muslimisches Leben in Deutschland sich grundlegend unterscheiden von dem, was in Saudi-Arabien passiert oder in Malaysia oder in Marokko oder anderen Teilen der Welt“, sagte Rohe.

Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Rohe war auch Koordinator des 2023 vorgestellten Expertenberichts „Muslimfeindlichkeit – eine deutsche Bilanz“.

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Leipziger Autoritarismus Studie 2024: Immer mehr wird offen sagbar

kommentar leipziger Deutsche

Keine guten Nachrichten: Die Leipziger Autoritarismus Studie 2024 zeigt, Unterschiede bei autoritären Meinungen werden kleiner.

Berlin/Leipzig (KNA) Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, anti-demokratische Tendenzen: Immer mehr Menschen in Deutschland neigen einer aktuellen Studie zufolge zu extremen Einstellungen. In West wie Ost zeigten sich zuletzt weniger als die Hälfte der Menschen mit der Demokratie in ihrer gelebten Form zufrieden. Von Alexander Riedel

Zugleich nähert sich die Zustimmung zu ausländerfeindlichen Aussagen im Westen den Werten im Osten an. Zu diesen zentralen Ergebnissen kommen die Autoren der „Leipziger Autoritarismus Studie 2024“, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Leipziger Autoritarismus Studie 2024: Vereint im Ressentiment

Die Studie mit dem Titel „Vereint im Ressentiment“ erfasst seit 2002 regelmäßig die Einstellungen der Bevölkerung zu autoritären und demokratiefeindlichen Tendenzen. In diesem Jahr wurden 2.500 repräsentativ ausgewählte Menschen befragt. Die Studie entstand in Kooperation mit der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung.

Die Autoren der Universität Leipzig warnen davor, dass Ausländerfeindlichkeit im Westen – wie bereits im Osten – zu einer vorherrschenden Weltsicht zu werden drohe. So sei der Anteil der Befragten mit einem geschlossen ausländerfeindlichen Weltbild von 13 Prozent im Jahr 2022 auf 19 Prozent in diesem Jahr gestiegen. Im Osten lag er zuletzt bei 32 Prozent. Im Westen stimmte fast ein Drittel (31 Prozent) der Aussage zu, dass Deutschland durch „die vielen Ausländer überfremdet“ sei, im Osten waren es 44 Prozent.

Ausländerfeindlichkeit sei als „Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus“ nach wie vor sehr wirkmächtig, sagte die Co-Herausgeberin der Studie, Ayline Heller. Die Grenzen des Sagbaren hätten sich verschoben. Die Ablehnung gegen Ausländer könne in Folge der Art, wie in Politik und Medien diskutiert werde, inzwischen sehr offen geäußert werden. Eine Folge: Auch die Ablehnung gegenüber Muslimen und Sinti und Roma hat laut Studie zuletzt zugenommen.

Zustimmung zu antisemitischen Aussagen wächst wieder

Nach einem jahrelangen Rückgang ist die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen im Westen Deutschlands erstmals wieder angestiegen. Seit 2002 war die eindeutige Zustimmung zu mehreren judenfeindlichen Aussagen von 13,8 Prozent auf 3 Prozent gesunken. Nun nahm sie jedoch auf 4,6 Prozent zu. Im Osten Deutschlands sank der Anteil der Menschen mit eindeutig antisemitischer Einstellung im Vergleich zu 2022 hingegen von 3 auf 1,8 Prozent.

Zugleich finden einzelne Aussagen wie der „Einfluss der Juden“ sei zu hoch mit bundesweit rund 9 Prozent deutlich mehr Zustimmung. 13,2 Prozent aller Befragten finden zudem, dass es besser wäre, „wenn die Juden den Nahen Osten verlassen würden“. Weitere 24 Prozent stimmen dieser Aussage zumindest teilweise zu.

Einen bundesweiten Anstieg verzeichnet die Studie auch bei israelbezogenem Antisemitismus. Studienleiter Oliver Decker wies darauf hin, dass gerade dieser im linken Spektrum sehr verbreitet sei. Antisemitismus drohe zu einer Brückenideologie zu werden.

Im Osten sinkt die Akzeptanz

Vor allem im Osten Deutschlands machen die Autoren der Studie einen rapiden Abstieg der Akzeptanz der Demokratie in ihrer aktuellen Form aus. Zwar stimmen bundesweit 90,4 Prozent aller Befragten der Demokratie als Idee zu.

Doch die Zustimmung zur „Demokratie, wie sie in der Bundesrepublik Deutschland funktioniert“ findet nur noch bei 42,3 Prozent Anklang. Im Osten sank dieser Anteil von 53,5 Prozent im Jahr 2022 auf 29,7 Prozent in diesem Jahr, im Westen ging er von 58,8 auf 46 Prozent zurück – beides die tiefsten Werte seit 2006.

In ihren Antworten äußerten die Teilnehmenden besonders häufig Unmut über Politiker und Parteien sowie über fehlende Möglichkeiten der Mitwirkung. Es gebe einen Wunsch nach einer „starken Partei“, die „eine möglichst homogene Volksgemeinschaft“ repräsentiere und in autoritärer Form Sicherheit biete, sagte Studienleiter Decker.

Die Bindung an die traditionellen Parteien habe unabhängig vom sozialen Milieu bei Menschen mit einem geschlossen rechtsextremen Weltbild abgenommen: „Wählte 2006 der Katholik in Fulda noch die CDU und der Gewerkschafter in Leipzig die SPD, dann haben wir es heute damit zu tun, dass die abgewandert sind zur AfD.“

ataman deutschland

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, warnte angesichts der Ergebnisse vor einer „Ressentiment-Republik“. Die Studie zeige, was viele Menschen im Alltag beobachteten: „Wir haben ein ernstes Demokratie-Problem.“ Gruppenbezogener Menschenhass habe eine ganz neue Dimension erreicht. Ataman forderte von einer künftigen Regierung einen Nationalen Aktionsplan Antidiskriminierung sowie eine schnelle Verabschiedung eines Demokratiefördergesetzes im Bundestag.

Studienleiter Decker verwies noch auf einen anderen Faktor, der einen sehr starken Einfluss auf die Einstellungen der Menschen in Deutschland habe: Die Ergebnisse zeigten, „dass die wirtschaftliche Krisenwahrnehmung sehr stark über die Akzeptanz der Demokratie entscheidet und sehr stark auch mit auf die Ressentiments wirkt“.

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Berlin-Monitor dokumentiert Vorurteile in der Hauptstadt

deutsch berlin ramadan

Eine Erkenntnis aus dem Berlin-Monitor: Viele Moscheegemeinden, die ihre Türen öffnen, sind in Berlin engagiert und erfolgreich. (iz). Berlin ist eine weltoffene, moderne Stadt. Denkt man. Nach der Studie des […]

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Anhand eines hitzigen Dauerbrenners wird deutlich, wie sich die Einstellungen bei jungen Erwachsenen verändert haben

(iz). Das Bundesverfassungsgericht entschied jüngst zugunsten kopftuchtragender Lehrerinnen, indem es das pauschale Kopftuchverbot kippte. Damit holte es jahrelange Versäumnisse nach und ebnete erste Schritte zur Wiedergutmachung erlebter Diskriminierung. Ein Schritt, […]

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Die IZ-Blogger: über Deutschlands Muslime und ihr Umgang mit der Medienwelt

(iz). „Unwissende werfen Fragen auf, welche von Wissenden vor tausend Jahren schon beantwortet sind“, sagte einst Goethe. An der Stelle könnte ich den Artikel auch beenden, oder kann sich nicht […]

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Zum Hintergrund der jüngsten Übergriffe auf Moscheen. Interview mit der Medienwissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer

(iz). Vor Kurzem wurde bekannt, dass vier Moscheen an unterschiedlichen Orten zum Ziel anti-muslimischer Übergriffe wurden. Trotz muslimischer Stellungnahmen dazu erreichte das ­Thema entgegen der Schwere der Vorgänge nur die Seiten einiger Lokalblätter sowie von Muslimen betriebene Webseiten.

Die IZ sprach mit der Medienwissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer über den Zusammenhang zwischen medialer Muslimfeindlichkeit und solchen Übergriffen. Wir fragten nach den Mechanismen der öffentlichen Islamkritik, wollten wissen, wie groß die Fähigkeit zur Selbstkritik unter Deutschlands Qualitätsmedien ist und reflektieren über die Möglich­keit, ob und wie anti-muslimische Webseiten einer stärkeren Kontrolle unterzogen werden. Dr. Schiffer sieht „Zitierzirkel“, die am Fortbestand und der Verfestigung von Vorurteilen beteiligt sind. Abschließend beleuchten wir mit der Expertin die Möglichkeit, ob und wie Muslime Gegenstrategien entwickeln können, solange sie – wie bisher – keine Diskurshoheit in den Mainstreammedien haben.

Islamische Zeitung: Frau Dr. Schiffer, in den letzten Tagen wurde bekannt, dass es Übergriffe auf vier unterschiedliche Moscheegemeinden gab. Viele Muslime sehen Zusammenhänge zwischen solchen Taten und einer medial präsenten „Islamkritik“ unterschiedlicher Färbung. Erkennen Sie als Medienwissenschaftlerin hier einen Zusammenhang?

Dr. Sabine Schiffer: Ja, wir sehen hier einen Zusammenhang und warnen davor bereits seit Langem.

Islamische Zeitung: Wie genau funktioniert dieser Zusammenhang zwischen den Segmenten der medialen Muslimfeindlichkeit und dieser ideologischen Kriminalität?

Dr. Sabine Schiffer: Die so genannte „Islamkritik“, die oft weit über Religionskritik hinausgeht, führt zu einer regelrechten Dämonisierung aller Muslime und schürt Ängste. Sie wird in Teilen der allgemeinen Medien seit Langem, extrem im Internet und jetzt auch auf der Straße in Form von ­Infoständen ausgefochten. Das ist gewissermaßen eine Dauerberieselung, die bei einigen verfängt und Ängste auslöst. Es ist immer wieder so wie das, was wir von den Anschlägen von vor 20 Jahren kennen [Solingen], sodass sich gerade junge Leute aufgefordert fühlen, endlich mal etwas zu tun, während die Alten nur reden. Der Ausgrenzungscharakter ­solcher diffamierenden Debatten wird sehr oft unterschätzt.

Islamische Zeitung: Gilt das für alle Erscheinungen, die unter „Islamkritik“ firmieren, oder gibt es eine Grenze zwischen legitimer Meinung und Diffamierung?

Dr. Sabine Schiffer: Natürlich gibt es solche Grenzen. Die Frage ist aber, ob noch zwischen beidem ­unterschieden wird. Geht es wirklich um Religionskritik? Das ist ja normalerweise kein Thema öffentlicher Debatten. Währenddessen gibt es Muster bei der Äuße­rung bestimmter Themen, deren ­Kritik oft berechtigt ist. Deren Fokus aber ist ein anderer. Sehr oft werden ­allgemeine Missstände wie Gewalt, Terror, Krieg, Frauenunterdrückung oder Antisemitismus, die auf der ganzen Welt zu beklagen sind, einfach Muslimen allein zugewiesen. Derart wird eine kleine Verschwörungstheorie konstruiert, so als müsse man gegen Islam und Muslime vorgehen, um diese Probleme zu beseiti­gen. Hier haben diese Kritik beziehungs­weise die allgemeine Religionsdiffamierung eine Funktion, die man in einem solchen Moment erkennen muss. ­Dabei werden immer wieder zu verallgemeinernde Klischees in den Raum gestellt und wiederholt, sodass ich glaube, dass die öffentliche Debatte ein bisschen kritischer betrachtet werden müsste.

Islamische Zeitung: Jüngst veröffentlichten Medienwissenschaftler Studien, in denen sie das Maß der Selbstkritik in der Medienarbeit untersuchten. Das Ergebnis sah nicht so gut aus… Gibt es Reflexion in Medien, was Veröffentlichungen über den ­Islam auslösen können?

Dr. Sabine Schiffer: So wenig, wie es „den Islam“ gibt, so wenig gibt es „den Journalisten“ oder „die Medien“. Viele stellen selbstkritische Fragen. Aber es gibt auch einige, die dadurch auffallen, dass sie eine ganz starke Tradition einer bestimmten Ausrichtung pflegen. Insofern herrscht ein bisschen der Ruch, dass ja nur über Fakten berichtet werde. Es wird aber nur selten überprüft, ob diese ­Fakten überhaupt relevant für den vorliegenden Sachverhalt sind. Wenn ich dies immer zusammen konstruiere, dann suggeriere ich natürlich Zusammenhänge, die vielleicht bei etwas umfassenderer Betrachtung gar nicht als etwas spezifisch musli­misches oder islamisches erkennbar wären. Hier gibt es Leute, die das reflektie­ren, und es gibt solche, die eine Reflektion verweigern. Sie halten sich für sehr gut informiert und entwickeln daher sowieso eine gewisse Barriere, die Dinge selbstkritisch zu betrachten. Studien belegen dies. Auch die Fähigkeit der Kolle­gen untereinander, in öffentlichen Debatten tatsächlich Dinge und Kollegen in Frage zu stellen, ist gerade in Deutschland eher selten ausgeprägt.

Islamische Zeitung: Gelegentlich drängt sich der Eindruck auf, dass Behauptungen, die ihren Ursprung in Meinungen haben (wie „der Islam unterdrückt Frauen“) gerade in letzter Zeit zu nicht hinterfragten Fakten geworden sind. Ist das ein Problem?

Dr. Sabine Schiffer: Ja, das ist wohl richtig. Aus Vorurteilen sind inzwischen feste Wissensstrukturen geworden, die dann auch gar nicht mehr hinterfragt werden. Gerade beim Thema Frauen herrscht bei sehr vielen Leuten eine ganz feste Vorstellung. Diese wurde in den letzten Jahren durch derlei Debatten noch weiter verfestigt. Da die Benachtei­ligung von Frauen ein allgemeines Phänomen ist, fehlt zwar die Spezifik, aber entsprechende Beispiele werden trotzdem traditionell Muslimen zugewiesen, weil Muslime im Fokus der Debatte stehen und nicht alle, die Frauen unterdrücken.

Das ist ein Phänomen der Feindbildkonstruktion. Man sollte ganz klar erken­nen, dass wir es hier mit einer tiefsitzen­den rassistischen Struktur zu tun haben, die eben Feindbildcharakter hat.

Islamische Zeitung: Welche Rolle spielen Aktivisten, die öffentlich als Experten oder objektiv schreibende Journalisten wahrgenommen werden?

Dr. Sabine Schiffer: Es gibt natürlich gewisse, zu beobachtende Zitierzirkel, in denen sich kolportierte Meinungen von einflussreichen Leuten ­verselbstständigen, wobei die Gegenstimmen schnell unter­gehen. Insofern haben wir keine gleichwertige Debatte zwischen einzelnen Meinungen, sondern ganz starke Kräfte, die bestimmte Dinge veröffentlichen können; und andere eben nicht.

Andererseits fehlt in Sachen Strafverfolgung von behördlicher und politischer Seite eine Gleichbetrachtung der Dinge. Man sollte alle bedrohten Menschen schützen und nicht nur bestimmte Opfergruppen als solche festlegen, wobei andere nach dem Motto ignoriert werden: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Hier wird ein Potential unterschätzt, dessen extremste Ausformungen sich in Norwegen beobachten ließen.

Islamische Zeitung: Ist es ein Fortschritt, dass bestimmte Landesverfassungsschutzämter anfingen, bestimmte muslimfeindliche Webseiten und Newsgroups zu beobachten?

Dr. Sabine Schiffer: Zunächst ja, aber wenn der oberste Dienstherr des „Verfassungsschutzes“ erklärt, dass man den wichtigsten Hetzblog nicht beobachtet, weil man den Islam nicht lieben müsse, dann ist das natürlich ein ganz starkes Signal. Es wird in den entsprechenden Kreisen wahrgenommen und auch gelobt. Da fühlt man sich bestätigt.

Wir hätten längst aus den Anschlägen vor 20 Jahren lernen müssen, dass solche Äuße­rungen aus der politischen Mitte den rechtsextremen Rand stärken, dass der Rassismus der Mitte die Ränder stärkt und die Extremisten irgendwie ermutigt, dann aktiv zu werden. Wir sehen das an den zunehmenden Anschlägen auf Einrichtungen, die ganz klar als ­muslimische erkennbar sind.

Islamische Zeitung: Sie haben eben vom rechten Rand gesprochen. Oft wird die kritisierte Islamkritik mit den Vokabeln rechts, rechtsextrem oder rechtspopulistisch in Verbindung gebracht. Dieses Phänomen findet sich – Stichwort Kritische Islamkonferenz oder Zentralrat der Ex-Muslime – auch bei Leuten, die gemeinhin als Linke wahrgenommen werden. Ist das nicht ein simples Beschreibungsmuster?

Dr. Sabine Schiffer: Da haben Sie Recht. Die Verlagerung an den rechten Rand suggeriert ein bisschen, dass die Gesellschaft an sich immun sei und funktioniere und dass es nur rechts ein Problem gäbe. Hier handelt es sich auch darum, eine Projektionsfläche zu haben. Wir haben es hier mit einem ganz breiten Phänomen zu tun und das ist genau das Problem, warum es politisch so anschlussfähig ist. Teilweise wird es auch von politischen Gruppierungen und Strömungen ausgenutzt.

Islamische Zeitung: Haben Sie Ratschläge, wie Muslime und/oder ihre Interessenvertretungen im Rahmen eigener Medienstrategien etwas tun können? Sehen Sie hier Potenziale?

Dr. Sabine Schiffer: Ehrlich gesagt sehe ich da kein großes Potenzial, weil sie nicht entscheiden, was in den Mainstreammedien erscheint. So erschien zu den Anschlägen auf die Moscheen nichts beim ZDF oder bei der Tagesschau.

Die Presseerklärung des KRM fand ein Echo bei Lokalzeitungen; ich nehme an, nicht auf deren Titelseiten. Insofern ­haben wir es hier mit einer Diskurshierarchie zu tun. Hier Einfluss zu nehmen, ist sehr, sehr schwierig.

Eine Strategie wären sicherlich, Bündnisse mit rassismuskritischen Organisationen und deutlich zu machen, dass es sich hier nicht um eine ganz besondere Form von Rassismus handelt, sondern eine wie andere Rassismen auch. Über die Zusammenarbeit mit solchen Bündnissen lassen sich Leute werben, die diese Problematik jetzt schon ernstnehmen. Ich denke, die Zielgruppe muss ganz klar die Zivilgesellschaft sein, denn von politischer Seite hätten sich bisher schon klare Akzente setzen lassen.

Islamische Zeitung: Angesichts des stellenweise phänomenalen Erfolges, den kleine Teams oder Einzelpersonen haben, auch ohne große Mittel Gegenöffentlichkeit herzustellen, sollte es möglich sein, koordiniert etwas auf die Beine zu stellen…

Dr. Sabine Schiffer: Es bleibt das Problem zu lösen, dass Betroffene sehr oft als unglaubwürdig wahrgenommen werden, da sie ja im eigenen Interesse sprechen. Zudem erkennt das Unterbewusstsein Verneinung nicht, das heißt, dass oftmals eine Wiederholung der Klischees stattfindet – mehr nicht. Hier könnten wir aus dem antisemitischen Diskurs Ende des 19. Jahrhunderts lernen, wie es nicht geht.

Was die neuen Medien anbelangt, gibt es da natürlich Potenziale, aber die nutzen auch andere – und die erreichen nur bestimmte, eingeschränkte Zielgruppen. Wie aber die Mainstreammedien zu gewinnen sind für eine menschenfreundlichere und repräsentativere Darstellung, das bleibt eine wichtige Frage, die wiederum auch andere Themen betrifft.

NSU-Prozess & Bertelsmann-Studie: Presseerklärung der European Muslim Union (EMU) zu wichtigen Themen für die Muslime in Westeuropa

(EMU). Der angekündigte Prozess gegen Beate Zschäpe, dem einzigen überlebenden Mitglied des rechtsextremen Terrornetzwerk NSU, vor einem Münchener Gericht sowie die jüngste Veröffentlichung der Bertelsmann Stiftung (einer führenden und einflussreichen Denkfabrik) über anti-religiöse, insbesondere anti-muslimische Einstellungen in Deutschland hat die Europäische Muslimische Union (European Muslim Union EMU) dazu veranlasst, diese beiden wichtigen und zusammenhängenden Fragen zu beleuchten.

Laut Angaben des jüngsten „Religionsmonitors“ der Bertelsmann Stiftung über Einstellungen zu religiösen Fragen in der deutschen Gesellschaft (die sich im weiteren Rahmen auch auf vergleichbare europäische Gesellschaften übertragen lassen) zeichnen aufgrund der Angaben von 14.000 Befragten (lt. dpa-Meldung) ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite begrüßt die Mehrheit aller Personen „religiöse Vielfalt“ in ihrem Land. Auf der anderen betrachten 51 Prozent der Befragten in Westdeutschland (und 57 Prozent im Osten) den Islam als „Bedrohung“ für ihre Gesellschaft. Nach Ansicht der Autoren stehen die Zahlen im Zusammenhang mit Einstellungen in anderen europäischen Ländern und den USA.

Parallel zur Veröffentlichung der Bertelsmann-Erhebung bereitet sich Deutschland auf den lang erwarteten Prozess gegen das einzig überlebende Mitglied des rechtsextremen Terrornetzwerkes vor. Diese Untergrundgruppe soll während ihres Bestands mehrheitlich türkisch-muslimische Opfer ermordet haben. Jenseits der Aufregung um den Umgang des Gerichts mit der Sitzplatzverteilung für Medien sind das Verfahren, aber auch die anhaltenden Untersuchungen zum Hintergrund dieses einheimischen Terrorismus von vorrangiger Bedeutung für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland.

//2// Duisburg: Begegnung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in einer der größten Moscheen Deutschlands. (Foto: Mercator Stiftung)

Nach Ansicht der EMU müssen „ein ernsthaftes Verfahren sowie eine gründliche Untersuchung herausfinden, wie und in welchem Ausmaß Elemente der internen Sicherheitsorgane Deutschlands über die Schaffung eines Terrornetzwerkes informiert und gegebenenfalls daran beteiligt waren, das gezielt muslimische Einwohner Deutschlands zu Opfern machte“.

„Weiterhin – und ebenso wichtig – sollten zivilgesellschaftliche und muslimische Vertreter in Deutschland die Frage stellen, auf welche Weise die gleichen Regierungsorgane verdeckte Ermittler – aber auch Agents Provocateurs – innerhalb von radikalen Gruppierungen der muslimischen Gemeinschaft platzierten. Nachweisbare Fälle und Gerichtsverfahren innerhalb und außerhalb Deutschlands sind Grund genug, dass dominante Narrativ einer ‘homegrown‘ Bedrohung durch die muslimischen Gemeinschaften Europas in Frage zu stellen.“

„Trotz dieser Sorge muss festgehalten werden, dass die europäischen Muslime im Allgemeinen natürlich Hand in Hand mit ihren jeweiligen Regierungen gegen jede Form von Terrorismus zusammenarbeiten wollen.“

„Trotz existierender anti-muslimischer Vorurteile ist die beste Antwort darauf ein aktives und positives Engagement innerhalb der europäischen Gemeinschaften“, so das Statement. „Dies beinhaltet offene und attraktive Moscheen und lokale muslimische Gemeinschaften, eine professionelle Medien und PR-Arbeit, aber auch die Entwicklung von sozio-ökonomischen Projekten. Diese belegen die historische Wahrheit, dass aktive muslimische Gemeinschaften immer ein positiver Bestandteil in Europas Geschichte waren.“

„Um dieses Ziel zu erreichen“, so die EMU-Erklärung, „wird es notwendig sein, eine ethnische Re-Orientierung und Selbstisolation von migrantischen muslimischen Gemeinschaften in Westeuropa zu vermeiden. Der erfolgreiche Weg zur Begegnung von negativen Wahrnehmungen ist eine dynamische soziale Realität in Westeuropa und eine Geisteshaltung, die auf die kommende muslimische Identität in Westeuropa fokussiert ist. Diese ist stärker als die überholten ethnischen und politischen Loyalitäten gegenüber den Herkunftsländern ihrer Eltern.“ (Übersetzung: mö)

Jahrbuch für Islamophobieforschung 2013 erschienen

Wien (iz). Das vom österreichischen Fachmann Farid Hafez betreute Projekt des „Jahrbuches für Islamophobieforschung“ (JfI) hat nach Angaben des Verlags New Academic Press und des Herausgebers seinen neuen Band für […]

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Islamgegner organisieren Mehrheiten gegen die Muslime. Von Khalil Breuer

(iz). Nur ein Fünftel der Bevölkerung ohne Sorge vor Islam-Ausbreitung“, solche bedenklichen Meldungen sind im Grunde ein beachtlicher Propaganda-Erfolg der Islamgegner. Ein Sieg der politischen Bildung sind diese trüben Einsichten […]

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