Gaza: Schätzungen gehen weit über angenommene Zahlen hinaus

Eine überwältigende Schätzung von 186.000 Toten im Gazastreifen (im Vergleich zu offiziellen Zahlen von über 37.000) hat den Vorwurf des Völkermords und der Kriegsverbrechen in dem verheerenden neunmonatigen Krieg zwischen Israel und der Hamas wieder aufleben lassen.

6.08.2024 Thalif Deen 3 Min. Lesezeit
gaza opfer

Foto: Phil Pasquini, Shutterstock

(IPS). Diese Projektionen stammen von „The Lancet“, einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften Großbritanniens. In dem Artikel mit dem Titel „Counting the Deaths in Gaza“ heißt es, dass in den jüngsten Konflikten die Zahl der mittelbaren Verluste drei- bis fünfzehnmal höher ist als die Menge der unmittelbaren. Von Thalif Deen

„Wendet man eine vorsichtige Schätzung von vier indirekten Todesfällen pro direktem Todesfall auf die 37.396 gemeldeten Todesfälle an, ist es nicht unplausibel, dass bis zu 186.000 Todesfälle oder sogar mehr auf den aktuellen Konflikt in Gaza zurückzuführen sein könnten.“

KI rafah krieg gaza

Foto: Shutterstock, Anas-Mohammed

Gaza: „Konsequent gegen die völkerrechtlichen Grundsätze“

Dr. Simon Adams, Präsident und CEO des Zentrums für Folteropfer, der größten internationalen Organisation, die Überlebende behandelt und sich weltweit für ein Ende der Folter einsetzt, erklärte gegenüber IPS: „Seit Beginn dieses Krieges haben Israels Militäroperationen im Gazastreifen konsequent gegen die völkerrechtlichen Grundsätze der Unterscheidung, der Verhältnismäßigkeit und der Vorsorge verstoßen.“

„Das Ergebnis ist unermessliches ziviles Leid in Gaza. Es ist unmöglich, eine genaue Zahl der Todesopfer zu nennen, wenn so viele Leichen noch unter den Trümmern liegen oder buchstäblich in Stücke gerissen werden, weil Israel weiterhin Luftangriffe auf Wohnhäuser, Krankenhäuser und sogar UN-Schulen durchführt, in denen vertriebene und schutzbedürftige Zivilisten Zuflucht gefunden haben“, betonte er.

„Die kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes durch die israelische Regierung ist ein Kriegsverbrechen. Ihre Aktionen haben es unmöglich gemacht, eine genaue Zahl der Todesopfer zu ermitteln. Aber ich vertraue der wissenschaftlichen Begründung von ‘The Lancet’ auf jeden Fall mehr als jeder Pressemitteilung der israelischen Verteidigungskräfte“, erklärte er.

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