, , ,

25 Jahre 9/11: Chaos, Hass und Vergeltung – bis heute

25 Jahre 9/11 Chaos

25 Jahre nach 9/11 zieht der „Krieg gegen den Terror“ eine bittere Bilanz: Chaos in zerstörten Staaten, Hass zwischen Gesellschaften und eine Spirale der Vergeltung. Der Terror ist geschwächt, aber nicht besiegt – die Folgen prägen Politik und Weltordnung bis heute.

(KNA/IZ). Der „War on Terror“ sollte die Welt sicherer machen. Stattdessen hinterließ er zerstörte Staaten, Millionen Opfer und tiefe Zweifel an der moralischen Glaubwürdigkeit des Westens. Der Terror selbst ist nicht besiegt.

Neun Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 proklamierte US-Präsident George W. Bush vor dem Kongress den „globalen Krieg gegen den Terror“. An der künftigen Weltordnung ließ der Texaner keinen Zweifel: „Jede Nation, in jeder Region der Welt, hat eine Entscheidung zu treffen: Entweder sind sie auf unserer Seite, oder sie sind auf der Seite der Terroristen.“

Seit 25 Jahren führt die Supermacht USA, unterstützt von Verbündeten, den „Global War on Terror“ nach der simplen Logik „Freund gegen Feind“. Teils als asymmetrischen Krieg neuen Typs gegen reine Terrororganisationen wie Al-Qaida oder den „IS“ und deren weltweite Ableger, teils gegen halbstaatliche Akteure wie Hamas und Hisbollah, die Anschläge zu taktischen Zwecken verüben, teils auch gegen ganze Staaten, denen Terror-Unterstützung vorgeworfen wurde.

Foto: US-DoD/gemeinfrei | Lizenz: gemeinfrei

Washington führte diesen Krieg mit Armeen und Flugzeugträgern, mit Spezialeinheiten und Drohnen, mit Cyber-Spionage und massenhafter Datenüberwachung auch im eigenen Land – und oft unter Verletzung völkerrechtlicher und menschenrechtlicher Standards. 

Währenddessen verübten terroristische Gruppen weiter furchtbare Anschläge mit Hunderten Toten, auch in Europa: 2004 Madrid, 2005 London, 2015 Paris, 2016 Berlin sind nur die bekanntesten.

Zum Synonym dieses Krieges wurde das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Dort sperrten die USA Hunderte Terrorverdächtige als „ungesetzliche Kombattanten“ oft über Jahrzehnte ohne Anklage ein, teils bis heute.

Berichte über systematische Misshandlungen und sogenannte erweiterte Verhörmethoden wie das Waterboarding, die auch in geheimen CIA-Gefängnissen weltweit, sogar in europäischen Ländern, praktiziert wurden, beschädigten die moralische Glaubwürdigkeit des Westens nachhaltig.

Wiederholt kritisierten Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch außergerichtliche Tötungen, Straffreiheit und Entführungen von Verdächtigen sowie die Zusammenarbeit der USA mit autoritären Staaten wie Ägypten oder Pakistan, wo Folter und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.

Foto: US-Navy/Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Zudem forderten vermeintlich präzise Drohnenangriffe, die unter Bushs Nachfolger Barak Obama zunahmen, wohl Tausende Opfer unter der Zivilbevölkerung – von Somalia und Jemen bis Afghanistan und Pakistan.

Geopolitisch gilt der „War on Terror“ nach einem Vierteljahrhundert vielen Analysten als gescheitert. Der Islam- und Politikwissenschaftler Ronald Ofteringer beschreibt die US-Kampagne in seinem soeben erschienenen Buch „Die Welt in Trümmern“ schlüssig als eine Spirale aus Gewalt und Vergeltung. Sie führte zur Erosion der internationalen Ordnung und stürzte weite Teile des Nahen und Mittleren Ostens ins Chaos.

In Afghanistan zerschlugen US-Truppen 2001/2 zwar die Basis von Al-Qaida, vertrieben die Taliban von der Macht und starteten, auch unter deutscher Beteiligung, den längsten Militäreinsatz ihrer Geschichte. Doch 20 Jahre später endete das „Nation Building“ im chaotischen Abzug der westlichen Truppen und dem Rückfall des Landes unter die Taliban-Herrschaft.

Noch folgenschwerer war der völkerrechtswidrige Irak-Krieg, den die USA 2003 unter konstruierten Behauptungen anzettelten, Diktator Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen und arbeite mit den Terroristen zusammen. Aus den Trümmern des zerschlagenen irakischen Staates entstand die brutalste Terrorgruppe der Moderne: „Islamische Staat“ (IS) – so die Selbstbezeichnung.

Im Zuge des syrischen Bürgerkriegs ab 2011 breitete sich der IS rasant aus und errichtete ein grenzübergreifendes „Kalifat“ des Schreckens. Zwar wurden die Terroristen von einer US-Koalition besiegt.

Als letzte Glieder in der Kette moralisch zweifelhafter Antiterrorkriege sieht Ofteringer den Krieg Israels im Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 sowie den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran.

Experte humanität gaza krieg

Foto: Anas-Mohamed, Shutterstock

Das „Costs of War Project der Brown University“ schätzte für die Feldzüge und Anti-Terror-Operationen der USA von 2001 bis 2023 allein 940.000 direkte Kriegstote und Kosten von etwa 8 Billionen US-Dollar. Hinzu kommen Millionen Vertriebene, von denen viele nach Europa flohen. Damit trug der „War on Terror“ erheblich zur polarisierenden Migrationsdebatte und zum Aufstieg rechtspopulistischer Strömungen in den hiesigen Gesellschaften bei.

Auch wenn US-Kommandotruppen Osama bin Laden, den einstigen Chef von Al-Qaida, 2011 in Pakistan töteten, seine Terrororganisation wie auch den „IS“ militärisch weitgehend zurückdrängten, prägt der Terror weiter das 21. Jahrhundert. Nach Ansicht vieler Experten ist er heute nur dezentralisierter und noch unberechenbarer.

Insbesondere der IS setzt zunehmend auf die Mobilisierung von Einzeltätern, gerade in Europa. Zugleich hat der „War on Terror“ das Verhältnis zwischen dem Westen und der muslimischen Welt nachhaltig belastet. Bushs frühe Rede von einem „Kreuzzug“ verstärkte ebenso wie Folter, zivile Opfer und die Kriege im Nahen Osten den Eindruck einer Kampagne gegen den Islam. Das trug zur Radikalisierung und zum Hass auf den Westen bei.

Neue terroristische Netzwerke haben sich vor allem in der Sahelzone ausgebreitet, vielfach angetrieben und überlagert von lokalen Konflikten und Armut. Der Terrorismus ist damit 25 Jahre nach Beginn des „Global War on Terror“ zwar verändert, aber keineswegs besiegt.

, ,

Nach der Katar-Attacke: Recht und Ordnung zerbröseln seit Längerem

ordnung

Globale Ordnung und Recht: Seit einem Vierteljahrhundert lässt das Agieren von Groß- und Regionalmächten das Völkerrecht und die UN zerbröseln.

„Wer zu lange in den Abgrund schaut, dem blickt der Abgrund auch in die Seele.“ Friedrich Nietzsche

(iz). Ein erheblicher Teil der Bevölkerung musste fliehen. Zwischen 10-20.000 Zivilisten (andere sprachen von bis zu 70.000 Toten) fielen den Waffen zum Opfer. Unzählige, weitere wurden gefoltert und landeten in berüchtigten „Filtrationslagern“. Die heute weiterhin ungeklärte Opferquote in Relation zur Gesamtbevölkerung variiert von 2 von 6 %.

Viele werden sich fragen, welche grausame Intervention des Westens in der muslimischen Welt damit beschrieben wird. Die Antwort könnte nicht wenige überraschen: keine.

Das sind mitnichten Angaben zu einer menschlichen Tragödie des Nahen und Mittleren Ostens, sondern zum 2. Tschetschenienkrieg, der 1999 durch Putin vom Zaun gebrochen wurde – inklusive falscher Anschläge im Kernland.

Das nie ganz aufgeklärte Gemetzel im Kaukasus war ein früher „Anti-Terrorkrieg“. Obschon US-Präsident 1983 nach dem Selbstmordterror (!) in Beirut vom „War on Terror“ sprach und seine Praktiken in die Vergangenheit zurückreichen (wie bspw. die französische Aufstandsbekämpfung in Algerien), war dies der erste größere Krieg der Gegenwart, der so bezeichnet wurde.

Und der – weil Militär nicht mit Terrorismus fertigwerden kann – durch eine ungeahnte Brutalität russischer Truppen gegen die Zivilbevölkerung gekennzeichnet war. Was nun die Ruinen von Gaza-Stadt oder Khan Younis sind, war damals Grozny.

Foto: Eric Draper, The George W. Bush Presidential Library

Zerfall der Ordnungssysteme: Großmächte machten den Anfang

Die Regierung der USA sollte zügig nachfolgen. Sie begann kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit ihrem „War on Terror“. Die dritte Großmacht, China, ließ sich in Folge nicht lumpen, und beanspruchte das Konzept zur Repression der Uiguren und anderer, muslimischer Turkvölker in deren angestammten Siedlungsgebieten.

Die 1990er Jahre sahen ernsthafte, aber meist zögerliche Schritte zur internationalen Rechts- und Normenbildung – etwa die Entwicklung der „Schutzverantwortung“ (Responsibility to Protect, R2P). Dies bezieht sich auf Genozid, Kriegsverbrechen, ethnische Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wurde aber bis heute nur inkonsequent angewendet und bleibt an Veto-Interessen gebunden.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich die drei großen Vetomächte sowie mehrere regionale Akteure – darunter Israel, Iran, Indien und Nordkorea – wiederholt über multilaterales Recht, das Kriegsrecht und die auf der UNO-Charta basierende, globalen Ordnung hinweggesetzt und so aktiv zu deren Erosion beigetragen.

Dieser Zeitraum verdeutlicht, wie eng Machtpolitik und Völkerrecht miteinander verwoben sind – oftmals in einem Spannungsfeld zwischen der Einhaltung internationaler Normen und den Eigeninteressen staatlicher Akteure.

Foto: Christiaan Triebest, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Rhetorik vs. Praxis

Dabei sind zwei gegenläufige Dynamiken zu beobachten: Einerseits die normative Rhetorik, die sich auf universelle Regeln beruft; andererseits die faktische Praxis, in der Ordnungen je nach politischem Kalkül befolgt, angepasst oder ignoriert werden. 

Dieses Spannungsverhältnis hat das weltweite Recht vielfach untergraben und zu einer selektiven Anwendung geführt – Kritik an der Rechtsordnung wird so häufig von geopolitischen Interessen überlagert oder relativiert.

Die USA standen in diesem Zeitraum oft für eine expansive Sicherheitslogik, die sich in konkurrierenden Normvorstellungen und teilweise völkerrechtswidrigen Handlungen äußerte.

Durch den Einsatz von Drohnen, präventiven Militäroperationen und Interventionen außerhalb großer multilateraler Strukturen wurde das Verständnis verschoben, dass das Völkerrecht als verbindliche Leitlinie gilt.

Gleichzeitig hat die „America First“-Politik unter Trump zu einer erheblichen Schieflage in der Weltordnung geführt: Der Rückzug aus Abkommen, die Betonung nationaler Souveränität gegenüber Normen und die verstärkte Anwendung einseitiger Maßnahmen haben die Autorität von Institutionen wie dem Sicherheitsrat geschwächt.

Ein Beispiel hierfür ist die Zerstörung eines venezolanischen Bootes in internationalen Gewässern, bei der mindestens 11 Menschen ums Leben kamen.

Russland als Teil des Problems

Mit der Annexion der Krim im Jahr 2014 und den darauffolgenden militärischen Interventionen in der Ostukraine hat Moskau die Grundprinzipien staatlicher Souveränität und territorialer Integrität offen infrage gestellt.

Darüber hinaus agiert Russland durch hybride Mittel wie Cyberoperationen, Desinformationskampagnen und politische Einflussnahme als Akteur, der Rechtsnormen nicht konsequent einhält, sondern diese situationsabhängig interpretiert und instrumentalisiert, um seine Ziele zu erreichen.

Die häufige Ausübung des Vetorechts im UN-Sicherheitsrat hat eine stringente Verwirklichung rechtsstaatlicher Prinzipien zunehmend verhindert und ermöglichte es, Konflikte als Vorwand zur Durchsetzung politischer Interessen zu nutzen.

Langfristig verstärkte sich dadurch die Skepsis gegenüber multilateralen Lösungsansätzen, da Machtpolitik vielerorts als wirkungsvolles Instrument erschien.

macht

Foto: Master Sgt. Jerry Morrison, DoD | gemeinfrei

Peking will eigene Regeln

China ist in den letzten Jahren zu einer treibenden Kraft eines multipolaren Rechtsverständnisses geworden, das universelle Normen in Frage stellt oder neu interpretiert. Im Südchinesischen Meer werden expansive territoriale Ansprüche geltend gemacht, Schiedsgerichte wurden nicht immer anerkannt, und internationale Gerichtsbarkeit erhielt gelegentlich nur begrenzte Wirkung.

Gleichzeitig entwickelt es eigene Rechts- und Handelsordnungen, etwa durch regionale Abkommen wie RCEP, die als Alternative zu westlich geprägten Rechtsrahmen verstanden werden. Die wirtschaftliche Macht wird genutzt, um politischen Druck auszuüben und Normen zu verschieben, während Fragen rund um Datensicherheit, Überwachung und Menschenrechte Debatten über universelle Rechte auslösen.

Auch Regionalmächte haben Anteil an der Zerstörung von Recht und Ordnung

Die Erosion von Normen, ihrer Gültigkeit sowie supranationalen Institutionen wie der UN liegt nicht ausschließlich an den Großmächten. Einen Anteil haben auch Regionalmächte wie Israel, der Iran oder Indien.

Tel Aviv beruft sich bspw. in Territorialfragen häufig auf nationale Sicherheitsinteressen und ignoriert wiederholt Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Die fortdauernde Besatzung und Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten widerspricht fundamentalen Prinzipien des humanitären Völkerrechts und der UNO-Charta, ohne juristische Konsequenzen auf höchster internationaler Ebene zu erfahren.

Iran unterminiert die globale Rechtsordnung vor allem durch regionale Interventionen, Unterstützung nichtstaatlicher Milizen und systematische Missachtungen der Menschenrechte. Hierzu gehören willkürliche Inhaftierungen, Diskriminierung von Minderheiten sowie Rechtsverstöße im eigenen Land, die selten internationalen Prozessen zugeführt werden, weil Iran die Zuständigkeit zentraler Gerichte nicht anerkennt.

Indien, als aufstrebende Mittelmacht, ist bei Grenzkonflikten mit Nachbarstaaten und Begrenzungen im Bereich der Menschenrechte von Vorwürfen betroffen. Besonders die Situation im Kaschmir, der Umgang mit Minderheiten und punktuelle Einschränkungen von Medien- und Versammlungsfreiheit stehen im Widerspruch zu globalen Normen, finden aber aufgrund nationaler Souveränitätsvorbehalte selten Eingang vor internationale Gerichtshöfe.

Regelverletzungen sind „ansteckend“

Militärische und rechtliche „Innovationen“ verbreiten sich rasch – sei es durch bewusste Kooperation, Anpassung aus Eigenschutz bzw. planvolle Nachahmung (US-Drohnenprogramme, russische Söldner, chinesische Überwachungstechnologien). 

Staaten wie Israel, Iran oder Indien übernehmen gezielt Technik und Praktiken aus dem Arsenal der Großmächte, erweitern sie und tragen zur globalen Verbreitung bei. Hierzu gehört auch, dass solche Regierungen ihrerseits wichtige Exporteure von Tötungs-, Folter und Überwachungstechnologien sind und damit aktiv zur Ausbreitung neuer Konflikte beitragen.

Die These, dass Normbrüche zum Nachahmen anregen („wenn einer durchkommt, machen andere es nach“), gilt empirisch sowohl für Groß- als auch für Regionalmächte. Die Übernahme illegaler Praktiken („extralegale Tötungen“, völkerrechtswidrige Überfälle) lässt sich etwa im Nahen Osten, Kaukasus und Südasien verfolgen.

,

Die Weltordnung stirbt in Gaza

gaza weltordnung völkermord schweigen

Internationale Ordnung: Auszüge aus einem Text von Mohammed ElBaradei über das Tod verbindlicher Regeln im Nahostkrieg. (iz). Nachdem COVID-19 im Jahr 2020 Chaos und Elend verursacht hatte, hoffte ich, dass […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Ordnung: Die Welt braucht eine mulitilaterale Lösung

ordnung weltordnung

Ordnung: Die Pandemie der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Multilateralismus eine Antwort auf globale Krisen sein kann. (IPS). Das multilaterale System ist angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und Rivalitäten zwischen […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Das Ende der alten Ordnung – Carlo Masala klärt auf

Ordnung

„Weltunordnung“ bestätigt die Feststellung, dass die USA und ihre Verbündeten nach dem Fall der Mauer keine Ordnung, sondern Chaos hinterließen.

Wenige Tage nach dem 24. Februar 2022, als russische Truppen ihren Angriff auf die Ukraine begannen, sprach Bundeskanzler Scholz von einer „Zeitenwende“. In Folge wurde dieser Begriff zu einem Schlagwort für neue Vorstellungen in der bundesdeutschen Außen- und Militärpolitik.

Dilemma Ukraine

Foto: Kutsenko Volodymyr, Shutterstock

Die alte Ordnung gilt nicht mehr

Wer einen offenen Blick hatte, wusste schon länger, dass die nach 1945 errichtete Nachkriegsordnung nicht auf ewig bestehen würde. Die tektonischen Veränderungen durch Globalisierung und neue Technologien, die von den USA ausgelöste Schwächung internationaler Sicherungs- und Beratungssysteme, der Aufstieg neuer Großmächte wie China und Indien sowie der erstarkende russische Neo-Imperialismus haben diese „Zeitenwende“ vorbereitet.

Als im Februar letzten Jahres erstmals die Sirenen in Kiew ertönten, musste der deutschen und europäischen Bevölkerung klar geworden sein, dass die alten Werte nicht mehr galten. Den Menschen, die im Irak, in Syrien, in Libyen, dem Jemen, in Kaschmir oder in Xinjiang leben, war das schon seit Langem bewusst.

Foto: UN Photo, Evan Schneider

Ein übersichtlicher Band über neuen Verhältnisse

Mit „Weltunordnung“ veröffentlichte Politologe Carlo Masala einen übersichtlichen Band über die neuen Verhältnisse. Der Professor an der Universität der Bundeswehr hat sich seit Ausbruch des Ukrainekrieges zu einer relevanten Fachstimme zum Konflikt entwickelt. Darüber hinaus hat er mitgeholfen, den sicherheitspolitischen Dornröschenschlaf der Deutschen zu beenden.

Mit dem Buch fordert Masala seine Leser auf, sich von ihren bisherigen „Illusionen“ zu verabschieden. Dazu gehören: Die Idee, Globalisierung würde zu mehr Demokratie führen, dass die internationalen Beziehungen zunehmend verrechtlicht sein werden, sowie die widerlegte Hoffnung, Demokratie und Stabilität ließen sich exportieren. Der Titel bestätigt die Feststellung, dass die USA und ihre Verbündeten nach dem Fall der Mauer keine Ordnung, sondern Chaos hinterließen.

„Weltunordnung“ ist auch für muslimische Leser ein relevantes Buch. Gerade auch, um sich in den neuen Herausforderungen der Welt orientieren zu können. (sw)

Carlo Masala, Weltunordnung: Die globalen Krisen und die Illusionen des Westens, C.H. Beck,  Dezember 2022, Paperback, 199 Seiten, ISBN 978-3406793257, Preis: EUR 16,95 (Paperback) / 12,99 (Kindle)