Wer hat Angst vor „politischen Muslimen“? (2)

(iz). Im Irrtum wäre man nun, würde man die Problematik rund um den Diskurs „Politischer Islam“ auf die Begriffsunschärfe reduzieren. Rechtsextreme oder linksextreme Bestrebungen von muslimischen Mitbürgern die freiheitlich demokratische Grundordnung hinfort zu fegen würde auf den Widerstand der politisch breiten gemäßigten muslimischen Mitte Deutschlands stoßen. Allerdings geht es bei dieser Debatte gar nicht um […]

08.09.2021 Muhammad Sameer Murtaza 8 Min. Lesezeit

Foto: Adobe Stock

(iz). Im Irrtum wäre man nun, würde man die Problematik rund um den Diskurs „Politischer Islam“ auf die Begriffsunschärfe reduzieren. Rechtsextreme oder linksextreme Bestrebungen von muslimischen Mitbürgern die freiheitlich demokratische Grundordnung hinfort zu fegen würde auf den Widerstand der politisch breiten gemäßigten muslimischen Mitte Deutschlands stoßen. Allerdings geht es bei dieser Debatte gar nicht um die Extremen, sondern um die Regulierung des Islamverständnisses eben dieser Mitte.

In einer mit Blick auf Judentum oder Christentum undenkbaren Übergriffigkeit erklärt Khorchide, dass ein vor dem Staat legitimes Islamverständnis sich als „spirituelle Angelegenheit des Einzelnen“ versteht, bei dem Muslime den Islam „als Privatsache verstehen und keine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Gesellschaft sind.“ Fast könnte man meinen, dem Inhaber des Lehrstuhls für Islamische Theologie in Münster sei es entfallen, dass der Islam auch eine sozialethische und gemeinschaftliche Dimension besitzt, doch er erklärt an anderer Stelle, dass ein religiös motiviertes Engagement für Umweltschutz, Frauenrechte und Solidarität mit den Armen und Bedürftigen natürlich legitim sei.

Allerdings sind diese Muslime just in eben diesem Moment zunächst einmal Verdächtige, denn diese Akteure könnten sich ja bloß nach außen verfassungstreu geben, um letztendlich ein islamisches „Herrschaftssystem“ zu errichten. Die Aufgabe der Dokumentationsstelle sei es, zwischen Islamisten – man fragt sich, weshalb an dieser Stelle nicht von „Politischen Muslimen“ gesprochen wird – und Muslimen zu unterscheiden. Dieses Denken ist nicht neu und kennt man im Falle des Judentums auch vom Antisemitismus, worauf Marx antwortete: „Der theologische Skrupel, wer eher Aussicht hat, selig zu werden, Jude oder Christ, wiederholt sich in der aufgeklärten Form, wer von beiden ist [von der Religion her] emanzipationsfähiger?“

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