Wer hat Angst vor „politischen Muslimen“ (3)

(iz). Hierzu gehört auch Kritik, die bestimmten Spektren der Herrschenden unwillkommen sein dürfte, namentlich den Verfechtern des Neoliberalismus, die auf eine Entkopplung von Wirtschaft und Demokratie drängen, um zu einer marktkonformen Demokratie, keinem demokratiekonformen Markt zu gelangen. Eine Religionsgemeinschaft, deren Zinsverbot im Kapitalismus zugleich als eine Wachstums-, Mehrwert- und Vermögenskonzentrationskritik verstanden werden kann, sowie sich […]

14.10.2021 Muhammad Sameer Murtaza 3 Min. Lesezeit

Foto: Adobe Stock

(iz). Hierzu gehört auch Kritik, die bestimmten Spektren der Herrschenden unwillkommen sein dürfte, namentlich den Verfechtern des Neoliberalismus, die auf eine Entkopplung von Wirtschaft und Demokratie drängen, um zu einer marktkonformen Demokratie, keinem demokratiekonformen Markt zu gelangen. Eine Religionsgemeinschaft, deren Zinsverbot im Kapitalismus zugleich als eine Wachstums-, Mehrwert- und Vermögenskonzentrationskritik verstanden werden kann, sowie sich für wirtschaftliche Regulierungen, eine Politisierung der Ökonomie und Vermögensverteilung von oben nach unten ausspricht, kann nur als Gegner neoliberaler-wirtschaftsnaher Parteien aufgefasst werden.

Der gegenwärtige Versuch eine sozial aufsteigende Religionsgemeinschaft, die Schröter als „kulturfremd“ diffamiert, staatlich zu kontrollieren, verdeutlicht bereits jetzt drei Dinge: (1) Bei aller Loyalität und Treue der muslimischen Minderheit zu ihren demokratisch verfassten Gesellschaften, hat sie insbesondere im rechten politischen Spektrum Gegner, die bereitwillig den Staatsapparat gegen sie einsetzen werden. (2) Bei allem Religionsfreiheit-Gedöns zeigen sich die Grenzen der Toleranz nur allzu schnell, wenn die autochthone Mehrheitsgesellschaft sich mit Andersartigkeit konfrontiert sieht. Wenn schon Muslime, dann bitte möglichst wie man selber ist, indem das Primat der christlichen Tradition nicht bestritten wird und Muslime am besten noch zu Hause Weihnachten als ein kulturelles, vom Kapitalismus vereinnahmtes Fest, mitfeiern. Dass der Islam jedoch hierzulande gleichwertig mit dem Christentum ist, sodass der Freiraum von nichtmuslimischen Bürgern durch den Gebetsruf berührt werden kann, ist nur schwer zu ertragen für Menschen, die Gesellschaft starr denken. (3) All dies verdeutlicht, dass die muslimische Minderheit als eine zukünftige gesellschaftsprägende Macht von ihren Gegnern angesehen wird und dieses Land dringend eine muslimische Linke braucht.

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